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Freimaurerische Persönlichkeiten in Europa

Freimaurerische Persönlichkeiten in Europa

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Freimaurerische Persönlichkeiten in Europa

Länge:
351 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 30, 2016
ISBN:
9783706558365
Format:
Buch

Beschreibung

Die Freimaurerei ist eine international verbreitete Vereinigung, die unter Achtung der Würde des Menschen und der Menschenrechte für Aufklärung, Toleranz, freie Entwicklung der Persönlichkeit, Brüderlichkeit und allgemeine Menschenliebe eintritt. Sie geht davon aus, dass menschliche Konflikte ohne zerstörerische Folgen ausgetragen werden können. Voraussetzung dafür ist die Herstellung eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturen und Überzeugungen.
Viele freimaurerische Persönlichkeiten vertreten diese Werte im praktischen Leben. Die hier auswahlweise vorgestellten Freimaurer zeigen neben dem biografischen Werdegang auch die politische, kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung auf, die der Freimaurerei seit der Frühen Neuzeit bis heute zukommt.
Sie verdeutlichen, dass neben politischen und gesellschaftlichen Strukturen auch einzelne Persönlichkeiten in der Geschichte der Freimaurerei eine zentrale Rolle spielten.
Herausgeber:
Freigegeben:
Mar 30, 2016
ISBN:
9783706558365
Format:
Buch

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Freimaurerische Persönlichkeiten in Europa - StudienVerlag

Anderson, James (1679–1739)

James Anderson (Jr., in deutschen Quellen des 18. Jh. auch „Jacob Anderson genannt) wurde am 19. Januar 1679 in Aberdeen in Schottland getauft. Er war das vierte Kind James Andersons, eines Glasers. Die Familie brachte mehrere Begabte hervor, einer der Brüder James wurde Professor der Theologie, ein anderer Handelshistoriker. 1694–98 studierte Anderson in Aberdeen für den Magister Artium, daraufhin Theologie mit dem Ziel, sich in der Schottischen Kirche ordinieren zu lassen. Wo Anderson sich jedoch genau zwischen 1702 und 1709 aufhielt, ist nicht völlig geklärt. 1707 wurde die politische Union zwischen Schottland und England besiegelt, das neue vereinigte britische Parlament in London eingeweiht. Dort taucht Anderson im Gefolge eines schottischen Adeligen auf, als Priester in einer presbyterianischen Gemeinde. Dabei ist es wichtig auf den Unterschied zwischen der bischöflichen anglikanischen und der schottischen Kirche hinzuweisen. Die schottische staatsfinanzierte presbyterianische Kirche wurde von der etablierten Church of England als nicht-konformistisch eingestuft und feindselig behandelt, ihre Aktivitäten wurden sehr begrenzt. Anderson war in seiner eigenen Londoner Gemeinde selbstständig betätigt und von ihr angestellt. Mehrere von Andersons Predigten, in denen er den Presbyterianismus verteidigte, wurden veröffentlicht. Neben seiner kirchlichen Tätigkeit widmete sich Anderson vor allen Dingen der Genealogie. 1732 gab er seine massiven „Royal Genealogies heraus, in denen er genealogische Tabellen der fürstlichen und adeligen Häuser seit Zeiten Adams druckte. Die „Royal Genealogies" wurden lange Zeit, trotz ihrer aus moderner Sicht fehlenden Wissenschaftlichkeit, als seriöses Referenzwerk betrachtet. Neben dieser Übersicht arbeitete Anderson spezifisch zur Familiengeschichte des Hauses Yvery und war auch publizistisch tätig.

