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Gottes Freundschaft suchen: Predigten, geistliche Gedanken und Gebete
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eBook584 Seiten6 Stunden

Gottes Freundschaft suchen: Predigten, geistliche Gedanken und Gebete

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Über dieses E-Book

Gottes Freundschaft - das ist eines der Schlüsselworte in Thomas Pröppers Denken. Er hat diesen Gedanken nicht nur in seiner theologischen Arbeit verfolgt, sondern auch zum Kern seiner Predigten gemacht, indem er "die so menschliche Sehnsucht nach Freundschaft, welche diesen Namen verdient, auch als die so menschliche Sehnsucht nach einem Gott, der dem Menschen Freund sein möge, ausgearbeitet hat" (Magnus Striet).
Über zehn Jahre predigte Thomas Pröpper in der Münsteraner Dominikanerkirche. Das, was ihn mehr als alles andere bewegte, war: das Evangelium glaubhaft ins Heute der Spätmoderne zu überSetzen. Dabei legte er nicht nur Wert auf die theologische Stringenz seiner Gedanken, sondern er feilte so lange an seinen Predigten, bis er, der Sohn eines Musikers, auch eine "stimmige Musikalität" des Textes erreicht hatte.
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum2. Feb. 2016
ISBN9783791760827
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    Buchvorschau

    Gottes Freundschaft suchen - Thomas Pröpper

    Anmerkungen

    Zum Buch

    Gottes Freundschaft – das ist eines der Schlüsselworte in Thomas Pröppers Denken. Er hat diesen Gedanken nicht nur in seiner theologischen Arbeit verfolgt, sondern auch zum Kern seiner Predigten gemacht, indem er „die so menschliche Sehnsucht nach Freundschaft, welche diesen Namen verdient, auch als die so menschliche Sehnsucht nach einem Gott, der dem Menschen Freund sein möge, ausgearbeitet hat" (Magnus Striet).

    Über zehn Jahre predigte Thomas Pröpper in der Münsteraner Dominikanerkirche. Das, was ihn mehr als alles andere bewegte, war: das Evangelium glaubhaft ins Heute der Spätmoderne zu übersetzen. Dabei legte er nicht nur Wert auf die theologische Stringenz seiner Gedanken, sondern er feilte so lange an seinen Predigten, bis er, der Sohn eines Musikers, auch eine „stimmige Musikalität" des Textes erreicht hatte.

    Der Autor

    Thomas Pröpper,

    Dr. theol., Dr. h. c., 1941–2015, war Professor für Dogmatik und theologische Hermeneutik an der Universität Münster. Als Prediger war er über viele Jahre in der Dominkanerkirche Münster (katholische Universitätskirche) tätig.

    Thomas Pröpper war Mitbegründer und -herausgeber der Reihe ratio fidei. Beiträge zur philosophischen Rechenschaft der Theologie.

    Klaus Müller,

    Dr. phil., Dr. theol. habil., geboren 1955, ist Professor für Philosophische Grundfragen der Theologie an der Universität Münster und seit 1999 Rektor ecclesiae der Dominikanerkirche.

    Er ist Mitbegründer und -herausgeber der Reihe ratio fidei. Beiträge zur philosophischen Rechenschaft der Theologie.

    Thomas Pröpper

    Gottes Freundschaft suchen

    Predigten, geistliche Gedanken und Gebete

    Verlag Friedrich Pustet

    Regensburg

    Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

    Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Angaben sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

    eISBN 978-3-7917-6082-7 (epub)

    © 2016 by Verlag Friedrich Pustet, Regensburg

    Gestaltung und Satz: Martin Vollnhals, Neustadt a. d. Donau

    Umschlaggestaltung: Martin Veicht, Regensburg

    Umschlagbilder: © Shahid Alam 2011. Vorderseite: Gottes Wort.

