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Karl der Große: Reichsgründer - Herrscher - Politiker

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Karl der Große: Reichsgründer - Herrscher - Politiker

Länge:
208 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
Aug 11, 2014
ISBN:
9783898432887
Format:
Buch

Beschreibung

2014 ist das Karlsjahr. Im Januar 814 verstarb Karl der Große, König der Franken, König der Langobarden und west-römischer Kaiser, in seiner Aachener Pfalz "Aquispalatium", wo er die letzten 20 Jahre fast ununterbrochen verbracht hatte. Sein Herrschaftsgebiet hat Karl der Große indes durch militärische Expansion und Unterwerfung stark vergrößert. Es reichte von der Elbe im Osten bis zu den Pyrenäen im Westen und von der Nordseeküste bis Mittelitalien.

Die Zentralisierung der Herrschaft und Reformen auf rechtlichem, ökonomischem, religiösem und kulturellem Gebiet machten das fränkische Reich zu einem stabilen Verband. Auch deshalb gilt Karl der Große vielen als ein Begründer des modernen Europa. Mit Entschlossenheit hat Karl der die ihm gegebene Macht genutzt. Ausdruck dieses Gestaltungswillens ist auch die symbolgeladene Architektur der Pfalzkapelle des Aachener Domes. Der Aachener Dom gehört zu den besterhaltenen Baudenkmälern der Karolingerzeit und wurde 1978 als erstes deutsches Denkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Das F.A.Z.-eBook 'Karl der Große' bietet eine Sammlung von erstklassig recherchierten Berichten von Historikern und F.A.Z.-Autoren. Sie untersuchen die historische Rolle Karls des Großen und seine Wirkung bis in die Gegenwart ebenso wie die Bedeutung der Pfalzkapelle in Aachen als Machtzentrum. Geschichten und Kuriosa über den Frankenherrscher, eine Chronik, Buchempfehlungen und eine Literaturliste sowie ein Autoren- und Personenregister runden das reich bebilderte F.A.Z.-eBook zum Karlsjahr ab.
Freigegeben:
Aug 11, 2014
ISBN:
9783898432887
Format:
Buch


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Karl der Große - Frankfurter Allgemeine Archiv

Karl der Große

Reichsgründer – Herrscher – Politiker

F.A.Z.-eBook 31

Frankfurter Allgemeine Archiv

Projektleitung: Franz-Josef Gasterich

Produktionssteuerung: Christine Pfeiffer-Piechotta

Redaktion und Gestaltung: Hans Peter Trötscher

eBook-Produktion: rombach digitale manufaktur, Freiburg

Alle Rechte vorbehalten. Rechteerwerb: Content@faz.de

© 2014 F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main.

Foto: Ausschnitt aus »Idealbild Kaiser Karls des Großen« von Albrecht Dürer (1513), Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Wikimedia Commons.

Titelgestaltung: Hans Peter Trötscher

ISBN: 978-3-89843-288-7

Vorwort

Er ist Europa

Von Daniel Deckers

Napoléon Bonaparte soll bei dem Besuch der Grablege seines Vorbildes im Aachener Dom ausgerufen haben: »Je suis Charlemagne.« Das Imperium des Mannes, der in Kaiser Karl dem Großen die Avantgarde der Grande Nation erkennen wollte, reichte bald weit über die Regionen hinaus, die der Frankenkönig beherrschte. Immerhin: Als Karl am Weihnachtstag des Jahres 800 von Papst Leo III. zum römischen Kaiser gekrönt wurde, war das westliche Europa geeint wie seit den Tagen der Römer nicht mehr, das Christentum nach der Antike wiederbegründet. Zwar zerfiel Karls Reich bald nach seinem Tod im Jahr 814, und das Kaisertum wurde erst durch die Ottonen fest mit dem deutschen Königtum verbunden. Doch die mittelalterliche Geschichte Europas entfaltete sich fortan in der Polarität Kaisertum-Papsttum und bis in die Gegenwart hinein in den wechselnden Kraftfeldern Kerneuropas, zwischen Italien, Frankreich und Deutschland.

