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Meine Pferde, meine Heiler

Meine Pferde, meine Heiler

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Meine Pferde, meine Heiler

Länge:
297 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 2, 2015
ISBN:
9783944587844
Format:
Buch

Beschreibung

Meine Pferde, meine Heiler beginnt mit einem Kindheitstrauma des sexuellen Missbrauchs. Durch das Zusammensein mit Pferden verwandelt Shelley Rosenberg ihre Erfahrung in ein Zeugnis der Selbstheilung. Für Reiter jeden Alters, für diejenigen, die Entfremdung von ihren Mitmenschen erfahren haben, für jeden, der Pferde liebt - dieses Buch bringt das Gute zum Ausdruck, das durch die Begegnung zwischen Mensch und Pferd entstehen kann.

Es zeigt, was Pferde und Menschen sich gegenseitig lehren können über Heilung, die durch das wahrhaftige Aussprechen unserer Gefühle erfolgt.
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 2, 2015
ISBN:
9783944587844
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Meine Pferde, meine Heiler - Shelley Rosenberg

helfen.

Danksagung

Sandy Hogan, du hast mir geholfen, dies wahr werden zu lassen, indem du mich mit dem Autor bekannt gemacht hast, mit dem ich zusammengearbeitet habe, Beck Andros.

Vesna Mitrovich, durch Therapie hast du mir das Geschenk einer eigenen Stimme gemacht.

Dr. Dehra Glueck und Laurie Christensen, ihr habt mich nie aufgegeben. Meine Epona Studiengruppe Lori, Sarah, Lisa, David, Mufasa, Anna, Ruth, Missy, Kathy P., Cathy H., Kathy S., Dulce, Deb und Karen – durch euch, meine Mitstreiter, kann ich jene Nacht wiedererleben, in der Telly im wahrsten Sinne des Wortes unser aller Herzen berührt hat.

Die Epona Mitarbeiter und Eve Lee haben mir beigebracht, die Wahrheit zu sagen, ohne sie zu verdrehen. Jessica Paul, du hast meine erste Fassung geschenkt bekommen. Belle Shook, du hast mich angetrieben, wenn ich nicht weiter wollte. Rebecca Paradies und Kathleen Barry Ingram, ihr habt die Wahrheit gesehen, als ich alles tat, um sie zu verbergen.

Meine guten Freunde, Linda Kohanov und Steve Roach: Linda, als andere sagten, es würde nie passieren, hast du mich nicht aufgegeben. Wir redeten, wir teilten, du hast darauf vertraut, dass ich es schaffe. Steve, du hast mich behandelt wie eine Schwester und als Teil einer Familie, wie ich sie nie hatte.

Meine lang- und vierbeinige Familie – Laramie, ihr Sohn Telluride (Telly), und Avatar, meine kurz- und vierbeinige Familie – Boboli (Boxer), Mini Cooper (Bloodhound) und Harrison (Professional Bloodhound). Viele Tränen flossen in eure Felle und unzählige Stunden purer Liebe umgeben uns.

Dank euch allen fürs Zuhören, Lesen, Weinen und Lachen.

Namaste

Vorwort

Es ist wie das Finden von Wasser in der Wüste. Du schlenderst durch Felder von ausgetrockneten Kakteen, jeder Schritt verlangt neues Vertrauen, du rezitierst Gebete von Oasen in einem Land, das es darauf angelegt hat, dein schieres Überleben in Frage zu stellen – und dann fängst du den ersten Hauch von etwas Grünem ein. Ist es nur eine Illusion, ein Verwirrspiel des Bewusstseins, das in der Trance einer brennenden Sonne dahinschmilzt? Oder ist es etwas Echtes, Reales, Lebensrettendes?