Trotz seiner kirchlichen und genealogischen Aktivitäten wäre Anderson wahrscheinlich in Vergessenheit geraten, hätte er nicht eine zentrale Rolle in der Kompilation der „Constitutions of Freemasonry (1723) eingenommen. Es ist nicht geklärt, ob Anderson während seiner Zeit in London aktives Mitglied der Freimaurerei war oder überhaupt Kontakt mit englischen Freimaurern gehabt hatte, bevor er einwilligte die „Constitutions zu verfassen und zu redigieren. Doch in der Forschungsliteratur wird die Hypothese vertreten, dass Anderson wohlmöglich bereits in Schottland initiiert worden war, da er das freimaurerische Abzeichen (eng. „mark) seines Vaters verwendete. Dieser war aktives Mitglied der Loge in Aberdeen und unter anderem Herausgeber des „Aberdeen Mark Book, in dem die Logenmitglieder ihre aus der Steinmetztradition entwickelten persönlichen Symbole verzeichnen ließen. Neben einer breit gefächerten sozialen Herkunft war die Loge in Aberdeen auch durch religiöse Toleranz charakterisiert. Möglicherweise haben diese Erfahrungen Anderson bei seiner Gestaltung der englischen Freimaurerei beeinflusst.

Unter der Amtszeit des zweiten Großmeisters der Londoner Großloge George Payne (1718–19) wurde Anderson beauftragt, nach alten Quellen zur Geschichte der britischen Freimaurerei zu forschen. Daraufhin wurde von Anderson das Material für die „Constitutions zusammengetragen und von englischen Freimaurern begutachtet. Warum man einen schottischen Nonkonformisten mit dieser Aufgabe betraute, hat die Historiografie der Freimaurerei verblüfft. Möglicherweise hängt dies mit der Reise des dritten Londoner Großmeisters und Hugenotten Jean Théophile Desauguliers (1719–1720) nach Edinburgh zusammen, bei dem er ebenfalls eine Loge besuchte. Zu diesem Zeitpunkt verfügte keine englische Loge über historische Archive, dahingegen konnten jedoch sowohl die Loge in Edinburgh als auch andere Logen in Schottland archivarisch ihr Altertum belegen. Desauguliers scheint die Arbeit Andersons wesentlich gefördert zu haben, möglicherweise auch durch seine intimen Kontakte zur britischen antiquarischen Forschung. Nach einigen inneren Auseinandersetzungen wurden schließlich die „Constitutions im Januar 1723 veröffentlicht. Zwar wurde Anderson nicht als Autor/Herausgeber auf dem Titelblatt genannt, jedoch findet sich der Hinweis dazu in der folgenden Liste von zwanzig Logenmeistern, darunter auch Anderson. Die Forschung geht davon aus, dass es sich dabei um die Loge „Zum Herzen gehandelt hat (Anderson war später Mitglied der Loge „Zum Haupte Salomonis). Der Text der „Constitutions zählt um die 35 000 Zeichen, wovon die Geschichte der Freimaurerei ungefähr die Hälfte ausmacht, gefolgt von den „Pflichten und den „Allgemeinen Regeln" sowie vier freimaurerischen Liedern (davon zwei aus der Feder Andersons). Dabei ist das Verhältnis zwischen selbst verfassten und aus älteren tatsächlich freimaurerischen Quellen übernommenen Stellen und Motiven unbekannt, weswegen es schwer ist, sich ein genaues Bild von der Verfasser- bzw. Editionstätigkeit Andersons zu machen.

