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Der Schattenwald

Der Schattenwald

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Der Schattenwald

Länge:
435 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 10, 2015
ISBN:
9783739261256
Format:
Buch

Beschreibung

Dunkle Zeiten brechen an. Seit sich ein Mädchen vor dem Schattenwald in das Schattenmädchen verwandelt und eine ganze Siedlung zerstört hat, greifen die Dämonen immer brutaler an. Niemand weiß, wer sie ist, außer der Wächter des Schattensees, der ihre Verwandlung miterlebt hat. Um das Schattenmädchen aufzuhalten, ermittelt die Tirith zusammen mit dem Dämonenjäger nach ihrer Schwachstelle und stößt auf ein schockierendes Geheimnis. Welchen Grund hatte das Mädchen, sich freiwillig in den mächtigsten Dämon zu verwandeln? Warum schweigen Familie, Freunde, Bekannte und der Wächter des Schattensees?
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 10, 2015
ISBN:
9783739261256
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Der Schattenwald - Lynn Krieger

Inhalt

Der Schattenwald

Die schwarze Gestalt

Der Schattenwald

Das Dämonenlabyrinth

Der Schattenwald

Seelennahrung

Definitionen

Danksagung

Der Schattenwald

Die schwarze Gestalt

Prolog

Am 05. August 2013 wurde es bis zu sechsunddreißig Grad heiß in Kalmanya.

Auch die Siedlung Minur blieb vor der Hitze nicht verschont. Die Menschen suchten Schutz in Häusern, Cafés und im Freibad. Weiter nördlich der Siedlung befand sich der Schattenwald, der kein Sonnenlicht hindurch ließ.

Auf einem hohen Hang stand ein kleines Haus, indem der Wächter Peter Waldmann wohnte. Er schaute aus dem Fenster. Der Himmel war klar und wolkenlos, so dass die Sonne zu sehen war. Damit es in seiner Wohnung nicht unerträglich heiß wurde, hatte er einen Zauber verwendet, um es ein wenig kühler zu haben.

Da Peters Haus am Ende der Siedlung auf einem hohen Hang stand, hatte er eine gute Aussicht aufs Flachland, aber vor allem auf den Wald. Er musste aufpassen, dass niemand ihn betrat und vom kleinen See aus schwarzblauen Wasser trank oder hineinfiel.

Wer von diesem Wasser trank, erlitt Höllenqualen und machte denjenigen zur leichten Beute von eines der Kreaturen im Schattenwald. Im finsteren Mittelalter wurden die Menschen mit verschiedensten Tricks zum See gelockt oder sie tunkten sich gegenseitig hinein, um sich zu schaden oder zu bestrafen.

Der See wurde in diesem schwarzen Jahrhundert, wo zugleich die Pest wütete, Schattensee genannt.

Die gefährlichsten Dämonen in der Umgebung waren die Seelenschatten, die Besitz von Menschen ergriffen, wenn diese völlig verletzt und wehrlos waren.

Es war kaum zu glauben, dass dieser Tag so heiß werden würde. Gestern hatte es noch heftig geregnet und geblitzt. Peter ging in die Küche, holte sich ein Glas und schenkte sich Orangensaft ein. An so einem Tag musste er aufpassen, dass er viel trank.

Auch sollte er zu Hause bleiben; schließlich war er nicht mehr der Jüngste, der diese heißen Tage gut überstehen konnte.

Als er sich wieder dem Fenster zuwandte, sah er zwei junge Leute auf dem Hang. Er ging näher zum Fenster, um sie besser zu sehen. Es war ein Junge und ein Mädchen. Der Junge hatte braunes Haar, trug ein dunkelblaues T-Shirt und gelbe Shorts. Er war zweiundzwanzig Jahre alt.

Das Mädchen hatte langes dunkelbraunes Haar, das ihr bis zur Taille reichte.

In der Sonne leuchtete es golden.

Sie trug ein schwarzes T-Shirt und dunkelblaue, knielange Jeans. Sie war drei Jahre jünger als er. Peter Waldmann erkannte die beiden. Sie waren Geschwister und erst gestern war ihr ältester Bruder Dennis gestorben.

Das Mädchen schleuderte einen hellblauen Blitz auf ihren großen Bruder, aber dieser blockte ihn. »Was fällt ihm eigentlich ein?! Seine Schwester hat in letzter Zeit genug durchgemacht! Kann er sie nie in Ruhe lassen?!«, schimpfte er laut.

