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Prinzipien der Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie: Philosophische Grundlagen

Prinzipien der Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie: Philosophische Grundlagen

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Prinzipien der Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie: Philosophische Grundlagen

Länge:
721 Seiten
14 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 24, 2016
ISBN:
9783739287256
Format:
Buch

Beschreibung

Das einzige Philosophiebuch mit Prinzipien der Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie auf geordnete und ausführlliche Weise. Argumente sind die Grundlage für jede philosophische Auseinandersetzung. Bestandteil von Argumenten sind Prämissen (inhaltliche Prinzipien). Wie Argumente richtig zu handhaben sind, lernt man durch (logische) Regeln (methodische Prinzipien). Wer sich mit Philosophie befasst, wird damit konfrontiert wie man Argumente belegen oder widerlegen kann. Dazu benötigt man inhaltliche Prinzipien (Axiome). Für die exakte Formulierung von Argumenten sind begriffliche Prinzipien wichtig. Für jeden (angehenden) Philosophen ist es relevant, Argumente klar und deutlich zu formulieren, sie auf Gültigkeit hin zu überprüfen und Schwachstellen in Argumentationen ausfindig zu machen. Hierzu benötigt man inhaltliche, methodische und begriffliche Prinzipien. Das vorliegende Buch ist eine Zusammenstellung von 110 wichtigen Grundsätzen der Philosophie aus den Bereichen Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie, ein enzyklopädisches Nachschlagewerk. Das Buch bietet auch die Vorzüge eines historischen Wörterbuches und darüber hinaus kann man Belegstellen von Philosophen direkt im Text integriert finden. Ferner ist das Buch eine Einführung in die Philosophie und ist zum Selbststudium sehr gut geeignet. Das Philosophische Wissen ist in diesem Buch fachlich und zwar nach Prinzipien geordnet. Daneben ist es innerhalb der Prinzipien herkömmlich geordnet und zwar historisch und nach Philosophen. Das fachliche Argumentieren und die, den Philosophen gemeinsamen, philosophischen Prinzipien stehen im Vordergrund.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 24, 2016
ISBN:
9783739287256
Format:
Buch

Über den Autor

Reinhard Gobrecht, geb. 1950, ist Mathematiker und Philosoph. Er studierte Mathematik und Philosophie. Das Studium der Mathematik erfolgte mit den Schwerpunkten mathematische Logik, Algebra und Arithmetik. Das Studium der Philosophie erfolgte mit den Schwerpunkten Metaphysik, Logik und Erkenntnistheorie. Zu den mathematischen Erfahrungen des Autors zählen Problemlösestrategien und deren Anwendungen in der Softwareentwicklung. Philosophische Arbeitsschwerpunkte des Autors sind sowohl logische als auch ontologische Grundlagen. Der Autor hat bereits mehrere Bücher im Bereich philosophischer Grundlagen veröffentlicht.


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Buchvorschau

Prinzipien der Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie - Reinhard Gobrecht

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einführung

Abkürzungsverzeichnis und verwendete Symbole

Metaphysik – Tabellenübersicht

Metaphysik - Beschreibung der Prinzipien

201. Prinzip des zureichenden Grundes

202. Prinzip des Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung

203. Prinzip der Ursachenordnungen (Ursachenhierarchie)

204. Prinzip der Ursachenstufen

205. Prinzip einer Ursache ihrer selbst (Selbstursächlichkeit)

206. Prinzip der (kausalen) Unerklärbarkeit der ersten Ursachen und Prinzipien

207. Prinzip des Guten / des Besten

208. Prinzip der Schönheit (der Welt)

209. Prinzip vom Wesen des Vollkommenen

210. Prinzip vom Entstehen des Vollkommenen

211. Prinzip vom Unvergänglichen

212. Prinzip vom Entstehen des weniger Vollkommenen

213. Prinzip der Berechenbarkeit

214. Prinzip vom Geschehenen (Vergangenheit)

215. Prinzip des Geschehens (Gegenwart)

216. Prinzip der Wahrheitsüberprüfung relativ zum Existenzbereich

217. Prinzip vom Existenzstreben des Möglichen

218. Prinzip der Kompossibilität (Prinzip der Vereinbarkeit)

220. Prinzip vom Entstehen aus Gleichnamigem

221. Prinzip der Ursachenformen

222. Prinzip der Verbindung zwischen Materie und Form (Naturbeschaffenheit)

223. Prinzip der Formenarten

224. Prinzip der (klassischen) Materie

225. Prinzip der zwei Materien

226. Prinzip der Existenz - verschiedene Existenzbereiche

227. Prinzip der Existenz - Descartes Axiom

228. Prinzip der Existenz - Axiom des Augustinus

229. Prinzip der Ideen

230. Prinzip der Existenzerhaltung

231. Prinzip verschiedener Existenzgrade

232. Prinzip der Existenzgründe (Bedingungen für Existenz)

233. Prinzip der Existenzgründe relativ zum Existenzbereich

234. Prinzip der Freiheit

235. Prinzip der Existenz der Seele (Struktur und Wesen)

236. Prinzip der Verschiedenheit von Körper und Seele

237. Prinzip der möglichen Unsterblichkeit der Seele

238. Prinzip einer Weltseele (Allseele)

239. Prinzip des Urzustandes der Seele (tabula rasa)

240. Prinzip der möglichen Präexistenz und Postexistenz der Seele außerhalb des Leibes

241. Prinzip der möglichen Existenz und des Wesens des Geistes

242. Prinzip der Unterscheidung und des Zusammenhangs (Eines - Geist – Seele)

244. Prinzip der Verschiedenheit von Wirklichkeit und Erscheinung

245. Prinzip von der einfachen Substanz

246. Prinzip der Harmonie (in der Welt) (Universalharmonie)

247. Prinzip der Harmonie zwischen Körper und Seele (prästabilierte Harmonie)

248. Prinzip der Harmonie der Seele

249. Prinzipien der Erkenntnis a priori (reine sinnliche Anschauung: Raum und Zeit) Kant, u. a.

250. Prinzipien der Erkenntnis a priori (reine Verstandeserkenntnis: Kategorien) Kant

251. Prinzipien der Erkenntnis a priori (Beziehungen zwischen Dingen, Ideen, Zahlen) Platon

252. Prinzipien der Erkenntnis a priori (angeborene Ideen) Descartes

253. Prinzipien der Erkenntnis a priori (eingeborene Ideen u. Prinzipien) Leibniz

254. Prinzipien der Erkenntnis a priori (erste Erkenntnisprinzipien, Urteilskraft) Al-Farabi, Albertus Magnus, Nikolaus von Kues

