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Das Mycel: Im Würgegriff dunkler Mächte - Ein Licht am Horizont

Das Mycel: Im Würgegriff dunkler Mächte - Ein Licht am Horizont

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Das Mycel: Im Würgegriff dunkler Mächte - Ein Licht am Horizont

Länge:
714 Seiten
9 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
12. Feb. 2016
ISBN:
9783990482681
Format:
Buch

Beschreibung

Max Grunder ist Lehrer in einer Schweizer Kleinstadt. Er hat vor wenigen Jahren seine Frau durch Leukämie verloren. Dies führte dazu, dass er sich autodidaktisch mit grundlegenden Problemen der Medizin, Pharmazeutik und Philosophie kritisch beschäftigte. So wurde er zu einem unermüdlichen Wahrheitssucher.

Durch seinen Humor und seine außergewöhnlichen Standpunkte kritischen Gegenwartsthemen gegenüber begeistert Max viele Schüler und versucht, sie zu selbständigem, hinterfragendem und eigenverantwortlichem Denken und Handeln zu führen. Auch polarisiert er das Kollegium, die Eltern und die Behörden und gilt bald als unbequemer Zeitgenosse …

Der Leser dieses Romans begleitet ihn während etwa fünf Monaten auf seinem privaten und beruflichen Lebensweg und kann dabei zu ganz neuen Einsichten über aktuelle Lebensprobleme gelangen. Er wirft aber nicht nur Fragen auf, sondern bietet konkrete Lösungen, die in der Idee der Gründung von Netzwerken gipfeln - wie dem titelgebenden Netzwerk des Mycel.
Herausgeber:
Freigegeben:
12. Feb. 2016
ISBN:
9783990482681
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Das Mycel - Peter Lüpold

Anhang

Impressum

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

© 2016 novum Verlag

ISBN Printausgabe: 978-3-99048-267-4

ISBN e-book: 978-3-99048-268-1

Lektorat: Dr. phil. Ursula Schneider

Umschlagfotos: Ion Popa, Oleksandr Melnyk, Kengmerry | Dreamstime.com

Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

Innenabbildung: Peter Lüpold (1)

www.novumverlag.com

Vorwort

Wir befinden uns heute in einer Umbruchphase, die die Weichen für nichts Geringeres als die Zukunft aller Bewohner dieses Planeten stellen wird. Zu keiner Epoche war das Überleben aufgrund menschlichen Handelns und oftmals Fehlverhaltens so grundsätzlich infrage gestellt. Materialismus, Profitstreben, Egoismus, Prestige- und rücksichtsloses Karrieredenken rauben uns jede Freude. Eine von unbegrenztem Wachstumswahn ergriffene Wirtschaft und ein übersteigerter Individualismus sowie eine in vielen Bereichen zu spürende Härte und Herzlosigkeit lenken unsere Lebensenergie in eine falsche Richtung. Immer mehr Menschen erkennen, dass der Natur ein baldiger Kollaps bevorsteht. Nicht wenige Menschen haben angesichts dieser Umstände und der scheinbaren Machtlosigkeit resigniert. Nach uns die Sintflut – scheint vielerorts das Motto zu sein. Damit stehlen wir uns aus unserer Verantwortung.

Denn es ist noch nicht zu spät. Noch können wir den Kurs des Schiffes ändern. Dazu müssen wir bereit sein, aufzuwachen und die vorherrschenden Zustände kritisch zu analysieren und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen im alltäglichen Leben mutig umsetzen. Denn wichtige Veränderungen erfolgen immer von unten nach oben! Die Basis, das Volk und vor allem jeder einzelne Bürger hat es in der Hand, die oftmals gefährlichen und destruktiven Machenschaften des Schiffskapitäns zu durchschauen und ihn mit vereinten Kräften zu einer Kursänderung zu zwingen.

Nicht die Demokratie, nicht die weltweit von der Wirtschaft und ihrem eigenen Bestreben nach Wiederwahl korrumpierten Politiker werden uns retten, sondern mutiges Handeln einzelner Bürger. Einzelne Menschen vermögen in kurzer Zeit mehr zu bewirken als jede träge Abstimmung. Jeder Bürger und jede Bürgerin hat jeden Tag die Möglichkeit, aus dem alten Trott auszubrechen und Neues zu wagen. Im Alltag treffen wir alle, meist ohne uns dessen noch bewusst zu sein, immer wieder eine Wahl: Wir selbst entscheiden, wo wir arbeiten, wozu wir unsere Energie einsetzen und wo wir leben. Wir treffen die Entscheidung darüber, welche Nahrungsmittel wir unserem Körper und unserer Seele zumuten wollen, welchen Ärzten wir unser wertvollstes Gut, unsere Gesundheit, anvertrauen und welche Medikamente wir einnehmen. Wir selbst bestimmen, welche Bücher wir lesen, welche Filme wir schauen und mit welchen Menschen wir unsere kostbare Lebenszeit verbringen.

Das Mycel erzählt eine Geschichte, wie sie jedem von uns jederzeit und überall zustoßen könnte. Sie handelt vom ganz normalen Wahnsinn unserer heutigen Welt. Sie analysiert und regt zum Nachdenken und Forschen an. Zuweilen mögen gewisse Aussagen provozierend sein. Auf diese Weise hoffen wir, die Leser dazu anzuregen, sich selbst ein Bild von den uns umgebenden Umständen zu machen. Nicht blinder Glaube ist heute gefragt, sondern kritisches Nachforschen und Hinterfragen. Möglicherweise werden sich die dabei aufgedeckten Gegebenheiten als weit schlimmer erweisen, als wir sie in diesem Roman geschildert haben.

Das Mycel ist ein Roman mit einer klaren Botschaft: Aufwachen, analysieren und handeln sind unausweichlich geworden. Dabei ist es hilfreich, seine Kräfte zu bündeln und sich mit Gleichgesinnten zu verbinden. Netzwerke schaffen heißt die Devise!

Es ist Zeit für eine neue Vision, die auf Freude und begründeter Zuversicht basiert. Denn unser in der Unendlichkeit des Alls einzigartiger Blauer Planet mit seinen Bewohnern – jeder ein Wunder für sich – verdient unsere ganze Wertschätzung und Liebe.

Kapitel 1

Das Unerwartete erinnert uns in unserem scheinbar eintönigen und immer gleich verlaufenden Alltag daran, dass nichts im Leben sicher ist. Veränderungen sind immer möglich.

Es war ein strahlender Sonntag im März. Es hätte ein friedlicher Frühlingstag werden können, wenn nicht ein ohrenbetäubender Lärm die Luft zum Vibrieren gebracht hätte.

Max Grunder wurde schon vor dem Schrillen seines auf sieben Uhr gestellten Weckers aus einem tiefen Schlaf gerissen: Ein ungewohnter, markdurchdringender Ton, ausgehend von einer noch nie wahrgenommenen Sirene in der Nachbarschaft, löste im noch schlaftrunkenen Max ein beklemmendes Gefühl aus, während er sich im Bett aufrichtete. Was war denn die Bedeutung dieses schrecklichen Signals? Er konnte sich dunkel erinnern, dass es verschiedene Alarmtöne gab, einen für Überflutungsgefahren, einen für Fliegeralarm und andere, doch lange war es her, dass er damit konfrontiert worden war. Vielleicht einmal während des Militärdienstes. Dann kam ihm in den Sinn, dass in jedem Telefonbuch die verschiedenen Alarmtöne beschrieben waren. Er suchte und fand zum Glück in der hintersten Ecke seines Büroschrankes noch eines aus dem Jahre 2009. Doch weder vorne im Buch noch auf den hintersten Seiten konnte er Angaben zu den verschiedenen Alarmarten finden.

Mittendrin dürfte wohl eine derart wichtige Information kaum versteckt sein, dachte er. Er hätte schwören können, dass sie einmal in jedem Telefonbuch vorhanden gewesen war. Wieder ertönte draußen nach kurzer Unterbrechung dieser schrille Sirenenton. Selbst bei nun geschlossenen Fenstern war er nicht zu überhören.

