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Friedrich Vollborn - Erlebtes (I+II): vom 16.04.1808 bis mit 27.03.1813

Friedrich Vollborn - Erlebtes (I+II): vom 16.04.1808 bis mit 27.03.1813

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Friedrich Vollborn - Erlebtes (I+II): vom 16.04.1808 bis mit 27.03.1813

Länge:
208 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 12, 2016
ISBN:
9783741231643
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Heft beinhaltet die Wiedergabe der im Hauptstaatsarchiv in Dresden als Handschrift liegenden Erinnerungen von Friedrich Vollborn.
Vollborn trat 1808 beim Regiment v.Oebeschelwitz ein und kam 1810 – nach Auflösung dieses Regiments – ins Regiment Prinz Clemens. 1811 wurde er zum Korporal, 1812 zum Feldwebel und am 08.03.1813 wegen Rückeroberung einer am 13.02.1813 bei Kalisch durch russische Ulanen genommenen Haubitze zum Unterleutnant in diesem Regiment befördert.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 12, 2016
ISBN:
9783741231643
Format:
Buch

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Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815

Heft 40

Abb. 01 – Faksimile mit Eintragungen zum 27.07.1812

(Vollborn S.→)

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Erinnerungen aus dem Zeitabschnitte vom 16n April 1808 bis zum 3n April 1811

Inhaltsverzeichniss des Erlebten vom 3ten April 1811 bis mit 27ten März 1813

Tagebuch vom 3n April 1811 bis mit 27n März 1813

Quellen

Abb. 02 – Gegend um Warschau (Map)

Vorwort

Mit den nun veröffentlichten Tagebüchern für den Zeitraum von April 1808 bis März 1813 schließt sich der Zyklus der Vollborn’schen Tagebücher¹.

Der 1790 in Naumburg geborene Vollborn trat 1808 beim Regiment v.Oebeschelwitz ein und kam 1810 – nach Auflösung dieses Regiments – ins Regiment Prinz Clemens. 1811 wurde er zum Korporal, 1812 zum Feldwebel und am 08.03.1813 wegen Rückeroberung einer am 13.02.1813 bei Kalisch durch russische Ulanen genommenen Haubitze zum Unterleutnant (Patent vom 08.03.1813) in diesem Regiment befördert.

Den breitesten Raum in den nun vorliegenden Tagebüchern nimmt der Feldzug von 1812 ein. Die Bearbeitung dieses Zeitabschnittes hatte ich bewusst hinten an gestellt, da das Tagebuch zu diesem Feldzug durch Herrn Baumgarten-Crusius² – zumindest auszugsweise – der Öffentlichkeit bekannt zu sein schien. Nach der Transkription ist allerdings verwundert zu fragen, woraus Baumgarten-Crusius seine Vollborn-Zitate nahm. So gibt Baumgarten-Crusius nicht nur den Text nicht richtig sondern mehrfach auch völlig sinnenstellt wieder³. Es entsteht der Eindruck, dass der

Herr Oberst z.D. seine Arbeit nicht auf Basis der Quellen erstellt sondern die Quellen seiner Arbeit angepasst hat.

Die Tagebücher bieten eine Fülle an Details zum inneren Zustand der Truppe – hier der 7ten Kompanie des Regiments Prinz Clemens – wie sie nur ein Angehöriger des Unteroffizierskorps liefern kann und welches den ewiggültigen Beweis erneut bestätigt, dass eine Truppe ohne ein tüchtiges und erprobtes Unteroffizierskorps verloren ist.

Diese Erinnerungen sind so originalgetreu wie möglich wiedergegeben. Es sind allerdings Worte meinem Rechtschreibverständnis (POS-Schulbesuch um 1970) und dem des Textverarbeitungsprogramms angepasst.

Anzumerken für den Text ist folgendes: Die „normalen" Seitenzahlen beziehen sich im Inhaltsverzeichnis auf die vorliegende Wiedergabe, die tiefgestellten Zahlen auf die Seitenzahlen des Originals. Letztere befinden sich ebenfalls tiefgestellt im Text.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle beim Team des HStA in Dresden für die wiederum problemlose Bereitstellung vom Akte und Kopien.