    Rückseite: Gottes Geist (Goldtusche, Ol und Tinte auf Holz)

    eBook-Produktion: Friedrich Pustet, Regensburg

    Diese Publikation ist auch als Printprodukt erhältlich:

    ISBN 978-3-7917-2733-2

    Weitere Publikationen aus unserem Verlagsprogramm finden Sie unter www.verlag-pustet.de

    Vorwort

    Am 10. Februar 2015 verstarb Thomas Pröpper nach einer mehr als zehnjährigen Erkrankung, die ihn gezwungen hatte, 2003 vorzeitig aus dem aktiven Dienst als Direktor des Seminars für Dogmatik und theologische Hermeneutik der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität auszuscheiden. Lange war Thomas Pröpper – nicht zuletzt aufgrund der verhältnismäßig schmalen Zahl seiner Veröffentlichungen – unter den spekulativ Ambitionierten der deutschsprachigen Theologenzunft ein Geheimtipp gewesen. Aber dann gelang es ihm, in der Zeit seiner Krankheit aus den Ressourcen jahrzehntelangen Nachdenkens und Studierens sein Opus Magnum zu Papier zu bringen: seine zweibändige Theologische Anthropologie ¹. Dieses Werk gehört zu den Meilensteinen der katholischen Theologie nach dem II. Vatikanischen Konzil, nicht zuletzt deswegen, weil es den Begriff der Freiheit zum Dreh- und Angelpunkt eines theologischen Ansatzes macht, der zu den ganz wenigen gelungenen Brückenschlägen der letzten Jahrzehnte zwischen dem Denken der Moderne und der katholischen Tradition zu zählen ist.

    Wem die Möglichkeit oder auch nur Zeit fehlt, sich durch dieses 1534-Seiten-Opus zu arbeiten, bekommt mit der vorliegenden Publikation eine attraktive Alternative geboten: Thomas Pröpper war neben seiner akademischen Dozententätigkeit ein begnadeter Prediger. Über viele Jahre bis zu seiner Erkrankung hat er darum bei der Münsteraner Katholischen Universitätsgemeinde in der Dominikanerkirche St. Joseph als Zelebrant und Prediger mitgewirkt. Nahezu alle Predigten aus dieser Zeit (von ca. 1992 bis 2000) wurden als Audiodateien registriert. Ergänzt um ganz wenige Homilien, die anderswo gehalten wurden, werden sie hier in der Abfolge ihrer Erarbeitung vorgelegt, weil sie auf ganze andere – oft poetisch durchformte, aber deswegen begrifflich nicht weniger präzise – Weise in die Herzmitte von Thomas Pröppers theologischer Grundüberzeugung geleiten. Auch für ihn gilt wie für so manchen anderen großen Theologen und Philosophen von Origenes über Johann Gottlieb Fichte bis Alfred Delp und Karl Rahner, dass ihm das Genre der Predigt zu einem qualifizierten Ort des Durchbruchs leitender Gedanken wurde. Wer sich in diese Texte vertieft, wird zudem merken, dass es kein Klischee ist, Thomas Pröpper als einen großen spätmodernen christlichen Existenzialisten zu titulieren.

    Ich danke Frau Kunigunde Pröpper, Thomas’ Schwester, für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Predigten. Um die Transkription der Aufzeichnungen haben sich Frau Monika Epping und Frau Inga Markert höchst verdient gemacht. Die nötigen Korrekturaufgaben waren wieder einmal den Schwestern des Klarissenkonvents am Dom zu Münster anvertraut. Der Verlag Friedrich Pustet aus Regensburg hat, ohne eine Sekunde zu zögern, die Realisierung dieses Projekts zugesagt, wesentlich getragen vom Engagement seines Theologie-Lektors Dr. Rudolf Zwank, für das ich ihm (ich weiß nicht, zum wievielten Male) von Herzen danke.