Aus rein akademischer Sicht lässt sich die von Anderson dargelegte Historiografie leicht hinterfragen, da er die Entwicklung der Freimaurerei auf alttestamentarisches Alter zurückführt und ihre Chronologie mit bekannten und unbekannten (imaginierten) Ereignissen der Weltgeschichte vermengt. Jedoch sind ähnlich gelagerte Mythohistorien auch aus der barocken Geschichtsschreibung beispielsweise Schwedens bekannt. Der dortige im 17. Jahrhundert staatstragende sogenannte „Gotizismus" beruhte auf einem Ursprungsmythos, nach dem einer der Söhne Noahs, Japhet, auf der aus der Sündenflut aufgestiegenen Insel Scandia die gotische Kultur gegründet habe. Von dort aus sei ganz Europa zivilisiert worden. Es ist also nicht nach Faktizität der Historiografie Andersons zu fragen (obwohl auch Fakten mit reinen Phantasien vermengt sind), sondern primär welche Rolle diese Mythohistorie für die Identitätsstiftung der modernen Freimaurerei eingenommen haben kann, nicht zuletzt war Anderson als Genealoge tätig. Dies zu beantworten, ist nicht Ziel dieses Artikels, jedoch lässt sich feststellen, dass zumindest drei Überlieferungs-/Quellenkomplexe signifikant sind: das Erbe der Antike, das Erbe des Alten Testaments (der Bibel) und das Erbe des englischen Mittelalters. Somit kann die genealogische Historiografie der Freimaurerei auch politisch-religiös ausgelegt werden, was mit der Etablierung der neuen Hannoveranischen Dynastie auf dem britischen Thron in Verbindung gebracht werden kann. Auf einer symbolischen Ebene stellt Anderson fest, dass die Geometrie eine die Epochen und Religionen übergreifende universelle Sprache der Moralität darstellt und dass daher die Freimaurerei eine eindeutige ethisch bildende Bedeutung einnimmt.

Vielleicht am wirkungskräftigsten gestaltete sich die Publikation der „Pflichten (engl. „Charges) der Freimaurerei, da sie eine sehr frühe Standardisierung der Organisationskultur aller späteren demokratisch organisierten Freiwilligenverbände in der Entwicklung der europäischen Zivilgesellschaft darstellen. Die „Constitutions von 1723 und alle darauffolgenden Editionen nehmen in ihrer Wirkungsgeschichte für die Freimaurerei eine konstitutive Stellung ein. Anderson besorgte 1738 eine zweite Auflage der „Constitutions, in der er selbstbewusster als ihr Autor und Herausgeber hervortrat. Diese zweite Auflage enthält auch wichtige Veränderungen (zum Beispiel zur Stellung der Religion und des Christentums) und erzählt die Geschichte der frühen Londoner Großloge ab 1717 (21 Jahre nach dem Ereignis die einzige Quelle, die über die Gründung in diesem Jahr nähere Auskunft gibt). Im Mai 1739 verstarb Anderson nach mehreren Krankheiten und wurde mit maurerischem Zeremoniell beigesetzt.

Andreas Önnerfors

Literatur

A. Önnerfors, Mystiskt brödraskap – mäktigt nätverk: studier i det svenska 1700-talsfrimureriet, Lund 2006.

I. Schmidt Voges, De antiqua claritate et clara antiquitate Gothorum: Gotizismus als Identitätsmodell im frühneuzeitlichen Schweden, Frankfurt/M. 2004

D. Stevenson, Anderson, James (1679–1739), in: Le Monde maçonnique des Lumières, hg. von Charles Porset und Cécile Révauger, Paris 2013, Band 1, S.89 ff.

Ashmole, Elias (1619–1692)

