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Hin und weg: Tagebuch einer Weltreise
Hin und weg: Tagebuch einer Weltreise
Hin und weg: Tagebuch einer Weltreise
eBook416 Seiten5 Stunden

Hin und weg: Tagebuch einer Weltreise

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Über dieses E-Book

Aufstehen. Arbeiten. Essen. Schlafen. Und dasselbe von vorn. Immer wieder.
Mättu und Evee wollen mehr vom Leben. Sie beschließen, Job und Wohnung zu kündigen, in die Welt hinaus zu ziehen und Neues zu erleben. Was als einjährige Reise um den Globus geplant war, stellt sich schnell als Reise zu sich selbst, zu den eigenen Sehnsüchten und bereits abgehakten Lebensträumen heraus. Stets auf der Suche nach Antworten starten sie einen Blog, in dem sie das Erlebte verarbeiten und den Daheimgebliebenen von der Fremde berichten. Die so entstandenen Texte erzählen von berührenden Begegnungen, entlegenen paradiesischen Orten und schonungslos ehrlichen Auseinandersetzungen mit der Welt und sich selbst.
Dieses Buch ist keine gewöhnliche Aneinanderreihung von Reiseberichten. Es ist ein Reisetagebuch mit vielen persönlichen, detaillierten Schilderungen über die Wahrnehmung des Fremden aus der Sicht zweier inspirationshungriger Spätzwanziger, vollgespickt mit intimen und humorvollen Einsichten über die eigenen Vorurteile und Abgründe, wie sie sich einem nur auf Reisen offenbaren.
„Die Kultur, in der wir aufwachsen, bestimmt einfach alles. Sämtliche Wertungen und Definitionen von schön und hässlich, erstrebenswert und verwerflich, gut und böse, kannst du über den Haufen werfen, wenn du auf Reisen bist. Es ist, als käme man gerade erst auf die Welt. Hilflos wie ein Neugeborenes, ohne Bezugspunkt, ohne Referenz. Einzig ein dicker Reiseführer sagt dir, wie du dich fühlen und kleiden sollst. Und obwohl du schon hunderte Male darüber gelesen hast, verhält es sich mit dem Reisen in ferne Länder ähnlich, wie mit der Liebe: Erst wenn du es selbst erlebst, erkennst du, was es wirklich bedeutet.“
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum31. März 2016
ISBN9783738661460
Hin und weg: Tagebuch einer Weltreise
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Autor

Eveline Schwegler

Eveline „Evee“ Schwegler (*1983), aus Willisau, hat nach dem Studium der Politikwissenschaft in Zürich auf die Karte Medien gesetzt und bei Radio Pilatus eine Ausbildung als Radiojournalistin absolviert. Ihre Begeisterung für analoge Fotografie hat sie auf Weltreise aus Platzgründen zugunsten der digitalen aufgegeben. Gegenwärtig ist sie für die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig, sowie als freiberufliche Autorin und Moderatorin.

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    Buchvorschau

    Hin und weg - Eveline Schwegler

    Abenteuer.

    COUNTDOWN

    SAMSTAG, 25. FEBRUAR 2012

    T Minus 55 Tage

    Evee. Der Tag der Abreise rückt näher! Langsam aber sicher sollten wir uns um die Visa kümmern. Unser (vorläufiges) Reiseprogramm sieht in etwa so aus:

    20. April: Abreise nach Südafrika, wo wir zunächst einige Tage bei einem alten Freund von Mättus Vater bleiben. Anschliessend sechswöchige Tour durch Afrika: Namibia, Botswana, Sambia, Simbabwe, Malawi, Tansania bis nach Nairobi (Kenia). Dort wohnen wir eine Weile bei meiner Freundin Isa, die praktischerweise dort soeben einen neuen Job angenommen hat.

    Mitte Juni geht’s weiter nach Nepal und Indien, wo wir uns den Bauch mit indischem Essen vollschlagen und den Speck im Himalaya anschliessend wieder abtrainieren.

    Im Juli besuchen wir Südostasien, also Thailand, Vietnam, Laos und Kambodscha. Dort kriechen wir bei unserer Freundin Corinne unter. Die ist Tauchlehrerin auf der thailändischen Insel Ko Tao. Je nach Wetter machen wir einen spontanen Abstecher nach Bali (Indonesien).

    Ungefähr im November reisen wir weiter nach Australien, wo wir einen Monat lang im Camper von Sydney bis Adelaide fahren. Danach geht’s auf die Fiji Inseln, wo wir uns nichts als die Sonne auf den Bauch scheinen lassen.

    So um Weihnachten werden wir in Neuseeland landen, wo wir einen Monat lang im Mietauto durch die Nord- und Südinsel tuckern und nach Frodo und dem Ring suchen. Anschliessend geht’s nach Tahiti, von wo aus wir die Südsee erkunden und vielleicht mit dem Frachtschiff auf die Marquesas fahren…

    Danach geht’s weiter zur Osterinsel inmitten des Pazifiks. Ungefähr im Februar 2013 kommen wir dann in Santiago de Chile an, von wo aus wir das letzte Stück der Reise planen. Je nach Geld und Zeit lassen wir uns durch Südamerika treiben. Voraussichtlich Ende März dann machen wir uns auf den Rückflug von Lima (Peru) zurück nach Zürich.