Insofern Sie – geschätzter Leser – Anmerkungen oder Fragen zum Buch haben oder mir einfach nur mitteilen wollen, wie es Ihnen gefallen hat, so können Sie mich unter sachsen-titze@t-online.de erreichen.

Sprotta-Siedlung im Januar 2016

Ihr

Jörg Titze


¹ Teil I 16.04.1808 – 03.04.1811; Teil II 04.04.1811 – 27.03.1813; Teil III 28.03.1813 – 15.03.1814 und Teil IV 16.03.1814 – 02.01.1816

² Baumgarten-Crusius „Die Sachsen 1812 in Russland" Leipzig 1912

³ Ob Baumgarten-Crusius das Wolferdorff’sche Tagebuch einer gleichen „Bearbeitung" unterzogen hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht feststellbar, da das Wolfersdorff’sche Tagebuch im HStA Dresden bisher nicht aufzufinden war.

Erinnerungen aus dem Zeitabschnitte vom 16n April 1808 bis zum 3n April 1811

__________

(1) Als ich in dem Infanterie Regimente des Prinzen Xavier, nachher von Oebschelwitz, freiwillig in Königl. Sächs. Dienste trat, stand die Organisation der 30.000 Mann starken Armee auf tönernen Füßen, denn es zeichnete die Armee lange Dienstzeit, und, wenn auch gerade nicht viel äußerer Glanz, doch aber äußere und innere Wohlhabenheit und Gediegenheit aus.

Seit einem vollen Jahre dem Rheinbunde beigetreten, war man jedoch beflissen, sich aus dem alten deutschen Schlendrian herauszuwinden, zog zuvörderst die, den Soldaten im Felde nicht schützenden Leinwandkittel aus, und versah die Soldaten mit Capots; man lieferte die Spieße der Unteroffiziere in das Hauptzeughaus, legte den langsamen Schritt ab und gab den Unteroffizieren 1808, statt der Spieße, neue Gewehre mit langen, schwuppigen Bajonetten, hing ihnen, statt des bisher getragenen Bandoliers, in welchem zur Verteidigung für 40 Schritte (2) Entfernung, ein langes Pistol eingeschoben war, und spottweise Schöpskeule genannt wurde, einen Kartusch, mit allerhöchstem Namenszuge verziert, um und ließ ihnen – wie jetzt auch – das Gewehr im rechten Arm tragen.

Eine Art französischer Marsch, zusammengezimmert aus dem bisherigen sächsischen Marsche – Prräm – pämpäm – päm – mit dem, französischen Marsche Prräpäpä – päm, päm, päm pp. wurde , nebst den oben genannten Veränderungen in dem Kantonnement bei Merseburg – mein Erstes – vom 16ten April b/m. Mai 1808 einstudiert und vorzugsweise eingeprügelt. –

Dieses Kantonnement zeichnete sich überhaupt in Allem aus, wodurch die bisherige Maschinenartigkeit der Soldaten, wenn auch nicht auf einmal gehoben, doch aber im weiteren Fortschreiten gehemmt wurde.

Die Unbehilflichkeit und Ungelenkigkeit der Soldaten war damals sehr groß und man freute sich ungemein, in diesem Kantonnement es dahin ge (3) bracht zu haben, dass die Handhabung des Gewehrs nicht mehr nach dem Zeichen des, vor die Front des rechten Flügels getretenen Flügelmannes – der sich wie ein Harlekin gebärdete – geübt, sondern auf das Kommandowort eingeprügelt war. – Demnächst wurde aber auch fleißig nach hölzernen Scheiben geschossen und in der Linienstellung der Bataillone wurde die Formierung eines Quarrée long auf die kürzeste Weise eingeübt. Die Supposition hierzu war: Sicherstellung eines, in Linie stehenden Bataillons, welches keine Zeit behält, gegen anprellende Reiterei ein Quarrée zu formieren. In diesem Falle machte das 3te Glied Rechtsum kehrt, ging 10 Schritte weit gerade zurück, machte Halt, behielt seine Front bei und die beiden Flügelpeletone – das rechte Flügelpeleton und das des linken Flügels – setzten gegen das 3te Glied Flanken – stumpfe Winkel – an.