    Eines Wortes bedarf es zu den Titelbildern des Buches. Es handelt sich um zwei Kalligraphien des pakistanischen Künstlers muslimischen Glaubens Shahid Alam, der seit 1973 in Deutschland lebt und mit vielen seiner Werke dem Dialog der Kulturen und besonders der Religionen zuarbeitet. Das Diptychon ist im Zuge einer Ausstellung des Künstlers in der Dominikanerkirche zu Münster entstanden. In das Namenszeichen Jesu („Isa) sind in einer die Unendlichkeit vergegenwärtigenden Endlosschleife die Worte „Gottes Wort (Vorderseite) und „Gottes Geist" (Rückseite) eingeschrieben. Die Universitätsgemeinde, die sich in dieser Kirche zum Gottesdienst versammelt, war von den beiden Werken so beeindruckt, dass sie – gerade auch durch die Mithilfe von Thomas Pröpper – erworben werden konnten und damit jetzt auch an ihn erinnern.

    Anstelle einer Biographie oder Laudatio (die Thomas Pröpper kaum goutiert hätte) stehen seinen Predigten diejenigen zweier anderer voran: Sein enger Freund und Weihekurskollege Dr. Gotthard Fuchs hat bei Thomas Pröppers Begräbnis in Balve (Sauerland) gepredigt, ich selbst beim Requiem in seiner Heimatgemeinde St. Mauritz in Münster sowie beim Gedenkgottesdienst der Katholisch-Theologischen Fakultät. Alle drei Predigten suchen so etwas wie ein geistliches Porträt dessen zu zeichnen, dessen Stimme die beiden Predigenden zusammen mit vielen anderen gern noch länger vernommen hätten.

    Münster, den 15. Oktober 2015, am Fest der hl. Teresa de Jesús, von der jener Gedanke stammt, der für Thomas Pröpper so leitend war, dass er den Titel dieses Vermächtnis-Bandes prägt

    Zum Geleit

    Heimgekommen

    Joh 14,1–6

    Predigt von Klaus Müller beim Begräbnisgottesdienst in Münster-St. Mauritz

    Alle, die ihn näher kannten, wussten es. Wussten es schon länger: Thomas Pröpper hat nicht mehr so furchtbar lang zu leben. Zu sehr hatten ihn die über ein Jahrzehnt anhaltende Erkrankung und die endlosen Behandlungen geschwächt. Er konnte nicht mehr. Am 10. Februar um 10.30 Uhr hat er sein Leben in die Hand dessen zurückgelegt, der es ihm gab. Zuletzt hatten wir uns am 1. Februar getroffen, einem Sonntag. Thomas wollte in die Dominikanerkirche kommen. Er schaffte es nicht bis dorthin. Hernach traf ich ihn auf der Straße. Er sah elend aus. Als wir uns verabschiedeten, sagte er zu mir: „Denk an mich, mir geht’s nicht gut."

    Jetzt ist es gut. Thomas Pröpper ist daheim. Jetzt weiß er unvergleichlich mehr als die ganze lebende Theologen- und Theologinnenzunft. Der Weg dahin war nicht geradlinig. Angefangen hat Thomas Pröpper – was das Intellektuelle betrifft – als Germanistikstudent in München. Dann erst wechselte er in die Theologie. Über etliche Zwischenstationen wurde der heutige Kardinal Walter Kasper sein Doktorvater. Aber das war nicht das Ende, sondern der Anfang eines Abenteuers. Die ursprünglich in Angriff genommene Doktorarbeit über den späten Fichte wurde nie fertig, da war Thomas einfach zu skrupulös. Freunde und Kollegen damals entrissen ihm deshalb eine nebenher erstellte Gelegenheitsschrift und reichten sie als seine Dissertation ein. 1988 kam er nach Münster. Zeitzeugen erzählten mir, dass er anfangs im kleinsten Kreis in Kellerräumen Seminare abhielt, schweißtriefend vor Aufregung, um die jungen Leute ja auf rechte Weise zum Selbstdenken zu motivieren. Und dann, Jahr um Jahr mehr, wurde sichtbar, dass dieser Dozent, der manchmal so zögerlich und unsicher wirkte, auf eine Weise Theologie betrieb, wie sie schon lange nicht mehr zu hören gewesen war. Derzeit kann man öfter lesen, die katholische Theologie der Gegenwart habe keine Leitfiguren mehr wie einen Guardini oder Rahner und sei deshalb auf ein mediokres Niveau abgesunken. Falsch. Thomas Pröpper war eine solche Leitfigur. Ich zögere nicht, ihn einen Jahrhundertdenker zu nennen. Endgültig bewiesen hat er das zuletzt durch die Publikation seiner zweibändigen Theologischen Anthropologie, die er sich noch in der Zeit seiner Erkrankung abgerungen hat.

