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Der Gott im 9. Monat: Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt
Der Gott im 9. Monat: Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt
Der Gott im 9. Monat: Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt
eBook478 Seiten5 Stunden

Der Gott im 9. Monat: Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt

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Über dieses E-Book

Die exklusiven biologischen Eigenschaften der Frau fehlen den Patriarchen zur Erlangung der totalen Herrschaft in der Welt. Daher streben sie danach, sich die Gebärfähigkeit und Stillfähigkeit anzueignen, was auf die Auslöschung der Mutter hinausläuft. In den Mythen der Götter und ihrer Ränke ist es vollbracht: Der Mord an der Urmutter ist Mittel und Zweck zugleich, die Geburt erfolgt danach mit einem Axthieb auf den göttlichen Kopf, aus Augen, Nase, Mund, Rippe oder Lehm, als Schaumgeburt aus dem Meer, auf dem Knie und sogar als Ringkampf. Dem so befriedigten Gebärneid folgt zwangsläufig der Stillneid, der sich mythologisch in der Gleichsetzung des männlichen Ejakulats mit der Muttermilch und dem Wasser äußert. Daher sind alle poly- und monotheistischen Hochgötter WETTERGÖTTER, die für den fruchtbaren Regen sorgen sollen, den einst die Erdmutter von den Bergen und übers Meer sandte. Sie sind der Versuch, aus Mutter Erde einen Vater Erde zu machen. Seit Machthaber die Menschen aus den allversorgenden mütterlichen Sippen gerissen und von sich abhängig gemacht haben, gaukeln sie ihnen vor, dass es ihnen auch jetzt an nichts fehlt, ja alles sogar noch besser werde. Der faule Zauber fliegt nicht einmal mit den Schwierigkeiten auf, die das Patriarchat seit seinen Anfängen produziert. Was einst mit der Unterjochung der Frau begonnen wurde, äußert sich heute vor allem in der folgenreichen Überbevölkerung. Moderne Patriarchate arbeiten dagegen an der Wegrationalisierung der Mutter: in der Familiengesetzgebung, in der Reproduktionsmedizin, in der Erprobung der Geburt aus einem Roboter, mit der Patentierung der Muttermilch oder der Privatisierung des Trinkwassers.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum1. Okt. 2015
ISBN9783739295640
Der Gott im 9. Monat: Vom Ende der mütterlichen Gebärfähigkeit und dem Aufstieg der männlichen Gebärmacht in den Religionen der Welt
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Autor

Gabriele Uhlmann

Die Patriarchatsforscherin und -kritikerin Gabriele Uhlmann (Jg. 1964) beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit den Wurzeln unserer Kulturen. Sie kritisiert die ideologisch motivierte Archäologie und Urgeschichtsforschung und deren Instrumentalisierung für gegenwärtige gesellschaftspolitische Ziele. Ihr unabhängiger, interdisziplinärer Ansatz berücksichtigt dabei Kulturanthropologie, Theologie, Psychologie, Biologie, Geografie u.v.m.. Nach "Archäologie und Macht" (2012) legt sie mit diesem Band ihr zweites Buch vor.

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    Buchvorschau

    Der Gott im 9. Monat - Gabriele Uhlmann

    Inhalt

    Zur Geburtsvorbereitung

    TEIL 1 – Kabale und Wetter

    Schönwetterarchäologie im Tragetuch unserer Kultur

    Die patriarchale Annexion in der ausgehenden Jungsteinzeit – Vorbild für den Latmos?

    Kurzschluss zur patriarchalen Mythologie

    Wie Krieg und Gier am Latmos die Religion formten

    Verbotene Berge – verbotene Gedanken

    Die Zwangsverheiratung von Mutter Erde und die Entledigung

    Stillneid – das heilige Ejakulat

    Die ewige Sonnengöttin und ihr Brunnen

    Der Mond und das fruchtbare Nass

    Der Aufstieg und der Untergang des Wettergottes

    Zeus – die Auferstehung des Wettergottes

    Die Große Mutter reicht allen die Hand

    TEIL 2 – Schwere Jungs und schwere Geburt: Die Symbolik des japanischen Sumō

    Die Urgeschichte Japans – der mütterliche Urgrund

    Die Patriarchalisierung Japans

    Fruchtbarkeitsriten als Abwehrzauber

    Die Errichtung des Staates Yamatai und das weibliche Priesterkönigtum

    Die ersten Tennō – Trennung von sakralem und politischem Amt

    Die politische Transsexualität des Pantheons

    Amaterasu, die Patrilinearität und die Reichsinsignien Spiegel, Schwert und Jade-Juwel