Er stürmte in den Flur, riss die Tür auf und blieb wie angewurztelt stehen. Irgendetwas hinderte ihn, einzugreifen und eine Stimme in seinem Kopf sagte ihm, dass gleich etwas passieren würde. »Thorsten«, dachte er, »na warte, wenn ich dich in die Finger kriege!«

Hilflos musste er mit ansehen, wie die kleine Schwester weitere Blitze, Feuerstrahlen und Stürme gegen ihren Bruder einsetzte. Als sie am Rand des Hangs stand, entfachte Thorsten einen Wirbelwind, so dass sie hinunterstürzte.

Sie fiel in den See. Dann stand Thorsten am Rand des Sees und drückte seine Schwester mehrmals ins Wasser und rief: »Na, was ist los? Wo ist dein Schutzengel jetzt? Jetzt, wo er tot ist, wird er sich nicht mehr gegen mich stellen.«

Er ließ sie gehen und trat einen Schritt zurück. »Hab noch schöne Schmerzen«, sagte er lächelnd und flog davon. Das Mädchen kroch aus dem Wasser und begann, heftig zu husten. Dann schrie sie auf. Sie hatte zu viel von diesem Wasser verschluckt und jetzt waren die Qualen unvorstellbar groß.

Der Wächter des Schattensees bekam plötzlich eine Gänsehaut. Er konnte sich immer noch nicht bewegen, irgendetwas hatte ihn verzaubert. Er sah, wie die Schwester noch eine Weile liegen blieb. Was dann geschah, wird Herr Waldmann nie vergessen! Nach all den Jahren hatte er so etwas noch nie gesehen. Es wurde kühler.

Die Sonne verschwand hinter einer mysteriösen Dunkelheit, die sich am Himmel ausbreitete. Peter fröstelte. Neben Thorstens Schwester erschien aus schwarzem Nebel eine weiße Gestalt, die ein schwarzes, zerissenes Gewand trug.

Die Haut war leichenblass, so dass es so aussah, die Gestalt könnte zu jeder Zeit durchsichtig werden. Die Augenlider, die Lippen und die Finger- und Fußnägel waren schwarz. Nur die Augen flackerten in einem bedrohlichen gelb.

Das Wesen stand mit beiden Füßen auf der Wiese und schaute auf das sich windende Mädchen hinab. Der Dämon streckte seine gespenstische Hand aus, schloss die Augen und ließ nach einiger Zeit wieder die Hand sinken.

Die Jugendliche empfand keine Schmerzen mehr. »Merkwürdig«, dachte der Wächter, »in der Regel ergreift ein Seelenschatten Besitz eines Menschen, wenn er richtig leidet.«

Peter konnte nicht hören, was sie sagten, aber sie führten eine sehr lange Unterhaltung. Der Seelenschatten streckte erneut seine Hand über dem Kopf des Mädchens aus, worauf sie sich wild auf dem Boden vor Schmerz hin- und herwälzte. Der Dämon ließ sie wieder sinken, damit die Schmerzen wieder abebbten. Danach erschienen aus dem Wald vier weitere dieser Gestalten.

»Oh, nein!«, dachte Herr Waldmann, »da sind ja weitere Seelenschatten. Einer von ihnen wird sich mit Sicherheit gleich in ihren Körper einnisten!« Inzwischen bildeten sie einen Halbkreis um ihr Opfer. Peter versuchte, einen Lichtstrahl auf sie abzufeuern, aber sein Körper gehorchte ihm nicht. Er stand regungslos da. Schon oft hatte er gesehen, wie Menschen diesen Dämonen zum Opfer fielen, aber das, was geschah, passierte zum ersten Mal in der Geschichte. Plötzlich verwandelte sich der erste in schwarzem Nebel und stieß in die Luft. Die anderen vier taten es auch.

Am Himmel flogen sie kreuz und quer über dem Mädchen. Dann machte sie den Mund auf und die schwarzen Nebel flogen hinein. Sie schrie. Was war das? Waren wirklich gerade fünf Seelenschatten in ihren Körper geflogen? Es kontrollierte doch immer nur einer den Körper. Irgendetwas an diesem Mädchen war außergewöhnlich. Das wusste er, seit sie klein war.

Sie begann heftig zu zittern. Danach färbte sich ihre Haut zu einem schwarz, das so dunkel war wie die Nacht. Die Augen glühten rötlich. Sie blieb für ein paar Sekunden noch liegen, dann stand sie auf und ging langsam auf den Schattenwald zu. Plötzlich blieb sie stehen und drehte sich zum kleinen Haus um.

