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Trapperjahre und Indianeraufstände: Kit Carson Sammelband, #1

Trapperjahre und Indianeraufstände: Kit Carson Sammelband, #1

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Trapperjahre und Indianeraufstände: Kit Carson Sammelband, #1

Länge:
339 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 14, 2019
ISBN:
9781519934482
Format:
Buch

Beschreibung

TRAPPERJAHRE UND INDIANERAUFSTÄNDE

AMERICAN FRONTIER KIT CARSON – der legendäre Scout

Sammelband 1

by LESLIE WEST

Der Umfang dieses Buchs entspricht 327 Taschenbuchseiten.

American Frontier - Kit Carson, der legendäre Trapper ist die große Saga von Leslie West.

Der junge Kit Carson bricht in den bis dahin noch unerschlossenen Westen der Vereinigten Staaten auf, als Helfer eines Handelszuges auf dem berühmten Santa Fe Trail. Ab 1829 arbeitet er schließlich selbst als Trapper und Pelzhändler.

Unsere Geschichte beginnt mit dem jährlichen Treffen der Trapper und Pelzhändler am Green River im Jahre 1834. Der junge Kit Carson fordert einen mächtigen Trapper namens Shumar zum Duell.

"Trapperjahre und Indianeraufstände" enthält die zwei romanlangen Erzählungen "DUELL DER MOUNTAIN MEN" und "DAS GEHEIMNIS DER CHIPPEWA".

Weitere Bände werden folgen.

Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 14, 2019
ISBN:
9781519934482
Format:
Buch

Über den Autor


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Trapperjahre und Indianeraufstände - Leslie West

TRAPPERJAHRE UND INDIANERAUFSTÄNDE

AMERICAN FRONTIER KIT CARSON – der legendäre Scout

Sammelband 1

by LESLIE WEST

Der Umfang dieses Buchs entspricht 327 Taschenbuchseiten.

American Frontier - Kit Carson, der legendäre Trapper ist die große Saga von Leslie West.

Der junge Kit Carson bricht in den bis dahin noch unerschlossenen Westen der Vereinigten Staaten auf, als Helfer eines Handelszuges auf dem berühmten Santa Fe Trail. Ab 1829 arbeitet er schließlich selbst als Trapper und Pelzhändler.

Unsere Geschichte beginnt mit dem jährlichen Treffen der Trapper und Pelzhändler am Green River im Jahre 1834. Der junge Kit Carson fordert einen mächtigen Trapper namens Shumar zum Duell.

„Trapperjahre und Indianeraufstände enthält die zwei romanlangen Erzählungen  „DUELL DER MOUNTAIN MEN und „DAS GEHEIMNIS DER CHIPPEWA".

Weitere Bände werden folgen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

American Frontier Kit Carson – der legendäre Scout, Sammelband 1

Romane © by Leslie West und Edition Bärenklau 2015

Nachwort by Leslie West, 2015

Cover ©  by Steve Mayer, 2015

Zum Geleit

Mit Leslie West’s Kit Carson Saga bietet die Edition erstmals gedruckte Bücher an, die nicht mehr den gewohnten Mechanismen der klassischen Buchbranche folgen. Das Metier der Edition Bärenklau ist schwerpunktmäßig bislang das eBook gewesen. Natürlich gibt es für eine Auswahl der Titel Lizenzen, aber eine gedruckte Ausgabe unserer Publikationen, wie die hier vorliegende – damit betreten wir noch einmal Neuland. Kein Lagerbestand, kein Vertrieb, keine Auslieferung an Grossisten. Unser Schaufenster sind die Plattformen des Internets und jeder Kunde bestimmt die Auflage durch seinen Kauf, ohne das es Lagerbestände gibt. Die Edition geht da neue Wege. Wenn der Kauf des Buches aber nicht mehr in der wirklichen Welt geschieht, nachdem man das gedruckte Werk beäugt und den Klappentext auf der Rückseite gelesen hat, sondern zur Buchabbildung eine Klappentext-Info und eine Leseprobe auf seinem Bildschirm bekam, dann kann man doch diese im Internet bestellte Ausgabe auch ein wenig anders gestalten.

