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Konrad und Konradin: Die letzten Staufer

Konrad und Konradin: Die letzten Staufer

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Konrad und Konradin: Die letzten Staufer

Länge:
163 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
9. Okt. 2015
ISBN:
9783739261089
Format:
Buch

Beschreibung

Der nach dem Tod seines Vaters, Kaiser Friedrich II., jung an die Macht gekommene Konrad IV. muss seine Regentschaft sowohl gegen die deutschen Bischöfe und Fürstentümer als auch gegen die Kurie und die italienischen Städte verteidigen. Sein Italienzug zur Erlangung der Kaiserkrone findet 1254 mit seinem ungeklärten Tod im Alter von 26 Jahren ein jähes Ende.
Sein dreijähriger Sohn und Erbe Konradin sieht sich nach Erreichen der Volljährigkeit ebenfalls veranlasst, nach Italien zu ziehen. Nach der unglücklichen Niederlage in der Schlacht von Tagliacozzo gegen den vom Papst als König von Sizilien eingesetzten Karl von Anjou wird Konradin gefangen genommen und hingerichtet.
Mit dem Tod des erst 16-jährigen Konradin endet die männliche Linie der Hohenstaufer und deren Herrscherdynastie.

Unter dem Titel „Heinrich Raspe IV. von Thüringen“ hat der Autor auch eine szenische Geschichte über den zeitgleichen Gegenspieler der letzten Staufer veröffentlicht.
Herausgeber:
Freigegeben:
9. Okt. 2015
ISBN:
9783739261089
Format:
Buch

Über den Autor

Hans Spichalsky, Jahrgang 1936, wurde in der thüringischen Rhön geboren und wuchs in Gotha auf, wo er 1954 das Abitur ablegte. Nach unfreiwilliger Schlosserlehre erhielt er 1957 einen Studienplatz an der TU Dresden. 1960 verließ er mit Eltern, Schwester und Freundin die DDR, beendete sein Maschinenbaustudium an der TU Braunschweig und arbeitete in der Automobil-Zulieferindustrie. Hans Spichalsky lebt heute in Bebra.


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Buchvorschau

Konrad und Konradin - Hans Spichalsky

Für Marie-Luise

Inhalt

Vorwort

Regentschaft König Konrad IV. und Tod Kaiser Friedrich II. (1247 – 1251)

Zug durch Italien und Tod Konrad IV. (1251 – 1254)

Jugend Konradins (1254 – 1266)

Kampf um Sizilien (1266 – 1268)

Das Ende der Stauferherrschaft (1268 – 1285)

Nachwort

Anhang

Vorwort

König Konrad IV. und seinem Sohn Konradin gelang es nicht mehr, die Kaiserkrone für das Haus Hohenstaufen zu erwerben. Die Macht der Päpste, die Uneinigkeit der deutschen Fürsten und die Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ließen das Vorhaben scheitern. Somit sind die beiden letzten Staufer nicht in die Reihe der bedeutendsten deutsch-römischen Herrscher einzureihen.

Wie sie jedoch trotz ihrer Jugend für ihre Ideale und Vorstellungen kämpften und dabei ihr Leben aufs Spiel setzten, fasziniert auch heute noch.

Hans Spichalsky, Frühjahr 2015

I. Regentschaft König Konrad IV. und Tod Kaiser Friedrich II.

(1247 – 1251)

Lange hatte König Konrad nicht mehr so entspannt in seiner alten Burg Hohenstaufen in Schwaben gesessen. Es war ein herrlicher Frühsommertag im Jahre des Herrn 1247. Die Fenster im Turmzimmer waren weit geöffnet, Vogelgezwitscher und ein betörender Blütenduft drangen ins Innere des dunklen, schlicht eingerichteten Raumes. Konrad genoss die Aussicht über die waldreiche, hügelige Landschaft. Ein Gefühl der Dankbarkeit gegenüber seinem Schicksal durchströmte ihn.

