Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

FINSTERE NACHT: Mystery-Thriller
FINSTERE NACHT: Mystery-Thriller
FINSTERE NACHT: Mystery-Thriller
eBook547 Seiten7 Stunden

FINSTERE NACHT: Mystery-Thriller

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Vorschau lesen

Über dieses E-Book

"Spannender und intelligenter Gruselroman" [Lesermeinung]

"Greg Gifune hat mit diesem Roman mal wieder gezeigt, wie man auch ohne Tonnen von Blut für schlaflose Nächte sorgen kann! Uneingeschränkt empfehlenswert!" [Lesermeinung]

"Ein sehr atmosphärisches, kurzweiliges Buch, das einen (zumindest mich) immer weiter lesen lassen will und über das eigene Ich nachdenken lässt." [Lesermeinung]

Inhalt:

Für Seth Roman, seinen jüngeren Bruder Raymond und ein paar Freunde sollten es ein paar Tage voller Spaß und Entspannung in einer Hütte in den Wäldern Maines werden. Eine Woche Kartenspielen und Trinken - fernab des stumpfen Arbeitsalltags.
Doch als eine junge Frau in ihre Hütte taumelt - die Kleider blutbefleckt - ändert sich ihr Leben für immer.

Die Frau bringt etwas mit in die Hütte; alt und tödlich, böse und unmenschlich. Etwas, das Raymond seltsam vertraut vorkommt, einem jungen Mann, den seit seiner Kindheit unerklärliche nächtliche Schrecken verfolgen, die ihn noch als Erwachsenen quälen.
Als ein schwerer Schneesturm einsetzt, scheint die Nacht lebendig zu werden und ein unheilvolles Spiel beginnt …
SpracheDeutsch
HerausgeberLuzifer-Verlag
Erscheinungsdatum12. Juni 2017
ISBN9783958350885
FINSTERE NACHT: Mystery-Thriller
Vorschau lesen

Mehr von Greg F. Gifune lesen

Ähnlich wie FINSTERE NACHT

Ähnliche E-Books

Ähnliche Artikel

Verwandte Kategorien

Rezensionen für FINSTERE NACHT

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

Die Rezension muss mindestens 10 Wörter umfassen

    Buchvorschau

    FINSTERE NACHT - Greg F. Gifune

    Inhalte

    Finstere Nacht

    Copyright

    Widmung

    Impressum

    Alpha

    Kapitel 1

    Teil 1: Davor

    Kapitel 2

    Teil 2: Schläfer

    Kapitel 3

    Kapitel 4

    Kapitel 5

    Kapitel 6

    Kapitel 7

    Kapitel 8

    Kapitel 9

    Kapitel 10

    Kapitel 11

    Kapitel 12

    Kapitel 13

    Kapitel 14

    Teil 3: Zeit der Finsternis

    Kapitel 15

    Kapitel 16

    Kapitel 17

    Kapitel 18

    Kapitel 19

    Kapitel 20

    Kapitel 21

    Kapitel 22

    Kapitel 23

    Teil 4: Unter Wölfen

    Kapitel 24

    Kapitel 25

    Kapitel 26

    Kapitel 27

    Kapitel 28

    Kapitel 29

    Kapitel 30

    Kapitel 31

    Kapitel 32

    Kapitel 33

    Kapitel 34

    Kapitel 35

    Kapitel 36

    Kapitel 37

    Kapitel 38

    Omega

    Kapitel 39

    Kapitel 40

    Der Autor

    Danksagung

    Leseempfehlungen

    Der LUZIFER Verlag

    Copyright © by Greg F. Gifune

    All rights reserved. No part of this book may be used, reproduced or transmitted in any form or by any means, electronic or mechanical, including photocopying, recording, or by any information storage or retrieval system, without the written permission of the publisher, except where permitted by law, or in the case of brief quotations embodied in critical articles and reviews.

