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Der Urmensch im Zirkuszelt

Der Urmensch im Zirkuszelt


Der Urmensch im Zirkuszelt

Länge:
323 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Jan. 2016
ISBN:
9783960282709
Format:
Buch

Beschreibung

Dies ist ein hilfreiches Buch für alle, die Menschen führen. Unabhängig davon, ob es sich um einen einzelnen Menschen wie einen Mitarbeiter oder einen Kunden, ein Team oder aber eine ganze weltumspannende Organisation handelt. Zunächst beschreibt der Autor nachvollziehbar, sich an wissenschaftliche Tatsachen haltend, aber auch humoristisch und leicht verständlich, wie man sich die geistigen und emotionalen Prozesse in Menschen bildlich vorstellen kann. Hierzu nutzt er das von ihm entwickelte und von seinen Kunden bereits seit Jahren erfolgreich angewendete „Zirkuszelt-Modell“.

Auf dieser tragfähigen Grundlage basierend gibt er, mit plastischen Beispielen aus der Praxis versehen, konkrete Sicht-, Denk- und Verhaltenswerkzeuge an die Hand, wie man Menschen auf ein gemeinsames lohnendes Ziel ausrichtet, mit Widerständen umgeht und wie die Leserinnen und Leser zu einer angemessenen, Freiheit, Sicherheit und Orientierung gebenden, inneren Haltung gelangen.
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Jan. 2016
ISBN:
9783960282709
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Der Urmensch im Zirkuszelt - Klaus Goldbeck

Der Urmensch im Zirkuszelt

Sich selbst und andere sinnvoll führen

Klaus Goldbeck

Impressum

Der Urmensch im Zirkuszelt (1. Auflage 2015)

Autor: Klaus Goldbeck

Lektorat: Iris Bachmeier

Copyright © 2015 

Sachbuch Verlag 

http://www.sachbuchverlag.com

207 Taaffe Place, Office 3A

Brooklyn, NY 11205, USA

ISBN: 978-3-96028-270-9

Verlag GD Publishing Ltd. & Co KG, Berlin

E-Book Distribution: XinXii

www.xinxii.com

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt.

Alle Rechte, auch die der Übersetzung, des Nachdrucks und der Vervielfältigung des Werkes oder Teilen daraus, sind vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in irgendeiner Form (Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren), auch nicht für Zwecke der Unterrichtsgestaltung, reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Die Wiedergabe von Gebrauchsnamen, Handelsnamen, Warenbezeichnungen usw. in diesem Werk berechtigt auch ohne besondere Kennzeichnung nicht zu der Annahme, dass solche Namen im Sinne der Warenzeichen- und Markenschutz-Gesetzgebung als frei zu betrachten wären und daher von jedermann benutzt werden dürften.

Trotz sorgfältigem Lektorat können sich Fehler einschleichen. Autor und Verlag sind deshalb dankbar für diesbezügliche Hinweise. Jegliche Haftung ist ausgeschlossen, alle Rechte bleiben vorbehalten.

Über das Buch

Dies ist ein hilfreiches Buch für alle, die Menschen führen. Unabhängig davon, ob es sich um einen einzelnen Menschen wie einen Mitarbeiter oder einen Kunden, ein Team oder aber eine ganze weltumspannende Organisation handelt. 

Zunächst beschreibt der Autor nachvollziehbar, sich an wissenschaftliche Tatsachen haltend, aber auch humoristisch und leicht verständlich, wie man sich die geistigen und emotionalen Prozesse in Menschen bildlich vorstellen kann. Hierzu nutzt er das von ihm entwickelte und von seinen Kunden bereits seit Jahren erfolgreich angewendete „Zirkuszelt-Modell". 

Auf dieser tragfähigen Grundlage basierend gibt er, mit plastischen Beispielen aus der Praxis versehen, konkrete Sicht-, Denk- und Verhaltenswerkzeuge an die Hand, wie man Menschen auf ein gemeinsames lohnendes Ziel ausrichtet, mit Widerständen umgeht und wie die Leserinnen und Leser zu einer angemessenen, Freiheit, Sicherheit und Orientierung gebenden, inneren Haltung gelangen.