So verzichten wir bei unseren Romane auf einen beschrifteten Buchrücken und den Klappentext auf der hinteren Umschlagseite. Wer nach dem Kauf dennoch einen Überblick über den Romaninhalt haben möchte, findet ihn gleich am Anfang, vor Beginn des Romans.

Jörg Martin Munsonius

Duell der Mountain Men

Beim jährlichen Rendezvous der Trapper und Pelzhändler, das 1834 am Green River stattfindet, fordert der junge Kit Carson den riesenhaften Trapper Shumar zum Duell. Shumar hat die schöne junge Arapaho-Indianerin Waa-nibe belästigt, und Kit will dieses Vergehen sühnen, um einen Krieg mit den Arapaho zu vermeiden. Im Indianerdorf verliebt er sich selbst in Waa-nibe.

In den Stunden vor dem Duell erinnert sich Kit an drei frühere Begegnungen mit Shumar, aus denen ihre zunehmende Feindschaft erwuchs: Wie er zwei Jahre zuvor am winterlichen Arkansas River als junger Heißsporn einer Übermacht von Crow-Kriegern die aus dem Winterlager der Trapper geraubten Pferde wieder abnahm. Wie er im unwirtlichen Jagdgebiet des Colorado River seine Männer und die gemeinsame Ausbeute immer wieder gegen einen Gegner verteidigen musste, der sich nie sehen ließ. Und wie er in den nördlichen Rocky Mountains, in die er mit Jim Bridger zur Biberjagd gezogen war, zuletzt am erbitterten Widerstand der dort lebenden Blackfeet-Indianer scheiterte, der geradezu organisiert schien.

Dann beginnt das Duell ...

––––––––

Der Mann an der Theke überragte die meisten anderen Trapper in diesem windschiefen Behelfssaloon um einen ganzen Kopf. Die verrutschte Fellmütze auf seinem gewaltigen Schädel und der ungepflegte dunkle Bart, der in alle Richtungen wucherte, ließen ihn noch riesenhafter und vorzeitlicher erscheinen.

Urplötzlich wischte er mit seiner Pranke ein Dutzend Gläser vom Tresen. Klirrend zersprangen sie auf dem Boden. Die Scherben flogen in alle Richtungen.

Der Hüne riss eine volle Whiskeyflasche an sich, jagte ihren halben Inhalt seinen Schlund hinunter und schleuderte den Rest samt Flasche hinter die Theke. Der schäbige halbblinde Spiegel zersprang klirrend, blieb jedoch größtenteils im Rahmen hängen.

Aus Angst vor dem Riesen waren alle weit zurückgewichen. Als er mit seiner mächtigen Faust auf den Tresen schlug, schien der Saloon bis in die Dielenbretter zu erbeben.

Verdammtes feiges Pack! Ich habe gute Lust, einen ganzen Haufen eurer morschen amerikanischen Knochen zu brechen. Und ich werde auch sofort damit anfangen!

*

Draußen ging es kaum weniger hoch her. Das große jährliche Trappertreffen am Green River, das berühmte Rendezvous, war in vollem Gange. Ein entbehrungsreiches und anstrengendes Dreivierteljahr - Herbstjagd, Winterlager, Frühlingsjagd - wurde hier für wenige glückliche Wochen vergessen. Mountain Men, Pelzhändler und Indianer trafen sich zum Feilschen um Felle, zum Kauf von Ausrüstung und zum Vergnügen. Bei Pferderennen, Wettschießen und Geschicklichkeitsspielen floss Alkohol in Strömen. Squaws wurden massenweise gekauft und weiterverkauft. Sie galten als zuverlässige Arbeitskräfte und halfen über die Einsamkeit in der unermesslichen Weite der Gebirge und Wälder hinweg.