    Aber zuerst noch müssen wir Mättus CD-Taufe feiern, aufhören zu arbeiten, umziehen, packen und ach ja… heiraten!

    FREITAG, 9. MÄRZ 2012

    Die letzten Tage des Junggesellenlebens

    Evee. Apropos heiraten… bald ist es soweit. Das Menü ist ausgewählt, das Aufgebot bestellt, das Brautkleid so gut wie fertig. Nur der Anzug des Bräutigams fehlt noch…

    DONNERSTAG, 5. APRIL 2012

    Wedding Day

    Evee. Nun ist es amtlich: Wir sind Mann und Frau! Am 30. März 2012 haben wir uns im Standesamt in Willisau das Ja-Wort gegeben.

    Nach dem Apéro im Schlosshof ging’s weiter in den wunderschönen Rosengarten oberhalb der Stadt Bern, wo wir mit unseren Freunden und Familien fürstlich verköstigt wurden. Im Hotel Gurten haben wir den wunderschönen Tag zu zweit ausklingen lassen.

    Besten Dank an alle! Wir haben den Tag unglaublich genossen! Nun also kann die Weltreise kommen. Bald geht’s los!

    FREITAG, 20. APRIL 2012

    Bye bye Schweiz, hallo Welt!

    Evee. So, nun ist es soweit! Der Tag der Abreise ist da. In einigen wenigen Stunden sitzen wir im Flieger nach London, von da aus geht’s nachher weiter nach Kapstadt. Dort verbringen wir die ersten Tage bei Freunden von Mättus Vater, bevor es am Mittwoch auf die sechswöchige Afrika-Tour geht. Von dort aus sind wir dann wohl nicht mehr so gut erreichbar, aber auch in Afrika soll man hie und da Handy-Empfang haben.

    Die Probleme mit dem Visum für Malawi werden wohl auch irgendwie noch behoben werden. Gestern (!) hat unser Reiseveranstalter nämlich noch gemerkt, dass wir vorab ein Visum für Malawi brauchen. Dumm bloss, dass die Malawische Botschaft in Brüssel ist. Und ob man das Visum sonst wo besorgen kann, steht in den Sternen. Nun gut, schlimmstenfalls überspringen wir dann halt den Malawi-Teil der Tour. Jedenfalls geht’s jetzt in die finale Packrunde: Taschentücher, Gastgeschenke und Pässe liegen griffbereit.

    Liebe Leute zu Hause: Wir wünschen Euch ein wundervolles Jahr mit tollen Erlebnissen, die’s ja auch hier gibt. Wir melden uns, sobald wir Zugang zu Internet etc. haben. Wir freuen uns über alle SMS, Facebook-Nachrichten, Emails und Blog-Kommentare! Schliesslich werden wir ja auch zwischendurch etwas Heimweh verspüren. Also, spart nicht mit Nachrichten.

    Herzlichen Dank nochmals an alle, die uns geholfen haben, diesen Traum zu verwirklichen! Alles Gute!

    Mättu & Evee

    AFRIKA

    DIENSTAG, 1. MAI 2012

    Hello from Swakopmund – Namibia

    Evee. Endlich Internet! Nach rund zehn Tagen auf Weltreise haben wir zum ersten Mal Internetzugang und ganz ehrlich: Das ist herrlich!

    Die ersten Tage haben wir wie geplant in der Nähe von Kapstadt bei Freunden von Mättus Vater verbracht. Sie haben uns herzlich in Empfang genommen und uns die Umgebung rund um Kapstadt gezeigt. Kapstadt selbst haben wir auf eigene Faust erkundet und zwar ganz touristengerecht mit dem roten Hop-On/Hop-Off Bus. War gar nicht mal so schlecht, zumal die Tafelberg-Seilbahn aufgrund des starken Windes sowieso geschlossen war und mit dem Bus konnten wir zumindest bis zur Talstation fahren und die Sicht auf Kapstadt geniessen.

    Zwei Tage später ging’s dann los mit der Overlander-Tour und bis jetzt können wir sagen, ist es echt super! Wir sind ziemlich froh, dass wir Afrika nicht mit dem Mietauto bereisen, denn wie wir gesehen haben, kann das ziemlich gefährlich sein. Vor allem die Strassen sind unberechenbar. Schon mehr als einmal haben wir am Strassenrand Mietautos gefunden, die sich überschlagen haben.

    Im Moment sind wir rund zehn Leute im Tour-Truck, davon zwei Tourbegleiter. Die sind sehr kompetent, wissen praktisch alles rund um Afrika und kochen auch noch sehr gut. Denn meistens werden wir aus der Truck-Küche bekocht. Janis, wie wir den Truck liebevoll nennen, wurde speziell für diese Art von Tour designt und hat überall irgendwo eine Luke, wo genau ein Tisch, ein Stuhl, ein Zelt oder anderes Material verstaut werden kann.

