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Fragen in der Stille: Meditieren jenseits des Wissens

Fragen in der Stille: Meditieren jenseits des Wissens

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Fragen in der Stille: Meditieren jenseits des Wissens

Länge:
246 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 3, 2015
ISBN:
9783899016574
Format:
Buch

Beschreibung

In diesem außergewöhnlichen Buch präsentiert Toni ihre einzigartige Methode des meditativen Fragens und Forschens - eine nicht an Konfessionen gebundene Annäherung an spirituelles Wachstum durch direkte Wahrnehmung des jetzigen Moments. Sie ermutigt uns, unsere Gedanken loszulassen und einfach in der 'Stille des Nicht-Wissens' zu sitzen, um uns dann der essentiellen Frage zuzuwenden, wer wir wirklich seien.
Toni Packer bietet frische Einsichten, um die Erfahrungen dieses Lebens - seien sie nun rau und hart, chaotisch, schmerzhaft oder auch voller Lachen - dazu zu benutzen, einen Weg des Mitgefühls zu eröffnen. Ihre überaus eloquente und sorgfältige Art des Sprechens und Schreibens, zeigt, wie wir unser Selbstbild, unsere Angst, unsere Wut und unsere Schuld durch einfache und direkte Wahrnehmung dessen, was ist, transformieren können. Wir entdecken, dass Leben, Energie und Einsicht durch Fragen, Sehen und Zuhören entsteht und dass all dies nichts mit einer formalen Haltung oder Tradition zu tun hat, wie alt oder eindrucksvoll sie auch sein mag. Wenn ein Mensch wirklich sieht, sind Himmel und Erde offen. Das Geheimnis, die Essenz allen Lebens offenbart sich von Moment zu Moment selbst.
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 3, 2015
ISBN:
9783899016574
Format:
Buch

Über den Autor


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Fragen in der Stille - Toni Packer

BIELFELDT

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Die freie und offene „Arbeit"

1Präsent bleiben

Ein Interview mit Toni Packer von Geoff Swaebe

*

Gewahrsein muss sich nirgendwohin ausrichten. Es ist hier! Alles ist hier in Gewahrsein! Wenn hier ein Aufwachen aus der Fantasie stattfindet, gibt es niemanden, der das tut. Gewahrsein und das Geräusch eines Flugzeugs sind hier, ohne jemanden dazwischen, der versucht, sie zu „machen oder sie zusammenzubringen. Sie sind gemeinsam hier! Das Einzige, was die Dinge (und die Menschen) voneinander trennt, ist der „Ich-Kreislauf mit seinem trennenden Denken. Wenn er still ist, existieren keine Trennungen.

Geoff Swaebe: Du hast einmal von einem Augenblick vor vielen Jahren gesprochen, als du zum Rochester Zen Center gefahren bist, um dokusan (ein formelles Treffen mit einem Zen-Lehrer) mit Roshi Kapleau zu haben. Du beschriebst einen Moment, als du zu den Wolken schautest, und ich habe versucht, diesen Moment etwas besser zu verstehen.

Toni Packer: Es ist eine sehr lebendige Erinnerung – das Fahren in den Abend hinein, die langen und intensiven Schatten. Der Himmel war blau, und eine glatte Wolkenwand erstreckte sich am Horizont, eingeschnitten von tiefen Schatten, durch die der Eindruck von schneebedeckten Bergen entstand. Einen Moment lang wollte sich das Gehirn angenehmen Erinnerungen an die Schweiz zuwenden – von Ferien und Wanderungen in den gletscherbedeckten Bergen. Aber anstatt sich darin zu verlieren, blieb es beim Fahren – Lenkrad in den Händen, Füße auf den Pedalen, die vorbeiziehende Landschaft, Wolken am fernen Horizont. Das Gewahrsein war offenkundig. Und dennoch war da keine Absicht, gewahr zu sein oder zu bleiben – kein Verlangen danach, das „Richtige" zu tun. Es geschah einfach spontan: Gewahrsein eines starken Impulses, zu einer angenehmen Erinnerung zu wechseln, die anders ist als einfach da zu sein. Da sein ist einfach das, was ist.

Geoff: Unterscheidet sich das von der Erfahrung, uns während des Fahrens bei einem Tagtraum zu ertappen, und dann unsere Aufmerksamkeit wieder der Straße zuzuwenden?