Der sehnige junge Trapper, der sein dichtes blondes Haar schulterlang trug, hatte die Drohungen aus dem Saloon noch auf der anderen Straßenseite vernommen. Er kannte diese Stimme nur allzu gut. Und er wusste, dass  der Sprecher jedes seiner Worte ernst meinte.

Mit wenigen Sätzen hatte er die schmutzige Straße überquert. Als er sich eben anschickte, in den Saloon zu stürmen, fühlte er sich am linken Arm gepackt und zurückgehalten.

Hier geblieben, Kit.

Der junge Trapper riss sich mit einem Ruck los. Wütend starrte er den anderen an, einen kleinen wendigen Mann mit roten Haaren.

Was soll das, Rusty? Alle da drin haben offensichtlich den Schwanz eingezogen. Irgendjemand aber muss Shumar doch zur Räson bringen.

Du nicht, Kit. Du musst zu den Arapaho. Und zwar auf der Stelle.

Erst werde ich  ... 

Nichts wirst du. Uns droht ein Blutbad.

Was ist geschehen?

"Shumar, dieser verdammte frankokanadische Raufbold, ist gestern sturzbetrunken ins Lager der Arapaho getorkelt. Zuerst hat er einige junge Krieger umgehauen und die Stammesältesten wüst beschimpft. Dann hat er das hübscheste Mädchen gepackt und zu küssen versucht. Die Kleine war glücklicherweise schnell genug, ihm ins Gesicht zu schlagen, sich ihm zu entwinden und in den dichten Waldstreifen am Green River zu fliehen. Dort hat er noch eine Ewigkeit lang brüllend nach ihr gesucht, bis er endlich aufgegeben hat.

Und du und Jim Bridger - ihr wart weg! Aber keiner außer euch kann mit diesen roten Burschen reden. Seit heute morgen dröhnen die Kriegslieder aus den Wigwams der Arapaho über den Fluss, und die Wehrfähigen des Stammes gießen geschmolzenes Blei in die Kugelformen."

Wo ist Old Gabe?, wollte Kit Carson wissen.

Old Gabe war Jim Bridgers Spitzname, von seinem zweiten Vornamen Gabriel abgeleitet. Der berühmte Trapper war vor Jahren Kits Lehrmeister in der Wildnis gewesen, und seitdem waren sie enge Freunde geblieben.

Rusty Forsythe zuckte die Schultern.

Was weiß ich? Wäre er da, so hätten wir ihn längst gebeten, ins Indianerlager zu reiten. Du bist zwar der Jüngere von euch beiden, und dein Wort mag bei den Roten noch nicht ganz so viel gelten. Aber außer Jim bist du auch der Einzige, der in dieser Lage jetzt überhaupt noch mit den Arapaho verhandeln kann.

Kit schluckte. Er wusste sehr wohl, dass die Indianer im Green-River-Tal den Trappern gegenüber in zehnfacher Übermacht waren. Das konnte schrecklich ausgehen.

Meine Pferde sind erschöpft. Wo hast du ... ?

Du kommst am besten gleich mit.

Rusty Forsythe kannte Kit Carson seit dessen fünfzehntem Lebensjahr. Damals war Kit Sattlergehilfe in Missouri gewesen und ausgebüxt, weil er einen unstillbaren Drang nach dem fernen Westen verspürt hatte. Schuld daran waren die Trapper gewesen, die bei David Workman, seinem Meister, verkehrt hatten. Stundenlang hatten sie die unerschlossene Wildnis in den prächtigsten Farben geschildert. Von Wundertieren war die Rede gewesen, von im Herbstwind rauschenden Wäldern und wogenden Prärien, die sich schier unendlich in alle Himmelsrichtungen erstreckten. Den Jungen hatte ein geradezu unerträgliches Fernweh gepackt. Er war einfach abgehauen.