Über den Autor

Seit 40 Jahren beschäftigt sich der Autor mit Psychologie und Philosophie. Er las hunderte Bücher, besuchte unzählige Seminare. Parallel dazu sammelte der Facharbeiter und Elektro-Ingenieur über zwei Jahrzehnte lang Erfahrungen als Monteur und Manager. Aufgrund seiner Praxiserfahrung und seines Wissens entdeckte er vollkommen natürliche, extrem wirksame alltagstaugliche Führungsstrategien. 

Seit 1998 arbeitet er damit erfolgreich als Berater und Coach, vorwiegend für „Hidden Champions". Das sind weitestgehend unbekannte Unternehmen, die zu den erfolgreichsten der Welt zählen. Seine griffigen Werkzeuge wirken nicht nur auf Mitarbeiter, Chefs und Kollegen, sondern auch im Privaten. In diesem Buch stellt er einen ersten grundlegenden Teil seiner Methoden der Öffentlichkeit vor.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Prolog

Das Kleingedruckte

Warnhinweis

Anwendungshinweis

Der Mensch, entwicklungs-geschichtlich betrachtet

Der Urmensch

Das Zirkuszelt

Der Gegenspieler des Urmenschen ist der Intellekt.

Die Manege: Akteure und Requisiten

Die Schlussfolgerungsleiter

Die Graue Eminenz

Die Dame in Grün

Die Dame im blauen Hosenanzug

Die gelb-schwarze Klebetube

Die hölzerne Balkenwaage

Der Geschichtenbär

Die Zimmerpflanze

Die Teppichrollen

Übersetzung Umgangssprache - Modellsprache

Das Zusammenspiel

Die Pareto-Regel

Systeme

Funktionstests

Wer fragt, führt!

Führungswerkzeuge

Führen oder managen?

Fragen

Die Führungsprinzipien

Ziele

Die Wirkungsquadranten

Zielformulierung für Profis

Anwendungsbeispiele

Der Istzustand zum Ziel

Das Ziel des Chefs

Ein Ziel für alle

Zielformulierung im Leitungsteam

Der IKEA-Effekt

Vorbild und Konsequenz

Zielformulierung in einer Abteilung

Viele Ziele sind der Tod der Effizienz

Der Maßstab für richtig und falsch

Die Nahrung der Motivation

Der Zeigefinger-Misserfolgskreislauf

Dissonanz-Botschaften

Der Fall Ell

Die innere Haltung

„Freund"lichkeit

Konsequenz und Fairness

Tagsüber erfolgreich arbeiten und nachts gut schlafen

Epilog

Schlusswort

Vorwort

Dieses Buch habe ich für Sie geschrieben. Sie gehen mit Menschen um. Sie sind Teamleiter, Vorstandsvorsitzender oder befinden sich irgendwo dazwischen. Womöglich sind Sie aber auch selbstständig und möchten erfolgreicher mit Angestellten und Kunden umgehen. Oder Sie sind einfach Mensch und wollen zufriedener im Umgang mit sich und anderen sein.

Dieses Buch ist kein wissenschaftliches Buch. Es verfügt über keine detaillierten Literatur- und Quellenhinweise. Stattdessen kommt es aus der Praxis und ist für Praktiker geschrieben. Die Modelle und Werkzeuge wurden nicht im Labor entwickelt. Sie wurden erfolgreichen Führungskräften abgeschaut, in eine verständliche Sprache gefasst und im Alltag erprobt. Gehen Sie bitte an den Stellen, an denen Sie einen Literaturhinweis erwarten, aber keinen finden, davon aus, dass ich hier meine persönlichen Annahmen und Schlussfolgerungen ausdrücke, ich es als Allgemeingut betrachte oder dass mehr als nur eine Quelle gibt . 

Was auch immer Sie erreichen wollen. Wenn Sie dazu Menschen brauchen, die mit Ihnen kooperieren sollen, ist es nützlich, wenn Sie wissen, aus welchem Grund und zu welchem Zweck Menschen sich unter welchen Bedingungen wie verhalten. Ebenso hilfreich ist es, die im Menschen stattfindenden Prozesse nachvollziehen zu können. Wenn Sie sie nachvollziehen können, brauchen Sie neben dem Glück des Tüchtigen „nur" noch ein entsprechendes Verhalten an den Tag zu legen, um wirksam zu beeinflussen. Und genau das und die entsprechende innere Haltung dazu werden Sie hier finden. Ungewöhnlich, einfach und wirksam.

Beim aufmerksamen Lesen dieses Buches werden Sie jedoch ein Risiko eingehen! 