In Erinnerung an ein Massaker bei Verden an der Aller galt Karl der Große den Nationalsozialisten bis 1937 als »Sachsenschlächter«. Dann wurde aus ihm ein »großer Deutscher«. Hitler schickte sich an, dem deutschen Volk im Osten Raum zu schaffen. War Karl ihm nicht vorhergegangen und hatte in den 33 Jahren der Sachsenkriege die Grenze einer überlegenen Kultur weit über die Grenzen nach Osten verschoben, bis »die Sachsen mit den Franken ein Volk wurden« (Einhard)? Noch in den fünfziger Jahren konnte man lesen, hätte Karl den Sachsenfürsten Widukind nicht an der Weser, sondern an der Weichsel gestellt, wären seine Unterwerfungszüge von der Elbe statt vom Rhein ausgegangen.

Statt dessen verloren sich die Umrisse des Abendlandes für Jahrhunderte in den Weiten nordöstlich von Harz und Thüringer Wald, wo der Wind mal aus West und mal aus Ost, auch von Norden, aber kaum von Süden weht. Die Waffen-SS-Division, in der Franzosen freiwillig unter deutschem Befehl kämpften und deren Reste die Reichshauptstadt Berlin im April 1945 gegen die Russen verteidigten, trug den Namen »Charlemagne«.

Denselben Namen trägt heute das Gebäude in Brüssel, in dem die EU-Generaldirektionen für Erweiterung, Außenhandel und Außenbeziehungen residieren. Sicher, auch das war Karl: Expansion durch Integration, Kodifikation von Recht, Setzung von Normen, die Kalenderreform als Amalgamierung heidnischen und christlichen, römischen, germanischen und fränkischen Erbes. Findet all das nicht sein profanes Gegenstück in dem Bestreben, Europa zu einem gemeinsamen »Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts« in Europa zu schaffen? Doch was ist mit der Aufgabe, nach Karls Vorbild die Völker Europas in der unaufhebbaren Spannung zwischen europäischen Gemeinsamkeiten und nationalen Besonderheiten »zu einem Culturganzen zusammenzugewöhnen« (Jacob Burckhardt)?

Wo beginnt, wo endet Europa? Die Kaiserkrönung und der nachfolgende Vertrag von Aachen 812 ließen die Bipolarität von Byzanz und Rom neu erstehen, der Keim für die Spaltung Europas in eine orthodoxe und eine lateinische Welt war gelegt. Die Ausdehnung des Islam sollte Europa noch für Jahrhunderte in Atem halten. Unter Karl V., dem letzten vom Papst gekrönten deutsch-römischen Kaiser, wurde die reconquista endgültig zur conquista. Auf dem Balkan, wo sich die Kulturkreise des Orients und des Okzidents bis heute überschneiden, färbt Blut bis heute nicht nur in der Legende die Flüsse rot. Karl ist Europa, in seiner Größe, in seiner Grausamkeit.

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2000

Die Karlsbüste aus dem Aachener Dom ist die ikonografische Darstellung des Kaisers und allen Karlsfans vertraut. © Domkapitel Aachen. Foto: Andreas Herrmann. Mit freundlicher Genehmigung der Stadt Aachen als Veranstalterin der Karlsausstellungen 2014.

Die Bedeutung Karls des Großen in der Geschichte

Hätte es ohne den Islam Karls Reich gegeben?

In Aachen eröffnet ein Ausstellungsreigen zum 1200. Todestag Karls des Großen und fragt nach der Bedeutung seines Erbes für unsere Zeit. Worin liegt diese genau?

Von Jeffrey F. Hamburger

Große Herrscher bleiben wegen ihrer Taten im Gedächtnis, große Künstler wegen ihrer Werke. Aber wer erinnerte sich an Mozart, einen wahrhaft großen Künstler, wegen seiner bescheidenen, wenn auch reifen Komposition »Ein teutsches Kriegslied« (KWV 539), das am keineswegs verheißungsvollen Vorabend der Französischen Revolution, am 7. April 1788, in Wien zu Ehren Kaiser Josephs II. uraufgeführt wurde? Jede Strophe des kriegerischen Lieds beginnt mit dem Satz: »Ich möchte wohl der Kaiser sein.« Diese heute eher lächerlich wirkende Gelegenheitsarbeit könnte gut als Titelsong für so manche Ausstellung der letzten Jahrzehnte zur mittelalterlichen Kunst in Deutschland dienen.