255. Prinzip des kategorischen Imperativs

256. Prinzip der verschiedenen Seinsweisen

257. Prinzip der Ewigkeit

258. Spiegelprinzip (Abbild des Universums)

259. Prinzip von den Vorgängen des Werdens und Vergehens

260. Prinzip der Ökonomie (Malebranche, Leibniz) (Prinzip der Einfachheit)

261. Prinzip der Idee einer Grundkraft (Kant) (Prinzip zur Ersparung der Prinzipien)

262. Prinzip der Denkökonomie (Avenarius) (Prinzip des kleinsten Kraftmaßes)

263. Prinzip der Ökonomie (Aristoteles, Einstein)

264. Prinzip der Einbildung

265. Prinzip der Unterscheidung (Intuition – Deduktion – Abstraktion - Evidenz)

266. Prinzip der Unmöglichkeit einer materiellen Koinzidenz (materielles Zusammenfallen)

267. Prinzip der Individuation

268. Prinzip der Bewegung

269. Prinzip der eigenen Veränderung und Erhaltung in den Dingen der Natur (Naturbeschaffenheit)

270. Gegensatzprinzip in der Natur (Naturbeschaffenheit)

271. Redundanzprinzip in Teilen der Natur (Naturbeschaffenheit)

272. Prinzip vom Glück

273. Prinzip der Weisheit

274. Prinzip der Rechtheit des Willens

275. Prinzip der Selbstvervollkommnung

276. Prinzip der Verantwortung

277. Prinzip der Gesundheit

Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie - Tabellenübersicht

Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie - Beschreibung der Prinzipien

301. Prinzip der Erklärungen

302. Prinzip der Begriffsarten

303. Prinzip einer Ordnung von Begriffen (Begriffsanalyse)

304. Prinzip der Kategoriebegriffe bei Peirce

305. Prinzip der doppelten Sichtweise

306. Prinzip vom Wesen der Erkenntnis

307. Prinzip der Erkenntnisgewinnung

308. Prinzip vom wesentlichen Sprachgehalt (Sprachkritik)

309. Prinzip der Objektivierung positiv überladener Begriffe (Sprachgebrauch und Wirklichkeit)

310. Prinzip von den Vorgängen des Begreifens

311. Prinzip von den Vorgängen des Denkens

312. Prinzip von den Vorgängen des Urteilens

313. Prinzip von den Vorgängen des Schließens

314. Prinzip von den Vorgängen des Erkennens

315. Prinzip der Erfahrung

316. Prinzip des Verstandes

317. Prinzip der Vernunft

318. Prinzip der Urteilskraft

319. Prinzip des Bewusstseins

320. Prinzip der Unterscheidung (Werden / Vergehen - Veränderung - Wachstum / Schwinden) (Begriffe zur Naturbeschaffenheit)

321. Prinzip der verschiedenen Erkenntnisgrade (verschiedene Begriffsgrade) (verschiedene Vorstellungen)

322. Prinzip einer Grenze der menschlichen Vernunft

323. Prinzip der Kopernikanischen Wende (Kant)

324. Prinzip des Wissens

325. Prinzip der Strukturanalogie von Sprache und Welt (Abbildtheorie)

326. Prinzip der Nachsichtigkeit

327. Prinzip der möglichen symbolischen Erfassbarkeit des Unerfassbaren

328. Prinzip der Redearten (Absichten der Rede)

329. Prinzip der Implikatur

330. Prinzip der Unbestimmtheit der Übersetzung

331. Fehlerprinzip der falschen Mehrheiten

332. Prinzip der analytischen Methode (Descartes)

333. Prinzip der Untersuchung der Methode vor Untersuchung des Gegenstandes (Descartes)

Quellen (Belegstellen – Zitate)

Quellen (Primärliteratur)

Quellen (Sekundärliteratur)

Quellen (Wörterbücher / Lexika)

Zeittafel der Philosophen und Wissenschaftler

Weitere Bücher des Autors

Sachregister

Vorwort

Das vorliegende Buch ist ein enzyklopädisches Nachschlagewerk aber auch eine Einführung in die Philosophie. Im Buch werden 110 wichtige Grundsätze aus der Philosophie beschrieben. Die Grundsätze (Prinzipien) stammen aus den Bereichen Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie. Natürlich findet man auch Prinzipien der Anthropologie, Wissenschaftstheorie oder Philosophie des Geistes, die dann aber in der vorgegebenen Ordnung entweder der Metaphysik oder der Erkenntnistheorie untergeordnet sind. Auch Prinzipien der Naturphilosophie und Ethik sind in der gewählten Ordnung eingeordnet, z. B. unter Metaphysik. Die Metaphysik selber ist dann weiter in speziellere Kontexte (z. B. Kausalität, Unendlichkeit, Existenz, Mensch, Seele, Gott, etc.) eingeteilt, dies erkennt man anhand der Tabelle. Das Buch ist zum Selbststudium sehr gut geeignet.

Anhand der Prinzipien werden in diesem Buch erkenntnistheoretisch, sprachphilosophisch und metaphysisch interessante Fragestellungen behandelt, z. B.:

Einführung

Was sind philosophische Prinzipien?

Allgemeines Merkmal der Prinzipien in allen Bedeutungen ist, daß es ein Erstes ist, wovon her etwas ist, wird oder erkannt wird. Von diesen Prinzipien sind die einen (den Dingen) immanent, die anderen außerhalb (von ihnen).

Aristoteles, Metaphysik (Buch V, Kapitel 1, 1013a)

Wenn man nämlich seine Aufmerksamkeit auf das richtet, was Prinzip ist, ist jedes Prinzip etwas von der Sache, deren Prinzip es ist. Und dies klingt schon im Namen an: Prinzip ist nämlich das erste einer Sache.

Albertus Magnus, Buch über die Ursachen und den Hervorgang von allem aus der ersten Ursache (Traktat IV, Kapitel 1)

In diesem Buch werden 3 verschiedene Arten von Prinzipien verwendet:

A = Axiome (Grundsätze mit inhaltlichen Aussagen),

M = methodische Prinzipien,

B = begrifflich wichtige Prinzipien (definitorische Aussagen oder Begriffe).

