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Schwarzes Licht

Schwarzes Licht

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Schwarzes Licht

Länge:
132 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
Apr 22, 2016
ISBN:
9783803142023
Format:
Buch

Beschreibung

Im Nachruf auf Harry Mulisch schrieb Cees Nooteboom, er ziehe dessen Roman Schwarzes Licht seinen berühmteren Texten vor. In anderen Ländern bestens bekannt, ist dieses Frühwerk in Deutschland seit Jahrzehnten vergessen und selbst in Bibliotheken kaum aufzutreiben. Um diesem wichtigen Roman des weltweit verehrten Autors gerecht zu werden, in dem alle zentralen Themen und Motive seiner späteren Bestseller schon auftauchen, wird er von dem preisgekrönten Mulisch-Übersetzer Gregor Seferens neu ins Deutsche übertragen.
Freigegeben:
Apr 22, 2016
ISBN:
9783803142023
Format:
Buch

Über den Autor


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Schwarzes Licht - Harry Mulisch

Aus dem Niederländischen von Gregor Seferens

Die niederländische Originalausgabe erschien 1956 unter dem Titel Het zwarte Licht bei De Bezige Bij in Amsterdam, die deutsche Erstausgabe 1962 beim Nannen Verlag in Hamburg.

Auf den zeittypischen Begriff Neger, den Harry Mulisch in seinem Roman verwendet hat, haben wir in Absprache mit dem Rechteinhaber verzichtet und ihn stattdessen an den Sprachgebrauch der heutigen Zeit angepasst.

Der Verlag dankt der Dutch Foundation for Literature für die freundliche Unterstützung der Übersetzung.

E-Book

-Ausgabe 2016

© 1956 & 1957 Harry Mulisch, Amsterdam

Originally published by De Bezige Bij, Amsterdam/​Antwerpen

© 2016 für die deutsche Ausgabe: Verlag Klaus Wagenbach, Emser Straße 40/​41, 10719 Berlin. 

Covergestaltung: Julie August

Datenkonvertierung bei Zeilenwert, Rudolstadt

Alle Rechte vorbehalten. Jede Vervielfältigung und Verwertung der Texte, auch auszugsweise, ist ohne schriftliche Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt insbesondere für das Herstellen und Verbreiten von Kopien auf Papier, Datenträgern oder im Internet sowie Übersetzungen.

ISBN: 978 3 8031 4202 3

Auch in gedruckter Form erhältlich: ISBN: 978 3 8031 2760 0

www.wagenbach.de

Niederländische Literatur bei Wagenbach

Cees Nooteboom   TURBULENZEN

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EINS

Ein echter Schwarzer

Später am Tag (als die ganze Stadt bereits ergriffen war) sollte er sich daran erinnern, doch ohne dass es ihn noch erstaunte. Maurits Akelei erwachte am 20. August 1953 um Punkt sechs Uhr morgens. Er öffnete die Augen, hickste und blieb noch einen Moment lang reglos liegen – über der Stadt hing der Nachhall der Turmglocke. Verwundert setzte er sich auf und schaute zu seiner Armbanduhr auf dem Stuhl neben dem Bett. Der kleine Zeiger zeigte senkrecht nach unten, der große senkrecht nach oben: Zu dieser Stunde, in dieser Minute war es 46 Jahre her, dass seine Mutter ihn geboren hatte.

Er zog eine Grimasse, fing an zu husten und kratzte eine Weile in seinem noch auffallend dichten grauen Haar. Dann legte er sich wieder hin, drapierte mit weitausholenden Bewegungen die Decken um seine Schultern und starrte eine Zeitlang auf die Bretter des schrägen Dachs, zwischen denen überall braune, halb vermoderte Streifen Zeitungspapier herabhingen. »Es muss ein Fest werden«, murmelte er plötzlich und lachte einen Moment (ein kurzes, hörbares Lachen), hickste und schlief wieder ein …

