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Pferde, Sommer, Sonnenschein
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eBook243 Seiten3 Stunden

Pferde, Sommer, Sonnenschein

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Über dieses E-Book

Daniela erlebt einen Pferdesommer wie er besser kaum sein kann: die erste Reitstunde, die erste Liebe, der erste Kuss - das sind die aufregendsten Ferien ihres Lebens!
Auch Marlenes Sommer ist voller Abenteuer: Pferde, Fußball und verliebt! Eigentlich wollte sie sich ja auf das große Springturnier vorbereiten … stattdessen meldet sie sich zur Fußball-AG an, um Jan zu beeindrucken. Und als sie auch noch einen Freund erfindet, um ihn eifersüchtig zu machen, bricht das totale Chaos aus!

Dieser Doppelband enthält die beiden Einzelbände "Ein Pferd im Gepäck" und "Im Galopp ins Fettnäpfchen".
SpracheDeutsch
HerausgeberLoewe Verlag
Erscheinungsdatum14. Dez. 2015
ISBN9783732004775
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    Buchvorschau

    Pferde, Sommer, Sonnenschein - Kathrin Schrocke

    Titelseite

    Kathrin Schrocke

    Ein Pferd

    im Gepäck

    2. Ferientag

    „Oje. Die Frau ist irgendwie putzsüchtig!", sagt meine beste Freundin Ann-Katrin und reicht mir das Fernglas. Vorsichtig schiebt sie die Efeublätter am Balkon beiseite, sodass ich beste Sichtverhältnisse habe.

    Die Frau ist meine Mama. Und vermutlich gibt es nichts Blöderes, als seine eigene Mutter heimlich mit dem Fernglas zu beobachten.

    „Sie macht nur sauber!", sage ich also und schaue beunruhigt zu, wie Mama die steinerne Vogeltränke in der Mitte unseres Gartens mit einer riesigen hellblauen Bürste bearbeitet. Ihr Gesichtsausdruck dabei ist so verbissen, als würde das hartnäckige Moos an den Rändern jeden Moment auf unser Haus überspringen und alles Leben darin vernichten.

    „Ist es nicht schrecklich?, sagt Tine, Ann-Katrins Zwillingsschwester, und wirft ihre Zeitschrift zur Seite. „Wir sind dreizehn, es ist der zweite Tag der Sommerferien. Und wir hocken hier auf Danielas Balkon und beobachten ihre putzsüchtige Mutter, wie sie einen Brunnen mit einer Klobürste reinigt.

    „Das ist keine Klobürste!, versuche ich schon wieder, meine arme Mama zu verteidigen, und gebe Ann-Katrin das Fernglas zurück. Dann ziehe ich den kleinen roten Block aus meiner Hosentasche und starre auf den kurzen Eintrag. „1. Ferientag: reinste Langeweile, habe ich gestern notiert. „2. Ferientag: genauso langweilig", ergänze ich in Schönschrift.

    „Was wird denn das?", fragt Ann-Katrin und linst neugierig herüber. Rasch klappe ich den Miniblock zu und verstaue ihn wieder.

    „Nach den Ferien will ich bei dem Wettbewerb der Schülerzeitung mitmachen, erkläre ich den beiden Schwestern. „Ein Erlebnisbericht über die Sommerferien. Die besten Texte werden als Buch gebunden. Und der Sieger bekommt ein nagelneues Mountainbike. Ihr wisst doch, dass mein Fahrrad geklaut wurde!

    „Aha. Tine tut unbeeindruckt. „Ob die es abdrucken, wenn du drei leere Blätter abgibst? Ehrlich gesagt fürchte ich nämlich, das werden die langweiligsten Ferien aller Zeiten.

    Sie gähnt ausgiebig und vertieft sich wieder in ihre Zeitschrift.

    Es stimmt leider. In Golfingen liegt wirklich der Hund begraben. Aber auf dem Balkon herumsitzen und sich unterhalten ist allemal besser, als in der Schule Mathe zu büffeln.

    „Deine Mama hat den Brunnen kaputt geschrubbt und poliert jetzt den Gartenzaun!", gibt Ann-Katrin die Entwicklungen im Vorgarten durch.

    Ich schiebe meine gelbe Schirmmütze über die Augen und lehne mich an der warmen Hauswand an. Wie schön wäre es jetzt, in Urlaub zu fahren. Direkt ans Meer. Aber ich habe nicht nur eine putzsüchtige Mutter, sondern auch einen Firmenchef zum Vater. In Urlaub fahren wir frühestens in den Weihnachtsferien, wenn Papas gesamter Betrieb die Türen schließt. Und selbst das ist nicht sicher.

