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Abenteuer im hohen Norden: Kit Carson Sammelband, #3

Abenteuer im hohen Norden: Kit Carson Sammelband, #3

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Abenteuer im hohen Norden: Kit Carson Sammelband, #3

Länge:
383 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
19. Aug. 2019
ISBN:
9781519960382
Format:
Buch

Beschreibung

ABENTEUER IM HOHEN NORDEN

AMERICAN FRONTIER KIT CARSON – der legendäre Scout

Sammelband 3

von Leslie West

Der Umfang dieses Buchs entspricht 345 Taschenbuchseiten.

American Frontier - Kit Carson, der legendäre Trapper ist die große Saga von Leslie West.

Der junge Kit Carson bricht in den bis dahin noch unerschlossenen Westen der Vereinigten Staaten auf, als Helfer eines Handelszuges auf dem berühmten Santa Fe Trail. Ab 1829 arbeitet er schließlich selbst als Trapper und Pelzhändler.

Dies ist der 3. Sammelband mit den weiteren Abenteuern Kit Carsons.

"Abenteuer im Hohen Norden" enthält die zwei romanlangen Erzählungen und Novellen "Die Spur des Wendigo", "Der See der Ungeheuer" und "Bitterer Ruhm."

Weitere Bände werden folgen.

Herausgeber:
Freigegeben:
19. Aug. 2019
ISBN:
9781519960382
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Abenteuer im hohen Norden

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Abenteuer im hohen Norden - Leslie West

ABENTEUER IM HOHEN NORDEN

AMERICAN FRONTIER KIT CARSON – der legendäre Scout

Sammelband 3

von Leslie West

Der Umfang dieses Buchs entspricht 345 Taschenbuchseiten.

American Frontier - Kit Carson, der legendäre Trapper ist die große Saga von Leslie West.

Der junge Kit Carson bricht in den bis dahin noch unerschlossenen Westen der Vereinigten Staaten auf, als Helfer eines Handelszuges auf dem berühmten Santa Fe Trail. Ab 1829 arbeitet er schließlich selbst als Trapper und Pelzhändler.

Dies ist der 3. Sammelband mit den weiteren Abenteuern Kit Carsons.

„Abenteuer im Hohen Norden enthält die zwei romanlangen Erzählungen und Novellen „Die Spur des Wendigo, „Der See der Ungeheuer und „Bitterer Ruhm.

Weitere Bände werden folgen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EDITION BÄRENKLAU, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

Amerikan Frontier Kit Carson – der legendäre Scout, Nr. 3

Romane und Novellen © by Leslie West und Edition Bärenklau 2015

Cover © by Steve Mayer, 2015

DIE SPUR DES WENDIGO

von LESLIE WEST

Der junge Pierre Lamartine hält es in der bedrückenden Enge seines Elternhauses nicht mehr aus. Er flieht in die kanadische Wildnis, um Trapper zu werden. Ein Unikum, das sich „Bowler" nennt, rettet ihn in letzter Sekunde vor den Fängen eines Grizzlys. Die beiden werden unzertrennliche Gefährten.

Jahre später beginnt es beim Stamm der Kainah zu gären. Ein mysteriöser Prediger, der sich Bote des Wendigo nennt, hat begonnen, die Indianer gegen die Weißen aufzuhetzen. Ein offensichtlich geistesgestörter Weißer behauptet, den Wendigo, den Windgeist der Indianer, leibhaftig gesehen zu haben. Später verschwindet er spurlos.

Bald hat der Prediger die Botschaft des Aufstands auch in die Städte der Weißen und der Métis getragen, einem Mischvolk aus Franzosen und Indianern. Erst im allerletzten Moment gelingt es Pierre, Bowler und ihrem Freund Kit Carson, eine Schlacht größeren Ausmaßes zu verhindern und den Boten des Wendigo zu entlarven.

Pierre und Bowler verfolgen den Fliehenden bis an die Westküste Kanadas, wo er bei den menschenfressenden Tsimshian Zuflucht gefunden hat, die Bräuche von unsagbarer Grausamkeit ausüben und schreckliche Götter anbeten. Es kommt zu einem letzten, alles entscheidenden Zweikampf zwischen Pierre Lamartine und dem Boten des Wendigo.