Max ging zum Medikamentenschrank, vielleicht hatte er dort mit den Notfallmedikamenten auch ein Informationsblatt liegen, das die Alarmarten beschrieb. Nichts dergleichen. Aber in der Notfall-Schachtel fand er ein auffällig rot markiertes Päckchen mit Kaliumiodid-Tabletten. „Armee-Apotheke stand darauf. Und auf dem Beipackzettel las er: „Bei einem schweren Kernkraftwerkunfall mit Bruch des Sicherheitsbehälters kann neben anderen Substanzen radioaktives Iod in die Umgebung austreten. Dieses wird vom Menschen durch die Atemluft aufgenommen und reichert sich in der Schilddrüse an. Kaliumiodid-Tabletten verhindern die Aufnahme von radioaktivem Iod in die Schilddrüse, sofern sie rechtzeitig eingenommen werden.

Es könnte sich um einen Unfall im Kernkraftwerk Mühlbach handeln, sinnierte Max, das lag nur ungefähr 15 Kilometer südwestlich der Stadt. Beim gestern noch vorherrschenden mittelkräftigen Südwestwind wäre das in der Tat mehr als beunruhigend.

Nicht, dass Max so leicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden konnte, war er doch von Natur aus ein unbestechlicher Forscher, der vor nichts mehr zurückschreckte. Seit er vor wenigen Jahren seine geliebte Frau Jessica verloren hatte, war es für ihn lebensnotwenig, den Dingen unbarmherzig auf den Grund zu gehen. Nichts hasste er mehr als Halbwahrheiten und faule Kompromisse. Und dieser Alarm, dessen Sinn und Nutzen er im Augenblick nicht ergründen konnte, brachte ihn irgendwie auf die Palme.

Soll ich im Internet nachschauen?, fragte sich Max. Vielleicht handelt es sich nur um eine Übung oder gar einen bösen Scherz, wer weiß das schon? Als ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, ertönte das laute Klingeln seines Weckers. Es war genau sieben Uhr. Max hatte sich so früh wecken lassen, weil er aufgrund der guten Wetterprognose eine morgendliche Jurawanderung unternehmen wollte. Er hatte gestern noch bis spät in die Nacht gearbeitet. Wieder einmal war er daran, sein Konzept des Biologieunterrichtes zu überarbeiten, denn das vorhandene befriedigte ihn nicht mehr. Die neuen Erkenntnisse von Wissenschaft und Forschung mussten heutzutage in immer kürzeren Zeitabständen wieder in die Themen des Unterrichts eingebaut werden. Er wollte immer aktuell sein. Zudem musste er auch seine neuen Gesichtspunkte von dem, was Leben ist, immer wieder der Gymnasialstufe anpassen. Die Lehrpläne auf dieser Stufe waren zwar detailliert, ließen aber einer Lehrkraft dennoch viel Interpretationsspielraum. Man konnte die einzelnen Fachgebiete innerhalb gewisser Grenzen nach eigenen Vorlieben gewichten, dadurch bekam jeder Unterricht auch die persönliche Note der Lehrkraft.

Max hatte also vorgehabt, den freien Sonntag mit einer erfrischenden Wanderung zu bereichern, um auch seinen Bewegungsmangel der letzten Tage auszugleichen. Für Max, 46 Jahre alt, ein sportlicher und sonnengebräunter Typ, stand regelmäßige Bewegung weit oben auf der Liste der Maßnahmen für ein gesundes Leben. Im Rückblick musste er sich eingestehen, dass er diesen Lebensgrundsatz schon seit einiger Zeit zu stark vernachlässigt hatte. Doch jetzt, in dieser unerfreulichen Situation, wollte er erst einmal das Radio einstellen, um die neuesten Nachrichten zu hören. Wenn dieser Alarm überhaupt eine Bedeutung hat, dann dürfte das der Nachrichtensprecher sicher erwähnen. Er stellte den lokalen Sender ein und sogleich ertönte eine Stimme: „Wir machen die Bevölkerung im Umkreis von Mühlbach innerhalb eines Radius von 30 Kilometern darauf aufmerksam, dass alle Fenster und Türen zu schließen sind. Bleiben Sie zu Hause, gehen Sie also nicht ins Freie. Stellen Sie Lüftungen, Wärmepumpen-Heizungen und andere Geräte ab, die Luft aus der Umgebung ansaugen. Um sechs Uhr 40 ist im Kernkraftwerk bei Mühlbach eine gewaltige Explosion erfolgt. Ursache und Auswirkungen sind zurzeit nicht bekannt. Die Sicherheitsorgane der Behörden und der Armee, die dem Sektor Mühlbach zugeteilt sind, haben vor fünf Minuten ihre Arbeit aufgenommen. Sobald wir mehr wissen, werden wir Sie wieder informieren. Handeln Sie nicht auf eigene Faust und nehmen Sie noch keine Kaliumiodid-Tabletten ein, warten Sie auf weitere Anweisungen. Der Alarm, das Signal Allgemeiner Alarm, wird weiterhin ausgesendet. Es folgen nun noch einige weitere Meldungen des Tages …" Damit waren die Frühnachrichten vorbei.

Max stellte das Radio ab und ging ans Telefon, um seinen Sohn Michael, der bei der Polizei arbeitete, anzurufen. Vielleicht wusste er ja mehr, er dürfte doch näher an einer guten Informationsquelle sein. Doch das Festnetz blieb stumm. Max suchte sein Handy, das er nur für Notfälle verwendete. Aber auch hier dasselbe: kein verfügbares Netz. Super! Auf die moderne Technik kann man sich auch nicht immer verlassen. Eigentlich müsste ich das anders formulieren: Diejenigen, die an der Macht sind, die können sich auf ihre Technik verlassen, der Mann von der Straße nicht. Die Telefonverbindungen wurden sicher gezielt unterbrochen.

In Max stieg eine Art heiliger Zorn auf. In den Monaten, während derer er seine Frau in den Tod begleitet hatte, hatte sich in ihm ein neuer Kanal entwickelt, durch den ihm oft die wahren Hintergründe einer Situation offenbart wurden. So hatte er auch jetzt das untrügliche Gefühl, dass an der ganzen Situation etwas faul war. Durch verantwortungsloses Verhalten von Menschen und gezielte Täuschungsmanöver von Regierenden und Medien war er in den letzten Jahren im Urteil hart geworden.

In dieser Stimmung ging Max in die ganz in Weiß gehaltene Küche und stellte die Kaffeemaschine an, richtete sich ein kleines Frühstück her und versank in Nachsinnen. Obschon die Morgensonne die Küche in angenehmes Licht tauchte, war die Stimmung wesentlich anders als gestern um die gleiche Zeit. Sein Birchermüsli und die Scheibe Vollkornbrot aß er mit wenig Appetit. Aus der belebenden Jurawanderung an diesem wunderschönen Tag würde nun wohl nichts werden. Es war kaum damit zu rechnen, dass der Alarm bereits in den Vormittagsstunden aufgehoben und die Explosion sich als harmloser Unfall erweisen würde. Noch beängstigender war die Tatsache, dass die Telefonverbindungen nicht funktionierten und man nur spärliche Informationen erhielt. Max konnte sich diese Tatsache nicht erklären. Nach dem kleinen Morgenimbiss setzte er sich an seinen PC und versuchte, seinen immer stärker werdenden Unmut über die ungewisse Situation mit Surfen etwas in den Griff zu bekommen. Doch die E-Mail-Verbindung war tot und natürlich lieferte das Internet keine Informationen zum AKW Mühlbach. Da war der Verdacht, dass es sich um eine gezielte Aktion handelte, nicht von der Hand zu weisen. Warum erfolgt eine solche Explosion an einem Sonntag, überlegte Max. Warum so früh, wenn die meisten noch schlafen oder doch zumindest noch zu Hause sind? Wie konnten die Telefonverbindungen so schnell unterbrochen werden? Da schien doch der Gedanke an ein von irgendwelchen Amtsstellen geplantes Vorgehen nicht so abwegig zu sein. Doch wozu? Konnte es sich vielleicht um eine Übung handeln, bei der man einen realen Fall durchspielte und das Verhalten der Bevölkerung im Ernstfall überprüfen wollte?