Als ich Shelley Rosenberg zum ersten Mal traf, Mitte der 90er, verfolgte ich gerade so etwas wie eine Fata Morgana. Genauer gesagt, ich war auf der Suche nach einem mythischen Wesen: einer Pferdetrainerin, die viel mehr wusste als ich und die trotzdem ehrlich war bezüglich dessen, was sie nicht wusste, jemand, der bereit war, sich ins Unbekannte aufzumachen und zu erforschen, was andere für unmöglich hielten. Am Anfang schien sie wie alle anderen zu sein, qualifiziert darin, mich in den traditionellen und immer noch aktuellen Lehrsätzen der klassischen Dressur zu unterrichten. Mit der Zeit jedoch, änderte sich meine Meinung, wodurch, ist schwer in Worte zu fassen. Es lag an der Art, wie sie sich meinem schwierigen Hengst, seiner Stute und deren zu früh geborenem Fohlen stellte, die in mir das Vertrauen weckte, diese Frau, deren Kunst ich nie erreichen würde, zu fragen, ob sie mit mir zusammenarbeiten würde, um neue Wege zu erforschen, wie man mit Pferden umgehen kann. Shelley bewies nicht nur, dass sie dieser Aufgabe gewachsen war, sie wurde ein essentieller Bestandteil der damals stattfindenden Entwicklung meines Trainingsprogramms im Epona Center.

Wenn ich jetzt daran zurückdenke, hatte sie viel gemeinsam mit Melanippe, der mythischen Göttin mit dem Stutenkopf aus dem antiken Griechenland. Shelley war immer umgeben von einer mystischen Aura, hauptsächlich, weil sie wie jedes Pferd in Menschenform, die stille Sprache der Geste und der Absicht bevorzugt. Eine ausgedehnte Unterhaltung mit ihr war wie ein Frühjahrssturm in Arizona, ein unvorhersehbares Ereignis, und auf jeden Fall belebend. Sie fühlte sich, schlicht und einfach, wohler unter ihren Pferdefreunden, auch wenn sie sich weder von der einen, noch von der anderen Spezies Aufdringlichkeiten gefallen ließ. Und wie die großartigen Dressurpferde, die sie ritt, schien sie einen bis auf den Kern zu durchschauen, mit einem Scharfblick, den man vielleicht als wertend empfinden würde, bis man sie besser kannte und einem klar wurde, dass sie sich nicht lange mit den weltlichen Affären und persönlichen Marotten von Menschen aufhielt. Sie war mit dir zusammen, wenn sie mit dir zusammen war und wenn die Unterrichtsstunde vorbei war, gab sie dem nächsten Schüler dieselbe unerschütterliche Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Es war Shelleys Intoleranz für menschliche Dramen, die ich erfrischend fand. Gleichzeitig schreckte sie nicht zurück vor einer echten Bewusstseinskrise oder emotionalen Herausforderung. Hier war eine Frau, dachte ich, die etwas Gravierendes durchlebt hatte, etwas, das hinter den Kulissen immer noch Einfluss auf ihr Leben nahm. Hier war eine Frau, die wusste, wie man eine Oase in einer Wüste fand, nein, wie man die Oase schuf. Sie war bereit, tief zu schürfen, einige Mühe darauf zu verwenden, dieses lebensspendende Wasser an die Oberfläche zu ziehen – und das hart errungene Elixier mit anderen zu teilen.

Das Buch, das du in den Händen hältst, ist die Frucht dieser Mühen, eine stürmische Reise, die sie mit Hilfe ihrer Pferde unternahm. Shelleys Absicht, ihre Suche nach Erfüllung aufzuzeichnen (in einer Welt, die gegen sie zu arbeiten schien), ihre offene Beschreibung von Ungerechtigkeiten, deren Zeuge sie wurde und die sie erlitt, ihre Aufrichtigkeit gegenüber ihren eigenen Augenblicken der Schwäche und des Selbstzweifels, verdichtet sich zu dem Eindruck, dass man eine tiefe und zugleich zarte Quelle mit ihr zusammen ausgräbt. Das Gefühl von Staub und Dreck gemischt mit Schweiß und ein paar Kaktusstacheln, die dich in die Arme pieksen, ist nicht immer angenehm.

Shelley besteht darauf, dass die Pferde, die sie auf ihrem Weg begleitet haben, ihr Leben wahrscheinlich öfters gerettet haben als sie ihres. Aber ich weiß, dass sie in Wirklichkeit sich gegenseitig gerettet haben. Durch die gemeinsame Anstrengung, ihre Freiheit und Würde zurückzugewinnen, haben Shelley und die Pferde, mit denen sie über die Jahre zusammengearbeitet hat, einen Präzedenzfall für die Pferdewelt gesetzt, mit der Aufforderung, einen langen und genauen Blick auf die schon lang andauernden Formen von Missbrauch beider Spezies zu werfen.

