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Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit

Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit

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Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit

Länge:
235 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 26, 2016
ISBN:
9783706558013
Format:
Buch

Beschreibung

Dieser Band der renommierten Reihe "Quellen und Darstellungen zur europäischen Freimaurerei", herausgegeben vom Historiker Univ.-Prof. Helmut Reinalter, beschäftigt sich in wegweisenden Beiträgen mit den Geheimgesellschaften zur Zeit Mozarts. Erstmals werden in einer wissenschaftlich fundierten Zusammenschau sowohl freimaurerische als auch andere Geheimgesellschaften analysiert. Weit über den biografischen Ansatz hinausgehend, dokumentieren die Beiträge die umfassenden kultur- und sozialgeschichtlichen Einflussnahmen der Geheimbünde im josephinischen Österreich. Basis des Bandes bildete eine im Sommer 2006 stattgefundene Tagung der Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich, die in Kooperation mit dem Privatinstitut für Ideengeschichte in Innsbruck und dem Da Ponte-Institut in Wien durchgeführt wurde.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 26, 2016
ISBN:
9783706558013
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Buch

Über den Autor


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Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit - Helmut Reinalter

Autoren

Vorwort

Die Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich hat vom Großmeister den Auftrag, sich regelmäßig mit Themen zu beschäftigen, die nicht nur der Freimaurerei helfen sollen, grundlegende Themen ihrer Ideengeschichte wissenschaftlich zu vertiefen, sie soll auch gleichzeitig die Chance nützen, darüber mit nichtfreimaurerischen Persönlichkeiten in einen Dialog zu treten. Es ist eine wichtige Aufgabe der Freimaurerei, aus der besonderen Vergangenheit dieses Weltenbundes Erkenntnisse zu gewinnen, die für die Welt und die Zukunft der Menschheit relevant sind. Werteverlust, Desorientierung und das steigende Konfliktpotential einer globalisierten Gesellschaft geben dieser Aufgabe eine sehr aktuelle und wichtige Dimension.

Das Jubiläumsjahr des Bruders Freimaurer Mozart bot den seltenen Anlass, eine breite und interessierte Öffentlichkeit umfäinglich über die geistigen Strömungen und die komplexen Relationen, die zwischen Aufklärung, Josephinismus und Freimaurerei in seiner Zeit herrschten, zu informieren. Die geheimen Gesellschaften seiner Zeit haben da viele Spuren hinterlassen, deren Relevanz für den Gesamtprozess der Aufklärung nicht leicht erkennbar und zuordenbar sind. Helmut Reinalter ist es hier in seiner Doppelfunktion als Vorstand des Privatinstituts für Ideengeschichte und als Wissenschaftlicher Leiter der Freimaurer-Akademie gelungen, ein Panel zusammenzustellen, das viele Fragen beantworten konnte und es vor allem schaffte, die Bedeutung dieser Geheimgesellschaften in eine hierarchische Ordnung und in den Kontext der auch heute sehr relevanten, reflexiven Aufklärung zu bringen.

Besonders glücklich schätzen wir uns allerdings, dass es uns möglich war, dieses Symposium in örtliche, zeitliche und sachliche Nähe der so bedeutenden und erfolgreichen Mozart-Ausstellung in der Albertina zu bringen. Herbert Lachmayer, dem Leiter des Da Ponte-Instituts, ist nicht nur eine hervorragende Ausstellung geglückt, er hat durch seine umfängliche Mitwirkung und in seinem Beitrag unserem Thema Dynamik und eine Dimension verliehen, die die Bedeutung des Freimaurers Mozart für unsere Zeit in einem neuen Lichte erscheinen lässt. Ihm gilt unser besonderer Dank.

Schließlich ist der Erfolg dieser Veranstaltung, nämlich der sehr gute Besuch, die gewonnenen Erkenntnisse und die perfekte Organisation, das Resultat des unermüdlichen Einsatzes des Koordinators der Freimaurer-Akademie, Manfred Jochum, und seines Teams. Ihm und den ausgezeichneten Referenten des Symposiums möchte ich an dieser Stelle meinen speziellen Dank ausdrücken.

Michael Kraus

Großmeister der Großloge von Österreich

Oktober 2006

Vorbemerkung

Aus Anlass des Mozartjahres fand am 19. und 20. Mai 2006 in der Albertina und im kleinen Festsaal der Universität Wien das Symposium „Mozart und die geheimen Gesellschaften seiner Zeit statt. Veranstalter war die Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich in Kooperation mit dem Privatinstitut für Ideengeschichte in Innsbruck und dem Da Ponte-Institut Wien. Diese sehr gut besuchte internationale Tagung verstand sich als wissenschaftliche Ergänzung zur großen Mozart-Ausstellung in der Albertina Wien „Mozart. Experiment Aufklärung.