Dazu wäre ein Sonntag ideal, hielte man doch an diesem Tag nur wenige Menschen von einer wichtigen Arbeit ab. In einem solchen Fall konnte man ja vorher auch keine Warnung aussprechen, denn sonst entspräche das Verhalten der Bürger auf die Alarmierung nicht mehr einem Ernstfall. Vielleicht war es ein Anschlag einer unbekannten Gruppierung, von Terroristen, oder wie man diese auch immer bezeichnete, Dilettanten, die mit etwas Sprengstoff eine medienwirksame Aktion durchführen mussten auf Befehl irgendeines Auftraggebers. Man befand sich in einer solchen Situation wirklich in einem sehr großen und Angst einflößenden Informationsnotstand. Dies erfuhr Max jetzt am eigenen Leibe. Die unerwartete Situation sollte aber nicht ohne Wirkung auf seine Arbeit als Lehrer, Erzieher und als Vorbild für junge Menschen an seiner Schule bleiben. Er machte sich Gedanken, wie er sich wohl verhalten würde, wenn jetzt Montag und er womöglich zu dieser frühen Stunde bereits im Schulhaus an seinen Vorbereitungen für den Biologieunterricht wäre.

Nach dem Frühstück überprüfte er noch einmal Telefon, Handy und seinen Internetanschluss. Nichts hatte sich geändert. Also setzte er sich aufs Sofa und las in einem Sachbuch zum Thema Impfungen weiter, das er vor zwei Tagen begonnen hatte. Was sollte er in dieser Situation auch anderes tun? Er wollte die neuen Radioinformationen um acht Uhr abwarten. Draußen auf der Straße war es ungewöhnlich still, keine Ausflügler waren unterwegs, wie dies sonst an einem so strahlenden Tag der Fall war. Sogar die Singvögel schienen durch die immer noch anhaltenden Alarmtöne irritiert zu sein, hatten sie doch ihr Morgenkonzert eingestellt.

Gegen acht Uhr stellte Max erneut das Radio ein. Eine Stimme forderte die Hörer auf, auf Empfang zu bleiben, es würden demnächst die neuesten Meldungen erwartet. Um Punkt acht Uhr nach dem Zeitzeichen meldete sich derselbe Nachrichtensprecher wie um sieben Uhr: „Die Organe der Sicherheitstrupps des AKW Mühlbach haben erste Erkenntnisse gewonnen und den Medien eine entsprechende Meldung zukommen lassen. Demnach handelt es sich um einen ernst zu nehmenden Sprengstoffanschlag auf das Reaktorgebäude, doch wurde dabei der Sicherheitscontainer nicht beschädigt. Die Messtrupps, welche die Umgebung des Kernkraftwerks mit ihren Spürgeräten abgesucht hatten, konnten bisher keine erhöhten radioaktiven Werte messen. Wir empfehlen allen Bewohnern innerhalb der 30-Kilometer-Zone, die Sicherheitsmaßnahmen bis auf Widerruf beizubehalten. Gemeint sind: Fenster und Türen schließen, Lüftungen abstellen und nicht ins Freie gehen. Wir informieren Sie in den nächsten Nachrichten wieder über den aktuellen Stand unserer Ermittlungen. Jetzt noch ein paar weitere Meldungen des Tages …"

Max entschloss sich, von seiner Wohnung im ersten Stock hinunterzugehen in den Garten, wo er freie Sicht nach Südwesten hatte. Es gab zwar einige Sträucher und kleinere Bäume am Rande des Gartens, doch sie schränkten den freien Blick nur geringfügig ein. Und tatsächlich, da war ein grauschwarzer Explosionspilz zu sehen, der bedrohlich in den blauen Himmel ragte, sicher mehrere Hundert Meter hoch. Das einzig Erfreuliche war, dass die Explosionswolke sich nach Süden zu neigen schien, was darauf hinwies, dass der Wind in der Nacht seine Richtung geändert hatte und sehr viel schwächer war als angekündigt. Somit war wenigstens für den Raum um die Kantonshauptstadt nicht mit einer Verstrahlungslage zu rechnen, falls doch Radioaktivität aus dem Kraftwerk ausgetreten sein sollte. Natürlich konnte man die Explosionswolke nicht mit einem richtigen Atompilz vergleichen, etwa mit demjenigen über Hiroshima im August 1945, der eine Höhe von gut zwölf Kilometern erreicht haben soll.

Er versuchte nochmals, Michael am Handy zu erreichen, und war ganz überrascht, dass Michael sofort abnahm: „Hallo, Max, du möchtest sicher die neuesten Informationen zu Mühlbach, oder?" Seit Michael Polizist geworden war, sprach er seinen Vater immer mit dem Vornamen an, was sonst in der Familie nicht üblich war.

„Natürlich, wozu sonst sollte ich dich am Sonntag so früh kontaktieren!"

„Wahrscheinlich wirst du enttäuscht sein, denn die Polizei hier auf meinem Posten, wo ich vor einer halben Stunde außer Plan eingetroffen bin, weiß auch nicht wesentlich mehr. Nur etwas gibt mir zu denken, nämlich die Meldung, die eben eingegangen ist: Der Wachmann des AKW, der mit seinem Schäferhund die Frührunde machte, wurde von den Tätern mit Giftpfeilen beziehungsweise Giftmunition, wie man sie für wilde Tiere verwendet, außer Gefecht gesetzt. Er sei einige Minuten nach dem massiven Sprengstoffanschlag wieder erwacht und nicht mehr in Lebensgefahr."

„Wenn das das Einzige ist, was ihr auf dem Polizeiposten nach mehr als zwei Stunden nach dem Anschlag zu melden habt, dann ist das wirklich dürftig. Ich hasse solche Schlampereien! Du kannst natürlich nichts dafür, aber als interessierter und mündiger Staatsbürger fühle ich mich verarscht, sorry l’expression! Immerhin ist es wieder ein gutes Beispiel für Parzellierung, wenn du weißt, was ich damit ausdrücken will. Niemand darf die ganze Wahrheit wissen, nur so kann man das Volk dirigieren. Schlimme Situationen werden verharmlost und unwichtige aufgebauscht. So bleibt man an der Macht."

„So ist es leider. Ich melde mich wieder, sobald … Soeben flimmert eine neue Meldung über den Bildschirm vor mir, unglaublich, was da läuft …" Dann wurde die Verbindung gekappt. Max fluchte, was sonst nicht seine Art war, um den Unmut loszuwerden. Diese Geheimnistuerei entfachte seinen Kampfgeist. Offenheit und absolute Ehrlichkeit standen ganz zuoberst auf der Liste seiner erstrebenswerten Tugenden.

Dann klingelte wieder sein Handy: „Jetzt bin ich am Diensthandy, das ist, wenn man dieser Aussage trauen darf, abhörsicher."

„Du glaubst wohl noch an den Weihnachtsmann, mein lieber Sohn, solange mein Handy es nicht auch ist, kannst du nicht offen mit mir sprechen, es sei denn, dein Bildschirm hätte etwas ganz Banales gezeigt."

„Gut, Max, da hast du wohl leider recht, eins zu null für dich! Also ich habe da so nette Tierchen auf dem Bildschirm. Sie sollen ab sofort rund um den Explosionsort herumschwirren. Ob sie dort Honig sammeln? Hör die nächsten Radioinformationen, ich muss jetzt leider abbrechen, der Chef ruft uns zum Rapport. Tschüss!"

Natürlich war Max sofort klar, was das für interessante Tierchen waren, die man da losgelassen hatte. Um eine Bestätigung zu erhalten, musste er die nächsten Nachrichten abwarten, falls man überhaupt diese Katze aus dem Sack lassen würde, was er doch etwas bezweifelte. Ungeheuerlich, was da läuft!