In dieses Buch sind unwahrscheinlich viel Mut und Mitgefühl geflossen, unterstützt von der sensiblen Mitarbeit ihres Schreibpartners Beck Andros. Ich jedenfalls bin zugleich beeindruckt und inspiriert von Shelleys Geschichte und ihrer Bereitschaft, sie zu teilen. Während sie unablässig, unerschrocken den Blick nach innen richtet, auf ihren eigenen flüssigen Kern, fordert sie uns heraus, dasselbe zu tun. Es ist harte Arbeit, schlicht und einfach, aber die Belohnung ist zeitlos.

Linda Kohanov

2006, Epona Center, Apache Springs Ranch, Arizona

1

Haut an Haut

Um Mitternacht in der Wüste von Tucson, wo ich zu Hause bin, kann ich nach Gefühl in die indigoblaue Dunkelheit hinausgehen, ohne Licht, das mir hilft, meinen Weg über die Auffahrt und den abgetragenen Schmutzpfad hinunter zu Tellys Paddock zu finden. Ich verlasse immer das Haus in der sanften Kühle dieser späten Stunde, um ein letztes Mal zu überprüfen, ob Stall und Pferde sicher und ruhig sind und um mich zu vergewissern, dass sie alle genug Wasser haben. Ein Kojote singt in den fernen Ausläufern der Berge. Der Duft von Salbei, der in der Wüste trocknet, der besonders weiche Klang, den Tellys Hufe machen, wenn sie sich durch den Staub bewegen, um mich zu begrüßen – das sind Geschenke.

Telluride, den ich nach der gleichnamigen Stadt in Colorado benannte, ist sehr groß und dunkel und eine Spur von Feuchtigkeit spiegelt das Mondlicht wider, das bis in seine braunen Augen reicht. Gleitet meine Hand über die Pinto-Landschaft seiner Flanke, schwarz und weiß, dann weiß ich, dass ich eine von Pferden angenommene Frau bin. Sie gewähren mir einen Platz in ihrem besonderen Heiligtum und ihrer Gegenwart, um für eine Weile das loszulassen, was in mir möglicherweise zerbrochen ist. Sie bieten mir einen Weg an, mit ihnen zu heilen. Sie sind authentisch und beständig und immer bereit, eine Geschichte zu hören, die ich loswerden muss.

Nehme ich einen Atemzug nach dem anderen mit meinen Pferden – und du musst mit ihnen atmen, wenn du ihre Rhythmen und Gefühle verstehen willst – kann ich mich erden, ruhig werden, meine Umgebung wahrnehmen. Wir können uns nicht anlügen, mein Pferd und ich. Wir kennen den Preis solcher Täuschungen und die Zeit, die man braucht, um das Gleichgewicht wiederzufinden.

Pferde können nicht vortäuschen, tapfer zu sein, oder verhindern, erschreckt zu werden. Wenn sie neugierig sind, untersuchen sie das Ding, von dem sie meinen, es sei neu und wenn sie glücklich sind, rennen sie und buckeln vor Freude. Sie wissen, dass ich menschlich bin und nicht einer von ihnen. Meine Reaktionen auf mein eigenes Umfeld können sonderbar für sie sein oder ich erscheine ihnen viel mutiger, als sie es je sein könnten.

Sie nehmen mich in ihre Herde auf, weil ich bei ihnen bleibe und einen Platz in ihrem Kreis will und ich ihnen freigebig anbiete, was meine Menschlichkeit bieten kann: Schutz vor Raubtieren, Güte und einen Platz mit mir. Sie verlangen von mir nur die einfachsten Dinge – Essen, Wasser, Bürsten und Verlässlichkeit.

Ich fordere mehr von jedem einzelnen Pferd, mehr als fair ist, immer wieder. Kameradschaft, ein offenes Ohr, einen weichen Hals, um mein Gesicht darin zu vergraben, einen Gegenpart, der meines Berufs als Pferdetrainerin würdig ist, einen Freund. Sie stehen bereit, verwirrt von dieser menschlichen Frau, aber bereit, mit ihr zusammen zu sein. Sie sind starke Medizin für mich.