Elias Ashmole wurde am 23.5.1617 in Lichfield in der englischen Grafschaft Staffordshire als Sohn eines Sattlers und einer verarmten Adelsdame geboren. Nach seinem Schulgang in Lichfield zog er als Sechzehnjähriger nach London, um sich unter Aufsicht seines Onkels James Pagit Studien des Rechts zu widmen. 1638 trat er einen Dienst am Hof des Kanzlers an und machte als Jurist Karriere. Zeit seines Lebens Royalist wurde Ashmole 1644 vom König Charles I. als Steueraufnehmer nach Staffordshire, später auch nach Worcester berufen. Ein Jahr später erfolgte die Beförderung in den Rang eines Quartiermeisters am königlichen Regiment in Oxford. Ashmole nahm jedoch wenig an den Ereignissen des englischen Bürgerkrieges (1642–1649) teil, sondern widmete sich stattdessen Studien der Naturalphilosophie, Mathematik und Astrologie/Astronomie (die exakten epistemologischen Grenzen zwischen diesen beiden Disziplinen sind in der frühen Neuzeit noch unscharf). Obwohl es keinen eindeutigen Beweis für seine Immatrikulation gibt, fällt in diese Periode auch Ashmoles Verbindung zur Universität Oxford, die er immer als seine Alma Mater betrachtete. Nach der Kapitulation der Stadt Worchester am 24. Juli 1646, die von royalistischen Truppen gehalten worden war, kehrte Ashmole zurück zu seinem Schwiegervater nach Staffordshire, wo er nach seiner Rekonvaleszenz auch „zum Freimaurer gemacht wurde. Nach dem Bürgerkrieg (der mit der Hinrichtung des Königs endete) folgte eine fünfzehnjährige Phase, in der Ashmole sich seinen zentralen Interessen widmete und wo sich seine Kontakte zu berühmten Astronomen/Astrologen wie George Wharton vertieften. Unter anderem übernahm Ashmole auch die Patenschaft des Londoner „Astrologer’s Club, deren Bibliothek er später der Universität Oxford übergab. Aber Ashmole interessierte sich, wie andere Universalgelehrte seiner Epoche, auch für viele andere Wissensbereiche wie Anatomie, Botanik, Mathematik und vor allen Dingen Alchemie/Chemie (auch hier gilt die bereits erwähnte epistemologische Unschärfe der Disziplinen). Anfang der 1650er-Jahre verließ Ashmole London und arbeite künftig eng zusammen mit dem berühmten Alchimisten und antiquarischen Forscher („antiquarian im frühneuzeitlichen Sinn) William Black-house of Swallowfield in Berkshire. Hier arbeitete Ashmole auch intensiv zu okkulten Werken und gab 1650 unter anderem eine Neuübersetzung von John Dee’s Fascilus Chemicus heraus. Zwei Jahre später folgte sein Hauptwerk „Theatrum Chemicum Britannicum, das dem Titel zum Trotz die größte Sammlung alchimistischer Poesie auf Englisch darstellt. Die Grenze zwischen Wissenschaft, Poetik und Politik war in dieser Periode schwer zu definieren und es war offenkundig Ashmoles Absicht, die Alchimie als historisches und politisches Erklärungsraster darzustellen. Ohne Zweifel zählten Ashmole und die Mehrheit seines antiquarischen Netzwerks zum königstreuen Lager und so wurde er nach der loyalistischen Restauration 1660 auch in eine sehr privilegierte Position am Hof erhoben. 1661 dann nahm Ashmole aktiv an der Gründung der „Royal Society teil, die sich im Wesentlichen aus Mitgliedern seiner früheren Netzwerke zusammensetzte. In den folgenden Jahrzehnten widmete sich Ashmole vertieft praktisch-antiquarischer Forschung, bereiste weite Teile Englands, um Grabmonumente, Manuskripte und materielle Kultur zu studieren. 1679 ging ein großer Teil seiner Sammlungen in Flammen auf, was wohlmöglich eine beitragende Ursache zur Etablierung des „Ashmolean Museum 1682 in Oxford darstellt. Das „Ashmolean" wurde zum ersten öffentlichen Museum Großbritanniens, jedoch auch ein Ort der Wissenschaft und öffentlichen Wissenschaftsvermittlung. Ashmole starb im Mai 1692 und wurde in der Kirche St. Mary in Lambeth beigesetzt.