Die Inhalte können Sie nämlich in Ihrem Selbstverständnis so sehr infrage stellen, dass Sie das Buch weglegen oder ganz unbewusst wesentliche Aspekte ignorieren. 

Dieses Buch basiert auf einer Ihr Gehirn alarmierenden und deshalb gern verdrängten Tatsache: Schopenhauer formulierte sie bereits, die meisten zweifelten sie an. Der Hirnforscher Benjamin Libet sowie seine Nachfolger bewiesen sie in Dutzenden von Experimenten, die Allgemeinheit ignoriert sie bis heute: Nicht das Bewusstsein oder der Intellekt steuern den Menschen, sondern das Unbewusste! 

Man kann das, was beim aufmerksamen Lesen dieses Buches herauskommt, zwar beschreiben und ankündigen, aber nicht vorwegnehmen. Man muss es leben, erleben. Wenn Sie die Kraft haben, über Ihren Schatten zu springen, die Fakten an sich heranzulassen, und über den Mut verfügen, Bewährtes ohne wissenschaftliche „Beweise" anzuwenden, werden Sie zum vorbildlichen, gern gesehenen, auffällig erfolgreichen Chef. Und das behaupte ich nicht einfach so, sondern die Erfolge meiner Kunden zeigen das.

Die Vorgehensweisen besonders erfolgreicher Führungskräfte habe ich persönlich erleben können, da ich insbesondere als Vertriebsleiter hunderte Unternehmen aus der Innenperspektive kennenlernen durfte. Mit meinem Wissen um Psychologie und Philosophie beobachtete und hinterfragte ich meine Gesprächspartner bezüglich ihrer Art und Weise des Umgangs mit anderen. So erkannte ich Muster und Prinzipien. Das, was ich über Jahrzehnte beobachtete und bei unterschiedlichsten Menschen wiederfand, nahm ich als Grundlage, um ihre erfolgreichen Strategien in eine allgemein verständliche Sprache zu übersetzen und damit anderen interessierten Führungskräften zugänglich zu machen. 

Das Modell  vom Urmenschen im Zirkuszelt entwickelte sich während meiner Arbeit als Berater, Trainer und Coach quasi wie von selbst. Ich suchte Wege, um innere Prozesse bildlich und nachvollziehbar darstellen zu können. Nachdem meine Kunden die ersten meiner Werkzeuge anwendeten und auffällige Erfolge damit produzierten, erweiterte ich das Modell über die Jahre mit praktikablen Werkzeugen zu einem vollständigen Führungskonzept. Dieses Konzept funktioniert nicht nur erstklassig, sondern ist, wenn man sich darauf einlassen kann, leicht verständlich und griffig. 

Was Sie hier in Händen halten, ist das erste von drei Büchern. Damit Aktionen und Reaktionen von Mitarbeitern, Kollegen und Vorgesetzten verständlicher werden, skizziere ich in der vorderen Hälfte dieses Buches das Zirkuszeltmodell. Es ist bildhaft, skurril und vor allen Dingen merkwürdig; im Sinne von „das merkt man sich". All meine Kunden, denen ich es in Beratungen, Trainings und Coachings vorgestellt habe, bezeichnen es, nach anfänglicher Verwirrung, als klar, praxistauglich und hilfreich. In der zweiten Hälfte beschreibe ich eine Kombination bekannter und von mir entwickelter innerer und verbaler Führungswerkzeuge. Unter Führungswerkzeugen verstehe ich innere Einstellungen, Sicht- und konkrete Verhaltensweisen. Mit ihnen werden Sie Ihren Mitarbeitern so begegnen können, dass sie anspruchsvolle Ziele tatsächlich erreichen. 

Das Modell in Kombination mit den Werkzeugen wird Ihnen einen größeren und bewussteren Einfluss auf Menschen bieten. Dazu benötigen Sie zunächst eine angemessene innere Haltung, deren Erwerb ausführlich beschrieben wird. 

Das folgende Buch wird sich um das erfolgreiche Führen schwieriger Gespräche drehen. Im dritten Buch werden Sie strukturelle Werkzeuge erhalten. Sie erfahren, wie Sie das Leistungsvermögen Ihrer Mitarbeiter transparent machen, sich darauf einstellen und wie das Führen von Gruppen und Teams funktioniert. Das Zirkuszeltmodell wird dabei gemäß den jeweiligen Anforderungen erweitert.