Pferde sind äußerst neugierig und nicht immer zu ihrem Vorteil. Aber indem sie sich selbst in neue oder andersartige Situationen bringen, sind sie natürliche Vermittler. Durch ihre besondere Fähigkeit einzugreifen, begann ich, mich vom sexuellen Missbrauch in meiner Kindheit und meinem frühen Erwachsenenleben zu befreien. Pferde und besonders die Geschichten, die sie zu mir als ihrer Trainerin bringen, sind ein Gegenmittel für Schmerz und Isolierung, verursacht durch sexuellen Missbrauch. Sie verlassen mich nicht, sie wollen nicht, dass ich etwas anderes bin, als ich wirklich bin. Als Kind lernte ich, wie man jeden fürchtet, nichts und niemanden vertraut. Pferde haben den Fluss dieser Giftstoffe gestillt und zeigten mir durch ihre reinen und offenherzigen Reaktionen auf meine Gefühle, wie man weitergehen kann. Ich konnte mich auf ihre Konsequenz verlassen und ich selbst sein. Sie reagieren auf das authentische Verhalten deines Herzens. Mit allem anderen wissen sie nichts anzufangen.

Meine Lebensgeschichte mit Pferden, manchmal simpel oder unglaublich kompliziert, handelt von dem Heilmittel, das Pferde mir gebracht haben – es ist konzentriert und stark. Aber was ich dir anbieten will, ist nicht nur eine Sammlung von Pferdegeschichten, eine Methodik für Pferdetraining, ein ultimativer Satz über das Geheimnis der Pferd-Mensch-Beziehung oder eine Geschichte über meinen eigenen sexuellen Missbrauch und der Versuch, sich davon zu erholen. Ich will dir zeigen, wie Pferde auf ihre Welt antworten und wie ich daraus einige Lebensweisheiten gewonnen habe.

Als eine Überlebende von sexuellem Missbrauch habe ich mich selbst nicht mehr als Mensch wahrgenommen. Ich war ohne Zweck, ohne Bedeutung. Ich war voller Schmer und wollte nichts anderes als mich verstecken. Manchmal tue ich das noch immer, aber wegen meiner Pferde sehr viel seltener. Ich lernte früh zu reiten, als Flucht und als ein Mittel, um Trost und Sicherheit zu finden bei diesen Tieren, die mich akzeptierten, – innerlich wund, verunsichert und meiner eigenen Art gegenüber schüchtern. Die Gefühle der Pferde kräuseln sich direkt unter ihrer Haut, sie sind neugierig gegenüber einer Gestalt oder einem Ding oder einer Erfahrung, mit der sie nicht vertraut sind, und ein neuer Teilnehmer ihrer Herde bekommt immer Zeit und eine eingehende Untersuchung, bevor er akzeptiert wird. Sie tun das arglos und ohne Sorge.

Ich habe mein Leben mit Pferden verbracht, wurde schließlich Pferdetrainerin und Reitlehrerin. Pferde waren meine wahren Lehrer, daher erzähle ich meine Geschichte durch sie. Sie sind der Grund, warum ich spreche. Sie sind meine Prüfsteine und die Brücke zu meiner eigenen Gattung. Sie helfen mir, mich selbst zu heilen und mich etwas mehr auf menschliche Beziehungen einzulassen.

Jedes Pferd hat eine andere Geschichte und neue Leute zu mir gebracht und dabei mein Verständnis über das Leben und den Mut, mich selbst zurückzugewinnen, vertieft. In meiner Arbeit mit jedem Pferd stoße ich auf Probleme aus der vorherigen Ausbildung und auf Probleme mit den Menschen, die sie zu mir bringen, was sehr kompliziert sein kann. Menschen und Pferde können einander gut oder sehr schlecht beeinflussen. Die Pferde fordern mich heraus, völlig bei ihnen zu sein und zuzuhören. Ich arbeite, um ihre Definitionen und Bedürfnisse zu verstehen. Ich habe gelernt, ihre Grenzen zu respektieren und mich aufrichtig in ihrer Nähe zu verhalten.

Ich stellte fest, dass ich eine neue Sprache lernen musste, um mit Menschen menschlich zu sein. Aber sogar das bringen mir meine Pferde bei.

Ich erzähle meinen Pferden die Geschichte meines Tages durch meinen Körper, meine Stimme, Handlungen und Absichten. Ihr Geschenk, ihre Medizin, besteht darin, wie sie der Geschichte zuhören. Zart oder stark in ihren Reaktionen erfahre ich durch ihre Körper, was eine ehrenhafte Antwort in mir ist und was sie falsch finden. Langsam kann ich ein Gleichgewicht aufbauen.

