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Mehr als nur Worte - Erfolgreich Songtexte schreiben: Das Kreativbuch für Songwriter und Musiker

Mehr als nur Worte - Erfolgreich Songtexte schreiben: Das Kreativbuch für Songwriter und Musiker

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Mehr als nur Worte - Erfolgreich Songtexte schreiben: Das Kreativbuch für Songwriter und Musiker

Bewertungen:
4/5 (1 Bewertung)
Länge:
472 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 29, 2016
ISBN:
9783795785994
Format:
Buch

Beschreibung

Mit seinem neuen Werk legt Masen Abou-Dakn, einer der erfolgreichsten Songwriting-Pädagogen im deutschsprachigen Raum, ein umfangreiches Arbeitsbuch zum Songtexten vor. Anhand von über 160 bekannten Songbeispielen zeigt er, wie mehr Ideen für berührende Texte entstehen. Praxisübungen liefern Anregungen, wie Sänger/innen und Songwriter/innen ihre Werke noch überzeugender und origineller gestalten und ihr künstlerisches Profil entwickeln können. Kurzweilig, inspirierend und extrem motivierend!
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 29, 2016
ISBN:
9783795785994
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Mehr als nur Worte - Erfolgreich Songtexte schreiben - Masen Abou-Dakn

habe!

TEIL I – NICHT LANGE FACKELN!

Los geht’s: Der sichere Weg zum neuen Text

Eine mögliche Arbeitsweise – mit allem Drum und Dran! / Zum Ausprobieren und Sich-selbst-Motivieren.

Lass uns zunächst aus Spaß mit einem neuen Songtext für dich anfangen.

•  Gehe bitte Schritt für Schritt die folgenden Arbeitsvorschläge durch.

Es geht nicht darum, wie »gut« das Ergebnis eventuell wird, sondern darum, dass du einen ersten Einblick in meine Arbeitsstrategie bekommst, nämlich wie du durch bestimmte Gedankengänge und Hinterfragungen auf Ideen, Inhalte, Strukturen und Verse kommst. Halte dich an eine der berühmtesten und wichtigsten Weisheiten, die für uns Kreative (und alle Freiberufler) gilt:

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!

Hast du Zettel und Stift?

Es gilt folgende Regel:

•  Du liest einen Punkt und schreibst dann so lange, bis dir nichts mehr dazu einfällt.

Okay? Dann geht’s los:

1.    Denke kurz (!) darüber nach, was dich in deinem Leben gerade beschäftigt und interessiert.

–    Gab es eine Situation in letzter Zeit, die dich bewegt hat?

–    Worüber freust du dich gerade?

–    Oder worauf in (naher oder ferner) Zukunft?

–    Was macht dich traurig?

–    Was macht dich fröhlich?

–    Hast du vor etwas Angst?

–    Freust du dich auf etwas Bestimmtes?

–    Welches Buch beschäftigt dich momentan?

–    Welcher Film?

–    Was interessiert dich daran?

–    Was passiert in ihm?

2.    Warum bewegt dich das?

–    Was hat es mit deinem Leben zu tun?

–    Schreibe alles auf, was dir dazu einfällt. Schreibe ohne nachzudenken einfach drauflos. Schreibe Fließtext, Stichwörter oder Verse, gereimt oder ungereimt. Alles geht! Lass es einfach laufen! Notiere jeden Gedanken, jedes Gefühl, jede Vorstellung, alles, was dir einfällt – auch wenn es dir noch so belanglos oder abwegig erscheint.

Lies hier erst weiter, wenn du meinst, dir fällt nicht mehr zu deinem ersten Textansatz ein! Wenn du etwas aufgeschrieben hast, geht’s weiter.

3.    Lies dir das Geschriebene durch. Was fällt dir dazu ein?

–    Erlebnisse

–    jede Form von Details

–    Orte

–    Räume

–    Situationen

–    Menschen

–    Gegenstände

–    Aussagen von dir oder anderen

–    kleine Anmerkungen

–    Zweifel

–    Fragen

–    Zitate

–    usw.