David Workman aber hatte Verständnis für seinen Lehrling gehabt. Er war zwar gezwungen, dessen Flucht zur Anzeige zu bringen, doch als Belohnung für Kits Ergreifung hatte er gerade mal einen einzigen Cent ausgesetzt ...

Zu seinem Glück war Kit bei Charles Bent untergekommen, einem Pionier und Handelsmann, der gerade dabei gewesen war, einen Treck in den Westen zu führen. Rusty Forsythe war schon damals Charles Bents rechte Hand gewesen. Bent und Forsythe hatten sich des Jungen erbarmt und ihn mit auf den Trail genommen. Kit hatte nur allzu bald seine mannigfaltigen Fähigkeiten als Koch, Treiber und Junge für alles unter Beweis stellen können.

Rasch hatten Kit Carson und Rusty Forsythe den Stall erreicht. Kit schnallte seinen Sattel einem ausgeruhten Tier auf.

Rusty hielt den jungen Trapper noch kurz zurück.

Denkst du, diese Narren hier hätten mir geglaubt, was für schlimme Folgen Shumars Dummheit nach sich ziehen kann? Die meinen doch glatt, die Arapaho würden so friedlich bleiben wie immer. Dabei droht uns ein Blutbad! Sieh zu, dass du das Schlimmste verhindern kannst, Junge!

Ich werde mein Bestes versuchen, Rusty.

Wie von Furien gehetzt jagte Kit Carson auf seinem Pferd den Green River entlang.

*

Ein Stück vom Lager entfernt zügelte er sein Tier.

Der Fluss lag nah. Weiden und Erlen schlossen sich zu kleinen Wäldern zusammen, Binsen bildeten mit Sauergräsern dichte Rasen, auf denen die Indianer sich abends versammelten.

Für gewöhnlich zählten die Arapaho zu den freundlichsten und friedlichsten Indianern überhaupt. Kit kannte ihr behagliches Leben, ihre fröhlichen und schönen Gesänge. Hier am Green River pflegten sie jeden Abend auf einer Wiese am Fluss zu tanzen.

Sie hielten jedoch auch streng auf ihre Sitten. So verbot zum Beispiel eines ihrer Stammesgesetze sogar den jungen Männern des eigenen Dorfes, sich einer ledigen jungen Frau zu nähern, ohne dass ihr Vater dies erlaubt hätte.

Im allgemeinen waren die Trapper dennoch beim Tanz bisher immer als Gäste willkommen gewesen. Nur mussten sie sich eben an die Stammesregeln halten ...

Kit war angst und bange bei dem Gedanken, was geschehen würde, wenn die Arapaho mit vereinten Kräften gegen die Trapper ziehen würden. In ihren Augen hatte Shumar einen Frevel begangen, der viele Weiße das Leben kosten konnte ... 

Kit straffte sich.

Nein! Das durfte einfach nicht geschehen!

Als er endlich allein auf das Lager der Arapaho zuritt, war ihm in seiner Haut alles andere als wohl. Die Kriegsvorbereitungen waren tatsächlich in vollem Gange.

Die ersten Stammesmitglieder wurden auf ihn aufmerksam. Im Nu drangen ihre Rufe bis ins Herz der Ansiedlung.

Kit Carson ließ sich von den feindseligen Blicken und Rufen nicht davon abhalten, sein Pferd bis vor den Häuptlingswigwam trotten zu lassen und erst dort abzusteigen.

Das Gesicht des Stammesführers, den der Lärm aus seinem Zelt hatte treten lassen, verhieß nichts Gutes.

Sei gegrüßt, Häuptling. Kit neigte leicht den Kopf. Es tut uns Weißen leid, was geschehen ist.

Soll das eine Entschuldigung sein?

Genau das soll es sein. Was können wir tun, um euch davon zu überzeugen?

Kit wagte nicht, direkt Geschenke anzubieten. In dieser Phase des Gesprächs wäre das sofort als Beleidigung ausgelegt worden.

Komm mit.