    Sumō – eine Geburtscharade für Amaterasu

    Sumō und die lästigen Frauen

    Das dicke Ende

    ANHANG

    Literatur

    Index

    Bildnachweis

    Zur Geburtsvorbereitung

    Mit nur 6 Tagen stellte der biblische Gott einen bisher ungebrochenen Schwangerschaftsrekord auf und gebar dabei nicht nur alle Lebewesen, sondern auch die unbelebte Materie. Damit besiegte er nicht nur die ewige Rekordhalterin, die Große Mutter, die hierfür 9 Monate benötigte. Auch alle männlichen Götter, die sich vor ihm damit versucht hatten und den Rekord der Großen Mutter höchstens einstellen konnten, lagen hinter ihm zurück. Jeder Sonntag diente nun der Erinnerung und der Feier des epochalen Sieges. Unter Androhung von Tod und Verderben wurde den Menschen sonntags eingeredet, dass sie sich irren, wenn sie an ihm und seinen Fähigkeiten zweifelten. Die Zweifel wurden auch immer weniger, denn die Menschen fanden in den Reden die Legitimation für eigene Situation, nicht ahnend, dass die Redner diese Situation und den Gott dazu selbst geschaffen hatten. Alle gebärenden Mütter bewiesen immer wieder, dass Alles nur Lug und Trug ist. Dass der Wettkampf tatsächlich nicht ohne unfaire Mittel zu gewinnen war, kam aber erst Jahrtausende später ans Licht. Die Wissenschaft hatte festgestellt, dass die Welt Milliarden Jahre alt ist, und die Astronauten trafen im Himmel keinen Gott an. Verändert haben sie damit praktisch nichts. Denn schon lange gilt das Gewohnheitsrecht. Der ungesunde Menschenverstand erklärt die Mutter weiterhin zu einem Mangelwesen. Die führenden Männer der großen Religionen erklären nach wie vor der Frau und Mutter, was für sie gut und richtig sei. Ihre Fähigkeit steht sogar dem Fortschritt im Wege. Es ist der Fortschritt des Patriarchats, der Schritt fort von Mutter Natur. Die Wirtschaft behandelt Mutter Erde wie einen Untertan, den man nach Belieben ausbeuten darf, und erklärt den Weltraum zum Einwanderungsland der Zukunft, wenn sie zerstört ist, dabei häuft sich unterdessen auch dort der Müll. Abermilliarden Dollar werden in diesen Irrsinn investiert, Energie, die hier dringend gebraucht wird. Das Geld fehlt den Müttern dieser Welt an allen Ecken. Es ist das Geld, mit dem sich die Mütter aus dem Patriarchat befreien würden.

    Die 7000 Jahre alte Geschichte der Bekämpfung der Mutter ist kein Schnee von gestern, sondern das Patriarchat hat immer noch nur dieses eine Ziel und lässt nicht locker, bis es erreicht ist. Was der alleinherrschende Gott vormacht, entspricht dem Wunschdenken der Patriarchen. Der Wunsch kommt der Wirklichkeit immer näher, denn die Mutter wird in den Industriestaaten mittlerweile wegrationalisiert, indem immer mehr Kinder in staatlichen Kindertagesstätten (sog. Kitas) ganztags untergebracht werden. Vater Staat spielt sich als die bessere Mutter auf und legitimiert sich mit fragwürdigen Studien, die die Schädlichkeit der Mutter für ihr Kind nachweisen sollen. Der Grenzwert der neuen Wirklichkeit ist bisher noch die Gebärfähigkeit der Frau und nur der Frau. Die Frauen reagieren inzwischen mit einem Gebärstreik und passen sich männlichen Werten und Arbeitsrhythmen an. Ihr Feminismus entpuppt sich als Trojanisches Pferd des Patriarchats.

    Sigmund FREUD glaubte, dass jeder Frau ein Penisneidkomplex angeboren sei, der nur mit einer Geburt einigermaßen kompensiert werden könne. Dass es sich dabei um eine Fehldiagnose handelt, ist mittlerweile erwiesen. Frauen, die neidisch auf einen Penisträger sind, werden vom Patriarchat dazu getrieben. Die Psychoanalytikerin und Freud-Schülerin Karen HORNEY kritisierte ihn als Erste für seine Lehre und stellte den Gebärneid („Womb and vagina envy") des patriarchalen Mannes dagegen. Die Ethnologin Margret MEAD und der Psychoanalytiker Bruno BETTELHEIM „analysierten verschiedene Riten und Gebräuche, insbesondere Adoleszenzrituale als Ausdruck eines männlichen Gebärneides. MEAD untersuchte dabei nicht nur sieben Südseekulturen, sondern widmete ein eigenes Kapitel auch den ‚beiden Geschlechtern im heutigen Amerika’, um deutlich zu machen, dass die männliche Geschlechtsidentität nicht allein in schriftlosen Stammeskulturen, sondern ebenso in hoch entwickelten Zivilisationen mittels einer symbolischen Aneignung weiblicher Fertilität kulturell hergestellt wird."i BETTELHEIM wies das Symptom erstmals an seinen Patienten nach. Im westlichen Kulturkreis sind Männerschwangerschaft und Männerkindbett, die sog. Couvade, die die Männer mancher indigener Völker, z.B. in Papua Neuguinea, inszenieren, allerdings unbekannt.

    Über den Gebärneid ist inzwischen schon viel geschrieben worden, insbesondere Analysen, die aufzeigen, wie er sich durch die gesamte Lebenswirklichkeit des Menschen gefressen hat. Als Bestandsaufnahme der Symptome der Krankheit Patriarchat sind diese Arbeiten sehr wertvoll. Die Publizistin Hilde SCHMÖLZER (2005) beschreibt in ihrem Buch „Die abgeschaffte Mutter", dass die Reproduktionsmedizin vor allem vom Gebärneid angetrieben wird. Von der Leihmutterschaft bis hin zu dem Versuch, einen Mann oder sogar eine Maschine ein Kind austragen zu lassen, sind Mediziner daran beteiligt die Mutter auszuschalten oder wenigstens kinderlose Paare mit einem Retortenkind zusammenzuschweißen.