Zwischenspiel: Immer wenn du nicht weiterkommst, schreibst du trotzdem, und zwar über den momentanen Augenblick:

»Ich sitze hier auf der Couch, lese ein Buch übers Texten von Songs und soll aus Spaß irgendetwas aufschreiben. So ein Mist, mir fällt nichts ein. Ich kann nicht auf Abruf schreiben, verdammt. Das ist eben so. Eigentlich denke ich auch grade an etwas ganz anderes. Vorhin habe ich mich nämlich mit Julian gestritten, und das macht mir immer noch zu schaffen. Julian ist mein Nachbar. Überhaupt würde ich jetzt viel lieber im Biergarten mit ihm einen trinken, als hier rumzusitzen und zu arbeiten …« usw.

–    Egal, was es ist: beschreibe (also: schreibe!), wie es dir damit geht, was dich ablenkt, woran du stattdessen denkst, was du fühlst, tun möchtest, inwiefern das etwas miteinander zu tun hat usw. Ignoriere bewusst jedes »Nein!« in dir. Kümmere dich nicht um irgendwelche dich bremsenden Gedanken, wie »Das bringt doch nichts!«, »Ich mag keine Schreibübungen!«, »Das ist mir zu doof!«, »Was mir einfallen würde, wäre ohnehin nicht gut genug!«, »Das muss sinnvoll sein«, »Das muss gut werden«, »Das gibt es schon!«, »Das lohnt sich nicht!« usw.

Nimm das Negative wahr, schmunzle über deine (bisher noch) vorhandene Idiotie, die dahintersteckt, und ignoriere sie.

–    Schreibe! Zur Not zwinge dich dazu, gegen jeden Widerstand, auch wenn es (noch) keinen Spaß machen sollte!

(Ernsthaft: Du willst doch etwas erreichen, das passiert nicht von selbst, also tu etwas dafür! Wende etwas auf! Setze deine Energie ein!)

Wenn dir nichts mehr spontan einfällt, setze dich mit dem, was du gerade geschrieben hast, auseinander. Lies deine Notizen genau durch.

–    Lass alles auf dich wirken.

–    Was für Gefühle stecken in dem Text?

–    Was bewegt dich daran wirklich (auch über diese Zeilen hinaus)? Was fällt dir anderes dazu ein? Notiere es.

4.    Markiere nun alle Stellen im ganzen Text, die dir besonders auffallen. Egal ob sie »gut« klingen, platt wirken, eine Handlung oder Emotion beschreiben, aus einem Poesie-album oder aus einer Gebrauchsanweisung stammen könnten etc.

–    Wovon könnte ein Songtext oder ein Gedicht handeln, in dem diese Stellen auftauchen?

–    In welchen Zusammenhang, welche Handlung, welche Situation könnten deine Beispiele, Wörter, Zeilen passen?

–    Mache ein schriftliches Brainstorming zu dieser Idee. Notiere alles, was dir an Ausgangslage, Handlung, Emotionen, Personen, Orten, Einschätzungen, Meinungen etc. einfällt.

5.    Welche Geschichte fällt dir dazu ein? Schildere sie in zwei, drei Sätzen. Dies ist dein erster Ansatz für den Inhalt¹ des Songs.

–    Überlege dir Details! Sei ruhig vollkommen planlos, unchronologisch, unstrukturiert …

6.    Welches Gefühl könntest und/oder willst du mit dieser Story schildern? Dies könnte dein Thema sein.

7.    Was ist deine Meinung, deine Einstellung, deine Haltung zu dem Inhalt und dem Vorhandensein des Gefühls?

–    Gibt es einen speziellen Aspekt, den dein Gefühl für dich hat? (»Der Sommer macht mich glücklich. Ich liebe die Nachmittage im Biergarten, sogar wenn’s regnet.«)

–    Denke daran, dass nichts selbstverständlich ist: keiner deiner Gedanken, kein Gefühl, keine Einstellungen usw.!

