Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Nur $9.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Endlich Ich!: Überleben zwischen Egoisten

Endlich Ich!: Überleben zwischen Egoisten

Vorschau lesen

Endlich Ich!: Überleben zwischen Egoisten

Länge:
198 Seiten
2 Stunden
Freigegeben:
Oct 12, 2015
ISBN:
9783800079384
Format:
Buch

Beschreibung

Lohnt es sich ein Egoist zu sein? - Nein! Aber wie überlebt man zwischen Egoisten? Anleitung zur Selbstfindung gibt es genug - dieses Buch zeigt mit Augenzwinkern, wie man sein persönliches Navi auf der Reise zu sich selbst aktivieren kann. Indem man den Blick für den Weg schärft und mit Humor die Hindernisse umkurvt. Ein Ratgeber mit Humor und tollen Lösungsansätzen für das Überleben in der ichzentrierten Gesellschaft.
Freigegeben:
Oct 12, 2015
ISBN:
9783800079384
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Endlich Ich! - Alexander Sedivy

Sicherungskasten

Endlich Ich?

So, jetzt reicht’s! Ich halte sie einfach nicht mehr aus, diese wohlgemeinten Ratschläge.

Ratschläge? Anschläge!

„Schau mehr auf dich … – „Achte nicht immer auf die anderen … – „Du darfst ruhig auch mal egoistisch sein …"

Will ich das, egoistisch sein? Und selbst wenn, leichter gesagt als getan, mein Talent zum Egoismus ist in etwa gleichermaßen vorhanden wie das Gesangstalent von „Leider-nein-Kandidaten" bei einer dieser unvermeidlichen Castingshows. Aber irgendwie muss man ja überleben zwischen all diesen Egoisten …

Ich habe daher den Vorsatz gefasst, mir in alltäglichen Situationen zumindest ein imaginäres Wolfspelzkostüm überzustreifen und einen für mich ungewohnten Egoismus oder sagen wir besser ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag zu legen.

Ich habe sogar einen Plan im Kopf. Und bin entschlossen, ihn durchzuziehen! Gleich kann’s losgehen, noch schnell die passende Musik zur moralischen Unterstützung … Wo ist sie denn?

Aha. „I Still Haven’t Found, What I’m Looking For ist gar nicht mehr auf meinem iPod. Wahrscheinlich runtergelöscht aus Speicherplatzmangel. Schade, das hätte jetzt echt zu meiner Situation gepasst. Was heißt „jetzt? Eigentlich dauernd. Immer wieder habe ich Erlebnisse, die mir zeigen, dass ich meinen Weg noch nicht so hundertprozentig gefunden habe. Wer hat das schon? Kaum jemand. Aber ist das echt so eine Kunst? Vom Juristen zum Kabarettisten, diesen Weg bin ich schon gegangen, da wird doch der Rest auch gehen, oder?

Der Paragrafenreiter in meinem Hinterkopf ist geblieben, aber jetzt will ich ihn zielführend einsetzen. Er soll einen Monat lang alle Erlebnisse auf meinem Ego-Trip mitprotokollieren, wann immer sie mir passieren, und frühere Geschichten zum Thema notieren, sobald sie mir wieder einfallen.

Okay, jetzt will ich’s wissen, das Experiment kann starten!

Ego-Shooter

Mittwoch, 16.23 Uhr

Hm, der Song der irischen Rockband wäre wirklich ideal gewesen, hat mich mein Plan doch zur U-Bahn geführt. Zur U2.

Für die Fahrt ins Theater habe ich mir vorgenommen, egal wie viele Alte oder Schwangere in der U-Bahn sind, ich setze mich hin … ich stehe dann vielleicht gleich wieder auf – ja, man muss klein beginnen –, aber ich war fest dazu entschlossen, ich setze mich hin, frei nach dem Motto: „Egal, was auch ist, ich bin Egoist."

Was keiner der Beratungsterroristen bedenkt, es gibt ein Riesenproblem beim Egoistischsein. Man ist von lauter Egoisten umgeben! Besonders zur Rushhour. Die gegenüber London oder New York gemütlichere wienerische Variante, aber schrecklich genug. Hektische und frustrierte Menschen drängen gleichzeitig aus der U-Bahn hinaus und in die Waggons hinein.