    In Japan, aber auch in den USA, wird mit Hochdruck an der Geburt aus einer Gebärmaschine, der sog. Ektogenese, gearbeitet. Nach der patriarchalen Machbarkeitsphilosophie wird die Menschheit damit vollständig von Technik abhängig werden. Die Protagonisten dieser Entwicklung lassen natürlich außer Acht, dass sie eine Verantwortung tragen für die Kinder, die dabei entstehen, und diese es sind, die mit ihrem Retortenkörper leben müssen. Die Philosophin Julien S. MURPHY (1992) führt aus, unter welchen Aspekten die Ektogenese in Hinblick auf die Situation der Frau diskutiert wird und werden muss. Die Soziologin Ann OAKLEY (1984) zeigt auf, „dass ein langer Prozess der Okkupation des weiblichen Körpers durch eine häufig frauenfeindliche Medizin im Namen der Wissenschaft die Kontrolle über die Frau und die Geburt übernommen hat. Vor diesem Hintergrund würde die Ektogenese existierende Ungleichheiten und verzerrte Wahrnehmungen noch verstärken. Frauen würden nicht befreit, sondern weiter unterjocht und entfremdet von ihrem Körper und ihren Fähigkeiten."ii Die Ektogenese wird selten als Ausgeburt männlichen Gebärneides und damit als das Endziel des Patriarchats wahrgenommen, sondern als eine von vielen Techniken besprochen. Diese Technik und ihre Jubelarien beruhen auf dem folgenschwersten Irrtum der Menschheit: Die ersten Patriarchen überhaupt, nomadische Viehzüchter der eurasischen Steppe und der Bergregionen des Nahen Ostens, glaubten erkannt zu haben, dass der Stier die Kuh oder der Hengst die Stute „befruchtet, was ja „mit Frucht versehen bedeutet, und verrannten sich in der Annahme, dass die Frau nur das Gefäß des Samens sei. Diese Haltung verbreitete sich mit den kriegerischen Indoeuropäern sowie Bergstämmen auch im ackerbäuerlichen Leben, wo die Ackerfurche mit dem weiblichen Geschlecht gleichgesetzt und der Sämann der Herr über das Leben der Pflanzen wurde, wo ursprünglich die Frauen den Ackerbau ersannen und die Felder bestellten. Dabei ist der vermeintliche Samen im biologischen Sinne lediglich Pollen. Jedes Kind hat sogar mehr von der Mutter als vom Vater geerbt: Die Mutter liefert dem Kind in ihrem Bauch nicht nur Nahrung und den ersten Raum, in dem es von den Bewegungen der Mutter, ihrer Stimme, ihren Hormonen, ihrem Immunsystem etc. profitiert, sondern bekanntermaßen auch zur Hälfte ihre Gene und, noch kaum bekannt und nach neuester Erkenntnis, sogar ihre eigenen Zellen und die der Großmutter. Die biologische Funktion und die Entstehung dieses sog. Mikrochimärismus ist noch gar nicht erforscht.iii So spannend das ist, die naive Erforschung dieses Phänomens könnte die Entwicklung der Ektogenese weiter vorantreiben.

    Der Soziologe Rolf POHL (2004) versteht „den Hass und die Gewaltbereitschaft gegenüber Frauen auch als Ergebnis einer Leugnung und Abwehr der männlichen, auf den weiblichen Körper gerichteten Begierde. Die durch Frauen ausgelöste sexuelle Erregung bestätigt die Abhängigkeit des Mannes und entlarvt die im männlichen Autonomiewunsch enthaltene Idee vollkommener Beherrschung und Kontrolle als wahnhafte Illusion."iv Doch der patriarchale Mann will nicht nur vollkommene Kontrolle über sich selbst, sondern über die gesamte Menschheit. Die exklusiven, biologischen Fähigkeiten der Frau fehlen ihm zur totalen Herrschaft in der Welt. Nur in den Mythen der Götter und ihrer Ränke hat sich sein Wunsch bisher erfüllt. Damit ist es aber nicht genug, denn die von den Göttern geborenen Kinder müssen auch genährt werden. Die tiefe Einheit zwischen Mutter und Kind ist dem Patriarchen zuwider, denn sie führt ihm seine Ohnmacht erneut vor Augen. Er spürt, dass er nie die vollkommene Macht erringen wird. Dabei redet er sich nur ein, dass die Mutter Macht besitzt. Mutter Natur hat den Frauen lediglich die Kinder anvertraut und sie mit allem ausgestattet, was dazu nötig ist, das Kind gedeihen zu lassen. Reißt der Patriarch die Verantwortung für das neugeborene Kind an sich, folgt unausweichlich der Stillneid, der sich mythologisch in der Gleichsetzung des Ejakulats mit der Muttermilch und dem Wasser äußert. Daher sind alle Hochgötter WETTER-GÖTTER. Im wahren Leben ist der Stillneid auch ein wesentlicher Antrieb der Wirtschaft und gipfelt z.B. darin, dass der Nestlé-Konzern die Muttermilch nicht nur durch Industriemilch ersetzt, sondern auch in Zusammenarbeit mit dem Monsanto-Konzern patentieren ließ (US-Patent-Nr. 8012509). Sie brachten Mütter dazu, dafür Milch abzupumpen. Wenn es einst nach dem Nestlé-Konzernchef geht, wird auch das Trinkwasser privatisiert werden. In geradezu klassisch-urpatriarchaler Manier beginnt er seine Botschaft an die Welt mit einem Bild aus der Viehzucht: „Ja, es gibt da bei uns ein schönes Lied: ’Wasser braucht das liebe Vieh, hollera und holleri’, wenns sich erinnern können. Wasser ist natürlich das wichtigste Rohmaterial, das wir heute noch auf der Welt haben. Es geht darum, ob wir die normale Wasserversorgung privatisieren, oder nicht. Da gibt es zwei verschiedene Anschauungen. Die eine Anschauung, extrem würde ich sagen, wird von einigen von den NGO ´s vertreten, die darauf pochen, dass Wasser zu einem öffentlichen Recht erklärt wird. Das heißt, als Mensch sollten Sie einfach Recht haben, um Wasser zu haben. Das ist die eine Extremlösung. Ja? Und die Andere, die sagt: ‚Wasser ist ein Lebensmittel. So wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben.’ Ich persönlich glaube, es ist besser, man gibt einem Lebensmittel einen Wert, so dass wir alle bewusst sind, dass das etwas kostet und dann anschließend versucht, dass man mehr spezifisch für diesen Teil der Bevölkerung, der keinen Zugang zu diesem Wasser hat, dass man dann dort etwas spezifischerer eingreift und da gibt es ja verschiedene Möglichkeiten also.v Natürlich würde der Nestlé-Konzern, der schon jetzt weltgrößter Abfüller von Trinkwasser ist, damit sofort zur mächtigsten Größe der Welt und könnte außer den Müttern auch die ganze Menschheit nicht nur aus-, sondern auch erpressen. Hübsch passt zu dieser Ideologie, dass der Name des Konzerns ausgerechnet an die Geburtsstätte der Vögel erinnert, ein Motiv, dass uns in diesem Buch in der Mythologie der frühen Patriarchate wieder begegnen wird, und zwar als Ort des Verrats. Die Anrufung der Holle/Holda mit „hollera und holleri fügt sich darin passgenau ein, denn diese südgermanische Göttin steht auch für das patriarchale Prinzip, dass es den guten (Gold-)Regen nur für Leistung gibt, während die Große Mutter der vorpatriarchalen Zeit wie eine Stillende selbstlos gab. Die bronzezeitliche Geisteshaltung ist bei weitem nicht überwunden, sondern wurde nur modern verpackt.