Er nahm wieder das Buch zur Hand, las noch einige Seiten. Dann vernahm er die neue Radiomitteilung. Die Meldungen wurden diesmal von einer Sprecherin bekannt gegeben: „Die Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen können ab sofort aufgehoben werden. Bisher ist keine Radioaktivität aus dem Reaktor ausgetreten. Die technischen Mess- und Überwachungstrupps sind weiterhin im Einsatz und stellen eine lückenlose Kontrolle sicher. Die Polizei tappt betreffs der Täterschaft noch im Dunkeln. Es ist nach wie vor ein Rätsel, wie der Sicherheitszaun um das Kernkraftwerk unbemerkt überwunden werden konnte. Bitte umfahren Sie den Bereich des Kernkraftwerks Mühlbach so weiträumig wie möglich. Es sind noch überall Straßensperren aufgebaut. Die Geländeüberwachung wird noch mindestens 24 Stunden lang aufrechterhalten. Zur Raumüberwachung wurden erstmals Drohnen, unbemannte und mit Kameras versehene Kleinstflugzeuge, eingesetzt. Viele Menschen haben deswegen besorgt die Polizei angerufen, weil sie gedacht haben, dass es sich um fremde Drohnen handele. Diese Art der Überwachung wird ebenfalls aufrechterhalten, es besteht also kein Anlass zur Sorge. Für den Ausfall der Festnetz- und Handy-Verbindungen möchten wir uns entschuldigen. Diese sind eine Folge der Überlastung der Netze durch die vielen Anrufe. Leider waren auch Unterbrechungen der Stromversorgung nicht zu vermeiden. Inzwischen dürften die Störungen, auch diejenigen im E-Mail-Verkehr, wieder behoben sein. Jede weitere Stunde erhalten Sie die neuesten Informationen zum Sprengstoffanschlag auf das Kernkraftwerk Mühlbach. Jetzt noch weitere Meldungen aus dem Ausland …"

Es ist ja nicht zu fassen, diese Geheimniskrämerei. Jetzt hat die Schweiz auch noch Drohnen, von denen niemand, jedenfalls kein gewöhnlicher Normalbürger, bisher etwas erfahren hat. Max war sich sicher, dass an der ganzen Geschichte irgendetwas, vielleicht sogar alles, faul war. Dann holte er seinen Wanderrucksack, füllte die Feldflasche mit Wasser und verließ das Haus. Er fuhr mit dem Fahrrad durch das Weststadtquartier, um es am Bahnhof in Oberdorf zu parken. Von dort aus nahm er den Wanderweg bergwärts, der in etwa zwei Stunden auf den Weißenstein führte. Er atmete tief durch und versuchte, seine Schritte zu beschleunigen. Doch ein Schatten der Bedrückung lastete auf ihm. Er hoffte, dass die Missstimmung sich durch das Gehen in der Natur verbessern würde. So ging er schnellen Schrittes immer auf leicht ansteigenden Jurawanderwegen. Er kam durch kleinere Schluchten, wanderte um Felsvorsprünge und hatte bald eine Höhe erreicht, von welcher aus man bei diesem klaren Wetter eine wunderbare Weitsicht über das ganze Mittelland hatte. Und tatsächlich, dort, wo er das Kernkraftwerk vermutete, stand noch eine dunkle, pilzförmige Wolke am Himmel, aber sie wirkte nicht mehr so bedrohlich wie von seinem Garten aus. Vielleicht wurde das Ganze nur verübt, um die Drohnen und das Verhalten der Bevölkerung darauf zu testen. Heutzutage wusste man nicht mehr, welche Motive das Tagesgeschehen lenkten. Kommt Zeit, kommt Rat oder Erkenntnis, dachte sich Max. Am Abend würden die TV-Nachrichten die Bürger über den neuesten Stand informieren. Ob es der Wahrheit entsprechen würde, war eine andere Frage. Das Wandern und das tiefe Durchatmen taten Max gut. Etwas von der Bedrücktheit der letzten Stunden fiel langsam von ihm ab. Auf solchen Wanderungen fühlte er sich auch immer seiner verstorbenen Jessica sehr nahe und konnte dadurch nach und nach die unvermeidliche Trauerarbeit abschließen.

Gegen drei Uhr Nachmittag war Max von der kleinen Bergwanderung in der wunderschönen Juralandschaft geläutert und kehrte mit neuer Energie wieder nach Hause zurück. Die Gedanken über den Kernkraftwerkvorfall waren in den Hintergrund getreten. Er wollte sich noch etwas seinem neuen Unterrichtskonzept widmen und dann die Stille eines schönen Frühlingsabends genießen. Später dann, die Nacht hatte sich schon über seine geliebte Stadt Solothurn an der Aare gelegt, hörte er sich von Arvo Pärt Tabula rasa an, eine CD mit moderner sakraler Musik. Dadurch, für ihn fast eine Meditation, fand er nach dem aufregenden Sonntagsbeginn wieder sein inneres Gleichgewicht.

Um 19 Uhr 30 schaute er sich im Fernsehen die aktuellsten Nachrichten an. Es gab eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse im Kernkraftwerk Mühlbach. Die Täter, es mussten laut Angaben der Behörden mindestens drei gewesen sein, konnten noch nicht ermittelt werden. Die Fahndung nach ihnen mit Drohnen wurde eingestellt. Das Kernkraftwerk sei im Wesentlichen intakt, Radioaktivität sei keine ausgetreten und es bestehe auch grundsätzlich keine Gefahr mehr, dass solche austreten würde. Die technischen Messtrupps hatten laut Angaben des Nachrichtensprechers ihre Mess- und Überwachungstätigkeit eingestellt, denn sie sei nicht mehr nötig. Für die Bewohner rund um das AKW bestehe keine erhöhte Gefahr. Die Polizei bitte die Bevölkerung, sachdienliche Beobachtungen, die zur Festnahme der Täter führen könnten, unter der angegebenen Telefonnummer zu melden. Es wurden einige spektakuläre Bilder des Tatortes gezeigt. Darunter auch die Großaufnahme einer ungewöhnlichen Reifenspur dicht am Sicherheitszaun des Kraftwerks. Die Informationen dauerten nur etwa fünf Minuten. Dann waren andere Themen an der Reihe.

Die Angaben waren enttäuschend, stützten aber Max’ Vermutung, dass es sich nicht um einen wirklichen Sprengstoffanschlag, mit dem Ziel, den Kernreaktor zu beschädigen, handeln konnte. Man durfte gespannt sein auf die Pressemitteilungen des kommenden Tages. Der Einsatz der Beobachtungsdrohnen dürfte aber Anlass zu Diskussionen geben. Max war neugierig, wie seine Kollegen sich über den sogenannten Anschlag auf das Kernkraftwerk äußern würden. So sah er mit Interesse dem morgigen Schultag entgegen.

Kapitel 2

Am Montag

Max hatte eine unruhige Nacht verbracht. Die gestrigen Ereignisse durchzogen seine Träume wie bedrohliche Schatten. Nach einer kühlen Dusche, einem reichhaltigen Früchtemüsli und einer Tasse grünem Tee fühlte er sich einigermaßen fit. Es war ein strahlender Aprilmorgen und so stieg er auf sein Fahrrad und radelte schon eine Stunde vor Unterrichtsbeginn in die Kantonsschule, an der er seit fast 20 Jahren als Biologielehrer unterrichtete. Die riesige Schulanlage war ein zweigeschossiger Flachdachbau aus den Fünfzigerjahren des letzten Jahrhunderts. An vielen Stellen waren die kahlen Betonmauern mit Efeu oder anderen Kletterpflanzen überzogen. Dadurch hatte das Gebäude gegenüber einer Industrieanlage doch einen freundlicheren Anstrich. Auch eine gepflegte Gartenanlage mit Bänken und Tischtennisplatten luden Lehrkräfte und Schülerschaft zum Entspannen ein.

Max war bereits in seinem Vorbereitungsraum gewesen und befand sich nun wieder in der Eingangshalle seiner Schulabteilung des Wirtschaftsgymnasiums. Er war neugierig, wie der Schulbetrieb heute nach dem Reaktoranschlag anlaufen würde. Er schaute auf die Uhr. Noch 20 Minuten bis Unterrichtsbeginn. Die ersten Schülerinnen und Schüler betraten die Halle, auch die ersten Kolleginnen und Kollegen waren dabei. Einige diskutierten eifrig, andere schlenderten still und lustlos auf ihre Unterrichtsräume zu. Im Kopf von Max kreisten immer wieder die gleichen Gedanken:

Wo ist denn unser Rektor, Paul Geiser? Das kann doch nicht sein, dass er sich an diesem besonderen Tag nicht zeigt, dass er nicht dasteht und die eintrudelnden Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler in die Aula zu einer Informationsstunde weist, ärgerte sich Max. Zumindest erwarte ich ein Hinweisschild gleich beim Eingang mit der Aufschrift: Alle Lehrkräfte und Klassen um acht Uhr in der Aula.