    „Jetzt hält ein uralter VW-Bus direkt vor dem Gartentor, fährt Ann-Katrin fort. „Ein ziemlich schmutziger VW-Bus, der mit ulkigen Zebrastreifen bemalt ist.

    „Sehr witzig!", murmele ich und denke weiter an Sonne, Strand und Wellen. An meinen Bikini, der mir dieses Jahr endlich passt wie angegossen!

    Tine neben mir steht auf und beugt sich über die Brüstung. „Ann-Katrin hat recht, sagt sie. „Da steht wirklich ein ziemlich klappriger VW-Bus. Und deine Mama guckt, als wäre ein Ufo gelandet.

    Endlich schiebe ich die Mütze wieder nach oben. Mein Blick wandert durch einen winzigen Spalt in der Efeuumwucherung des Balkons und landet direkt auf Rolands Lockenkopf.

    „Aber das ist ja Roland!", rufe ich entgeistert und springe auf.

    „Welcher Roland?", fragt Ann-Katrin und richtet das Fernrohr direkt auf ihn.

    „Na, mein Onkel!, erkläre ich. „Der jüngere Bruder meiner Mutter.

    „Der sehr viel jüngere Bruder deiner Mutter!", verbessert mich Tine und starrt zur Straße hinunter.

    „Der wirklich hübsche jüngere Bruder deiner Mutter!", fällt Ann-Katrin laut in die Überlegung ihrer Schwester ein. Habe ich schon erwähnt, dass meine beste Freundin ziemlich männerbesessen ist?

    Endlich guckt Roland nach oben.

    „Hallo!", ruft er und winkt zu uns hoch.

    „Wieso hast du uns nie von ihm erzählt?", fragt Ann-Katrin vorwurfsvoll.

    Ich zucke mit den Schultern. „Seit wann interessiert ihr euch für meine Verwandtschaft? Außerdem haben wir nicht viel Kontakt. Ist bestimmt drei Jahre her, dass er zum letzten Mal hier war. Damals war ich noch so." Ich zeige mit der Hand meine damalige Größe an und Ann-Katrin nickt mitleidig.

    „Verstehe. Und was macht dein hübscher junger Onkel beruflich? Bestimmt ist er staatlich geprüfter Herzensbrecher."

    „Er ist Maler", sage ich und merke, dass das ein bisschen angeberisch klingt. Obwohl ich ja rein gar nichts dazukann, dass Roland zeichnet.

    „Echt?", sagt Tine und schiebt sich eine Strähne aus dem Gesicht.

    „Und wo wohnt der?"

    Ich kratze mich am Kopf. „In Düsseldorf. Das heißt, eigentlich in Portugal."

    Verunsichert sehe ich zu, wie Mama Onkel Roland hilft, einen riesigen Rucksack aus dem VW-Bus zu hieven.

    „In Portugal?", wiederholt Ann-Katrin und wird grün vor Neid. Der einzige Onkel von Ann-Katrin und Tine wohnt im Nachbarkaff und arbeitet in der Metzgerei, in der es letztes Jahr diesen Salamiskandal gab.

    „Zumindest hat meine Mama erzählt, dass er gerade dabei ist, nach Portugal auszuwandern. Ich dachte eigentlich, dass er gerade im Moment auf dem Weg nach Spanien ist."

    Ann-Katrin nickt. „Klarer Fall. Dein niedlicher Onkel hat die falsche Ausfahrt genommen. Ob er schon kapiert hat, dass das Golfingen ist und nicht die schöne weite Welt?"

    Wir grinsen uns an.

    Jetzt bewegen sich Mama und Roland auf die Haustür zu.

    „Entschuldigung, Mädels, aber ich muss euch jetzt rauswerfen!, verkünde ich den Schwestern. „Ich muss rausfinden, was hier passiert.

    Ann-Katrin ist eingeschnappt. „Na toll. Gerade, wenn es spannend wird. Und was sollen Tine und ich den restlichen Nachmittag über machen?"

    „Keine Ahnung." Im Augenblick ist mir das Schicksal der beiden reichlich egal. Viel wichtiger ist doch, was Roland hierher geführt hat. Was der große Rucksack und der vollgepackte Kleinbus sollen. Und überhaupt: Die Ferien scheinen doch noch spannend zu werden!