Noch immer beschäftigte ihn ein Ereignis, welches erst wenige Wochen zurücklag. Er hatte Nachricht bekommen, dass der von den rheinischen Erzbischöfen und von der Kurie unterstützte Gegenkönig Heinrich Raspe IV. von Thüringen die Belagerung Ulms wegen einer Verwundung hatte aufgeben müssen und wenig später auf der Wartburg gestorben war.

Seine Gefühle gegenüber diesem Landgrafen waren wenig christlich. Er hatte ihn sehr gut als vom Kaiser ernannten Reichsverweser und Vorsitzenden des königlichen Rates kennengelernt und damals geglaubt, er wäre ein kaisertreuer Mann. Als dessen Umschwenken in das päpstliche Lager aber nicht mehr zu übersehen war, breitete sich tiefe Enttäuschung im Herzen Konrads aus, und er begann, ihn zu hassen.

Der plötzliche Tod Heinrich Raspes schien ihm ein Fingerzeig Gottes zu sein. Offenbar wollte eine höhere Macht der antistaufischen Seite Einhalt gebieten. Konrad atmete tief durch. Er bemühte sich mit aller Kraft, das Glücksgefühl nicht durch weiter zurückliegende Vorkommnisse eintrüben zu lassen. Es gelang ihm aber nicht vollständig.

Die schmähliche Niederlage seiner Truppen vor dem Hoftag des thüringischen Gegenkönigs in Frankfurt drang immer wieder in sein Bewusstsein. Er wusste inzwischen genau, dass nicht militärische Schwäche seine Niederlage besiegelt hatte, sondern erbärmlicher Verrat. Graf Ulrich von Württemberg hatte sich von den Erzbischöfen mit siebentausend Mark bestechen lassen und ging deshalb einer Schlacht aus dem Wege. So wurde er gezwungen, mit den verbliebenen tausend Reitern nach Süddeutschland auszuweichen und über sechshundert Gefangene dem Gegner zu überlassen.

Der Zorn über den gemeinen Verrat des Grafen ließ auch jetzt noch sein Blut aufwallen. Er zwang sich aber dazu, diese Stimmung zu unterdrücken. Als sein Gemüt sich wieder beruhigt hatte, versuchte er seine Gedanken nach Italien zu lenken. Sogleich trat das Bild seines Vaters, des Kaisers Friedrich II., vor seine Augen. Ein tiefes Gefühl der Zuneigung und Liebe durchströmte ihn.

Sein Vater hatte keinen Augenblick gezögert, ihm zu Hilfe zu kommen, als er von seiner Bedrängnis durch die Truppen des thüringischen Landgrafen erfuhr. Mit starkem Aufgebot war er in Eilmärschen bis in die Toskana geritten. Anschließend wollte er die Alpen überqueren und die Ordnung in Deutschland wiederherstellen. Erst die Nachricht vom Tode Heinrich Raspes ließ ihn von dem Plan Abstand nehmen.

Konrad hatte schon oft darüber nachgedacht, wie es zu erklären war, dass er eine so enge Bindung an seinen Vater fühlte, von der er wusste, dass sie durchaus erwiderte wurde. Friedrich hatte aus seinen Ehen und sonstigen Beziehungen viele Kinder, darunter einige Söhne, die ständig in seiner Nähe waren. Aber keiner schien eine größere Vertrautheit mit ihm zu haben als er, Konrad. Ob dies mit dem frühen Tod seiner noch so jungen Mutter, Isabella von Brienne, zusammenhing? Hatte sein Vater diese Frau, die fast noch ein Kind gewesen und an den Folgen der Geburt gestorben war, besonders geliebt? Er wusste es nicht. Niemals war darüber gesprochen worden.

Wohl bekannt war ihm dagegen das Schicksal seines älteren Halbbruders Heinrich, der von seinem Vater 1235 in Worms als deutscher König abgesetzt und zu lebenslanger Kerkerhaft wegen Aufsässigkeit verurteilt worden war. Wenige Jahre später verstarb er bei der Verlegung in eine andere Burg. Man sprach von Selbstmord.