Welche Bedeutung haben Prinzipien (Axiome)?

Denn immer ist das, wodurch etwas ist, in höherem Grade, wie z. B. das, wodurch wir zur Liebe vermocht werden, in höherem Grade lieb ist. Da wir mithin durch die ersten Prinzipien wissen und glauben, so wissen und glauben wir sie auch in höherem Grade, weil wir durch sie auch das spätere wissen.

"Es ist aber nicht möglich, in höherem Grade als das, was man weiß, das zu glauben, was man weder weiß, noch auch, wo möglich besser durchschaut, als wenn man es wüßte. Das würde aber folgen, wenn einer, der durch Beweis zum Glauben vermocht wird, die Prinzipien nicht zuvor und besser erkännte. Denn man muß den Prinzipien, entweder allen oder einigen, mehr Glauben schenken als dem Schlußsatz.

Wer aber das durch Beweis vermittelte Wissen erwerben will, muß nicht nur in höherem Grade die Prinzipien kennen und ihnen mehr Glauben schenken als dem, was zu beweisen ist, sondern es darf ihm auch nichts gewisser und bekannter sein als das Gegenteil der Prinzipien, das den Schluß auf den entgegengesetzten Irrtum begründen würde, wenn anders der schlechthin Wissende in seiner Überzeugung unerschütterlich sein muß."

Aristoteles, Lehre vom Beweis oder Zweite Analytik (1. Buch, 2. Kapitel) ( 72a 29ff - 72b 4)

Wozu braucht man philosophische Prinzipien?

Wenn man ein philosophisches Argument (einen Schluss) erstellen möchte, benötigt man philosophische Prinzipien. Bestandteil von Argumenten sind Prämissen (inhaltliche Prinzipien: A). Wie Argumente richtig zu handhaben sind, lernt man durch (logische) Regeln (methodische Prinzipien: M). Um Argumente klar und deutlich zu formulieren, dazu benötigt man begrifflich wichtige Prinzipien: B.

Was ist ein philosophisches Argument (ein Schluss)?

Durch ein Argument führt man die Wahrheit einer Aussage (Schlusssatz bzw. Konklusion) auf andere Aussagen zurück, deren Wahrheit bereits bekannt oder unmittelbar einsichtig ist. Diese anderen Aussagen, auf die man die Wahrheit zurückführt, heißen Prämissen. Einen Schlusssatz oder eine Folgerung kann man ganz allgemein aus einer Prämisse oder aus mehreren Prämissen ziehen.

Beispiel mit 2 Prämissen:

Prämisse 1

Prämisse 2

----------------

Schlusssatz (Konklusion)

Wozu braucht man einen Kontext?

Deshalb ist es nicht möglich, durch die Geometrie zu beweisen, daß Konträres unter Eine Wissenschaft fällt, und ebensowenig, daß zwei Kubikzahlen (durch Multiplikation) Eine Kubikzahl geben, und durch die eine Wissenschaft zu beweisen was zu einer anderen gehört, [...].

Aristoteles, Lehre vom Beweis oder Zweite Analytik (1. Buch, 7. Kapitel) (75b 12- 16)

Einen Kontext, d. h. einen Bereich benötigt man, damit zwischen dem >Woraus< man beweist (Prämissen) und dem >Was< man schließt (Schlusssatz) ein ausreichender Zusammenhang besteht, weil sonst Fehlschlüsse auftreten können.

Im obigen mathematischen Beispiel von Aristoteles heißt das, dass geometrische Axiome für einen Schluss der Arithmetik, den Bereich überschreiten und deshalb nicht geeignet sind.

Warum ist dieses Buch so strukturiert?

Dieses Buch basiert auf meinem Buch [Gob8] Prinzipien in der Philosophie und ist eine inhaltliche Erweiterung der metaphysischen, erkenntnistheoretischen und sprachphilosophischen Anteile. Durch die Erweiterung wurde auch eine neue Strukturierung erforderlich.

Alle Prinzipien, die im weitesten Sinne die Logik berühren, befinden sich in meinem Buch [Gob4], welches eine inhaltliche Erweiterung der logischen Anteile ist, und haben Prinzipiennummern zwischen 1 und 200. Prinzipien der Metaphysik sind nummeriert von 200 an aufwärts. Prinzipien der Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie sind nummeriert von 300 an aufwärts. Dadurch konnte eine übergreifende Eindeutigkeit bei der Prinzipiennummerierung hergestellt werden.

Das ursprüngliche Buch [Gob8] Prinzipien in der Philosophie ohne die neueren Erweiterungen, kann als kompaktes Basisbuch (alle Prinzipien in einem Band) verstanden werden.

Die globale Einteilung in Logik [Gob4], Metaphysik, Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie bedeutet nur eine mögliche Ordnungsmöglichkeit.

Durch diese vorgenommene Einteilung wurden z. B. metaphysische Prinzipien, wie das Prinzip vom ausgeschlossenen Widerspruch oder das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten bzw. das Prinzip der Identität unter Logik neu eingeordnet. Auch in der Erkenntnistheorie und Sprachphilosophie gab es Überlappungen zur Logik, so dass einige Prinzipien, wie z. B. das Prinzip der Definitionen oder das Prinzip der Wahrheit ebenfalls unter Logik neu eingeordnet wurden.

Prinzipien der Metaphysik zum Thema Gott, findet man nun vorwiegend in meinem Buch [Gob7], wo eine Strukturierung nach Fragestellungen durchgeführt wurde.

Zu jedem Prinzip sind andere Prinzipien angegeben, die zu ihm in Relation stehen können. Die angegebene Relationsliste ist als beispielhaft zu verstehen und beansprucht nicht, vollständig zu sein. Der Leser mag sich die Liste, wo er es nötig findet, selber erweitern.