Im Prozess der Aufklärung und des Josephinismus kam den geheimen Gesellschaften eine wichtige Rolle zu, weil sie als gesellschaftliche Formationen die Zeit Mozarts mitgeprägt haben. Im Mittelpunkt der Freimaurerlogen, in denen sich ihre als „Weltbürger verstehenden Mitglieder eine selbst geschaffene „republikanische Ordnung gaben, stand die ritualisierte Freundschaft, die in der Trennung von der Außenwelt, jenseits der ständisch strukturierten Gesellschaft, der Konfessionen und Staaten erlebt wurde. Das freimaurerische Ritual verstand sich als ein dynamisches Symbol des kosmischen Geschehens. Die Logen traten unter Achtung der Würde des Menschen für Toleranz, freie Entwicklung der Persönlichkeit, ethisches Handeln, Brüderlichkeit und Humanität ein. Ihr Ziel war es, für eine Vermenschlichung der Gesellschaft einzutreten. Mozart, der am 14. Dezember 1784 in die Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit" aufgenommen wurde, war begeisterter Freimaurer und fühlte sich von diesen Verhaltensweisen und Zielen sehr angesprochen.

Die strukturelle Krise des Absolutismus und der Spätaufklärung führte dann allerdings zu einer Aufspaltung der geheimen Gesellschaften in verschiedene ideologisch-politische Richtungen und zur Gründung verschiedener Sozietäten, die neben Mozarts freimaurerischer Tätigkeit im vorliegenden Band dargestellt werden. In der Zeit vom 16. Juli bis 1. September 1782 tagte in Wilhelmsbad bei Hanau ein internationaler Freimaurerkonvent, der statt des unübersichtlichen Dickichts der verschiedenen Richtungen und Systeme der Freimaurerei eine einfachere Struktur schaffen wollte. Er hatte für die weitere Entwicklung der Freimaurerei, wie die Geschichte zeigt, große Bedeutung. Auf diesem Konvent traten sehr heterogene, esoterisch-ideologische Strömungen hervor. Die drei Hauptgruppen umfassten die Anhänger verschiedener hermetisch-alchemistischer Traditionen, die französischen Vertreter des mystisch-spiritualistischen-martinistischen Lyoner Systems und die Rationalisten bzw. Aufklärer. Dieser Differenzierungsprozess betraf z.T. auch die Entwicklung der Freimaurerei in der Habsburger Monarchie, wie aus den Beiträgen hervorgeht. Erstmals werden hier die Freimaurerei und andere geheime Gesellschaften zur Zeit Mozarts in einer Zusammenschau präsentiert und ihre Querverbindungen aufgezeigt. Jean Mondot (Bordeaux) sprach zur Einleitung des Symposiums in einem öffentlichen Vortrag über das Thema „Die praktische Aufklärung in Österreich und der Josephinismus".

Die Freimaurer-Akademie der Großloge von Österreich dankt dem Privatinstitut für Ideengeschichte und dem Da Ponte-Institut für die gute Zusammenarbeit und Organisation, den Sponsoren und allen Persönlichkeiten, die zum Gelingen dieser wissenschaftlichen Tagung beigetragen haben. Der Koordinator der Akademie, Manfred Jochum, hat die zahlreichen Besucher in Vertretung des Großmeisters der Großloge von Österreich, Michael Kraus, begrüßt und auf die Bedeutung des Symposiums hingewiesen.

Wien/Innsbruck, Oktober 2006

Helmut Reinalter

Wissenschaftlicher Leiter der Freimaurer-Akademie

Helmut Reinalter

Einführung

Die Aufklärung wird in der neueren Forschung häufig als bürgerliche Emanzipations- und Bildungsbewegung mit der höfisch-aristokratischen Kultur des Barock verglichen und davon abgegrenzt. Dabei wird offenbar übersehen, dass im 18. Jahrhundert noch die Aristokratie politisch und kulturell dominierte. Allerdings erhöhte sich die Zahl der bürgerlichen Gelehrten, Schriftsteller und Künstler, die alle von einer spezifischen Welt- und Lebensanschauung geprägt waren, die als bürgerliche Mentalität bezeichnet wurde. Darunter verstand man vor allem die Betonung der Persönlichkeit, die nicht durch Geburt und Zugehörigkeit zu einem Stand und Verband, sondern durch die unveräußerliche Menschenwürde, durch Leistung und Verdienst bestimmt war. Die sozialen Beziehungen der Menschen untereinander unterlagen einem Rationalisierungs- und Funktionalisierungsprozess. Sie wurden nicht mehr als gegeben hingenommen, sondern als Aufgabe und Chance der Gestaltung im Interesse der Menschen aufgefasst.