Ashmoles besondere Stellung innerhalb der Geschichte der Freimaurerei beruht auf der traditionellen Annahme, dass er als erster „Gentleman in eine englische Freimaurereloge aufgenommen worden sei. Im Quellenmaterial zu Ashmoles Biografie (in der Bodleian Library, Oxford) finden sich zwei Hinweise dazu. Im ersten Hinweis notiert Ashmole, dass er am 16.10.1646 um 4.30 Uhr nachmittags in Warrington in Lancashire zum Freimaurer gemacht worden sei. Die Namen weiterer Anwesenden wurden ebenfalls erwähnt. In Ashmoles chiffrierten Büchern findet sich ein weiterer Hinweis auf die Aufnahme und Mitgliedschaft in der frühen englischen Freimaurerei. Ashmole erwähnt hier, dass er am 10.3.1682 eine Einladung zu einer Logenzusammenkunft in der Londoner Masons Hall erhalten habe. Er sei dieser Einladung nachgekommen und bei der Zusammenkunft seien sechs Männer als „aufgenommene („accepted im Englischen) Maurer Mitglieder der „Gesellschaft der Freimaurer geworden. Offenkundig ist daher von personellen, möglicherweise auch organisatorischen Verbindungen der Logen zwischen 1646 und 1682 auszugehen. Weiteres Quellenmaterial belegt, dass Ashmoles Aufnahme kein Einzelfall und auch sicherlich nicht der erste in England gewesen ist. Aber durch Ashmoles Status als herausragender Wissenschaftler und Intellektueller wird die Praxis der „Aufnahme („acception) in einen besonderen Kontext gestellt. Unter anderem kann sich die These hinterfragen lassen, inwieweit sich die „operative Freimaurerei vor ihrem modernen (und nicht belegbaren) Gründungsdatum 1717 nicht doch ausführlicher „Spekulation widmete. Dadurch werden unter anderem eher ideengeschichtliche Kontinuitäten als Brüche hervorgehoben.

Andreas Önnerfors

Literatur

J.J. Gebauer (Hg.), Sammlung merkwürdiger Lebensbeschreibungen, Teil 4, Halle 1757, S.735 ff.

M. Scanlan und V. Feola, Ashmole, Elias (1617–1692), in: Le Monde maçonnique des Lumières, hg. von Charles Porset und Cécile Révauger, Paris 2013, S.150 ff.

J.J. Wierz, Der Aufgezogene Vorhang der Freymaurerey, Frankfurt a.M. 1790, S.49 ff.

Benedek, Marcell (1885–1969)

Marcell Benedek war der letzte Großmeister der ungarischen Freimaurerei während der anfangs vielversprechenden historischen Periode in Ungarn vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis zur kommunistischen Machtübernahme. Bis zur Wiederherstellung der Freimaurerei in Ungarn Ende 1989 war seine Persönlichkeit ein Symbol des Überlebens freimaurerischer Werte.