    Ich erinnere mich noch an unsere allererste Zusammenarbeit: Ich war noch nicht hier in Münster und bereitete gerade anlässlich des 60. Geburtstags meines Habil.-Vaters und Thomas’ Freundes Hansjürgen Verweyen eine Streitschrift vor. Ich hatte Thomas als Autor und Mitherausgeber gewinnen können. Ich rief ihn an, weil ich noch ein paar Fragen hatte. Er war erschüttert, weil sich in seinem Text noch drei kleine Druckfehler und Wortauslassungen gefunden hatten: „Verdammt, verdammt noch mal, Sie haben recht, da fehlt was! Bitte sofort verbessern! Das führte aber dann dazu, dass wir am Telefon den gesamten Text Satz für Satz durchgingen und die Formulierungen auf ihre – wie er wörtlich sagte – „stimmige Musikalität hin abhörten. Stundenlang.

    Später, nachdem ich in Münster sein Kollege geworden war, haben wir dieses Arbeiten an der Stimmigkeit von Gedanken sozusagen im Großformat fortgesetzt und 1999 die Buchreihe ratio fidei: Beiträge zur philosophischen Rechenschaft der Theologie begründet. Entgegen dem Mainstream in Sachen theologischer Fachbücher wurde die Reihe ein großer Erfolg: Mittlerweile sind fast 60 Bände erschienen. Ein prominenter Kollege hat die Reihe einmal „Beletage der systematischen Theologie" genannt. Das hat uns beide gefreut.

    Dieses Bemühen um äußerste Genauigkeit in der Sache, die zugleich eine ästhetische Dimension mit einbezieht, hat aber keineswegs dazu geführt, dass Thomas Pröpper zu einem Produzenten elitärer Textsorten geworden wäre. Im Gegenteil: Schon zu seiner Tübinger Assistentenzeit hat ihn nicht nur das arrivierte Publikum im Kurort Baiersbrunn gern predigen hören, sondern genauso die sogenannten einfachen Landleute aus Oberndorf und Wendelsheim. Dass da zumal die Landfrauen gern lauschten, wie mir einer von Thomas’ Freunden erzählte, hatte natürlich nicht zuletzt mit dem Charme des jungen Priesters zu tun, ein Charme, den er übrigens auch in späteren Jahren besaß, als er hier in der Dominikanerkirche zelebriert hat und ein gern gehörter Prediger war. Einmal – ich war noch nicht so lange da – war er verhindert. Ich habe ihn vertreten. Eine Münsteraner noble Dame sieht mich aus der Sakristei kommen, reißt die Augen auf: „Ist Herr Pröpper heute nicht da? „Nein, sag ich. Macht die Dame doch stante pede kehrt, packt ihre Tasche und schleicht sich – von Säule zu Säule huschend – wieder raus.