Die meisten Menschen denken unterschiedlich über die Dinge, die sie erleben. Sie empfinden und gewichten sie anders, haben andere Werte.

–    Welche Werte vertrittst du in Bezug auf deine Geschichte, dein Thema?

8.    Finde verschiedene »Kapitel«, um die Geschichte zu erzählen (z.B. drei):

–    I. Wie es mir gerade geht

–    II. Woran das liegt

–    III. Wie es (mit mir/uns/der Situation) weitergehen soll.

Dies ist ein Ansatz für deine Stropheneinteilung, also wie du deine Inhalte über die Länge des Songtextes verteilst.

Deine Haltung zum Thema schilderst du – falls noch nicht geschehen – im dritten Kapitel.

9.    Finde eine und/oder mehrere prägnante Zeilen, mit denen du deine Gefühle möglichst allgemein schilderst – direkt oder umschrieben. (Chorus)

10.  Schreibe aus allen Ideen, die du schon gesammelt hast (und die dir dabei noch einfallen), möglichst viele Verse/Zeilen.

Egal ob für die erzählenden Strophen oder den großen Mitsingteil.

–    Achte nicht auf Metrik, Reim, Poesie, Kodierung, lyrische Schönheit, erzählerische Raffinesse …

–    KEIN NEIN!

KEIN »Das muss perfekt werden oder besonders gut!« Korrigieren kannst du immer noch, wenn du erst einmal dein Text-Gerüst aufgebaut hast.

11.  Ergibt sich aus dem, was du schon geschrieben hast, eine inhaltliche oder sprachliche Besonderheit, die dich beim Schreiben der Details (Verse, verwendete Bilder etc.) inspirieren könnte? (Bezugsrahmen)

12.  Spiele mit den möglichen Erzählperspektiven. Wer könnte die Geschichte erzählen? »Du« in der Ich-Form? Ein (scheinbar) neutraler Erzähler? Oder bist gar nicht du selbst das Ich? »Spricht« jemand anderes aus dir, eine andere Person? Und hast du einen Ansprechpartner? Im Dialog? Könnte die Person antworten? Oder ist es eine Art Brief?

13.  Sortiere die Verse. Welche Zeilen passen eher zu welchen Kapiteln oder eher zum Chorus?

–    Welche Verse sind eher erzählend (vermutlich eher für die Strophen)?

–    Welche drücken eher dein Gefühl, deine Einstellung, deine »message« aus (für den Chorus oder eine Bridge)?²

14.  Überarbeite die Verse. Dann versuche, sie zu singen – irgendwie!

–    Strophe 1 und 2 mit möglichst der gleichen Melodie

–    den Chorus/Refrain mit einer anderen

–    Strophe 3 kann wie 1 und 2 klingen, aber auch anders vertont werden (dann nennt man dieses Songelement »Bridge«)

15.  Wenn sich 1 und 2 nicht mit der ungefähr gleichen Melodie singen lassen, bastele so lange an den Versen herum (Rhythmus, Betonung vom Zeilenanfang, Satzlänge, Pausen, lange/kurze Notenwerte pro Silbe), bis es funktioniert.

–    Finde Wörter mit einer anderen Silbenzahl und Betonung, streiche Teile, füge neue ein.

16.  Finde für Verse, die dir nicht interessant, lustig, traurig, spannend, originell genug erscheinen, neue, die dir besser gefallen.

–    Spiele herum: Ändere ganze Zeilen oder tausche nur einzelne Wörter aus.

–    Bleib beim jeweiligen Inhalt oder ändere ihn.

Du bist der Entscheider und hast alle Möglichkeiten!

17.  Zwischendurch und wenn dir nichts mehr einfällt:

–    Immer wieder frei assoziieren (zu Punkt 1 zurückgehen!)

–    Es kann dir auch guttun, einfach einen neuen Text anzufangen und später am ersten weiterzuarbeiten.