Konrad versuchte, die Erinnerung an Heinrich und die ihm nicht ganz begreifliche Härte seines Vaters gegenüber diesem Sohn zu verdrängen. Er hatte niemals das Gefühl gehabt, der Zorn seines Vaters könnte auch ihn mit derartiger Wucht treffen.

Ein Blick auf die grüne Landschaft mit den vereinzelten blühenden Bäumen verscheuchte seine düsteren Gedanken. Das helle Sonnenlicht ließ die Bilder aus seiner Kindheit im Süden Italiens aufsteigen. Bis zum Alter von sieben Jahren konnte er die unbeschwerteste Zeit seines Lebens genießen.

Natürlich hatte er auch damals Momente der Traurigkeit gekannt, vor allem dann, wenn ihm zum Bewusstsein gekommen war, wie sehr ihm seine Mutter fehlte. Aber das war selten, denn sein Vater bemühte sich schon in frühen Jahren, ihn den Verlust möglichst wenig spüren zu lassen.

Er hatte in seiner Gegenwart stets gute Laune, spielte und scherzte mit ihm, ging auf seine Wünsche sein, ohne seine Erziehung zu vernachlässigen, schenkte ihm, kaum dass er richtig laufen konnte, ein kleines Pferd und eine passende Rüstung und achtete streng darauf, dass auch seine neue Frau und das Hofpersonal den kleinen Konrad freundlich und liebevoll behandelten.

Als er fünf oder sechs Jahre geworden war, nahm ihn Friedrich auf vielen seiner Reisen mit, sodass der kleine Prinz viele Städte Siziliens und Apuliens wie Palermo, Brindisi, Foggia, Neapel und manch andere kennenlernte. Die Heiterkeit der Menschen, die Sonne des Südens und die Pracht des Hofes bestimmten die Kindheit Konrads.

Im siebten Lebensjahr kam der Umschwung. Der Kaiser weilte in Deutschland, hatte seinen Sohn Heinrich abgesetzt und wünschte von den deutschen Fürsten die Wahl Konrads zum neuen deutschen König. Er befahl, Konrad auf dem schnellsten Wege nach Mainz bringen zu lassen.

Für das Kind war es ein Schock. Er war – wie es einem Kaisersohn gebührte – im dynastischen Sinne erzogen worden, und er wusste, mit vierzehn Jahren hätte er spätestens ein hohes Amt zu übernehmen. Aber mit einer so frühen und so plötzlichen Entscheidung hatte er nicht gerechnet. Zwar freute er sich auf das Wiedersehen mit dem Vater, der ihm unbekannte Norden machte ihm aber Angst.

Die Wahl Konrads verlief nicht ganz im Sinne Friedrichs, da sich die Fürsten erst zwei Jahre später entscheiden konnten, Konrad als Nachfolger für Heinrich zu wählen. In der Zwischenzeit reiste Konrad mit dem Hofstaat durch Deutschland, verbesserte sein Deutsch und bemühte sich, seiner künftigen Rolle gerecht zu werden. Da er noch nicht allein regieren konnte, wurde ihm ein Reichsrat mit dem Reichsprokurator Siegfried III. von Eppstein, Erzbischof von Mainz, an die Seite gestellt. Sein Vater kehrte alsbald in Begleitung Siegfrieds nach Italien zurück und überließ den Jungen der Fremde.

Dankbar erinnerte sich Konrad der wenigen Freunde, die ihm zur Seite standen. Es waren vor allem schwäbische Edle wie Gottfried und Heinrich von Hohenlohe, Konrad von Winterstetten und Konrad von Schmiedelfeld. Sie versuchten mit viel Einfühlungsvermögen, ihm die komplizierte politische Situation im Deutschen Reich zu erklären.

Da der Reichsprokurator an den Kämpfen gegen die lombardischen Städte teilnahm, wurde das Verhältnis König Konrads zu seinen Vertrauten immer enger. Sie erklärten ihm auch, welche Folgen die Exkommunikation des Kaisers durch Papst Gregor IX. haben konnte und weshalb das Verhältnis zwischen der römischen Kurie und dem Kaiser so angespannt war.