    * * *

    „Aha", wiederholt Papa zum vierten Mal und läuft im Stechschritt das Wohnzimmer auf und ab. Dabei hat er die Hände in den Hosentaschen vergraben und zieht ein Gesicht, als hätte er eben ein Glas saure Milch getrunken.

    „Habe ich das also richtig verstanden: Du bist eigentlich auf dem Weg nach Portugal?"

    Mein Onkel nickt und zupft verlegen an den Ärmeln seines Ringelshirts. „Ich verspreche euch, in ein, zwei Wochen bin ich wieder weg."

    „Ein, zwei Wochen?", meint Mama und sieht Papa fragend an.

    Papa rückt seine Krawatte zurecht. „Und diese Unterkunft … diese Bleibe in Portugal …"

    Roland lächelt. „Horst, wir reden hier von einem Haus. Und dieses Haus ist noch nicht bezugsfertig. Keine Elektrizität. Es gibt Probleme mit den Wasserleitungen. Den Anruf habe ich erst eben auf der Autobahn erhalten."

    Papa nickt. „Verstehe. Nicht bezugsfertig. Na ja. Selbstverständlich kannst du übergangsweise bleiben. Das Gästezimmer ist ja groß genug."

    Mama nickt bestätigend. Nur Roland wirkt irgendwie kleinlaut.

    „Da gibt es noch etwas", meint er und beobachtet Papa, wie er die Fernbedienung an sich nimmt und die Tagesschau einschaltet.

    Papa winkt ab. „Dein Auto kannst du ruhig vor dem Haus stehen lassen. Die Nachbarn werden sich zwar ein bisschen über die Schrottlaube wundern, aber damit müssen wir leben. Roland räuspert sich. „Ihr beiden wisst doch, dass ich nicht allein nach Portugal auswandere, meint er und guckt seine ausgelatschten Turnschuhe an.

    Mama und Papa wechseln einen Blick.

    „Ihr habt doch mitbekommen, dass mein Freund Hirse ebenfalls nach Portugal geht. Und dann gibt es da natürlich noch Tante Edda."

    „Dein Freund Hirse?", wiederholt Papa und klingt auf einmal ziemlich patzig.

    „Edda?, sagt Mama eine Spur zu hoch. „Ist das etwa eine Freundin? Mensch, Roland!

    Wie sie es sagt, klingt das so, als wäre es das achte Weltwunder, sollte mein Onkel je eine Freundin abbekommen. Dabei würde es mich kein bisschen wundern, wenn hier jeden Moment ein ganzer Bus voller Eddas, Lenas und Susis anreisen würde. Alle meinem hübschen Onkel auf den Fersen.

    Jetzt lacht Roland und streicht sich eine widerspenstige Locke aus dem Gesicht. „Quatsch. Von Tante Edda habe ich dir doch am Telefon erzählt. Tante Edda ist ein Maremmano."

    „Ein was?", fragt Papa und schaltet die Tagesschau wieder aus.

    „Ein Pferd. Mein Pferd. Oder unser Pferd, besser gesagt. Eigentlich gehört es ja Hirse. Unser Haus in Portugal hat einen eigenen Stall und eine große Koppel, wo sie sich auch mit anderen Pferden aus der Nachbarschaft treffen kann. Ist doch klar, dass wir Tante Edda mitnehmen. Sie gehört ja quasi zur Familie."

    Mama und Papa wechseln schon wieder einen Blick. Diesmal einen ziemlich entsetzten.

    „Das heißt doch hoffentlich nicht, dass die beiden ebenfalls auf dem Weg zu uns sind?", sagt Mama dann und ich frage mich, ob sie ihn wohl gleich anspringt.

    Roland greift nach den Salzstangen auf dem Wohnzimmertisch und knabbert verlegen daran.

    „Eigentlich doch, sagt er dann endlich. „Genau das wollte ich euch die ganze Zeit sagen. Schon morgen müssten die beiden hier in Golfingen eintreffen.

    3. Ferientag

    „Der ist doch verrückt!, zischt Papa Mama zu, die verschlafen am Herd steht. „Kommt hier an mit seinem Zebramobil und faselt was von Familie. Ich bitte dich, ein Mann namens Hirse und ein Pferd. Das nennt der Familie? Wer gehört da sonst noch dazu? Ein hinkender Kanarienvogel?