Die sogenannten 12 Scharfschützen p. Compagnie (4) wurden in 2gliedriger Aufstellung, nach dem Flügelhorne im Blänkern geübt, standen nicht mit in der zugehörenden Compagnie, sondern zu 6 und 6 Mann in einem Gliede hinter den beiden halben Divisionen, in der Reihe der schließenden Unteroffiziere. Dieses Exerzieren dehnte sich jedoch jetzt noch keineswegs auf die übrige Mannschaft aus, auch ward dasselbe in einem sehr mangelhaften Stande und überhaupt in der Kindheit. –

Das Ende eines Kantonnements war die, über Alles hoch stehende Musterung, welche zugleich auch das größte militärische Zwangsopfer war. Man kannte in der Tat keine höhere festliche Bedeutung als den sogenannten „Mustertisch" an welchem der Sollizitant mit seinem Gesuche erschien und den Bescheid darauf erhielt; auch kannte man damals gar nicht das Wort Revue, was Heutzutage oft vorkommt und oft Platz nimmt. Daher putzte man Alles (5) ungewöhnlich auf und sich so heraus, um in möglichster Vollkommenheit zu erscheinen und quälte sich Tag und Nacht. – Noch hatten die älteren Soldaten die Haarzöpfe und zeichneten sich dadurch gegen den Rekruten martialisch aus, weil diesem ein Probezopf noch nicht eingeschraubt werden konnte, indem seine Kopfhaare dazu noch nicht lang genug waren; aber eben deshalb waren die älteren oder zopftragenden Soldaten sehr geplagt, denn sie saßen die ganze Nacht vor der Musterung in dem Keller, damit die, in die Haare dick eingestrichene Unschlittpomade nicht weich wurde und den stark aufgetragenen Puder gehörig fest hielt. –

Die Eisenteile der Gewehre, so wie nicht minder das bleierne Futter des Steines, wurden poliert und erstere sogar noch mit Zinnasche abgerieben; die Patronentaschendeckel und Kasten wurde so glänzend, dass man sich darinnen besehen konnte; (6) die Montierungen, Westen und Hosen wurden – wer nicht neue Stücke daran hatte – mit warmer Kleie und Kreide tüchtig abgerieben, oder mit aufgeweichter Kreide angestrichen; die rote Halsbinde , am oberen Rand mit einem ½ Zoll breiten weißen Leinwandstreifchen versehen, war bei jeder Musterung neu und das daran befindliche messingene Schloss – welches übrigens über dem sehr niedrigen Montierungskragen und unter dem Zopfe hervorblickte – musste poliert sein.

Nur am Tage der Musterung erschien der Mann mit dem Tornister und dieser wurde nur an einem Riemen über die rechte Schulter gehangen getragen, so, dass die Patronentasche rechts, der Tornister links von dieser hing; im Übrigen war keine Packordnung des Tornisters gegeben und es war derselbe kugelrund gepackt.

War dieser heilige, martervolle Tag vorüber, so erfolgte Tages darauf das Exerzieren vor dem so genannten Muster-Inspekteur, damals der einäugige General von Lindt, und wohl auch noch das Exerzieren der neuen Mannschaften. –

(7) War auch dieses vorüber, das Qualvollste und Prügelreichste was es gab, dann marschierten die Bataillone wieder in ihre Garnisonen und ruhten gewöhnlich bis zur nächsten Musterung aus. – Dies sei im Allgemeinen gesagt und nun zu meinem Regiment zurück.

Kurz vor der Musterung war die Ordre beim Regiment eingegangen, dass das 1ste Bataillon desselben einen Teil des, im Juli dieses Jahres nach dem Herzogtum Warschau abmarschierenden 6.000 Mann starken Kontingents bilden werde. Unser Oberst – von Zisky – ein Pole, machte uns diese Ordre auf dem Exerzierplatz bekannt als das Regiment in geschlossener Kolonne stand. Wohl mochte der alte, gute Mann Freude empfinden, auch einmal wieder in sein Vaterland zu kommen, als er im harten Deutsch zu uns sagte:

„Ik führe Euk in mein Vaterland"

allein er brach uns allen den Mut, denn wer geht gerne nach Polen? Und vollends damals!