    Die Fahrten in Janis sind lang, aber relativ komfortabel. Die Nächte verbringen wir meistens im Zelt, das wir mittlerweile recht schnell auf- und abbauen können (Sturmschnüre nicht inbegriffen). Und wir haben gemerkt: In Afrika ist es nicht per se warm, in den frühen Morgenstunden wird’s ziemlich kalt und das Thermometer rutscht gerne mal unter 5°C. Das Material, die Kleider und unsere Schlafsäcke sind aber ziemlich robust, alles in allem haben wir wohl das Richtige eingepackt. Allzu viel Zeit verbringen wir jeweils aber nicht in unseren Zweier-Zelten, denn meistens räumen wir das Lager noch vor sechs Uhr früh! Das hat uns am ersten Morgen noch etwas Sorgen bereitet, doch mittlerweile steigt sogar Mättu leichtfüssig aus den Federn.

    Nachdem wir die südafrikanische Hauptstadt hinter uns gelassen haben, haben wir unsere erste Nacht auf einem komfortablen Zeltplatz inmitten von Orangenhainen nördlich von Kapstadt verbracht. Den nächsten Tag haben wir dann mehrheitlich im Bus zugebracht, wir mussten schliesslich unser nächstes Lager vor Sonnenuntergang erreichen. Angekommen am Orange River an der Grenze zu Namibia hatten wir dann das erste Mal Zeit, Afrika etwas von der ruhigeren Seite zu geniessen. Der breite, leise fliessende Orange River bot wirklich einen einzigartigen Anblick.

    Am Tag darauf überquerten wir die Grenze zu Namibia – ein Land das zuerst unter der Herrschaft der Deutschen und später unter der Fuchtel der Südafrikaner war. Heute ist Namibia seit mittlerweile 20 Jahren unabhängig und die Touristen bringen zumindest etwas Geld ins Land. Verständlich, denn es ist ein wunderschönes Land. Die hellgrünen Graslandschaften, die Dünen der Wüste und die endlose Weite mit kilometerweise nichts als freier Natur sind wirklich atemberaubend. Der Sonnenuntergang in der Wüste Namib war mitunter das Schönste, das ich je in meinem Leben gesehen habe!

    Nun sind wir mittlerweile in Swakopmund angekommen, einer sehr touristischen, verhältnismässig reichen Stadt in Namibia. Hier haben wir zwei Nächte in einem Hostel mit richtigen Betten verbracht. Morgen geht es nun weiter Richtung Etosha Nationalpark, wo wir dann zum ersten Mal so richtig auf Safari gehen. Doch schon jetzt haben wir einige wilde Tiere ganz in der Nähe der Strassen gesehen: Springboks (afrikanische Rehe), Kudus (grosse Rehe), Strausse und Zebras. Bevor es ab morgen aber wieder in den Busch geht, duschen wir nochmals so richtig. Denn danach haben wir fast drei Tage lang keine Gelegenheit dazu. Nun gut, dann muss halt das Deo auch mal was tun.

    Fazit also nach den ersten zehn Tagen der Weltreise: Uns geht’s gut, Afrika ist wunderschön doch Internet ist rar. Warten wir ab, wann wir das nächste Mal Gelegenheit haben zu schreiben. Bis dahin drücken wir Euch alle ganz lieb und hoffen, Euch geht’s auch gut!

    SONNTAG, 6. MAI 2012

    Zurück von der Safari

    Evee. Wir sind mittlerweile in Windhoek (sprich Windhuk), der Hauptstadt von Namibia angelangt. Hier verbringen wir die Nacht erneut in einer Pension, wo wir uns von den Strapazen des Campens erholen können. Internet funktioniert, aber nur sehr langsam. Immerhin.

    Die letzten zwei Tage haben wir im Etosha Nationalpark verbracht. Mit unserem Vehikel Janis sind wir kreuz und quer gefahren, stets auf der Suche nach einem Elefanten, Löwen, Geparden oder Nashorn. Und tatsächlich haben wir einige Löwen und Elefanten, Zebras, Springboks, Schakale und Kudus aus nächster Nähe gesehen.

    Seit Swakopmund haben wir drei Leute mehr mit auf der Tour. Alles Deutsche. Eine ist sogar über 70. Zum Campen taugt sie leider gar nicht. Die anderen beiden können kaum Englisch und haben einen etwas nervigen Sächsischen Akzent. Nun denn…

    Uns geht’s weiterhin gut, allerdings plagen uns einige Magenprobleme. Nein, kein Durchfall.

    Je weiter östlich wir gelangen, umso schwieriger dürfte alles werden. Ostafrika ist offenbar eine ganz andere Welt als die, in der wir uns derzeit befinden. Südafrika, Namibia und Botswana sind noch recht westlich. Danach nimmt’s rapide ab, sagt jedenfalls unser Tourleader Norman. Mal sehen. Morgen geht’s jedenfalls über die nächste Grenze nach Botswana, ab ins Okavango-Delta.