I. TEIL

DIE GROSSEN WÄLDER

1. Aufbruch ins Ungewisse

Ich kannte die Geräusche des Flusses und des Waldes. Oft genug war ich schon den Pfad zu meinen Biberfallen gegangen.

Auch in diesem Teil Kanadas wurde es nun Frühling, aber noch war es kalt. Der Wind, der wärmeres Wetter über den Fluss bringen würde, strich durch das mit Eiskristallen überzogene Schilf. Er brachte die Halme und Äste in Bewegung. Ihr leise klirrendes Aneinanderschleifen klang wie überirdische Musik. Das Rauschen in den Wipfeln der Rottannen und die wogenden Äste der Schwarzpappeln untermalten dieses gläserne Schwirren als dunkle Begleitung. Man konnte glauben, der einzige Mensch auf der ganzen Welt zu sein, und das war einer der Gründe, warum ich mich hier als Pelzjäger niedergelassen hatte.

Ich kannte alle um diese Tageszeit üblichen Geräusche. Und ich erstarrte, als ich das Knistern des schwammigen Mooses vernahm, wie es nicht von Menschenfüßen, sondern von weichen Pfoten erzeugt wird, die darin einsinken.

Ich war nicht mehr allein.

Es waren Wölfe, ausgewachsene Grauwölfe, noch ausgehungert von der harten Jahreszeit, die hinter ihnen lag.

Und sie kamen von drei Seiten auf mich zu.

Sie waren zu fünft. Fünf Prachtexemplare von Wölfen mit struppigem Fell, das sich aber wieder wunderschön anschmiegen und glänzen würde, wenn sie mich erst einmal gefressen hatten.

Einen einzelnen Wolf braucht man normalerweise nicht zu fürchten. Es gibt wenige, die in der Lage sind, einen gesunden, ausgewachsenen Karibu zu töten. Sie bevorzugen kranke, geschwächte Tiere und bleiben den Menschen fern.

Außer sie sind völlig ausgehungert und zu fünft gegen einen einzelnen Mann.

Manchmal hilft es, wenn man Entschlossenheit und Furchtlosigkeit zeigt. Ich blieb ruhig stehen und hob nur ganz langsam die Mündung meiner Minié-Büchse, die erst letztes Jahr auf den Markt gekommen war.

Es half nichts. Sie kamen immer näher, und in ihren Augen war die Gewissheit zu lesen, dass ihnen diese Beute nicht entgehen würde.

Ich schoss.

Zum Nachladen fehlte die Zeit. Die übrig gebliebenen vier Tiere wichen nur wenig zurück, während das Blut ihres toten Kameraden im Moos versickerte.

Mir blieb nur die Flucht.

Dreißig Yard mochten es zu der Rottanne sein, die klein genug war, um die unteren Äste noch erreichen zu können. Ich sprintete los.

Vielleicht war das ein Fehler, vielleicht hätten sich die Biester erst einmal auf ihren Artgenossen gestürzt, wenn ich damit nicht erneut ihre Aufmerksamkeit auf mich gelenkt hätte. ich hoffte jedoch, auf diese kurze Distanz schnell genug zu sein.

Doch es war zu knapp. Auf halber Strecke musste ich die Minié am Lauf nehmen und als Keule verwenden. Das wütende Knurren, der stinkende Atem und die blitzenden Fänge der Wölfe schienen ein Netz des Todes um mich zu weben, während meine Bewegungen immer verzweifelter wurden. Als ich einen der Wölfe so hart an der Flanke erwischte, dass er aufjaulend zusammensackte, sah ich meine letzte Chance.

Ich schaffte es. Als ich zum Sprung ansetzte, ließ ich die nutzlos gewordene Büchse fallen. Ich krallte mich am untersten Ast der Rottanne fest und schwang mich hoch.

Die Wölfe heulten voller Wut auf. Einer nahm ebenfalls Anlauf und sprang.