–    Oder mache – wenn’s klemmt – etwas ganz anderes. Lenke dich ab. Geh spazieren. Vergiss den Text erst einmal.

–    Dann denke wieder an ihn und schau, ob dir inzwischen etwas dazu einfällt.

18.  Arbeite alle Punkte bis hierher so lange durch, bis du selbst mit deinem Text einigermaßen zufrieden bist.

19.  Jetzt erst zeige den Text einer anderen Person. Dies ist dein Probeleser.

–    Es sollte jemand sein, von dem du das Gefühl hast, er respektiert dich, auch wenn du mal »Quatsch« oder »nicht ganz Durchdachtes« ablieferst. Also jemand, von dem du Kritik wirklich annehmen kannst, ohne gekränkt zu sein. Und der Lust hat, sich mit dem Text und dir ernsthaft auseinanderzusetzen. Suchst du ein differenziertes Feedback, sind Musik- oder Schreibkollegen am besten geeignet, die sich mit dem Texten schon befasst haben. Das muss aber nicht sein. Deine späteren Hörer sind ja auch nicht »vom Fach«.

–    Dein Partner, deine Partnerin, die Eltern, zu enge Freunde sind nicht optimal (euphemistisch gesagt), weil sie zu viel von ihrem Vorwissen über dich in den Text hineininterpretieren werden – oder nicht unbedingt ehrlich sind, weil sie sich mit dir nicht anlegen wollen.

20.  Notiere dir fürs spätere Nachdenken und Überarbeiten alle Kritikpunkte, Anregungen und Ideen, die dein Probeleser dir netterweise sagt.

–    Rechtfertige nichts!!! Hör einfach zu!!!

–    Erkläre Stellen erst dann, wenn dein Leser ausdrücklich danach fragt!

Achtung: Wenn du eine Stelle einmal erklärt hast, kann keiner von euch beiden danach noch vernünftig beurteilen, ob sie auch ohne die Erklärung funktioniert.

21.  Analysiere das Feedback:

–    Welche Kritik kommt dir berechtigt vor?

Diese Stellen ärgern uns häufig am meisten, weil wir vorher schon oft insgeheim gewusst haben, dass damit etwas nicht okay ist. Wir hoffen insgeheim, dass anderen die Ungenauigkeit nicht auffällt und sie uns dafür grünes Licht geben. (Doch was nutzt alles Hofen …?)

–    Welche Kritik nervt dich, weil du befürchtest, dass eine Änderung zu viel Zeit kostet oder dass dir nichts Besseres einfällt?

–    Welche Kritik bezieht sich eventuell auf einen unterschiedlichen Geschmack?

–    Versuche zu lernen, deine verschiedenen Kritikwiderstände zu unterscheiden (was meistens sehr schwierig ist).

22.  Sei besonders aufmerksam bei Stellen, die dein Leser anders interpretiert, als du sie gemeint hast. Woran liegt’s? Fehlen die Hinweise?

23.  Überarbeite den Text so lange, bis du RICHTIG zufrieden damit bist.

24.  SEI STOLZ AUF DICH!

25.  Fange den nächsten Text an oder arbeite an den nebenbei angefangen Texten weiter … Danke fürs Mitmachen!

Das war eine lange Arbeitsstrecke. Wenn du dich aktiv darauf eingelassen hast, dann liegt nun mindestens ein erster neuer Songtext oder wenigstens ein umfangreicher Textansatz vor dir, der vermutlich schon viel Interessantes enthält. Prima!

Und falls du zwischendurch ausgestiegen und/oder mit deinen(Teil-)Ergebnissen unzufrieden sein solltest, ist auch das interessant.

•  Notiere dir, an welchen Stellen du Schwierigkeiten hattest.

•  Welchen Arbeitsschritt du nicht nachvollziehen konntest.

•  Wieso du keine Lust hattest. (Obwohl du das Buch vermutlich liest, weil du Songs schreiben möchtest.)