Nach einem halben Hundert Schritten verhielt das Oberhaupt der Arapaho vor einem Zelt, dessen Klappe sofort zurückgeschlagen wurde. Ein Krieger im besten Mannesalter trat heraus.

Erzähle ihm, was deiner Tochter widerfahren ist.

Der Mann musterte Kit mit kritischem Blick und gerunzelter Stirn, bevor er zu sprechen begann.

Waa-nibe hat mit den anderen Mädchen getanzt, als dieser bärtige Riese wie ein Grizzly aus dem Dickicht brach und mit unverschämten Reden auf sie zu stürmte. Er hatte Feuerwasser getrunken und stank. Dennoch hat er sie umschlungen, bis sie sich endlich losreißen und in den Flusswald fliehen konnte. Mit lauten Rufen folgte er ihr noch ins Dickicht. Erst als unsere nichtsahnenden Krieger heran waren, zog er es vor, das Weite zu suchen.

Es ist euer Recht, ihn für seine Unverschämtheit zu bestrafen. Aber warum die anderen Weißen?

Der Häuptling übernahm die Antwort.

"Weil sie ihn jedenfalls nicht bestrafen werden! Sie haben ihn wieder in ihre Reihen aufgenommen, als sei überhaupt nichts geschehen. Für sie hat er kein Unrecht getan, weil sie alle wie er denken!

Bisher haben wir eure kleine Schar nicht nur geduldet, sondern waren euch sogar freundschaftlich gesonnen. Nun sind wir nicht nur enttäuscht, sondern zornig. Wie sollen unsere Frauen künftig vor solch schmachvoller Belästigung sicher sein, wenn ihr solch tierhaftes Verhalten duldet? Waa-nibe konnte sich einzig durch ihre gedankenschnelle Flucht retten, denn bisher wussten wir nicht, dass wir unsere Frauen vor euch bewachen und schützen müssen. Wir dulden euer lasterhaftes Treiben nicht länger! Das werdet ihr am eigenen Leib erfahren, und zwar sehr bald!"

Kit schluckte. Er wollte es noch auf eine andere, behutsamere Weise versuchen.

Ich kann nur wiederholen, dass wir anderen alle sehr bedauern, was vorgefallen ist. Der blonde Trapper wandte sich an den Vater des Mädchens. Deine Tochter muss sehr schön sein, wenn einer der unseren ihretwegen seinen Verstand verloren hat.

Die gerunzelte Stirn des Kriegers hellte sich ein wenig auf.

Urteile selbst.

Er wandte sich um und rief ins Zeltinnere:

Komm heraus, Waa-nibe.

Seine Tochter gehorchte. Und Kit war, als hätte ihn ein Blitz getroffen.

Er hatte in der Tat noch nie eine Indianerin von solcher Schönheit gesehen. Sie war schlank, hochgewachsen und grazil. Hinter ihren Bewegungen steckte Wendigkeit, Anmut und verborgene Kraft.

Dann das ebenmäßige Gesicht! Ihr Profil strahlte klassische Schönheit aus.

Und erst die Augen! Sie bannten Kit. Er musste sich zwingen, seinen Blick von ihr abzuwenden.

Dann hatte ich also recht mit ihrer Schönheit, sagte er leise.

Seine Reaktion entspannte die Situation auf seltsame Weise. Wieder trafen seine Blicke die der jungen Indianerin, die leicht errötete. Er riss sich zusammen.

Was ist, wenn Shumar bestraft wird?

Von wem? Von euch Weißen?

Von mir.

Welchen Grund solltest du dafür haben?

Euch zu überzeugen, dass wir Weißen Unrecht einzusehen vermögen.

Weder dem Häuptling noch Waa-nibes Vater waren die Blicke entgangen, die der blonde Trapper und die indianische Jungfrau gewechselt hatten.

Das ist bereits ein guter Grund, erklärte das Stammesoberhaupt. Du sollst einen Tag Zeit bekommen, deine Absicht in die Tat umzusetzen.

Danke, Häuptling. Dann lebt wohl, damit ich keine Zeit verliere.