    Aus Kindern werden erwachsene Menschen, und wie soll ein Patriarch sie beherrschen, wenn er nicht einmal die Kinder unter Kontrolle hat? Er erreicht eine Teiletappe, indem er die Mutter ohnmächtig macht. Er reißt sie aus ihrer mütterlichen Sippe und isoliert und bewacht sie. Er nennt das „beschützen. In Wahrheit schützt er sich selbst vor anderen Männern, die ihm seinen Besitz, die Frau, wegnehmen wollen. Die Patrilokalität macht einsam und schürt Misstrauen gegen jeden und jede. Das Patriarchat zielt auf Abtrennung, auf Loslösung und Isolierung und stellt damit künstlich ein Heer von Abhängigen her. Die Mächtigen geben vor, sie zu nähren und vor Unheil zu bewahren. Nicht nur die Frauen leiden darunter, sondern auch die Männer, die ebenso die Folgen ihres eigenen Systems tragen müssen: Überbevölkerung, Gewalt, Krieg, sexuelle Unzufriedenheit, schwere Arbeit und nur sonntags frei. Mittlerweile sollte eigentlich in der westlichen Welt Allgemeinwissen sein, dass das Patriarchat und seine Protagonisten der Menschheit schweren Schaden zu gefügt haben und ihre Existenz bedrohen. Dem ist aber nicht so, ja das Patriarchat wird sogar von der neuen Strömung der sog. Maskulisten geleugnet. Der Blogger „Zettmann findet den Gebärneid ganz toll: „Aus dieser Sicht setzen die Männer das ‚Ich will auch‘ seit vielen Jahrhunderten mit sehr großer Produktivität in die Tat um. Der Neid der Männer auf die Gebärfähigkeit wirkt sich also gewinnbringend auf die gesamte menschliche Entwicklung aus."vi Er ließ sich ausgerechnet von einer Frau überzeugen, der deutsch-iranischen Journalistin Mariam LAU, die den Gebärneid für eine segensreiche Neurose hält: „Bezogen auf die Entschlüsselung des menschlichen Genoms werden womöglich Diabetiker, Unfruchtbare und Krebskranke vom Gebärneid der Männer profitieren – ‚wie wir uns überhaupt mit dem Gedanken befreunden sollten, dass der Neid zwischen den Geschlechtern eine hochproduktive Angelegenheit ist, mit der die Menschen ihre konstitutionelle Bisexualität nicht nur einklagen, sondern auch in die Tat umsetzen’."vii

    Genau diese Haltung entpuppt sich als Zirkelschluss, sind doch gerade diese Zivilisationskrankheiten eine Folge des Patriarchats. Männer wie Frauen sehen leider viel zu selten, wie tief sie selbst verstrickt sind. Das Nichtsehen der Offensichtlichkeit, das „Mitspielen beim Patriarchat" führt die Patriarchatsforschung auf ein kollektives Stockholm-Syndromviii zurück. Es ist das dem Überleben dienende Verhalten von Entführungsopfern, die beginnen, mit ihrem Peiniger zu kooperieren.