    By arrangement with Greg F. Gifune

    Für Chuckie  und für Big Ern.

    Das Leben ist einfach nicht dasselbe ohne euch.

    Ich sehe euch auf der anderen Seite, Jungs.

    Impressum

    Deutsche Erstausgabe

    Titel der Originalausgabe: DEEP NIGHT

    Copyright Gesamtausgabe  © 2015 LUZIFER-Verlag

    Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

    Cover: Michael Potrafke

    Übersetzung: Kalle Max Hofmann

    ISBN E-Book: 978-3-95835-088-5

    Sie lesen gern spannende Bücher? Dann folgen Sie dem LUZIFER Verlag auf

    Facebook    Twitter    Pinterest

    Sollte es trotz sorgfältiger Erstellung bei diesem E-Book ein technisches Problem auf Ihrem Lesegerät geben, so freuen wir uns, wenn Sie uns dies per Mail an info@luzifer-verlag.de melden und das Problem kurz schildern. Wir kümmern uns selbstverständlich umgehend um Ihr Anliegen und senden Ihnen kostenlos einen korrigierten Titel.

    Liebe Leser, der LUZIFER Verlag verzichtet auf hartes DRM. Wir arbeiten mit einer modernen Wasserzeichen-Markierung in unseren digitalen Produkten, welche Ihnen keine technischen Hürden aufbürdet und ein bestmögliches Leseerlebnis erlaubt. Das illegale Kopieren dieses E-Books ist nicht erlaubt. Zuwiderhandlungen werden mithilfe der digitalen Signatur strafrechtlich verfolgt.

    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

    ALPHA

    »Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde … als sich eure Philosophie jemals erträumen könnte.«

    - William Shakespeares Hamlet

    KAPITEL 1

    Es gibt in unserer alltäglichen Welt viele Orte, die für die Verdammten, die Verlorenen und die Hoffnungslosen reserviert sind. Diese Beobachtungszelle war nur ein Beispiel unter vielen. Steril, leblos und mit einem schrecklichen Altweiß gestrichen. Der Raum beherbergte einen langen Tisch, zwei Plastikstühle und sonst so gut wie nichts. Ein Lautsprecher, Mikrofone und ein Kamerasystem waren an einer Wand installiert, ein Sichtspiegel an der anderen.

      In einem der Plastikstühle saß ein hagerer Mann, der so aussah, als hätte er Schreckliches durchgemacht. Gleichzeitig umwehte ihn jedoch eine merkwürdige Aura von Gefasstheit, die in absolutem Kontrast zu seinem Aussehen zu stehen schien. Seine Hände waren mit Handschellen gefesselt und ruhten vor ihm auf dem Tisch, die Finger waren lässig ineinander verschränkt.

      Er starrte einfach geradeaus, die Augen leer.

      Auf der anderen Seite des Spiegels stand Detective Frank Datalia und sah zu, wie sein Partner, Detective Dexter Clarke, den Mann alleine zurückließ und die Tür hinter sich schloss. »Er sagt, er wird reden, aber nur mit dir«, sagte Clarke mit einem genervten Tonfall in der Stimme.

      »Ja«, sagte Datalia, »das habe ich gehört.«

      »Schon schlimm, wenn man so beliebt ist, oder?«

      »Was ist denn mit seinem Anwalt?«

      »Es soll wohl ein Pflichtverteidiger auf dem Weg sein.« Clarke stieß einen matten Seufzer aus. »Wir nehmen immer noch auf, Audio und Video, das volle Programm. Willst du nicht einfach reingehen und schauen, was du aus ihm rausholen kannst?«

      »Irgendwas stimmt nicht mit dem«, sagte Datalia, während er den Mann durch die Scheibe hindurch studierte. »Der ist viel zu gelassen. Diese eiskalten Typen sind mir immer wieder suspekt.«

