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Pferdeglück und Sommerträume: Wunderschöner Pferderoman für Kinder ab 10 Jahre

Pferdeglück und Sommerträume: Wunderschöner Pferderoman für Kinder ab 10 Jahre

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Pferdeglück und Sommerträume: Wunderschöner Pferderoman für Kinder ab 10 Jahre

Länge:
266 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 14, 2015
ISBN:
9783732004799
Format:
Buch

Beschreibung

Anika muss ihr Schulpraktikum ausgerechnet in der Tierarztpraxis von Jana machen, der neuen Freundin ihres Vaters. Und ihr bester Kumpel Tim ist weit weg in München. Wie soll sie das nur aushalten? Zu Anikas Glück lebt auf dem Hof der Tierärztin der Schimmel Amor, auf seinem Rücken vergisst sie alles - nur nicht Tim.
Josy hat ebenfalls ein Problem. Sie hat sich so auf ihre Reiterferien gefreut: Endlich wieder den Strand entlang galoppieren - und Manuel treffen. Blöd nur, dass ihre nervige Schwester Kim diesmal dabei ist. Josy findet Trost bei ihrem Lieblingspferd Mr Smith, doch dann soll er verkauft werden.
Dieser Doppelband enthält die beiden Einzelbände "Liebesleid im Pferdeparadies" und "Krise auf der Pferdeinsel".
Herausgeber:
Freigegeben:
Dec 14, 2015
ISBN:
9783732004799
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Pferdeglück und Sommerträume - Kathrin Schrocke

Titelseite

Kathrin Schrocke

Liebesleid im

Pferdeparadies

Die Locken-Frau

Gebrauchsanweisung für deinen Stimmungsring: Der Ring verrät immer, was du fühlst. Du musst nur auf die Farbe des Steins achten!

„Ist das die Locken-Frau?", fragt mein Bruder Fabi und stellt sich auf die Zehenspitzen. Wir beide hängen am Fenster hinter der Gardine wie zwei tollpatschige Detektive und treten uns gegenseitig auf den Füßen herum.

„Klaro", flüstere ich und ducke mich, als mein Vater von der Straße nach oben schaut.

„Sieht eigentlich ganz nett aus", murmelt Fabi und schlurft in seinen Garfield-Hausschuhen zur Couch zurück. Er schaltet den Fernseher an und bleibt bei einer grellen Zeichentrickserie kleben.

„Nett?, sage ich empört, gehe zum Fernseher und schalte ihn wieder aus. „Nett? Die sieht aus wie ein Pudel nach einem missglückten Friseurbesuch!

Fabi grinst. „Du bist nur neidisch, weil du selbst keine Locken hast. Ich finde, das sieht schön wuschelig aus."

Verlegen fahre ich mir mit den Fingern durch meine hellblonden Haare. Die sind glatt wie Spaghetti und schmiegen sich an mein blasses Gesicht wie ein weicher Rahmen. Wuschelig. Pah! Von Frauen hat Fabian mit seinen acht Jahren einfach nicht die leiseste Ahnung.

„Die Locken sind erst der Anfang!, entfährt es mir wütend und ich schalte die Glotze wieder an. Tom und Jerry jagen sich durch eine Küche, und eine große Bratpfanne rückt gefährlich ins Zentrum des Bildes. Ich wende meinen Blick ab. „Bald übernachtet die Locken-Frau hier und diese langen Haare kleben überall. Im Waschbecken, in der Dusche. Jede Menge dunkelbraune Locken, überall in der Wohnung.

Fabi starrt mich verunsichert an. „Und dann?", fragt er und kann sich gar nicht mehr auf seinen Zeichentrickfilm konzentrieren, in dem Tom gerade eine große rote Beule auf dem Kopf wächst.

„Wenn die Frau erst überall ihre lockigen Haare hinterlassen hat, folgt Schritt zwei. Sie wird Papa völlig für sich haben wollen."

Fabi sieht auf einmal besorgt aus. „Geiselnahme?", fragt er, weil er dieses Wort vor Kurzem aufgeschnappt hat.

