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Inklusion und Bewusstseinsbildung: Die Notwendigkeit bewusstseinsbildender Maßnahmen zur Verwirklichung von Inklusion in Deutschland

Inklusion und Bewusstseinsbildung: Die Notwendigkeit bewusstseinsbildender Maßnahmen zur Verwirklichung von Inklusion in Deutschland

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Inklusion und Bewusstseinsbildung: Die Notwendigkeit bewusstseinsbildender Maßnahmen zur Verwirklichung von Inklusion in Deutschland

Länge:
312 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 8, 2014
ISBN:
9783898968607
Format:
Buch

Beschreibung

"Bilder bilden Bilder und damit Inklusion?" - Das ist die zentrale Frage der vorliegenden Arbeit. Ihr Anliegen besteht insbesondere darin, einer Perspektive Raum zu geben, die nicht nur Behinderung oder behinderte Menschen in den Blick nimmt, sondern die Gesellschaft, in der diese Menschen leben. Ganz konkret werden die vom achten Artikel der seit 2009 auch für Deutschland verbindlichen UN-Behindertenrechtskonvention geforderten Kampagnen in Bezug auf ihre bewusstseinsbildende Wirkung unter die Lupe genommen. Können Kampagnen dieser Art zur Bewusstseinsbildung und damit zur positiven Beeinflussung des Bildes von Menschen mit Behinderungen in Deutschland beitragen? Und noch wichtiger: Ist dies ein Schritt in Richtung Inklusion oder sogar eine Voraussetzung der Verwirklichung ebendieser? Diesen Fragen geht die Autorin u. a. mit einer detaillierten Analyse des Inklusionsbegriffs, einem kritischen Blick hinsichtlich der Eingrenzung einer Zielgruppe, einer umfassenden Betrachtung der Konvention und des fokussierten Artikels, einer Abgrenzung des Begriffs der Bewusstseinsbildung sowie einer Untersuchung von aktuellen kampagnenstrategischen Praxisbeispielen auf den Grund. Im Vordergrund stehen die Ausweitung der Inklusionsdebatte über einen bestimmten Personenkreis hinaus sowie ausgewählte Artikel der UN-Behindertenrechtskonvention und die Vorbedingungen einer tatsächlichen Realisierung von Inklusion in Deutschland.
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 8, 2014
ISBN:
9783898968607
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Inklusion und Bewusstseinsbildung - Eva Schattenmann

Eva Schattenmann

Inklusion und

Bewusstseinsbildung

Die Notwendigkeit

bewusstseinsbildender Maßnahmen zur Verwirklichung von Inklusion

in Deutschland

ATHENA

Schriften zur Pädagogik bei Geistiger Behinderung

Herausgegeben von Erhard Fischer

Band 4

Dieses Buch entstand in Kooperation mit der

Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V., die die fachliche Beratung

und das fachliche Lektorat übernahm.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation

in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten

sind im Internet über abrufbar.

E-Book-Ausgabe 2014

Copyright der Printausgabe © 2014 by ATHENA-Verlag,

Copyright der E-Book-Ausgabe © 2014 by ATHENA-Verlag,

Mellinghofer Straße 126, 46047 Oberhausen

www.athena-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten

Druck und Bindung: Medienhaus Plump GmbH, Rheinbreitbach

Gedruckt auf alterungsbeständigem Papier (säurefrei)

Printed in Germany

ISBN (Print) 978-3-89896-507-1

ISBN (ePUB) 978-3-89896-860-7

Vorwort

Wie aus dem Titel erkennbar wird, geht es in dieser Arbeit um die innerhalb wie auch außerhalb der (sonder-)pädagogischen Fachwelt viel diskutierte Leitidee der Inklusion, und hier vor allem um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. In § 8 verpflichten sich die Unterzeichnerstaaten auch »Bilder« in Form von Kampagnen einzusetzen, um das (Menschen-)Bild oder die Sicht auf Menschen mit Behinderungen und das gesellschaftliche Zusammenleben positiv zu beeinflussen und so zur Verwirklichung von Inklusion beizutragen.

Um zu ergründen, ob der hier nachgezeichnete Weg auch tauglich ist für eine Bewusstseinsbildung als Voraussetzung von Inklusion in Deutschland, wird zunächst aus unterschiedlichen Perspektiven geklärt, was Inklusion im Kern ausmacht, und von anderen Vorstellungen und Begriffen unterscheidet. Die Erarbeitung dient dabei als grundlegendes Fundament für weitere Betrachtungen und Zusammenhänge, auch für Suche und Beschreibung von möglichen »Stolpersteinen« und Hindernissen, z. B. im Kontext von Menschenbildern, Teilhabe und »Teilgabe«, Anerkennung und Achtung, Gemeinwesen, Selbstverzweckung der Behindertenhilfe und Barrierefreiheit.

Im Anschluss geht es in Kap. 3 um den Personenkreis bzw. die Zielgruppe, und es wird überzeugend herausgearbeitet, dass es hier keineswegs nur um Menschen, und erst recht nicht nur um Menschen mit Behinderungen geht, sondern auch und vor allem um soziale bzw. gesellschaftliche Exklusions- und Transformationsprozesse, mit erheblichen Folgen für das (verkürzte) traditionelle Aufgaben- und Selbstverständnis der Sonderpädagogik.

Hinsichtlich eines anvisierten Bewusstseinswandels respektive der postulierten Bewusstseinsbildung wird dann folgerichtig gefragt, ob und wie diese tatsächlich als Voraussetzung der Verwirklichung von Inklusion verstanden werden von außen angeregt werden können. Weiterhin wird das bewusstseinsbildende Potenzial von Kampagnen erkundet, mit kritischem Blick auf deren Qualität und Effektivität. Darauf aufbauend wird ein Fazit gezogen, ob bzw. inwieweit Bilder respektive kampagnenstrategische Maßnahmen ein effektives Mittel zur Bewusstseinsbildung darstellen und damit zur Verwirklichung von Inklusion in Deutschland beitragen können. Eine zentrale Erkenntnis hier lautet:

»Für ein endgültiges Fazit und die Antwort auf die Frage, ob Bilder Bilder und damit Inklusion bilden, kann jedoch nun festgehalten werden, dass Bilder – nämlich in Form von Kampagnen – tatsächlich Bilder – nämlich die in den Köpfen der Menschen d. h. Einstellungen – bilden und damit letztlich auch einen Beitrag zur Bildung von Inklusion leisten können, allerdings nur unter spezifischen und zum Teil auch äußerst komplexen Bedingungen.« (S. 199)

Was nun sind die wesentlichen Anliegen und Ergebnisse dieser Arbeit? Hier ist zum einen hervorzuheben, dass wesentliche Vorbedingungen bzw. Voraussetzungen für eine Umsetzung von Inklusion reflektiert und bestimmt werden, und dazu ist es gelungen den Begriff der Inklusion inhaltlich weitgehend exakt zu bestimmen und ihn somit »handhabbarer« zu machen. Dabei wird der Blick ausdrücklich nicht singulär auf das vermeintliche Klientel der Sonderpädagogik gerichtet, sondern »die Gesellschaft« als solche oder diejenigen, die die Inklusion, bewusst oder unbewusst, behindern, gerät in den Fokus.

»Soll die Umsetzung inklusiver Ideen als ernstzunehmendes Vorhaben wahrgenommen werden, ist die Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Bedingungen und den Vorschlägen zur Realisierung augenscheinlich unabdingbar.« (S. 20)

Des Weiteren wird das Ziel erreicht, die Debatte um die Behindertenrechtskonvention über den Artikel 24 der Bildung hinaus auszuweiten und so zu demonstrieren,

»dass Inklusion mehr als schulische Inklusion umfasst. Das erscheint insbesondere aus Sicht der außerschulischen Handlungsfelder der Erziehungswissenschaften als nachvollziehbar. Überhaupt werden nicht nur für die sonderpädagogische Disziplin aufschlussreiche Momente erwartet. Auch für allgemeinpädagogische Konzepte in Theorie und Praxis, für Soziologie, Psychologie, den Marketingbereich, aber auch rechtliche und politische Ansätze scheint das vorliegende Thema interessante Aspekte bereitstellen zu können.« (S. 20)

Fazit: Inklusion im Sinne der Behindertenkonvention ist nicht so einfach und schnell zu initiieren und zu realisieren, weder im (vor)schulischen Bereich und erst Recht nicht danach, wenn es um Arbeit, Wohnen, Freizeit oder Bildung geht. Und ohne ein inklusives Bewusstsein, ohne dass möglichst viele Menschen in unserer Gesellschaft bereit sind für eine soziales Lernen und Leben ohne Ausgrenzung wird dies nicht oder nur schwerlich gelingen. Und diese übersichtlich untergliederte, theoretisch fundierte Publikation von Frau Schattenmann leistet dazu einen wichtigen und wertvollen Beitrag, weil hier zentrale und unabdingbare Voraussetzungen und (systemische) Bedingungen analysiert und reflektiert werden.

Insofern kann das Buch allen an Inklusion interessierten Bürgern empfohlen werden.

Erhard Fischer

Für Carola

Vorwort und Danksagung

Die vorliegende Arbeit entstand aus dem Bedürfnis heraus, einer Perspektive Raum zu geben, der in der sonderpädagogischen Fachwelt erst seit relativ kurzer Zeit vermehrt Beachtung geschenkt wird. Nämlich einer Perspektive, die nicht nur Behinderung bzw. Menschen, die eine Behinderung haben, in den Blick nimmt, sondern insbesondere die Gesellschaft, in der diese Menschen leben. Eine Sichtweise also, die es schafft, gesellschaftliche Barrieren aufzuzeigen, die überwunden werden müssen, damit jeder Einzelne die Bereicherung eines Zusammenlebens in Vielfalt erkennt und anerkennt.

Nicht zuletzt gründet dieses Bedürfnis auf persönlichen Erfahrungen und Begegnungen, die mich den Wert und die Bereicherung tatsächlich gelebter Inklusion erahnen lassen. Allen, die dazu immer wieder beitragen, möchte ich herzlich danken.

Außerdem ergeht an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle, die mich bei der Erstellung dieser Arbeit auf verschiedenste Art und Weise unterstützt haben.

Mein besonderer Dank gilt diesbezüglich meinem Betreuer Prof. Dr. phil. habil. Erhard Fischer, der mir insbesondere bei der Konkretisierung des Themas – sogar über die Landesgrenzen hinweg – zur Seite stand und zudem jederzeit ein offenes Ohr für verschiedenste Fragen und Überlegungen hatte.

Des Weiteren danke ich Frau Dr. phil. Waltraud Harth-Peter für die Übernahme der Zweitkorrektur.

Außerdem richtet sich mein Dank an Frau Irmgard Badura, die Beauftragte für die Belange behinderter Menschen in Bayern und an Herrn Hubert Hüppe, den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, die es mir ermöglichten, sie im Rahmen der Inklusionstour in Bayern einen Tag lang zu begleiten und so viele eindrucksvolle Erfahrungen zu machen.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich weiterhin beim Büro des damaligen Behindertenbeauftragten der Bundesregierung und insbesondere bei Frau Lena Bringenberg bedanken, die zu meinen Anfragen ausführlich Stellung nahm.

Für die gute Kooperation und Bereitstellung verschiedenster Materialien danke ich des Weiteren Frau Lena Schmitz sowie Frau Sandra Vukovic von der Aktion Mensch.

Dankbar bin ich in erster Linie vor allem meinen Eltern, meiner Familie und meinen Freunden, die mich während der gesamten Studienzeit auf vielfältigste Weise unterstützt haben und ohne die die Fertigstellung dieser Arbeit nicht möglich gewesen wäre.

Im Hinblick auf die Veröffentlichung möchte ich mich insbesondere bei Rolf Duscha bedanken.

Zudem wäre ebendiese nicht ohne die tatkräftige Unterstützung meiner Eltern und meiner guten Freundin, Franziska Törk, möglich gewesen, die unzählige Stunden in Korrektur und seelischen Beistand investiert hat.

Von Herzen: Vielen Dank!

1Einleitung

»Die Leute müssen das einfach mal kapieren!« erklärt Peter M., ein kräftig gebauter, normalgroßer, schwarzhaariger Mann mittleren Alters, den wir wohl als geistig behindert bezeichnen würden[1], als ich mit ihm anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai des Jahres 2012 über das Thema Inklusion und die Teilhabe von behinderten Menschen in unserer Gesellschaft diskutiere. Die Leute müssen das einfach mal kapieren! Selbst wenn der Begriff der Inklusion in unserem Gespräch nie gefallen ist und Peter M. damit womöglich auch nicht allzu viel anfangen könnte, wird mir schnell klar, dass er mehr davon verstanden zu haben scheint, also so mancher Redner in langen Ausschweifungen über gesellschaftliche Umstrukturierungen, Eingliederungshilfen und den Umgang mit behinderten Menschen. Die Leute müssen das einfach mal kapieren! Sie müssen »kapieren«, dass behinderte Menschen ein Teil dieser Gesellschaft sind und deshalb nicht nur ein Recht auf Teilhabe haben, sondern auch ein Recht darauf, in ihren Fähigkeiten wahrgenommen und wertgeschätzt zu werden. Peter M. macht mir deutlich, dass Einsatz gefordert ist. Einsatz von allen. Jeder und jede kann und muss etwas geben, dass unsere Gesellschaft funktioniert und zwar in vielfältiger Hinsicht. Menschen mit Behinderung zeigen ebenso Einsatz und können zum Gelingen einer Gesellschaft beitragen. Ihr Einsatz ist nicht nur ein Recht, sondern ein Gewinn für die Gesellschaft. Das müssen die Leute einfach mal kapieren![2]

Nicht zuletzt ist genau eben beschriebenes Gespräch, das das Vorhaben, die vorliegende Arbeit zu verfassen, mehr als bestärkt hat, ein Beispiel für den Gewinn, den unsere Gesellschaft erzielen kann, wenn sie den Beitrag von allen Gesellschaftsmitgliedern wertzuschätzen weiß, wenn sie Vielfalt nicht nur akzeptiert und zulässt, sondern als Bereicherung ihrer selbst begreift.

Dass Vielfalt ein Gewinn ist und unabdingbar, um vorhandenes Potenzial auszuschöpfen, zeigt sich bespielsweise auch an den ursprünglich auf den ersten Seiten meiner Arbeit dargestellten Titel- bzw. Widmungsbildern, die 2002 im Kein & Aber Verlag erschienen sind.[3] Obgleich die Idee Ursus Wehrlis, »Kunst aufzuräumen« und die Bestandteile bedeutender Kunstwerke von ebenso bedeutenden Künstlern in eine Ordnung zu bringen, in ihrer Originalität nicht in Abrede gestellt werden soll, zeigt sich daran deutlich, dass die Bedeutung und der Wert dieser Werke gerade in deren »Unordnung« zu finden ist. Erst diese ursprüngliche Vielfalt macht die Bilder zu dem, was sie sind: zu bedeutenden Kunstwerken (vgl. hierzu Wehrli 2002).

Und so führen diese, im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit zum Teil wohl eher journalistisch-narrativ wirkenden, jedoch bewusst gewählten Worte der Einleitung zusammengenommen unmittelbar zur übergeordneten Fragestellung und zum ursprünglichen Titel dieser Arbeit[4]:

»Bilder bilden Bilder und damit Inklusion?«

Bewusstseinsbildung und positive Beeinflussung des Bildes von Menschen mit Behinderungen durch aktuelle Kampagnen nach Maßgabe des Art. 8 der UN-Behindertenrechtskonvention als Voraussetzung von Inklusion in Deutschland

Im Kern zentrieren sich nachfolgende Ausführungen demnach um das derzeit sowohl innerhalb als auch außerhalb der (sonder-)pädagogischen Fachwelt viel und kontrovers diskutierte Leitthema der Inklusion. Allein an der Quantität der veröffentlichten Publikationen hierzu offenbart sich eine gewisse Schlüsselstellung. Doch sind die mit der Inklusion verbundenen Inhalte überhaupt zu erreichen, wie sind diese exakt zu bestimmen und wie kann eine dahingehende Verwirklichung tatsächlich erzielt werden? Als Mitunterzeichner der UN-Behindertenrechtskonvention, die die Idee der Inklusion ebenfalls als ihr Schlüsselkonzept begreift, nahm Deutschland die Verpflichtung zur Realisierung dieser Inhalte an. Darin geben etliche Artikel den Weg einer schrittweisen Umsetzung und damit der Verwirklichung von Inklusion vor. So soll auch ihr achter, mit dem Titel der Bewusstseinsbildung überschriebener, Artikel gewissermaßen als Wegbereiter für inklusive Ideen dienen. Ganz konkret werden die Unterzeichnerstaaten hier verpflichtet, »Bilder« in Form von Kampagnen einzusetzen, um das (Menschen-)Bild bzw. das Bild oder die Sicht auf Menschen mit Behinderungen und das gesellschaftliche Zusammenleben positiv zu beeinflussen und so zur Verwirklichung von Inklusion beizutragen.

So nachvollziehbar diese Vorhaben zunächst auch anmuten, so viele Fragen ergeben sich in diesem Kontext, insbesondere auch aus (sonder-)pädagogischer Perspektive. Angefangen mit der Frage nach der exakten Bestimmung inklusiver Ideen bis hin zur Infragestellung von deren Erreichbarkeit mittels der vorgeschlagenen kampagnenstrategischen Konzepte ergibt sich ein weites Feld, das die vorliegende Arbeit als ihren Gegenstand begreift. So differenziert sich die Frage, ob Bilder Bilder und damit Inklusion bilden, in verschiedenste Teilaspekte:

Um also zu ergründen, ob der hier nachgezeichnete Weg tatsächlich einer ist, den es sich im Sinne inklusiver Ziele zu gehen lohnt, d. h. ob die Bewusstseinsbildung nach Maßgabe des achten Artikels der UN-Behindertenrechtskonvention als Voraussetzung von Inklusion in Deutschland zu sehen ist, wird folgerichtig zunächst zu klären sein, was das Konzept der Inklusion in seinem Innersten ausmacht und, warum es als Ziel gesellschaftlicher Veränderungsprozesse dienlich ist. Die Erarbeitung einer Arbeitsdefinition als Fundament für weitere Betrachtungen scheint diesbezüglich unabdingbar. Im Anschluss gilt es, sich dem fokussierten Personenkreis zuzuwenden und herauszustellen, wer mehrheitlich als Ziel des anvisierten Bewusstseinswandels gesehen werden kann. Hinsichtlich ebendieses Wandels respektive der postulierten Bewusstseinsbildung ist es sodann ebenfalls unabdingbar, zu fragen, wie diese zu bestimmen ist, ob sie tatsächlich als Voraussetzung der Verwirklichung von Inklusion verstanden werden kann und inwieweit eine solche überhaupt von außen anzuregen möglich erscheint. Zuvor darf auf eine detaillierte Betrachtung der Konvention selbst und des fokussierten achten Artikels nicht verzichtet werden. Schlussendlich ist das bewusstseinsbildende Potenzial von Kampagnen im Allgemeinen, sowie das der aktuell nach Maßgaben ebendieses achten Artikels durchgeführten Kampagnen zu erkunden. Letzteres wird sich insbesondere auf drei ausgewählte Beispiele beziehen, die einem kritischen Blick hinsichtlich ihrer Qualität und Effektivität standhalten werden müssen. Erst dann kann ein endgültiges Fazit dahingehend erfolgen, ob bzw. inwieweit Bilder respektive kampagnenstrategische Maßnahmen ein effektives Mittel zur Bewusstseinsbildung darstellen und damit in der Tat zur Verwirklichung von Inklusion in Deutschland beitragen können.

Die eben vollzogene Heranführung an die zentralen Fragestellungen dieser Arbeit offenbart sogleich Bedeutung und Anliegen ebendieser: An erster Stelle steht das Ziel, den Begriff der Inklusion inhaltlich zu bestimmen und ihn somit handhabbarer zu machen. Dadurch wird ein Beitrag zu seiner Verbreitung und Verwirklichung angestrebt. In diesem Sinne gilt es, den Blick ausdrücklich nicht singulär auf das vermeintliche Klientel der Sonderpädagogik auszurichten, sondern »die Gesellschaft« als solche oder diejenigen, die die Inklusion, bewusst oder unbewusst, behindern, zu fokussieren. Soll die Umsetzung inklusiver Ideen als ernstzunehmendes Vorhaben wahrgenommen werden, ist die Auseinandersetzung mit den damit verbundenen Bedingungen und den Vorschlägen zur Realisierung augenscheinlich unabdingbar.

Des Weiteren verbindet sich mit dieser Arbeit der Anspruch, die Debatte um die Behindertenrechtskonvention über den Artikel 24 der Bildung hinaus auszuweiten und so zu demonstrieren, dass Inklusion mehr als schulische Inklusion umfasst. Das erscheint insbesondere aus Sicht der außerschulischen Handlungsfelder der Erziehungswissenschaften nachvollziehbar. Überhaupt werden nicht nur für die sonderpädagogische Disziplin aufschlussreiche Momente erwartet. Für allgemeinpädagogische Konzepte in Theorie und Praxis, für Soziologie, Psychologie, den Marketingbereich, aber auch rechtliche und politische Ansätze scheint das vorliegende Thema interessante Aspekte bereitstellen zu können. Die zweifelsohne komplexe Themenstellung und das damit einhergehende breite Theoriefundament offenbart somit den inter- bzw. transdisziplinären Anspruch der Ausführungen, verweist jedoch zugleich auf die Notwendigkeit einer reduktionistischen Vorgehensweise an einigen Stellen. Ein Ausgleich gelingt hier durch zahlreiche Hinweise auf weiterführende Literatur (vgl. hierzu Fries 2005, 21f.).

Zu guter Letzt bleibt einleitend noch auf einige Formalien einzugehen: Auf sämtliche Begriffsdefinitionen wurde vorab verzichtet. Fachtermini werden im Sinne der Übersichtlichkeit jeweils »an Ort und Stelle« geklärt. Der besseren Übersicht soll auch die möglicherweise zunächst grob wirkende Einteilung in fünf Großthemenbereiche dienen, die im Hinblick auf die Komplexität der Themenstellung jedoch sinnvoll erscheint und sich im Verlauf stark ausdifferenzieren wird. Außerdem sind alle Personenbezeichnungen auf beide Geschlechter zu beziehen; auf den parallelen Gebrauch maskuliner und femininer Formen wird ebenfalls aus Gründen der besseren Lesbarkeit verzichtet (vgl. hierzu Dörpinghaus/Uphoff 2011, 8). Des Weiteren soll in Bezug auf »Menschen, die wir als behindert bezeichnen« (vgl. Feuser 1996, 18) gerade im Wissen um die dahingehende kontroverse Diskussion keine Bezeichnung als favorisierter herausgestellt werden und singulär Verwendung finden. Obwohl die Bezeichnung »Menschen mit Behinderung« durch die Voranstellung des »Mensch-Seins« überzeugt, suggeriert sie doch deutlich die Kategorisierung in Menschen »mit« und »ohne« Behinderung. Eine einvernehmliche Lösung ist derzeit nicht abzusehen und so sollen in der sonderpädagogischen Disziplin übliche Bezeichnungen bis auf Weiteres parallel Verwendung finden.

[1] 1 Vgl. hierzu Feuser 1996, 18

[2] Grundlage: persönliches Gespräch mit Peter M. am 5. Mai 2012 (München)

[3] Reproduktion hier aus rechtlichen Gründen leider nicht möglich.

[4] Vorliegende Publikation basiert auf der Diplomarbeit aus dem Jahr 2012; die Daten und die Funktionen genannter Personen spiegeln den Stand des Entstehungsjahres wider.

2Fundament: Inklusion

»Es gibt wahrscheinlich keinen Weg in Richtung Inklusion,

der nicht auch die Gefahr von Irrwegen birgt.«

(Haeberlin 2009, 130)

»Der Begriff Inklusion verbreitete sich in der Öffentlichkeit wie ein Lauffeuer.« (Wocken 2011a, 2) Unschwer zu erkennen ist das, was Wocken hier über den »Siegeszug des Inklusionsbegriffs« (ebd.) feststellt, an zahlreichen politischen Reden und öffentlichen Stellungnahmen. Kaum ein Beitrag eines Politikers im Zusammenhang mit marginalisierten Randgruppen der Gesellschaft, kaum eine Stellungnahme seitens der Wohlfahrtsverbände, kaum eine Diskussion, ein Transparent von Aktivisten, das den Begriff der Inklusion nicht »in den Mund« nimmt. Inklusion ist angekommen, ja geradezu ein Modewort geworden (vgl. auch Wocken 2011 b, 45ff.).

So positiv das im ersten Moment klingen mag, so bitter ist der Beigeschmack, der sich damit verbindet und auf den in neueren Publikationen und Stellungnahmen, insbesondere der sonderpädagogischen Fachwelt, unmissverständlich hingewiesen wird.

»Niemals zuvor in der Geschichte der Hilfen für Menschen mit Behinderung in Deutschland haben Politiker und Vertreter von Kostenträgern positiv besetzte Leitbegriffe wie Selbstbestimmung, Integration, Teilhabe oder Inklusion so selbstverständlich in Wort und Schrift benutzt wie heute […].« (Frühauf 2008, 13; Hervorh. ES)

Inklusion als Modewort bedeutet also auch die Gefahr, ein Modewort im Sinne eines »vergänglichen Mode-Thema[s]« (Wocken 2011b, 45) zu werden. Ein »inflationärer Allerweltsbegriff […] mit unscharfen Konturen und mehrdeutigem Inhalt« (Wocken 2011a, 2). Jeder fühlt sich im Stande, den so innovativ klingenden Begriff zu gebrauchen ohne ihn jedoch mit Inhalt zu füllen, sich wirklich damit auseinanderzusetzen und deutlich zu machen, was damit gemeint ist.

Und nicht nur dieser inflationäre Ge- bzw. Missbrauch des Begriffs gibt Anlass zur Sorge im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen. Dass aktuell getroffene Entscheidungen, Sparmaßnahmen und gesetzliche Regelungen genau im Widerspruch zur Verwirklichung einer ernst gemeinten Inklusion stehen, verstärkt den Verdacht, dass Inklusion zwar »in aller Munde«, jedoch nicht »in allen Köpfen« angekommen ist. Hierzu schreibt Frühauf 2008 weiter:

»[…] und niemals zuvor gleichzeitig die Standards und die Ressourcen in der Behindertenhilfe so drastisch begrenzt und in Frage gestellt, wie ebenfalls heute.« (Frühauf 2008, 13)

Und auch Wittig-Koppe/Bremer/Hansen (2010) können ihr Vorwort nicht ohne Skepsis mit den Worten »Inklusion kommt!« (Wittig-Koppe/Bremer/Hansen

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