Das, was ich schreibe, ist übrigens nicht „die Wahrheit. Nein, keine Sorge, ich lüge Sie nicht an. Ich kann nur deshalb nicht „die Wahrheit schreiben, weil ich die Wahrheit nicht kenne. Ich beschreibe hier ausschließlich Sichtweisen. Diese basieren auf Wissen, wissenschaftlichen Fakten, Kombinationsfähigkeit und Erfahrung. 

Vielleicht ist dieses Buch nicht an allen Stellen leicht und flüssig zu lesen, denn ich bin davon überzeugt, eher ein Mann des gesprochenen als des geschriebenen Wortes zu sein. Das kann Gedankenarbeit für Sie zur Folge haben. Vielleicht wird eine am Anfang getroffene Aussage auch erst auf den letzten Seiten des Buches schlüssig. Bitte zeigen Sie dennoch Durchhaltevermögen. Anschließend, und das weiß ich von sämtlichen Anwendern der Modelle und Werkzeuge, werden Sie persönlich stärker, sicherer und wirksamer. Ihre Mitarbeiter werden erkennbar zufriedener. Sie handeln wirtschaftlicher und die Ergebnisse Ihres Verantwortungsbereiches steigern sich messbar.

Prolog

Sven Mayer ist genervt und fühlt sich hilflos. Das formelle Mitarbeitergespräch mit Karsten Ell läuft ganz und gar nicht so, wie er es sich wünscht. Ell ist intelligent, durchsetzungsstark und eigenwillig. Mit seinem Verhalten tritt er vielen auf die Füße. Er bricht Regeln, manipuliert Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzte. Dennoch ist er einer von Mayers leistungsfähigsten Mitarbeitern. Wenn er sich für eine Sache begeistert, ist er richtig gut. 

Doch während des Mitarbeitergesprächs, mitten in den soeben gedachten Gedanken, wird es schwarz um Sven Mayer. In dieser Dunkelheit meint er, in die Pupille von Ell hineingezogen zu werden. Als würden sich seine Augen an die Dunkelheit gewöhnen, tauchen die inneren Konturen einer Nervenbahn auf. Alles bewegt sich schnell an ihm vorbei. Sehr schnell. So wie bei einer Kamerafahrt im Zeitraffer. Mayer ahnt, auch wenn er es nicht glauben kann: Er ist auf dem Weg in das Gehirn von Ell! 

Plötzlich wird es hell. Sonnenschein. Seine Augen sind vom Licht geblendet. Auf einer weitläufigen, sattgrünen Wiese steht ein riesengroßes, uraltes Zirkuszelt. Es ist rot-weiß gestreift. Mayer ist verwundert. Gehirn? Zirkuszelt? Die Anzahl der Masten und die Ausdehnung des Zeltes sind gigantisch. Noch bevor er mehr erfassen kann, bewegt er sich wie von Geisterhand auf das Zelt zu, findet eine Öffnung, und schon ist es wieder dunkel. Der warme Geruch von Menschen, Schweiß, Parfüm, Popcorn, Maschinen, Stahl und Öl, salzigem Meer, Geburt und Tod strömt ihm entgegen. Er hört Stimmengewirr, Applaus, Schreie, Gespräche, Stille, Musik, Meeresrauschen. Gleichzeitig scheint es, als würde sich der Boden unter seinen Füßen bewegen. Schaukelnd, wiegend, abrupt stoppend, als stünde er in einem atmenden Körper, der sich bewegt. Es ist warm. Windstill. Zeitgleich fegt ein Sturm über ihn hinweg. Kälte. Tau auf seiner Haut. Trockenheit. Millionen von Sinneseindrücken. Ist das ein Film für die Haut? Für die Nase? Ohne Bilder? Nein, das Erleben ist zu umfassend. Ist es ein Traum? 