Solche Dinge ereigneten sich doch nicht alle Tage, ein Sprengstoffanschlag auf ein nahe gelegenes Kernkraftwerk und dann noch der erstmalige Einsatz von Drohnen. Zwei Ereignisse, die die Bevölkerung den ganzen Sonntag in Atem gehalten hatten. Noch zehn Minuten, bis es zur ersten Lektion des Tages läutete. Herrgott noch mal, Paul Geiser, das kann doch nicht dein Ernst sein, heute durch Abwesenheit zu glänzen, dachte Max bei sich. Wir können als Mittelschule doch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, als wäre da draußen in der Welt nichts geschehen. Wir haben doch neben der Stoffvermittlung unsere Zöglinge auch auf das aktuelle Leben vorzubereiten. Der Rektor müsste doch jetzt diese einmalige Chance wahrnehmen, seine Schule über das jüngste Großereignis zu informieren, damit die Jungen ein politisches Bewusstsein entwickeln können. Wir müssen doch die Tagesereignisse in den Schulalltag hineinnehmen; die weitverbreitete politische Abstinenz, die viele junge Menschen heute an den Tag legen, muss endlich durchbrochen werden.

Nach einiger Zeit stand Max nicht mehr als einzige Lehrkraft in der Eingangshalle. Sein engster Freund, Werner Lohner, hatte sich neben ihn gestellt. Er war Lehrer am Lehrerseminar, einer weiteren Abteilung der vierteiligen Schule. Man hätte die beiden fotografieren sollen: Max, den sehnig-muskulösen Typen mit dunklem, krausem Haar, die Ärmel hochgekrempelt und wie zum Angriff auf den Fußballen wippend, daneben sein Freund Werner, von blasser Hautfarbe, mit blauen Augen und blonden, gescheitelten Haaren, ruhig und gelassen. Sie wirkten wie zwei Aufsichtspersonen. Doch ein Fotograf hätte sich beeilen müssen, denn nach wenigen Minuten kam Rebecca Wagner mit beschwingten Schritten und langen, wallenden Haaren zum Eingang herein und drängte sich zwischen die beiden Kollegen. Rebecca, Enddreißigerin, eine attraktive Französischlehrerin, war ungefähr seit zehn Jahren an der Schule. Sie schaute die beiden Herren fragend an, denn sie hätte gerne gewusst, weshalb sie so stramm den Eingangsraum kontrollierten. Doch keiner gab eine Erklärung ab.

Inzwischen war es zehn Minuten vor acht Uhr geworden, das erste Läutzeichen ertönte und der Rektor war nicht aufgetaucht. Die Lawine der einströmenden Schüler wurde lockerer und bald hasteten nur noch wenige Jugendliche zu ihren Zimmern. Rebecca verabschiedete sich von den beiden Kollegen. Ihre Miene drückte Enttäuschung aus, denn sie hätte nur zu gerne gewusst, was in den beiden Kollegen, die sie so sehr schätzte, vorging. Werner fragte Max, ob er bald etwas Zeit erübrigen könne, um über den Anschlag zu sprechen. Max bat ihn, doch nach dem Unterricht am Nachmittag in sein Vorbereitungszimmer zu kommen. Die beiden Freunde tauschten regelmäßig ihre Meinungen über aktuelle Vorkommnisse aus. Sie waren seit ihrer Jugendzeit eng miteinander befreundet und hatten in den Schluchten, Wäldern und Steinbrüchen in der Nähe des Schulhauses oft gemeinsam Räuber oder Indianer gespielt. Sie benötigten nicht viele Worte, um einander mitzuteilen, was sie auf dem Herzen hatten.

Mit dem Ertönen der Schulglocke ging Max mit großem Unmut und einiger Enttäuschung in sein Biologiezimmer und zog die Türe hinter sich kräftig ins Schloss. Heute hatte er seine Klasse, die Klasse 4c, in der er Klassenlehrer war, in der Frühstunde. Er sah kurz über die Schüler hinweg und musste feststellen, dass ein Platz in der vorderen Reihe leer war. Emilia fehlte.

Viele schenkten ihm einen erwartungsvollen, neugierigen Blick; er schien etwa auszudrücken: Was wird unser Klassenlehrer über den gestrigen Reaktorangriff sagen? Nach diesem ersten gegenseitigen Blickaustausch stand die Sitznachbarin von Emilia auf, ging direkt auf Max zu und überreichte ihm einen Brief von ihrer Freundin mit der Bitte, ihn vor versammelter Klasse vorzulesen.

Max nahm den Brief mit einigem Erstaunen entgegen, öffnete das Kuvert und las das Schreiben vor:

„Lieber Herr Grunder, liebe Klassenkameradinnen und Klassenkameraden!

Nach dem, was gestern vorgefallen ist, schaffe ich es nicht, heute rechtzeitig zum Unterricht zu erscheinen. Das gestrige Geschehen ist doch äußerst alarmierend, jedenfalls für mich, sodass ich mich nicht einfach mit dem Unterrichtsstoff auseinandersetzen kann, so als wäre da nichts gewesen. Versteht mein Fernbleiben auch als eine unbeholfene Maßnahme, ein Zeichen zu setzen. Ich wünsche, dass über den schrecklichen Vorfall diskutiert wird. Ich kann im Moment nicht mitreden, da ich fürchte, dass ich viel zu emotional reagieren würde. Bitte versucht, mich zu verstehen.

Mit freundlichen Grüßen

Emilia".

Max schaute in die Klasse. Betretenes Schweigen. Emilia war bisher kaum aufgefallen, von ihrem Kleidungsstil abgesehen, und so spürten wohl alle aus diesen Worten, dass sich in ihr irgendetwas zu regen begann. Etwas, das sie vielleicht all die letzten Schuljahre unterdrückt hatte. Max schaute zu Brigitte, um vielleicht von ihr etwas Konkreteres zu erfahren. Doch sie war selber überrascht gewesen, als ihre Freundin Emilia sie an diesem Morgen angerufen und gebeten hatte, diesen Brief bei ihr abzuholen.

Dann meldete sich Karl: „Ich möchte, dass wir Emilias Vorschlag ernst nehmen und über den Vorfall sprechen."

„Als Erstes werde ich kein Fehlen ins Klassenbuch eintragen, sagte Max. „Ihr wisst ja, dass jedes Fehlen beim Unterricht mit Begründung eingetragen werden muss. Die Anwesenheitskontrolle ist kürzlich massiv verschärft worden. Die Schulleitung geht allen Absenzgründen genau nach und muss diese dann weiterleiten. Ich werde aber natürlich für mein Verhalten dem Rektor gegenüber geradestehen. Denn der Absenzgrund, den Emilia geltend macht, würde wohl kaum akzeptiert werden und könnte eine Kette von Abklärungen nach sich ziehen. Ich bin überzeugt, dass wir als Klasse mit dieser Situation konstruktiv umgehen können. Emilia wird uns ihre tieferen persönlichen Gründe für ihr Verhalten sicher später erklären.

Stille. Man hätte eine Nadel fallen hören können. Dann begann Max: „Also, sprechen wir über den Sprengstoffanschlag auf das Kernkraftwerk in Mühlbach. Wer möchte sich äußern?"

Philipp ergriff zuerst das Wort: „Ich möchte das vorbringen, was mir heute beim Frühstück mein Vater gesagt hat, nämlich, dass der Anschlag nur verübt wurde, um das Verhalten der Bevölkerung beim Einsatz von Drohnen zu prüfen. Der Anschlag wurde also nach seiner Meinung nur fingiert, als Scheinanschlag mit etwas Sprengstoff und Rauchentwicklung durchgeführt."

„Dein Vater hat eine Vermutung geäußert, die mir im Augenblick der ersten Nachricht in den Medien auch gekommen ist. Auch ich halte diese Ansicht für wahrscheinlich, aber leider muss ich hinzufügen, dass ein solches Vorgehen mehr als bedenklich wäre, sollte es sich als Wahrheit herausstellen."

Es folgten noch einige Schülerfragen und bedenkenswerte Meinungen. Auch Max gab seinem Befinden Ausdruck: „Die Angelegenheit hat mich gestern den ganzen Tag beschäftigt, selbst in meine Träume hat sich etwas Dunkles eingeschlichen. Ich finde es wichtig, dass wir bald ausführlicher darüber diskutieren. Vorerst möchte ich in der großen Pause mit meinem Rektor sprechen, vielleicht hat er sich auch noch eine Aussprache vorgestellt. Max nahm sich aufgrund der Abwesenheit von Emilia, die ihm wie ein deutliches Zeichen schien, fest vor, im Bereich der Meinungsbildung künftig aktiver zu werden. „Also, überlegen wir gemeinsam, wie wir künftig brennende politische Themen verarbeiten und darauf reagieren wollen.