Mein Bowiemesser erwischte voll die Halsschlagader. Ich musste es ihm in der Kehle lassen, sonst hätte er mich mit seinem Schwung erneut vom Baum gerissen. Er starb gespenstisch. Ohne noch einen Laut von sich geben zu können, verzuckte er sein Blut zwischen den Wurzeln des Baumes.

Seine Kumpane machten sich über ihn her. Ich nutzte die Gelegenheit, um höher hinaufzusteigen. Während die Burschen ihr schauriges Mahl begannen und ihre Fänge in den noch warmen Körper schlugen, dachten sie wohl gar nicht mehr an mich.

Angewidert wandte ich mich ab, um bewusst in die rostbraunen und hellgrünen Frühlingstriebe des Waldes zu starren.

Dann vernahm ich ein Knurren, das nicht aus einem Wolfsrachen zu kommen schien. Ich sah nach unten. Den Wölfen sträubte sich das Fell. Sie knurrten, aber sie wichen zurück. Und dann verschwanden sie ziemlich schnell zwischen den Bäumen.

Als ich den Grund für ihr Verhalten sah, wäre ich ihnen nur zu gern gefolgt.

Die weißbraune Pelzmasse, die sich da unten auf meinen Baum zuschob, gehörte unzweifelhaft einem ausgewachsenen Grizzly.

*

Ich musste neidlos zugeben, dass ich von seiner Gattung noch nie ein Tier gesehen hatte, das ihn an Größe übertroffen hätte. Der Grizzly gehörte zur helleren Sorte, die fast weiß aussieht. Sein zottiges Fell wölbte sich über dem hohen Schulterbuckel, unter dem eine gewaltige Masse Muskeln verpackt war. Er maß aufgerichtet mindestens zwei Yard.

Der Anblick seiner langen Krallen tröstete mich insofern, als daraus hervorging, dass er ein wesentlich schlechterer Kletterer war als sein kleiner Vetter, der Baribal.

Das war freilich auch mein einziger Trost. Mein Gewehr und mein Bowiemesser lagen bei ihm unten, und er brauchte ganz bestimmt weder das eine noch das andere, um mich fertig zu machen.

Ich war ordentlich vom Regen in die Traufe geraten. Der Grizzly stellte schnell fest, dass an dem toten Wolf nicht mehr viel dran war. Schon bekam ich Hoffnung, dass er mich überhaupt nicht bemerken würde.

Ich wurde enttäuscht. So wie ihn der Blutgeruch an den Baum gelockt hatte, schnupperte er nun prüfend nach oben.

Das gierige Aufblitzen in seinen Augen ließ keinen Zweifel an seinen Absichten. Was jedoch ungewöhnlich war, war seine unglaublich schnelle Reaktion. Er warf sich mit einer Schnelligkeit und einer Wucht gegen den Stamm, mit der ich niemals gerechnet hatte. Ich verlor das Gleichgewicht und rutschte ab.

Ich landete auf den Beinen, glücklicherweise im weichen feuchten Moos. Die Wucht des Falls riss mich dennoch um.

Das Tellergesicht des Grizzlys fuhr herum, als hätte er mit nichts anderem gerechnet. Er beeilte sich nicht, als er auf mich zukam.

Anscheinend war ich nicht sein erstes menschliches Opfer. Er wusste wohl genau, dass er trotz seiner gewaltigen Masse jeden Menschen spielerisch einholen konnte. Als er keine drei Yard mehr entfernt war, fiel die Erstarrung von mir ab. Ich sprang auf, schlug einen Haken um ihn, erreichte den Baum und zog das Bowiemesser aus dem Hals des toten Wolfs.

Viele Chancen rechnete ich mir damit nicht aus. Ein muskelbepackter und kampfgestählter Trapper hatte damit vielleicht eine gute Überlebenschance, aber mir mit meinen zweiundzwanzig Jahren fehlten dazu sowohl Körperkraft als auch Erfahrung.

Der Bär kam immer näher. Ich sah nur noch sein schreckliches Gebiss.

Dann fiel der Schuss.