Abkürzungsverzeichnis und verwendete Symbole

Allgemeine Symbole

Modalitäten

Mathematische Symbole

Logische Symbole

Mengensymbole

Nummerierungen

Zitatsymbole

Griechische Symbole

Δ, Φ

Metaphysik – Tabellenübersicht

Metaphysik - Beschreibung der Prinzipien

201. Prinzip des zureichenden Grundes

§ 1 Bedeutung des Prinzips

In Bezug auf jedes Ding kann gefragt werden, ob es durch sich selbst oder durch ein anderes ist. Wenn es nicht durch sich selbst ist, muss es durch etwas anderes sein. Es muss eine Ursache haben. Gemeint kann z. B. die Wirkursache (causa efficiens) (Bewegungsursache) sein, das >>Woher<<, der Anstoß, das in Bewegung setzen. (Vgl. das Prinzip der Ursachenformen, Prinzip 221.) Nur wenn man die Ursachen von etwas kennt, kann man Wissenschaft betreiben und die Wahrheit erkennen.

Problematisch ist hier die Ursachenform, d. h. der Begriff der Kausalität.

Da es verschiedene Ursachenformen gibt, ist Kausalität nicht gleich Kausalität. Die Ursachenkette z. B.: Baum→Same→Baum→Same... beschreibt u. a. auch eine Kausalität von Stoff und Form. (Vgl. das Prinzip der Ursachenformen, Prinzip 221.) Zu den unterschiedlichen Auffassungen von Kausalität (Begriffskonflikte) vgl. [Par1]. Ferner gibt es hinsichtlich der Beziehung zwischen Ursache und Wirkung verschiedene Auffassungen. Vgl. hierzu Prinzip 202.

§ 2 Zur Geschichte des Prinzips

Das Prinzip wird bereits bei Platon erwähnt in Zusammenhang mit dem Werden. Vgl. [P13] und [P14]. Bei Aristoteles ist das Ursachenwissen mit dem Erkennen der Wahrheit eng verbunden [A32]. Andererseits ist Wahrheit und Wissen nur möglich, wenn die Ursachen der fortlaufenden Reihe nach und der Ursachenform nach nicht ins Unendliche fortschreiten [A1a].

Für Descartes ist die Betrachtung der bewirkenden Ursache auch das einzige Mittel um die Existenz Gottes nachweisen zu können [D11]. Auch für Spinoza ist es offensichtlich, dass jedes Ding eine zureichende Ursache haben muss [S5]. Leibniz sieht in dem Prinzip des zureichenden Grundes ein epistemisches und ein theologisches Motiv. Vgl. [L4], [L6] und [L10]. Wolff beschreibt sogar die Anwendung des Prinzips durch Archimedes, vgl. [W1] und [W7]. Für Kant gehört Kausalität zur Kategorie der Relation vgl. Prinzip 250: Kategorien.

Für Quine fungiert das Prinzip als Richtschnur der Wissenschaft, vgl. [Q10]. Stuhlmann-Laeisz beschreibt eine mögliche modal-logische Formalisierung des Prinzips [StL2]. Weitere Belegstellen für das Prinzip wurden bei Hegel, Schopenhauer, Wundt, Heidegger, Popper, u. a. gefunden.

§ 3 Belegstellen für das Prinzip

Platon [P13] (Entstehen durch Ursache)

Alles Werdende aber hat notwendig irgendeine Ursache zur Voraussetzung, denn ohne Ursache kann unmöglich etwas entstehen.

Platon [P14] (Ursache=Bewirkendes)

"Sokrates. [...], daß alles, was da wird, durch irgendeine Ursache wird. [...] Also die Natur des Bewirkenden unterscheidet sich lediglich dem Namen nach von der Ursache; tatsächlich müssen Bewirkendes und Ursache als Eines gelten."

Aristoteles [A32] (Ursachenerkenntnis - Wahrheit - Prinzipien)

Die Wahrheit aber wissen wir nicht ohne Erkenntnis der Ursache. Jedes (Prinzip) hat dasjenige vor dem übrigen im höchsten Grade, wonach es auch in dem übrigen als Gemeinsames zukommt, wie z. B. das Feuer am wärmsten ist, weil es auch für das übrige Ursache der Wärme ist. Daher ist auch dasjenige am wahrsten, welches für das Spätere Ursache der Wahrheit ist. Darum müssen die Prinzipien des ewig Seienden (immer) am wahrsten sein; denn sie sind nicht bald wahr, bald falsch, noch haben sie die Ursache des Seins in einem andern, sondern sie selbst sind Ursache für das übrige. Wie sich daher jedes zum Sein verhält so auch zur Wahrheit.

Aristoteles [A1a] (kein unendlicher Ursachenregress)

Das es ein Prinzip gibt und die Ursachen des Seienden nicht ins Unendliche fortschreiten, weder in fortlaufender Reihe noch der Art nach ist offenbar.

Aristoteles [A40] (Entstehen durch Ursache)

Alles Werdende aber wird durch etwas und aus etwas und etwas.

Anselm von Canterbury [Ans3] (Alles, was ist, ist durch etwas)

[...] Denn alles, was ist, ist entweder durch etwas oder durch nichts. Aber nichts ist durch nichts. Es läßt sich nämlich nicht einmal denken, daß etwas nicht durch etwas sei. Alles, was ist, ist durch etwas. [...]

Descartes [D11] (durch sich selbst oder durch ein anderes)

Nun, ich meine, es ist für alle offensichtlich, daß die Betrachtung der bewirkenden Ursache das erste und hauptsächlichste - um nicht zu sagen: das einzige - Mittel ist, das wir haben, um die Existenz Gottes nachzuweisen. Dies aber können wir nicht genau verfolgen, wenn wir unserem Gemüt nicht die Erlaubnis geben, in bezug auf alle Dinge, sogar in bezug auf Gott, die bewirkenden Ursachen zu erforschen: mit welchem Recht nämlich könnten wir ihn davon ausnehmen, bevor nachgewiesen ist, daß er existiert? Demnach muß in bezug auf jegliches Ding gefragt werden, ob es durch sich selbst oder durch ein anderes ist.

Spinoza [S5] (Sachgehalt der ersten und zureichenden Ursache)

"Alles, was an Realität oder Vollkommenheit in einem Dinge ist, ist formal oder eminent in seiner ersten und zureichenden (adaequata) Ursache."

