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Die großen Western 113: Todfeinde

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Die großen Western 113: Todfeinde

Länge:
133 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
May 13, 2015
ISBN:
9783959792752
Format:
Buch

Beschreibung

Diese Reihe präsentiert den perfekten Westernmix! Vom Bau der Eisenbahn über Siedlertrecks, die aufbrechen, um das Land für sich zu erobern, bis zu Revolverduellen - hier findet jeder Westernfan die richtige Mischung. Lust auf Prärieluft? Dann laden Sie noch heute die neueste Story herunter (und es kann losgehen).

Sheriff Howard Costontino wanderte über die Gehsteige durch den Herbstnebel, der so dicht war, dass man kaum zwei Schritt weit sehen konnte. Es mochte noch eine Stunde dauern, ehe die Nacht über Trail City hereinbrach, aber an vielen Stellen brannten schon Lichter. Sheriff Howard Costontino war ein Mann mit einem Gesicht wie aus Erde. Er trug den Stern des Gesetzes auf der linken Seite seiner Weste, die von einer grauen Cordjacke verdeckt war. Auf den ersten Blick hätte man ihn für einen jener schwerfälligen Siedler halten können, die am Ufer des Crazy Woman Creek wohnten. Wenn man aber genauer hinsah, konnte man nicht übersehen, dass die Bewegungen dieses Mannes alles andere als schwerfällig waren. Sheriff Howard Costontino trug unter der Jacke einen Revolver, und jeder im Crazy Woman Valley wusste, dass er damit umzugehen verstand. Unter einer Laterne blieb er stehen. Während er eine Zigarette drehte, lauschte er dem Lärm, der aus den drei Saloons der Stadt drang. Irgendwo aus dem Nebel hallten sporenklirrende Schritte und grölendes Gelächter zu ihm herüber. Hammerschläge hallten dumpf gegen eine Holzwand. Er hörte Reiter in die Stadt kommen, sah die schwimmenden Umrisse ihrer Gestalten kurz aus dem Nebel auftauchen und wieder verschwinden. Bedächtig zog Sheriff Costontino den würzigen Rauch ein und verstaute das Rauchzeug wieder in die Tasche. Er griff in die Hemdtasche, entfaltete ein Telegramm, studierte den Text zum hundertsten Male und steckte es wieder ein. Da hatte also einer in Rawlins die Bank überfallen, einen Kassierer erschossen und sechstausend Dollar abgehoben, die ihm nicht gehörten. Und dieser Mann, der als groß, blond und grauäugig beschrieben wurde, sprach texanischen Dialekt und hatte eine Narbe im Gesicht. Costontino spuckte in den Nebel. Was die sich in Rawlins dachten. Morgen war in Trail City Rodeo, und kein Reiter im Umkreis von hundert Meilen würde versäumen, hierherzukommen. Sei es, um die begehrten Preise zu gewinnen oder auf andere Art an Geld zu kommen.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 13, 2015
ISBN:
9783959792752
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Die großen Western 113

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Buchvorschau

Die großen Western 113 - Robert Ullmann

Die großen Western

– 113 –

Todfeinde

Robert Ullmann

Sheriff Howard Costontino wanderte über die Gehsteige durch den Herbstnebel, der so dicht war, dass man kaum zwei Schritt weit sehen konnte.

Es mochte noch eine Stunde dauern, ehe die Nacht über Trail City hereinbrach, aber an vielen Stellen brannten schon Lichter.

Sheriff Howard Costontino war ein Mann mit einem Gesicht wie aus Erde. Er trug den Stern des Gesetzes auf der linken Seite seiner Weste, die von einer grauen Cordjacke verdeckt war. Auf den ersten Blick hätte man ihn für einen jener schwerfälligen Siedler halten können, die am Ufer des Crazy Woman Creek wohnten. Wenn man aber genauer hinsah, konnte man nicht übersehen, dass die Bewegungen dieses Mannes alles andere als schwerfällig waren. Sheriff Howard Costontino trug unter der Jacke einen Revolver, und jeder im Crazy Woman Valley wusste, dass er damit umzugehen verstand.

Unter einer Laterne blieb er stehen. Während er eine Zigarette drehte, lauschte er dem Lärm, der aus den drei Saloons der Stadt drang.

Irgendwo aus dem Nebel hallten sporenklirrende Schritte und grölendes Gelächter zu ihm herüber. Hammerschläge hallten dumpf gegen eine Holzwand. Er hörte Reiter in die Stadt kommen, sah die schwimmenden Umrisse ihrer Gestalten kurz aus dem Nebel auftauchen und wieder verschwinden.

Bedächtig zog Sheriff Costontino den würzigen Rauch ein und verstaute das Rauchzeug wieder in die Tasche. Er griff in die Hemdtasche, entfaltete ein Telegramm, studierte den Text zum hundertsten Male und steckte es wieder ein.

Da hatte also einer in Rawlins die Bank überfallen, einen Kassierer erschossen und sechstausend Dollar abgehoben, die ihm nicht gehörten.