Ich stand mindestens ebenso erstarrt wie der Grizzly, dessen linkes Auge plötzlich zu explodieren schien. Das Untier setzte noch zum Brüllen an, begann dann aber nur kurz zu taumeln, um Sekunden später mit einem nassen Klatschen auf dem Waldboden aufzuschlagen.

Erst als ich das Biest in seiner ganzen Masse bewegungslos vor mir liegen sah, begann ich den Schrecken zu verarbeiten.

Ich wandte mich um - und sah einen Mann aus den Büschen kommen, dessen Anblick sicher auch andernorts Erstaunen hervorgerufen hätte, hier in der Wildnis aber ganz besonders auffallen musste.

Wir waren etwa gleich groß, aber damit hörte auch jede Ähnlichkeit bereits auf.

Während meine Haare blond und gewellt sind, waren die des Neuankömmlings glatt und schwarz. Allerdings war er ebenso bartlos wie ich.

Sein Kopf schien extrem schmal, und seine Miene hätte dem abgefeimtesten aller Halunken gut gestanden, wenn der breite aber dünnlippige Mund nicht ein leichtes Lächeln angedeutet hätte und die braunen Augen nicht so gütig aufgeblitzt hätten. Es war ein scharfkantiges Gesicht zwischen zwei sehr großen Ohren mit dichten Koteletten, aber das war alles nichts gegen die Nase. Sie war so scharf wie ein Tomahawk und so lang wie mein Mittelfinger. Aber ganz schmal.

Und die Kleidung! Während ich die gewöhnliche fransenverzierte Hirschlederjacke in eine Hose aus demselben Material gestopft hatte und dazu Stiefel aus Bisonleder trug, trug er mitten im kanadischen Urwald eine schwarze Cordhose, Stulpstiefel, einen ihm natürlich zu weiten, aber dennoch sehr eleganten hellgrauen Frack, ein weinrotes Halstuch, darüber einen Biberkragen - und eine Melone. Einen waschechten Bowler!

Er bezog meinen fassungslosen Gesichtsausdruck auf seine Waffe.

„Es ist nicht ausgeschlossen, dass Sie noch nie eine Enfield-Perkussionsbüchse gesehen haben, Sir, begann er. Sie ist erst heuer auf den Markt gekommen, aber ich möchte sie um keinen Preis der Welt missen. Haben Sie die Genauigkeit und die Wirkung verfolgt? Ich hatte früher eine Hawken-Rifle, aber glauben Sie mir, Sir: Schier un - ver -gleich -lich!"

Sein Gesicht drückte höchste Zufriedenheit aus. Dann lüftete er seine Melone ebenso vor mir wie vor dem toten Bären, vor dem er sich ebenfalls zugleich artig verbeugte.

Sie gestatten doch, dass ich mich vorstelle, Sir? Mein Name ist Nathaniel Calhoun. Meine Vorfahren besiedelten die Appalachen, Sir. Und ein Teil meiner Verwandtschaft hat in Texas am Rio Concho ein Anwesen namens Rancho Bravo gegründet. Ihr Oberhaupt heißt Tom Calhoun.

Er streckte mir die Hand entgegen.

Pierre Lamartine, Franzose, erwiderte ich, als ich einschlug. Darf ich Sie zum Frühstück einladen? Sie haben mir ja immerhin das Leben gerettet.

Mit Freuden, Sir! Gestatten Sie mir jedoch, dass ich den Bären zubereite. Ich war jahrelang Koch in Paris, mein Hummer auf Marseiller Art war berühmt, und für mein Hühnchen à la Bowler habe ich sogar das ‘Blaue Band‘ bekommen.

Hühnchen à la Bowler?

Mein Spitzname, Sir - Sie sehen ja, warum. Würden Sie mich bitte duzen? Wünschen Sie ein hors-d‘oeuvre?

*

Mein neuer Gefährte hatte wirklich nicht übertrieben. Die Bärentatzen, die er am Lagerfeuer zubereitet hatte, hatten so gut geschmeckt, dass wir überhaupt nicht zum Reden gekommen waren. Der Rückmarsch zu meinem Frühjahrslager hatte etwa eine halbe Stunde gedauert. Unsere Pferde schienen sich ebenfalls prächtig zu verstehen, denn sie standen einträchtig nebeneinander.