(8) Allein was half dies, man murmelte zwar von diesem geliebten und gelobten Land in der Kolonne, und man musste sich fügen.

Der Abmarsch nach Naumburg erfolgte und der Monat Juni wurde zur Mobilmachung des Bataillons verwendet, während der größte Teil der Mannschaft noch auf diesen Monat Urlaub erhielt.

Am 1ten Juli 1808 erfolgte der Abmarsch von Naumburg nach Warschau, zunächst jedoch nur bis in das Kantonnement bei Guben, dem Versammlungspunkt des Kontingents. –

Auf dem Marsche dahin wurde die Haarzöpfe, von der jüngeren Mannschaft gern, von den Veteranen aber ungern, jedoch nach und nach abgeschnitten und weggeworfen und man konnte nach den, an den Wegen liegenden Zöpfen genau die Marschroute verfolgen, welche wir angenommen hatten.

Man fing auch an, sich, wie die Franzosen, in leichte Pantalons zu kleiden und hing sogar das Kuppel, was bisher über die Hüfte geschnallt getragen (9) wurde, lang aufgeschnallt über die rechte Schulter.

Weil nun aber die Franzosen den Tornister an zwei Riemen und über beide Schultern gehangen trugen, so ahmte man auch diese Tragart nach, schnitt eigenmächtig den breiten Tragriemen der Länge nach durch und nähte nun die, so aus einem Riemen gewonnenen beiden Riemen auf der Mitte der oberen Seite des Tornisters auf. Der Capot wurde lang gewickelt und über die rechte Schulter gehangen getragen.

Der weitere Marsch von Guben aus erfolgte über Züllichau, Crossen, Karga, Posen, Lowicz nach Warschau, woselbst wir am 16ten August eintrafen und einquartiert wurden.

Die Marschverpflegung, von Naumburg bis Warschau, wurde von den Quartierwirten, natürlich in Polen mangelhafter als in Deutschland gewährt.

Gegen Ende des Monats August starb der sächsische General von Donath und wurde mit großem Pomp beerdigt.

Anfang September bezogen sämtliche, in (10) Warschau befindlichen sächsischen Truppen die Kron-Kasernen und erhielten, wie früher in den Quartieren, Magazin-Verpflegung.

So verstrich der Rest des Jahres 1808 in einem leichten Garnisonsleben, ohne dass etwas Erheblicheres als die Revue vor unserem, zum Reichstage nach Warschau gekommenen Königs Anfang November vorgekommen wäre; jedoch hörten wir, dass die in Sachsen verbliebenen Truppen 2 große Lager bei Bautzen und bei Pirna bezogen hatten.

Mit dem Jahre 1809 fing man aber an, von einem, wahrscheinlich gegen Österreich ausbrechenden Kriege sich zu unterhalten, auch reiste unser König wiederum nach Dresden ab.

Gegen Ende Februar hob die Eisdecke der Weichsel die, während des verflossenen Sommers über diesen Strom gebaute hölzerne Brücke aus ihrem Grund, führte selbige auf der Weichsel fort und wurde unfern der, ebenfalls erst gebauten Festung Modlin stückweise wieder aufgefangen. Von nun an begnügte (11) man sich daher – wie jetzt noch – mit einer, über den Strom geschlagenen Schiffbrücke.

Das Regiment von Burgsdorff, welches mit in den Kron-Kasernen untergebracht war, marschierte nach Glogau ab und die sächsischen Truppen bestanden daher noch, und nachdem das Infanterie Regiment von Rechten früher hin nach Danzig, und das Regiment von Dyherrn nach Stettin beschieden worden war, aus unserm 1sten Bataillon und einem kombinierten Grenadier-Bataillon mit der hierzu nötigen Artillerie, demnach aus 2 Bataillonen.

Im Monat März wurden mehrere österreichische Spione aufgegriffen und einige davon

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