Und da war sie gleich wieder, diese Armee von Prototypen des Egoismus. Ego-Shooter, die bereit sind, über Leichen zu gehen, um sich in die U-Bahn hineinzuschießen. Mit entschlossener Miene und einer rücksichtslosen Durchsetzungskraft wie Gladiatoren im Circus Maximus drängen sie in den U-Bahnzug hinein, Schirme, Laptoptaschen und Nordic-Walking-Stöcke werden als das Schwert des 21. Jahrhunderts unerbittlich eingesetzt. Und jeder weiß, für diesen Zug gibt es nur eine Chance, es werden keine Gefangenen gemacht, kein Blick zurück. Ja, kein Blick zurück. Denn so ein Einzelkämpfer hat eine stets gleiche Vorgehensweise: Sobald er um zwei Millimeter die imaginäre Linie der Eingangstür eines U-Bahnzuges überschritten hat, bleibt er stehen.

Da hat ein Ego-Quereinsteiger wie ich keine Chance, einzusteigen. Nein, ich bekam die volle Breitseite ab, in Form der sich links und rechts schließenden Türen. Und ich mittendrin statt nur dabei. Die Türen trafen mich genauso hart wie die vernichtenden Blicke der Metro-Gladiatoren, die sich wegen meiner Schmerzensschreie empört umdrehten. Mein Traum, egoistisch sesshaft zu werden, war wieder einmal geplatzt.

Drei U-Bahnzüge später schaffte ich es endlich, in den Waggon zu gelangen. Aus Sicht des Egoismus-Trainings leider völlig unbrauchbar, denn der Zug war fast leer. Ohne Chance auf einen Kampf ließ ich mich zerknirscht auf einem Sitz nieder. Wo sind die Wiener Pensionisten, die ihren Platz mit allen Mitteln verteidigen, wenn man einen Standpunkt klarmachen will? Insgesamt eine Enttäuschung.

Als ich so über die Gladiatorenszenen nachdenke, fällt mir ein Mann auf, der mir gegenübersitzt. Nein, wie ein Gladiator sieht er nicht aus. Er erinnert mich eher ein wenig an den Westernhelden Clint Eastwood. Das Telefonat, das er mit seiner „Jennifer führt, wirkt jedenfalls erbarmungslos. Mit schmal gezogener Lippe, ein Zahnstocher links unten aus dem Mundwinkel hängend, spricht er zu seinem „Schatzerl.

Ich registriere seine Lebensweisheit und versuche mir parallel durch den Kopf gehen zu lassen, was ich vorhin hätte anders machen können. Aber Gott sei Dank leben wir ja in einer Welt, in der einem nicht nur die Medien, sondern auch kleine digitale Programme das Denken abnehmen … ah, erleichtern. Ich habe mir erst gestern die App „Denkanstöße light auf mein Smartphone heruntergeladen. „Light deshalb, weil „light immer gut ist und außerdem gratis. Hier kann man in Stichworten eingeben, was man an einer Situation als störend empfindet, und bekommt entsprechende Anregungen. „Das wird gleich ein Elchtest, denke ich mir, während ich die Begriffe „Egoismus und „ärgern eintippe. Und voilà, der erste Tipp:

„Wichtig ist, eine Situation kann immer unter verschiedenen Blickwinkeln gesehen werden. Wir tendieren dazu, in für uns unangenehmen oder nicht lösbaren Situationen sehr eindimensional zu denken und nur eine Sichtweise einzunehmen. Wir verbauen uns dadurch eine Vielzahl an anderen positiven Blickwinkeln und Lösungsansätzen."

Stimmt schon, aber was heißt das für meine Gladiatorenszene? Ich ergänze die Stichworte „U-Bahn, „blockierte Tür und „Sitzplatz".

Und weiter geht’s: „Du ärgerst dich, da du nicht in den U-Bahnzug konntest, da er überfüllt war. Warum ärgerst du dich? Willst du wirklich ein weiteres Déjà-vu deiner letzten U-Bahnfahrt erleben? Stehplatz erste Reihe – zu deiner Rechten ein offensichtlicher Anhänger des Rap, der auch dich an seinem Musikgenuss in überdimensionierter Lautstärke teilhaben lässt. Zu deiner Linken ein Pärchen, welches sich gerade über Banalitäten streitet. Direkt gegenüber ein Mann, der es scheinbar mit der Reinlichkeit nicht so ganz genau nimmt und entsprechende Gerüche herüberschickt. –Nein, du DARFST mit einer anderen U-Bahn fahren, in der weniger Passagiere sind und du vielleicht auch einen Sitzplatz bekommst. Da fühlst du dich doch gleich entspannter."