Locke [Loc23] (was einen Anfang gehabt hat, muss durch etwas anderes hervorgebracht sein)

" [...] Wenn wir demnach wissen, daß es ein reales Dasein gibt, und ferner, daß das Nichtsein ein solches nicht hervorbringen kann, so ist es offensichtlich bewiesen, daß von Ewigkeit her irgend etwas bestanden hat; denn was nicht von Ewigkeit her dagewesen ist, hat einen Anfang gehabt; was aber einen Anfang gehabt hat, muß durch etwas anderes hervorgebracht sein."

Leibniz [L4] und [L6] (Tatsachenwahrheiten - letzter Grund außerhalb der Reihe)

[L4] Dieses Prinzip führt zu Tatsachenwahrheiten oder sogenannten kontingenten Wahrheiten, solche deren Gegenteil möglich ist. Tatsachenwahrheiten sind wahr in einer möglichen Welt.

[L6] "[...] Der zureichende oder letzte Grund muß also außerhalb der Folge oder Reihe dieser einzelnen Kontingenten sein, wie unendlich sie auch sein mögen."

Bemerkung:

Damit wird gesagt, dass nach endlich vielen Schritten die Ursachenkette mit dem letzten Grund, dem zureichenden Grund abbricht.

Theologisches Motiv: Das Prinzip bezieht sich auch auf das Handeln Gottes (Gott handelt nie aus Willkür). Würde es nicht gelten, könnte Gott etwas ohne Grund schaffen. Er müsste dann etwas Unbegründetes denken und wollen.

Epistemisches Motiv: Das Prinzip hilft die Welt in ihrer Ordnung zu erkennen, und in den Wissenschaften zu erfassen.

Bedeutung: ontologisch

vgl. auch [L10]

Leibniz [L34] (Existenz - Bedingungen – Ursache - Nichts ist ohne Grund – letzter Grund der Dinge)

Zur Existenz ist notwendig, daß die Zusammenstellung aller Bedingungen vorhanden ist. Eine Bedingung ist das, ohne welches eine Sache nicht sein kann, die Zusammenstellung aller Bedingungen ist die volle Ursache der Sache. Nichts ist ohne Grund, weil nichts ohne die Zusammenstellung aller Bedingungen ist. In den Körpern gibt es keinen Existenzgrund. Wie leicht bewiesen werden kann, wenn du auch freilich bis ins Unendliche zurückgehst, wirst du immer nur die Körper vervielfachen, aber den Grund nicht einsehen, warum sie eher so sind als anders. Die Zusammenstellung aller Bedingungen irgendeines gegebenen Körpers liegt außerhalb der Körper. Die Zusammenstellung der Bedingungen eines Körpers und die Zusammenstellung aller Bedingungen eines anderen liegt in einem und demselben. Was auch immer dieses einzige sei, es ist der letzte Grund der Dinge. Denn von den Körpern gilt dasselbe wie von allem anderen, daß sie nicht notwendig existieren, das heißt, daß ihr Existenzgrund nicht in ihnen selbst liegt. [...]

Wolff [W1]

Bereits Archimedes wendete das Prinzip an.

Archimedes (285-212 v. Chr.)

Beweis: Zwei Körper sind deswegen gleich schwer, weil sie sich im Gleichgewicht befinden (z. B. auf einer Waage).

Gleichgewicht (Wahrnehmung) → gleich schwer bzw. gleiches Gewicht (Kausalität)

Wolff [W7]

Kapitel 2: Das Prinzip des zureichenden Grundes

Baumgarten [B4] (von dem Verknüpften § 18 - § 20)

"§ 18 [...] Folglich hat alles Mögliche Etwas zu seinem Grunde, alles Mögliche ist gegründet, Nichts ist ohne Grund, und so bald etwas gesetzt wird, muß auch Etwas als sein Grund gesetzt werden. Dieser Satz wird, der Satz des Grundes, genennt. § 19 Der Grund alles desjenigen, was in dem Gegründeten enthalten ist, ist der hinreichende Grund, (ratio sufficiens, completa, totalis); der unzureichende Grund (ratio insufficiens, incompleta, partialis) ist nur der Grund von Einigem, was in dem Gegründeten enthalten ist. § 20 Nichts ist ohne hinreichenden Grund; oder alles, was möglich ist, hat Etwas zu seinem hinreichenden Grunde. Denn alles dasjenige, was in einer Sache enthalten ist ist möglich §.8. und hat einen Grund §.18. folglich hat die Sache einen hinreichenden Grund §.19. Dieser Satz heißt der Satz des zureichenden Grundes (principium conuenientiae)."

Kant [K21] (Regelbeziehung)

"Alles, was geschieht (anhebt zu sein) setzt etwas voraus, worauf es nach einer Regel folgt."

Hegel [Heg2] (dass es sein Sein in einem Anderen hat)

"Der Satz des Grundes heißt: >>Alles hat seinen zureichenden Grund<<, d. h. nicht die Bestimmung von Etwas als Identisches mit sich, noch als Verschiedenes, noch als bloß von Etwas, sondern daß es sein Sein in einem Anderen hat, das als dessen Identisches-mit-sich sein Wesen ist."

Schopenhauer [Scho1] (a priori Erkenntnis)

" [...] daß die wesentlichen und daher allgemeinen Formen alles Objekts, welche Zeit, Raum und Kausalität sind, auch ohne die Erkenntniß des Objekts selbst, vom Subjekt ausgehend gefunden und vollständig erkannt werden können, d. h. in Kants Sprache, a priori in unserem Bewußtseyn liegen. Dieses entdeckt zu haben, ist ein Hauptverdienst Kants und ein sehr großes. Ich behaupte nun überdies, daß der Satz vom Grunde der gemeinschaftliche Ausdruck für alle diese uns a priori bewußten Formen des Objekts ist, und daß daher Alles, was wir rein a priori wissen, nichts ist, als eben der Inhalt jenes Satzes und was aus diesem folgt, in ihm also eigentlich unsere ganze a priori gewisse Erkenntniß ausgesprochen ist. [...] "

Schopenhauer [Scho2] (Wichtigkeit des Satzes vom zureichenden Grunde)

"Sie ist überaus groß, da man ihn die Grundlage aller Wissenschaft nennen darf. Wissenschaft nämlich bedeutet ein System von Erkenntnissen, d. h. ein Ganzes von verknüpften Erkenntnissen, im Gegensatz des bloßen Aggregats derselben. Was aber Anderes, als der Satz vom zureichenden Grunde, verbindet die Glieder eines Systems? Das eben zeichnet jede Wissenschaft vor dem bloßen Aggregat aus, daß ihre Erkenntnisse eine aus der andern, als ihrem Grunde, folgen."