    Echte Naturvölker sind nicht neidisch auf die Organe des jeweils anderen Geschlechts. Sie sind zufrieden mit dem, was sie haben, und erkennen instinktiv den Wert des Andersseins. Welchen evolutionären Wert sollte es auch haben, solche Symptome zu entwickeln? Matrifokalität ist die natürliche Lebensweise von homo sapiens. Ihre Entdeckung war ein mühsamer Prozess, der von richtigen Beobachtungen und richtigen wie falschen Schlüssen geprägt war. Nach Jahren der Diskussion, in der auch viel Zeit mit der sog. Modernen Matriarchatsforschung nach Heide GÖTTNER-ABENDROTH verging, schälte sich seit etwa 1998 eines heraus, das ich in seiner heutigen Klarheit und Stringenz, und besonders der persönlichen Erfahrbarkeit, für richtig halte. In den USA, wo sogar an manchen Universitäten Patriarchatsforschung betrieben wird, lebt die weltweit renommierte, inzwischen emeritierte Anthropologin Sarah BLAFFER HRDY, die von sich schreibt: „Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’ (2000)."ix Diese Erkenntnis kam jedoch etwas zu spät, und das Buch „Mutter Natur" wurde vorschnell veröffentlicht. In dieser Form irritierte es mehr, als dass es aufklärte, jedenfalls was meine Person angeht; die Presse jedoch feierte das Buch, was an sich schon zur Vorsicht mahnen sollte. Dennoch kann es als Bestandsaufnahme der sozialen Probleme, die das Patriarchat verursacht hat, gelten, z.B. bei der Frage des Kindermordes, und es erklärt die Bedeutung von Alloeltern und insbesondere der Großmutter mütterlicherseits, basierend auf der sog. Großmutter-Hypothese der Anthropologin Kristen HAWKES (1998). Eine 2004 erschienene Studie führte BLAFFER HRDY endlich zu einem neuen Buch: „Als die Anthropologin Helen Alvarez von der Universität von Utah die ursprünglichen ethnologischen Aufzeichnungen anhand deren Murdock die Residenzmuster von Jäger-Sammlern ermittelt hatte, einer sorgfältigen nochmaligen Analyse unterzog, waren ihre Ergebnisse ein Schock für die Fachwelt. Murdock hatte strenge Kriterien für die Einordnung von Kulturen in bestimmte Residenzkategorien aufgestellt. So musste beispielsweise ein genau festgesetzter Prozentsatz von Paaren bestimmte Wohnsitzregeln erfüllen, damit ihre Gemeinschaft als patrilokal, bilokal (...) – wobei der Wohnsitz frei bei den Eltern des Ehemanns oder der Ehefrau gewählt wird und im Lauf der Zeit auch wechseln kann – oder matrilokal (‚uxorilokal’ in der Terminologie Murdocks) klassifiziert wurde. Doch als Alvarez die ethnologischen Aufzeichnungen erneut las, bemerkte sie, dass die numerischen Erhebungsdaten, die erforderlich waren, um Murdocks Kriterien zu erfüllen, nur selten vorlagen. (...) Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben. Statt von Natur aus patrilokal zu sein, weisen die meisten Jäger-Sammler-Gesellschaften bemerkenswert flexible und opportunistische Residenzmuster aufx, schreibt BLAFFER HRDY in „Mütter und andere von 2010. Bewiesen ist, dass es nur selten zu einer Übersiedlung der Frau in den Bereich der „Schwiegereltern" kommt, und zwar bei nur 6 von 48 der von dem Ethnologen George Peter MURDOCK bis zum Jahre 1967 untersuchten Völker. Dabei zeigte sich, dass Mütter auch dieser 6 Völker dazu neigen, ihre Kinder im Schutz ihrer Herkunftsfamilie aufzuziehen. „Selbst hinsichtlich eindeutig patrilokaler Völker wie den Maidu-Wildbeutern Nordkaliforniens stellte ein Ethnologe ausdrücklich fest: ‚Bevor es sich dauerhaft im Dorf des Ehemanns niederließ, lebte das verheiratete Paar eine Zeitlang bei der Familie der Ehefrau, und der neue Gatte machte sich nützlich, indem er sie mit Nahrung versorgte.’ Murdock hatte zusammen mit anderen frühen Ethnologen sogar eine eigene Bezeichnung dafür: ‚matri-patrilokal’"xi, bemerkt BLAFFER HRDY. Ich möchte hinzufügen, dass die Maidu zum Zeitpunkt der Untersuchungen in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts schon lange kein isoliertes Volk mehr waren, sondern umringt waren von kriegerischen Bauernvölkern wie den Paiute. Daher handelt es sich nicht mehr um ein echtes Naturvolk. Der Weiße Mann und seine christlichen Missionare infizierten zudem viele Naturvölker mit dem Patriarchat, indem sie erst das Land mit Krieg überzogen, nur mit den Männern verhandelten, und es dann für eine Gallone Whiskey abkauften.