Er wandte sich noch einmal um und fasste den Vater der Indianerin ins Auge.

Wirst du mir gestatten, deiner Tochter persönlich vom Ausgang dieser Angelegenheit zu berichten?

Wieder runzelte der ältere Krieger die Stirn, doch dieses Mal wirkte es beinahe amüsiert.

Das hängt wohl ganz vom Ausgang dieser Angelegenheit ab, Vih‘hiu-Nis.

Er war nicht der erste Arapaho, der Kit Carson gegenüber dessen indianischen Namen gebrauchte. Der junge Trapper hatte ihn von Gelbem Wolf erhalten - dem Häuptling eines Cheyenne-Stammes, der damals Charles Bents Handelsposten aufgesucht hatte.

Du wirst nicht enttäuscht sein. Bis morgen dann.

Im Davonreiten fühlte Kit die Augen aller Indianer auf seinen Rücken gerichtet.

Ganz besonders aber ein Augenpaar, das er nie mehr vergessen würde ...

*

Auf dem Rückweg kam Kit Carson zu der Überzeugung, dass wenige Augenblicke im Lebens eines Menschen ausreichen konnten, sein Schicksal und seine Zukunft in andere Bahnen zu lenken.

Auf einer Anhöhe zügelte er zwischen kupferfarbenen Erdbeerbäumen und mannshohem Rhododendron-Gestrüpp sein Pferd, um seine Gedanken wieder in klare Bahnen zu lenken.

Insgeheim hatte er meist die Nase gerümpft, wenn andere Trapper ihm von ihren Ehen mit Indianerinnen erzählt hatten.

Nicht der Indianerinnen wegen. Beileibe nicht!

Aber Kit hatte fast immer den Eindruck gehabt, dass es sich überwiegend um Zweckgemeinschaften gehandelt hatte. Manche Trapper waren mit mehreren Indianerinnen zugleich verheiratet, und bei einigen war Kit überzeugt gewesen, dass deren Qualitäten als Arbeitskräfte weit höher geschätzt wurden als alle sonstigen.

Oder gar Häuptlingstöchter: Diese wurden nur allzu bereitwillig von leitenden Männern der Pelzhandelskompanien geehelicht. Damit konnten sie ihre Schwiegerväter bewegen, den eigenen Trappern Schutz und Jagdgebiete zu gewähren. Sie konnten aber auch bewirken, dass der ganze Stamm ihrer Gattin gegen rivalisierende Gesellschaften und Trapper mit äußerster Härte vorging. Die Handelsgesellschaften schenkten sich nichts. So war zum Beispiel vor wenigen Jahren erst - 1830 - die Missouri Fur Company von der Rocky Mountain Fur Company geschluckt worden.

Waa-nibe. Was für ein Name.

Ihr Gesicht und ihre Gestalt hatten sich Kit unauslöschlich eingeprägt.

Er zwang sich, an die Aufgabe zu denken, die vor ihm lag.

Shumar.

Ihre Wege hatten sich des öfteren gekreuzt, als habe es das Schicksal so bestimmt. Und immer unter anderen Vorzeichen.

Freunde hätten sie nie werden können. Ihr Verhältnis zueinander hatte sich von Konflikt zu Konflikt drastisch verschlechtert.

Und jetzt? Würden sie sich bald auf Leben und Tod gegenüber stehen?

Nur wenig später hatte er die Ansiedlung erreicht.

*

Aus dem Saloon war kein Laut zu vernehmen. Dies war Kit unheimlicher als wenn ihm das Brüllen raufender Männer und das Krachen berstender Stühle und Tische entgegen gedrungen wäre.

Als er den Saloon betrat, sah er warum. Außer dem Barkeeper befanden sich nur noch drei weitere Männer darin.

Einer davon war Shumar. Er wandte den Kopf, als er die Geräusche am Eingang vernahm. Seine beiden Kumpane taten es ihm nach.