In einem postimperialen Zeitalter, in dem Deutschland den Anspruch erheben darf, eine vorbildliche Demokratie zu sein, bleibt die Frage, wie man Kaiser am besten ausstellt: Man denke nur an den recht peinlichen Titel der kürzlich vom Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg ausgerichteten Ausstellung über Kaiser Ludwig den Bayern: »Wir sind Kaiser!« Diese Ausstellung teilt ihren Titel mit einer äußerst erfolgreichen Talkshow des ORF. Jede Sendung beginnt mit einer vorgetäuschten kaiserlichen Audienz, zu der der Gastgeber Robert Heinrich mit einer zur Melodie der Internationale gesungenen »Kaiserhymne« begrüßt wird: »Unser lieber Robert Heinrich, wir danken es dir recht. / Wir haben einen Kaiser, uns geht es nie mehr schlecht.«

Die gerade in Aachen eröffnete Ausstellung zum 1200. Todestag Karls des Großen tut bei der Auseinandersetzung mit Karls Erbe ihr Bestes, um sowohl seiner geschichtlichen Besonderheit als auch seiner Bedeutung für unsere Zeit gerecht zu werden. Nun ist Karl der Große auf jede erdenkliche Art und Weise gebraucht und missbraucht worden. Auf drei Ausstellungsorte verteilt – im Rathaus »Orte der Macht«, im Centre Charlemagne »Karls Kunst«, in der Domschatzkammer »Verlorene Schätze« –, verbindet das Spektakel Eroberung und Kultur und sieht in den literarischen und künstlerischen Leistungen seines Hofes die Grundlagen des karolingischen Reiches und – allgemeiner noch – des christlichen Europa. Die Dauerausstellung im Centre Charlemagne zeichnet diese Argumentationslinie in teleologischer Manier nach, vom römischen Aquis Grana bis in die Nachkriegszeit, als die besetzte Stadt als »Labor der Demokratie« diente.

Die Ordnung des Himmels und der Erde. Einband des Lorscher Evangeliars, (hinterer Einband: Christustafel), um 810, Vatikanstadt, © Biblioteca Apostolica Vaticana, zu Pal Lat. 50 gehörig. Das Evangeliar ist ein Exponat der Ausstellung »Karls Kunst« (Centre Charlemagne Aachen).

Der massive dreibändige Katalog behandelt zahlreiche Fragen, die das karolingische Erbe aufwirft, und bemüht sich um neue Antworten. Besonders aufschlussreich sind die Ergebnisse intensiver archäologischer Forschungen zu den Pfalzen oder Residenzen, an denen der reisende Herrscher Hof hielt. Das zentrale Thema der Ausstellung sind die Mittel und Wege, durch die der Kaiser seine Macht nach außen darstellte.

Im Dom, Karls einstiger Pfalzkapelle, gingen die meisten Pilger, die an der diesjährigen Heiligtumsfahrt teilnahmen (einem Ereignis, das nur alle sieben Jahre stattfindet), an der goldenen Kanzel Heinrichs II. vorbei, ohne lange hinaufzuschauen. Die reich mit Edelsteinen, Bergkristallschalen und koptischen Elfenbeinreliefs verzierte Kanzel, sämtlich Beutestücke aus fernen Ländern, bietet eine unvergleichliche Uminterpretation des Reichsgedankens an einer Stätte, die nach einer Formulierung in der Ausstellung durchgängig als »Ort der Macht« diente. Die Pilger drängten jedoch geduldig voran, um kleine persönliche Gegenstände in der Nähe der kostbarsten Reliquien des Doms niederzulegen: des Kleids, das die Jungfrau Maria bei der Geburt Jesu trug, der Windeln Christi, des Tuchs, in das das abgeschlagene Haupt Johannes des Täufers eingeschlagen war, und des Lendentuchs, das Christus am Kreuz trug.

Es ist kein Zufall, dass all diese Reliquien aus Stoff sind, einem gemeinen Material, das durch die physische und symbolische Nähe zum menschlichen Körper geadelt worden ist. Die Ausstellung enthält zahlreiche Wunderwerke, deren eindrucksvollste mehrere Handschriften sind, die um 800 in der sogenannten Hofschule entstanden. So viele dieser Handschriften beisammen zu sehen ist eine bewegende Erfahrung. Für die meisten Besucher vermag jedoch in der Wirkung nichts an die Reliquien heranzureichen.