Irgendwie aktiviert sich so etwas wie eine Nachtsichtfunktion. Schemenhafte, zunächst unscharfe, grünliche Konturen erscheinen. Unglaublich! Das Zirkuszelt ist von innen noch größer, als es von außen schien. Es ist unendlich groß. Trotzdem ist es randvoll besetzt. Auf den Rängen sitzen seltsam wirkende Gestalten. Dicht gedrängt. Filmszenen, Bilder. Menschen. Kommen sie aus einer anderen Zeit? Einige tragen ungewöhnliche Kleidung, wie Mayer sie vielleicht aus Museen kennt. Andere sind in Fell gehüllt. Primaten? Während manche verschwinden, strömen immer neue Zuschauer in das übervolle Zelt und finden Platz. In der Manege scheint es, als liefen mehrere Vorstellungen gleichzeitig. Auch hier tummeln sich seltsame Gestalten. Kaum mit Worten zu beschreiben. Aufrechte Teppichrollen auf Beinen. Ein gläserner Bauch, der wabbelnd umherläuft. Eine strahlende, wunderschöne Gestalt, die über allem schwebt und aussieht wie Ell, von dem er gerade noch glaubte, ihn vor sich zu haben. Mayer sieht eine Standleiter und so etwas wie eine Waage aus Holz. Ein hagerer Mann hält eine Fernbedienung in der Hand. Weiter hinten steht eine Zimmerpflanze. Alles sehr seltsam. 

Überall, auch auf den Rängen, herrscht ein wuseliges Treiben. Doch es ist vollkommen dunkel. Überall. Alles spielt sich im Dunkeln ab. Alles spielt zur selben Zeit. Alles scheint miteinander verwoben. Ohne Nachtsichtfunktion könnte er überhaupt nichts sehen. Halt! Nein. Er könnte etwas sehen! Am höchsten Punkt der Zirkuskuppel befindet sich ein Suchscheinwerfer, dem gleißend helles Licht entströmt. Dieser erzeugt einen Lichtkreis von etwa einem Quadratmeter auf den Rängen und in der Manege. Nur in diesem Lichtkreis ist ohne Nachtsichtfunktion etwas zu erkennen. Alles vom Scheinwerferkegel nicht Berührte liegt im Dunkeln. Der Scheinwerfer kreist. Ständig wandert er durchs Zirkuszelt und zieht eine fluoreszierende Bahn hinter sich her. Es scheint, als fahre er stets dieselben, vertrauten Wege ab. Als leuchte er stets dieselben Szenen aus. Mayer gewinnt den Eindruck, dass es weite Flächen gibt, die noch nie vom Licht des Scheinwerfers erhellt wurden. Wer steuert diesen Scheinwerfer? Wie kommen die seltsamen Bewegungen des Zeltes zustande? Was ist das alles hier? 

Irgendwie gelangt er in die Zirkuskuppel. Er blickt auf eine transparente Plattform. Darauf flackert farbiges Licht, so wie bei Fernsehgeräten im Dunkeln hinter Fenstern. Der Suchscheinwerfer ist direkt unterhalb der Plattform angebracht. Mayer sieht, wie ein in Fell gekleideter Mann auf einen großen Flachbildschirm schaut. Dabei ist dieser Mann in Bewegung, obwohl er seinen Platz nicht verlässt. Er läuft, springt, sitzt. Seine Hände öffnen und schließen sich, schütteln imaginäre Hände, gestikulieren. Einen Augenblick später scheinen sie ein unsichtbares Lenkrad zu bewegen, dann einen imaginären Telefonhörer zu halten. Der gesamte Körper bewegt sich, mehr oder weniger. Manchmal jedoch hält er inne. Er scheint zu schlafen. Trotzdem sind seine Augen geöffnet. Doch der Scheinwerfer ist dann aus. Auch der Bildschirm ist nun dunkel. Fantastische, von sich aus leuchtende Bilder tauchen während dieser Phasen auf den Rängen auf. Unrealistische Szenen. Wenn das Licht des Monitors hell und der Scheinwerfer an ist, vollführt der Mann im Fell alle nur denkbaren Bewegungen. Wenn er sich für einen Moment nicht bewegt, steht auch das Zirkuszelt still. Je häufiger die Bilder auf dem Flachbildschirm wechseln, desto unruhiger kreist der Scheinwerfer. Wenn der Mann aktiv ist, sitzt, steht, sich bewegt, wirken die Bilder realistisch, hell. Sein Verhalten passt zu den Szenen, die der Bildschirm zeigt. Es wirkt, als wäre er selbst Teil des hier zu Sehenden. Er interagiert mit dem Bildschirm, auf dem sich Sven Mayer für einen Augenblick selbst erkennt. Er sieht, wie er genau jetzt am Besprechungstisch sitzt. Bewegungslos, wie eingefroren. 