Drohend hob der neugeborene Dämon einen Finger. Blaue Blitze knisterten um ihn. »Halt!«, rief eine Stimme aus dem Schattenwald. »Du bist noch nicht so weit! Ruhe dich erst einmal aus!«

Doch es war schon zu spät. Der Blitz schoss auf den Wächter zu. Peter schloss die Augen. Als er sie wieder öffnete, stellte er fest, dass er nur einen leichten elektrischen Schlag erhalten hatte. Sie war von ihrer Verwandlung geschwächt. Das Mädchen verschwand in den Wald. Der Wächter wusste, dass sie sich erst von ihren Schmerzen und vor ihrer Erschöpfung durch die Verwandlung erholen musste. Diese Person, die sie einmal war, war sie nicht mehr. »Warum hast du dich nicht gewehrt?«, fragte er leise. »Du kennst mich!«, sagte die Stimme.

Er schreckte auf. Der Dämon sprach in seinen Gedanken. »Niemand, der mich kennt, darf etwas über meine Vergangenheit erfahren, es sei denn, er oder sie versteht mich!« Peter Waldmann setzte sich auf den erdigen Boden und dachte nach.

Nach einer kurzen Weile hatte er ihre Tat begriffen. Es wird nicht lange dauern und sie wird die Siedlung angreifen. Etwas sagte ihm, dass es fast unmöglich war, sie aufzuhalten!

Kapitel 1

Philipp Schreiber saß in seinem Büro und las seine Zeitung. Er blätterte um. »Zwei Jugendliche brutal aufgeschlitzt«, stand auf der Seite. »Schon wieder etwas von dem Schattenmädchen«, sagte er. » Hört das denn nie auf?«

Herr Schreiber legte die Zeitung auf seinen Schreibtisch, holte aus der Schublade ein Notizbuch, in denen eine große Liste von Opfern erschienen, die vom Schattenmädchen und deren Anhänger getötet, aber hauptsächlich gequält wurden.

Die Zahl nahm zu. Philipp Schreiber war ein vielbeschäftigter Mann, vierundvierzig Jahre alt und Chef der Tirith, die sich für Recht und Ordnung einsetzte. Der Beruf als Tirisser war alles andere als leicht. Kriminelle benutzten ihre Zauber, Zauberelexiere und Technik. Herr Schreiber hatte oft vor seinen Augen gesehen, wie Kollegen, Freunde und vor zehn Jahren seinen älteren Bruder, der gekidnappt wurde, getötet wurden. Seitdem hatte er einen ernsten Charakter und konnte selten seine Gefühle zum Ausdruck bringen.

Plötzlich ging die Tür auf und ein Mann Anfang zwanzig Jahre platzte herein.

Seine blauen Augen zeigten das pure Entsetzen. »Entschuldigen Sie die Störung, Herr Schreiber, aber es ist ein Notfall!« »Was gibt’s, Jim?«, fragte Herr Schreiber. »Es sind gerade weitere Menschen in die Heilstation gekommen. Alle sind nicht ganz bei Bewusstsein … sie haben sehr starke Schmerzen … auch die Körper reißen sich an bestimmten Stellen selbst auf und bluten …« »Beruhige dich«, sagte Herr Schreiber, »das ist doch nichts Neues. Jeden Tag oder jede Woche passiert es.« »Ja, aber diesmal wurde die gesamte Familie angegriffen«, keuchte Jim.

»Was?!«, Herr Schreiber war fassungslos. War der Dämon mittlerweile schon so stark geworden? Vor einem Jahr wurde die Tirith von einem neugeborenen, weiblichen und schwarzen Dämon informiert. Diese Informationen stammten von der Tirith aus Minur, als dieser angriff.

Herr Schreiber erinnerte sich daran noch genau. Per Skype hatte eine Tirisserin, die eine Kollegin der Tirith war, ihn vor dem Dämon gewarnt, während dieser die Siedlung angriff. Im Hintergrund der Tirisserin hatte es gekracht und Putz war von der Decke gebröckelt bis sich plötzlich eine Feuerwelle ausbreitete, wodurch die Verbindung in Skype abgebrochen wurde.

Das Schreien der Tirisserin und ihren Kollegen konnte Philipp Schreiber nie vergessen. Ab da begannen sich die Angriffe des Schattenmädchens und der anderen Dämonen zu häufen, indem sie ein bis zwei Menschen töteten oder noch schlimmer – sie auf ihre Art und Weise folterten, wodurch die Menschen Qualen erleiden mussten.

»Die Betroffenen sind bei Bewusstsein?« »Momentan nur zum Teil«, erklärte Jim, »wir haben die Familie an einem See gefunden, in der Nähe des Parks.« »Wie heißen sie mit Nachnamen?« »Lind«, antwortete Jim. Herr Schreiber überlegte kurz. Schließlich fasste er einen Entschluss: »Wir werden nächste Woche in die Heilstation gehen. Bis dahin müssen sie wieder ansprechbar sein.«

Kapitel 2

Der Wecker klingelte um sechs Uhr. Schlaftrunken wachte Sadako auf, schnappte sich ihre Kleider vom Stuhl und lief ins Bad.