Die bürgerliche Welt- und Lebensanschauung manifestierte sich auch in neuen Geselligkeits- und Vergesellschaftungsformen. Zu ihnen gehörte eine Vielzahl unterschiedlicher Sozietäten, wie Akademien, Gelehrten- und Lesegesellschaften, ökonomische und patriotische Sozietäten und die Freimaurerlogen, die sozial von der höfischen Welt bis in das gebildete und besitzende Bürgertum hineinreichten. Allen diesen Gesellschaften war auf ähnliche oder unterschiedliche Weise das Bekenntnis zur Aufklärung, die Verwirklichung des Gemeinwohls und die Förderung der Bildung und Wissenschaften gemeinsam. Innerhalb der bürgerlichen Emanzipationsbewegung bildeten sie eine eigene Entwicklungsstufe zwischen feudaler Kooperation und bürgerlicher Assoziation und trugen – mit Ausnahme der Geheimgesellschaften – wesentlich zur Entstehung der Öffentlichkeit bei. Die Aufklärungsgesellschaften müssen als Erscheinungsform eines tief greifenden Transformationsprozesses gesehen werden, der die Entstehung der modernen bürgerlichen Gesellschaft beeinflusst hat. Nur auf der Grundlage des sich langsam herausbildenden modernen Staates mit seiner Bürokratie und mit der Emanzipation des Bürgertums konnten sich die aufklärerischen Sozietäten konstituieren, in denen erstmals über konfessionelle, staatliche und ständische Interessen hinweg für die ganze Gesellschaft verbindliche, gemeinsame Anliegen vertreten wurden. Die Sozietäten der Aufklärung bildeten einen besonderen sozialen Kristallisationspunkt und ein wichtiges Forum für aufklärerische Diskurse. Ihre Zahl und Bedeutung nahmen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts zu, sodass bald in ihnen ein erheblicher Teil des Bürgertums neben dem Adel organisiert war.

Die Freimaurerei hat als gesellschaftliche Formation die Aufklärung mitgeprägt und im Josephinismus eine nicht unwichtige Rolle gespielt. Sie stellte mit ihren z.T. strukturellen Gemeinsamkeiten eine spezifische Antwort auf das politische System des Aufgeklärten Absolutismus dar. Verschiedene Gruppen, die sozial anerkannt, aber z.T. ohne politischen Einfluss waren und in den bestehenden Einrichtungen des Staates keinen adäquaten Raum fanden, trafen sich in Kaffeehäusern, Akademien, Klubs und Salons, in Bibliotheken und literarischen Gesellschaften, um Kunst, Kultur und Wissenschaft zu betreiben. Versuche dieser Gruppen, eine selbstständige politische Tätigkeit zu entwickeln, scheiterten größtenteils am Staat, der seine Ordnung in Frage gestellt sah.

Die Freimaurerei übte einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die „Erosion der höfisch-aristokratischen Standeskulturen und auf die Entstehung einer neuen bürgerlichen Oberschichtenkultur aus. Aufklärung und Geheimnis waren im freimaurerischen Verständnis kein Widerspruch. Das Geheimnis enthielt als organisatorische und symbolisch-kulturelle Kraft bestimmte sozio-kulturelle Transformationsmöglichkeiten, die im Zuge des Strukturwandels von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschaft für das Bürgertum und für Teile des Adels emanzipatorische Aspekte aufwiesen. Dazu kam noch ein in Ansätzen entwickeltes demokratisches Potential trotz Hierarchisierungstendenzen in den Hochgraden, das sich in der Freimaurerei nicht nur in der ständischen Nivellierung, in der Verwirklichung der gesellschaftlichen Gleichheit und im humanen Prinzip „Mensch unter Menschen manifestierte, sondern auch in der Selbstordnung und Selbstverwaltung, in der relativ stark ausgeprägte Formen der Willensbildung erkennbar waren. Das manchmal offene Bekenntnis der Freimaurerei zur Demokratie war gegen das real bestehende politische System des Absolutismus gerichtet.