    DIENSTAG, 8. MAI 2012

    Eine Legende ist geboren

    Evee. Hellau aus Maun – Botswana! Mättu und ich sind mittlerweile eine Station weiter und weilen nun in einer Stadt namens Maun. Hier campen wir erneut ziemlich im Busch und versuchen uns von der Nacht in der Kalahari zu erholen. Es war saukalt! Ausserdem haben wir’s im Moment etwas mit dem Magen. Aber das gehört hier zum guten Ton. Wahrscheinlich eine Kombination aus ungewohntem Essen, heissem trockenen Klima und den sehr langen Busfahrten. Stinken tun wir wohl auch etwas. Mättu hatte letzthin schon Angst, sich eine „Füdlivergiftung" zu holen von all den Käsefüssen, die jeweils auf den Bussitzen liegen. Aber alles in allem sind wir wohlauf.

    Je weiter ostwärts wir fahren, umso ärmer werden die Menschen. Jedenfalls deuten die Behausungen darauf hin. Die Leute wohnen oft in einfachen Hütten aus Lehm und Stroh. In so was würden wir in der Schweiz noch nicht mal unser Holz stellen. Komischerweise gibt es in Botswana keine Zäune, aber sehr viel Vieh. Und so kommt es, dass ich hier inmitten einer Stadt am Computer sitze und neben mir steht ein Huhn. Auch zum Autofahren ist’s hier bestimmt nicht einfach.

    Morgen fahren wir ins Okavango Delta. Dort gibt es noch nicht mal einen Zeltplatz. Wir werden inmitten der Wildnis campen. Deshalb müssen wir auch, bevor wir uns nachts aufs nicht vorhandene Töpfchen schleichen, mit der Taschenlampe vors Zelt leuchten. Ansonsten könnte uns da eine Überraschung erwarten. Einige Menschen, die schon im Delta waren, sagen aber, es sei der schönste Ort der Welt. Das lassen wir uns also bestimmt nicht entgehen!

    Vom Malawi-Visum gibt’s auch was Neues: Damit wir da überhaupt einreisen dürfen (übrigens ist das für alle anderen Europäer kein Problem, nur für Schweizer), müssen wir nun express ein Visum in der Hauptstadt von Sambia, Lusaka, besorgen. Die Tour führt da zwar durch, hält aber nur kurz. Deshalb verlassen wir in Victoria Falls (Simbabwe) kurzzeitig die Tour und fliegen voraus um so etwas mehr Zeit in Lusaka zu haben, damit wir das Visum für Malawi dort beantragen können.

    Unser Reisebüro bezahlt das übrigens alles, weil es ja deren Fehler war. Die waren sehr unkompliziert, wir konnten sogar den Flug wählen (hätte auch Busse gegeben). Im Trockenen ist aber noch nichts, da laut der Internetseite der malawischen Botschaft ein Visum zu erhalten drei Tage dauert. Nun hoffen wir, dass wir die Leute dort überzeugen können, etwas schneller zu arbeiten.

    MONTAG, 14. MAI 2012

    Die ersten vier Wochen in Afrika

    Mättu. Hallo, liebe Freunde. So, die erste Hälfte der Afrika-Tour ist vorbei. Zeit für meinen ersten Blogeintrag. Vorab: Afrika ist gar nicht so anders. Auch hier gibt es Strassen und Häuser und Geschäfte. Aber der Reihe nach.

    Nach dem ersten Flug Zürich–London–Kapstadt verbrachten wir die ersten paar Tage in Kapstadt und Umgebung bei Jürg und Ingrid, einem Schulkollegen meines Vaters und seiner Frau (Danke!).

    Kapstadt und vor allem die Umgebung sind wunderschön: das Kap der Guten Hoffnung, die Pinguine bei Simon’s Town, die Baboons (Affen) auf der Strasse, der Strand bei Camps Bay, die wilden Seals (Seelöwen), der Tafelberg mit dem Lions Head und dem Signal Hill. Nebst der schönen Landschaft war es für mich aber vor allem eine Reise zurück in den Geschichtsunterricht.

    Seit die Buren (niederländische Bauern) und später die Engländer hier gewütet haben, ist das Land tief gespalten. Die Gräben zwischen Schwarz, Weiss und Coloureds (Mischlinge) sind riesig. Genauso wie die Schere zwischen Villenviertel und Townships. War die Apartheid früher „rechtlich", so ist sie heute wirtschaftlich. In den Townships gibt es inzwischen Unruhen zwischen den einheimischen Südafrikanern und den Ausländern, wie zum Beispiel den Wirtschaftsflüchtlingen aus Simbabwe, die nach Südafrika kommen um zu arbeiten.

    Als ich mein KFC-Menü an der Waterfront in Kapstadt nicht zu Ende gegessen hatte, kam Virginia aus Port Elizabeth zu mir und fragte, ob sie es haben könne. Sie ass mein angekautes Poulet.