Hallo, Runt. Ich habe dich erwartet.

Runt - Zwerg. So hatte Shumar Kit Carson von Anfang an bezeichnet. Doch gegen Shumar war jeder Mann ein Zwerg.

Der frankokanadische Riese war bei weitem nicht so betrunken wie er tat. Um das zu bemerken, kannte Kit ihn lange genug.

Hallo, Shumar. Ich hörte, du wolltest ein paar amerikanische Knochen brechen. Nun biete ich dir die meinigen an.

Der Hüne lachte hämisch auf.

Sie hat dir eine hübsche Fratze gemacht. Du hast dich in dieses unschuldige Reh verknallt, was?

Kit merkte insgeheim, dass sich seine Gesichtsfarbe verdunkelte. Er spürte, wie ein gewaltiger Zorn in ihm anstieg, doch er nahm sich zusammen.

Selbst wenn es so wäre?

Hart knallte der bärenhafte Trapper die Whiskeyflasche auf den Tisch.

Dass wir uns nach all den Jahren wegen einer hübschen Indianerlarve in die Wolle bekommen ... ist das nicht eine Ironie des Schicksals?

Du magst es dafür halten. Es ändert nichts am Stand der Dinge. Ich denke, für einen von uns ist die Zeit jetzt gekommen.

Shumar spuckte auf den Boden.

Wir machen es draußen, damit es alle mitbekommen. Geh schon vor.

Warum gehen wir nicht gleich zusammen?

Ich habe hier noch etwas zu regeln.

Verarschen kannst du dich selbst, Shumar. Ich gebe dir eine Viertelstunde. Wenn du dann nicht vor dem Saloon stehst, komme ich rein und knalle dich wie einen Hund über den Haufen.

Der Riese grinste abfällig.

Es hat irgendwann soweit kommen müssen, Runt. Für einen von uns beiden ist die Zeit jetzt wohl reif.

Frag die anderen Trapper, wem die Stunde eher schlagen soll, Shumar. Oder frag gleich die Arapaho.

Shumar lachte.

Um diesen roten Abschaum werde ich mich scheren. Keine Sorge, ich komme. In genau einer Stunde - ab jetzt! Lass uns allein.

Beim Verlassen des Saloons ließ Kit keinen der drei Männer aus den Augen. Er traute ihnen etliche Heimtücken zu. Nachdem er die Straße überquert hatte, ließ er sich auf dem Hitchrack nieder.

Keiner ließ sich sehen. Alle Leute spürten, dass etwas in der Luft lag.

Die Gedanken des hochgewachsenen jungen Trapper glitten zurück in die Vergangenheit.

Er erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem alles begonnen hatte. Als er Shumar zum ersten Mal begegnet war. Damals, als die Stürme des Winters über die Steppen nördlich des Arkansas River heulten ... 

*

Alle Pferde sind weg! Alle! Die Maultiere auch! Nur die beiden Ponys von Schwarzer Schlange und Flinkem Falken stehen noch draußen.

Kit war, als hätte er einen Schlag auf die Stirn bekommen. Auf seinen Schultern lastete die gesamte Verantwortung für dieses Unglück.

Die beiden Cheyenne-Krieger, von denen die Rede gewesen war, standen hinter ihm.

Rusty Forsythe wischte sich die Nase. Diese Kälte! Draußen stob Schnee in dichten Wolken um die Hütte, schuf Wellenberge von glitzernder weißer Pracht auf den endlosen Steppen, hatte auch die Behausung der Trapper schon zur Hälfte vergraben.

Der rothaarige kleine Mann zuckte die Schultern.

Irgendjemand muss John Gantt entgegen reiten und ihn warnen, dass diebisches Crow-Volk unterwegs ist. Und Charles Bent muss es erfahren. Gelber Wolf, der Häuptling der Cheyenne, hält sich in Bents Niederlassung auf. Ihr seid doch von seinem Stamm, Schwarze Schlange und Flinker Falke. Wollt ihr das übernehmen?