Und dieser Mann, der als groß, blond und grauäugig beschrieben wurde, sprach texanischen Dialekt und hatte eine Narbe im Gesicht.

Costontino spuckte in den Nebel. Was die sich in Rawlins dachten. Morgen war in Trail City Rodeo, und kein Reiter im Umkreis von hundert Meilen würde versäumen, hierherzukommen. Sei es, um die begehrten Preise zu gewinnen oder auf andere Art an Geld zu kommen. Diese Beschreibung passte auf Millionen Amerikaner, und man verlangte von ihm, dass er den Mann herausfand – wenn er überhaupt hierherkam.

Costontino ging weiter und knurrte missmutig. Das ganze Jahr über war es in Trail City still. In dieser Zeit kam man sich als Sheriff so überflüssig vor wie ein Komiker bei einer Beerdigung. Dann aber, wenn das Herbst-Round-up beendet war, schien es, als sollte alles, was sonst in einer normalen Stadt passierte, nun auf eine Woche konzentriert werden. In diesen sieben Tagen war Trail City die Hölle, und Costontino kam nicht mehr aus den Stiefeln.

Welcher Teufel hatte ihn geritten, diesen Job anzunehmen, statt sich irgendwo als Small-Rancher niederzulassen und in Ruhe eine Existenz aufzubauen! Aber fünf Jahre bestand die Stadt, und fünf Jahre trug er den Stern.

Aus dem Nebel tauchte ein Reiter auf, der aus dem Sattel stieg, sein Pferd anband und auf den Gehsteig trat.

Otis Kerrigan war ein Hüne mit braun gebranntem Gesicht und kühlen grauen Augen. Er trug Levis-Hosen, ein gelbes Kattunhemd und einen breitrandigen Hut. Tief unter der Gürtelschnalle lag ein schwarzer Büffelledergurt, wie man sie in Texas zu tragen pflegte.

Costontino grinste Kerrigan an.

Seit zwei Jahren war Otis Kerrigan Vormann der Double-X-Ranch. Und seitdem gab es keinen ersten Preis mehr beim Rodeo, der nicht von ihm erkämpft worden war.

Ein prächtiger Bursche, dachte Costontino. Stark wie ein Bison, geschmeidig wie ein Puma und schnell wie ein Windhund. Otis Kerrigans Vergangenheit lag in undurchdringliches Dunkel gehüllt. Niemand wusste mehr, als dass er aus Texas kam und einen Revolver trug, den er jedes Mal, wenn es Händel gab, ablegte.

»Ich habe mir schon gedacht, dass du Jim suchst, Otis. Er ist drüben bei Hartley und füttert ein halbes Dutzend Dunkelmänner mit seinen Dollars.«

»Danke, Sheriff. Ist Jim betrunken?«

Costontino lächelte.

»Ich habe ihn hier noch nie nüchtern gesehen. Ich bin mal gespannt, was die Kartenhaie von ihm übrig gelassen haben. Es ist jedes Jahr dasselbe. Schon seit drei Jahren will er seiner Sally das Pariser Modellkleid kaufen, und jedes Mal haut er die Bucks gleich am ersten Tag auf den Kopf.«

»Seine Sache«, erklärte Kerrigan gleichmütig.

Gemeinsam überquerten sie die Straße und suchten die helle Doppellaterne von Rich Hartleys Spielsaloon.

Sie mussten plötzlich aus dem Nebel auftauchenden Wagen und Reitern ausweichen und stießen auf dem Gehsteig mit Männern zusammen. Aus Hartleys Spielsaloon dröhnten das Orchestrion und raue Männerstimmen.

»Sag mal, Otis«, meinte Costontino beiläufig, »wirst du diesmal auch nicht am Revolverschießen teilnehmen?«

»Nein«, antwortete Otis knapp und blickte den Sheriff an. »Warum fragst du?«

Costontino erwiderte den Blick.

»Nicht aus Neugier. Neugierig sind die anderen. Die Neugier der Menschen ist wie ein gefräßiges Tier. Sie muss gefüttert werden. Du bist der Rodeochampion, Otis. Alle Wettbewerbe hast du gewonnen. Die Leute haben aber bereits mehr Wetten darauf abgeschlossen, ob du diesmal schießen wirst, als auf die anderen Kämpfe. Wenn du diesmal auch nicht mitmachst, beginnen sie nachzudenken. Und dabei kommt nicht gerade viel heraus. Ich meine, deine Weigerung hat bestimmt einen Grund.«

Otis blieb stehen. Auf seiner Stirn bildeten sich zwei steile Falten.