„Quatsch! Mit meinem kleinen Bruder kann man einfach keine vernünftigen Krisengespräche führen. „Doch nicht als Geisel. Als Liebessklave! Er wird alles für sie tun. Ihr Geschenke kaufen, mit ihr ausgehen. Wie immer eben. Und wir zwei schauen mal wieder gewaltig in die Röhre.

Na ja. Wahrscheinlich übertreibe ich ein wenig. Unsere Eltern sind seit drei Jahren geschieden. Seither hat Papa erst ein einziges Mal ganz kurz eine Freundin gehabt. Sie hieß Rita und war eine Arbeitskollegin aus der Musikschule. Rita hatte eine Katzenallergie, eine Hundeallergie und eine Kinderallergie. Einen Monat nachdem sie Fabi und mich kennengelernt hat, hat sie ganz schnell das Weite gesucht. Danach war Papa total geknickt und hat wochenlang nicht mehr richtig gelacht. Einmal habe ich ihn sogar heulend im Schlafzimmer ertappt. Mann, war das vielleicht peinlich!

Und jetzt also die Locken-Frau.

Der Schlüssel im Schloss wird herumgedreht und erschrocken quetschen Fabian und ich uns auf dem Sofa aneinander. Wir starren so gebannt auf die Mattscheibe, dass es aussieht, als wären wir schockgefroren. Jerry zieht Tom endlich die Bratpfanne über den Schädel und Tom sieht für einen Moment nur noch Sternchen.

Papas Kopf erscheint im Türrahmen.

„Hallo, Partner!", sagt er in meine Richtung und zwinkert mir zu, als würden wir ein großes Geheimnis teilen.

„Ich heiße Anika, murmle ich und schaue nicht mal zu ihm rüber. Sein verschwörerisches „Partner kann er sich ausnahmsweise mal sparen.

„Hallo, Fabi", sagt Papa zu meinem kleinen Bruder. Fabi steht treudoof auf und geht doch tatsächlich zu dem Verräter hinüber.

„Ich wollte euch beide fragen, ob es euch stört, wenn Jana zum Abendessen bleibt. Sie hat auch eine große Schüssel Pudding mitgebracht."

Jana ist die Locken-Frau. Einen Namen, der so kurz ist, kann man ohne Probleme auch gleich wieder vergessen. Das mache ich auch prompt. Ihr Name, ihre Locken und der verliebte Blick meines Vaters sind augenblicklich aus meinem Gedächtnis gelöscht.

Nur Fabi kapiert mal wieder überhaupt nicht, was Sache ist. „Pudding!", sagt er, und schon hat Papas Neue auch ihn um den Finger gewickelt. Na ja, was soll man schon von kleinen Brüdern erwarten?

„Habe keinen Hunger", erwidere ich hingegen gelangweilt und schalte auf eine Reportage um. Es geht um die Herstellung von Gummistiefeln. Aber alles ist besser, als mit diesem wandelnden Lockenstab gemeinsam am Küchentisch zu sitzen.

„Pudding!", wiederholt Fabi noch einmal, als hätte das Wort sein Kleinhirn verdampft.

Einen ganz kurzen Blick wage ich in den Flur, wo die Neue steht und unbeholfen ihre Puddingschüssel umklammert. Ziemlich groß ist die. Zu groß für meinen Geschmack. Kantiges Gesicht. Langweilig! Kieselbraune Augen, die mich plötzlich eingehend mustern. Was stiert die so dämlich? Haare, die aussehen, als wäre ein Silvesterkracher darin explodiert. Gut, das alles ist etwas übertrieben. Eigentlich ist sie ja ganz hübsch. Aber ich will mich mit dieser Frau überhaupt nicht anfreunden. Bestimmt lässt sie meinen Papa bald fallen wie eine heiße Kartoffel. Bestimmt findet sie ihn nur toll, weil er Sänger ist und es ganz schick ist, überall mit ihm angeben zu können. Bestimmt …

„Es gibt Pizza, unterbricht Papa meine trüben Gedanken. „Los, Partner, schalte die Glotze aus. Wir haben Besuch und du willst bestimmt nicht unhöflich sein.