•  Mache dir klar, warum und worauf du wartest.

•  Wo und wann hast du dir vielleicht selbst nicht getraut?

•  Was genau waren deine Gedanken dazu? »Das wird nichts, lohnt sich nicht, klappt ohnehin nicht« – so ähnlich, oder etwas anderes? Versuche unbedingt, dem nachzugehen und es zu notieren.

Du wirst dich im Laufe des Buches damit weiter beschäftigen. Das kann unangenehm und anstrengend sein, weil du dich mit deinen angeblichen »Schwächen« beschäftigen wirst, oder mit deiner eigenen Unzufriedenheit. Aber es ist eine Chance. Allein das Nachdenken über das, was uns stört oder uns anscheinend blockiert, wird schon viel bewegen. Versprochen!

•  Wenn du mit dem Buch durch bist, empfehle ich dir, dieses Kapitel noch einmal komplett durchzuarbeiten.

•  Beobachte, wie die Arbeitsvorschläge nun auf dich wirken. An welchen Stellen bist du schneller als beim ersten Mal? Wo brauchst du mehr Zeit, weil du dich intensiver in den Text hineindenkst?

Nachträgliches Intro

Worum geht’s in diesem Buch? / Was bringt’s? / Wie arbeitest du am besten damit?

Du hast es vielleicht bei der ersten langen Übung gemerkt: Beim Texten von Songs geht es zunächst immer um das Was und um das Wie. Also:

Was hast du zu erzählen? Und wie tust du das?

Je nachdem, ob du nur aus Spaß schreibst oder als Sänger, Songschreiber oder Bandmitglied professionell arbeitest bzw. entsprechende Pläne verfolgst, taucht dann die nächste große Frage auf:

Wozu schreibst du?

Dabei geht es darum, was du mit deinen Songs anfangen willst und welche Funktion deine Texte dabei haben.

In diesem Buch suchen wir gemeinsam Antworten auf diese Fragen. Dazu wirst du theoretische Hintergründe und praktische Methoden kennenlernen, die dir helfen werden, dich kreativer zu machen, dich selbst gezielt zu motivieren, mehr Textideen und Verse zu finden und dich besser künstlerisch zu profilieren.

Das Buch hat fünf Teile:

–    Teil I: Nicht lange fackeln!

… zum Einstieg die erste große Schreibanregung. Vielleicht hast du schon deinen ersten neuen Song begonnen? Dazu diese Einführung, die du gerade liest. Außerdem schlage ich dir vor, wie du mit dem Buch arbeiten könntest.

–    Teil II: Kreativität trainieren

Denkwerkzeuge, mit deren Hilfe du mehr Spaß beim Schreiben bekommst, dein schöpferischer Mut wächst und dir mehr einfällt.

–    Teil III: Text entwickeln

Hier findest du alles rund ums eigentliche Texten: Ideenfindung, Tools, Details, Verse, Story, Dramaturgie, Poesie, ausgewählte inspirierende Stilmittel, Textfehler …

–    Teil IV: Klang erzeugen

Hier geht’s um Reim, Sprachmelodie, Rhythmik, Flow, Versaufbau …

–    Teil V: Erfolg vorbereiten

Gedanken zum (Fast-)Glücksfall »Hit«. Hilfsmittel, wie du deine künstlerische Persönlichkeit als Popmusiker (vor allem als Sänger und Texter) finden, definieren und strategisch nutzen kannst …

–    Teil VI: Material

Der Anhang, in dem die Songs aufgeführt sind, die ich im Buch zitiere oder erwähne. Außerdem gibt es dort ein paar Buchtipps.

Ich kann mir vorstellen, dass dich nicht alle Buchinhalte gleichermaßen interessieren. Manches benötigst du vielleicht nicht oder du möchtest dich erst später damit befassen. Dann kannst du das Buch auch querlesen, Kapitel überspringen und dir zunächst die dich interessierenden Themen herauspicken. Ich habe beim Schreiben versucht, unsere Browser-Lesegewohnheiten zu berücksichtigen. Deswegen tauchen manchmal kleine Erklärungswiederholungen auf oder »Links« (also Querverweise, welche Kapitel mit der jeweiligen Stelle zusammenhängen).