Hm … Sitzen ist sitzen. Das musste selbst Uli Hoeneß zur Kenntnis nehmen, bevor er die Fußfessel bekommen hat. Und 50 Cent sind mir bei der heutigen Inflation in Münzform lieber als die Rapmusik, die aus den Kopfhörern meines Nachbarn nicht nur in seinen, sondern auch in meinen Ohren dröhnt.

Egoismus hin oder her, in Wahrheit bringt’s mir mehr, wenn ich meinen Sitzplatz zum Rollenstudium nutze. Ich kann ohnehin nicht anders, als den Django aus Ottakring weiter zu beobachten. Nach anfänglichen Szenen wie aus „Gladiator, Teil 2, würde sich jetzt noch ein weiteres Genre anbieten. Meine Fantasie versetzt mich und das Eastwood-Lookalike in den Wilden Westen. Mein Visavis könnte locker als Sheriff in einem Saloon im Jahre 1872 in Texas durchgehen. Wenn sich da ein Ego-Gringo bei der Pferdetränke vorgedrängt hätte, wäre das in einem typischen Italo-Western wohl anders geregelt worden als heutzutage. Emotionsloser Kommentar inklusive: „Ich löschte es aus, sein Ego … noch einen Whiskey, prego!

Im Wilden Westen war Rücksichtslosigkeit einfach ein eleganterer Bestandteil der Kultur. Der Sheriff hätte sich beim Duell in der s. o. aber auch schwergetan, so viel ist sicher.

Umleitungen

Freitag, 13.54 Uhr

Bei der Selbstsuche trifft man auf viele Anleitungen. Umleitungen trifft es schon eher!

Das gilt nicht nur für den Jakobsweg. Mein persönlicher Selbstfindungstrip führt nicht nach Spanien, genauer gesagt nach Santiago de Compostela. Compostela klingt mir zu sehr nach Mist. Mein Jakobsweg hat die Kaffeemaschine zum Ziel.

Die anderen Kaffeesorten sind mir übrigens genauso recht, sie klingen halt nicht gleich wie das Pilgerziel. Wegen dem vermeintlichen Wortwitz warat’s …

Nicht nur diese Umleitung ist ein Abfallprodukt, überall wird man bei der Suche nach einem Selbst auf Abwege geschickt – in Büchern, in Blogs und vor allem in Form von gut gemeinten Ratschlägen besorgter Mitmenschen. Hier meine Top drei:

1. „Sei ganz ehrlich zu dir!"

Blöd ist, dass außer einem selbst kaum jemand an Ehrlichkeit interessiert zu sein scheint. Der Klassiker ist die Frage: „Wie geht’s dir?"

Wenn man dazu ansetzt, eine ehrliche Antwort zu geben, wandert die Aufmerksamkeit des Fragenden nach ca. drei Sekunden zu seinem Smartphone, dem Grind unter seinen Fingernägeln oder im Aufzug auf das Betrachten der Anzeige der zurückgelegten Stockwerke.

In solchen Situationen bin ich immer ganz ehrlich zu mir und weiß, dass auch dieses Gespräch ganz schnell vorbei sein kann, indem ich eine der folgenden Taktiken anwende:

•Ein paar wirklich tiefgehende Fragen stellen und seine Antworten abwarten. Will er keine wirkliche Unterhaltung führen, wird er schnell das Weite suchen.

•Ihm mitteilen, dass es mir derzeit gar nicht gut geht und zu einer ausführlichen Erzählung ausholen. Das schlägt auch den größten Egoisten und Ignoranten in die Flucht.

•Ihm mit den denkbar kürzesten und einsilbigsten Antworten zu verstehen geben, dass mich dieses Gespräch wirklich nicht interessiert.

•Ebenfalls das Smartphone zücken und sein Verhalten spiegeln. Den Wink verstehen sie meistens.

•Eine lange Pause machen (das muss man aushalten) und keine Fragen stellen. Das jagt sie davon.

2. „Es kommt darauf an, was du willst!"

Das ist ein besonders perfider Tipp. Woher soll man wissen, was man wirklich will? Jahrzehntelang lebt man dahin in der zwar nicht schönen, aber bekannten Gewohnheit, dass man das wollen soll, was die anderen von einem wollen, dass man es wollen soll. Oder man macht das, was man glaubt, dass die anderen von einem wollen, dass man es wollen soll. Komplizierter geht es nicht mehr.