Toni: Es war nicht die Erfahrung von „mich bei einem Tagtraum zu ertappen". Es war klares Gewahrsein davon, beinahe in den Tagtraum hineinzugleiten, jedoch präsent zu bleiben. Da war eine klare Unterscheidung zwischen präsent zu sein und den Tunnel der Erinnerung zu betreten. Diesen entscheidenden Moment hatte ich zuvor noch nicht bemerkt: beinahe in eine Fantasie hineinzuwechseln und durch das klare Sehen dieser Versuchung nicht zu erliegen – ohne jegliche moralische Bewertung oder Verpflichtung. Sehen und dableiben war kein Prozess – es war unmittelbar, ohne dass Zeit damit verbunden gewesen wäre.

Ich denke, dass dies tatsächlich die Antwort darauf enthüllen kann, ob wir so weiterleben müssen, wie wir es tun. Mit anderen Worten: Es ist möglich, das Aufsteigen eines verlockenden Bildes zu sehen und zu fühlen, beinahe davon eingefangen zu werden und ihm dennoch nicht folgen zu müssen, weil da Klarheit des Sehens ist. Das Ganze in einem Aufblitzen zu sehen ist die Veränderung, die wir alle so leidenschaftlich suchen! Solche Schönheit!

Ein anderes Beispiel: Wenn ich klar sehe, dass ich dabei bin, mich zwanghaft selbst zu verteidigen – indem ich zum Beispiel mein Selbstbild davor schütze, durch abfälliges Reden von jemandem verletzt zu werden, wenn ich klar die Verteidigung gewahre und das Selbstbild, das da verteidigt wird –, kann das dann alles sofort im Moment des Sehens nachlassen? Sich in einer emotionalen Reaktion zu verfangen kann dadurch verhindert werden, dass Reaktivität klar gesehen wird, ohne jegliche Absicht, etwas richtig oder falsch zu machen. Nur präsent bleiben, gewahr, ist genug.

Geoff: Einmal hast du von der „Intelligenz von all dem" gesprochen, um diese feine Unterscheidung zwischen präsent bleiben und von der Bilderwelt eingefangen zu werden zu beschreiben. Warum charakterisierst du das als Intelligenz?

Toni: Ich bin sicher, dass ich Krishnamurtis Aussage, dass Intelligenz in Präsenz und Gewahrsein agiert, gelesen oder gehört hatte. Diese Erfahrung der abendlichen Fahrt nach Rochester war eine klare Demonstration dessen. Da war keine erkennbare Absicht, aufmerksam für das Fahren zu bleiben oder sich des Tagträumens zu enthalten, kein „Ich, das bestimmte, was zu tun war. Es war das unmittelbare Funktionieren dessen, was passenderweise „Intelligenz genannt werden kann – die Intelligenz, präsent zu bleiben und nicht abgelenkt zu werden, ohne jemanden, der Anweisungen gibt. Die ganze Sache kümmerte sich auf eine intelligente Art und Weise um sich selbst, funktionierte ohne irgendeinen Handelnden.

Erfordert präsent sein nicht, etwas zu tun?

Geoff: Du sprichst oft von der „Abwesenheit von Bemühen, die Präsenz oder Gewahrsein kennzeichnet. Dennoch scheint mir, dass es da ein gewisses „Ausrichten oder „Wiederkehren" der Achtsamkeit gibt, das damit zu tun hat.

Toni: Nun, lass uns versuchen, das hier und jetzt zu klären, gemeinsam. (Ein Flugzeug fliegt vorüber). Das Geräusch eines Flugzeugs! Sowohl der Gedanke/das Wort Flugzeug und vielleicht ein geistiges Bild davon sind jetzt da – nicht wahr? Es gibt keinen, der dem irgendeine Art von Aufmerksamkeit widmet. Nur das Geräusch, das Bild! (Schweigen) Aber du hast gefragt: „Richtet sich die Aufmerksamkeit nicht auf irgendetwas?" Tut sie das? Lass uns schauen und lauschen! (Schweigen) Ich kann kein Ausrichten entdecken, du vielleicht? Gewahrsein muss sich nirgendwohin ausrichten. Es ist hier! Alles ist hier in Gewahrsein! Wenn hier ein Aufwachen aus der Fantasie stattfindet, gibt es niemanden, der das tut. Gewahrsein und das Geräusch eines Flugzeugs sind hier, ohne jemanden dazwischen, der versucht, sie zu „machen" oder sie zusammenzubringen. Sie sind gemeinsam hier! Das Einzige, was die Dinge (und die Menschen) voneinander trennt, ist der Ich-Kreislauf mit seinem trennenden Denken. Wenn er still ist, existieren keine Trennungen.