Die Anwesenheit Tausender von Pilgern während der ersten Tage der Ausstellung warf eine Frage auf: In wessen Diensten steht Karl der Große heute? In welcher Weise verzerrt die historische Tatsache des Kaiserkults unser Verständnis dieser kritischen Gestalt? Karl der Große wurde 1165 auf Drängen Friedrich Barbarossas von dem Gegenpapst Paschalis III. heiliggesprochen. Obwohl die Kirche diese Heiligsprechung nicht anerkannte und Paschalis‘ Dekrete 1179 annullierte, hielt sich der Kult. In der wegweisenden, 1965 in Aachen veranstalteten Ausstellung, die Philippe Cordez in einem seiner Beiträge zum Katalog der aktuellen Ausstellung sehr gut analysiert, wurde Karl als Galionsfigur eines in Frieden vereinten Nachkriegseuropa gefeiert, das ein Bollwerk gegen feindliche Kräfte aus dem Osten darstelle (wobei man geflissentlich überging, dass Karls Reich durch endlose Kriege mit Gewalt geeint worden war und unmittelbar nach seinem Tod auseinanderbrach).

Nach zwei Weltkriegen zwischen Deutschland und Frankreich überrascht es nicht, dass man ihn zum idealen Pater Europae erklärte. Die aktuelle Ausstellung wirft einen distanzierten Blick auf Karls Macht in Vergangenheit und Gegenwart. Doch die Plazierung der historischen Abteilung »Orte der Macht« im Krönungssaal des Rathauses, das mit pompösen Historiengemälden zweifelhaften Werts aus dem neunzehnten Jahrhundert ausstaffiert ist, eignet sich kaum für eine Dekonstruktion des Bildes Karls als eines Schirmherrn der Kirche und des Staates, des Schwertes und des Altars. Die Organisatoren der Ausstellung waren nicht zu beneiden bei ihrer Aufgabe, gleichzeitig feiern und forschen zu sollen. Die im Katalog gerühmte Installation im Rathaus ist fast schon grauenhaft zu nennen: In dem Versuch, Karl für ein modernes Publikum lebendig zu machen – ein durchaus legitimes Bemühen –, übertönt eine Kakophonie aus Computersimulationen, Videos, Modellen und Faksimiles vollständig die kostbaren Originale, die nirgendwo die Chance haben, für sich selbst zu sprechen.

Es mag immer schwieriger werden, an kostbare Leihgaben heranzukommen, aber wenn solch eine Zirkusschau die Zukunft der Ausstellung sein sollte, hat es keinen Sinn, unersetzliche Originale in Gefahr zu bringen, wenn sie gar nicht gesehen werden. Die Leidener Aratea-Handschrift, ein mit überwältigenden ganzseitigen Miniaturen der Sternbilder verzierter Himmelsführer, wäre einer der Brennpunkte jeder Ausstellung über mittelalterliche Kunst. Hier liegt er an der Seite, ohne dass ein Schild auf ihren Inhalt, ihre Herkunft oder ihren Besitzer hinwiese. Wehe dem hilflosen Besucher, der zufällig darauf stieße. Eine karolingische Kopie des Vitruv samt Illustrationen zum Wortschatz der antiken Architektur hätte in einen Kontext zu Bruchstücken der karolingischen Baukunst gestellt werden müssen, von denen es in Aachen viele gibt. Eine der zahlreichen verpassten Chancen. Faksimiles und Originale wechseln einander ohne jede sinnvolle Unterscheidung ab. Die Nachbildung der winzigen Bronzestatue eines karolingischen Herrschers (unwahrscheinlich, dass sie Karl den Großen zeigt) ist mit einem Schwert verschönert worden, das am Original des Louvre nicht zu finden ist. Das spielt allerdings keine sonderliche Rolle, da die Statuette ohnehin kaum auffällt zu Füßen des lebensgroßen Modells eines fränkischen Kriegers zu Pferde, das bestens bei Madame Tussaud in London aufgehoben wäre.

Betritt man die Ausstellung, fällt einem als Erstes ein dreidimensionales Spektakel des in eine Folge bewegter Bilder aufgelösten Karlsschreins ins Auge. Angesichts solcher Effekthascherei ist man versucht, mit Dr. Johnson zu sagen: »Die Frage, die einem beim Anblick eines auf den Hinterbeinen laufenden Hundes in den Sinn kommt, ist nicht, wie gut er das macht, sondern warum.« Gleichfalls zu sehen ist eine aufdringliche interaktive Computerprojektion, die es dem Besucher erlaubt, Fragen wie die zu beantworten, in welcher Position er sich am mächtigsten fühle. Vor der Ausstellung können Besucher im Rahmen einer Installation mit dem Titel »Mein Kaiser 2014« eine von fünfhundert jeweils einen Meter hohen Kunststofffiguren des Kaisers »adoptieren« (also kaufen).

Wer einige der bedeutendsten erhalten gebliebenen Werke der westlichen Kultur in

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