Dann stieg er in das neue Unterrichtsthema seines Biologie-Unterrichtes ein.

„Wir sprechen heute und in den folgenden Wochen über ein sehr aktuelles wie auch ebenso heikles Thema, das uns heute alle angeht und über das wir uns eine Meinung bilden müssen. Ich meine mit diesem brisanten Thema die Genetik. Heute wenden wir uns zunächst den Anfängen dieses biologischen Wissenschaftszweiges zu und beginnen mit den durch den österreichischen Augustinermönch Gregor Mendel entdeckten Vererbungsgesetzen. Er hat von 1822 bis 1884 gelebt. Diese Gesetze kennt man seither unter der Bezeichnung Mendelsche Gesetze. Gregor Mendel begründete durch seine Kreuzungsversuche mit Pflanzen die Wissenschaft der Genetik. Nach einigen Lektionen werden wir uns dann der Problematik der heutigen Gentechnologie zuwenden, die ja zu einem sehr bestimmenden Faktor in Wirtschaft, Landwirtschaft, Medizin und Politik geworden ist. Schlussendlich wird es sich nicht vermeiden lassen, die sehr heiklen Themen Eugenik und Transhumanität anzuschneiden. Die Eugenik behandelt ein sehr umstrittenes Gebiet, in dem man sich auch mit Gedanken befasst, wie ungeratenes menschliches Leben verhindert werden könnte. In der Transhumanität geht es um Überlegungen, wie man die weitere Entwicklung des Menschen selbst in die Hand nehmen kann. Denn auch darüber müssen in der heutigen Zeit Maturandinnen und Maturanden Bescheid wissen und mitreden können, maturi heißt bekanntlich reif."

Damit war denn auch die erste Lektion dieses Vormittags zu Ende und alle warteten begierig auf die nächste Pause, um sich mit Jugendlichen anderer Klassen auszutauschen und damit irgendwie die beängstigenden Erlebnisse des Wochenendes verarbeiten zu können.

In der großen Pause, nach der zweiten Vormittagslektion, ging Max in die Schulkantine, um mit Kollegen über das gestrige Ereignis zu diskutieren. Natürlich hatte er gehofft, seinen Rektor am Tisch mit seinen Kollegen vorzufinden. Aber da war weit und breit kein Paul Geiser. Kaum hatte er sich mit einem Espresso in eine Ecke gesetzt, sah er Ursina direkt auf sich zukommen. Sie war mit 29 Jahren die jüngste Lehrerin an der Literarabteilung des vierteiligen Gymnasiums. Sie hatte eine Traumfigur, fast etwas zu wohlgeformt für ihr Alter, und Max fiel ein, wie sie so beschwingt auf ihn zukam, was sein Kollege Hanspeter vor einigen Tagen über sie gesagt hatte: „Sie ist eine so scharfe Frau, dass du einen Waffenschein haben musst, wenn du mit ihr ausgehst." Na ja, wenn man in Betracht zog, dass Hanspeter beim Militär als Hauptmann eine Grenadier-Einheit befehligte, konnte man diesen Vergleich verstehen. Und das hatte nichts damit zu tun, dass Ursina einen Doktor in Philosophie hatte und Latein sowie Griechisch unterrichtete. Vermutlich gehörte Hanspeter auch zu den Kollegen, die wegen Ursina schlaflose Nächte verbracht hatten.

Ursina setzte sich mit einem Orangensaft Max gegenüber. „Endlich läuft wieder was, ich sehe dir an, Max, dass du in deinem Element bist." Sie schenkte ihm ihr betörendstes Lächeln. Und das blieb nicht ohne Wirkung. In Max’ Gedanken tauchte das Bild auf, auf dem sie mit ihren makellosen Zähnen, von sinnlichen Lippen umrahmt, in eine Paradiesfrucht biss. Ein Bild, das bei einem Mann nicht nur die Säfte im Mund fließen ließ. Max konnte sich aber rasch von diesem Bild lösen, seine Jessica war noch zu sehr präsent.

„Da bist du nicht weit daneben, sagte Max. „Nur allzu gerne möchte ich mich mit erfreulicheren Themen beschäftigen. Aber ich spüre immer deutlicher, dass Globalisierer, Global Players, machtgeile Menschen und Materialisten die Gesellschaft immer mehr zerstören und uns zu modernen Sklaven machen. Und das kann ich einfach nicht mehr so untätig hinnehmen.

„Manchmal denke ich, dass viele Ereignisse der letzten Zeit Teile eines Planes sind, den wir noch nicht kennen. Zu diesen Ereignissen zähle ich neben dem Einsatz von Drohnen die Überwachungskameras rund um den Bahnhof, die Impfaktionen und Mikrochips, welche die Fußfesseln ersetzen sollen. Es ist wie bei einem Puzzle, bei dem uns die wichtigsten Teilchen fehlen."

„Es freut mich, Ursina, dass du das auch so siehst. Und ich frage mich, was der nächste Schritt sein könnte und wie dieser Anschlag auf das Kernkraftwerk und der Drohneneinsatz in den Gesamtablauf dieses Planes passen. Vielleicht können wir uns ein andermal noch darüber unterhalten."

Ursina lächelte Max an. „Gerne, deine Einsichten in die gegenwärtige Weltlage interessieren mich sehr, obschon ich mich im Schulunterricht mit der Antike auseinandersetzen muss."

Ursina war eine natürliche Schönheit, mit langen, braunen Haaren und leuchtend blauen Augen, mit edlen Gesichtszügen, die kaum Make-up brauchten, um noch attraktiver zu wirken. Man hätte von einem vergeistigten Gesichtsausdruck sprechen können, wenn da nicht beim persönlichen Kontakt etwas ganz Urweiblich-Archaisches hervorleuchten würde. Das musste es gewesen sein, mit dem Ursina seinen jüngeren Kollegen in allen Abteilungen den Kopf verdreht hatte. Sicher fand sie auch ihn selbst ganz attraktiv. Immerhin war er eins achtzig groß, muskulös gebaut, hatte schwarze, gelockte Haare, die seit der Leidenszeit seiner Frau die ersten weißen Strähnen zeigten. Sie bewunderte wohl am meisten seine geistige Präsenz, die er durch seine wachen, braungrünen Augen deutlich zum Ausdruck brachte, dachte er.

Leider war die Pause schnell vorbei und die beiden Lehrkräfte gingen wieder in ihre Unterrichtszimmer. In der kurzen Mittagspause ging Max in das Lehrerzimmer, um die Mittagsnachrichten zu hören. Er war nicht wenig erstaunt, im Radiosender eines östlichen Nachbarlandes folgende Information zu vernehmen: „Die modernsten Drohnen werfen die Frage auf, ob künftig mittels vorprogrammierter Drohnen Menschen getötet werden können, ohne dass da noch ein Mensch in den Entscheid, töten oder nicht, eingeschaltet ist. Und weiter las er daraufhin zufällig in einer Wochenzeitung: „Die Gewalteinsätze durch Killer-Roboter werden, ohne über das menschliche Gewissen kontrolliert zu werden, immer häufiger. Wer trägt die Verantwortung für einen solchen Waffeneinsatz? Verschwiegen wird zudem, dass seit etwa dem Jahre 2000 über 400 Drohnen weltweit abgestürzt sind, also das vorgesehene Ziel nicht erreicht haben. Als Ursache kommt technisches oder menschliches Versagen infrage. Auch das Wetter dürfte eine Rolle gespielt haben. Da Drohnen als sicher eingestuft werden, verwundert es nicht, dass viele auch in bewohntem Gebiet eingesetzt werden und dort unerwartete Schäden angerichtet haben. Wie viele menschliche Tragödien stecken dahinter?

Kapitel 3

Eine Woche später, zweiter Montag im April

Max saß mit seiner Tochter Sonja beim Frühstück. Sein Unterricht sollte erst um neun Uhr beginnen. Sonja hatte jeweils den Montagvormittag frei. So war es in den letzten Monaten zur lieben Gewohnheit geworden, die Woche auf diese Art zu beginnen.