Geoff: Gibt es aber nicht auch Beispiele, wo jemand die Aufmerksamkeit auf einen Gedanken richtet, zum Beispiel auf etwas, das in der Vergangenheit geschah? Ist da nicht „ein Machen" oder ein gewisses Bemühen, das mit der Ausrichtung der Aufmerksamkeit einhergeht?

Toni: Wenn du dich an den Namen von jemandem nicht erinnern kannst, scheint es eine Anstrengung zu geben, sich daran zu erinnern. Das Denken sagt: „Wie war noch mal sein Name! Wie hieß er? So oder so? Es muss mir doch einfallen!" Und es mag eine gewisse geistige Anstrengung dabei sein. Doch gewöhnlich geschieht nicht viel auf Kommando. Früher oder später, während des Denkens/Sprechens über etwas anderes, taucht der Name plötzlich auf, denn das Gehirn hat still weitergesucht und nicht aufgehört, ehe das, was verloren war, wieder gefunden wurde.

Du fragst: „Gibt es da nicht jemanden, der einen Gedanken auf etwas richtet, das in der Vergangenheit stattgefunden hat? So lange wir uns der zehntausend Gedanken, die im Gehirn kreisen, nicht bewusst sind, sprechen wir darüber, als ob es ein „Ich gäbe, das nach einer Erinnerung an die Vergangenheit sucht. Sprache bringt „Dualität – ich und mein – hinein. Aber gibt es wirklich ein Wesen – ein „Ich – das dies tut, oder ist es vielmehr ein komplexer Gedankenprozess, der im Gehirn und den damit verbundenen Stellen überall im Körper stattfindet?

Meditatives Gewahrsein offenbart den Gedankenprozess, der seinen Lauf nimmt. Er wird immer transparenter, je mehr sich der meditative Geist entfaltet und durchsetzt. Krishnamurti pflegte zu sagen: „Das Gehirn möchte Ordnung. Sorgfältiges Beobachten zeigt, dass dies genau so ist. Wenn eine vergessene Sache nicht erinnert wird, arbeitet der Drang, sie zu finden, unterbewusst weiter. So lange ein Problem nicht gelöst ist, kann es im Kopf als „unerledigtes Geschäft hängen bleiben, mit einer erstaunlichen treibenden Kraft. Dieser Kopf (ich kann mich dafür verbürgen!) mag keine unerledigten Geschäfte; er möchte Ordnung, still seiner Sache nachgehen, das Leben zu erhalten. Präsenz ist Ordnung – keine Suche nach irgendetwas ist nötig.

Ist das Sehen von Gedanken und Reaktionen ausreichend, um präsent zu bleiben?

Geoff: Manchmal benutzt du auch die Formulierung „schauen in Gewahrsein", um diesen Prozess zu beschreiben. Beziehst du dich auf das Wechselspiel von Körper und Geist, bei dem man tatsächlich die Reaktionen des Körpers auf das Denken sehen kann?

Toni: Absolut! Ja. Einen ersten Gedanken sehen, der den gesamten Körper mit Wut oder Ärger, Angst oder Traurigkeit mobilisiert!

Geoff: Und reicht das Schauen dieser Körper-Geist-Interaktion aus, um solche Gedanken und Reaktionen zu beenden?

Toni: Nein. Man muss auf eine Intelligenz stoßen, die nicht nur das ständige Zusammenspiel von Gedanken, Gefühlen, Stress und Konflikt sieht, sondern auch die Falschheit und die Täuschung des Selbstbildes mit seiner Verteidigungshaltung tief versteht. Ich kann es nicht anders als Intelligenz nennen, intelligente Präsenz, die Ursache und Wirkung klar versteht.

Geoff: Gibt es einen Moment im Schauen dieses Wechselspiels von Körper und Denken, in dem das Denken und das Ich nachlassen?