Wundt [Wun1] (Causalprincip – Gesetz und Methodik)

"Dem Causalprincip kommt in den Naturwissenschaften eine doppelte Bedeutung zu. Theils wird es als das oberste Gesetz allen Geschehens betrachtet, und in dieser ersten Bedeutung giebt man ihm die Form: ‘Alles was geschieht hat eine Ursache;‘ theils aber gilt es als das oberste Regulativ der Forschung, in dieser letzteren Bedeutung, in der man es auch als Satz vom zureichenden Grunde bezeichnet, können wir ihm folgenden Ausdruck geben: ‘Alles was geschieht muss auf eine Ursache zurückgeführt werden, die zur Erklärung zureicht‘."

Heidegger [Hei1] (2300 Jahre)

Der Satz vom Grund wurde in dieser Fassung zum ersten Mal im Umkreis derjenigen Besinnungen erreicht und besonders erörtert, die Leibniz im 17. Jahrhundert geglückt sind [...] Demnach dauerte es zweitausenddreihundert Jahre, bis das abendländisch-europäische Denken dahin gelangte, den einfachen Satz vom Grund zu finden und aufzustellen.

Heidegger [Hei2] (Grund des Satzes vom Grund)

Welches ist der Grund für den Satz vom Grund? Der Satz selber ruft uns in dieses Fragen. Doch einerseits sträuben wir uns dagegen, auf diese Art noch weiterzufragen, weil sie gegenüber dem einfachen Satz vom Grund eine überdrehte und spitzfindige Frage zu sein scheint. Andererseits sehen wir uns durch den Satz vom Grund selber dazu genötigt, ihm gemäß auch in bezug auf ihn selbst nach dem Grund zu fragen. Wie retten wir uns aus dieser Verlegenheit? [...] Wohin geraten wir aber, wenn wir den Satz vom Grund bei seinem eigenen Wort nehmen und so auf den Grund des Grundes gehen? Drängt der Grund des Grundes nicht über sich hinaus zum Grund des Grundes des Grundes?

Heidegger [Hei3] (zurückzugebender Grund)

"Der Geltungsbereich des Satzes vom Grund umfängt alles Seiende bis zu seiner ersten seienden Ursache, diese mit eingeschlossen. Durch diesen Hinweis wird das Großmächtige des principium rationis deutlicher. [...] Diese strenge Fassung des principium rationis kommt in dem entsprechend genaueren Titel zum Vorschein. Er lautet: principium reddendae rationis: der Grundsatz des zurückzugebenden Grundes. Dies sagt: Nach dem Satz vom Grund ist der Grund nicht irgendwo und nicht irgendwie im Unbestimmten und Gleichgültigen vorhanden. Der Grund als solcher verlangt es, als Grund zurückgegeben zu werden -, zurück (re) nämlich in der Richtung auf das repräsentierende, d. h. vorstellende Subjekt und durch dieses für es. Der Grund verlangt, überall so zum Vorschein zu kommen, daß alles im Bereich dieses Anspruchs als eine Folge erscheint und d. h. als Konsequenz vorgestellt werden muß."

Popper [Pop8] (kausal erklären)

siehe Prinzip 301

Quine [Q10] (dass der Wissenschaftler jeden unbegründeten Sonderfall zu vermeiden sucht)

Doch es gibt noch ein weiteres Prinzip, von dem man sagen könnte, daß es als stillschweigende Richtschnur der Wissenschaft fungiert: den Satz vom Grunde. Eine Spur dieses altehrwürdigen Prinzips scheint sich jedenfalls darin ausmachen zu lassen, daß der Wissenschaftler jeden unbegründeten Sonderfall zu vermeiden sucht.

Coreth [C4]

Gesetz der Kausalität

Weissmahr [Weis2] (durch sich bedingt - das Absolute)

siehe Prinzip 205

§ 4 Begründung des Prinzips

Die folgende Argumentationsweise ist möglich:

Ohne die Möglichkeit die Ursachen zu erforschen, ohne die Möglichkeit einen zureichenden Grund für ein Ding zu finden, wäre keine Wissenschaft möglich. Wenn das Prinzip nicht gelten würde, müssten Dinge aus sich selbst sein oder durch unendliche Ursachenketten beschreibbar sein, was nicht möglich ist, da man dann den wahren Grund nicht erreichen könnte.

§ 5 Relation zu anderen Prinzipien

Dieses Prinzip steht in Relation zu folgenden anderen Prinzipien:

Prinzip 6 [Gob4]: Prinzip vom ausgeschlossenen unendlichen Regress, denn wenn alles eine Ursache hat, muss diese Ursache erreichbar sein, einen Fortschritt ins Unendliche kann es dann nicht geben.

Prinzip von der Existenz des Ewigen (der letzten Ursache), da es eine letzte Ursache geben muss, vgl. [Gob6].

Omnipotenzprinzip vgl. [Gob5], da Gott (Auffassung von Leibniz) nach dem Prinzip des zureichenden Grundes handelt. Damit ist seine Allmacht eingeschränkt, aber Gott handelt nicht aus Willkür.

Prinzip 202: Prinzip des Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung, da es verschiedene Auffassungen bzgl. des Zusammenhangs gibt.

Prinzip 205: Prinzip einer Ursache ihrer selbst, da es eine letzte Ursache gibt, die aber kausal weiter nicht erklärbar ist, und somit durch sich selbst sein kann.

Prinzip 206: Prinzip der (kausalen) Unerklärbarkeit der ersten Ursachen und Prinzipien, da man das Ende einer Kausalitätenkette erreichen kann.

Prinzip 221: Prinzip der Ursachenformen, da der Begriff der Kausalität in verschiedene Ursachenformen unterschieden werden kann.

§ 6 Logische Formalisierung des Prinzips

logische / ontologische Bedeutung:

Formalisierung mithilfe der modalen Aussagenlogik.

Stuhlmann-Laeisz [StL2]

N = es ist notwendig daß

Eine mögliche einfache Definition: (A ist Ursache von B := A und N(A→B) sind beide wahr.)

Kausalität ist eine Relation zwischen den beiden Sachverhalten A und B. (Kant: Kausalität gehört zur Kategorie der Relation vgl. Prinzip 250.)