    Von Kapstadt ging’s dann auf die Nomad-Tour. In 42 Tagen von Kapstadt nach Nairobi. Camping anstelle Unterkunft mit richtigem Dach ist etwa um die Hälfte günstiger. Aber die Zelte sind in fünf Minuten auf- und wieder abgebaut. Man (sogar ich) gewöhnt sich dran.

    Die Trucks sind extra für diese Art zu reisen gebaut (in jede Luke passt noch ein Tisch). Und die Trucks kriegen Namen von verstorbenen Sängerinnen. Unser Truck für die erste Tour-Hälfte hiess Janis (not a Mercedes-Benz but a Mitsubishi). Und vor allem waren Norman (der Tourguide) und Servius (der Fahrer) grossartig. Beide kommen aus Simbabwe. Ihr merkt es an der Vergangenheitsform: Im Moment sind wir in Simbabwe bei den Victoria Falls, und Janis sowie Norman und Servius werden ausgetauscht. Halbzeit halt.

    Zuvor ging es mit Norman, Servius, Eric und Louisa (US of A), Eddy (Niederlande), Jimmy Kim (Südkorea), Maita (Deutschland) und später Gerd, Sascha und Ursula (Deutschland) durch Südafrika, Namibia und Botswana.

    Was wir alles sahen: Strausse. Buschmänner, welche die Tiere anhand ihrer Spuren finden. Die Namib-Wüste komplett in grün (wegen des Niederschlags zuvor). Wunderschöne Sonnenauf- und –untergänge. Solitaire (die kleinste Stadt Namibias, welches von Deutschen besetzt war). Sonnenaufgang auf der Dune 45. Wir schwammen im Orange River (an der Grenze zwischen Südafrika und Namibia, die früher übrigens zusammen gehört haben und noch heute „die gleiche Währung" haben. 1 Südafrikanischer Rand = 1 Namibia Dollar). Fish River Canyon (der Grand Canyon von Afrika). Kleine afrikanische Städtchen (wie Bethanie) mit Leben auf der Strasse. Alte Leute ohne Zähne mit dem grössten Lachen im Gesicht. Löwen aus fünf Metern Nähe (Etosha National Park, Namibia). Swakopmund (sehr touristische aber sehr schöne kleine Stadt in Namibia). Spitzkoppe. Esel (werden zu meinen Lieblingstieren, nehmen sich Zeit). Kleine, junge, störrische Zebras (erinnern mich an Evee). Giraffen, Rhinos, Schakale. Windhoek (Hauptstadt Namibias). Okavango Delta. Hippos, Elefanten. Sterne des Südens (extrem viele und sehr nahe).

    So fuhren wir bisher durch Südafrika (Geschichte schon erzählt), Namibia (die Deutschen haben das als Kolonialmacht irgendwie einen Tick „besser" hingekriegt), Botswana (stabilste Demokratie Afrikas) und Simbabwe (Mugabe ist hier weit weniger umstritten als in Europa. In Windhoek gibt es sogar eine Strasse, die nach ihm benannt ist und in der Lobby unseres Hotels hängt ein Portrait von ihm).

    Wenn wir in den National Parks sind, machen wir mit Janis sogenannte Game-Drives. Da sahen wir auch die Löwen aus sicherer Distanz von fünf Metern. Im Okavango-Delta fuhren wir mit Nussschalen in die freie Wildnis. Evee wird noch über unsere Erfahrungen mit den Spinnen dort berichten.

    Uns geht es extrem gut. Irgendwie sind wir in den Spirit of Africa eingetaucht. Hier wird getanzt und gesungen – und einfach gelebt. Es wird mit der Natur gelebt. Die Tiere können sich frei bewegen. Das Reich der Pflanzen gilt als Apotheke, Elefantenscheisse wird als Insektenschutz verbrannt, die Energie wird von der Welt geborgt und nach dem Tod wieder zurückgegeben (die lebendigen Tiere essen die Überreste der toten). Wo die Armut nicht all zu gross ist, wie zum Beispiel in Maun (Botswana), lebt die Stadt. Es braucht nicht überall Parkbussen und die Streifen darf man gut und gerne den niedlichen Zebras überlassen.