Mayer schaut hinunter auf die Ränge und die Manege. Aus dieser Höhe sieht das vom Scheinwerfer Erfasste ganz anders aus als erwartet! Von hier oben wirkt das bunte Treiben auf den Rängen im Scheinwerferkegel wie realistische Alltagsszenen. Wie solche, die Karsten Ell als Kind mit seinen Eltern oder mit seiner jetzigen Familie zu Hause, im Urlaub oder am Arbeitsplatz erlebt haben mag. Erstmals sieht Mayer Ells Arbeitsplatz und die Vorgänge im Unternehmen mit den Augen seines Mitarbeiters. Auch Mayer selbst taucht immer wieder auf den vom Scheinwerfer beleuchteten Rängen auf. Obwohl er doch irgendwie anders aussieht, als er dachte. Der Scheinwerfer fliegt nur so umher. Manchmal, wenn er seinen Blick auf den Bildschirm richtet, sieht er dort etwas Ähnliches wie das, was der Scheinwerferkegel unten auf den Rängen erhellt. Immer wieder finden sich auf dem Bildschirm und im Scheinwerferlicht Ähnlichkeiten. Aber es sind nur Ähnlichkeiten. Es herrscht keine absolute Deckungsgleichheit.

Der Mann im Fell – ist das Fell ein Mantel, ein Kostüm oder ist der Mann so stark behaart? – hält einen hölzernen, abgegriffenen Steuerknüppel in seiner derben, extrem stark behaarten Hand, der den Suchscheinwerfer bewegt. Der haarige Geselle in der Kuppel des Zirkuszelts von Karsten Ell ist ein Mann. Definitiv. Er macht Geräusche. Er stößt Laute aus. Es sind jedoch keine Worte. Keine Sprache in unserem Sinne. Es ist Lachen, Stöhnen, Schmatzen, Schnalzen, es ist wortloses, intensives Fluchen, Weinen und, wenn er eine Frau auf dem Bildschirm sieht, manchmal genussvolles Grunzen. Auf einmal dämmert es Sven Mayer. Er glaubt die Zusammenhänge zu begreifen. Intuitiv erkennt er, wie alles in Ells Gehirn miteinander zusammenhängt. Unglaublich! Er ist erstaunt, erleichtert. Nun fühlt Mayer sich lebendig und stark. Zu seiner eigenen Verwunderung ist Ell ihm plötzlich sympathisch. 

Ebenso schnell wie er sich in dieses seltsame Erleben hineingesogen fühlte, sitzt Mayer Karsten Ell nun wieder gegenüber. Wie viel Zeit mag vergangen sein? Eine Sekunde? Ein Lidschlag? Mayer bemerkt das Lächeln in seinem eigenen Gesicht. Er fühlt sich wohl. Der ihm gegenübersitzende Leistungsträger macht einen verwunderten Eindruck, obwohl er ihn ebenfalls anlächelt. Auf einmal läuft das Mitarbeitergespräch wie von selbst. Herrlich. Mayer und Ell treffen überraschenderweise einige wirklich sinnvolle Vereinbarungen. Mayers Mitarbeiter verhält sich zum allerersten Mal wirklich kooperativ. Beide stehen auf. Er gibt Karsten Ell die Hand. Ell sagt freundlich und offen und somit ganz anders, als Mayer ihn bisher erlebt hat: „Das war ein richtig angenehmes und konstruktives Gespräch! Vielen Dank, Herr Mayer." 

Das Kleingedruckte

Warnhinweis

Durch das hier vorgestellte Zirkuszelt-Modell werden Sie womöglich Zusammenhänge erkennen, die Sie bisher so noch nicht gesehen haben. Aus dieser zusätzlichen Perspektive werden Sie wahrscheinlich klarer sehen und sich selbst sowie andere Menschen besser verstehen. Auch können Sie sich mit den im Anschluss beschriebenen inneren Einstellungen, Sicht-, Denk- und Verhaltensweisen – auch Werkzeuge, Tools oder Instrumente genannt – Vorteile verschaffen. 

Aber Achtung: Man kann mit jedem Modell, mit jedem Werkzeug mindestens zweierlei bewirken. Man kann Gutes damit erreichen, ebenso kann man Macht im destruktiven Sinn damit ausüben. Das ist der Preis jeder wirksamen Vorgehensweise und eines jeden wirksamen Dings auf dieser Welt. Mit einem Messer kann man Brot schneiden oder Menschen töten. Ein Wort kann aufbauen oder zerstören. Das funktioniert auch mit Flugzeugen, Autos, Kugelschreibern, Philosophien, Religionen und allem anderen so. Es gibt nichts, was nur in eine Richtung wirkt. Es sei denn, es wirkt überhaupt nicht. Sie haben die Freiheit und die Verantwortung, achtsam und respektvoll mit dem hier Angebotenen umzugehen.