Viele von uns, Frauen besonders, beschreiben die Beziehungen mit Pferden als lebensverändernd. Pferde sind Zauberer der höheren Wahrheit für uns geworden, so scheint es, vollkommene Begleiter für junge Mädchen und Frauen mittleren Alters, die etwas Tieferes und Stärkeres suchen als die Alltäglichkeit des Lebens, der Arbeit und das Altwerden. Andere, Zauberei beiseiteschiebend, glauben, dass eine Art sexuelle Spannung oder Ursache in einer Frau vorliegt, wenn sie von Pferden spricht und reitet. Das ähnelt auch meiner Geschichte. Es gibt sicher einen sexuellen Bestandteil – in dem die Pferde eine bestimmte Rolle spielen, sicherlich nicht die, in der sie Stellvertreter sexueller Gegenstände für blühende junge Mädchen sind, die ohne Sattel an einem heißen Sommertag reiten.

Es ist nicht ganz so einfach.

Erst einmal entzündet ein Tier mit tausend Pfund Muskeln in den meisten von uns mehr Angst als Leidenschaft. Du lernst, sie zu respektieren und deine Angst vor Pferden beim Reiten beiseitezuschieben oder du wirst ihnen nie ein Führer sein, dem sie folgen können. Pferde reagieren nicht gut auf Schwächen; es bedroht ihr eigenes Überleben, deshalb werden sie ihre Kraft nicht aufgeben, um gerade dir in einer Sache zu folgen, die für sie lebensbedrohend sein könnte.

Vergleiche ein kleines Mädchen, das auf dem Schoß ihres Großvaters sitzt mit demselben kleinen Kind, das nun oben auf einem Pferd reitet – was würdest du als ein Bild wählen, das für Sicherheit steht? Für fast jedes Kind ist es natürlich die Behaglichkeit der Arme der Großeltern, die Umarmung und Weichheit und Annahme zu empfangen. Geschichten, die zur Schlafenszeit vorgelesen werden. Liebe und Vertrauen. Unzerbrechliche Dinge.

Das Pferd dagegen steht für Flucht und Panik – wahnsinnige Energie, die, beim Einatmen des falschen Geruchs, der sie an Bär oder Löwe erinnert, explodieren kann.

Telly und ich wissen, wie falsch beide Bilder sein können, das vom Pferd als einem Bündel wilder Instinkte und das vom Kind, das den warmen Armen der Großeltern vollkommen vertraut. Geschichten über diese Bilder sind nicht so einfach.

Wenn ich mit Telly in der Dunkelheit stehe, schnüffelt er immer an meinem Arm. Kann sein, dass er nur nach einer Karotte sucht, aber vielleicht tastet er nach der Sicherheit, die der Geruch eines Menschen bietet, vom dem er weiß, dass er ihm trauen kann. Unsere gemeinsame Geschichte ist kompliziert und unsere Gewissheit um die Kraft, die wir einander geben können, umgibt uns in der Nacht mit Trost.

Meine Liebe zu Pferden und ihr Eingreifen in mein Leben fingen vor vielen Jahren an, bevor ich ein eigenes besitzen konnte, vielleicht sogar, bevor ich ihre Fähigkeit brauchte, für mich einzugreifen.

Gegen Ende 1967, ich wuchs außerhalb von Lansing in Michigan auf, schien meine beste Freundin Joanne Clarke die glücklichste Person zu sein, die ich kannte, weil ihre ganze Familie ritt, jeder mit seinem oder ihrem eigenen Pferd. Die Familie von Joanne stellte ihre Pferde in den Ställen von Bob Carn unter. Bob war ein gut geschulter Horseman, zumindest erschien er mir so, eben jemand, zu dem ich aufschaute. Er war ein sehr großer Mann mit riesigen Händen, freundlich, nicht die Sorte Person, die ein kleines Mädchen verschreckt, trotz seiner Statur. Joanne hatte ein Pferd, an dem sie nicht länger interessiert war, weil sie als Reiterin über die Talente des Pferdes hinausgewachsen war. Die Quarter Horse Stute wurde Bubbling Echo genannt, eine Braune mit zwei weißen Socken und einer langen Blässe auf ihrem Gesicht. Mit fünfzehn Hands (ca. 1,52m), war sie ein Riese für mich. Ich war wegen allem in sie verliebt. Sie roch gut, fühlte sich noch besser an und schnaubte, wenn ich in den Stall kam. Der beste Gruß ist ein Pferdeschnauben.