Ein bester Freund

Wenn sich dein Ring gelb verfärbt, drückt das große Sorge und Stress aus. Achtung, jetzt sind Nerven aus Stahl gefragt!

Unten am Hauseingang wartet Tim auf mich. Sein Schulrucksack hängt lustlos über der einen Schulter, an der anderen baumelt sein schmuddeliger Sportbeutel.

„Dicke Luft bei euch oben?", fragt er und lächelt mich aufmunternd an. Tim ist mein allerbester Freund. Seit dem Kindergarten wohnen wir im gleichen Haus. Er weiß immer sofort, wenn was mit mir nicht in Ordnung ist. Jetzt nimmt Tim meine Hand und betrachtet den Stimmungsring. Je nachdem, wie es mir geht, wechselt der Stein des Rings die Farbe. Heute glänzt er schleimig gelb: das Zeichen für Stress und megaschlechte Laune.

„Papas Neue war gestern zum Abendessen da, erkläre ich und kicke vor Ärger eine leere Getränkedose über die Straße. „Weißt du, wie die heißt? Ja-na! Ja-na! Fällt dir was auf?

Tim schüttelt den Kopf.

Ich bleibe stehen. „Wenn man die Buchstaben vertauscht, kommt Naja raus! Na ja. So ist die auch. So na ja. Vegetarierin. Wegen der mussten wir alle Salamischeiben von der Pizza pflücken! Bestimmt verlässt sie ihn bald und dann gibt es wieder riesiges Geheule."

Tim grinst. „Übertreib mal nicht!, meint er. „Vielleicht liebt sie ihn ja wirklich. Wäre doch schön!

Der muss gerade was sagen. Als seine Mama einen neuen Freund hatte, hat Tim sich sofort Bücher über Selbstverteidigung und Abwehrtechniken besorgt. Er hat tatsächlich geglaubt, dass er in den Büchern irgendetwas zur Vertreibung von neuen Mütter-Liebhabern finden könnte. Hat er aber natürlich nicht. Heute sind sein Stiefvater und er allerbeste Freunde. Aber damals?!

„Was macht die Frau denn so?, fragt Tim und weicht einem Fahrrad aus, das zu schnell um die Ecke biegt. „Die Neue. Hat sie einen Beruf?

Ich zucke mit den Schultern. „Mir egal. Wahrscheinlich ist sie staatlich geprüfte Ehebrecherin." Die Locken-Frau ist mir wirklich schnurzegal. Meinetwegen kann sie mit Spongebob Schwammkopf in einer Wohngemeinschaft leben und als Tiefseetaucherin arbeiten. Hauptsache, sie verkrümelt sich bald wieder aus unserem Leben. Gestern habe ich jedenfalls kein einziges Wort mit ihr gewechselt.

Tim bleibt vor der großen Werbetafel neben dem Bahnhof stehen, wo in fünf Minuten unser Schulbus hält. Seit zwei Wochen klebt dort ein überdimensionales Werbeplakat: ein weißes Pferd und darauf sitzt eine zierliche Frau in einem gelb gepunkteten Kleid und trinkt Apfelsaft aus der Flasche.

Von Apfelsaft kriege ich Schluckauf. Aber Pferde liebe ich über alles. Früher, als Mama und Papa noch zusammen waren, hatte ich richtigen Reitunterricht. Aber seit der Scheidung ist das vorbei. Der Unterricht ist zu teuer und Papa hat nicht die Zeit, mich ständig mit dem Auto zum Reiterhof zu bringen.

Tim scheint meine Gedanken zu lesen.

„Wenn ich erwachsen bin und Geld habe, kaufe ich dir ein Pferd", sagt er und knufft mich in die Seite.

„Wenn ich erwachsen bin und Geld habe, kaufe ich dir ein Meerschweinchen", antworte ich ganz gönnerhaft.