    Die Patriarchalisierung wird in der Herrschenden Lehre systembedingt ignoriert oder bestenfalls heftig bestritten. Dass es jemals eine Zeit gab, in der es anders war, darf es nicht geben. Daher wird alles bekämpft, was das Dogma in Gefahr bringt. Insbesondere die zahllosen Frauendarstellungen, die noch in der Altsteinzeit praktisch ohne männliche Konkurrenz dastehen, ärgert sie sehr. Beispielhaft äußert sich der Prähistoriker Svend HANSEN über die Deutung neolithischer Frauenstatuetten: „Das heute am weitesten, auch über die Grenzen der archäologischen Wissenschaft hinaus verbreitete und zugleich problematischste Buch, das die Statuetten thematisiert, stammt aus der Feder von M. GIMBUTAS, welche den Figuralkomplex unter dem zentralen Aspekt einer ,Großen Göttin’ behandelt und ihn als Ausdruck einer vergangenen matriarchalen Kultur ,Alteuropas’ interpretiert", und in der zugehörigen Fußnote: „das Buch wurde 1995 beim Versandhandel „Zweitausendeins" in einer seitenidentischen Ausgabe in deutscher Sprache verlegt und damit einem weiten Kreis angeboten, dessen Zugang zum Thema nur zum geringeren Teil einem allgemeinen archäologischen Interesse entspringen dürfte."xii Dabei hat er sich mit der Abschrift des Erscheinungsdatums keine Mühe gemacht hat, nämlich 1996, und enthält seiner Leserschaft einen entscheidenden Satz aus dem kritisierten Werk vor: „Die Schwierigkeiten, die sich in der anthropologischen Forschung des 20. Jahrhunderts mit dem Begriff ‚Matriarchat’ verbinden, haben ihren Grund in der Tatsache, daß er als Spiegelbild des Patriarchats oder der Androkratie interpretiert wird – das heißt als eine hierarchische Struktur, in der Frauen anstelle von Männern gewaltsam die Macht ausüben. Das ist weit entfernt von der Realität des Alten Europa.xiii Diesem im doppelten Sinne äußerst schwergewichtigen Band mit dem Titel „Die Zivilisation der Göttin (2,8 kg) setzt HANSEN einen Doppelband mit dem Titel „Bilder vom Menschen der Steinzeit entgegen, dessen obiges Zitat ich der vordersten Seite entnehmen konnte. Mit Text und Tafeln wiegt das Werk 5,1 kg, ein klarer Sieg! Das Cover des Textbandes ziert eine weibliche Statuette, den des Tafelbandes eine männliche mit einem als Zepter gedeuteten bäuerlichen Werkzeug über der Schulter. Das Paar, das sich in der Zusammenschau der beiden Bände ergibt, suggeriert ein patriarchales Herrscherehepaar. Bei genauerer Betrachtung kann HANSEN aber weder den mit dieser Umschlagillustration angekündigten Nachweis führen, dass es gleich viele männliche und weibliche Statuetten gibt, noch dass diese sämtlich aus einem patriarchalen Kontext stammen. Im Gegenteil, der Bildteil, der die von GIMBUTAS gezeigten Statuetten zahlenmäßig noch übertrifft und viele neue Funde zeigt, stützt ihre These weiter, ein klares Eigentor! Da hilft auch nicht das mittlerweile durchschaute Totschlagargument der Gender Studies, es handele sich angeblich überwiegend um geschlechtslose Darstellungen. Sehr viele dieser Statuetten können nämlich als Mädchen interpretiert werden, gestützt durch die ältesten Mythologien, wo eine Tochter neben der Mutter die Hauptrolle spielte, als Anspielung auf die alte Matrifokalität. Das Fehlen von Brüsten und die natürliche Verborgenheit der Vulva lieferte dem Frühpatriarchat und bis heute ein buchstäblich scham-loses Argument, das Mädchen bzw. die Tochter unsichtbar zu machen und als minderwertig einzustufen. GIMBUTAS benannte die eindeutig weiblichen und die mädchenhaften Statuetten und Abbildungen des Alten Europa als „Göttinnen. Die wenigen männlichen Statuetten, die im Neolithikum auftauchen, nannte sie „Götter"xiv.

    GIMBUTAS ist es gelungen, viele Frauen und auch viele Männer für die Archäologie erst zu begeistern, in ihr einen tieferen Sinn zu erkennen. Besonders auf die brennenden Fragen, die die von Abhängigkeit, Hilflosigkeit und Gewalt geprägte weibliche Lebenswirklichkeit aufgeworfen hat, lieferte sie eine plausible Antwort. Während die Herrschende Lehre GIMBUTAS in der Regel mit dem Bade der „Modernen Matriarchatsforschung" ausschüttet, hat insbesondere die kritische Patriarchatsforschung den Wert ihrer Erkenntnisse erkannt, nicht ohne auch hier kritisch zu bleiben. Ihr Werk bedarf eines Updates, weil einerseits die Messmethoden der Archäologie zu neuen Erkenntnissen gekommen sind, und andererseits neue Erkenntnisse zur Patriarchalisierung vorliegen, natürlich nicht aus den Kreisen der Herrschenden Lehrexv. Ereignisse wie das „Massaker von Talheim" gehören in die Zeit der ersten landwirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise und wurden wahrscheinlich nicht von gewaltbereiten, indoeuropäischen Migranten angezettelt, wie GIMBUTAS es noch annahm, sondern markieren eine indigene Entwicklung in Richtung einer von Männern dominierten Viehwirtschaft, die nicht nur erste Spuren der Gruppengewalt hinterließ, sondern Vorbote einer landesweiten Entwicklung war, welche von der späteren indoeuropäischen Eroberung erst richtig in Schwung gebracht wurdexvi. Die Krise war das Ergebnis der neuen Abhängigkeit des Menschen von der Landwirtschaft, die ja nur betrieben werden konnte, solange das Klima mitspielte. In der sog. Bandkeramischen Krise führte ein Klimawandel zu Missernten. Eine solche Möglichkeit konnte GIMBUTAS für Alt-Europa noch ausschließen, weil zu ihren Lebzeiten entsprechende Messdaten noch nicht vorlagen. Dennoch bleibt ihr Werk ein unschätzbar wertvoller Beitrag, der in seiner Grundaussage nicht an Aktualität verlieren wird.