Die technischen Grundlagen (zu Reim, Wiederholungen, Songelementen, Metrik, Stilmitteln usw.) habe ich bereits in meinem ersten Buch Songtexte schreiben – Handwerk und Dramaturgie (2006) erläutert. Darauf verweise ich an den entsprechenden Stellen, damit ihr dort nachschlagen könnt.³ In diesem Buch hier konzentriere ich mich eher auf die inspirierenden Aspekte, den dramaturgischen Nutzen und die Auswirkungen auf dein künstlerisches Profil.

Du kannst dich auch einfach nur zu Ideen für neue Texte inspirieren lassen (das lässt sich ohnehin nicht verhindern). Vieles, was du in diesem Buch finden wirst, beruht auf einem Prinzip, von dem ich begeistert bin und an das ich felsenfest glaube:

Unser Gehirn arbeitet automatisch und immerzu für uns – wenn wir es mit etwas füttern, das es zum Arbeiten bringt.

Vielleicht magst du das nutzen, indem du beim Lesen ein schönes Notizbuch bereithältst, in dem du alle neuen Songideen notierst. Viele neue Songansätze werden sich auch aus den verschiedenen Übungen ergeben.

Eines der Ziele dieses Buches ist, dass dir möglichst viel einfällt.

Seit der Veröffentlichung meines ersten Buchs habe ich unzählige Arbeitstage damit verbracht, andere Kreative noch kreativer zu machen, gemeinsam an ihren Texten zu arbeiten und mit ihnen die Grundlagen, Feinheiten und Tricks des Songtextens zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Wir haben jede Menge Songtexte analysiert, wirkungsvolle textliche und musikalische Dramaturgien diskutiert, Schreib- und allgemeine Kreativitätsübungen durchgeführt, persönliche und erfundene Geschichten entwickelt, daraus Songs kreiert, lyrische Kodierungen durchdacht, persönliche Kompetenzen analysiert und künstlerische Profile ergründet. Ich arbeitete mit Profis, hochqualifizierten Popmusikstudenten an verschiedenen Hochschulen, Semiprofis, Schülern und ambitionierten Laien, Teenagern, Erwachsenen und Senioren.

In all diesen intensiven, spannenden, erfreulichen, manchmal nervigen, anstrengenden, oft witzigen und immer inspirierenden Stunden hat sich gezeigt, dass es sowohl angehenden als auch professionellen Songwritern weniger darum geht, die handwerklichen Feinheiten (wie Reim oder Metrik) zu erlernen. Meistens beschäftigt sie eher Folgendes: – Wie komme ich auf mehr und bessere Ideen für Songtexte?

–    Wie finde ich passende, interessante weitere Textteile, wenn ich bisher nur Fragmente, einen Vers, eine Strophe oder nur den Chorus habe?

–    Wie finde ich Verse, die meine Inhalte spannend, unterhaltsam transportieren?

–    Wie hinterfrage ich die Qualität meiner eigenen Texte?

–    Wie werden meine Texte besser verstanden?

–    Oder im Gegenteil: Wie kann ich verhindern, dass bei meinen Texten immer alles sofort verstanden wird, so dass sie zu »plump« oder »schlagerhaft« wirken?

–    Wie schreibe ich »poetischer«, »tiefer«?

(Was auch immer man sich darunter vorstellen mag.)

–    Wie schreibe ich möglichst persönlich, ohne zu privat oder gar therapeutisch zu klingen?

–    Was habe ich als Sänger zu sagen?

–    Wer bin ich? Was will ich darstellen? Wie kann ich beides miteinander verbinden?

–    Wie kann ich mich als Sänger und Bühnenperson optimal definieren?