Leichter hat es da mein Vater. Er pflegt auf die Frage, wie es um sein Befinden steht, zu sagen: „Wie die anderen wollen."

3. „Schau mehr auf dich, du darfst ruhig einmal egoistischer sein." Dazu sage ich nur ein Wort: U-Bahn. Da passt auch ein Zitat von einem gewissen Götz von Berlichingen aus einem Werk Goethes ganz gut …

Erschwerend kommt hinzu, dass ich mit einem Leiden gestraft bin. Ich bin ein Abgrenzungs-Monk. Wie der Darsteller der Fernsehserie agiere ich zwanghaft, immer wenn ich gute Ratschläge von meinen Mitmenschen bekomme. Statt eines ehrlichen „Interessiert mich nicht, „Hab keine Zeit oder dem guten alten „Halt doch die Pappen" bleibe ich wie angewurzelt stehen und höre mir alles an, was mich noch weiter von meinem Kurs abbringt.

Zu hören, was andere sagen, ist ja noch nicht das Problem. Im Gegenteil, je mehr Informationen ich habe, desto besser kann ich auf deren Grundlage entscheiden. Und sei es auch nur, dass ich zu dem Schluss komme, dass die gegebenen Informationen oder auch Ratschläge vielleicht auf gut wienerisch „ein Topfen sind".

Erfahrungsgemäß sind aber immer wieder auch sehr gescheite und hilfreiche Aussagen dabei. Wichtig ist zu erkennen, ob diese Ratschläge uneigennützig durch den Austeilenden gegeben werden oder ob dahinter ein Kalkül steckt, d. h. sich diese Person einen Vorteil dadurch erhofft. Dies ist oft der schwierigere Part. Wahrscheinlich sollte ich es wie bei den Weihnachtsgeschenken meiner Oma machen: Das, was ich brauchen kann, mitnehmen und den Rest möglichst schnell loswerden.

Vielleicht ist es auch deshalb so schwer, sein persönliches Navi auf der Reise zu sich selbst zu aktivieren, weil Navi und naiv dieselben Buchstaben haben.

Naiver sein – ob das die Lösung ist? Aber vielleicht würde es helfen, nicht immer alles, was um einen passiert, zu registrieren. Manchmal nehme ich zur Beruhigung mein virtuelles Medikament ein: „Pack i ned." Alternativ dazu hätte ich eine Idee für eine Erfindung: Ohropax fürs Hirn.

Niederflieder

Samstag, 15.01 Uhr

Jetzt ist es gleich so weit. Das Unausweichliche droht. Für knapp nach Ende der Mittagsruhe hat er sich angekündigt. Hoffentlich gibt es heute nicht so viele Beanstandungen wie letztes Jahr. Warum bin ich eigentlich nervös? Ich bin ja nur zur moralischen Unterstützung hier. Und zum Beobachten und Stoffsammeln für meine Programme. Das kann man hier ideal. Ein Bekannter von mir hat einen Schrebergarten in der Kleingartensiedlung „Niederflieder". Die Anlage gibt es seit ca. 150 Jahren und seit damals ist die Herrschaft über dieses Grüngebiet fest in der Hand der Familie Niederflieder. Ja, die Namensgebung kommt nicht von ungefähr und es ist auch der momentane Amtsträger, Herr Franz Niederflieder, der sich in Kürze als Obmann des Vereins zur jährlichen Begehung einfinden wird. Alter Gartenadel gewissermaßen.

Und da hört man sie schon, diese vom täglichen Packerl Zigaretten geformte Stimme, die wie jene von Großvater Petz beim Kasperl meiner Kindheit klingt.

Frau Schild, die Nachbarin, begrüßt ihn schon von Weitem mit einem ehrfürchtigen „Herr Obmann, kommen S’ nur rein, der Kaffee ist gleich fertig".

Von meinem Gartenstuhl aus kann ich das Antlitz des Herrschers recht gut wahrnehmen. Er ist sich seiner Stellung sehr bewusst, seine Miene ist von beinahe gleichgültiger Ausdruckslosigkeit geprägt. Ja, dieser Mann muss nichts mehr beweisen, er hat schon alles gesehen, was jene wichtige Position mit sich bringt. Während er durch das Gartentor der Schilds schreitet, fällt sein geübter Kennerblick

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Endlich Ich! denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen