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Gewalt im Namen Gottes: Ursachen und Hintergründe im biblischen Monotheismus

Gewalt im Namen Gottes: Ursachen und Hintergründe im biblischen Monotheismus

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Gewalt im Namen Gottes: Ursachen und Hintergründe im biblischen Monotheismus

Länge:
682 Seiten
10 Stunden
Freigegeben:
Jan 18, 2016
ISBN:
9783828863378
Format:
Buch

Beschreibung

Weltweites Entsetzen ruft die Zerstörung von Kulturgütern durch den "Islamischen Staat" einhellig hervor. Warum nur muss der fundamentalistische Islam so intolerant und barbarisch sein? Doch man vergisst dabei leicht, dass auch die Durchsetzung des Christentums einst mit der Vernichtung der antiken Kultur einherging. Christa Mulack spürt der religiösen Gewalt im Namen des Einen Gottes der Bibel nach, an der das alte Israel einst zerbrach und an der die Menschheit bis heute leidet. Sie beschreibt, wie die Israeliten im babylonischen Exil von einer fanatisierten Priesterschaft in den monotheistischen Glauben mit Hilfe von Drohungen und Schuldzuweisungen hineingezwungen wurden. Und die Verheißungen, mit denen sie gelockt wurden, haben sich bis heute nicht erfüllt.Mit dem Siegeszug des Monotheismus und seiner Heiligen Schrift wurde Gewalt zu einem festen Bestandteil der Religion. Zugleich wurde auch das Göttlich-Weibliche verdrängt, die bis dahin auch in Israel beheimateten und hoch verehrten Göttinnen Aschera und Astarte. Die Abwertung des Weiblichen hält bis heute an. Statt diesen Ur-Grund unserer Kultur permanent zu verdrängen, sollten wir ihn in unser kulturelles Gedächtnis ebenso wie in unser Bewusstsein integrieren. Nur so kann der Religion der Zahn der Barbarei gezogen werden.
Freigegeben:
Jan 18, 2016
ISBN:
9783828863378
Format:
Buch

Über den Autor


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Gewalt im Namen Gottes - Christa Mulack

Erde.

TEIL I:

GRUNDLAGEN UND WESEN DES BIBLISCHEN MONOTHEISMUS

„Du wirst alle Völker vertilgen, die der HERR,

dein Gott, dir geben wird."

„Dazu wird der HERR, dein Gott, Angst und

Schrecken unter sie senden, bis umgebracht

sein wird, was übrig ist und sich verbirgt vor

dir. Lass dir nicht grauen vor ihnen; denn der

HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, der

große und schreckliche Gott."

Dtn 7,16 und 20f.

Vorbemerkungen

Religionsgeschichtlich müsste der Einbruch des monotheistischen Glaubens in die polytheistische Welt der Antike ein Kulturschock gewesen sein. Brach er doch mit allem, was den Menschen bis dahin heilig war, und leugnete ihr Weltbild, das ihnen Orientierung geboten hatte.

Zwischen dem Ende des -6. und dem Beginn des -3. Jahrhunderts stießen zwei einander ausschließende religiöse Positionen aufeinander: Im antiken Griechenland galt die Verehrung nur einer Gottheit als schlimmste Sünde – als Hybris. Mit der exklusiven Festlegung auf nur eine Gottheit konnte man das ganze Land ins Glück stürzen. Verweigerte man die Verehrung der anderer Gottheiten würde man ihren Zorn auf sich ziehen und sie würden solche Nicht-Beachtung möglicherweise rächen.

Um dies zu verhindern, stand ein Altar bereit, an dem für die „unbekannte Gottheit" geopfert wurde, so dass niemand sich übergangen fühlen musste. – Eine Vorstellung, die nicht der religiösen Logik entbehrte.

Völlig anders argumentierten die Repräsentanten des biblischen Monotheismus, der im -6. Jahrhundert in Judäa Fuß fassen konnte und schon bald über die Grenzen des Landes hinaus bekannt wurde. Für die Vertreter dieser neuen Religion, die sich als Anti-Religion gerierte, galt es als Sakrileg, andere Gottheiten außer Jahwe zu verehren – wenn man auch am Beginn noch nicht deren Existenz leugnete.

Die Verfasser der Zehn Gebote beschrieben den biblischen Jahwe als einen eifersüchtigen Gott, der keine anderen Gottheiten neben sich duldete und von „seinem Volk" allein verehrt werden wollte. Verstöße gegen seinen Exklusivitätsanspruch ahndete er mit Katastrophen im Volk oder bei Einzelnen und deren Familien. Dies war eine Brüskierung der gesamten Götterwelt der damaligen Zeit, die zur primären Ursache des späteren Antisemitismus wurde.

Hiermit betrat ein der Welt fremdes Gottes- und Menschenverständnis die Weltenbühne, dessen Pietätlosigkeit bei anderen Völkern – insbesondere den griechischen – ein Grauen hervorrufen musste. Schließlich leugnete es eine ganze Welt, für deren Existenz die Gottheiten schließlich standen: Von der Göttin Aurora, der Morgenröte, die sich kurz vor Sonnenaufgang den Menschen zeigte, bis hin zu Gaia, der Mutter Erde, von der sich die Menschen getragen und versorgt fühlten. Von Zeus, der seine Blitze sichtbar vom Himmel auf die Erde schleuderte, bis hin zu Tauros, den Himmelsstier, der den Menschen im entsprechenden Sternbild wie auch im irdischen Stier als Symbol männlicher Potenz gegenübertrat.

All diese Gottheiten verdankten ihre Existenz dem lebendigen Kontakt der Menschen mit der Welt und dem Kosmos – beide wurden aufmerksam beobachtet. Doch auch ihre Erfahrung und Anschauung, ihre Dankbarkeit und Verehrung dessen, was existierte, ließen sich nicht einfach leugnen. Sie waren Jahrhunderte lang die Grundlage damaliger Weltanschauung und seelischer Befindlichkeit, die die Menschen geformt hatte.

Die Inhalte dieses Weltbildes waren in alle andere Religionen übertragbar, auch wenn sie andere Namen für die gleichen oder auch ähnliche Gottheiten verwendeten. Dieser Übertragbarkeit aber setzte der Monotheismus ein Ende mit der Behauptung, es gebe nur einen Gott und nur er sei zu verehren. Ein Schlag ins Gesicht für jede andere Religion. Hinzu kam, dass deren Gottheiten vielfach lächerlich gemacht oder sogar diffamiert wurden. Und damit begannen die Schwierigkeiten.

Sie zeigten sich in aller Deutlichkeit, nachdem die hebräische Bibel im 3. vorchristlichen Jahrhundert ins Griechische übersetzt und damit auch anderen Kulturen zugänglich gemacht wurde. Ein lebendiger religiöser Austausch wie zum Beispiel zwischen Römern und Griechen war mit einem solchen exklusiven Gottesbild nicht möglich. Immerhin wurden in Jahrhunderttausenden gewachsene Vorstellungen mit dem biblischen Monotheismus einfach vom Tisch gewischt, wenn auch das Eine oder Andere wie selbstverständlich mit übernommen wurde. Doch was trat an die Stelle der lebendigen Vielfalt?

Ein Religionssystem, das die Wirklichkeit auf nur einen Gott reduzierte und die Verehrung anderer Gottheiten, die für alle Menschen eine Selbstverständlichkeit waren, bei Todesstrafe untersagte.

Hinzu kam das kaum zu verstehende Bilderverbot, das die Darstellung von Gottheiten bzw. des einen Gottes ebenfalls unter die Todesstrafe stellte. Für die Menschen aber waren solche Darstellungen unverzichtbar für öffentliche Kultfeiern ebenso wie für die ganz private Verehrung.

Dies alles galt auch für das „Volk Israel, das sich in seinen religiösen Anschauungen in keiner Weise von den anderen Völkern unterschied – zum Leidwesen der monotheistischen Verfasser der Bibel. Sie meinten zu wissen, was für das Volk gut war, und reduzierten eine Welt von Bildern und Symbolen auf das Wort – genauer gesagt: auf das männliche Wort, das Gehorsam forderte und das genuine Welt-Erleben auszuschalten oder auch „nur abzuwerten suchte.

Kein Wunder, dass es Jahrhunderte dauerte und besonderer Umstände bedurfte, um diesen Glauben – später genannt Monotheismus – zunächst im judäischen Volk zu verankern. Steht er doch für einen radikalen kulturellen Verlust, den ich hier veranschaulichen möchte im Rahmen jener Ereignisse, von denen die Bibel aus dem -7. und -6. Jahrhundert berichtet. Damals verlangte man von den Menschen, sich von der eigenen Tradition nicht nur zu verabschieden, sondern sie auch noch als „falsch, ja sogar als Inbegriff des „Bösen zu betrachten.

Wir können diesen Aspekt der „Entstehung des Monotheismus" nur aus den Texten heraus (und nicht etwa hinein) lesen, da er nicht ausdrücklich überliefert wird. Doch wie sich zeigt, ist das Volk immer im Unrecht und die Verfasser der Bibel sitzen auf dem hohen Ross.

Dennoch lassen ihre Texte eindeutig erkennen, dass das „sündige Volk auf keinen Fall „freiwillig oder gar begeistert in den Bund mit Jahwe eintrat und das neue Denk- und Regelsystem übernahm.

Wo dieser Anschein später dennoch erweckt wurde, müssen äußerst widrige Umstände angenommen werden, die von einem Bedrohungs- und Belohnungssystem seitens der Propheten und Verfasser begleitet wurden und die Menschen förmlich in diesen Glauben trieben.

Die Dimensionen des kulturellen Verlustes möchte ich an Beispielen aus Ägypten illustrieren, jenem Land, das in vielerlei Hinsicht eine Vorbildfunktion für das jüdische Religionssystem hatte, auch wenn viele Verfasser es vielfach zum Feind erklärten.

Von nicht geringer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang, dass es in Ägypten unter dem Pharao Echnaton im 14. vorchristlichen Jahrhundert zum ersten Versuch einer zwangsweisen Einführung des Monotheismus kam, der nach Echnatons Tod aber schon bald wieder rückgängig gemacht wurde. Am Ende siegten die anderen Gottheiten mit ihrer jeweiligen Priesterschaft. Auch später kam es nur selten zu einer freiwilligen Übernahme des Monotheismus, die meistens erzwungen wurde.

Nicht von ungefähr vermitteln viele biblische Texte Spuren der Gewalt gegen das eigene Volk, wenn es dem neuen Glauben seine Zustimmung verweigerte.

Im Zeichen der Göttin – Monotheismus als Kulturbruch und Bedeutungsverlust

Das Scheitern des Monotheismus-Projekts war in Ägypten insbesondere auf eine Göttin zurückzuführen, deren Stellung im Diesseits und Jenseits von außerordentlicher Bedeutung war, so dass selbst Echnaton am Ende seines Lebens nicht auf sie hätte verzichten dürfen. Es dennoch getan zu haben, brachte seinen Glauben sehr rasch zu Fall und ließ ihn auch im Volk nicht die geringste Akzeptanz finden. Der Glaube an Aton – jene Sonnengottheit, die Echnaton und Nofretete gemeinsam repräsentierten – war eine reine Tages- und Diesseits-Religion, die keine Antwort geben konnte auf die Frage nach dem Tod und dem Leben danach, das in Ägypten große Bedeutung hatte.

Doch jene Göttin, die in beiden Bereichen beheimatet war, lässt uns noch erahnen, was das Weiblich-Göttliche den Menschen einst bedeutet haben muss.

Auf sie verweist der wohl zentralste Begriff der altägyptischen Kultur, der ihr den Namen gab: Ma'at (m3't). – Ein Wort, das unsere Vorstellungen von Wahrheit, Gerechtigkeit und Weltordnung beinhaltet und Jahrtausende hindurch symbolisiert wurde durch diese Göttin mit der Straußenfeder auf dem Haupt: Ein Symbol der filigranen Ordnung im Himmel und auf Erden, für deren Einhaltung im prä-dynastischen Ägypten die Mütter sorgten. Später war es dann der Pharao, der in ihrem Namen dafür Sorge zu tragen hatte. War doch diese Einhaltung der irdischen und himmlischen Ordnung eine Grundvoraussetzung für die Befreiung der Menschen, von der in den ältesten Schriften immer wieder die Rede ist. – Doch wovon sollten oder wollten sie befreit werden?

Als Symbolisierung der kosmischen und sozialen Ordnung konnte jene nur einer vorpatriarchalen Epoche entstammen, in der der Wunsch nach Befreiung noch nicht auf Zwangsherrschaft und Unterdrückung gerichtet war. Einen Hinweis dazu liefert ihr Symbol, die Feder an ihrer Stirn, die wie ihr Name die Leichtigkeit der Luft bedeutete, die den Menschen das freie Atmen ermöglicht. Dementsprechend war „Atemnot im Ägyptischen die zentrale Metapher für Not und Bedrängnis" (Assmann, 1990, 17- Hervorhebung C. M.).

Sie war wiederum auch eine Metapher für die Furcht der Menschen der Frühzeit vor Orientierungslosigkeit, der Angst „vor einer Welt ohne Sinn und Richtung, die keine Berechnung und kein Vertrauen ermöglicht (ebd., 15). – Und genau davon vermochte Ma'at sie zu befreien.

Sie stand für das Richtige, das der Welt ihre Richtung gab, für eine Ordnung, derer sich der Mensch immer wieder vergewissern wollte. Daher war es ihm wichtig, sich an Ma’at als der kosmischen und sozialen Ordnung im Rahmen der kultischen Feiern rück-zubinden (re-ligio). Und genau darin lag das ursprüngliche Wesen der Religionen der Göttin. Das Weibliche als Verbindung zur und als Anker in der Welt, der Geborgenheit und Sicherheit verlieh.

Jahrtausende hindurch war es daher Pharaos Pflicht, die soziale Ordnung im Lande zu garantieren und sich allabendlich dafür zu verbürgen mit den Worten: „Heute habe ich Ma'at verwirklicht."

Nach seinem Tod musste er sich vor ihr rechtfertigen. Sein Herz wurde mit Hilfe ihrer Feder gewogen. Es musste frei sein von belastender Schuld: leicht wie eine Feder, die Ma'at in die zweite Waagschale legte.

Mit diesem Konzept der Ma'at wird deutlich, dass „eine vergleichsweise sehr frühe Kultur auf höchster Abstraktionsstufe einen Begriff geprägt (hat), der menschliches Handeln und kosmische Ordnung miteinander verknüpft und damit Recht, Moral, Staat, Kult und religiöses Weltbild auf eine gemeinsame Grundlage stellt (ebd.). – Darin bestand jedoch das Wesen der sogenannten „vor-geschichtlichen Religionen der Göttin.

Ein solches Abstraktionsvermögen ist nicht gerade ein Indiz für deren „Primitivität, wie sie der „heidnischen Göttin-Religion gerne nachgesagt wird, und zwar aus der Perspektive eines Glaubens, der der Welt einzureden suchte, es gäbe nur einen Gott – und das sei der Gott der Bibel.

In Ägypten – wie überall auf der Welt – zeigt sich aber, welche Kultur schaffende Kraft in der Göttin lag. Und so entsteht die Frage, ob der Mensch sich überhaupt zu einem Kulturwesen entwickelt hätte ohne einen Jahrzigtausende währenden nachhaltigen Einfluss der Göttin, den symbolischen Ausdruck der Mutterschaft und Mütterlichkeit.

Daraus folgt dann aber auch, welcher enormen Anstrengungen es bedurfte, um dieses Weltbild den Seelen der Menschen zu entreißen zu Gunsten des Einen Gottes! – Mit Maat stand und fiel das jeweilige komplette Ordnungssystem, denn sie war „Himmel und Erde".

Am Ende des Buches werde ich noch einmal auf diese Zusammenhänge verweisen – auch im Sinne einer äußerst tiefsinnigen Lebensphilosophie der frühgeschichtlichen Epoche.

Selbst im jüdischen Glauben begegnen wir den Überresten der Göttin in der Vorstellung von einer „Ruah", die am Beginn des biblischen Schöpfungsberichts wie eine Taube über den Urwassern schwebt – über jenen tehom, die auf den Namen der altbabylonischen Göttin Tiamat verweisen.

Im antiken Raum wurde dann die hebräische Ruah mit der Sophia (der göttlichen Weisheit) identifiziert – und nach ihrer Geschlechtsumwandlung auch mit dem christlich-männlichen „Heiligen Geist". Ganz ähnlich wie bei Ma'at begegnen wir auch in der Ruah der Vorstellung von Atem oder Lebenshauch.

Diese Beispiele mögen genügen, um zu verdeutlichen, was es für die Menschen von Judäa bedeutet haben muss, wenn ihnen ihr Jahrhunderte altes religiöses Weltbild genommen, sozusagen „ausgetrieben wurde durch eine fanatische Gruppe von Jahwe-Eiferern, die die Symbolisierungen des Weiblichen als „Götzen und „sündhaft" verunglimpften und den Menschen sogar verbieten wollten.

Ein solcher Religionswechsel bedeutete für sie den Verlust der ganzen Komplexität ihrer Vorstellungswelt – ihre Beheimatung „im Himmel und auf Erden", ebenso wie in ihrer Kultur, in der für sie lebensnotwendige Orientierungsmuster entstanden waren, die ihnen geistige und seelische Geborgenheit im Großen Weiblichen vermittelten. – Eine sinnvolle Transzendierung der eigenen Mutter und weiblichen Verwandtschaft, die Kindern immer zur Verfügung standen.

All dies aufzugeben, es zu verlassen – sozusagen abtrünnig zu werden –, verlangte der monotheistische Glaube. Vorstellungen von Wahrheit, Gerechtigkeit und Weltordnung verkamen dabei zu bloßen Lippenbekenntnissen, war doch der männliche Gott gar nicht am Aufbau ihrer Kultur beteiligt gewesen und verweigerte jedweden Zugang zu ihr. – Ein absurdes System, das sich in reinem Machtgehabe erging.

Mag auch der Polytheismus zur Zeit der Abfassung der Bibel nur mehr längst patriarchalisierte Restbestände der alten Göttin-Religion enthalten haben, mit ihrer Zerstörung den auch noch die letzten Instanzen einer weiblichen Welt- und Sozialordnung vernichtet.

Der biblische Paradiesmythos verweist noch auf die Umwandlung einer weiblichen Trinität von Mensch–Pflanze–Tier, dargestellt als Eva–Baum–Schlange, deren Führung sich der Mann einst anvertraute: Ohne Wenn und Aber nahm er die Frucht, die Eva ihm darreichte, und erwarb so die Fähigkeit der Unterscheidung zwischen sinnlosem und sinnvollem Handeln (hebr.: ra und tov). – Ein Ritual, das monotheistische Verfasser dann jedoch missbrauchten, um es in einen Akt der Schuld zu verwandeln. Der wiederum wurde zum Anlass genommen, die Frau mit Hilfe zuvor unbekannten Machtsystems unter männliche Herrschaft zu stellen (vgl. Gen 3,16).

An die Stelle der emanzipatorischen Fähigkeit des Unterscheidens setzten die Verfasser ein sinnentleertes System von Vorschriften, die nur noch eines forderten: den Gehorsam.

Von ihren schöpferischen Fähigkeiten als kosmische und irdische Große Gebärerin verblieben der Frau lediglich die Schmerzen sowie menstruelle „Unreinheit", die sie männlichen Reinheitsvorschriften unterwarf. Die Frau wurde dem Mann und seinem Gesetz untertan (Gen 3,16).

Aus der einstigen geistigen Führerin des Mannes, die sie am Beginn der Erzählung noch war, wurde sie zur Verführerin, die es nunmehr in Schach zu halten galt.

Zur Verhinderung einer Rückkehr in dieses einstige Paradies bewacht der „Engel mit dem Flammenschwert – dem „Zornesfeuer Jahwes (vgl. Kap. 5) – den Garten Eden, um Adam am Zugang zu jener paradiesischen Welt des Weiblichen zu hindern. Offenbar musste er nunmehr erst durch die Hölle gehen, bevor er sich aufmachen würde, dorthin zurückzukehren.

Mit der religiös-kulturellen Vereinseitigung durch Beseitigung des weiblichen Pols wuchs zwar die Macht des Mannes, mit ihr aber auch jene Orientierungslosigkeit, jenes sinnentleerte Chaos, das ein Leben jenseits der alten Ordnungen bedeutet haben muss. Es wurden neue Regeln und Gebote geschaffen, die dem Leben der Menschen nur wenig dienlich waren, wie orthodoxe Aussteiger aus dem jüdischen Glauben immer wieder zu berichten wissen.

In Ägypten war Ma'at die Sinn stiftende Instanz, die kein männlicher Gott je zu ersetzen vermochte

Dies gewagt zu haben, war das „Verdienst" des Monotheismus, sein zentrales Anliegen sozusagen, widmeten sich dessen Architekten doch in besonderer Weise dieser Aufgabe (s. Kapitel 4 und 6) mit der Schaffung neuer Gesetze, die in mindestens vieren der fünf Bücher Mose thematisiert werden.

An die Stelle der Göttin als Symbolisierung der Welt und des Lebens tritt mit dem monotheistischen Weltbild der neue Gott, der fortan einseitig männlich-patriarchales Denken „vergöttlicht" – das heißt: zum neuen Götzen erhebt.

Mit dem monotheistischen Bilderverbot in den Untergrund verdrängt, verkommt das Große Weibliche, dem wir in der Bibel insbesondere unter dem Namen „Aschera" begegnen, zum Anti-Göttlichen, ja, sogar zum Dämonischen, das nun nicht mehr die Großartigkeit der Weltordnung symbolisiert, sondern die Verderbtheit und den Frevel, der mit Vorliebe weiblich symbolisiert wird.

Selbstverständlich äußert sich darin die wachsende Angst des Mannes vor Chaos und Sinnlosigkeit, die in der Tat mit dem Auftreten des Monotheismus in einer bereits patriarchalisierten Welt neue Nahrung fand und fortan besonders im Weiblichem bekämpft wurde – egal ob mit Hilfe besonderer Verbote für Frauen, später mit dem Scheiterhaufen, der bereits in der Bibel Priestertöchtern angedroht wird, noch später dann mit Hilfe von Irrenhäusern im 18. und 19. Jahrhundert.

Viele der biblischen Bücher beschreiben den Kampf gegen weibliche Vielfalt und Ordnungssysteme und verkündigen ihr Gegenmodell: Es gibt nur einen (männlichen) Gott – und ihm gebührt absoluter Gehorsam. Später findet es seinen unüberhörbaren Widerhall im Islam, der auffallende Parallelen an Frauenfeindlichkeit und Unterdrückungslust aufweist.

In der Verbannung des Weiblichen aus der transzendenten Welt zeigt sich aber auch, wie sehr die Konstrukteure jener Religion um die Macht des Weiblichen wussten, an deren Symbolisierung sie solchen Anstoß nehmen.

Was blieb, war die Eifersucht Jahwes mit ihrem Pendant der Untreue des Volkes – gefangen in einer weiblichen Metaphorik.

Statt sich der theologischen Irreführung der Menschen zu schämen, ergehen sich Theologen nach wie vor in einer unerträglich anmaßenden Wichtigtuerei, mit der sie den Erkenntnissen der Altertums-, Religions- und Geschichts-Wissenschaften hinterherhecheln, sich ihrer nur bedienen, wenn es ihnen in den Kram passt, sich aber dennoch als „Wissenschaftler gebärden. Theologie kann aber schon „deshalb nicht wissenschaftlich sein, weil sie konfessionell ist und es eben keine evangelische oder katholische Wissenschaft geben kann. Sie ist auch deshalb keine Wissenschaft, weil in den Dogmatiken selbst freimütig zugegeben wird, dass wissenschaftsfremde Bedingungen (eigene Gläubigkeit, Bibel, Bekenntnisse) die Grundlagen bestimmen und dass man ohne diese nicht Theologie treiben kann. (Kubitza 2015)

Immerhin wagen die wenigsten Theologen noch zu behaupten, Mose sei eine historische Gestalt und der Exodus aus Ägypten ein historisches Ereignis (s. Kapitel 1). Doch wäre es rühmlicher gewesen, wenn sie auch die Kirchen dazu veranlasst hätten, den Menschen darüber reinen Wein einzuschenken, statt diese Arbeit anderen zu überlassen.

Statt das Leiden des jüdischen Volkes unter der Last des ihm aufoktroyierten fremden Glaubens darzustellen, wie es in den nachfolgenden Kapiteln geschieht, solidarisierten sie sich mit den biblischen Verfassern, die das Volk permanent beschimpften und es zum Sündenbock ihres Machtsystems erklärten.

Heute könnten wir durchschauen, dass es sich bei all den obszönen Beschimpfungen des „halsstarrigen" Volkes durch die Propheten Jahwes letztlich um Projektionen der eigenen monotheistisch verdorbenen Seele handelt. Solche Beschimpfungen sagen daher mehr aus über ihre Psyche als über das alte religiöse Weltbild. Das zeigt sich insbesondere im Kapitel 4.

Wenn sich die darin enthaltenen Gewaltexzesse heutzutage unter den Blicken des „aufgeklärten" Westens im islamischen Terror wiederholen und zudem auch noch Teile der westlichen Jugend in dessen Bann ziehen lassen, so lässt sich auch darin letztendlich ein Werk des biblischen Monotheismus erkennen, der in seinen ältesten Texten (5. Buch Mose) extremste Formen des religiösen Terrors zur Schau stellt.

Solange aber eine „Heilige Schrift mit Tötungsgeboten als „Wort Gottes bezeichnet wird, sollten wir uns nicht über solche Wiederbelebung wundern.

Schauen wir uns daher genau an, welches Ausmaß an degeneriertem Denken mit dem monotheistischen Glauben an einen einsamen Männergott in der Welt verankert wurde – ohne dass dies auf breiter Ebene wahrgenommen und in den konfessionsgebundenen Medien diskutiert wird. Als Gewalt verherrlichende Schrift gehörte die Bibel eher auf den Index als an Orte der Stille und religiösen Verehrung.

KAPITEL 1: ZUM WAHRHEITSGEHALT BIBLISCHER TEXTE

Das geschriebene Wort wird zur Landepiste für Lug, Trug

und Menschenverführung, wenn es gewohnheitsmäßig

von der Wirklichkeit abgetrennt verwendet wird – und

erzeugt so ein Stück Unmündigkeit.

Elisabeth Schrattenholzer (120)

Archäologen klären auf

Es hat sich inzwischen vielfach herumgesprochen, was Atheisten schon immer behauptet hatten: Mit historischen Ereignissen haben biblische nur wenig gemein und mit der Wahrheit folglich nichts zu tun. Nun, so ganz stimmt auch das nicht. Doch immerhin wird der Wahrheitsgehalt der hebräischen Bibel auch von israelischen Historikern und Archäologen als äußerst gering betrachtet.

So schreibt zum Beispiel der israelische Historiker Sand über den instrumentalisierten „Umgang mit der Bibel im 19. Jahrhundert: „Vom theologischen Bücherregal stellte man sie ins geschichtliche und die Anhänger der jüdischen Nation begannen darin zu lesen, als handle es sich um ein glaubwürdiges Dokument realer Ereignisse. (Sand 2010, 197)

Sand betrachtet die Bibel nicht als Geschichtsbuch, sondern als eine politisch-religiöse Kampfschrift zur Förderung des judäischen Monotheismus und zur Festigung der Bedeutung Jerusalems als religiöses Zentrum.

Damit geht Sand weitgehend konform mit den beiden israelischen Archäologen Israel Finkelstein und Neil A. Silberman, die eine starke fiktive Aufwertung des judäischen Südens gegenüber dem israelitischen Norden in den biblischen Texten erkennen. Ihrer Meinung nach haben Theologen und Archäologen die Vorstellung „von den beiden Bruderstaaten Juda und Israel" viel zu lange für bare Münze genommen (2011, 254).

Indem sie die Bibel Jahrhunderte lang als Geschichtsbuch behandelten, haben sie „für lange Zeit historische Erkenntnis verhindert (ebd.). Biblische Archäologen „stellten Juda schon zu Salomos Zeit um -1000 als einen voll entwickelten Staat dar und bemühten sich nach Kräften, archäologische Beweise für die Bautätigkeit und eine effiziente regionale Verwaltung der frühen judäischen Könige zu finden. Doch wie sich zeigte, „handelt es sich bei den vorgeblich »archäologischen Beweisen« für die vereinte Monarchie um nichts anderes als Wunschdenken" (2011, 254f.).

Die beiden judäischen „Großkönige, David und sein Sohn Salomo, werden von ihnen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt als „Stammesoberhäupter mit einer ziemlich kleinen, lokal beschränkten Verwaltung im Bergland (ebd., 209). Aufgrund „der relativ begrenzten Mittel und der geringen Bevölkerungsdichte Judas ist es „ziemlich unwahrscheinlich (…), dass David seine gewaltigen Gebietseroberungen gemacht hätte oder sein Sohn Salomo dazu fähig gewesen wäre, große Gebiete zu verwalten. (ebd., 253)

Die biblischen Verfasser des Südens haben sich folglich ein „Königreich zugeschrieben, das seine wahre Bedeutung um ein Vielfaches übersteigt. Aus ihrer ganzen Überlieferung spricht der Neid auf den um ein Vielfaches weiter entwickelten und daher bedeutenderen Norden, den sie in ihren Texten laufend schlechtmachen. Dagegen zeigt die Archäologie deutlich, „dass die frühen Könige von Juda ihren Kollegen im Norden weder in ihrer Machtfülle noch in ihrer Fähigkeit als Verwalter ebenbürtig waren (…). Israel und Juda waren zwei verschiedene Welten (ebd., 255).

Auch die judäischen Verfasser bedienen sich Jahrhunderte später der nur allzu häufig praktizierten Methode der Verkehrung der Wirklichkeit in ihr Gegenteil; denn konträr zu dieser bauten sie ihr eigenes unbedeutendes und literarisch zurückgebliebenes südliches Bergland systematisch in ihren Schriften auf und stellten gleichzeitig den Norden in einem äußerst ungünstigen Licht dar – „nur darauf bedacht zu zeigen, dass die Omriden (die Königsdynastien des Nordens, C.M.) bösartig waren und dass sie mit ihrem Untergang die »göttliche Strafe« erhielten, die ihnen ihr »sündhaftes«, »arrogantes« Verhalten eingebracht hatte" (ebd., 214).

Gut einhundert Jahre später aber durchlebten die Verfasser des Südens das gleiche Schicksal. Sie hätten ihre Deportierung nach Babylon durchaus als „Lehre (oder Strafe) für ihr arrogantes Verhalten" deuten und sich zum Überdenken ihrer Schuldzuweisungen an den Norden veranlasst sehen können – taten es aber nicht.

Bei der Methode des Schlechtmachens ging es dem jeweiligen Verfasser darum, die nördlichen Könige zu „delegitimieren und (zu) zeigen, dass die ganze Geschichte des Nordreichs aus Sünden bestand, die zwangsläufig zu Elend und Zerstörung führten. Je mehr Israel in der Vergangenheit geblüht hatte, desto verächtlicher und negativer sprach er von seinen Königen" (ebd.)

Mit dieser – der Wirklichkeit widersprechenden – Einseitigkeit verliert faktisch nicht nur das Negativ-Urteil der südlichen Verfasser über den Norden (Israel), an Bedeutung. Auch andere ihrer Aussagen können wohl kaum als glaubwürdig betrachtet werden – besonders jene über den eifersüchtigen Gott, in dem sich weitaus eher ihr eigener Neid auf den Norden spiegelt – ebenso wie in ihrer ständigen Abwertung anderer Religionen als „Götzendienst" kompensatorische Kräfte am Werk waren.

Sehr geschickt haben sie ihr eigenes Eifersuchtsdenken in den Zehn Geboten als wesentlichstes Charaktermerkmal Jahwes verankert: „… Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. Du sollst Dir kein Bildnis machen … dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen …, denn ich … bin ein eifersüchtiger Gott…" (Ex 20,3-5).

Wir stoßen also in den auf Jahwe allein fixierten Texten auf ein emotional-gedankliches Konglomerat aus Schuldzuweisung, Eifersucht, Hass und Gewalt, das sich bis heute halten konnte, weil die Texte eben nicht als „politisch-religiöse Kampfschriften betrachtet werden, sondern als „heilig verehrt werden sollen.

Inzwischen steht aber nun fest, dass die fünf Bücher Mose weder von Mose stammen noch gar vom „Heiligen Geist" diktiert oder auch nur inspiriert wurden, sondern sich weitaus eher einem wahrhaft unheiligen Geist verdanken. Das gilt insbesondere für jenen nachfolgenden Paradetext, dessen man sich im Monotheismus-Diskurs immer wieder bedient. Darin werden auf Moses’ Befehl hin von den ihm zu Dienste stehenden Leviten „dreitausend Mann" aus der nächsten Verwandtschaft umgebracht, weil sie nicht Moses’ Aufforderung gefolgt sind, sich auf die Seite Jahwes zu stellen. Nur die Leviten waren dieser Aufforderung nachgekommen und erhielten daher den Auftrag zum Massenmord, für dessen Ausführung sie am Ende auch noch belohnt werden.

Da sich das Volk auf Distanz hielt zu dem neuen Gott, erteilte Mose folgende Order:

„So spricht der HERR, der Gott Israels: Jeder lege sein Schwert an. Zieht durch das Lager von Tor zu Tor! Jeder erschlage seinen Bruder, seinen Freund, seinen Nächsten. Die Leviten taten, was Mose gesagt hatte. Vom Volk fielen an jenem Tag gegen dreitausend Mann. Dann sagte Mose: Füllt eure Hände mit Gaben für den Herrn! Denn jeder von euch ist heute gegen seinen Sohn und seinen Bruder vorgegangen und der HERR hat Segen auf euch gelegt." (Ex 32,26-29)

Auf die hier auftauchende Frage nach den Leviten, die Mose offenbar als militärische Handlanger zur Seite standen, komme ich im zweiten Teil dieses Textes zu sprechen. Vorerst bleiben wir noch bei der Frage nach der Historizität biblischer Texte.

Im Hinblick auf den Exodus erklären dazu zwei renommierte Alttestamentler: „Hinter den Sinaigeschichten des Buches Exodus wird nicht ein wie immer geartetes einmal empirisch greifbares Ereignis sichtbar: es gab historisch keinen Bundesschluss am Sinai, es gab keine Übergabe von Gesetzestafeln durch Gott an den Mose auf einem Berg Sinai. – Ja, es gab auch keine Anfertigung des Goldenen Kalbs durch die Mose-Leute oder sonstige Sinaibeduinen." (Zenger 1982, 125

„Die Legende verknüpft konsequenten Jahwismus mit Verwandtentötung nach einer sehr spezifischen und gut rekonstruierbaren kulturellen Logik. Zunächst folgen die Gewalttaten den Anweisungen des Gruppenwahns. Gewiss wird damit einer idealen Mosegestalt etwas in den Mund gelegt. Für Entstehung und Handeln religiös-sozialer Gruppen dieser Art bedeuten solche Anweisungen jedoch eine tribale und Agrargesellschaften und deren Geschichte oft maßgeblich gestaltende Kraft. (…) Zu prüfen ist die konstitutive Bedeutung der Bindung an die Autorität religiöser Führergestalten, die hier zum Ausdruck kommt." (Schulz 1987, 27)

Wir können demnach die ganze Mose-Exodus-Erzählung, die immerhin vier der fünf Mose-Bücher durchzieht, historisch ad acta legen. Dafür liefern die beiden israelischen Archäologen Israel Finkelstein und Neil A. Silberman eine Fülle von Beweisen, von denen ich einige bereits erwähnt habe.

Ihr diesbezügliches Fazit lautet: „Die Schlussfolgerung, dass der Auszug sich weder zu der in der Bibel beschriebenen Zeit noch in der darin geschilderten Weise ereignet hat, ist unwiderlegbar." (Finkelstein/Silberman 2011, 76)

Die legendären Exodus-Texte sind aber insofern aufschlussreich, als hier nach Schulz: konsequenter Jahwismus mit Verwandtentötung verknüpft und Mose Gewalttaten in den Mund (ge)legt (werden), die in Wirklichkeit den Anweisungen des Gruppenwahns (Schulz 1987, 27) folgen, und zudem die Bindung an die Autorität religiöser Führergestalten konstitutive Bedeutung hat (ebd., 27-29).

Ein recht ähnliches Bild ergibt sich auch für das Buch Josua im Anschluss an die fünf Bücher Mose. Wie der Exodus ist auch die ihm folgende „Landnahme" mit den entsprechenden Vernichtungsorgien Legende, zu der die beiden zitierten Archäologen interessante Beweise vorgelegt haben. Hier nur einige davon:

Bei ihren Recherchen stießen sie auf „eine dramatische Diskrepanz zwischen der Bibel und der Lage in Kanaan zum vorgeblichen Zeitpunkt der Einnahme" (Finkelstein/Silberman 2011, 89). Diese Diskrepanz entsteht besonders durch die übliche Verkehrung der Wirklichkeit in ihr Gegenteil, derer sich die biblischen Verfasser fortwährend und mit Vorliebe bedienen.

Ein Faktum, auf das der renommierte Altgeschichtler Eduard Meyer bereits vor mehr als einem Jahrhundert aufmerksam machte.

Taumeln die Texte des Buches Jona auch von einem fiktiven Sieg zum andern, so wird doch „nichts von der anhaltenden ägyptischen Herrschaft in Kanaan überliefert, geschweige denn von der Besiegung der Israeliten durch Merenptah, den Nachfolger Ramses II., von der eine ägyptische Stele kündet (Meyer 1965, 213; auch Finkelstein/Silberman 2011, 28). „Diese ganze Darstellung steht in krassem Widerspruch zu den Zuständen, die wir beim Einsetzen wirklich geschichtlicher Kunde überall finden, und ist historisch völlig wertlos. Es wurden zwar in den Texten bestimmte Sagen von Kämpfen verarbeitet, (…) oder von einer Schlacht (?) von der ein altes Lied erzählt. Alles andere ist freie Erfindung (Meyer, ebd.).

Weiterhin geht Meyer davon aus, dass die Kämpfe „weiter ausgemalt und, in schroffem Gegensatz gegen die älteren Berichte, ernst gemacht wurde mit dem Gebot des Deuteronomium, dass die gesamte ältere Bevölkerung wegen ihres Götzendienstes ausgerottet werden solle" (vgl. Dtn 13,7ff.; Meyer 1965, 214).

Die Ursache für diese zahlreichen Geschichtsfälschungen im Buch Josua sieht Meyer in den Gewaltphantasien der Verfasser aufgrund der während der Deportation nach Babylon selbst erlebten Gewalt. Sie entstanden sozusagen „auf dem Papier in widerlichster Weise in der Wollust der Grausamkeit. Dadurch ist das Buch Josua eines der unerfreulichsten und verlogensten des Alten Testaments geworden" (Meyer 1965, Bd. 2/2, 214 – Hervorhebungen C.M.).

Kaum ein Theologe hat im Hinblick auf biblische Gewalttexte so eindeutig Stellung bezogen wie Meyer. Ungeachtet der maßlosen Gewaltdarstellungen aus dieser Zeit wird sie von Theologen durchweg als die „theologisch fruchtbarste Epoche des Volkes" bezeichnet, das keinen Anteil an der Abfassung dieser Texte hatte. – Ein in der Tat eigenartiger Befund, wo es sich doch für die religiöse Identität der Menschen um die furchtbarste Epoche gehandelt haben muss (siehe auch Kap. 7 und 8 – Hervorhebung C.M.).

Mit der Infragestellung der Historizität der biblischen Überlieferung stellen israelische Historiker sogar die Existenz eines „jüdischen Volkes" in Frage.

Einer von ihnen ist der bereits zitierte Shlomo Sand, der dazu erst kürzlich „Die Erfindung des jüdischen Volkes (2010) vorlegte und „Die Erfindung des Landes Israel (2012) folgen ließ. Prompt wurde er dafür in seiner Heimat Israel – ähnlich wie Jan Assmann in Deutschland – des Antisemitismus bezichtigt.

Wie Sand feststellt, findet man „in keinem Text oder einem anderweitigen archäologischen Fundstück (…) die Bezeichnung »Land Israel« für einen allgemein bekannten geographischen Raum" (Sand 2012, 40).

Beide Vorstellungen sind aus seiner Sicht historisch nicht zu belegen. Vielmehr wurde das theologische „Land Israel, dem nie eine geografische Bedeutung zukam, erst am Beginn des 20. Jahrhunderts von der zionistischen Bewegung „in einen geo-nationalen Terminus verwandelt, nicht zuletzt auch, um damit „die Bezeichnung »Palästina« zu eliminieren, die (…) in Europa gang und gäbe war" (Sand 2012, 44).

Parallel dazu wurde auch das „jüdische Volk erst „im Zuge eines ideologischen Konstruktionsprozesses erfunden (ebd., 37).

Diese Beispiele mögen genügen, um zu verdeutlichen, dass es im Hinblick auf die meisten biblischen Texte wenig Sinn macht, ihnen historische Bedeutung zuzuschreiben, da ihre Verfasser in ihrer eigenen Geschichte lebten, in der sie eigene Absichten und Ziele konsequent verfolgten, die nur ein Ziel kannten: die Ausbreitung eines exklusiven Machtsystems genannt „Monotheismus".

Im Zusammenhang mit der Durchsetzung dieses Zieles taucht immer wieder die Gruppe der Leviten auf, deren Bedeutung einer Klärung bedarf.

Wer waren die Leviten?

Der oben zitierte Text religiös orientierter und zugleich legitimierter Gewalt wirft eine Reihe von Fragen auf, und zwar nicht nur im Hinblick auf seine historische Verortung, sondern vor allem hinsichtlich seiner theologischen Glaubwürdigkeit. Dazu der biblische Kommentar: „Im Handeln der Leviten wird das vom Priester gewünschte Verhalten als Eifer gegen religiöse Indifferenz ohne Rücksicht auf familiäre Bindungen beschrieben" (Das AT mit Erkl 1983, 167). Hier noch weitere Textstellen dieser Art, in denen religiöser Eifer eine göttliche Belohnung erfährt (Dtn 33,8-11; Num 25,11-13) – eine wahrlich eigenartige Reaktion auf Massenmord!

Aus der Tötung von dreitausend Mann erwachsen einige Fragen. Zunächst die erste, die einer etwas ausführlicheren Antwort bedarf:

1. Wer waren die Leviten, denen Mose befehlen konnte, mal eben Tausende ihrer männlichen Angehörigen zu töten, und die dafür auch noch eine göttliche Belohnung erfahren?

Um es gleich vorwegzunehmen, ist diese Frage bis heute nicht wirklich geklärt, obwohl die Leviten in vielen Büchern der Bibel eine wichtige – aber in der Tat nicht immer durchschaubare – Rolle spielen (vgl. z. B. Ri 19).

Ähnlich gering wie der historische Wert der kurzen Erzählung ist auch jener der vielfach gegebenen Erklärung, die Leviten seien ein eigener Stamm, der sich auf den Stammvater Levi zurückführt. – Eine biblische Verlegenheitserklärung, um eine fremde Bewegung, der kein Stammesgebiet zukam und deren Hintergrund ungeklärt ist, irgendwo unterzubringen.

So bezeichnet die Exodus-Erzählung die Eltern von Mose ebenso wie Aaron und Mirijam – angebliche Geschwister – als Leviten.

Und da Mose seinen „Bruder Aaron zum Priesteramt bestimmte, gelten zwar alle Priester als Leviten, doch waren nicht alle Leviten auch Priester. Beide Gruppierungen aber waren maßgeblich an der Abfassung und Bearbeitung der Texte beteiligt. Das lässt nicht nur das 3. Buch Mose – genannt: „Levitikus – erkennen.

Mag auch das von ihnen Erzählte Fiktion sein, der Levitismus als solcher ist es nicht: „Die Quellen sichern den Levitismus des Mose als historisches Faktum (…) – strukturell (angelegt) auf überragende religiös-politische Führergestalten" (Schulz 1987, 182 und 184).

Als Faktum einer vom Stamm losgelösten Gruppe werden die Leviten im sogenannten Mose-Lied wie folgt beschrieben: Sie sagen von Vater und Mutter: „Ich habe beide nie gesehen (…ihre) Brüder nicht erkannt und wollen von ihren Kindern nichts wissen. „Denn die Leviten haben auf dein Wort geachtet, nun wachen sie über deinen Bund. Sie lehren deine Rechtsvorschriften, deine Weisung, sie legen Weihrauch auf, damit du ihn riechst, legen das Ganzopfer auf deinen Altar. Segne, Herr, Levis Besitz, freu dich am Werk seiner Hände! Zerschlag seinen Feinden die Hüften, seinen Hassern, so dass sie sich nicht mehr erheben. (Dtn 33,9-11)

Diese Verse – einschließlich der vorangegangenen – fassen die Einstellung der Leviten sowie ihre Tätigkeiten und ihr radikales Vergeltungsdenken zusammen.

Wie der Alttestamentler A. H. J. Gunneweg erläutert, handelt es sich bei ihnen um einen festen Männerbund, um eine Art „Militärorden und „religiöse Bruderschaft (…) ohne Bindung an Sippe und Stamm, deren wohl bedeutendste Regel, die „Lossagung vom Familienverband" fordert (Gunneweg, 1965, 37).

Dieses Faktum ist sehr bedeutsam; denn wie der oben zitierte Sinai-Text zeigt, besteht bei ihnen ein offenkundiger Zusammenhang zu religiös motivierter Gewalt – insbesondere gegen Familienangehörige und Freunde.

Der bereits zitierte Alttestamentler Hermann Schulz spricht daher von einer „implizierte(n) Relation zwischen legitimiertem Zorn und Menschentötung" (vgl. Ex 32,25ff.; Gen 49,6b) und gelangt zu dem Fazit: „Leviten waren für den Mord/Blutrache/Asyl-Komplex verantwortlich" (Schulz 1987, 58 – Hervorhebung C.M.).

So zeigt Dtn 13, dass bei ihnen die „Leidenschaftliche Bekämpfung der Fremdkulte die Verwandten- und Freundestötung legitimiert – und zwar im Rahmen einer Gruppenorganisation, die (…) die unantastbare Autorität religiöser Führerpersönlichkeiten kontinuierlich institutionalisiert". (Schulz 1987, 29 – Hervorhebung C.M.)

Als religiöse Autorität verwenden die Verfasser am häufigsten die Mose-Gestalt, die für sie zu einer unerschöpflichen Quelle an Autorität und Macht wurde – insbesondere mittels Gesetzestexten, die erst Jahrhunderte nach Mose abgefasst wurden.

Die levitischen Verfasser dieser Texte bedienten sich darin immer wieder des Mose, um den eigenen Bedürfnissen und Interessen, Urteilen und Zielen eine unhinterfragbare Autorität zu verleihen. Sie selbst konnten dabei anonym bleiben.

Neben Mose verwenden sie aber wohl noch häufiger Jahwe als Autorität – oftmals, indem sie mit ihm einen „übernatürlichen Sanktionsapparat" (Schulz 1987, 31) ins Spiel bringen, wie z. B. in der Erzählung von der Rotte Korach (vgl. Num 16) – die auf verschiedene Richtungen levitischer Gruppen verweist –, sowie in diversen Mose- und Sinai-Erzählungen.

Jenseits des Militärischen kamen den Leviten vielfältige religiöse Aufgaben zu: Sie stellten das gesamte Tempelpersonal neben Priestern als Verwalter, Lehrende, Richter, Streitschlichter, Rat- und Orakelgeber, Schreiber, medizinisches Personal, liturgische Führer sowie Sänger und Musiker, die vielfach auch an ländlichen Heiligtümern ihren Dienst versahen. – Sie waren demnach der dritte geistliche Stand neben Priestern und Propheten.

Götz Schmitt vermutet, sie seien „das kriegerische Gefolge des Mose gewesen (… und) hätten im Namen Jahwes Kriege geführt" (Schmitt 1982, 582ff.) – ähnlich wie auch Mohammed zum Anführer eines kriegerischen Gefolges wurde.