»Der geht nur mich etwas an, Howe.«

»Sicher. Aber das hat einen Haken. Du willst vielleicht etwas vermeiden, was du gerade durch deine Weigerung herbeiführst.«

Otis trat ganz nahe auf Costontino zu. »Sag, was meinst du, Howe.«

»Otis, du trägst ihn so, dass selbst einer mit einem Glasauge sehen kann, dass dieser Colt für dich mehr als nur ein Revolver ist.«

»Was willst du damit sagen?«

»Gar nichts, denn es ist deine Sache. Du weißt, dass man hier nicht viel danach fragt, woher ein Mann kommt. Aber wenn du diesmal nicht am Schießen teilnimmst, wird man dich für einen Revolvermann halten, der aus irgendeinem Grunde keine Lust mehr an seinem Job hat. Reg dich nicht auf, Otis. Ich sage nur, was die Leute schwatzen und was daraus entstehen kann. Keine Macht der Welt kann verhindern, dass dieses Gerücht entsteht und wie ein Brand über die Weide geht. Eines Tages werden Männer kommen, die feststellen wollen, was an dem Gerücht dran ist. Und dann – fürchte ich – musst du schießen.«

Die Augen des Texaners waren ruhig auf den Sheriff gerichtet. Langsam sagte er: »So ist das also.«

Costontino nickte schwer. »Otis, so ist das.«

»Ich bin kein Revolvermann, Howe. Ich war auch niemals einer.«

»Glaube dir aufs Wort. Aber es ist nun mal so, wenn man den anderen nicht auf Schritt und Tritt beweist, dass man ein völlig normaler Sterblicher ist, suchen sie sich von zwei Möglichkeiten immer die aufregendste aus.«

»Ich werde trotzdem nicht schießen«, sagte Kerrigan und ging weiter.

Costontino folgte ihm und begann, eine Zigarette zu drehen. Die Doppellaterne des Spielsaloons tauchte aus dem Nebel auf.

Dicht vor der Schwingtür drehte Ker­rigan den Kopf.

»Vielleicht werde ich dir eines Tages sagen, warum ich jedes Schießeisen hasse und trotzdem eins trage.«

Kein Muskel regte sich im Gesicht des Texaners, als er das sagte. Ein Gefühl der Beklemmung kroch in Costontino hoch, als er Kerrigan in den hellerleuchteten Saloon folgte.

Sämtliche Tische waren besetzt. Dazwischen standen Neugierige mit Gläsern in der Hand. Die Theke war von einem Rudel Trailreiter belagert, denen man ansah, dass sie schon die Dollars der Rodeo-Preise in ihren Taschen klimpern hörten.

In den kleinen Logen, die man über drei Stufen erreichte, saßen Rancher und Viehaufkäufer und feilschten um Rinderpreise.

Die hohe Gestalt des Texaners zog sofort alle Blicke auf sich. Der Sheriff in seinem Schatten wurde gar nicht beachtet. Er grübelte immer noch über die knapp hervorgestoßenen Worte nach. Costontino wusste in diesem Augenblick ganz genau, dass Kerrigan auch den Revolver- und Gewehrwettbewerb gewinnen würde, wenn er wollte.

Jim Sainer saß in einer Ecke mit dem Rücken zur Wand. Er war ein junger Bursche mit einem Gesicht, in dem mehr Sommersprossen als Poren waren. Sein Haar war feuerrot. Er hatte die Hemdsärmel hochgeschlagen und starrte mit entzündeten Augen auf die Karten in seiner Hand. Vor ihm stand eine fast geleerte Flasche. Er spielte mit zwei vornehm gekleideten Männern, deren ausdruckslose Pokergesichter alles aussagten, was man über sie wissen wollte. Auf dem Tisch lag ein Berg Banknoten und Münzen. Hinter einem der Spieler blieb Otis Kerrigan stehen.

Jim war am Ende. Er hielt den letzten Einsatz, schob eine Dollarnote, seine letzte, zur Mitte und deckte auf.

Der Pokerspieler hatte vier Asse, Jim drei Könige und zwei Damen.

Jim hieb auf den Tisch, setzte die Flasche an den Hals und warf sie dann in die Ecke, wo sie zerbarst.

»Soll euch der Satan holen«, fluchte er und wollte aufstehen. In diesem Augenblick bemerkte er Kerrigan. Sein rotes Gesicht verklärte sich. Er warf beide Arme hoch.

»Heh, Boss! Ich bin pleite! Alles weg! Sie haben mir das Fell über die Ohren gezogen. Dabei hatte ich schon dreihundert Dollar gewonnen. Verdammt, hol euch der Satan! Jim Sainer ist im Eimer. Und, verdammt, Sallys Kleid auch.«

Vielleicht wäre Otis jetzt mit Jim zu den Pferden hinausgegangen, aber da wandte sich einer der Spieler auf dem Stuhl um, blickte zu Kerrigan hoch und sagte voll Ironie: »Ah, Sie sind Mr Ker­rigan. Jim hat mir so viel Großartiges von Ihnen erzählt, dass ich zwanzig Dollar auf Sie gesetzt habe. Wie wäre es mit einem Spielchen? Ein Mann wie Sie müsste doch auch ein guter Pokerspieler sein.«

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