202. Prinzip des Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung

§ 1 Bedeutung des Prinzips

Es kann gefragt werden: Wie ist der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung? Mögliche Antworten könnte man wie folgt geben:

eine Relation (Locke, Kant),

eine notwendige Verknüpfung (Kant),

eine Gesetzmäßigkeit oder Regel (Kant, Russell),

ein gewohnheitsmäßiger Übergang (Hume),

es gibt keinen inneren Eindruck von der Verbindung zwischen Ursache und Wirkung (Hume),

es gibt eine Sachgehaltsbeziehung (Descartes),

es gibt eine zeitliche Beziehung (Ursache vor Wirkung) (Kant),

energetische, physikalische Beziehung (Quine),

Kausalkraft (Davidson),

kontrafaktische Abhängigkeit (Lewis).

Vgl. hierzu auch Pardey [Par1].

§ 2 Zur Geschichte des Prinzips

Von einer Sachgehaltsbeziehung spricht Descartes, vgl. [D12]. Nach Kant besteht zwischen Ursache und Wirkung eher eine gesetzmäßige (notwendige) Beziehung, sodass die Wirkung nach einer Regel folgt. Kausalität ist eine Relation zwischen Ursache und Wirkung, vgl. [K21] und Prinzip 250. Für Hume gibt es einen gewohnheitsmäßigen Übergang zwischen Ursache und Wirkung. Ferner haben gleiche (gleichartige) Ursachen gleiche (gleichartige) Wirkungen vgl. [H6]. Locke sieht eine Relation zwischen Ursache und Wirkung, vgl. [Loc16].

Weitere Belegstellen stammen von Hegel, Nietzsche, Wittgenstein, Russell, Quine, Davidson, Wright und Lewis, u. a.

§ 3 Belegstellen für das Prinzip

Descartes [D1] (Sachgehaltsbeziehung: Ursache - Wirkung)

Nun ist es aber durch das natürliche Licht offenkundig, daß mindestens ebensoviel Sachgehalt in der gesamten wirkenden Ursache vorhanden sein muß wie in der Wirkung ebendieser Ursache. Denn ich frage: woher sonst sollte die Wirkung ihren Sachgehalt nehmen, als von der Ursache; und wie könnte ihn die Ursache ihr geben, wenn sie ihn nicht selbst besäße. Hieraus folgt aber, daß weder etwas aus dem Nichts, noch auch etwas Vollkommeneres - d. h. was einen größeren Sachgehalt besitzt - aus dem weniger Vollkommenen entstehen kann; [...]

Descartes [D12] (Sachgehaltsbeziehung)

Vielleicht aber ist dieses Wesen nicht Gott, vielleicht bin ich von meinen Eltern erzeugt oder von irgendwelchen anderen weniger vollkommenen Ursachen als Gott. Indessen, es ist, wie gesagt, einleuchtend, daß in der Ursache mindestens ebensoviel Sachgehalt vorhanden sein muß wie in der Wirkung.

Locke [Loc16] (Definition von Ursache und Wirkung – Relation)

"Unsere Sinne nehmen einen ständigen Wechsel der Dinge wahr. Dabei drängt sich uns die Beobachtung auf, daß manche Einzeldinge, die sowohl Qualitäten als auch Substanzen sind, zu existieren beginnen. Weiter stellen wir fest, daß sie ihre Existenz einer bestimmten Einwirkung eines anderen Wesens verdanken. Aus dieser Beobachtung gewinnen wir unsere Ideen von Ursache und Wirkung. Dasjenige, was eine einfache oder komplexe Idee erzeugt, bezeichnen wir mit dem allgemeinen Namen Ursache; das, was erzeugt wird, nennen wir Wirkung. [...]

[Holz wird vom Feuer zu Asche verbrannt: RG]. Bei diesem Vorgang bezeichnen wir das Feuer in Relation zu der Asche als Ursache, die Asche selbst als Wirkung. So besitzt alles, was unserer Auffassung nach dazu beiträgt oder daran mitwirkt, irgendeine einzelne einfache Idee oder eine Sammlung von einfachen Ideen – gleichviel, ob es sich um eine Substanz oder um einen Modus handelt – die vorher nicht existierten, zu erzeugen, deswegen in unserem Geist die Relation einer Ursache und wird von uns auch so benannt."

Hume [H5] (keine notwendige Verknüpfung)

"Wenn wir uns unter äußeren Gegenständen umsehen und die Wirksamkeit der Ursache betrachten, so sind wir in keinem einzigen Falle imstande, irgend eine Kraft oder notwendige Verknüpfung zu entdecken, irgendwelche Eigenschaft, die die Wirkung an die Ursache bände und die eine zur unfehlbaren Folge der anderen machte. Wir bemerken nur, daß die eine tatsächlich, in Wirklichkeit der anderen folgt. Den Anstoß der einen Billardkugel begleitet eine Bewegung der zweiten. Dies ist alles, was den äußeren Sinnen erscheint. Der Geist hat kein Gefühl oder keinen inneren Eindruck von dieser Folge der Gegenstände. Demgemäß gibt es in keinem einzelnen, bestimmten Falle von Ursache und Wirkung irgend etwas, das die Vorstellung der Kraft oder der notwendigen Verknüpfung erweckte."

Hume [H6] (gewohnheitsmäßige Beziehung - gleichartige Ursachen)

"Untereinander gleichartige Gegenstände hängen stets mit wieder untereinander gleichartigen zusammen. Dies sagt uns die Erfahrung. In Übereinstimmung mit dieser Erfahrung mögen wir also eine Ursache definieren als: einen Gegenstand, dem ein anderer folgt, wobei allen Gegenständen, die dem ersten gleichartig sind, Gegenstände folgen, die dem zweiten gleichartig sind. Oder mit anderen Worten: wobei, wenn der erste Gegenstand nicht bestanden hätte, der zweitenieins Dasein getreten wäre. Die Erscheinung einer Ursache führt stets den Geist, durch einen gewohnheitsmäßigen Übergang, zur Vorstellung der Wirkung. Auch dies lehrt uns die Erfahrung. Deshalb mögen wir, jetzt in Übereinstimmung mit dieser Erfahrung, eine andere Definition der Ursache bilden und sie bezeichnen als: einen Gegenstand, demein anderer folgt, und desssen Erscheinen stets das Denken zu jenem andern führt."