    Afrika ist vor allem ein Gebiet aus verschiedenen Stämmen (tribes). Die Kolonialmächte kamen, nutzten Land und Leute aus und hinterliessen (abhängige) Nationalstaaten, was der europäische Weg sein mag, allerdings nicht viel mit Afrika zu tun hat. Hier in Simbabwe waren die Engländer aktiv. Nun sind die Shona, welche im Norden des Landes wohnen und mehr mit Tansania zu tun haben als mit Simbabwe und die Ndebele, welche im Süden des Landes wohnen und mehr mit den südafrikanischen Zulu zu tun haben, „gezwungen" gemeinsam in einer Nation zu leben. Sie sprechen noch nicht einmal die gleiche Sprache. Eine gemeinsame Währung gibt es auch nicht mehr. Hier bei den Vic Falls kann man in US-Dollar, Südafrikanischen Rand, Botswana Pula, Britischem Pfund und Euro bezahlen. Wenn das Wechselgeld fehlt (keine Münzen), dann gibt es im Supermarkt halt noch einen Kaugummi dazu. Norman (unser Tourguide, Shona) arbeitete früher in Simbabwe. Der Lohn reichte da gerade um die Busfahrt zum Arbeitsplatz zu bezahlen. Als er Schulden machen musste um zur Arbeit zu gehen, hat er gekündigt. Fortan arbeitete er auf dem Schwarzmarkt. Ein Liter Benzin konnte innert weniger Stunden doppelt so teuer sein. Aufgrund der Inflation kann man hier nun mit allem bezahlen und es gibt keine Währung mehr. Ach ja, auf der Strasse verkaufen sie heute noch die alten Billionen-Noten – als Souvenir.

    Ich glaube, wenn man Afrika helfen will, dann braucht es hier vor allem Bildung. Wenn die Shona und die Ndebele Englisch können, dann können sie zumindest zusammen sprechen. Zudem braucht es Knowhow. Nur so kann man die Schere zwischen Arm und Reich schliessen. Ubuntu (miteinander) ist eines der Wörter, welches ich gelernt habe. Ansonsten ist Afrika, wie gesagt, nicht so viel anders. Auch hier gibt es Poolhallen, in welchen man Manchester City gegen Manchester United sieht.

    Um den Kreis nach dem wirren Verlauf etwas zu schliessen hier die letzten Erkenntnisse: Evee ist wirklich ein Hundeflüsterer. Südkoreanerinnen schützen sich mit allem, was ein Supermarkt zu bieten hat, vor der Sonne (das ist hier ein bisschen schwierig, deshalb lustig). Auch wenn ich an einem Abend kurz Fieber hatte, habe ich keine Malaria. Mein neuer Übername ist Vasco (da Gama). Mit Evee habe ich mein Zuhause bei mir und ich habe meinen Schalter von Senden auf Empfangen umgeschaltet. Schön, wieder etwas zu erleben, zu sehen und zu lernen. Ich grüsse Euch ganz lieb! Alles Liebe und Gute und bis bald!

    Mättu

    PS: Morgen fliegen wir nach Lusaka (Sambia, Home of Emanuel Mayuka), wo wir hoffentlich das Malawi-Visum kriegen. Dann geht es weiter durch Malawi und Tansania bis zu Isa, Evees Freundin, nach Nairobi, Kenia. Ich freue mich!

    MONTAG, 14. MAI 2012

    Back from hell – zurück aus der Hölle

    Evee. Sind vier Elefanten zehn Millionen Spinnen wert? Ums gleich vorweg zu nehmen: Nein. Aber beginnen wir von vorne.

    In Maun, unserem letztem internetfähigen Zwischenstopp, blieben wir nur eine Nacht. Eine eher kalte Dusche vor dem Abendessen, dann Essen am Lagerfeuer, danach schnell ins „Bett". Am nächsten Morgen hiess es nämlich wie gewohnt früh aufstehen. Auch dies Mal zerlegten wir unser Zelt bereits vor Sonnenaufgang. Danach allerdings ging’s nicht sonst wieder zurück zu Janis, unserem Truck, sondern wir verluden alle unsere Zelte und etwas an Gepäck auf ziemlich alte, ziemlich stinkende Armeefahrzeuge. Ab ins Okavango-Delta!

    Eine recht holprige Stunde später kamen wir an unserem Ziel an: Dem letzten kleinen Stückchen Festland vor dem Delta. Von dort aus nahm das Übel seinen Lauf. Auf winzigen Langbooten, genannt Mokoros, fuhren wir drei Stunden (!) zu zweit eingepfercht auf dem Okavango-Fluss-Delta.

    Angestossen wurden wir von einer 33-jährigen Motswana, die dazu erstaunlicherweise nichts weiter benutzt hat, als einen langen Stock. Das lange Sitzen war bei weitem nicht mein grösstes Problem. Zunächst war’s ja noch ganz idyllisch, so ruhig und schön auf dem beschaulichen Okavango-Delta zu schippern. Doch als das Schilf dichter und die Seewege unerkennbarer wurden, kam’s dicke: Spinnen, Spinnen, überall Spinnen! Und das Schlimmste: Weil das Mokoro nur etwa 30cm hoch ist, darfst du auf keinen Fall wackeln, sonst landest du und dein Schlafsack im Wasser! Hmm, einfacher gesagt als getan, wenn die Mutter aller Spinnen zwischen deinen Beinen hockt! Also haben Mättu und ich all die Spinnen fein säuberlich und ruhig aus dem Boot schmeissen müssen!

    Phhhhh… ich sag’ euch, nach drei Stunden die Urangst schlechthin unterdrücken war ich komplett am Ende. Als wir endlich das rettende Festland im Delta erreichten, zitterte mein ganzer Körper, meine Nerven waren kaum noch vorhanden. Die nächsten zwei Tage lang konnte ich praktisch nichts essen, im Wissen darum, dass wir früher oder später den gleichen Weg wieder zurück nehmen würden.