–    Wie entwickle ich eine künstlerische Strategie aus meinen Vorlieben, Persönlichkeitsmerkmalen und meinem Geschmack heraus?

Ich würde mich sehr freuen, wenn dieses Buch auch dir dabei weiterhelfen kann!

Gebrauchshinweise

Mit den verwendeten Zitaten aus Songtexten versuche ich, die jeweilige Thematik deutlich zu machen.

Zitate sehen so aus.

(aus: Titel; Interpret)

Die vielen Beispiele stammen aus erfolgreichen oder meines Erachtens gelungenen Popsongs. Nicht immer ist der Interpret auch gleichzeitig der Songtexter. Wer die Texte geschrieben hat, kannst du im Songverzeichnis (s. Teil VI – Material) nachschlagen.

Ich arbeite im Buch mit kurzen Text-Zitaten. Sinnvoll wäre es, wenn du dir möglichst viele dieser Songtexte nach und nach komplett durchliest!

Du findest die Texte im Netz – fast alle Songs auch in irgendeiner Fassung als Video, so dass du sie dir anhören kannst. Auf diese Weise kannst du deinen Erfahrungsschatz bereichern, dein analytisches Denken trainieren, deinen texterischen Horizont und dein kreatives Potenzial erweitern.

Es würde mich freuen, wenn dich die Vielzahl und Vielfalt der Stile und Niveaus anregt. Manchmal konnte ich bestimmte Dinge besser an meines Erachtens missglückten Beispielen erklären, was uns zusätzlich beruhigen sollte:

Kein Songtexter macht immer alles richtig oder gar perfekt!

In fast allen Liedern, auch in sehr erfolgreichen, findet man irgendetwas, das man noch verbessern könnte. Davon können wir, die wir uns das anschauen, erfreulich viel lernen. Und das Publikum ist häufig großzügiger als wir Kritiker.

Habe also bitte genauso wenig Hemmungen, Fehler oder Halbgutes zu produzieren (vor allem bei den Übungen), wie viele der dennoch durchaus erfolgreichen Kollegen.

Besonders beachtenswerte Empfehlungen oder Merksätze …

… sind entsprechend herausgestellt. Du könntest, nachdem du das Buch durchgearbeitet hast, diese Stellen noch einmal querlesen.

Schreibübungen und Aufgaben …

… die du selbst ausführen solltest, sind mit diesem Punkt • markiert.

Denke bitte daran beim Lesen und Ausprobieren:

Das Schwierige beim Schreiben ist, damit umzugehen, dass wir, solange wir etwas noch nicht geschrieben haben, nicht wissen können, wie es wird, wenn wir es denn geschrieben haben!

Verrückter Satz, oder? Er trifft aber genau den Knackpunkt. Wie wir in Kreativität trainieren noch besprechen werden, denken wir oft, dass wir nur solche Gedanken verschriftlichen sollten, die in Inhalt und Form unserem erhofften Ergebnis entsprechen. Textaussage und -gestaltung sollen nichts weiter als »perfekt« werden. Wie dieses angestrebte optimale Ergebnis (jenseits eines evtl. Vorbildes) aber genau aussehen soll, können wir noch gar nicht wissen.

Wenn wir uns diesen Teufelskreis klarmachen, wird deutlich, was für eine mächtige Spaßbremse wir uns damit selbst erschaffen.

Deswegen tue dir selbst den Gefallen: Lasse deine Kreativität nicht von dir selbst ausbremsen. Überspringe zumindest in der Zeit, die du mit diesem Buch verbringst, jeden dich zurückhaltenden, passiv machenden, zweifelnden Gedanken. Sei unkompliziert, neugierig und vor allem aktiv:

Mache die Übungen.

In ihnen geht es darum, dass du dich ausprobierst und deinen Erfahrungsschatz erweiterst.

Dies ist ein Praxisbuch:

Es nur zu lesen, wäre Verschwendung.