Wir gucken uns an und brechen in schallendes Gelächter aus.

„Wie großzügig!", sagt Tim und schultert seinen Rucksack, weil der Bus gerade um die Ecke biegt. Noch einen letzten Blick erhaschen wir auf die Reiterin mit ihrem strahlenden Schimmel.

Mit der müsste man tauschen können!

Auf einem Pferderücken über weite Wiesen und Felder galoppieren. Der Wind pfeift einem durchs Haar, und am Horizont …

Aber schon schließt sich die Bustür hinter uns, und ein weiterer öder Schultag bricht an.

* * *

„Ich bin ja so was von erledigt! Verzweifelt versenke ich meinen Löffel im Eisbecher und schaufle Vanilleeis in mich hinein. Tim schlürft an seinem Eiskakao. „Hast du das echt vergessen?, fragt er und schaut mich mitleidig an.

Ja, ich habe es vergessen. Vollkommen. Ganz und gar. Die letzten zwei Wochen vor den Ferien bekommen die siebten Klassen frei, um ein Schülerpraktikum zu machen. Praktikum, so ein lächerliches Wort. In Wahrheit ist es nichts anderes als Kinderarbeit. Ist Kinderarbeit in Deutschland nicht gesetzlich verboten?!

Tim kann es immer noch nicht fassen. „Aber die Eltern wurden doch auf dem Elternabend informiert. Hat dein Papa dich nicht daran erinnert?"

Das letzte bisschen Vanilleeis schmilzt am Grund des Bechers. „Mein Papa war nicht beim Elternabend. Da hatte er einen Auftritt."

Normalerweise gibt mein Papa in der Musikschule Gesangsunterricht. Aber manchmal hat er abends auch Konzerte. Konzerte, auf denen er dann von wildfremden Frauen angehimmelt wird, die es unglaublich cool finden, einen richtigen Sänger kennenzulernen. Und die ihn doch nur unglücklich machen.

Tim seufzt. „Schöner Mist. Am Montag sollen wir doch schon anfangen mit dem Praktikum! Meinst du, du kannst bei deinem Papa arbeiten?"

Geräuschvoll atme ich ein. „Bei dem? Nie! Was sollte ich da machen? Seine geheiligte Stimmgabel hinter ihm hertragen?"

Tim schaut nachdenklich zu der Kellnerin hinüber. „Und hier? Du könntest in der Eisdiele arbeiten. Bestimmt können die eine kostenlose Bedienung gebrauchen."

Tim winkt die junge Italienerin heran.

„Si?" Die Kellnerin sieht uns erwartungsvoll an.

Tim deutet auf mich. „Wir müssen ein zweiwöchiges Praktikum machen …, druckst er herum. „Und meine Freundin hat noch keinen Platz. Denken Sie, sie könnte hier …

Tim hat noch nicht mal ausgesprochen, da schüttelt die Kellnerin bereits den Kopf. „Wir haben schon einen Praktikanten, sagt sie. „Hugo. Bestimmt kennt ihr ihn!

Klar kennen wir Hugo. Hugo ist einen Meter hoch und einen Meter breit, bildlich gesprochen. Logisch, dass der ausgerechnet in einer Eisdiele arbeiten möchte. Als Resteverwerter! Toll, Hugo ist fein raus.

„Was für einen Praktikumsplatz hast du eigentlich?, frage ich Tim. Tim grinst. „Mein Onkel hat einen Pizzaservice in München. Da darf ich mithelfen. Und zwei Wochen bei denen auf der Gästecouch pennen.

Tim, zwei Wochen in München. Und ich allein, hier. Ohne einen Praktikumsplatz. Ich tue mir gleich selbst leid.

Plötzlich hellt sich Tims Miene auf. „He, Kopf hoch! Wir beide klappern jetzt einfach jeden Laden in der Stadt ab. Die Bäckereien, die Cafés, die Kaufhäuser. Irgendwo muss es doch einen Job für ein nettes 13-jähriges Mädchen geben!"