Kant [K21] (Regelbeziehung)

"Alles, was geschieht (anhebt zu sein) setzt etwas voraus, worauf es nach einer Regel folgt."

Kant [K64] (Grundsatz der Zeitfolge nach dem Gesetze der Kausalität)

"Alle Veränderungen geschehen nach dem Gesetzeder Verknüpfung der Ursache und Wirkung. [...]

Der Begriff aber, der eine Notwendigkeit der synthetischen Einheit bei sich führt, kann nur ein reiner Verstandesbegriff sein, der nicht in der Wahrnehmung liegt, und das ist hier der Begriff des Verhältnisses der Ursache und Wirkung, wovon die erstere die letztere in der Zeit, als die Folge, und nicht als etwas, was bloß in der Einbildung vorhergehen (oder gar überall nicht wahrgenommen sein) könnte, bestimmt."

Hegel [Heg4] (Kausalitätsverhältnis)

"Die Ursache hat als die ursprüngliche Sache die Bestimmung von absoluter Selbständigkeit und einem sich gegen die Wirkung erhaltenden Bestehen, aber sie ist in der Notwendigkeit, deren Identität jene Ursprünglichkeit selbst ausmacht, nur in die Wirkung übergegangen. Es ist kein Inhalt, insofern wieder von einem bestimmten Inhalte die Rede sein kann, in der Wirkung, der nicht in der Ursache ist; [...]."

Nietzsche [N3] (aus gleichen Ursachen gleiche Wirkungen)

"Daß Wissenschaft möglich ist, das soll uns ein Causalitäts-Princip beweisen?

>>aus gleichen Ursachen gleiche Wirkungen<<:

>>ein permanentes Gesetz der Dinge<<

>>eine invariable Ordnung<< weil etwas berechenbar ist, ist es deshalb schon nothwendig? [...] "

Wittgenstein [Wit9] (Kausalnexus – Aberglaube)

"Die Ereignisse der Zukunft können wir nicht aus den gegenwärtigen erschließen. Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube.

Die Willensfreiheit besteht darin, daß zukünftige Handlungen jetzt nicht gewußt werden können. Nur dann könnten wir sie wissen, wenn die Kausalität eine innere Notwendigkeit wäre, wie die des logischen Schlusses. [...] "

Russell [R15] (Kausalgesetz – Blitz - Donner)

Unter einem ‘Kausalgesetz‘ verstehe ich jeden allgemeinen Satz, der es ermöglicht, von der Existenz eines Dinges oder Vorgangs (bzw. einer Anzahl von Dingen oder Vorgängen) auf die Existenz eines anderen Dinges oder Vorgangs zu schließen. Wenn wir es donnern hören, ohne einen Blitzstrahl gesehen zu haben, so nehmen wir trotzdem an, es habe vorher geblitzt, und zwar tun wir dies aufgrund des allgemeinen Satzes: ‘Jedem Donnerschlag geht ein Blitzstrahl voraus.‘

Quine [Q2] (materialistische Auffassung - Energiegehalt)

Man könnte also einen einfachen oder grundlegenden Begriff der Verursachung in der Energieübertragung suchen. Ursache und Wirkung sind solche Ereignisse, daß die gesamte Energie, die sich in der Wirkung findet, aus der Ursache stammt.

[...] Die Kausalität ist eine Beziehung zwischen Ereignissen, und alle Ereignisse, auch soziale und mentale, bestehen letzten Endes in der Einwirkung physikalischer Kräfte und Teilchen.

Davidson [Dav3] (kausale Handlungstheorie - Kausalkraft)

Unter einer Kausalkraft verstehe ich eine Eigenschaft eines Gegenstandes, durch die, wenn in dem Gegenstand eine bestimmte Art von Veränderung eintritt, eine andere Art von Ereignis bewirkt wird. [...].

Wright [Wrg3] (zeitliche Relation – Probleme)

[...] Die Frage der zeitlichen Relation von Ursache und Wirkung führt zu einer Anzahl von Problemen. Wenn Ursache und Wirkung Phänomene sind, die über eine bestimmte Zeitperiode hin andauern, müssen wir die Möglichkeit einräumen, daß die Ursache die Wirkung überdauert. Das zeitliche Vorangehen der Ursache bestände dann darin, daß sich die Ursache früher realisiert als die Wirkung. Eine problematischere Frage ist, ob zwischen dem Punkt, wo eine Ursache zu existieren aufhört, und dem Punkt, wo die Wirkung sich zu realisieren anfängt, eine bestimmte Zeitspanne verstreichen kann, oder ob zwischen Ursache und Wirkung irgendwie eine zeitliche Kontinuität bestehen muß. [...]

Lewis [Lew1] (kontrafaktische Abhängigkeit)

Kontrafaktisches Konditional: A und C Aussagen,

→ C bedeutet: >Wenn A wahr wäre, dann wäre auch C wahr.<

→C ist wahr (in einer Welt W) gdw. entweder gilt, (1) es gibt keine möglichen A-Welten, oder (2) es gibt eine A-Welt, in der auch C gilt, und sie kommt näher (an W) heran als irgendeine andere A-Welt, in der C nicht gilt.

→C folgt die materiale (klassische) Implikation A→C.)

Detel [Det12] (klassischer Kausalitätsbegriff)

2.74 (2)

"Kausalität ist das naturgesetzlich vermittelte Wirken von Ereignissen oder Zuständen auf andere Ereignisse oder Zustände (klassischer Kausalitätsbegriff)."

§ 4 Begründung des Prinzips

Die folgende Argumentationsweise ist möglich:

Das Gegenteil des Prinzips wäre, dass es keinen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung gibt. In diesem Falle würde noch nicht einmal gelten, dass die Ursache zeitlich vor der Wirkung sein muss. Wenn es keine Sachgehaltsbeziehung gäbe, bedeutet dies, dass die Wirkung anderweitig als von den Ursachen einen Sachgehalt beziehen müsste, z. B. aus dem Nichts. Ohne Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung wäre ein betreiben von Wissenschaft schlecht möglich.

§ 5 Relation zu anderen Prinzipien

Dieses Prinzip steht in Relation zu folgenden anderen Prinzipien:

Prinzip

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