Toni: Ja. Es geschieht, wenn, statt die Gedanken mit Gedanken zu bekämpfen, sie gesehen, verstanden und in Ruhe gelassen werden. Sie sind wie ein Schwarm von Mücken, die zu ihrer Zeit kommen und gehen. Aber es gibt noch etwas anderes, das wir das Sammeln von Energie im Lauschen, Achtsamsein und Entdecken nennen. Es ist nichts, was das strebsame Ego erreichen kann. Ich weiß nicht, was es hervorbringt. Nichts bringt es hervor. Es geschieht von allein. Und dennoch, an Schweigewochen teilnehmen, still sitzen, achtsam sein und etwas über sich selbst und andere zu lernen sind feste Bestandteile dieser ganzen Entdeckung. Also, wo ist das Nachlassen der Gedanken und der damit verbundenen Emotionen? Du hast wahrscheinlich gemerkt, dass je mehr du einen solchen Zustand erreichen möchtest, er sich umso weiter entfernt – er umso weniger zugänglich wird. Erst wenn der Geist aufhört, sich anzustrengen, zeigt sich einfache Präsenz – nicht das erwartete Feuerwerk der Erleuchtung, sondern das Geräusch der Klimaanlage, die summenden Insekten, das Atmen – alles davon geschieht in stiller Weite. Hast du es im Retreat erlebt – das Entdecken dieser erstaunlichen Stille?

Geoff: Ja.

Toni: Es ist erstaunlich, nicht wahr? Jedes Mal, wenn es geschieht, ist alles, was ich sagen kann: „Welch eine wunderbare Stille. Und manche Menschen sagen mir später: „Ja, ich konnte es spüren, sie war genau hier. Hier ist sie. Sie ist hier. Alles geschieht in Stille, auch wenn sie so weit weg erscheint, solange das diskursive Denken nicht nachlässt. Also, nur still schauen und sich nicht in der Bewertung des eigenen Zustands verlieren, was nur wieder mehr Mücken sind! Hast du jemals damit experimentiert, nicht zu reagieren, nicht die Fliegenklatsche zu benutzen, nicht über die Mücken zu klagen, sondern sie einfach in Ruhe ihr Ding machen zu lassen? Beobachte, wie eine Mücke auf deinem Arm landet und saugt, bis sich ihr winziger Magen mit dem Blut übernimmt. Sie hebt ab wie ein betrunkener Flieger! Roshi Kapleau erzählte uns, dass dies eine der Übungen am Abend in einem japanischen Tempel war – der Obermönch öffnete all die Fliegengitter und lud die hungrigen Gäste ein, hereinzukommen.

Müssen wir nicht Widerstand überwinden, um präsent zu bleiben?

Geoff: Ist es wirklich möglich, unsere Widerstände arbeiten zu sehen?

Toni: Ja. Wenn der Wunsch lebendig ist, mit allem, was innerlich abläuft, vertraut zu sein, kann Widerstand ziemlich durchsichtig werden, wenn auch nicht in der Form, die wir erwarten. Es mag nur eine gewöhnliche Reaktion sein wie „Ich will das nicht machen, oder es kann der Körper sein, der sich zu einem nonverbalen „Nein! anspannt. Es ist so alltäglich, dass wir dessen oft nicht gewahr werden. Wenn du einen Gedanken siehst und die unmittelbare körperliche Reaktion darauf transparent wird, merkst du dann auch, dass niemand damit beschäftigt ist, das zu wollen?

Geoff: Dass es einfach geschieht?

Toni: Dass es genau hier einfach geschieht. Das ist klar, nicht wahr?

Geoff: Ja.

Toni: Und ich glaube, es ist wichtig, uns selbst gegenüber offen zuzugeben, dass es einfach automatisch geschieht; ohne irgend ein „Ich, das es beabsichtigt hat. Auf diese Weise kann sich die scheinbar solide Annahme, dass ich das Denken „mache und dass ich reagiere, in Fragen verwandeln. Wenn kein Handelnder gefunden wird, warum empfinde ich so stark, dass da einer ist? Warum ist es so schwer einzusehen, dass eine Reaktion einfach automatisch geschah? Dieses „Ich habe die Kontrolle ist nur eine Idee, eine Annahme. Diese Annahme erodiert, wenn realisiert wird, dass die Reaktion stattfand, obwohl dieses „Ich nicht wollte, dass sie so ausfiel. Aber hier ist sie, nichtsdestotrotz. Also, wo ist das „Ich, das sich so allmächtig fühlt in dem Gedanken „Ich kontrolliere alles, wenn es sogar nicht einmal die Gedanken und emotionalen Reaktionen kontrollieren kann, die aufsteigen?

Geoff: Wenn wir uns in einem Konflikt mit jemandem aus unserer Umgebung befinden – aus unserer Familie, einem Arbeitskollegen, einem Freund –, ist dann unser Wunsch nach Veränderung dieser Umgebung oder unser Wunsch, dass sich die andere Person ändern möge, immer ein Zeichen dafür, dass das „Ich"-Gefühl agiert?