    Thomas wäre das peinlich gewesen. Ihm lag nichts ferner, als sich bei der Messe selbst in den Mittelpunkt zu rücken und für den Fanclub eine Performance abzuliefern. Im Gegenteil: Einmal hat er mich wörtlich gefragt: „Du, passiert dir das auch, dass du dir manchmal beim Predigen über die Schulter schaust und denkst: Was sag ich da überhaupt?" – Ja, ich kannte und kenne das auch, mit zunehmenden Jahren immer mehr sogar. Wir waren uns in diesen Dingen, und nicht nur in diesen, sehr nah.

    Darum bin ich ihm für diese Frage unendlich dankbar. Da geschieht, wenn man ernst nimmt, was der evangelische Homiletiker Ernst Christian Achelis meinte, als er 1890 schrieb: „Predige nicht dich selbst, sondern zuerst dir selbst." Dann erst stellt sich jene Transparenz in der Ausübung des geistlichen Amtes ein, die aus der Verschränkung von Subjektsein und Demut erwächst. Klerikalismus in welcher Form auch immer war Thomas vom Wesen her fremd.

    Jetzt ist Thomas tot. Wir trauern um ihn. Die katholische Theologie deutscher Sprache und namentlich unsere Fakultät hat eine Stimme verloren, die es so nie mehr geben wird. Dieses bohrende Nachfragen, das doch niemals vergessen hat, auch selbst nochmals in Frage gestellt werden zu können – das werden wir schmerzlich vermissen.

    Und doch gibt es noch etwas, das darüber hinausführt. Dieses Darüber-hinaus spiegelt sich nicht zuletzt im Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi, dem Urpatron derjenigen Theologie, der sich Thomas Pröpper mit seinem entschiedenen Votum für den Franziskanertheologen Duns Scotus am engsten verbunden wusste.

    Gelobt seist du, Herr,

    mit allen Wesen, die du erschaffen,

    der edlen Herrin vor allem,

    Schwester Sonne,

    die uns den Tag heraufführt und Licht

    mit ihren Strahlen, die Schöne, spendet;

    gar prächtig in mächtigem Glanze:

    Dein Gleichnis ist sie, Erhabener.

    Aus Glauben und Gnade ganz eins geworden mit seinem Gott, erfühlte der Poverello – übrigens gerade in einer Zeit schweren Leidens – die abgründige Geborgenheit seines ganzen Daseins; aus allen Geschöpfen leuchtet ihm Gottes Güte entgegen. So singt er aus befriedetem Herzen von der Mutter Erde, von Bruder Wind und Schwester Quelle. Ist das Naturromantik? Die letzte Strophe des Sonnengesangs belehrt uns eines Besseren:

    Gelobt seist du, Herr,

    durch unsern Bruder, den leiblichen Tod;

    ihm kann kein lebender Mensch entrinnen …

    Lobet und preiset den Herrn,

    danket und dient ihm in großer Demut.

    Kann man Gott auch preisen für den Tod? Was muss mit einem Menschen geschehen sein, der diesseits aller Todesangst und jenseits krankhafter Todessehnsucht so gelöst vom Sterben redet, dass er sogar für den Tod noch Gott danken kann – diesen Augenblick, der ein Leben beendet und darin verendgültigt?

    Das Evangelium ist viel zu menschlich, als dass es nicht wüsste um die Unruhe, die der Tod uns einflößt. Manchmal greift sie sogar noch unter der Maske kalter Gleichgültigkeit nach einem Menschen, manchmal als quälende Frage, die einen mit Gott hadern lässt wie Ijob. Warum hat gerade der sterben müssen, den ich liebe? Warum hat das ausgerechnet mich getroffen? Diese Erschütterung des Herzens, die Anfechtung durch den Zerfall von Leben und Glück verharmlost das Evangelium nicht, es anerkennt das vielmehr. Aber es bleibt dabei nicht stehen. Aus dem Mund Jesu hören wir vielmehr ein Wort, das sich der Erschütterung des Herzens entgegenstellt: Es gibt solche Anfechtung, sagt er, aber: Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott und glaubt an mich!