Die angestrebte Freiheit vom Staat war das eigentliche „Politicum der an sich als Organisation unpolitischen Freimaurerei, denn ihre Unabhängigkeit und Freiheit konnte sich nur in jenen Bereich verwirklichen, der nicht unter dem Einfluss der kirchlichen und politischen Instanzen stand. Die Freimaurerlogen stellten eine neue, der entstehenden bürgerlichen Gesellschaft entsprechende Organisationsform dar. Sozialontologisch hat Lessing diesen Aspekt in seinem Freimaurergespräch „Ernst und Falk zum Ausdruck gebracht. Darin tritt besonders die soziale Funktion der Logen hervor. Die Bürger integrierten den sozial anerkannten, aber politisch zum Teil entrechteten Adel und schufen damit eine Grundlage der Zusammenarbeit auf der Basis sozialer Gleichberechtigung.

Die Freimaurerei zur Zeit Mozarts war durch verschiedene Richtungen und Strömungen gekennzeichnet. In der Zeit vom 16. Juli bis 1. September 1782 tagte in Wilhelmsbad bei Hanau ein internationaler Freimaurerkonvent, der aufgrund der Ausuferung der schottischen Hochgradmaurerei in Europa, des Auftretens unseriöser Konkurrenten, der Fehlentwicklungen in System und Ritual, der Abspaltungsversuche und Legitimationsprobleme einberufen wurde. Die Zweifel an der Beweisbarkeit einer unmittelbaren Filiation zwischen dem Tempelritterorden und dem neuen freimaurerischen Tempelrittern nahmen zu, und auch die Erfassung „unbekannter Oberer" stieß auf ernsthafte Probleme. Auf dem erwähnten Konvent traten sehr heterogene, esoterisch-ideologische Strömungen hervor. Die drei Hauptgruppen umfassten die Anhänger verschiedener hermetisch-alchemistischer Traditionen, die französischen Vertreter des mystisch-spiritualistisch-martinistischen Lyoner Systems und die Rationalisten bzw. Aufklärer. Dazu kam noch die strukturelle Krise des späten Absolutismus, die innerhalb der Freimaurerei zur Herausbildung verschiedener Richtungen führte, wobei die Rosenkreuzer als konservative Bruderschaft dem politischen Geheimbund der Illuminaten gegenüber standen.

Zur Zeit Mozarts entstand auch das Hochgradsystem der Asiatischen Brüder, das 1782 von Hans Heinrich Freiherr von Ecker und Eckhoffen ausgearbeitet wurde und durch die Vermittlung des Grafen Sinzendorf in den österreichischen Erblanden Verbreitung fand. Auch die okkulten und freimaurerischen Ideen von Cagliostro stießen in Österreich auf Resonanz, insbesondere die Gründung einer eigenen Freimaurerei, die er die „ägyptische" nannte. In diesem ägyptischen Ritus trat er vor allem dafür ein, dass auch Frauen in den Orden aufgenommen werden können.

Die Aufklärung in Österreich unterschied sich von anderen europäischen Aufklärungsbewegungen vor allem dadurch, dass sie starke praktische Züge aufwies. Der gesamte Reformkomplex Josephs II. verdeutlicht diesen Trend. Der Josephinismus wird zu Recht mit der Ausbildung des modernen bürokratischen Staates in Verbindung gebracht und nicht nur als „Sonderform der Aufklärung, sondern auch als politische, gesellschaftliche und kulturell-geistige Bewegung gedeutet, die bis zu einem gewissen Grad eine „defensive Modernisierung in Österreich eingeleitet hat. Er war mit gewissen Einschränkungen eine spezifische österreichische Variante des Aufgeklärten Absolutismus.