      »Der Wichser zeigt keinerlei Reue, kein Schuldgefühl, er sitzt einfach nur da mit diesem Gesichtsausdruck – als hätte er uns etwas voraus.«

      Datalia zuckte mit den Schultern. »Vielleicht hat er das ja.«

      Clarke hielt die dünne Akte hoch, die das Wenige an Informationen enthielt, das sie gesammelt hatten, und schaute wieder in den Spiegel. »Schau ihn dir an. Entspannter geht es nicht. Der ist einfach total psycho. Dieses Stück Scheiße ist komplett unmenschlich!«

      »Das ist genau das Problem mit der Sorte, Dex.«

      Datalia griff mit der einen Hand den Türknauf und mit der anderen nahm er seinem Partner die Akte ab. »Die sind einfach zu gottverdammt menschlich.«

      Der Mann schien aus seiner Trance zu erwachen, als der Detective das Zimmer betrat. Er betrachtete Datalia von oben bis unten, als würde er ihn zum ersten Mal wirklich wahrnehmen.

      Frank Datalia hatte gerade seinen vierundvierzigsten Geburtstag gefeiert, war von durchschnittlicher Größe und hatte leichtes Übergewicht. Die überschüssigen Pfunde trug er jedoch selbstbewusst und er war stets makellos gekleidet. Er hatte einen ordentlich gestutzten Kinnbart und sah exakt so italienisch aus, wie sein Name klang. Sein Haar war oben schon verdächtig dünn geworden, und die Seiten waren grau gesprenkelt. Das Bestechendste an ihm waren eigentlich seine Augen. Nicht, weil sie besonders schön oder tiefgründig wirkten, sondern weil sie eine eindringliche Melancholie ausstrahlten. Bestimmt waren sie einst heiter und voller Leben gewesen, doch die Dinge, die sie über die Jahre mit ansehen mussten, hatten das Feuer in ihnen gelöscht. So waren sie zu beeindruckenden Mahnmalen geworden.

      »Detective Clarke sagte, Sie wollen mit mir reden?«

      Der Mann nickte. »Ich würde ihnen gerne erzählen, was passiert ist.«

      »Sie stehen unter keinerlei Zwang, mit uns zu reden, bevor Ihr Anwalt eintrifft.«

      »Ich willige hiermit ein, in Abwesenheit eines Anwaltes mit Ihnen zu sprechen«, sagte der Mann sanft. »Sie werden sowieso kein Wort davon glauben – und daraus mache ich Ihnen nicht einmal einen Vorwurf – aber ich möchte es Ihnen trotzdem erzählen, weil es die Wahrheit ist, Detective Datalia. Die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit, so wahr mir Gott helfe.«

      »Dieses Gespräch wird aufgezeichnet. Alles, was Sie sagen, kann und wird gegen Sie verwendet werden können, verstehen Sie das?«

      »Ja, Detective, ich verstehe.«

      »Alles klar.« Der Beamte zog sein Jackett aus und hängte es über die Rückenlehne des Plastikstuhles, auf dem er anschließend Platz nahm. Irgendwas in den Augen dieses Mannes störte ihn. Er konnte es nicht genau benennen, aber irgendetwas stimmte nicht. »Was genau möchten Sie mir denn sagen?«

      »Alles«, sagte der Mann, wobei ein leichtes Lächeln seine Lippen umspielte, »und nichts.«

    TEILS EINS

    DAVOR

    »Er aber sprach zu ihnen:

    Ich sah den Satan vom Himmel fallen

    wie einen Blitz.«

    - Lukas 10:18

    KAPITEL 2

    Er hatte keine Ahnung, warum er von einem Gewitter geträumt hatte, und dann auch noch in Kombination mit einem Schneesturm, aber so war es eben. Zunächst kam ihm keine Idee, was das bedeuten oder symbolisieren sollte. Aber der ungewöhnlich wilde, fast schon übernatürliche Sturm hatte ihn mit einem Gefühl der Bedeutungs- und Hilflosigkeit zurückgelassen. Später wurde ihm klar, dass das Heulen des Windes in seinem Traum andere Geräusche überdeckt hatte – grauenhafte Klänge, die kein Mensch jemals hören sollte. Reißende Haut, splitternde Knochen, zerfetzende Kleidung. Dazu die schreienden Echos von Schmerz, unglaublichem, quälendem Schmerz. Das Himmelreich geriet aus den Fugen und irgendwo, tief aus den Abgründen des Schlafes, kam das kranke Murmeln von Geistern. Stimmen, die in Finsternis gehüllt waren, und vom Getöse eines Blizzards verschluckt wurden. Kurz bevor der Himmel zersplitterte, hinabfiel und wie Scherben auf ihn einprasselte, wurde das Flüstern der Toten wieder zu Schreien.

      Sein Bruder war fort.

    »Raymond!«

    Ein eisiges Frösteln ließ ihn erwachen. Es war kalt, viel kälter als es hätte sein dürfen – wenn die Tür nach draußen nicht offen gestanden hätte! Atem dampfte aus seinem Mund und den Nasenlöchern wie Nebel, er waberte wie magischer Rauch und zog auf der Suche nach dem Dach durch die Dunkelheit. Für einen kurzen Moment war sich Seth Roman nicht sicher, wo er war, doch als er den Raum um sich herum endlich einordnen konnte und sich aufsetzte, erinnerte er sich an die Hütte.

      Der Mond war in dieser Nacht nicht einmal besonders hell, aber es war genug Licht, dass er die Betten neben dem seinen und die beiden Schlafsäcke auf dem Boden ausmachen konnte. Louis hatte sich das nächstgelegene Bett ausgesucht und war ebenfalls wach. Er lag ausgestreckt auf dem Bauch, den Kopf leicht vom Kissen erhoben, seine Haare waren verwuschelt und das Gesicht eine Grimasse aus Unbehagen und Verwirrung. In einem der Schlafsäcke auf dem Boden lag Darian. Er schlief fest. Ein Arm ragte hervor und er schnarchte leise.

      Raymond hätte eigentlich in den zweiten Schlafsack schlüpfen sollen, nachdem sie alle zu Bett gegangen waren, doch dort war niemand. Der Reißverschluss war komplett heruntergezogen, der Sack weit aufgeworfen, als wäre er schnell und hektisch verlassen worden.

      Die Eingangstür stand offen. Draußen wütete ein Schneesturm, der Schübe eisiger, arktischer Luft in die Hütte pustete.

      Seth starrte die Tür für einen Moment einfach nur an, er war nicht in der Lage zu begreifen, was er da sah. Das Flüstern aus seinem Traum verzog sich schließlich und ließ ihn alleine. »Was ist los?«, fragte er mit belegter Stimme. Oder hatte er die Worte nur gedacht? Das alles fühlte sich immer noch wie ein Traum an, unscharf und dumpf, als ob der Schlaf ihn noch nicht vollends losgelassen hätte und versuchte, ihn zurück in die Finsternis zu ziehen.

      Während er so da lag und versuchte, sich einen Reim auf die Situation zu machen, verlor die Zeit jegliche Bedeutung. Obwohl seine Augen offenblieben, spielten sich Szenen aus dem vorigen Tag auf seiner geistigen Leinwand ab. Diese Projektion zeigte ihm noch einmal in allen Einzelheiten, was er bereits gesehen hatte …

    ***

    Raymond hatte sie als Erster bemerkt, doch schon eine Sekunde später hatten alle sie gesehen. Trotz der offensichtlichen Brisanz der Lage konnte keiner von ihnen sprechen oder reagieren. Es war, als wären sie alle gelähmt.