Bowler griff nach seinen Satteltaschen, holte eine Tonflasche heraus und hielt mir das Etikett hin. The Governor And Company Of Adventurers Of England, las ich. Trading Into Hudson‘s Bay - SPECIAL - 12 Year Old Rye Whiskey.

Ein anständiger Roggenwhiskey ist genau das Richtige nach unserem tüchtigen Schrecken, Sir, meinte er und schenkte zwei Gläser ein. Erzählen Sie mir was aus Ihrem Leben.

Ich winkte ab.

Da gibt ‘s nicht viel zu erzählen, Bowler. Mein Vater hat immer gesagt, solange ich meine Füße unter seinen Tisch strecke, hätte er das Sagen. Nun, da hab‘ ich ihm vor drei Monaten genug Platz für seine eigenen Beine hinterlassen. Hatte keine Lust, sein Tuchgeschäft zu übernehmen.

Verflucht leichtsinnig, allein in die Wälder zu gehen, Sir.

Ich war nicht allein. Old Abe, mein Partner, ist vor zwei Wochen ertrunken. Ich habe ihn dort hinten auf der Lichtung begraben. Ehrlich gesagt, ich wollte schon irgendwann allein sein, aber nicht so schnell.

Das tut mir leid, Sir.

Mir auch, Bowler. Und was hast du denn so alles hinter dir? Du hast sicher nicht dein ganzes Leben in den Appalachen verbracht, oder?

Bowler grinste.

Keinen einzigen Tag, Sir. Ich wurde bereits auswärts geboren, weil es meinem Vater im Gegensatz zum Rest seiner Verwandtschaft dort früh zu langweilig wurde. Seine Wanderlust hat auch bei mir voll durchgeschlagen. Ich wurde zu einem argen Herumtreiber und war schon in der ganzen Welt. Wahrscheinlich bin ich mit Ahasver verwandt, Sir.

Wer ist denn das?

Der Ewige Jude, Sir. Er muss immer wandern, darf nie an einem Ort bleiben. Gefällt mir aber.

Bowlers Roggenwhiskey schuf ein angenehm warmes Gefühl im Magen.

Wollen wir Feinde sein, Bowler? Abkömmlinge der Briten und Schotten haben die Franzosen in Kanada nicht immer gut riechen können.

Bowlers Nase fuhr empört nach oben.

Sie belieben zu scherzen, Sir! Meinen Sie etwa wegen der Pelzhandelsgesellschaften? Seit sich die englische Hudson‘s Bay Company mit der North West Company vor 32 Jahren zusammengeschlossen hat, gibt ‘s keine Reibereien mehr. Sie sind doch bei der Company, nicht wahr, Sir?

Ich nickte.

Sie sind ein richtiger homme du nord, stellte er fest. Ein coureur de bois. Ein voyageur.

Zumindest will ich ‘s werden, schränkte ich ein.

Bowler war inzwischen schon bei seinem fünften Glas Roggenwhiskey angelangt, aber es war ihm nichts anzumerken. Er wankte erst leicht, als er aufstand und mit einer feierlichen Geste sein Glas hob.

„Mit Verlaub, Sir - Sie gefallen mir, und es wird mir gelingen, einen tüchtigen Pelzjäger aus Ihnen zu machen - einen sehr tüchtigen Pelzjäger! ich bin Fachmann auf dem Gebiet der Zoologie, der Ernährungswissenschaft und der arktischen Tierwelt. Ich habe Veterinärmedizin studiert und Archäologie - und habe die Jagdpferde Ihrer Majestät der Königin Victoria trainiert. Eines davon wurde sogar Erster beim Hindernisrennen in Newton. Wollen wir zusammenbleiben, Sir?"

Nun erhob ich mich ebenfalls.

ich glaube, du hast mich überzeugt, Bowler. Zwei Männer können sich besser wehren als einer, können die Arbeit besser einteilen, mehr Fallen aufstellen, Wache halten, wenn nötig - und außerdem gefällst du mir ebenfalls.