    Wie steht es aber dann mit diesem Interesse Gottes für uns und unser Leben im Augenblick des Todes, diesem absoluten Gegensatz des Lebens, der dennoch untrennbar unserem Wesen zugehört? Jesus zögert nicht mit der Antwort: Wenn Gott wirklich der Ich-bin-da-für-euch ist, wie ich es mit Leib und Leben bezeuge, dann ist er das auch bei unserem Sterben. Da kann der Tod der Zuneigung Gottes nicht einfach eine Grenze setzen, sonst wäre Gott nicht mehr der bedingungslos für den Menschen Daseiende und ihm Zugewandte, wie sich Jesus für ihn verbürgt. Im Sterben stürzt du nicht ab, sagt uns Jesus, sondern da trittst du ein in das, was die Suche deines Lebenshungers erfüllt: in die Gemeinschaft mit Gott, die allein groß genug ist, die Unendlichkeit deines sehnsüchtigen Herzens zu befrieden. Das Haus des Vaters – das ist Gott selbst. In ihm gibt es viele Wohnungen, sagt Jesus. Da wird also keiner gleichgeschaltet und nichts gleichgemacht. Das Glück des Herzensfriedens ist nie allgemein, sondern immer konkret. Jede und jeder findet in Gott das, was ihr und ihm ganz entspricht, das, worauf er und sie im irdischen Leben durch Geschick und Geschichte gerichtet waren. Ganz sie und er selbst dürfen sie endlich sein in Gott – und so sich selber finden in ihm.

    Selbst sein dürfen. Genau dafür hat sich Thomas Pröpper in Denken und Leben verbürgt. Wollte man sein denkerisches Anliegen auf den Nenner einer Formel bringen, so müsste man sagen: Er war der Theologe der Freiheit. Moderner konnte ein katholischer Theologe eigentlich gar nicht sein. Und genau das war es, was ihn mehr als alles andere bewegte: das Evangelium glaubhaft ins Heute der Spätmoderne zu übersetzen. Wir werden seine Stimme schmerzhaft vermissen.

    Anlässlich des Erscheinens der Theologischen Anthropologie hat Thomas Pröpper ein Interview gegeben. Da wurde er gefragt: Wenn er Erstsemestern drei Ratschläge erteilen müsste, welche wären das? Da hat er geantwortet:

    „Der erste würde lauten: ‚Vertrauen Sie stets Ihren eigenen Fragen und trauen Sie sich auch, sie – notfalls hartnäckig – zu stellen.‘ Und der zweite: ‚Behalten Sie bei der Ausbildung Ihres theologischen Denkens und der entsprechenden Lebenspraxis immer im Blick, dass es zwischen dem Menschsein (bzw. Menschwerden) und dem Christsein (bzw. Christwerden) keinen Widerspruch geben kann.‘ Schließlich der dritte: ‚Suchen Sie von Beginn an aufrichtige und verlässliche Freundschaften zu schließen und sprechen Sie auch über Ihren Glauben, damit dieser die Irritationen, die das Studium mit Sicherheit bringen wird, besser bewältigt und vor Vereinsamung – auch der kirchlichen – bewahrt bleibt.‘"²

    Der erste dieser Ratschläge befeuerte die Leidenschaft der Debatten, die Thomas geführt hat. Den zweiten teilten wir auf Punkt und Komma – dass es zwischen dem Menschsein und dem Christsein keinen Widerspruch geben kann. Und was den dritten Ratschlag betrifft – das Freundschaftschließen, das auch über den Glauben zu sprechen wagt –, so hat ihn mir die Begegnung mit Thomas Pröpper seit 20 Jahren bewahrheitet. Dafür danke ich ihm von Herzen über das Grab hinaus! Ich werde ihn, meinen Freund, der mich nach Münster geholt hat, bitter vermissen.