Sadako, die mittlerweile neunzehn Jahre alt war und ihr neunjähriger Bruder, Satoshi lebten in Laiburg. Sie machte seit August ein Vorbereitungsjahr für Dämonenkriege.

Hierfür waren spezielle Schulen zuständig. Hier lernte man nach der Schule über die Kreaturen ein bisschen dazu und in Kämpfen flexibel und achtsam zu sein. Jeder Schulabgänger musste das Jahr absolvieren, weil die Dämonen die Menschen immer wieder angriffen.

Sadakos Eltern waren berufstätig. Ihre Mutter arbeitete in der Heilstation als Medizinische Fachangestellte; ihr Vater als Schlosser. Satoshi ging noch zur Schule und besuchte die zweite Klasse. Ab dem nächsten Jahr wird er etwas über Dämonen und ihre Schwachstellen kennenlernen.

Sadako war eine sehr ehrgeizige junge Frau und hatte ihren eigenen Willen. Sie hasste die Moralpredigen ihrer Eltern und tat das, was sie für richtig hielt auch wenn dies einmal schief ging.

Als sie sich fertig gemacht und gefrühstückt hatte, schaute sie kurz auf die Uhr, die sieben Uhr fünf anzeigte. »Scheiße, ich muss los!«, fluchte sie leise, schnappte ihre Sachen und rannte zum Bahnhof und erreichte gerade noch so die Straßenbahn.

Sadako schrieb von ihrer Banknachbarin und besten Freundin, Jessika, ihre Hausaufgaben ab. Durch die ganzen Übungen, Hausarbeiten und Medien bekam sie in letzter Zeit nichts mehr auf die Reihe. Jede Woche immer dasselbe vom Schattenmädchen.

»Hast du schon die neuen Zauber gelernt?«, fragte Jessika. »Natürlich«, antwortete Sadako, »wenn dieser Dämon mich angreift, muss ich doch gewappnet sein! Schließlich habe ich keine Lust zu sterben oder noch schlimmeres.«

»Toll. Aber hast du auch daran gedacht, dass Zauber lernen allein nicht genügt?«, mischte sich ein Junge, der vor ihnen saß ein.

»Hey«, entgegnete sie, »es reicht doch völlig aus, den Dämon zu töten!«

»Da irrst du dich gewaltig!«, gab er zurück. Seine grünen Augen schauten sie unverwandt an. Seine Miene war todernst. »Was hat der für’n Problem«, dachte sie. In der Regel war José ganz locker drauf. Egal, was bisher geschah, er ließ es nie an sich ran. Ging es ihm mit dem Schattendämon so nahe?

»Willst du mir etwa sagen, dieser Dämon ist der Stärkste auf der Welt?«, fragte sie höhnisch. »Ja.« »Das Schattenmädchen ist wie jede andere Kreatur. Warum in Panik ausbrechen?« »Was?!«, meldete sich Jessika zu Wort. »Heißt das, du schaust nicht in die Zeitung?«

»Ganz recht!« »Na, kein Wunder«, murmelte José. Sadako wollte gerade etwas erwidern, aber da kam Frau Keller in die Klasse.

»So, ich sammle jetzt eure Hausaufgaben ein«, verkündete sie und ging durch die Reihen. Gott sei Dank war Sadako gerade fertig geworden, aber sie bekam wegen des Abschreibens ein schlechtes Gewissen. Frau Keller würde das bemerken. Ach, egal. Es gab ja sowieso keine Noten im Vorbereitungsjahr, sondern nur Beurteilungen.

Nachdem Frau Keller die Hausaufgaben eingesammelt und in ihrer Mappe verstaut hatte, stellte sie sich vor die Tafel und begann die verschiedensten Dämonen abzufragen. Das Ziel war, dass jeder Teilnehmer sie und deren ihre Schwachstellen kannte.

»Was ist ein Draghignazzo und welche Schwachstelle hat er? Ja, José.«

»Man geht davon aus, dass er der Wächter der Höllenverliese ist. Seine Schwachstellen sind seine Flügel.«

»Und welchen Zauber würdest du einsetzen?« »Das ist egal.« »Was ist eine Harpie? Hmmm, Sadako.« Sadako schreckte auf, als Frau Keller ihren Namen gerufen hatte. »Das ist eine vogelähnliche Kreatur mit einem Frauenkörper und sie hat zum Teil menschliche Schwachstellen. Ich würde entweder Feuer oder Elektrizität einsetzen. Dagegen ist sie sehr empfindlich.« »Sehr gut!«, lobte sie Frau Keller und fragte noch ein paar weitere Dämonen ab.