Wir stießen an. Es war nicht die letzte Flasche, die wir an diesem Tag zusammen leerten, und es war der Beginn einer Freundschaft, die heute, nach so vielen Jahrzehnten, immer noch besteht.

2. Die Schule der Wildnis

Ich könnte die nächsten Jahre überspringen, denn es geschah nichts Außergewöhnliches. Und doch würde etwas fehlen.

Bowler hatte nicht übertrieben. Er war ein Ausbund an Gelehrsamkeit und Wissen und brachte mir soviel Neues bei, dass ich mich immer wieder nur wundern konnte. Ob Old Abe das auch alles gewusst hätte?

Nie verlor er dabei seine Schrullen. Falls er tatsächlich alles erlebt hatte, was er erzählte, dann war er dreimal so alt wie er aussah.

Meinen Entschluss, in die Wildnis zu gehen, habe ich nie bereut - obwohl ich so wenig von dem gewusst hatte, was auf mich zukam.

Das Leben eines Voyageurs ist hart und entbehrungsreich, die Ausrüstung so knapp wie möglich bemessen: einige Messer, Ersatzschlösser und -feuersteine, pro Saison etwa 25 Pfund Pulver, 100 Pfund Blei, ein Gewehr, ein Ersatzgewehr, Mehl, Kaffee, Tee und Salz. Für die Wintersaison packt man sieh zusätzlich noch einige Leggings ein.

Die Fallen werden erst während der Fangzeit aufgestellt. Die erste beginnt im Herbst, wenn die Sommerpelze besonders schön ausgefallen sind, sie endet, wenn Schnee und Eis die Arbeit unmöglich machen. Die zweite beginnt im Frühjahr mit dem Aufbrechen des Eises -damals hatte ich Bowler kennengelernt - und geht zu Ende, wenn die Pelzqualität aufgrund des wärmeren Wetters nachlässt.

Man verdient nicht schlecht; aufs Jahr gerechnet etwa dreimal soviel wie ein Zimmermann oder ein Maurer.

Wir verkauften nie alles an die Company. Bowler war extrem geschäftstüchtig und kannte einige Händler, die für besonders schöne Felle manchmal sogar den doppelten Betrag dessen bezahlten, was die Company veranschlagt hatte. Viele ließen sich von der Hudson‘s Bay ausbeuten - wir nicht. 1200 bis 1300 Felle pro Jahr waren bei uns keine Seltenheit. Diejenigen Gierschlunde unter den Aufkäufern, die sich darauf versteiften, den Voyageurs wieder so viel wie möglich für deren nächsten Saisonbedarf abzuknüpfen, bissen bei uns beiden auf Granit.

Was aber bekam man alles im Gegenzug für diese Art von Broterwerb! Die meiste Zeit des Jahres war man frei und ungebunden, auch wenn man ab und zu nur von wilden Pflaumen, Nüssen, Wurzeln und Rinden leben musste - was mit Bowlers Genie bei der Organisation allerdings nur höchst selten der Fall war. Und man erlebte die Faszination der unendlichen Urwälder in allen Abstufungen.

Die Wälder - Weißbirken, Ahorn, Schierlingstannen, deren Stämme im nächtlichen Lagerfeuer wie Bronze glänzen. Die Flüsse - von Wäldern umgeben oder zwischen bedrohlichen Steilwänden aus gelbem oder ockerfarbenem Gestein, ihre Sandbänke und Felsriffe, die man an ihren Schaumkronen erkennt und denen man mit seinem Birkenrindenkanu rechtzeitig ausweichen muss. Die Seen - Pelikane und Fischadler, die tagsüber ihre Bahnen auf der Jagd nach Forellen ziehen, nachts eine stille, wie schwarzes Glas schimmernde Oberfläche, die die Abermillionen Sterne des allumfassenden Firmaments widerspiegelt.

Irgendwann im Laufe dieser Jahre stellte ich fest, dass es mir unmöglich sein würde, jemals wieder für längere Zeit in die Zivilisation zurückzukehren. Wer die grenzenlose Weite der kanadischen Wälder jemals bewusst erlebt hat, den lassen sie nicht mehr los ...