Max hielt sich an eine sehr gesunde Ernährung, die er im Laufe vieler Jahre für sich entdeckt hatte. Zum Frühstück gab es normalerweise Tee und Früchte, was er auch ernährungsphysiologisch gut begründen konnte. Doch heute war ein besonderer Tag; er hatte Brötchen gekauft und aufgebacken. Er wollte gemeinsam mit Sonja ihrer geliebten Mutter und seiner Lebenspartnerin Jessica gedenken, die genau an diesem Tage vor drei Jahren an Leukämie gestorben war. Es waren für beide schwierige Jahre gewesen, aber in der Zeit ihrer Trauer kamen sie sich sehr viel näher. Max durchlebte auch eine berufliche Krise. Er war frustriert, dass er in den fast 20 Jahren seiner Lehrertätigkeit den Jugendlichen nicht das weitergeben konnte, was ihm über das rein Stoffliche hinaus für die Persönlichkeitsbildung wichtig schien. Bei den meisten Kollegen stieß er auf Unverständnis, was seine Anliegen betraf. Doch die Krise hatte auch ihr Gutes. Neben dem Trennungsschmerz, der seine Kräfte nach innen richtete, konnte er auch neue Lebensenergien mobilisieren. Seine Frau hatte viele Monate gegen die Krankheit gekämpft und er hatte dadurch als Mitstreiter wesentliche Einsichten in den Sinn der menschlichen Existenz gewonnen. Seit einigen Wochen fühlte er sich psychisch deutlich besser. Sein alter Optimismus und sein früherer Kampfgeist waren zurückgekehrt.

Nachdem sich Max und Sonja einige Minuten über Jessica unterhalten hatten, um die Erinnerung an sie in Ehren zu halten, genossen sie ihr gemeinsames Frühstück.

Max betrachtete Sonja und dabei fiel ihm auf, dass sie sich verändert hatte. Sonja war ein sehr ruhiges und introvertiertes Kind gewesen. Sie las viel, zog sich häufig in ihr Zimmer zurück und musste wohl öfters über Tiefgründiges nachgedacht haben. Dieser Charakterzug verstärkte sich, als sie die Waldorfschule besuchte. Sie schien sich dort wohlzufühlen und ganz in dieser Philosophie aufzugehen. Ihre Introvertiertheit verstärkte sich aber, sodass Max sich manchmal Sorgen machte, seine Tochter würde sich zu sehr von der Welt und ihren doch lohnenden Verheißungen zurückziehen. Auch ihren manchmal etwas biederen Kleidungsstil fand er für ein junges Mädchen unpassend. Doch seit dem Tod ihrer Mutter stellte Max eine Veränderung fest. Sonja wurde aufgeschlossener, kleidete sich etwas modischer und knüpfte einfacher Kontakte, als dies während ihrer Kindheit der Fall gewesen war. Sie schien auf bestem Weg in ein erfülltes Leben zu sein. Max führte diese Entwicklung darauf zurück, dass ihre sehr behütende Mutter ihr zu wenig Freiraum gelassen hatte. Auch heute war sie adrett gekleidet, schwarze Jeans, türkisfarbige Bluse mit schwarzem Gilet, was ausgezeichnet zu ihren kurzen, schwarzen Haaren und ihren leuchtend blauen Augen passte. Sie war fast ein groß gewachsenes Abbild ihrer Mutter.

Während Max die ruhig brennende Kerze auf dem Frühstückstisch betrachtete und seinen Gedanken nachhing, klingelte das Telefon. Michael, sein Sohn, meldete sich per Handy vom Klosterplatz in Solothurn. „Du, Max, stell mal den TV-Lokal-Kanal 5 ein. Da läuft gerade eine große Demo und ich bin als Polizist im Einsatz. Wenn die Demo nur nicht zu einer Kraftprobe ausartet! Leider habe ich jetzt nicht die Zeit, mehr Informationen zu geben, denn ich muss mich um die Absperrung kümmern. Tschüss, bis bald."

Sonja hatte die Ansage mitgehört, ging zum Fernseher und stellte den Kanal ein. Etwa hundert Angehörige der Pflegedienste der Spitäler rund um die 15.000-Seelen-Stadt mit der bekannten Sankt-Ursen-Kathedrale waren auf dem Platz versammelt. Sie standen auf einem in der Nacht heimlich aufgestellten Podium. Die Kamera war auf eine Sprecherin der Demonstranten gerichtet. Im Hintergrund war ein Transparent sichtbar: Stopp dem Impfzwang. Verschiedene Vertreterinnen und Vertreter schienen sich zu Wort melden zu wollen. Im Augenblick war Sandra Alberti am Mikrofon. Sie war die beste Freundin von Jessica gewesen und arbeitete im gleichen Spital in der Kantonshauptstadt.

„… und ich versichere Ihnen, sehr verehrte Zuschauerinnen und Zuschauer hier auf dem Platz und zu Hause vor dem Fernseher, dieser geplante Impfzwang für das Pflegepersonal des Kantons Solothurn ist erst der Anfang einer großen Tragödie. Als Nächstes werden die Lehrpersonen, die Staatsangestellten und so weiter zwangsgeimpft werden. Wehret den Anfängen! Wenn die Lawine einmal rollt, ist sie nur schwer ohne Blutvergießen wieder aufzuhalten. Wir demonstrieren friedlich. Wir pochen auf unser Recht, über unsere Gesundheit und unseren Körper frei bestimmen zu können. Alle, die wir hier auf diesem Podest vor euch stehen, lassen uns nicht impfen, nicht heute und auch nicht morgen. Wir wissen zu viel über die schädlichen, ja, oft tödlichen Auswirkungen der Impfungen. Dass die Pharmaindustrie Ihnen so vieles verheimlicht, wird diese einmal zu verantworten haben. Ich reiche das Mikrofon zurück an Bruno Meier, Chefpfleger in der Klinik an der Aare."

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger hier auf dem Platz und vor dem Fernseher, bitte denken Sie nicht, wir wären verantwortungslos, weil wir hier demonstrieren und uns nicht um unsere Patienten in den Krankenhäusern kümmern. Wir haben geeignete Menschen mobilisiert, die jetzt während dieser Stunde, in welcher wir auf eine äußerst bedenkliche Entwicklung im ohnehin schon maroden Gesundheitswesen aufmerksam machen wollen, unsere Pflichten an den Spitälern und Heimen erfüllen. Ich möchte jetzt unsere Kollegin Monika Mäder bitten, Sie über die wichtigsten Tatsachen im Zusammenhang mit Impfungen zu informieren. Es handelt sich um äußerst delikate Insiderinformationen, die Sie wohl kaum je in den Tageszeitungen lesen werden. Seien Sie immer kritisch, auch jetzt, und bemühen Sie sich bitte um eine eigene Meinung. Ihre Haltung und Akzeptanz der gängigen Impfpraxis gegenüber kann Sie unter Umständen das Leben kosten. Bitte, Monika."

In der Zwischenzeit präsentierten Aktivisten Transparente. Darauf konnte man lesen:

Impfungen enthalten Zusatzstoffe wie: Aluminium, Quecksilber, Formaldehyd und Antibiotika.

Impfstoffe sind die am schlechtesten geprüften Medikamente.

Weder Nebenwirkungen noch Impfschäden werden einer systematischen Überprüfung unterzogen.

Wir haben für unsere Gesundheit selbst die Verantwortung übernommen. Und Sie?

Zeigt die Angstmacherei der Impfstrategen bei Ihnen Wirkung?

Ein weiser und verantwortungsbewusster Kinderarzt sagt: Gesunde Kinder brauchen keine Impfungen, kranke Kinder dürfen nicht geimpft werden.

Die meisten Impfstoffe sind hochpotente Allergengemische. Wer wundert sich da noch über die Zunahme der Allergien?

Impfungen zählen zu den größten Irrtümern der heutigen Medizin.

Was die Gesundheitsbehörden als Impf-Müdigkeit bezeichnen, ist in den meisten Fällen eine Impf-Mündigkeit. Diese Tatsache gibt Anlass zur Hoffnung.