Die beiden Krieger bejahten eifrig, doch Kit winkte ab.

Wenn ich hinter den Crow her will, brauche ich zuverlässige Spurenleser - und Männer, die das Anschleichen verstehen.

Rusty Forsythe glaubte seinen Ohren nicht trauen zu dürfen.

Du willst hinter den Crow her, Kit? Mitten im Winter? Bist du von Sinnen oder lebensmüde? Geschehen ist geschehen. Keine hundert Pferde wiegen ein Menschenleben auf!

Charles Bent hat mir die Tiere anvertraut, Rusty. Ich habe sein Vertrauen in mich enttäuscht, indem ich keine Wachen aufgestellt habe, weil das Wetter gar so entsetzlich getobt hat.

Das kann jedem passieren; Kit. Du bist noch jung. Mach keine Dummheiten!

Es ist mir passiert, Rusty. Es war bereits meine Dummheit, dass so etwas geschehen konnte.

Es ist absoluter Wahnsinn, bei diesem Wetter hinter den Crow herzuziehen.

Gerade deshalb werden sie am wenigsten damit rechnen. Wollt ihr mit mir kommen, Schwarze Schlange und Flinker Falke?

Die beiden Krieger wechselten kurz einige Worte.

Ich werde mit dir kommen, erklärte Flinker Falke dann. Schwarze Schlange wird Gelben Wolf und Charles Bent im Fort benachrichtigen. Rusty muss Gantt entgegen reiten und ihn warnen. Gantt kommt mit den Wintervorräten aus Taos zurück, ohne die ihr hier verhungern werdet. Er darf nicht auch noch diese Vorräte an diese Hunde von Crow verlieren.

Kit nickte kurz seine Zustimmung. Die herbstliche Pelzjagd hier am oberen Arkansas war äußerst erfolgreich gewesen, doch seit dem Beziehen des Winterlagers gingen ihre Vorräte allmählich zur Neige. John Gantt hatte für seinen Weg nach Taos und zurück zwei Monate kalkuliert, die bald um sein würden. Noch hatten sie Bisonfleisch, aber die Pferde fanden unter der hohen und dichten Schneedecke kein Gras mehr. Zuletzt hatten die Trapper die Borken von Süßholzpappeln an sie verfüttert.

Du bist verrückt. Rusty Forsythe schüttelte den Kopf. Damit bringst du aber nicht nur dich in Gefahr. Nur kann ich dir dieses Himmelfahrtskommando wohl doch nicht ausreden. Ich muss los.

Nachdenklich sah Kit Carson dem Mann hinterher, der zusammen mit seinem Boss Charles Bent sein Lehrmeister gewesen war und der ihm alles beigebracht hatte, was ein Mann im Westen zu Überleben wissen musste.

Nachdem er damals mit Charles Bent und Rusty Forsythe seinen ersten Trail in die Wildnis unbeschadet hinter sich gebracht hatte, waren Charles Bent und Kit sich jahrelang nicht mehr über den Weg gelaufen. Es hatte dem jungen Trapper sehr viel bedeutet, mit welch großer Freude ihn Charles Bent nach all den Jahren im Herbst in seiner Handelsniederlassung begrüßt hatte - obwohl Bent inzwischen erfahren hatte, dass Kit sich seinem Rivalen John Gantt auf die Dauer eines Jahres verpflichtet hatte.

Bent hatte das freilich nachvollziehen können. Kit war möglicherweise einer der besten Trapper überhaupt, doch eben einfach noch zu jung, um einen eigenen Trupp zu führen.

Tom Fitzpatrick, Kits vorheriger Arbeitgeber, hatte die Hälfte der von seinen Männern erjagten Pelze für sich beansprucht. John Gantt aus Taos dagegen forderte nur ein Viertel der Beute. Leider standen ihre Forderungen in direktem Verhältnis zu ihren Führungsqualitäten und Erfahrungen: Fitzpatrick war der weit

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