Er kam aus einer sehr bekannten ungarischen Intellektuellenfamilie in Siebenbürgen, sein Vater, Elek Benedek (1859–1929), ein bekannter Literat, erblickte das Licht in der liberalen ungarischen Loge „Demokrácia (Demokratie) 1890, kurz nachdem sich 1886 der ungarische „Grand Orient und die „Johannislogen in der „Symbolischen Großloge von Ungarn zusammenschlossen. Die Frau von Benedek war die Tochter eines Bruders in dieser Loge: Béla Győri, ein Angestellter der ungarischen Staatseisenbahn. Marcell Benedek beantragte die Aufnahme in die Loge „Deák Ferenc a testvériséghez (Ferenc Deák zur Verbrüderung) 1910. Der 25-jährige Graduierte der philosophischen Fakultät der Budapester Universität war zu dieser Zeit unter dem Einfluss radikaler demokratischer Ideen (Kampf gegen soziale Ungleichheiten, Trennung des Staates von den Kirchen, Antiklerikalismus), die von ihm gewählte Loge übte eine sehr aktive und vielseitige karitative Tätigkeit aus. Er arbeitete als Mittelschullehrer, gleichzeitig schrieb er viele Zeitungs- und Zeitschriftenartikel über literarische Themen und übersetzte klassische englische und französische Autoren (G.B. Shaw, Anatole France, Stendhal, Victor Hugo, Maupassant, Balzac, Martin du Gard, Racine, Corneille) auf Ungarisch. In der Loge fand er die seinen Gaben am meisten entsprechende Aufgabe: Er half bei der Aufstellung von „Volksbibliotheken und hielt viele popularwissenschaftliche Vorträge. Im Laufe des Ersten Weltkrieges, genauso wie im Falle der überwiegenden Mehrheit der ungarischen Freimaurer, stand die Erleichterung der Leiden der Opfer des Krieges im Zentrum seiner freimaurerischen Tätigkeit. Im Herbst 1917 war er schon Generalsekretär der Symbolischen Großloge von Ungarn. Im Laufe der bürgerlichen und sozialistischen Revolutionen 1918–1919 bekam er einen Lehrauftrag an der Budapester Universität. Nach dem Zusammenbruch der Revolutionen und als die Freimaurerei von dem revolutionären sozialistischen Staat genauso wie von dem gegenrevolutionären, autoritären Horthy-Regime eingestellt wurde, konnte er nicht mehr als Professor und Lehrer arbeiten. Er war als Verlagslektor und gleichzeitig als vielseitiger Journalist, Schriftsteller und Übersetzer tätig und blieb auch sehr aktiv in dem verbotenen, aber tolerierten Freimaurerleben in Budapest. Nach der deutschen Besatzung Ungarns im März 1944 übersiedelte er mit seiner Familie nach Siebenbürgen. Nach Ende des Krieges war er wieder als Professor (an der Universität von Klausenburg) und im Ungarischen Theater der Stadt als Dramaturg und Regisseur tätig. Im Sommer 1947 siedelte er nach Budapest zurück. Seine Entscheidung wurde hauptsächlich von den ihn erwartenden freimaurerischen Aufgaben motiviert. Anfang 1948 war er schon Meister vom Stuhl der „Deák Loge und im März 1949 wurde er zum Großmeister der Symbolischen Großloge von Ungarn gewählt. Die kurze Zusammenfassung seines Programms wurde in der kollektiven Erinnerung der ungarischen Freimaurerei bis heute bewahrt: „[…] schön leben, solange es möglich ist, und schön sterben, wenn man sterben soll. Als ein sensitiver und erfahrener Intellektueller spürte er zur Zeit seiner Wahl zum Großmeister schon die kommenden großen politischen und sozialen Änderungen. Anfang 1950 schrieb er davon, dass die Freimaurerei nicht mehr in der Lage sei, die Welt zu verbessern, mit weißen Handschuhen auf der Hand wäre das kaum möglich. Mitte Juni 1950 wurde die Symbolische Großloge von Ungarn aufgelöst und das Logenhaus verstaatlicht. Es kam zu keiner Verfolgung der Freimaurer, vielleicht wegen ihrer relativ begrenzten politischen und sozialen Ausstrahlung, vielleicht auch, weil einige leitende ungarische kommunistische Funktionäre zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg Mitglieder der von den Freimaurern unterstützten „fortschrittlichen" Organisationen waren. Die Staatssicherheit beobachtete aber die weitere beschränkte karitative Tätigkeit und die gelegentlichen Zusammenkünfte.

Marcell Benedek unterrichtete bis 1962 an der Budapester Universität und publizierte sehr viel: belletristische genauso wie literaturhistorische Werke. Während der letzten Jahre seines Lebens war er schon praktisch blind und konnte immer schwieriger arbeiten. Obwohl er dafür natürlich keine offizielle Möglichkeit hatte, übergab er 1962 informell die Leitung der Ungarischen Freimaurerei einem jüngeren Bruder, György Takács. Sein Haus war bis zu seinem Tode nicht nur ein Treffpunkt von Brüdern, sondern auch ein, von seinem Sohn, Istvan Benedek (Schriftsteller, Psychiater), geleiteter literarischer Salon.