    Im Delta selber gab’s nicht besonders viel zu tun. Direkt am Wasser unter ein paar Bäumen richteten wir uns ein sehr einfaches Zeltlager ein. Als WC diente uns lediglich ein ausgegrabenes Loch, auf das wir jeweils etwas Sand schütteten, nachdem wir unser Geschäft verrichtet hatten. Stühle, Tische gab’s natürlich nicht, einige Kochtöpfe, Konservendosen und abgefülltes Trinkwasser waren die einzigen erlaubten Luxusgüter an Bord der Mokoros.

    Ausserhalb des Camps durften wir uns nicht bewegen, schliesslich waren wir nun mitten im Busch und um die Ecke konnte jederzeit ein Elefant, ein Nilpferd oder ein Löwe auf uns lauern. Also taten wir, was wir schon länger nicht mehr getan hatten und legten uns wieder mal so richtig auf die faule Haut. Nix tun ausser lesen, jassen und viel viel schlafen.

    Gegen Abend nahmen uns die Einheimischen, die uns auf den Mokoros ins Delta gebracht hatten, mit auf einen Spaziergang in den Busch. Und tatsächlich, nach bereits wenigen Minuten entdeckten wir einen nun wirklich komplett wilden Elefanten. Wie man sich gut vorstellen kann, war der eher schlecht getarnt hinter den paar einsamen Palmen.

    Ein paar Schritte weiter kamen wir zum Hippo-Pool, wo sich ein paar launische Nilpferde aufhielten. Die essen das zwar keine Menschen, das hält sie aber nicht davon ab, manchmal einen zu töten, „schlicht weil sie es können", hat man uns gesagt. Auch als wir am zweiten Abend mit den Mokoros zu einem weiteren Hippo-Pool gefahren sind, haben Mättu und ich uns für die sichere Variante entschieden und haben die Hippos von einem kleinen Eiland aus beobachtet statt in den Booten selber. Es komme nämlich vor, dass die Hippos Boote kentern und die Menschen darin mit ihren Zähnen kurzerhand zerquetschen. (Bei dieser Mokorofahrt habe ich mir übrigens nicht mehr die Mühe gemacht, die Spinnen aus dem Boot zu werfen. Dies Mal habe ich mich bewaffnet und hab sie mit der Wasserflasche platt gemacht.)

    Nun gut, zwei Tage auf einer kleinen Insel im Delta hatten uns völlig gereicht. Nun also ging’s an die Rückfahrt. Der Schock vom ersten Mal sass noch immer tief, als ich mich wieder ins Mokoro setzte. Zu meinem Entsetzen war unsere Mokoro-Fahrerin entweder krank oder schwanger. Auf jeden Fall ging sie sich kurz vor der Überfahrt nochmals übergeben. (Habe ich schon erwähnt, dass das Gleichgewicht in so einem Mokoro das A und O ist?) Nun denn, den Schrecken vom ersten Mal noch immer tief im Nacken getraute ich kaum mich zu bewegen, wich jedem Grashalm so gut es ging aus um die Spinnen nicht zu wecken. Und tatsächlich, nach drei Stunden kamen wir mit lediglich vier erlegten Achtbeinern im Boot wieder am lang ersehnten Festland an!

    Noch auf der Rückfahrt mit dem Militärfahrzeug zurück ins Camp, wo Janis auf uns wartete, habe ich kaum gesprochen, ich war einfach nur froh, dieser Spinnenhölle entflohen zu sein. Am Camp angekommen erhielten wir dann gnädigerweise etwas Zeit um zu duschen. Nach zwei Tagen im Delta, wo das Lagerfeuer mit getrockneter Elefantenscheisse gefüttert wurde, war das auch dringend nötig. Und mit den paar kleinen Spinnen in der Dusche wurde ich nun locker fertig. Schliesslich konnte ich, anders als im Mokoro, einfach einen anderen Weg einschlagen und notfalls halt eben aus der Dusche springen.

    Anschliessend ging’s gleich weiter mit Janis. Rund 350 Kilometer Fahrt zu Planet Baobab. Baobab, so nennen sie ihre 2000 Jahre alten Bäume. Nachts orange beleuchtet und vom Zelt aus beobachtet sehen diese riesigen Bäume ganz interessant aus. Nochmals so richtig unter freiem Himmel duschen, dann abendessen und schon waren wir im Bett.

    Noch vor Sonnenaufgang stiegen wir erneut in Janis. Wieder eine lange Fahrt. Das wenige Licht beim Zelt Einpacken war denn auch daran schuld, dass ich mein Bikini, das ich am Vortag zum Trocknen an einen Busch gehängt hatte, habe liegen lassen. Hmm. Minus ein Bikini also. Naja, selbst schuld.