      Die Frau – eigentlich war es mehr ein Mädchen – brach mit ihrem kleinen Körper aus den Schatten hervor und stolperte ungelenk einen Hügel in der Ferne hinunter. Als wäre sie aus dem Nichts erschienen, tauchte sie auf einmal aus dem dichten Wald auf und rannte, so schnell sie konnte. Sie stolperte, um ein Haar verlor sie die Balance und fiel, doch im letzten Augenblick zuckte ihr Körper fast unmenschlich und sie blieb auf den Beinen – nicht einmal langsamer wurde sie. Sie bewegte sich mit der getriebenen Schnelligkeit einer Verfolgten auf die kleine Lichtung zu, die Seth und die anderen von dem umliegenden Wald trennte.

      Seth schaute an ihr vorbei in den Wald, aus dem sie gekommen war, aber da war nichts – niemand, der hinter ihr her war. Und dennoch bewegte sie sich, als ob die Tore der Hölle hinter ihr aufgesprungen wären. Je näher sie kam, desto zierlicher und jünger erschien sie. Ihr langes Haar war zerrupft und verschwitzt; es bedurfte genau so dringend einer gründlichen Wäsche wie der Rest von ihr. Mit diesen abgewetzten Jeans und dem rot bestickten Shirt, das an 70er-Jahre Hippiemode erinnerte, wirkte sie wie jemand, der einer Zeitmaschine entsprungen war. Trotz der Kälte war sie barfuß und trug nicht einmal eine Jacke, aber das schien sie nicht zu stören. Ihre Augen strahlten eine Form von panischer Angst aus, die Seth selten zuvor gesehen hatte, und ihre Bewegungen ähnelten denen eines wilden Tieres, das in die Ecke gedrängt wurde und bereit war, um sein Leben zu kämpfen.

      Als sie nur noch etwa zehn Meter von der Hütte entfernt war, blieb sie ruckartig stehen, wobei sie mit den Armen ruderte wie jemand, der an einem Abgrund stand und die Balance halten wollte. Ihr Kopf zuckte blitzschnell hin und her, angstvoll taxierte sie die vier Männer, die plötzlich in ihrem Weg standen. In gebückter Haltung taumelte sie rückwärts, die Arme nun nach vorne ausgestreckt, als müsse sie die Männer, die sie nicht aus den Augen ließen, abwehren.

      »Ganz ruhig«, sagte Seth, während seine Gedanken rasten. »Ruhig.«

      Auf die kürzere Entfernung konnte er sehen, dass ihr Gesicht mit Dreck beschmiert war, ihre Füße waren durch den gefrorenen Boden teilweise schon aufgeplatzt, und sie schien nicht älter als siebzehn zu sein. Die beunruhigendste Erkenntnis war allerdings, dass ihr Hemd gar nicht rot bestickt war.

      Die Sprenkel, Spritzer und Flecken darauf, waren frisches Blut.

      Darian ließ das Feuerholz fallen, das er getragen hatte. Er und Louis hatten es von einem großen Stapel außen an der Hütte geholt, während Seth und Raymond gerade dabei waren, den Geländewagen endgültig auszuladen. Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass alle vier Männer gleichzeitig draußen standen, seit sie gestern angekommen waren. Doch die Nachricht aus dem Radio, dass der schwere Schneesturm, der eigentlich für später in der Woche angekündigt war, nun schon diesen Nachmittag beginnen sollte, trieb sie zur Eile an. Sie wussten, dass sie zwölf bis fünfzehn Stunden in der Hütte festsitzen würden, vielleicht sogar länger.

      Die junge Frau bewegte sich weiter in dieser merkwürdigen, gebückten Pose, ihre Augen weit aufgerissen und wild.

      »Was ist los?«, fragte Darian, wodurch er die merkwürdige Stille brach – seine normalerweise feste Stimme klang jedoch zittrig und unsicher. »Es ist alles in Ordnung, was – was ist passiert?«

      Sie antwortete nicht, ihre Augen sprangen nur hektisch von einem Mann zum anderen.