»Mittlerweile gibt es doch einen neuen Dämon«, äußerte sich Josés Banknachbar. »Marco, das nächste Mal meldest du dich bitte. Ja, ihr habt ja alle vom Schattenmädchen gehört«, sagte Frau Keller.

»Von diesem Dämon hören wir schon seit einem Jahr, aber haben noch keine Informationen über ihn. Wir wissen nur, dass er besonders stark, aber vor allem sehr brutal ist.« Frau Keller machte eine Pause und überlegte, was sie noch sagen wollte.

»Genau«, fiel ihr noch ein, »der Dämon war zuvor ein Mensch in eurem Alter. Es war ein Mädchen, das sich zum Schattenmädchen verwandelt hat.«

»Frau Keller?«, fragte Jessika. »Ja, bitte.« »Besteht eine Möglichkeit das Schattenmädchen aufzuhalten?« Frau Kellers Miene erstarrte, dann schüttelte sie den Kopf und antwortete mit leiserer Stimme: »Im Moment sind wir noch am Überlegen, wie wir den Dämon aufhalten. Die Schwachstelle muss erst noch herausgefunden werden, da dieser Dämon noch jung ist. Doch jedes Lebewesen hat seine Schwachstelle. Merkt es euch.«

»Wie können wir uns gegen das Schattenmädchen schützen?«, meldete sich Marco zu Wort. Frau Keller überlegte. Schließlich riet sie: »Am besten ist es, wenn ihr euch vom Schattenwald in Minur fern haltet, denn hier ist das Risiko am größten, getötet oder auf eine andere Art und Weise von den Dämonen angegriffen zu werden.«

»Können Sie uns mehr über das Schattenmädchen erzählen? Vielleicht, wieso sie sich verwandelt und ganz Minur zerstört hat?«, erkundigte sich Tiffany.

»Die Zeit wird dafür nicht mehr reichen. Herr Bonnett kann euch aber einiges erzählen.«

Kapitel 3

Herr Schreiber und Jim standen im Flur der Heilstation und unterhielten sich mit einer Heilentfesslerin. Jim hielt es für angebracht, sich vorab zu informieren, in welchem Zustand sich die Betroffenen genau befanden. Die Heilstation in Laiburg war mit achthundert Krankenzimmern die größte der Stadt.

Hier arbeiteten über sechshundert Heilentfessler, die ständig damit beschäftigt waren, die Patienten zu versorgen. Sie heilten sie mit verschiedenen Elixieren, aber auch mit Medikamenten, nahmen Flüche und operierten.

»Momentan ist die Familie Lind nicht ansprechbar«, sagte die Heil­entfesslerin, »sie reagieren auch nicht. Sie liegen nur mit offenen Augen ganz starr in ihren Betten. Wir hatten versucht, sie zumindest ein bis-schen zu heilen.« »Aber das hatte nicht geklappt«, sagte Herr Schreiber nachdenklich.

»Nein, wir haben sogar alle Heilentfessler der Heilstation zusammengerufen und unsere ganzen Kräfte eingesetzt!« »Von der ganzen Heilstation?!«, sagte Jim laut. »Und es zeigte dennoch keine Wirkung?!« Auch Herr Schreiber war entsetzt.

Es konnte doch nicht sein, dass über achthundert Heilentfessler eine einzelne Person nicht heilen konnten! Warum war der Dämon nur so stark?

»Wir waren danach sehr erschöpft! Es hätte auch tödlich ausgehen können! Wir müssen abwarten bis sich der Schockzauber legt. Zumindest wären sie wieder ansprechbar«, sagte sie.

»Gut«, sagte Philipp und gab der Heilentfesslerin seine Karte, »könnten Sie uns bitte Bescheid geben, sobald sie wieder ansprechbar sind?«

Sie nahm die Karte und lächelte. »Natürlich«, antwortete sie.

Im Park war es diesmal menschenleer. Jim stand durch einen Zauber auf der Wasseroberfläche des Sees. Das Wasser glitzerte in der Sonne. Der Himmel war leicht bewölkt.

»Am helllichten Tag ist es passiert«, sagte Herr Schreiber. »Ist sie so gefährlich?«, fragte Jim.

»Ja«, antwortete er, »sie ist sehr böse. Man erzählt sich, dass dieser Dämon einmal ein Mensch war. Sie hätte auch zugelassen, dass fünf Seelenschatten ihren Körper kontrollieren.« »Fünf Seelenschatten?!« Fassungslos starrte Jim seinen Chef an.

Er jedoch blieb ernst. »Aber es kontrolliert doch immer nur ein Seelenschatten den Körper.« »Das ist richtig«, sagte Herr Schreiber, »aber niemand weiß, warum ausgerechnet fünf Seelenschatten in den Körper des Mädchens gefahren sind. Jeder ist der Meinung, dass sie schon immer böse war. Sie wollte mit Sicherheit Macht, sonst hätte sie nicht zugelassen, dass so viele Seelenschatten sich in ihr einnisten.«

»Hat sie auch einen Namen?«, erkundigte sich Jim. Herr Schreiber biss sich auf die Unterlippe. »Ihr Name ist nicht bekannt.« »Doch wie kommt es dazu, dass die Dämonen sich mit ihr verbündeten? Sie hassen die Menschen ja wie die Pest!«

»Das ist eine gute Frage, Jim«, äußerte sich Herr Schreiber, »ich vermute, dass sie einen Weg gefunden hatte, die Dämonen für irgendeine Sache zu überzeugen. Um an mehr Macht zu erlangen, hatte sie wohl beschlossen, ihnen als Gegenleistung zur Seite zu stehen.«

Jim schwieg für einen Augenblick. Inzwischen verdeckten die Wolken die Sonne. Wie sollten sie nur gegen so einen mächtigen Dämon vorgehen?

Seit es das Schattenmädchen gab, kämpften die Kreaturen öfter gegen die Menschen. Jim grübelte. »Herr Schreiber, denken Sie, dass es sinnvoll ist, Ermittlungen wegen des Schattenmädchens zu betreiben?«, fragte er.

Der Tirisser verschränkte die Arme. »Daran habe ich ebenfalls gedacht, aber es ist viel zu gefährlich! Ich kann meine Kolleginnen und Kollegen solch einer Gefahr nicht aussetzen.« Da hatte Jims Chef auch wieder Recht. Alle Kollegen und auch er wussten, dass Herr Schreiber über Skype den Mord einer Kollegin in Minur gesehen hatte. Jedoch konnte Jim nicht herum sitzen und die ständigen, brutalen Angriffe akzeptieren! Der Dämon wurde immer stärker, je mehr Zeit verging, aber unüberlegt zu handeln brachte niemanden weiter! Schließlich wusste man über das Schattenmädchen kaum etwas. »Jim, wir besprechen das mit den Kollegen, wie wir vorgehen«, beschloss Herr Schreiber.

Kapitel 4

Herr Bonnett rollte mit einem Skateboard in die Klasse hinein und flog eine Runde durch den Raum. Die Klasse brach in schallendes Gelächter aus. Wären doch nur alle Lehrkräfte so cool drauf. Er trug einen Helm und Knie- und Ellbogenschützer.

Für einen älteren Mann – vor allem für einen Lehrer – war dies sehr ungewöhnlich. Er landete vor dem Pult und schaute sich zufrieden um. Die Schüler konnten nicht mehr aufhören zu lachen. So einen Auftritt hatten sie noch nie gesehen. Herr Bonnett nahm seinen Helm ab. Die Knie- und Ellbogenschützer lösten sich. Helm, Schützer und Skateboard schwebten zum Pult.

Herr Bonnett wartete noch ein paar Minuten bis sich die Klasse einigermaßen beruhigt hatte.

»Schön, dass euch mein Auftritt gefallen hat«, sagte er lächelnd. »Wir kennen uns noch nicht. Also, mein Name ist Marcel Bonnett.« Mit einer kurzen Handbewegung vor der Tafel wurden Buchstaben sichtbar. »Mit Frau Elvira Rösner werden Sie auch noch Ihren Spaß haben«, sagte er. »Also, ich soll Ihnen etwas über Geschichte beibringen.« »Ja, aber über die Entstehung des Schattenmädchens!«, riefen einige. Er setzte sich aufs Pult und schaute in die Runde. »Na, dann«, sagte er. »Dann kommt mal alle mit. Ihr dürft live dabei sein.«

Er stand wieder auf und verließ den Raum. Die Schüler folgten ihm. Sie liefen durch den langen Flur entlang und stiegen zwei Treppen hinunter. Danach bogen sie links ab, stiegen eine weitere Treppe hinunter, die zu einem unterirdischen Keller führte und blieben vor einem eisernen Tor stehen.

Herr Bonnett schien sich voll und ganz auf dieses Tor zu konzen­trieren. Seine Magie umhüllte ihn in weiß-blauem Licht. Dabei glühten seine Augen in strahlendem Weiß. Nach ungefähr zehn Sekunden hörten die Schülerinnen und Schüler ein ohrenbetäubendes Krachen. »Vermutlich besitzt dieses Tor mehrere Riegel«, dachte Sadako, bevor es sich quietschend öffnete.

Vor ihnen erstreckte sich ein finsterer Korridor. An den Seiten des Korridors befanden sich um die zehn Räume.

Also gab es insgesamt so um die zwanzig Räume, wo an jeder Tür eine Fackel mit smaragdgrünem Licht den Keller beleuchtete. Herr Bonnett ging voran und blieb an der vierten Tür an der rechten Seite stehen, öffnete sie und betrat den Raum. Als die Schüler ebenfalls den Raum betraten, schauten sie sich um. Der Raum war an den Wänden kahl und leer.

Die einzige Lichtquelle, die es gab, war ein bunter Flammenkranz, der über ihnen schwebte. Eisblaue, gelbe, weiße und smaragd-grüne Flammen erhellten den Raum.

»Hat man so etwas Schönes gesehen?«, fragte Sadako Jessika und deutete auf die bunten Flammen. »Ja, darauf muss man erst einmal kommen. An Weihnachten würde das super aussehen!«, stimmte sie ihr zu.

Auch die anderen starrten voller Bewunderung auf den schwebenden Kranz.

»Ist er nicht schön?«, fragte Herr Bonnett seine Schüler. »Das ist mal etwas anderes wie Fackeln. Doch kommen wir nun zum Unterricht.«

An der Wand gegenüber der Tür befand sich ein hölzernes, spitz zulaufendes Tor. Herr Bonnett stellte sich ein bisschen seitlich zum Tor hin.

»Das ist ein Rînando«, erklärte er. »Sobald wir ihn betreten, werden wir die Vergangenheit mit eigenen Augen erleben. Die Menschen und Kreaturen werden uns nicht bemerken; es wird so sein, als existieren wir nicht. Doch wir können uns frei bewegen, aber ihr bleibt da, wo ihr seid und rührt euch nicht von der Stelle. Sobald wir wissen, wie das Schattenmädchen entstanden ist, verdunkelt sich die Umgebung und wir alle befinden uns wieder in diesem Raum. Ich habe diesen Zauber ausgeführt, damit sich niemand von euch verläuft.«

Er umklammerte die Griffe des Rînandos. »Ich denke, dass ihr bereit seid.«

Sie stimmten ihm zu und er öffnete lächelnd die Tore. Strahlendes Licht kam zum Vorschein. Sadako konnte es kaum erwarten, in das helle Licht der Tore zu treten und endlich mehr zu erfahren. Vielleicht erfuhr sie, wie das Mädchen aussah und hieß.

Auf jeden Fall würde sie endlich die Gründe der Verwandlung kennenlernen. Sie näherte sich dem Rînando. Ihr Herz raste vor Aufregung. Gleich würde sie es betreten. Hier war jeder gespannt.

Vor ihr drängelten sich ihre Klassenkameraden.

Schließlich konnte auch sie endlich das Tor betreten und wurde von gleißendem, warmen Licht umhüllt.

Kapitel 5

Enttäuscht saß Sadako mit ihrer Klasse in ihrem Saal. Sie hatte so sehr gehofft, das Schattenmädchen aus der Nähe zu betrachten, aber der Lehrer hatte strikte Anweisungen gegeben.

Nun saßen sie da und mussten noch seine ganzen umfangreichen Erklärungen anhören.

»Die Verwandlung hat in Minur statt gefunden«, informierte sie Herr Bonnett. »Und das Mädchen ließ sie freiwillig zu!«, fügte Sadako hinzu.

»Was denkst du warum?« Interessiert wartete er auf ihre Antwort.

»Na, aus bösen Absichten, was sonst!« »Sadako, vielleicht wurde sie von den Seelenschatten gezwungen«, wandte sich Jessika ein. Doch Sadako blieb bei ihrem Entschluss. »Ist es überhaupt möglich, dass fünf Seelenschatten den Körper kontrollieren?«, fragte Jason.

»Es ist unmöglich«, antwortete Herr Bonnett, »aber dieses Mädchen muss außergewöhnlich sein.«

»Das heißt«, vermutete Marco, »sie ist schon immer böse gewesen. Es war doch schon immer so, dass Menschen, die zu viel Macht hatten, sie auch missbraucht haben!«

Die anderen stimmten ihm zu.

»Nicht so hastig! Man soll nie über Menschen so früh urteilen, die man nicht so gut kennt, aber vor allem so gut wie nichts über sie weiß!«, riet ihm der Lehrer. »Ich weiß, dass viele das einst gewesene Mädchen für böse halten, aber im Prinzip wissen sie über sie nichts.« »Aber warum ließ sie dann zu, dass sie sich zu etwas Bösem verwandelte?«, erkundigte sich José.

»Schauen Sie doch mal!«, rief Sadako. »Die Dämonen hassen uns wie Ungeziefer, also, warum sollten sie einen Menschen zu einem von sich machen?«

»Es mag sein, dass sie schon immer böse war. Was sie angerichtet hatte, ist Beweis genug. Doch ich bin der Meinung, dass mehr dahintersteckt«, schlussfolgerte Herr Bonnett.

»Und was sollte dahinterstecken?«, fragte Tiffany genervt.

»Ich weiß es nicht«, antwortete Herr Bonnett, »aber nehmen wir mal an, einer eurer Freunde würde sich merkwürdig verhalten, würdet ihr ihm auch gleich etwas unterstellen.«

Die Antwort hatte gesessen! Die Schülerin wusste darauf nichts zu erwidern und schwieg.

»Aber, Herr Bonnett«, meldete sich Steven, »das ist doch wieder was ganz anderes! Indem sie die fünf Seelenschatten in ihren Körper gelassen hatte, zeigt es doch, dass dieses Mädchen als Mensch richtig stark gewesen war. Sie hätte doch mit Sicherheit die Möglichkeit gehabt, sich zu wehren. In der Geschichte hatten die meisten, die Macht hatten, ihre Macht auch ausgenutzt. Nur die wenigsten waren in der Lage, alles anders zu machen.«

»Ich weiß, worauf du hinaus willst«, bemerkte der Lehrer, »du hast doch gesehen, wie der erste Seelenschatten lange mit ihr gesprochen hatte. Niemand weiß, über was sie sich unterhalten haben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Seelenschatten ihren geschwächten Zustand ausgenutzt hatten, nachdem sie in den Schattensee gefallen ist.«

Das klang logisch, was Herr Bonnett gesagt hatte. In der Klasse folgten keine weiteren Diskussionen mehr. Dann erschall die Klingel zur Pause.

Sadako saß mit Jessika, José, Jason und Marco auf einem Baum vor ihrer Schule.

»Glaubt ihr, dass Herr Bonnett mehr über den Dämon weiß? Ich hab da so ein komisches Gefühl«, erkundigte sich Jessika. »Bestimmt«, stimmte Sadako ihr zu, »so, wie er über sie geredet hat. Ich gebe zu, dass wir über etwas urteilen, das wir kaum kennen, aber es gibt für das, was das Mädchen zugelassen und getan hatte, keine bessere Erklärung.« »Es ist doch eindeutig«, sagte Jason, »wer fünf Seelenschatten in seinen Körper lässt, der hat die volle Absicht, durch und durch böse zu werden und Macht zu erlangen.«

»Genau«, stimmte Marco ihm zu, »wieso hätte sie dann Familie und Freunde in ihrem eigenen Zuhause ausgelöscht?« »Ob sie die gesamte Familie ausgelöscht hat?«, fragte Jessika.

Es folgte eine Schweigeminute.

Hatte das Schattenmädchen sich schon vor ihrer Verwandlung mit den Dämonen verbündet? Wenn ja, warum und wieso griff sie Menschen an? Sadako konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Mensch sich einfach Wesen anschloss, die die Menschheit ausrotten wollten.

Schließlich unterbrach Jason die Stille: »Mein Bruder ist bei der Tirith. Er wird so einiges über den Dämon herausfinden. Ich bin mir sicher, dass er bald weiß, wie man sie tötet.« »Warum töten?«, fragte José erstaunt.

»Das Schattenmädchen war doch mal ein Mensch! Ist es da nicht besser, sie zurück zu verwandeln und sie nach unseren Gesetzen zu bestrafen?«

»Ich glaube, das ist schwierig«, antworte Jason. »Erstens ist es schwer, an sie heranzukommen. Zweitens ist sie zu stark und bisher hat sie niemand wirklich zu Gesicht bekommen und drittens, selbst wenn sie sich wieder in einen Menschen zurück verwandelt, kann die Tirith sie nicht einfach so bestrafen! Sie würde erst einmal verhört werden und dann muss ihre Schuld nachgewiesen werden.«

Kapitel 6

Die Pause war zu Ende. Noch eine Stunde und sie durften anschließend gehen. Heute hatten sie mehr Freizeit, weil die Lehrer eine Konferenz wegen des Schattenmädchens vereinbarten.

Jetzt hatten sie Angriffslehre. Das Fach lehrte sie die richtigen Zauber gegen gewisse Dämonen anzuwenden, sich zu verteidigen und flexibel in einem zu Kampf werden.

Der Unterricht fand in einer besonderen Halle statt, die ein paar Meter von der Schule entfernt war. Hier wurden echte Dämonen für den Übungskampf aus ihren Käfigen gelassen.

Als sie die Halle betraten, trauten die Schüler ihren Augen nicht. An zwei Seiten befanden sich Basketballkörbe, aber es war nirgendwo ein Ball zu sehen. Sollten sie heute Basketball spielen?

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