    Gottesfreundschaft

    1 Kor 15,1–20; Joh 15,9–17

    Predigt von Gotthard Fuchs bei der Grablegung in Balve

    Eines trieb ihn zeitlebens um: der Bruch zwischen Evangelium und Vernunft, zwischen Kirche und Moderne. Dass der lebendige Gott in Konkurrenz zum Menschen geriet, so als störe einer den anderen, war ihm das Ärgernis schlechthin. Dass die Weisungen Gottes, seine wunderbaren Gebote, zur moralischen Last wurden, mit denen man das ohnehin nicht leichte Leben von uns Menschen nur schwerer, unerträglich schwerer machte, empörte ihn und machte ihn traurig. Die ganze Leidenschaft seines theologischen Denkens erwächst aus dem Sinn für die Freiheit; deshalb sein Leiden, seine Empörung über diese weithin kirchlich hausgemachten Differenzen und Entzweiungen. Wie viel Denkfaulheit in der kirchlichen Verkündigung, wie viel Sprachnot und Fremdworterei – nein, er wollte gerade den Gebildeten unter den Verächtern des kirchlichen Christentums, aber nicht zuletzt den Mitchristen theologisch dadurch dienen, dass er im Geheimnis des lebendigen Gottes den Menschen in seiner Würde so groß wie möglich machte. Und in eins damit war es ihm wichtig, im Geschöpf den Schöpfer zu loben, in jedem Menschen den Menschen aus Nazareth zu feiern. Nicht zufällig war sein erstes Buch der Jesusgestalt gewidmet, aber nicht in der kirchlichen Überlieferung, sondern im zeitgenössischen Denken atheistischer und agnostischer Philosophen und Schriftsteller. Es war sein eigenes intellektuelles und spirituelles Leben, das da mit zur Debatte stand: Aufklärung und Glaube, Kritik und Gebet, Argument und Anbetung zusammenzudenken und nicht gegeneinander, im wechselseitigen Respekt- und Resonanzverhältnis, ja in wechselseitig sich freigebender Begrüßung und Hochschätzung; darin wurde ihm und durch ihn so vielen, auch von uns, Gott groß und der Mensch. Im Geheimnis wechselseitig freigebender Freiheit war es das Geheimnis der Gottesfreundschaft und dessen Glutkern die Auferstehung Jesu Christi. Als ich Thomas in unserem letzten Gespräch fragte, welches sein Lieblingslied sei, antwortete er sofort und spontan: „Christ ist erstanden". Deshalb heute die Lesung, deshalb die Feier des Abschieds im österlichen Weiß trotz aller Trauer des Hinübergangs, in tiefer Dankbarkeit und Freude.

    Mitten im Scharnier seiner theologischen Anthropologie, exakt am Ende des ersten Bandes, steht, in fast poetischer und hymnischer Sprache, Thomas’ Kommentar zum heutigen Evangelium – einer seiner kostbarsten und typischen Texte. „Freundschaft mit Gott. Ich wüsste keinen Gedanken, der den Glauben verlässlicher tragen und ihm größere Freude sein kann. Dass er, der alles uns gibt, uns die Würde eigener Zustimmung lässt. Unsere Freude, dass er uns wählte, und seine Freude, wenn er zu uns gelangt. Nicht Last und Belästigung prägen hier das Glaubensverständnis, sondern, wie es einzig sich gehört, das Kernwort des Osterevangeliums: Nichts als Freude, und die im Komparativ. Und das, so die entscheidende Pointe, in wirklicher Wechselseitigkeit, ja auf gleicher Augenhöhe zwischen Gott und Mensch. Gott ehren heißt eben, den Menschen groß zu machen und als Mitmenschen zu erkennen. Und die Größe des Menschen erkennen heißt, ihn als gottesbedürftig und gottesfähig zu begreifen mit der „Würde eigener Zustimmung. Wo beide sich finden, wie in dem Unvergesslichen aus Naza