Benedek vertrat die wichtigen humanistischen Werte der ungarischen Freimaurerei, sein literarisches und freimaurerisches Lebenswerk sind noch immer nicht genügend geachtete Leistungen im Pantheon moderner ungarischer Kultur.

Attila Pók

Literatur

I. Benedek, Benedek Marcell, Budapest 1997.

S. Benedek, A szabadkomuves Benedek Marcell (Marcell Bendek, der Freimaurer) (39/6). Új Forrás 2007.

Z. Berényi, Budapest és a szabadkomuvesség (Budapest und die Freimaurerei), Budapest 2005.

Bischoffwerder, Johann Rudolf von (1741–1803)

Bischoffwerder wurde am 13.11.1741 in Ostramonda in Thüringen geboren als Sohn des kursächsischen Rittmeisters Hans Rudolf Bischoffwerder und der Henriette Wilhelmine geb. von Bünau. Der 15-Jährige ließ sich am 15.4.1756 in Halle an der juristischen Fakultät der Universität Halle (Saale) immatrikulieren. Er wurde am 23.11.1758 Mitglied der Loge „Philadelphia zu den drei goldenen Armen in Halle, der Feldmedikus Johann Wilhelm Kellner v. Zinnendorf angehörte. 1760 trat er in das preußische Kürassierregiment Nr.11 Leib-Carabiniers ein, wurde 1761 zum Kornett befördert und nahm unter Prinz Heinrich 1762 an der Schlacht bei Freiberg teil. Nach seinem Abschied im Juli 1763 ließ er sich als Rittergutsbesitzer in der Oberlausitz nieder und trat als kursächsischer Kammerherr und Stallmeister in die Dienste des Herzogs Karl Christian Joseph von Kurland, des Superiors und Protektors der VII. Provinz des Templerordens der Strikten Observanz in Sachsen. Bischoffwerder wurde 1765 in Görlitz Mitglied der Schottenloge „Zur gekrönten Schlange (Präfektur Baruth, Ordensname Eques a grypho). Er lernte 1772 auf dem Konvent von Kohlo (Niederlausitz) den Berliner Delegierten Johann Christoph Woellner kennen. 1774 führte ihn die Loge Minerva in Leipzig, wo er sich dem freimaurerischen Magier und Alchemisten Johann Georg Schrepfer anschloss; er war Zeuge seines Selbstmords 1774 im Rosenthal bei Leipzig.

Im Bayerischen Erbfolgekrieg 1778/79 scheiterte Bischoffwerders Einstellung als Adjutant im Sächsischen Korps Prinz Heinrichs trotz Empfehlung des Generals Friedrich August Prinz von Braunschweig (Nationalgroßmeister in den Preußischen Staaten) an der Ablehnung des kursächsischen Königs, er stellte aber auf Vorschlag des Prinzen im Range eines Majors ein sächsisches Freikorps auf. Nach dem Hubertusburger Frieden lebte Bischoffwerder als königlicher Pensionär in Potsdam, wo er das Vertrauen des Prinzen von Preußen Friedrich Wilhelm gewann. Er besuchte, obwohl kein Mitglied einer preußischen Loge, mit ihm wiederholt die Potsdamer Zinnendorfsche Loge „Minerva. Am 24.12.1779 nahm ihn der theosophisch-alchemistische Gold- und Rosenkreuzerorden auf (Ordensname Farferus Phocus Vibron de Hudlohn). Er gründete in Potsdam mit Mitgliedern der Logen „Zu den drei Weltkugeln und der „Minerva den Ordenszirkel „Farferus. Am 8.8.1781 nahmen Herzog Friedrich August, Johann Christoph Woellner und er (als künftiger Geleitmann des Kronprinzen) Friedrich Wilhelm in den Orden auf. Nach dessen Thronbesteigung am 17.8.1786 übte Bischoffwerder erheblichen politischen Einfluss aus, ohne je ein Ministeramt zu besitzen. Friedrich Wilhelm II. ernannte ihn am 30.8.1786 zum Oberstleutnant und Flügeladjutant, 1787 zum Oberst, 1789 zum Generaladjutant, 1790 zum Chef des Feldjägerkorps zu Pferde, 1791 zum Generalmajor und 1796 zum Generalleutnant. Bischoffwerder nahm 1791/92 an den Verhandlungen zur Verständigung mit Österreich (1791 Pillnitzer Konvention) und zum Bündnis gegen das revolutionäre Frankreich (1792 Erster Koalitionskrieg) teil. Friedrich Wilhelm III. pensionierte ihn am 3.1.1798. Bischoffwerder starb am 30.10.1803 auf seinem Gut Marquard bei Potsdam.