Lange vor Schmitt vertrat bereits Sigmund Freud in seiner sehr interessanten Mose-Studie diese Auffassung. Er sah in Mose einen ägyptischen Aristokraten, worauf nicht nur sein ägyptischer Name verweist, sondern auch seine Legende, die ihn am Hofe des Königs auf- wachsen lässt. Hinzu kommt sein angeblicher Sprachfehler, der den Einsatz Aarons als Vermittler erforderlich machte, der ihm nach Freud als Dolmetscher diente, den Mose als Ägypter dringend benötigte, wollte er sich den Menschen verständlich machen und ihnen einen neuen Glauben bringen.

Freud sah in Mose einen Anhänger der Aton-Religion, die er nach dem Tod Echnatons und dem Scheitern der 18. Dynastie nach der Rückkehr der Atum-Priester vor dem Aussterben retten wollte. Daher verließ er mit einem Trupp gleichgesinnter Ägypter – den Leviten – das Land, in dem für einige Zeit durch die Tilgung und Zerstörung all dessen, was an Echnaton erinnerte, chaotische Verhältnisse herrschten.

Beim Verlassen des Landes „erwählte sich Mose dann „das Volk Israel – bestenfalls eine Gruppe von IsraelitInnen, wie wir heute wissen, die sich in Ägypten aufgehalten hatte –, und verließ mit ihnen das Land.

In der Wüste vollzog sich dann ein beispielloses religiöses Umerziehungsprogramm, das levitische Verfasser an diversen Stellen der Bibel ausschmückend und zeitlich verschoben beschreiben.

Von Anfang an handelte es sich bei den Leviten demnach um Fremde aus der Sicht der IsraelitInnen und so werden sie in den Mose-Überlieferungen auch häufig in einem Atemzug mit Fremden (Metöken) genannt. Ihr Fremdsein erklärt dann auch, weshalb sie kein eigenes Stammesgebiet besaßen und daher vom Volk eigene Städte sowie reichliche Abgaben und diverse Opfer verlangten, die ihnen ein gutes Auskommen sicherten. Dass sich unter ihnen ägyptische Namen am längsten erhielten, wertet Freud als ein weiteres Indiz für ihre ägyptische Herkunft.

Viele dieser Thesen Freuds wurden auch von renommierten Forschern seiner Zeit unterstützt, so von dem Ägyptologen Henry Breasted sowie dem Altertumsforscher Eduard Meyer. Zumal Freuds Thesen auch die uneingestandenen Bindungen des jüdischen Volkes an Ägypten zu erklären vermögen – nicht zuletzt eben auch im Hinblick auf die Leviten.

Ihre daraus möglicherweise resultierende Fremdheit und Distanz zum Volk könnte sogar den Schlüssel ihres Fanatismus gegen das Volk liefern: Mit ihrem brutalen Eifer für Jahwe allein (als Aton-Ersatz) trachteten sie danach, das Volk zu bekehren und damit ihren eigenen Unterhalt zu sichern. Das Volk war demnach nur Mittel zum Zweck. Schließlich hatten sie ja eigene Verwandte und Freunde in Ägypten zurückgelassen und mussten – wollten sie sich erhalten – fremde Frauen ehelichen, um mit ihnen neue Familien zu gründen, zu denen sie wiederum eine auffallende Distanz hielten.

Während vieler Jahrhunderte blieben sie in einer Außenseiterposition. Ihre militärische Komponente ist erwiesenermaßen ein recht frühes Merkmal – hauptsächlich in der vorstaatlichen Überlieferung verankert und folglich keine spätere Erfindung der monotheistischen Verfasser des 7. und 6. vorchristlichen Jahrhunderts. – Darin läge wiederum ein Indiz für Freuds These.

Ihr Militarismus hat auch Eingang gefunden in die levitische Gesetzgebung und zeigt sich besonders deutlich in jenen Texten, die einen Zusammenhang mit ihrer Leitfigur Mose herstellen. Jahrhunderte nach dessen Tod verfasst, wurden sie nach eigenem Bedarf entworfen und –wie bereits erwähnt – zusammen mit der von ihnen abgewandelten Überlieferung zur unerschöpflichen Quelle levitischer Autorität und Macht.

Ihre Fremdheit vermochten sie so in ein „göttliches Erwähltsein" umzumünzen, das sie auch dem Volk aufzudrängen suchten. Das zeigte sich allerdings wenig beeindruckt von ihrer Umerziehung und hielt an den eigenen religiösen Vorstellungen und Bräuchen fest.

Da keine der Thesen Freuds in der Theologie aufgegriffen oder gar angenommen wurde, gelten Wesen und Herkunft der Leviten dort bis heute als ungeklärt.

Nach der Zerstörung des Nordens im Jahr -722 verließen die dort lebenden Leviten das Land und übernahmen im Süden – hauptsächlich am Jerusalemer Tempel – verschiedene Aufgaben als Hilfspersonal der dortigen Priester, die nun ihre Pfründe mit ihnen teilen mussten.

Weitere Fragen zur Tötung von „dreitausend Mann" lassen sich in kürzere Antworten fassen.

So zum Beispiel die Frage, wie Mose als religiöser Führer in solches Mordprogramm umsetzen konnte, wenn es doch in den Geboten, die er gerade vom Sinai mitgebracht hatte, hieß: „Du sollst nicht morden"?

Nun, die Texte stellen Mose als eine Autorität dar, die über dem Gesetz steht. Wie sonst hätte er als Erster gegen jene Gebote verstoßen können, auf die das Volk verpflichtet werden sollte?

Von diesem „Volksführer" erhielt der levitisch-militärische Männerbund der Erzählung gemäß die Lizenz zum Töten – um sich ihrer allerdings nie zu bedienen, wie Theologen uns weismachen wollen.

Dabei erhielt das erste Gebot des Einen Gottes die höchste Priorität vor allen anderen Geboten, womit sich das Töten von Ungläubigen rechtfertigen ließ.

Es ergeben sich weitere Fragen, die zwar gestellt, aber nicht beantwortet werden sollen:

3. Wie konnte der „einzige Gott, der dem jüdischen Volk verkündet wurde, die Mörder von „dreitausend Mann auch noch belohnen für ihr Handeln als „willige Vollstrecker eines Tötungsbefehls, wo es doch im Judentum heißt: Wer auch nur ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt? – Bibel und Talmud zufolge, kommt eine solche Bedeutung offenbar nur jüdischem Leben zu, nicht jedoch den in kultischer Freude tanzenden Menschen am Sinai sowie anderen „Ungläubigen, „Unbeschnittenen oder eben „Gojims (vgl. hierzu Shahak).

4. Was ist das für ein Gott, dem hier die Leviten so „vorbildlich" gehorchen und dem das Volk folgen und opfern soll? Verliert der zitierte Spruch von der Bedeutung auch nur eines Menschenlebens, wenn gleichzeitig die entsprechenden Schriftrollen geheiligt werden, die Massenmord rechtfertigen? – Ich verweise in diesem Zusammenhang hier auf Kapitel 9, in dem diese Frage noch einmal anhand von Ezechiel 9 zur Sprache kommen wird.

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