      Louis blickte in den Wald hinter ihr. »Verfolgt Sie jemand?«

      Seth näherte sich ihr ein wenig, doch sie sprang zurück. Er öffnete seine Hände und hielt sie vor sich. »Es ist alles in Ordnung, niemand will Ihnen etwas tun, verstehen Sie das? Alles ist gut, Sie sind in Sicherheit!«

      »Sie blutet ziemlich stark«, murmelte Louis.

      »Fräulein«, sagte Seth ruhig, »alles ist in Ordnung, alles okay, beruhigen Sie sich, ja?«

      Louis verlagerte seine Aufmerksamkeit von ihr auf den dunklen Wald und zurück. »Nun reden Sie schon, wir müssen wissen, was hier los ist! Ist jemand hinter Ihnen her, oder was? Wir können Ihnen nicht helfen, wenn wir nicht wissen, was los ist!«

      Darian warf ihm einen bösen Blick zu. »Spinnst du, Louis, warum schreist du sie so an? Sie steht unter Schock!«

      Eine Böe eisigen Windes drückte durch die Baumreihen auf die Lichtung und wehte ihnen kalt entgegen. Der graue Himmel drohte mit Schnee. Es würde bald losgehen.

      »Ich hole mein Gewehr!« Louis wandte sich der Hütte zu. Seth signalisierte allen, die Klappe zu halten und sich nicht zu bewegen, doch ließ er dabei die Hände oben und den Blick auf dem Mädchen. Louis hatte recht; sie musste eine schwere Wunde haben, wahrscheinlich im Bauchbereich, denn ihr Hemd war an der Körpermitte komplett mit Blut durchtränkt. »Es ist alles gut«, versicherte er ihr erneut, »wir werden Ihnen nichts tun! Wir wollen Ihnen helfen, verstehen Sie das?«

      Nachdem sie wieder nicht antwortete, drehte sich Seth langsam und schaute zu den anderen. Weder Louis noch Darian hatten sich bewegt, und Raymond, der am nächsten an der Hütte stand, hielt ein paar Extradecken im Arm, die er aus dem Auto geholt hatte. In diesem Moment umgab ihn eine merkwürdige Distanziertheit – noch stärker als sonst, dachte Seth – denn sein Ausdruck strahlte etwas übertrieben Analytisches aus. Er studierte die junge Frau geradezu, suchte sie mit seinen Augen ab, und plötzlich änderte sich etwas in seinem Gesicht – als würde ihm langsam ein Gedanke dämmern.

      Die Frau gab einen stöhnenden Laut von sich, der tief aus ihrer Kehle kam, mehr ein Knurren als ein Versuch, verständlich zu kommunizieren – und ihre Körperhaltung entspannte sich, soweit das in ihrem Zustand möglich war, in einer langsamen, kollabierenden Bewegung.

      Als ihre Schultern zusammengesunken waren, sah sie noch kleiner und fragiler aus als zuvor. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen – vielleicht zu schreien – aber diesmal kam überhaupt kein Klang zustande. Stattdessen schüttelte sich ihr gesamter Körper und ihre Augäpfel rollten sich so weit nach hinten, dass nur noch Weiß zu sehen war.

      Seth schoss nach vorne und versuchte, sie aufzufangen, aber sie brach zusammen und schlug mit einem ungesunden Krachen auf den Boden, bevor er sie erreichen konnte.

      »Jesus!« Er rutschte neben ihr auf die Knie, schob eine Hand unter ihren Kopf und hob ihn vorsichtig einige Zentimeter vom Boden. Mit seiner anderen Hand überprüfte er ihren Puls. Der war stabil und überraschend stark, aber sie war bewusstlos. »Wir müssen sie nach drinnen schaffen«, sagte er, während er krampfhaft versuchte, sich an alles zu erinnern, was er jemals über Erste Hilfe gelernt hatte. »Schnell, packt mit an!«