Karlheinz Gerlach

Literatur

K. Gerlach, Die Gold- und Rosenkreuzer in Berlin und Potsdam (1779–1789). Zur Sozialgeschichte des Gold- und Rosenkreuzerordens in Brandenburg-Preußen, in: QC-Jahrbuch 32 (1995), Bayreuth, S.87 ff.

J. Hartmann, Bischoffwerder, Hans Rudolf von, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd.2 (1876), S.675 ff.

J. Schultze, Hans Rudolf von Bischoffwerder, in: ders., Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte. Ausgewählte Aufsätze. Vorwort Wilhelm Berges (Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin, Bd.13), Berlin 1964, S.266 ff.

Blücher, Gebhard Lebrecht Fürst von Wahlstatt (1742–1819)

Gebhard Lebrecht von Blücher wurde am 16.12.1742 in Rostock (Herzogtum Mecklenburg-Schwerin) als Sohn eines ehemaligen hessen-kasselschen Rittmeisters geboren. Er trat 16-jährig im Siebenjährigen Krieg auf der Seite Schwedens in die Husareneskadron Graf Putbus ein, nahm am 12.8.1759 an der Schlacht bei Kunersdorf teil und wurde schließlich am 22.8.1760 in Vorpommern von den schwarzen Belling-Husaren (Husarenregiment Nr. 8) gefangen genommen. Als Oberst Wilhelm Sebastian von Belling feststellte, dass er mit Blücher verwandt war, nahm er ihn am 20.9.1760 als Kornett in sein Husarenregiment Nr.8 auf. Belling, ein Schüler Zietens, wurde sein Lehrmeister, von ihm erlernte er das Husarenhandwerk. Ab 1770 stand das Regiment an der polnischen Grenze. Da Friedrich II. mit Katharina II. über die (Erste) Teilung Polens einig werden wollte, wünschte er keine Konflikte mit den Polen. Als Blücher nach einem Überfall der polnischen Konföderierten einen des Verrats beschuldigten Geistlichen zum Schein vor ein Erschießungskommando stellte, überging Friedrich II. ihn bei der Beförderung zum Eskadronchef, worauf er um seinen Abschied bat, jedoch unehrenhaft aus der Armee entlassen wurde.

Blücher heiratete 1773 die Tochter eines früheren polnischen Obersten, er ließ sich im Netzedistrikt und dann in Hinterpommern als Grundherr nieder und wurde 1784 Deputierter bei der Landschaftsdirektion. In Pommern begann Blüchers Laufbahn als Freimaurer. Er trat am 6.2.1782 der Loge „Augusta zur goldenen Krone in Stargard bei, die ihn am 30.8.1784 zum Meister beförderte; er gehörte als Ehrenmitglied ihr (bzw. ihrer Nachfolgerin „Julius zur Eintracht) bis zu seinem Tode an.

Friedrich Wilhelm II. stellte Blücher 1787 als Major und Eskadronchef in seinem alten Husarenregiment wieder an. Er nahm 1793–1795 am Ersten Koalitionskrieg gegen Frankreich teil, erhielt 1794 das Husarenregiment im Range eines Generalmajors, war 1795–1801 Oberbefehlshaber des Kordons an der Demarkationslinie zu Frankreich

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