Sie werden mit dem nachfolgend Beschriebenen erweiterte Möglichkeiten erhalten, Menschen einzuschätzen und zu beeinflussen. Beachten Sie bitte, dass wir im Allgemeinen dazu tendieren, neu erworbenes Wissen nicht selbst anzuwenden, sondern zu erwarten, dass andere das tun. Gerne geben wir ihnen Tipps, wie sie die Sache betrachten und wie sie sich idealerweise verhalten sollten. Doch halten Sie bitte inne. Bleiben Sie bei sich. Es hat wenig Sinn, andere dazu anzuleiten, sich zu entwickeln, ihnen Vorschläge zu machen, wie sie sich verbessern können. Kümmern Sie sich zuallererst um sich selbst! Wenn Sie das erfolgreich getan haben, werden Sie anderen Menschen nicht nur wohlwollender, orientierter und wirksamer begegnen, sondern diese werden, aufgrund Ihres veränderten Verhaltens, gar nicht anders können, als ihre Sichtweise, ihr Verhalten ebenfalls zu ändern. Und das ist genau das, was Sie erreichen wollen.

Anwendungshinweis

Die hier vorgestellten Führungswerkzeuge sind keine Allroundwerkzeuge und stellen keine „Patentrezepte" dar. Mit keinem einzelnen allein können Sie allen Ihren Führungsherausforderungen erfolgreich begegnen. Denn Führungswerkzeuge verhalten sich so wie die Werkzeuge eines Handwerkers. Kein guter Handwerker zeichnet sich dadurch aus, dass er nur ein Werkzeug im seinem Werkzeugkasten hat und nur dieses benutzt. Hätte er nämlich beispielsweise nur einen Schraubenzieher darin, müsste er jedes Problem wie eine Schraube behandeln. 

Da Sie schon lebenslang mit Menschen umgegangen sind, gehe ich davon aus, dass Ihr Werkzeugkasten bereits vor dem Kauf dieses Buches gut gefüllt war. Auch wenn Sie hier neue Werkzeuge erhalten, lassen Sie bitte alle Ihre bisher verwendeten in Ihrem Werkzeugkasten und nutzen Sie sie auch zukünftig dort, wo Sie damit Erfolg hatten. Nur dort, wo Sie bisher nicht zufrieden waren, verwenden Sie die neuen, hier angebotenen Werkzeuge. 

Der Einfachheit halber verwende ich im folgenden Text ausschließlich die männliche Form. Selbstverständlich sind damit auch Mitarbeiterinnen und weibliche Führungskräfte und Manager gemeint. 

Der Mensch, entwicklungs-geschichtlich betrachtet

Um die Vorgänge innerhalb unseres Gehirns nachvollziehbar und somit besser steuerbar zu machen, differenziere ich sie zunächst in einen bewussten und in einen unbewussten Teil. So gibt es Gedanken, die mir bewusst sind. Beispielsweise wie ich heiße, wo ich wohne und was ich in diesem Absatz des Buches schreiben will. Unbewusst ist mir, dass ich atme, während ich diese Zeilen schreibe, und dass mein Herz schlägt. Erst wenn ich es überprüfe, wird es mir bewusst. 

Es gibt aber auch Gedanken, die mir vor Zeiten bewusst waren, es heute aber nicht mehr sind. Während meines Studiums der Elektrotechnik vor mehr als 30 Jahren war mir der Hauptsatz der Thermodynamik bewusst. Heute ist er es nicht mehr. Ich habe ihn vergessen. Würde ich jedoch mit jemandem darüber reden, der sich damit auskennt, vermute ich, dass er mir wieder bewusst wird. Es gibt also Bewusstes, das mit der Zeit in das Dunkel des Unbewussten absackt. Andere Erlebnisse, wie beispielsweise meine Geburt, waren mir nie und sind mir auch heute nicht bewusst. Doch was übt den größeren Einfluss auf uns aus, das Bewusstsein oder das Unbewusstsein?

Der Urmensch

Sigmund Freud beschrieb das Verhältnis zwischen Bewusstsein und

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