Ich bin da nicht so sicher. In letzter Zeit läuft bei mir alles schief. Die furchtbare Locken-Frau. Meine schlechten Noten. Und jetzt muss ich mir auch noch innerhalb von zwei Tagen eine Praktikumsstelle suchen.

„Zahlen!", rufe ich der Kellnerin zu und versuche, nicht allzu frustriert zu klingen.

* * *

Als Tim und ich drei Stunden später die Wohnungstür aufschließen, ist unsere Laune vollends im Keller. Mein Stimmungsring hat seine Farbe von Ekelgelb zu Orange gewechselt und wird langsam tiefrot. Wenn er irgendwann zu Staub zerfällt, würde mich das nicht im Geringsten wundern.

„Was ist los, Partner?" Papa kommt aus der Küche und sieht mich und Tim erstaunt an.

Tim seufzt. „Anika hat vergessen, dass wir ab Montag ein Schülerpraktikum machen müssen. Und alle Stellen in der Stadt sind schon besetzt."

Eine Falte entsteht auf Papas Stirn. „Ein Praktikum? Aber wieso hast du denn nichts davon erzählt?"

Ich zucke mit den Schultern. „Hab’s vergessen."

Jetzt kommt auch noch Fabi aus seinem Zimmer geschossen. Und offenbar hat er mal wieder jedes Wort mitbekommen.

„Bist du jetzt arbeitslos?", fragt er und sieht mich mitleidig an.

„So ungefähr", antworte ich leise.

Eine Weile sagt niemand etwas. Tim hat die Hände in den Hosentaschen versenkt, Fabi wippt in seinen Garfield-Hausschuhen auf und ab. Papa hat nachdenklich die Arme verschränkt und ich starre ins Leere.

Dann erwacht Papa endlich wieder zum Leben. „Ich hab’s!", sagt er, schnappt sich das Telefon und verschwindet im Schlafzimmer. Eine Zeit lang hört man nur Gemurmel und schließlich Papas Lachen, als ob er sich schrecklich über etwas freut.

Mit erhitzten Wangen kommt er wieder aus seinem Zimmer heraus.

„Tolle Neuigkeiten, Partner!, sagt er. „Hol den Koffer vom Dachboden, ich habe einen phänomenalen Job für dich organisiert.

Jetzt verstehe ich gar nichts mehr.

„Und wo?" Auch Tim starrt Papa ungläubig an.

„In einer Tierarztpraxis."

Seit wann kennt Papa denn Tierärzte? Will er mich auf den Arm nehmen?

„Los, los! Papa klatscht in die Hände. „Mach eine Liste, was du für eine zweiwöchige Reise brauchst, damit wir dir morgen alles besorgen können. Am Sonntagabend bringe ich dich dann hin.

„Und wo soll das bitte schön sein?", frage ich verwirrt.

„Gibt es da auch Elefanten?", will Fabi wissen und guckt mich neidisch an.

„Elefanten gibt es da bestimmt nicht, antwortet Papa auf Fabis Frage. „Und die Praxis ist auf dem Land. Ungefähr eine Autostunde von hier entfernt. Jana freut sich schon, wenn sie ab Montag eine helfende Hand hat. Zurzeit platzt ihre Praxis aus allen Nähten.

„Ja-na?", wiederhole ich fassungslos und Tim kann ein Grinsen nicht unterdrücken.

„Jana ist doch Tierärztin, sagt Papa, als wüssten wir längst Bescheid. „Du kriegst ein eigenes Gästezimmer. Bestimmt versteht ihr euch prima.

Ausgerechnet Jana. Noch eben habe ich mich richtig über diese tolle Überraschung gefreut. Aber jetzt …

„Das wusste ich ja gar nicht", murmle ich.

„Es hat dich ja auch nicht interessiert, Partner", sagt Papa vorwurfsvoll.

In der Küche zischt etwas und eilig stürzt Papa zurück an den Herd. Auch Fabi verliert langsam das Interesse und schlendert in sein Zimmer, wo er zwischen seinen Legosteinen verschwindet.