    Mama fischt mit einem Löffel die Eier aus dem kochenden Wasser und verbrennt sich am Topf die Finger. „Krieg dich wieder ein!, flüstert sie ebenso aufgebracht zurück. „Maximal zwei Wochen, das werden wir schon rumkriegen.

    „Roland ist doch nett, versuche ich, Partei für Mamas Bruder zu ergreifen. „Vielleicht können wir sogar mal bei ihm Urlaub machen. In Portugal. Außerdem ist er Maler, ist doch cool.

    „Sehr cool, sagt Papa und schlürft seinen Kaffee im Stehen. „Und der Gaul? An den denkt offenbar niemand.

    „Vorübergehend müssen wir das Pferd wohl im Garten unterbringen", überlegt Mama laut. Papa sieht sie an, als wäre sie völlig übergeschnappt.

    „Im Garten?, meint er und stellt seine Tasse so heftig ab, dass das heiße Getränk überschwappt. „Sprichst du von unserem Garten?

    Mama nickt. „Was dachtest du denn? Sollen wir das Pferd auf dem Dachboden deponieren? Klar, dass wir baldmöglichst eine bessere Lösung brauchen. Aber bis dahin …"

    Jetzt sieht Papa wirklich aus, als würde er jeden Moment wie eine Rakete durch die Zimmerdecke düsen.

    „Tolle Idee. Warst du nicht diejenige, die auf keinen Fall eine Katze wollte? Und jetzt ein Pferd! Das ist ja lustig!"

    Mama ächzt. „Das ist eben eine Notsituation. Wir können das Gartenhaus leer räumen, dann kann das Tier die erste Nacht darin schlafen."

    „Die Nachbarn werden uns für völlig wahnsinnig halten."

    „Die Nachbarn! Die Nachbarn! Jetzt ist Mama gereizt. „Die haben ihre eigenen Probleme. Daniela hilft mir bestimmt, die Gartenlaube leer zu räumen.

    Wieso ich denn? Ich ziehe eine Grimasse. Eigentlich war ich ja mit Ann-Katrin zum Baden am Weiher verabredet.

    „Du magst doch Pferde?, versucht es Mama schmeichelnd in meine Richtung. „Vielleicht kannst du dich ein bisschen um das Tier kümmern. Hast doch schließlich Ferien.

    Jetzt klappt mir der Mund zu. Seit wann bedeuten Ferien, dass man auf Tiere aufpassen muss, die mindestens einen halben Meter größer sind als man selbst?

    „Ich weiß nicht, ob ich Pferde mag", versuche ich, mich rauszuwinden. Das stimmt sogar. Pferde habe ich bisher bestenfalls aus der Ferne gesehen.

    „Die Sachen im Gartenhaus räumt ihr aber bitte schön in den Keller!", befiehlt Papa und hört sich an, als würde er mit einem seiner Angestellten telefonieren.

    „Ach, eigentlich wollte ich das alles auf die Straße werfen!, meint Mama spitz. „Den Bohrer, die Schneeschaufel, die Heckenschere. Aber danke für den Hinweis. An den Keller habe ich gar nicht gedacht.

    Papa packt schweigend seine Aktenmappe und rauscht aus dem Haus. Und die Stimmung ist mit einem Mal genauso vergiftet wie damals bei Ann-Katrin und Tine, als ihre Eltern sich beinahe getrennt haben.

    * * *

    „Ein Pferd?, fragt Ann-Katrin über den Zaun hinweg und klammert sich an ihrem Fahrradlenker fest. „Ein richtiges Pferd?

    „Na ja. Ich wische mir über die Stirn. „Wegen einem Schaukelpferd würden wir diesen Aufwand bestimmt nicht betreiben.

    Das Gartenhaus ist so gut wie leer geräumt und das ganze Werkzeug ist fein säuberlich in Kisten im Keller verstaut.

    „Und wo ist dein niedlicher Onkel hin?", fragt Ann-Katrin und guckt sehnsüchtig an die Stelle, an der gestern noch sein gestreifter VW-Bus stand.

    „Der ist unterwegs. Stroh und Futter kaufen. Außerdem sucht er nach einem Reiterhof, wo wir Tante Edda gegen Bezahlung vorübergehend unterstellen können."

    „Tante Edda? Was ist das denn für ein dämlicher Name?"

    Ann-Katrin lässt eine Kaugummiblase platzen.