Wenn ich in ihrer Nähe war, schien die Zeit stillzustehen. Von ihrem Rücken aus schien die ganze Welt mir zu gehören. Wo Joanne eine gute Reiterin war, blieb ich nur ein Passagier, ein klumpiger Mensch ohne Gleichgewicht, der sich um sein Leben festklammerte. Seither nenne ich jene Tage, in denen ich überhaupt nichts über das Reiten wusste, „Tret- und Zieh-Tage", weil ich nur wusste, wie man Echo durch Treten zum Laufen brachte und durch Zügelziehen zum Anhalten.

Ich arbeitete hart, um mit Babysitten genug Geld zu sparen, damit ich Echo von den Clarkes kaufen konnte. Die Clarkes erklärten sich großzügig bereit, Echos Stallkosten zu bezahlen, ansonsten hätte es keinen Weg für mich gegeben, für ihre Gesamtbetreuung aufzukommen. Als ich mein Geld überreichte, war sie bereits von Mr. Carns sechzehnjährigem Buckskin Quarter Horse Hengst schwanger. Echo war deshalb nicht nur groß, sie war auch extrem rund. Manchmal verbrachte ich viel Zeit damit, sie zu putzen, bis sie glänzte – an anderen Tag schnappte ich sie geradewegs von der Weide, kletterte auf ihren Rücken und galoppierte den Feldweg vom Stall bis zum Seven-Eleven-Supermarkt hinunter. Dort kaufte ich dann einen Slurpy, stürzte ihn hinunter und ritt dann genauso rasant zurück, völlig verzückt über die Geschwindigkeit. Sie lief und lief und lief mit mir, so weit ich wollte. Ich hatte kein echtes Zaumzeug, keinen Sattel oder Trense, gerade mal einen Führstrick, der an Echos Halfter gebunden war und die Zügel ersetzte. Wir waren beide wild und freuten uns darüber.

So wie andere Leute besonders gut sehen oder eine außerordentliche Fähigkeit haben, die leisesten Töne zu hören, so habe ich einen scharfen Geruchssinn. Das war bereits so seit meinen frühsten Erinnerungen. Echo roch nach Erde an ihren Hufen, nach der schweren Modrigkeit ihres Fells und dem süßen Gras in ihrem Atem. Bis heute sind das die Gerüche des Trosts und der Freiheit für mich.

Ich hatte einige Freunde in dem Stall, zwei von ihnen waren die Kinder von Carn. Rick war ein Jahr älter als ich und seine Schwester Lori ein Jahr jünger. Rick war für mich nur ein klein wenig interessanter als Echo. Okay, das ist nicht wahr. Ich war ein Mädchen, und wie jedes andere Mädchen in meinem Alter, das in den Stall kam, war ich in ihn verknallt. Ich war absolut überzeugt davon, dass er mich ebenso mochte.

Wir ritten jeden Tag die Straße zu den großen Gras-Farmen hinunter, die smaragdgrüne Rasen für die Vorstadthäuser des Mittleren Westens anpflanzten. Einmal dort angekommen glitten wir von unseren Pferden und liefen und liefen, die Führstricke hinter uns herziehend, manchmal Hände haltend. Wir genossen das beginnende Bewusstsein füreinander. Normale Kinder, normale Verliebtheiten.

Mein anderes Leben, außerhalb des Stalls, war anders und nicht so sorgenfrei.

Meine Eltern, mein Bruder Ron und ich lebten in Lansing. Fahrten zu dem Haus meiner Großeltern in Detroit waren leicht organisiert und fanden regelmäßig statt. Ron und ich fürchteten uns vor ihnen. Der Missbrauch begann, als ich zwei Jahre alt war. Ich war sehr klein, als mein Großvater seine Streifzüge in mein Zimmer begann.

Irgendwann in der Zeit, die ich mit Echo verbrachte, lernte ich, dass ich eine besondere Art von Gnadenfrist vor meinem Großvater haben konnte, wenn ich etwas in mir zerbrach, wie zum Beispiel meinen Arm. Das erste Mal, als ich mir etwas brach, sollten wir gerade zu dem Haus meiner Großeltern fahren

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