„Vielleicht ist sie ja ganz nett, versucht Tim mich zu trösten. „Eine Tierarztpraxis! Das klingt doch spannend!

Nachdenklich gucke ich Tim an. Seine Haare sind ganz schön lang inzwischen, sie gehen ihm fast bis über die Ohren. Er will sie wachsen lassen und irgendwann aussehen wie die Rockstars auf MTV. Den passenden Schmachtblick hat er auf jeden Fall schon. Tim ist wirklich hübsch. Komisch, dass mir das ausgerechnet jetzt auffällt.

Tim lächelt. „Schau mal, dein Stimmungsring wird langsam wieder grün. Ist doch ein gutes Zeichen."

Das stimmt. „Schreibst du mir mal?", frage ich, ehe Tim sich ins Treppenhaus verdrücken kann.

Verwundert dreht er sich noch mal zu mir um. „Klar, wenn du willst. Er lächelt. „Aber nur, wenn du mir auch schreibst. Wie es dir so geht mit den Tieren und der Locken-Frau.

Dann verschwindet er nach unten und ich gehe hoch auf den Dachboden, um meinen Koffer zu holen.

Willkommen auf Hof Katzenglück

Wenn sich der Ring orange verfärbt, bist du sichtlich nervös. Nur Mut, so schlimm wird es nicht werden!

Als Papa meinen Koffer im Auto verstaut, bildet sich ein dicker Knoten in meinem Hals. Ich bin noch nie ohne Papa und Fabi verreist. Außer mit der Schule ins Zeltlager. Aber da musste ich auch nicht arbeiten und bei einer Frau wohnen, die es auf meinen Vater abgesehen hat.

Oben im ersten Stock unseres Mietshauses wird ein Fenster geöffnet. Tim! Gleich wird mir noch trauriger zumute.

„Viel Glück!, ruft Tim und winkt zu mir herunter. „Es wird bestimmt nicht so schlimm und in zwei Wochen sehen wir uns wieder!

Ich gucke hoch zu meinem besten Kumpel. Und auf einmal wird mir bewusst, dass das die längsten und einsamsten zwei Wochen meines Lebens werden könnten.

* * *

„Gleich sind wir da", sagt Papa, nachdem wir durch die hundertste verschlafene Ortschaft getuckert sind. Fabi ist längst auf dem Rücksitz eingenickt und ich sitze vorn auf dem Beifahrersitz und kaue vor Anspannung an den Nägeln.

„Wird ein Kinderspiel für dich, Partner!, ermuntert mich Papa, der merkt, wie schweigsam ich seit unserer Abfahrt bin. „Bestimmt bringt dir Jana interessante Sachen bei. Außerdem wartet noch eine kleine Überraschung auf dich.

Von Überraschungen habe ich zurzeit eigentlich genug. Papa fängt fröhlich an zu pfeifen und ich beschließe schweren Herzens, dieser Jana doch eine Chance zu geben. Immerhin hat sie mir ganz schön aus der Patsche geholfen. Und vielleicht ist sie ja doch netter als gedacht.

Papa nimmt eine scharfe Linkskurve und es geht einen Hang hoch, hinein in ein weiteres verlassenes Dorf.

„Das ist die Ortschaft", sagt Papa laut und hinten schlägt Fabi verschlafen die Augen auf. Gerade fahren wir an einem leer stehenden Forsthaus vorbei und am Straßenrand steht ein dunkelgrüner Traktor, der offenbar auf bessere Zeiten wartet.

„Ui!, sagt Fabi, als hätten wir soeben die Milchstraße überquert. „Gibt’s hier auch ein Kino?

Papa lacht. „Nein. Keine Elefanten, kein Kino. Nicht mal eine Eisdiele. Gerade mal 500 Einwohner, eine Bushaltestelle und eine Tierarztpraxis. Aber Anika wird das schon meistern. Sie ist ja auch zum Arbeiten hier und nicht, um Urlaub zu machen."

Der Knoten in meinem Hals wird immer dicker. Hier soll

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