    Wissenschaft und Religion liegen näher beieinander, als gemeinhin gedacht. Beide sind ideologisch und beide dienen der Politik, die durch Versuch und Irrtum an den patriarchalen Symptomen herumdoktert, ohne das Grundproblem zu begreifen oder begreifen zu wollen. Die Vertuschung oder Leugnung offensichtlicher oder allgemein bekannter Sachverhalte diente beiden seit jeher zur Wahrung alter und neuer Besitzstände. Die sogenannte Aufklärung endete stets an dem Punkt, wo das patriarchale Paradigma, das durch eine politische Theologie gestützt wird, in Gefahr geriet. Die wissenschaftskritische, unabhängige Patriarchatsforschungxvii erlaubt sich, darüber hinauszugehen. Sie fragt, welche Bedingungen dazu führten, dass der Patriarch seit 7000 Jahren die Allmacht anstrebt, die die Männer der matrifokalen WildbeuterInnen noch gar nicht nötig hatten. Das von BLAFFER HRDYs Thesen noch unbeeinflusste Modell der „4 Modi des Neolithikums" von Gerhard BOTT (2009) wird von ihrem neuen Buch bestätigt. BOTT erklärt die Patriarchalisierung auf der Basis der Entdeckung der menschlichen female choice durch die Anthropologin Meredith F. SMALL, der Theorie der Patriarchalisierung von der Historikerin Gerda LERNER und des Lebenswerkes der Archäologin Marija GIMBUTAS. Die Entstehung des Patriarchats bringt er mit der aufkommenden nomadischen Viehzucht in Zusammenhang, die die einst selbstständig wirtschaftende Frau zur Handlangerin des pastoral wirkenden Mannes machte. Pastoral im doppelten Sinne, denn der Gute Hirte, den Theologen als ihren Gott erkoren, ist die Basis einer Politischen Theologie, die die sozialen und ökonomischen Verhältnisse nachhaltig zementierte. Die Patriarchatsforscherin Kirsten ARMBRUSTER spürt nun überall in der Welt die matrifokalen Wurzeln männlich besetzter Sakralorte auf und setzt sie in Bezug zu den politischen Auseinandersetzungen der Gegenwart. Ich selbst konnte das Postulat der „Patrilokalität der Bandkeramiker", der ersten jungsteinzeitlichen Kultur Mitteleuropas, entlarven, das von einem deutschbritischen Team an den anthropologischen Untersuchungen der Knochenreste des sog. Massakers von Talheim festgemacht wurde.

    Die Ursache für die Misogynie, den Frauenhass, sehe ich in der Inkompatibilität der patriarchalen „Decke und der matrifokalen „Unterlage. Der Mann soll im Patriarchat dominieren. Als Züchter hatte er erstmals die lebendige Welt nach seinem Wunsche geformt, in einer Weise, wie es Mütter nie konnten. Bei Pferde- und Kamel-Rennen wurde der stärkste Hengst ermittelt, bei Stierkämpfen der stärkste Stier, der dann alle Weibchen zu begatten hatte. Der Patriarch sah die Frau seitdem als Gefäß seines Ejakulates, seines „Samens", an, in dem alles enthalten sei, was einen Menschen ausmacht.

    Aber wenn er eine Frau in sich verliebt machen will, klappt das nicht immer so, wie er sich das vorstellt, denn die Frau mit ihrer female choice – dem obersten Naturgesetz der Tierwelt, nämlich der freien Wahl des Weibchens von Partner, Ort und Zeit des Geschlechtsverkehrs hat das letzte Wort. Er kann nur zwischen den Frauen wählen, die ihm zuvor Interesse signalisiert haben. Er muss sich also gewaltsam oder ideologisch eine „male choice" verschaffen. Weil ihn das mit seinem eigenen matrifokalen Untergrund in Konflikt bringt, weil er eigentlich die Frauen liebt, weil er vor den Anderen als Schwächling dastehen könnte und er vor Einsamkeit, zu der ihn das Patriarchat verdammt hat, verzweifelt, beginnt er die Frauen zu hassen. Lösten früher Eheanbahnung, Zwangsheirat oder gar der Zölibat das Problem, sind Männer heute damit konfrontiert, dass Frauen in der Partnerwahl frei geworden sind, und die Kirche keine Option mehr darstellt. Die Lage junger Männer in der heutigen Zeit ist vor dem Hintergrund der Auflösung der Rollen nicht leichter geworden. Aus ihrer Sicht brauchen Frauen sie eigentlich nur noch zur Zeugung ihrer Kinder. Der Text des erwähnten Bloggers wirkt da wie ein Hilferuf aus einem brennenden Haus, aber statt nach der Feuerwehr zu rufen, ruft er nach einem Pyromanen. Männer müssen sich in dieser Situation einen neuen Platz suchen und glauben, ihn in der Zurückdrehung der Zeit zu finden. Die Gesetze „zum Schutz der Kinder" sind daher in der Regel Gesetze zum Erhalt der Väterrechte. Die Maskulisten fordern die treusorgende Ehefrau, aber sie soll für sich selbst und auch noch für die Kinder und den Haushalt sorgen. Wie eine Frau diesem Leistungsdruck gerecht werden soll, wissen sie nicht, auch nicht, dass eine finanziell unabhängige Frau eben keinen Ehemann braucht. Weder erkennen sie diesen Widerspruch, noch stellen sie sich damit als erwachsen und verantwortungsvoll dar.xviii