3. Gefangen!

Im Frühjahr unserer dritten gemeinsamen Saison mussten wir uns mächtig ins Zeug legen. Die Preise für Biberfelle waren leicht zurückgegangen, also mussten wir mehr Tiere fangen; dazu wiederum brauchten wir zusätzliche Newhouse-Fallen, die nicht billig waren, dafür aber als die besten galten.

Hinzu kam die amerikanische Konkurrenz. In den Vereinigten Staaten entsprachen den Voyageurs die Mountain Men, und die hatten bereits seit den Zwanziger Jahren den Missouri bis zur Yellowstone-Mündung und darüber hinaus erschlossen. Die berühmtesten Mountain-Men waren zweifellos Jim Bridger, der immer noch als Führer in den Rocky Mountains arbeitete, und Kit Carson, dessen Name schon Legende geworden war. Nach seiner Zeit als Mountain Man und dem Tod seiner indianischen Frau hatte er mit John Charles Frémont einige wichtige Siedlertrails in den amerikanischen Westen erschlossen. Danach hatte er im Mexikanischen Krieg gekämpft, und jetzt arbeitete er als Indianeragent in Taos in New Mexico.

Ich erwähne dies nur, weil Bowler und ich sowohl Jim als auch Kit persönlich kannten und schon einiges zusammen mit ihnen erlebt hatten. Kennengelernt hatten wir ihn und seinen indianischen Freund Häuptling Washakie damals am „See der Ungeheuer". Doch davon will ich ein andermal berichten.

Wie gesagt, dieses Jahr hatten wir zu kämpfen. Bowler und ich erweiterten deshalb sowohl unser Jagdterritorium als auch unser Pelzangebot. Fischottern brachten manchmal fast doppelt soviel wie Biber, und für Wildkatzen- und Vielfraßfelle bekam man auch etwas. Das war uns sehr angenehm, denn Vielfraße waren als Fallenzerstörer und Köderstehler eine echte Plage.

An einem herrlich sonnigen Tag war Bowler allein zu den Fallen losgezogen. Ich dagegen genoss das schöne Frühlingswetter bei unserer Hütte und trug während des ganzen Vormittags wegen der Wärme nur leichtes Unterzeug. Meine Haut hatte in dieser Saison längst einen tiefen Braunton angenommen, wohingegen Bowler immer noch eine nur wenig beeinträchtigte aristokratische Blässe aufwies, weil das eben besser zu seiner Kopfbedeckung passte.

Die Hütte bestand aus Fellen, die mit Sorgfalt über ein Kuppelgerüst aus dünnen Holzstangen gezogen waren, die wiederum einen Halbkreis bildeten und am unteren. Ende in den Boden gerammt waren. Daneben stand unser schräg aufgebauter Abziehblock, und ich hatte den ganzen Vormittag an einem massiven Rahmen aus vier gleich langen Balken gearbeitet; er dient zum Aufspannen des Fells, das wir in mühseliger Kleinarbeit mit einem scharfkantigen Stein abschaben müssen, um es dadurch verkaufsfertig für den Kürschner vorzubereiten. Bowler hatte natürlich auch schon einmal in einer Kürschnerei gearbeitet.

Jedenfalls war diese Geschichte ebenso anstrengend wie zeitraubend und langweilig, und weil der leichte Frühlingswind und die Wärme der Sonne ein träges Wohlbehagen in mir aufkommen ließen, beschloss ich am frühen Nachmittag, mich ein wenig in den Fluten des South Saskatchewan River abzukühlen.

Ich blieb wie ich war, zog lediglich noch Mokassins an, legte aber immerhin meinen Gürtel mit Bowiemesser, Kugelbeutel und Pulverhorn an, um auch meine alte Minié mitzunehmen, von der ich mich einfach nicht trennen wollte. Man konnte nie wissen.

Zum Fluss ging es ein kleines Stück bergab. Ich genoss den Schatten der Bäume, die in voller Frühlingsblüte standen, und das Streifen der Äste und Blätter junger Ahorn- und Birkenbäume an Armen und Füßen. Es fühlte sich fast so angenehm an wie die zärtlichen Liebkosungen einer jungen Indianerin - falls man Bowlers Erzählungen Vertrauen schenken konnte. Mir selbst fehlte da jede Erfahrung.