    Jedenfalls hat sich die lange Fahrt in Janis erneut mehr als gelohnt. Mittlerweile waren wir nämlich am Fluss Chobe angekommen. Auf dem Weg dorthin haben wir eine Gruppe Elefanten auf der Strasse angetroffen. Die Tiere hier bewegen sich sowieso alle frei. Wer seinen Hund an der Leine Gassi führt, wird schräg angeguckt. Nicht selten muss Janis plötzlich anhalten, weil irgendein störrischer Esel auf der Fahrbahn steht und auch nach lautem Gehupe den Weg nicht frei machen will. Und dann natürlich die Hühner. Die laufen überall frei herum, auch mitten in der Stadt. Einmal sassen wir in einem Fastfood-Restaurant, als ein Huhn hereinspaziert kam und sich im Laden etwas umsah. Herausspazieren hab ich es aber nicht wieder gesehen…

    Nun sind wir mittlerweile in Victoria Falls in Simbabwe angekommen. Hier tickt das Leben nun wirklich etwas anders. Die Auswahl im Supermarkt wird kleiner, die Strassen sandiger und die Hostelzimmer bescheidener. Immerhin haben wir hier wieder einmal ein Bett. Zeit zum Durchatmen und natürlich um eines der Sieben Natur-Weltwunder zu bestaunen.

    Die Viktoria Fälle sind gigantisch! 400 Millionen Liter Wasser stürzen da pro Sekunde 100 Meter in die Tiefe. Das Getöse könnt ihr euch sicher vorstellen. Das Beste ist aber der Regenwald. Das viele Wasser spritzt nämlich als Sprühregen zurück. Und wie die Guides uns vorgewarnt hatten, waren wir nach unserem Spaziergang an den Klippen der Vic Falls klitschnass. Reinigungsritual nennen die Einheimischen das hier. In der Tat, so sauber waren wir wahrscheinlich vor drei Wochen das letzte Mal.

    Mit unseren Ankunft in Vic Falls ist nun die erste Hälfte der Tour beendet. Ab übermorgen beginnt die zweite, die uns nach Ostafrika führen wird. Doch vorher müssen wir uns nun um das Malawi-Visum kümmern. Drückt uns die Daumen!

    MITTWOCH, 16. MAI 2012

    Warten auf das Malawi-Visum

    Evee. Mättu und ich sind gerade in der Lobby des Hotels, in dem wir die vergangene Nacht in Lusaka (Hauptstadt von Sambia) verbracht haben. Gestern haben wir nämlich die Tour kurzzeitig verlassen um mit dem Flugzeug nach Lusaka zu fliegen. So haben wir einen Tag Zeit das Malawi Visum zu kriegen.

    Ihr erinnert Euch: Einen Tag vor der Abreise in der Schweiz hat unsere Reiseagentur gemerkt, dass wir für Malawi ja doch ein Visum vorab hätten haben sollen. Nun gut, offiziell dauert die Ausstellung des Visums hier in Lusaka drei Tage. Kommt’s wirklich so, können wir die Tour durch Malawi vergessen, denn sonst reisen wir die ganze Zeit dem Nomad-Truck hinterher. Also entweder jetzt, heute – oder nie.

    Heute Morgen früh also sind wir zum malawischen Hochkommissariat gefahren, in der Hoffnung, die Damen und Herren von unseren ehrbaren Absichten zu überzeugen, so dass sie uns das Visum per Express heute noch ausstellen. Beim Eingang hat man uns noch wenig Hoffnung gemacht und als wir aus dem Warteraum zur zuständigen, finster dreinblickenden Mama Africa gerufen wurden, sah ich schwarz (höhö). Doch der Brief, den unsere Reiseagentur uns freundlicherweise per Email geschickt hat, indem sie beteuern, dass die ganze Geschichte deren Fehler und nicht unser ist, hat sie offenbar weich geklopft. Tatsächlich können wir unsere Pässe am Nachmittag abholen! Fragt nicht, was uns das gekostet hat… ein kleines Vermögen jedenfalls… Hoffen wir einfach, dass alles in Ordnung ist, und dass sie uns das Visum auch tatsächlich ausstellen. Keep your fingers crossed!

    Nun also sind wir zurück im Hotel (war übrigens sehr nett hier, habe aber trotzdem kaum schlafen können wegen der ganzen Visumgeschichte) und müssen ein paar Stunden totschlagen. Da kommt das hotelinterne WiFi gerade gelegen, auch wenn die Geschwindigkeit mich an die graue Vorzeit erinnert, als die Modems sich noch ins Internet gesungen haben.

    Die vergangenen dreieinhalb Wochen fühlen sich hier bereits viel länger an. In Afrika läuft alles viel langsamer, vor allem wenn’s eigentlich schnell gehen müsste. Ihr wollt ein Beispiel? Bitte. So in etwa hat sich unser gestriger Nachmittag vor dem Abflug von Livingstone nach Lusaka zugetragen:

    Vereinbarte Abholzeit für den Transfer zum Flughafen: 13.30 Uhr, Abflug 16.30 Uhr.

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