Als Monika das Mikrofon in die Hand genommen hatte, verebbten die Rufe aus den Zuschauerreihen, die damit ihre Zustimmung zu den Tatsachen auf dem Transparent bekundeten. „Liebe Anwesende und liebe Zuschauer zu Hause, es liegt uns fern, Aufruhr zu machen und uns als absolute Impfgegner auszugeben, wir stellen uns nur vehement gegen eine Zwangsimpfung. Es mag sicher Fälle geben, in denen eine Impfung sinnvoll sein kann. Bitte wollen Sie das zur Kenntnis nehmen und unser Vorgehen nicht als verantwortungslos bezeichnen. Wir fühlen uns für unsere Patienten verantwortlich und wollen nur das Beste für sie. Bitten unterstützen Sie uns durch Ihr wohlwollendes Verständnis."

Die Demo verlief in geordneten Bahnen und friedlich. Nur einige Polizisten hielten sich im Hintergrund auf. Es war ein fast würdevoller Auftritt so vieler Menschen in weißen Kitteln. Gerührt schauten sich Sonja und Max an, beide hatten Tränen in den Augen und beide dachten an Jessicas Worte auf dem Sterbebett: „Bei einer wesentlichen Sache meiner Aufgabe im Spital habe ich nichts erreicht." Und jetzt diese eindrückliche Demonstration, die deutlich Jessicas Handschrift trug. Ganz offensichtlich hatte ihre Freundin Sandra ihre Arbeit fortgesetzt. Dies fand auch auf den Gesichtern dieser Menschen auf dem Podest Ausdruck. Stolz, mit freundlichem und siegesgewissem Gesichtsausdruck, standen sie in lockerer, aber innerlich entschlossener Haltung da, ließen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es ihnen Ernst war mir ihrer Weigerung. Würden sie entlassen, stünde das Spital fast ohne Pflegepersonal da, denn die meisten von ihnen waren hier versammelt. Ein noch von Jessica insgeheim mit drei anderen Pflegenden ausgearbeiteter Notfallplan gab ihnen Sicherheit für ihre Zukunft. Standfestigkeit, Einigkeit und Würde erreichten auch Max und Sonja vor dem Bildschirm und trieben ihnen abermals Tränen der Rührung und der Freude in die Augen.

Sie genehmigten sich noch einen Espresso als Abschluss des frugalen Frühstücks.

„Ich fühle mich meiner Mutter sehr nahe und bin stolz, eine solche Mutter gehabt zu haben."

„Ich frage mich oft, womit ich eine solche Frau verdient habe, sagte Max. „Sie ist in den Wochen und Monaten ihrer Krankheit weit über sich hinausgewachsen.

Sonja erhob sich aus ihrem Küchenstuhl und umarmte ihren Vater ganz fest: „Lieber Paps, ich weiß, was du und Jessica durchgemacht habt, aber ich weiß jetzt auch, es war nicht umsonst!"

„Ja, ich komme auch immer mehr zu dieser Überzeugung."

„Ihre Seele lebt ja weiter, Paps, und ich fühle, dass sie sehr oft hier in unserem Umfeld ist."

„Angesichts der heutigen Demo fühle ich eine große Demut höheren Kräften gegenüber", entgegnete Max.

„Lass uns das erworbene Wissen nutzen. Mobilisieren wir unsere Kräfte, um Menschen zu Einsichten zu verhelfen, damit sie eigenverantwortlich handeln können, auch im Falle eines freiwilligen Impfentscheides."

„Danke, liebe Tochter, du hättest als Rednerin auch auf das Podium gehört."

Nach der Übertragung vom Klosterplatz beendeten die beiden mit einem Gefühl der Erfüllung ihr Frühstück, zusätzlich belebt von einer nie gekannten Energie, die sich plötzlich im Raum wie ein Licht manifestierte. Max schaute seine Tochter verwundert an: „Ich weiß, dass du es auch spüren kannst, du wirst es mir heute Abend erklären. Schließlich hast du die Waldorfschule besucht. Ich muss mich nun für meine Schule vorbereiten." Dabei fiel Sonja ein besonderes Schmunzeln im Gesicht ihres Vaters auf. Sie lächelte zurück.

*

Schon eine Woche später war die Präsenz des Anschlages auf das Kernkraftwerk und des Drohneneinsatzes in den Medien auf den Nullpunkt abgesunken. In irgendeiner Zeitung konnte man als Randnotiz noch den Hinweis lesen, dass die Verantwortlichen immer gewusst hätten, dass keine Radioaktivität ausgetreten war. Max machte sich da noch ganz andere Gedanken: Mit den trotzdem in die Wege geleiteten Messungen einer nicht wirklich existierenden Geländeverstrahlung wollte man das Volk beruhigen. Falls wirklich Radioaktivität ausgetreten wäre, hätte man ja die Jodtabletten verordnen können. Aber auch das sind natürlich nur Beruhigungspillen, denn fast niemand weiß, dass bei einer radioaktiven Verstrahlung neben Iod auch noch andere gefährliche Stoffe wie Cäsium, Strontium und Plutonium auftreten, deren Gefährlichkeit dem Jod in nichts nachsteht! Und gegen diese drei anderen Stoffe nützen die Jodtabletten rein gar nichts.

Typisch, dachte Max, nachdem der Zweck erreicht ist, fahren die Medien das Thema wieder herunter. Für ein kleines Land wurde der Zweck schnell erreicht. Man hat das Verhalten der Menschen erkannt und die Akzeptanz für einen Drohneneinsatz geschaffen. Für einen mächtigeren Staat, so sinnierte Max, müsste man sich natürlich ein spektakuläreres Szenario einfallen lassen. Man könnte zum Beispiel von Terroristen gesteuerte Flugzeuge in Hochhäuser fliegen lassen. Dieses Ereignis würden dann die machtgierigen Drahtzieher im Hintergrund über alle TV-Kanäle fließen lassen, damit ja alle Bürger aufgeschreckt würden. Ein solches Großereignis würde sicher genügen, um bei den Menschen dieses Staates die Akzeptanz für schärfere Kontrollen und Überwachungsmaßnahmen zu erreichen. Womöglich könnte man ein ganzes Volk auf diese Weise für einen Krieg gewinnen. Dass dabei Tausende von Menschen geopfert würden, müsste man in Kauf nehmen. Es gibt ja das Wort Kollateralschäden für so etwas. Früher verwendete man die verständlichere Formel: Der Zweck heiligt die Mittel. Das Unschöne und sehr Bedenkliche ist nur, dass die Mächtigen den Zweck definieren. Max nahm sich vor, diese Gedanken später erneut aufzunehmen und sie bei einer günstigen Gelegenheit seinen Kollegen und auch seiner Klasse vorzulegen. Der Einsatz der Drohnen und die Impfaktionen waren nur Beispiele von staatlichen Maßnahmen, die einen intransparenten Hintergrund hatten, den es an die Oberfläche zu zerren galt. Max notierte als Abschluss seine Gedanken in sein kleines, rotes Büchlein, das er wenn möglich stets bei sich trug, um spontane Gedanken festzuhalten: Man tut etwas und schaut, was passiert. Beispiel: Man baut Atomkraftwerke und denkt, dass man die radioaktiven Brenn-Elemente später zu gegebener Zeit schon wird entsorgen können. Man holzt Teile der Regenwälder ab und schaut, wie sich das auf das Erdklima auswirken wird. Man impft und wartet auf die Auswirkungen, die da kommen werden. So einfach ist das. Diesen letzten Satz strich er gleich wieder durch. So eine Aussage ist in diesem Zusammenhang zynisch. Oft argumentiert man, man glaube an die Zukunft, vertraue auf den Fortschritt. Und man denkt, dass eine solche Mentalität Positives ermöglicht. Dabei vergisst man das Wichtigste, nämlich die Tatsache, dass wir die Zukunft in der Gegenwart vorbereiten, dass also alles, was wir tun, sich in Zukunft auf irgendeine Art und Weise auswirken wird. Diesen letzten Satz notierte er sich auch. Er kam aber gleich darauf, dass er selbst noch vor Kurzem gesagt hatte: Kommt Zeit, kommt Rat. Und diese Einstellung war bedenklich.

Kapitel 4

Rückblick

Es gibt Zeiten im Leben, in denen alles rund läuft; man ist zufrieden mit der Umwelt und den Beziehungen. Auch gesundheitlich ist alles in Ordnung, jeder Tag gleicht dem andern, alles läuft wie geschmiert, man treibt mit dem Strom der Zeit.

Würde man durch ein unerwartetes Ereignis zum Innehalten gezwungen, käme man zur Erkenntnis, dass man das Leben bisher nicht wirklich

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