    Das „ewige Kind im Mann sollten wir nicht verteufeln, es ist ein Relikt aus matrifokaler Zeit, als die matrifokale Sippe allen Mitgliedern zu essen und Obdach gab. Die Große Mutter, die Ahnin, dargestellt in unzähligen Statuetten, über die sich die Sippe definierte, stand für diesen Allversorgungsgedanken. Ein Mädchen durfte es sich leisten, in der Zeit vor Mutterschaft keinerlei Arbeit nachzugehen, um ihre Gebärfähigkeit nicht in Gefahr zu bringen. In der Zeit der Mutterschaft durfte eine Frau schwach zu sein, ohne dass ihr das als immanente Schwäche ausgelegt wurde. Dafür wurde die Last nicht dem Sexualpartner aufgebürdet, sondern die Sippe, die Schwestern, Brüder, Tanten und Onkel kümmerten sich gemeinschaftlich um die Beschaffung des Nötigen und nahmen der Mutter bei Bedarf die Kinder ab. Die ältere Frau gab zurück, was sie in jungen Jahren bekam, und arbeitete sehr viel. Sie war hoch geachtet, denn sie hatte in ihrem Leben auch immer Zeit, ihr Wissen zu vergrößern. Diese Lebensweise wurde von BLAFFER HRDY an echten Naturvölkern nachgewiesen. Im Patriarchat dagegen müssen schon junge Mädchen hart arbeiten, ebenso die Mütter. Die älteren Frauen sind auch wegen der zahlreichen Geburten früh verbraucht und werden nur gering geachtet. Als Schwiegermutter ist sie das Feindbild der Familie. Im Patriarchat darf es kein „Kind in der Frau geben, sondern höchstens die Kindfrau, die im Grunde entmündigt ist und latente pädophile Phantasien befriedigt: Die Krankheit Patriarchat hat viele Symptome, die hier aber nicht alle Gegenstand sein können. Der „weise, alte Mann ist jetzt der Inbegriff des Patriarchen. Er hatte stets Zeit, sich den schönen Dingen des Lebens zu widmen, viel zu erleben, und kann entsprechend viel erzählen. Als „Ehrwürdiger des Berges prägt er die Mythologie, der wir mit etwas mehr Aufmerksamkeit entnehmen können, dass er durch Raub an die „Bücher der Weisheit" gelangte.

    Mit diesem kulturanthropologischen Überblick, sollten Sie, liebe Leserin und lieber Leser, bestens auf das folgende Buch vorbereitet sein, das sich mit den Ursachen und Anfängen des Systems auseinandersetzt, in das wir alle, ob unbewusst oder bewusst, verstrickt sind. Anlass zu diesem Buch war ein Bericht über die kupfersteinzeitlichen Felsbilder im anatolischen Latmos-Gebirge (Kupfersteinzeit = Chalkolithikum). Die Entdeckerin der „Latmos-Kultur, die Archäologin Anneliese PESCHLOW-BINDOKAT (im Folgenden kurz PESCHLOW), hat zu ihrer Interpretation der Funde sehr konkrete Argumente vorgelegt und meint, gleich mehrere Sensationen vorweisen zu können, und zwar 1. den frühesten Nachweis „des anatolischen Wettergottes, 2. die früheste Darstellung der Heiligen Hochzeit, und 3. ein sog. huwashi-Heiligtum für den Wettergott auf dem höchsten Berg, dem Tekerlekdağ, sowie 4. eine sog. Großprinzeninschrift als ersten Nachweis der Anwesenheit der Hethiter. Sie hat damit nicht nur die brisantesten Themen der Kulturgeschichte angeschnitten, mit denen sie meine Aufmerksamkeit als Patriarchatsforscherin geweckt hat, sondern unhaltbare Thesen aufgestellt, die jetzt überall als Wahrheit weiterverbreitet werden. PESCHLOW ist Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), also auch Teil der offiziellen Wissenschaft, die ich bereits in meinem Buch „Archäologie und Macht" (2012) als patriarchatsideologisch kritisiert habe. Daher verstehe ich die Interpretation der Felsbilder als beinahe zwangsläufig, unterstelle der Entdeckerin aber keinen bösen Willen, sondern anerkenne ihre Leistung, die Latmos-Kultur gefunden zu haben, mit der sie in der Tat wichtige Pionierarbeit geleistet hat.

    „Aber kann es nicht wirklich sein, dass der Wettergott seit uralten Zeiten verehrt wurde?, könnte man einwenden, denn Wetter gab es ja schon immer. Aber für eine sehr weite Rückdatierung der Wettergott-Mythologie und Verlagerung nach Westen, wie sie PESCHLOW vornimmt, müssten schon schlagkräftigere Argumente sprechen. Wie ich in diesem Buch zeigen werde, fehlt der These die anthropologische, mythologische und die politische Grundlage. Erst im von Rinderhirten beherrschten, bronzezeitlichen Sumer in Mesopotamien tritt der Wettergott in Erscheinung. An Euphrat und Tigris beweist der Wettergott auch seinen wahren Charakter, der mit dem Adjektiv „bedrohlich nur ansatzweise charakterisiert ist. Tatsächlich hatten die Menschen Angst vor den Patriarchen, die einst die Erfindung des Wettergottes

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