Toni: Ich glaube, das ist es. Denn das Ego, in seiner allgemeinsten Bedeutung, ist Widerstand demgegenüber dem, was ist. Und im Widerstand denken wir, dass wir unabhängige Handelnde sind und dass andere das ebenfalls sind – „Wenn sie nur wollten, könnten sie es besser machen, oder „Wenn sie sich nur mehr anstrengten, könnten sie es besser machen, oder: „Wenn ich es versuchen würde, könnte ich besser werden". Das sind Beispiele für Gedanken, die trennen. Aber wenn da eine ganzheitliche Präsenz ist, dann ist da auch die Einsicht, dass die Dinge so sind, wie sie sind aufgrund all dessen, was geschieht und seit undenklichen Zeiten geschehen ist. Und alles, was geschehen ist, manifestiert sich als dieses in diesem Moment. Dieser Augenblick ist das Ergebnis all dessen, was geschehen ist. Wenn diese Einsicht klar ist, dann gibt es keinen Wunsch mehr, die anderen zu ändern. Vielleicht nur noch den Wunsch, mit Mitgefühl zu verstehen. Echte Veränderung geschieht aus dieser Offenheit heraus. Es ist die intelligente Einsicht, über die wir vorher sprachen. Und vielleicht gibt es ein Handeln, das aus dieser Präsenz erwächst, den Bedingungen angepasst ist und nicht dem verkopften Zeug entspringt, wie die Dinge sein sollten, sondern sich aus einem Erfassen des Ganzen entfaltet und eine angemessene ganzheitliche Antwort ist. Dann wird es die Qualitäten von Liebe und Mitgefühl haben. Nicht aus Irritation oder Ärger heraus entstanden, wie jemand sich zu verhalten scheint.

Nun, ich weiß, dass dies ziemlich idealistisch ausgedrückt ist, denn normalerweise sind wir nicht vollständig ganz, vollständig präsent. Aber wenn ein Konflikt da ist, kann es auch ein unmittelbares Fragen geben: „Gibt es hier einen Widerstand gegen das, was gerade ist? Und warum? Ist es nötig? Ist es möglich, mit dem, was ist, zu fließen?" Wenn der Wunsch da ist, wirklich vertraut zu werden mit dem Widerstand, wird das geschehen, aber vielleicht nicht so, wie wir es erwarten. Es ist eine solche Erleichterung, andere Menschen oder die Welt nicht ändern zu müssen, sondern zu fließen und aus diesem Fluss eine mitfühlende Reaktion entspringen zu lassen.

*Geoff Swaebe ist Schriftsteller und Rechtsanwalt im Ruhestand. Er lebt in Chestnut Ridge, New York.

2Angst vor der Stille

Du fragst: „Ist diese Stille die Abwesenheit von Geräuschen oder ist sie qualitativ anders?" Wen fragst du? Uns alle hier? Wie steht es damit, dich selbst zu fragen?

Die Gruppe schweigt einige Minuten.

Toni Packer: Hier muss man nicht die Hand heben, um zu sprechen.

Teilnehmer 1: Das ist meine erste Schweigewoche, und ich habe Schwierigkeiten mit der Stille. Ich bin jemand, der sehr gut ohne Radio, Fernsehen oder Internet leben kann und, auch wenn ich seit vielen Jahren glücklich verheiratet bin, kann ich durchaus alleine sein und bin daran gewöhnt, Dinge alleine zu machen. Ich kam in dem Wissen hierher, dass dies eine Schweigewoche ist, und ich hatte bestimmte Erwartungen, wie ich auf eine schweigende Umgebung reagieren würde. Aber es ist anders, als ich erwartete und das Thema, das ich in die Gruppe einbringen möchte, ist das Wesen der Stille, die wir erfahren haben – oder die ich erfahren habe – nach dem ersten Eindruck hier in Springwater. Ich finde, sie ist ein anderes Phänomen, ein völlig anderes Phänomen als die Art von Stille – die Abwesenheit von Geräuschen –, die man manchmal außerhalb einer Schweigewoche erleben kann. Ich glaube, diese Stille hier ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits finde ich sie irgendwie bedrohlich. Ich dachte gerade, dass die tiefe Stille hier so ist, wie wenn man verschlungen wird – in Shakespeares Worten – vom abscheulichen Schlund des Todes. Ihr wisst, da wo die letzten Worte von Hamlet lauten: „Der Rest ist Schweigen". Ich reagiere also auf die Stille hier als etwas, das wirklich anders ist; ich finde sie spirituell therapeutisch, aber ich finde sie auch spirituell klaustrophobisch. Ich hadere, ich finde mich selbst

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