Wolfgang Amadeus Mozart wurde am 14. Dezember 1784, während der josephinischen Reformen, in die Wiener Loge „Zur Wohltätigkeit aufgenommen, dessen Meister vom Stuhl Otto Freiherr von Gemmingen-Hornberg, ein Förderer der Familie Mozart, war. Er dürfte Mozart nahegelegt haben, Freimaurer zu werden. Darüber hinaus war er wohl auch durch seinen stark masonisch durchsetzen Bekanntenkreis in Wien zum Logeneintritt motiviert worden. Die Loge „Zur Wohltätigkeit wurde am 2. Februar 1782 gegründet und stellte eine Tochterloge der Bauhütte „Zur gekrönten Hoffnung dar. Am 7. Jänner 1785 wurde Mozart, der die rituellen Logenarbeiten häufig besuchte, zum Gesellen befördert. Über seine Meistererhebung sind keine Unterlagen überliefert, sie muss aber bald nach seiner Gesellenbeförderung erfolgt sein. Auch Vater Leopold wurde – sicher auf Veranlassung seines Sohnes – am 6. April 1785 Freimaurer, wobei wegen des kurzen Aufenthalts in Wien seine Beförderung zum Gesellen und seine Erhebung zum Meister sehr rasch vor sich gingen. Mozart dürfte mit großer Begeisterung Freimaurer gewesen sein. Die Ziele des humanitären Bundes haben ihn sehr überzeugt: das Eintreten für Toleranz, freie Entwicklung der Persönlichkeit, für Brüderlichkeit, allgemeine Menschenliebe und besonders die Auffassung, dass menschliche Konflikte ohne zerstörerische Folgen ausgetragen werden können, wenn ein entsprechendes Vertrauensverhältnis zwischen den Menschen unterschiedlicher Überzeugungen hergestellt wird. Die Symbole als Bindemittel der Brüder untereinander, die die Kernaussagen der Freimaurerei in Bildern und sinnbildlichen Handlungen darstellen, dürften Mozart besonders angesprochen haben. In einem Brief an seinen Vater vom 4. April 1787 (der letzte erhaltene Brief an Leopold) hat er den Tod als Endzweck des Lebens bezeichnet. Das in Klammern ergänzte („sie verstehen mich) könnte eine Anspielung auf den Meistergrad der Freimaurerei mit seiner Todes- und Auferstehungssymbolik sein. Mozarts Begeisterung für den Bund geht auch aus seinen Kompositionen für masonische Zeremonien hervor. Er hat musikalisch für die Freimaurerei viel geleistet und war zum Hauskomponisten seiner Loge geworden. Seine Oper „Die Zauberflöte" gilt in Bruderkreisen als maurerisches Werk, zumindest sind starke Verbindungslinien zur Freimaurerei deutlich erkennbar.

Diese von mir einleitend angesprochenen Themenfelder werden in den Vorträgen des Symposiums genauer dargestellt und analysiert, sodass wir erstmals die Freimaurerei und andere geheime Gesellschaften zur Zeit Mozarts in einer Zusammenschau präsentieren können. Ich finde es bemerkenswert, dass diese wichtige Perspektive im Mozart-Jahr 2006 als Ergänzung zur großen Ausstellung „Mozart. Experiment Aufklärung" wissenschaftlich aufgearbeitet wird.

Jean Mondot

Als Joseph regierte und Mozart dirigierte – Der Geist eines Jahrzehnts

Öffentlicher Festvortrag

In diesem Mozart-Jahr, das zu einer Flut von Mozart-Konzerten, -Aufführungen und sonstigen Musikveranstaltungen Anlass gegeben hat und geben wird – worüber nicht zu klagen ist –, darf nicht vergessen werden, dass das überirdische, überzeitliche Musikgenie in einer besonderen Zeit und einem besonderen Land, zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte dieses Landes gelebt und gewirkt hat. Interessante historische Koinzidenz, Mozarts große Werke wurden meistens während dieses josephinischen Jahrzehntes komponiert. Wir wollen deshalb versuchen, den Geist dieses erstaunlichen, ja wundervollen Dezenniums wiederzufinden oder zumindest ihm näher zu kommen. Nicht nur die österreichische Geschichte wird durch diesen Geist be- und erleuchtet, er liefert auch Stoff zum Nachdenken für andere Nationalgeschichten.

Wie sahen die Komponenten des Geistes dieses Jahrzehntes aus? Selbstverständlich ist eine solche Einteilung immer künstlich und die Geschichte lässt sich bekanntlich nicht so einfach in kleinere gänzlich autonome Einheiten, fensterlosen Monaden gleich, teilen. Aber es kann sich nichtsdestoweniger in einem bestimmten Zeitraum eine Reihe von Ereignissen derart zusammenfügen, zusammenballen, dass so etwas Undefinierbares und doch Greifbares, Vages und doch Unverwechselbares wie ein spezifischer Zeitgeist entsteht. Plötzlich treffen geistige Strömungen zusammen, bündeln sich zusammen oder stoßen aufeinander in einer Weise, die die Spezifizität der Periode ausmacht. Man denke beispielsweise stellvertretend für viele ähnliche Konfrontationen an den Zusammenstoß der barocken Frömmigkeit mit den Ideen der Aufklärung.

Allein die Aussonderung einer Epoche gibt Einblick in ihr Selbstverständnis. Denn eine Epoche besteht nicht aus dem teleologischen Rückblick, den die Nachwelt, die natürlich mehr weiß, als die Zeitgenossen, auf sie wirft. Eine Epoche, jede Epoche, das ist ein alter rankescher Befund, existiert auch an und für sich, steht unmittelbar zu Gott nach der bekannten Formel. Deren Eigenständigkeit muss also untersucht und vor allem die Perspektive derer wieder gefunden werden, die sie unmittelbar live erlebt haben, unwissend was danach kommen mochte.

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