    „Ist doch witzig."

    Ann-Katrin macht ein gleichgültiges Gesicht. „Ich fahre jetzt auf jeden Fall raus zum Weiher. Meine Schwester ist mit ihrer Clique dort. Wenn euer komischer Stall fertig ist, kannst du ja nachkommen."

    Mist! „Und das Pferd?, wage ich einen Versuch. „Bist du gar nicht neugierig?

    Ann-Katrin gähnt. „Klar. Ich schaue mir das dann morgen an. Heute ist doch Schlauchbootrennen am Weiher. Sorry, aber da kann ein Pferd nun wirklich nicht mithalten." Sie stößt sich vom Gartenzaun ab und radelt davon.

    „Und wann sehen wir uns wieder?", rufe ich meiner besten Freundin hinterher.

    „Keine Ahnung. Ruf mich an, wenn das Pferd startklar ist. Dann reiten wir mal durch die Ortschaft!" Schon ist Ann-Katrin in der Kurve verschwunden.

    * * *

    Papa, Mama, Roland und ich stehen wie ein Empfangskomitee neben der Vogeltränke, als das Auto mit dem Anhänger in unsere Straße ruckelt.

    Die schwerhörige Frau Straub von gegenüber reckt neugierig ihren Hals über die Hecke.

    „Eine Lieferung?", schreit sie.

    „Ein Pferd", antwortet Mama verlegen.

    Frau Straub nickt. „Ein Herd? Ja, ich bräuchte auch dringend einen neuen Ofen. Aber einen mit Ober- und Unterhitze."

    Dann verschwindet sie wieder in ihrem Garten.

    Jetzt hält das Auto mit dem Anhänger an. Die Tür öffnet sich und ein junger Mann steigt aus. Als Erstes fällt mir seine Frisur auf: kein wuscheliger Lockenkopf wie bei Roland, sondern ein frecher blonder Kurzhaarschnitt. Nur die Haare in der Mitte sind grasgrün gefärbt und stehen ab wie ein Hahnenkamm. Das ist genau so eine Frisur, bei der Papa immer sagt, dass ich ausziehen muss, wenn ich eines Tages damit ankomme. Ob dieser Hirse jetzt doch nicht bei uns übernachten darf?

    „Hallo, ich bin Hirse!, sagt Hirse in die Runde. Er umarmt meinen Onkel zur Begrüßung. „Ich hoffe, wir haben euch nicht zu sehr überfallen.

    „Ach, keine Umstände!, antwortet Papa und starrt irritiert auf die grün gefärbten Haarsträhnen. „Wir haben ja Platz. Und das Gartenhaus haben wir heute Nachmittag extra für das Pferd leer geräumt.

    Mama guckt Papa schief an.

    Das Pferd. Das ist das Stichwort. Hören kann man es schon. Leise schnaubt es durch die Sichtschlitze des Anhängers. Ein beruhigendes Geräusch, so als würde das Tier uns auf seine ganz eigene Art begrüßen.

    „Das ist sie, die Gute!, sagt Roland und geht mit seinem Freund Hirse nach hinten, um den Anhänger zu entriegeln. „Tante Edda. Das schönste und intelligenteste Pferd in dieser Galaxie.

    Hirse bringt eine kleine Rampe am Hänger an, und dann tritt Tante Edda nach draußen. Groß ist sie. Viel größer, als ich gedacht habe. Und von einer samtigen hellbraunen Farbe.

    „Wow!", sage ich und mache einen Schritt auf die Besucherin zu.

    „Aha. Daniela hat sich augenblicklich verliebt!", sagt Roland und lacht.

    Das ist natürlich übertrieben. Aber fasziniert bin ich schon, das muss ich zugeben.

    „Ich hoffe sehr auf deine Unterstützung!, meint Roland leise und legt seinen Arm um meine Schulter. „Vielleicht kannst du uns helfen, einen Reiterhof für Tante Edda zu finden. Meine bisherige Suche war eher erfolglos. Das sind ja die reinsten Erpresser hier in der Gegend! Für das Geld kann ich Eddas Hufe mit Gold beschlagen lassen. Aber hier kann sie wirklich nur vorübergehend bleiben.

    Ich nicke. Roland hat mir gestern noch einen ganzen Stapel mit Büchern über Pferdehaltung und Pferdepflege in die Hand gedrückt. Nicht, weil er selber zu faul ist, sich die nächsten Tage um sein Pferd zu

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