Bereits mit elf Jahren nahm er in seiner Eigenschaft als deutscher König am Empfang des byzantinischen Kaisers Balduin II. in Wiesbaden teil. Von diesem Zeitpunkt an schaltete er sich immer häufiger in das Reichsgeschehen ein.

Die Aufenthalte 1239 in Eger und 1240 in Lüttich, Köln, Mainz und Würzburg gaben ihm eine Vorstellung von den Machtstrukturen im Reich. Mit seinen schwachen Kräften bemühte er sich intensiv um die Durchsetzung kaiserlicher Politik. Er unterstützte vor allem die Fürsten, die einen Ausgleich zwischen Papst und Kaiser suchen wollten. Dazu zählte zu dieser Zeit auch der Landgraf Heinrich Raspe von Thüringen.

Die Petitionen der auf Ausgleich bedachten deutschen weltlichen und geistlichen Fürsten stießen bei Papst Gregor jedoch auf taube Ohren. Er war nicht bereit, die Exkommunikation des Kaisers zurückzunehmen, sondern dehnte sie sogar auf den thüringischen Landgrafen und den Mainzer Erzbischof aus. Zu allem Unglück starb 1240 der Hochmeister des Deutschen Ordens, Konrad von Thüringen, der als Vermittler gute Dienste geleistet hatte.

Eine weitere Belastung im jungen Leben König Konrads war die Nachricht vom Einfall der Mongolen in das östliche Reich. Er hatte seinen Vater informiert und um Hilfe gebeten, aber dieser konnte wegen der Kämpfe in der Lombardei keine Truppenverstärkung schicken. Das kleine Truppenkontingent Konrads war völlig unzureichend. Der König von Böhmen erging sich deshalb in heftigen Vorwürfen gegen König Konrad und Kaiser Friedrich. Glücklicherweise setzten die Mongolen ihren Vormarsch nicht fort und eine Schlacht konnte vermieden werden.

Als Papst Gregor IX. 1241 starb, hofften Konrad und mit ihm die große Mehrheit der Christenheit, der neue Papst möge einen tragfähigen Kompromiss mit dem Kaiser suchen. Bevor es aber dazu kommen konnte, schlossen die Erzbischöfe von Mainz und Köln einen Pakt, wandten sich vom Kaiser ab und verkündeten dessen Exkommunikation in Deutschland. Ursache für diese Haltung war vermutlich der langjährige Streit um das Kloster Lorsch.

Konrad schrieb einen dringenden Brief an den Kaiser, bat um Absetzung Siegfrieds vom Amt des Prokurators und Einsetzung eines neuen kaisertreuen Fürsten. Friedrich ernannte daraufhin den Landgrafen von Thüringen zum neuen Reichsverweser. An den schweren Kämpfen zwischen kaisertreuen und erzbischöflichen Truppen, vor allem in der Wetterau und um Worms, nahm Heinrich Raspe aber kaum teil, sodass Konrad selbst die Hauptlast zu tragen hatte. Seine wesentlichen Stützen waren Philipp von Hohenfels und Gerhard von Sinzig, die tapfer für die staufische Seite kämpften.

Als der Kölner Erzbischof, Konrad von Hochstaden, nach der Schlacht bei Lechenich in die Hände des Grafen von Jülich fiel und auf der Burg Nideggen inhaftiert wurde, versuchte König Konrad, ihn überstellt zu bekommen. Die langwierigen Verhandlungen führten jedoch zu keinem Erfolg. Selbst gegen die Verpfändung der Reichsstadt Düren war der Graf nicht bereit, den Erzbischof auszuliefern.

Die Kämpfe weiteten sich immer weiter aus, sodass auch Weilburg, Wiesbaden und Mainz betroffen wurden. Die Reichsstädte Frankfurt, Friedberg, Gelnhausen, Wetzlar und Worms hielten treu zur staufischen Seite und stellten die wesentlichen Truppen. Sie konnten aber nicht

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