Wenn du bei den Übungen deine Antworten und Ideen notierst, wirst du das Besprochene anders durchdenken, selbst wenn es dir zunächst vielleicht überflüssig erscheint oder keinen Spaß macht. Du bringst damit deine Kreativität und Ideenvielfalt in Schwung, trainierst deine praktischen Fähigkeiten und erweiterst dein Wissensnetz⁵. Kurz gesagt: Je mehr du über ein Thema weißt, desto leichter fällt es dir, noch mehr darüber zu lernen.

Wie beim körperlichen Training kommt uns das Training des Gehirns oft anstrengend vor. Neues zu erschaffen ist auch tatsächlich anstrengender als einfach nur passiv zu lesen oder gar fernzusehen.

Wer es hinbekommt, an der (sogenannten) Arbeit, die zunächst eigentlich keinen Spaß macht, Spaß zu haben, wird erfolgreicher sein, kreativer werden, mehr Songs schreiben und zufriedener leben.

Außerdem wirst du auf diese Weise mit großer Sicherheit einen Haufen prima Songtexte beginnen – was mich besonders freuen würde.

Ich wünsche dir viel Spaß bei allem!

Masen Abou-Dakn

(www.songtext-workshop.de)

TEIL II – KREATIVITÄT TRAINIEREN

Über Kreativität

Wieso jeder grenzenlos kreativ sein kann. / Neue Wege begehen – auch (oder gerade), wenn man sie (noch) nicht sieht. / Verjage deine bösen Schultermännchen.

•  Hole dein Handy (Countdown-Funktion).

•  Schreibe genau zwei Minuten lang möglichst viele Synonyme und Umschreibungen auf, mit denen man Menschen (also jede Art von Personen) in irgendeiner Form bezeichnen kann.

•  Denke nicht lange nach, lege einfach los.

Kreatives Denken

Kreativität ist die Fähigkeit unseres Gehirns, Gedanken zu erzeugen, die wir vor dem winzigen Augenblick dieses Denkens noch nicht hatten.

Das heißt, es werden uns plötzlich Dinge bewusst, die uns kurz vorher als »nicht vorhanden« erschienen. Das kann alles Vorstellbare sein: Ideen, Assoziationen, visuelle Vorstellungen, Problemlösungen, Vorgehensweisen, Techniken, Wörter, Melodien, Produkte, Zusammenhänge usw.

Kreativität ist in erster Linie also ein Denkprozess – und zwar ein ganz simpler:

Denke über etwas nach (bewusst oder »im Hintergrund«, also: unbewusst) und lasse dir dadurch und/oder dazu etwas anderes einfallen.

Das war’s.

Ich glaube fest daran, dass jeder von uns die Fähigkeit besitzt, unbegrenzt kreativ zu sein!

Na, bitte! Du kannst das Buch zur Seite legen. Lass den Dingen einfach ihren Lauf.

Oder warte noch. Die Frage ist: Wieso gelingt das Ausdenken von anderen/neuen Dingen nicht allen immer in der Intensität und dem Ausmaß, wie sie es sich vielleicht wünschen?

Stell dir (d)eine Band im Proberaum vor. Ihr wollt einen neuen Song entwickeln. Du schlägst eine Harmoniefolge vor. Der Gitarrist sagt: »Die gibt’s schon.« Du schlägst einen Groove vor. Der Schlagzeuger sagt: »Langweilig.« Du singst tapfer deine neuste Zeile:

»Neulich saß ich im Café«, der Bassist grinst süffisant: »Prima, ’ne Starbucks-Werbung.«

Welche Energie müsstest du aufbringen, den Löwen noch weitere Vorschläge zum Zerreißen zu kredenzen?

Du setzt dich: »Dann macht ihr doch ’nen besseren Vorschlag.« Der Gitarrist spielt eine andere Harmoniefolge vor, woraufhin du spitz und treffend fragst: »Ach, und die gab’s noch nicht, oder was?« Der Gitarrist fängt

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