Auch auf den Strecken, die den South Saskatchewan durch weite Waldgebiete führen, beschreibt er oft riesige Mäander, so dass man mit einem Birkenrindenkanu nach Stunden beinahe wieder an den Ausgangspunkt zurückgelangt. Unsere Hütte lag nahe am Beginn einer solchen Flusskrümmung. Inmitten des Flusses gab es in größeren Abständen kleine bewaldete Inseln, zu denen man leicht hinüber schwimmen konnte. Allerdings musste man ein kräftiger und, geübter Schwimmer sein, um bei starker Strömung Untiefen und Felsenriffen ausweichen zu können.

Ich ließ mich erst einmal am Ufer nieder und legte Waffen, Gürtel und Unterhemd ab.

Der dichte Wald zog sich auch am gegenüberliegenden Ufer entlang. Dort, wo das Gelände steiler abfiel, erschien er wie eine ungeheure Palisade.

Wie lange ich dieses erhebende Naturschauspiel auf mich einwirken ließ, weiß ich nicht mehr. Millionen von Goldblättchen schienen unter der sengenden Sonne auf dem Fluss zu tanzen, sie ermüdeten die Augen und ließen sie brennen, wenn man zu lange hinein starrte. Die Hitze tat ein übriges, um mich in einen trägen, angenehmen Halbschlaf zu versetzen. Das leise Rauschen des Flusses übertönte fast alle Waldgeräusche und schläferte in seiner Gleichförmigkeit ebenfalls ein.

Umso schriller drang der Schrei an mein Ohr. Ich fuhr erschrocken und so schnell hoch, als hätte mir jemand eine Nadel in die Seite gestochen.

Der Schrei war aus dem Fluss gekommen. Ich kniff die Augen zusammen und sah mitten im Wasser einen reglosen Körper dahin treiben.

Einen menschlichen Körper! Aber seit wann reglos?

Falls er es gewesen war, der soeben geschrien hatte, dann musste der Mann unmittelbar danach das Bewusstsein verloren haben. Entweder aus Entkräftung oder weil er mit dem Kopf gegen ein Felsenriff geraten war. Die Strömung war hier sehr stark.

Zu weiteren Überlegungen blieb keine Zeit. ich sprang ins Wasser und schwamm sofort mit aller Kraft los. Es gab hier genügend Unregelmäßigkeiten auf der Wasseroberfläche, die auf Strudel, Felsenriffe oder Untiefen hinwiesen, und der bewusstlose Mann war in allerhöchster Gefahr.

Der Schock des frühlingskalten Wassers raubte mir einige Sekunden fast den Atem. Das war jedoch schnell vorbei.

Ich schwamm wie ein Besessener, als ich erkannte, dass der Bewusstlose mit dem Gesicht nach unten dahin trieb. Wie lange ich brauchte, um ihn zu erreichen, wei? ich nicht mehr, aber es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Als es soweit war und ich ihn umdrehte, erlebte ich meine nächste Überraschung.

Ein Mädchen! Eine Indianersquaw!

Ich packte zu und musste nun für zwei schwimmen. Entsprechend weit trieb uns die Strömung ab.

Erst beim vierten Versuch konnte ich in Ufernähe Fuß fassen. Ich war ziemlich ausgepumpt. und sank erst einmal für Sekunden in den Sand.

War es schon zu spät?

Der gute Bowler hatte mir auch etwas beigebracht, das er "Wiederbelebung‘ nannte. Selbstverständlich hatte er in Dublin drei Semester Medizin studiert, war dann zwei Tage vor dem Examen Soldat geworden und als solcher in den Fernen Osten gezogen - mit dem Veterinärkorps.

Ich pumpte die Arme des Mädchens auf und ab, begann höllisch zu schwitzen und geriet fast in Panik, als sich kein Erfolg zeigte. Sie gab zwar eine Menge Wasser von sich, regte sich aber überhaupt nicht.

Als ich schon fast nicht mehr

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