Seine Kinnlade sank ein wenig herab, so dass seine Wangen außergewöhnlich alt und mager wurden. Ab und zu hickste er noch. Es war schwül und drückend. Dennoch war das Fenster geschlossen, und er lag unter mindestens vier Pferdedecken, mit lauter Löchern und Rissen. Im gesamten Mansardenzimmer herrschte im Übrigen ein heilloses Durcheinander. Das Mobiliar bestand aus kaum mehr als einer altmodischen Babykommode mit hohem Rand, vollgestapelt mit seinen Kleidern. Ansonsten gab es noch einen Küchentisch mit Essgeschirr, Rasierutensilien, einer Flasche Milch, einem halben Brot und allerlei Krimskrams. Darunter standen eine Kiste und ein rostiger Petroleumofen. Draußen, hinter den gesprungenen, aber sorgfältig geputzten Scheiben des schrägen Dachfensters, durch das man nur den Himmel sehen konnte, dämmerte es bereits seit einiger Zeit, aber es regnete, und es war düster. Plötzlich ertönte ein Donnerschlag.

Akelei stöhnte gequält, und sein Unterkiefer begann zu zittern, während er sehr viel Luft in sich hineinsog … Wahrscheinlich ist Zauberei im Spiel: Alles ist passend, und er sucht niemanden. Niemand sucht ihn. Er ist noch sehr jung. Alles ist sehr abgefeimt und vortrefflich – eine abgekartete Sache. Aus Freude am Leben imitiert er den Kronprinz von Kongo und bricht in Lachen aus. Schwarz und mit wulstigen Lippen, in einem ordentlichen Baströckchen, mit Schirm und hohem Hut, wie ein echter Schwarzer, geht er im Kreis, so dass sich die Leute um ihn herum die Bäuche halten vor Vergnügen und Glück. Ein begnadetes Fest! Und die Sonne ist warm und gut wie eine Frauenhand, die Welt hell und bis zum Horizont mit Sinn erfüllt, wo eine stille Reglosigkeit herrscht. Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen! Plötzlich kippt alles um und fliegt weg in einem gemeinen Wehen und Stürmen, in Kälte und schmutzigem Licht – das war der Donnerschlag, sofort entkommt er aus einem hohen Saal mit dunkelgrünen Vorhängen, wo er voll ruhigem Grauen auf seine Hinrichtung wartete.

In die Felder geflohen (über den Telegraphendrähten fliegt ein Vogel, auf dem Bauch ein blutroter Schimmer) stößt der ach so jugendliche zum Tode Verurteilte mit einem körperlich Unbekannten zusammen – und dann passiert es: der Heilige Weg! Eine unüberschaubare Menge strömt vom Koningsplein in den Heilige Weg, entzückt rufend, beinahe singend: »Pater noster! Pater noster!« Und es steht geschrieben: – So strömen sie hinein: Offiziere, Mannschaften, Bürger, Möwen, Wind und europäischer Dampf:

Quid sum miser tunc dicturus

Quum vix justus sit securus … ¹

Schwitzend vor Erregung schlägt Akelei die Augen auf. Hat er geträumt? Er hat geträumt. Er bleibt noch kurz liegen und springt dann zerzaust aus dem Bett. Suchen, suchen muss er sie! Alles um ihn herum, Stuhl und Tisch, vibriert auf einmal vor Erwartung und Vorahnungen, er stürmt hinaus und rennt über den Hügel zur Eisenbahnlinie. Mit großer Geschwindigkeit kommt der Dieselzug aus den Wäldern heraus. Auf der anderen Seite der Gleise eilt eine große junge Frau herbei, sie ist ganz in Weiß gekleidet, eine Braut, und sie läuft seltsam nach hinten gelehnt, als würde der Wind sie beinahe umwehen. Ist das Marjolein? Ist sie es, die er sucht? Sucht sie ihn? Der Zug brüllt und ist schon ganz nah – sie wird es nicht mehr schaffen –, ängstlich beginnt er zu gestikulieren, doch sie kann offensichtlich nicht warten: Rasch klettert sie zur Oberleitung und begibt sich auf die Kabel, sich krampfhaft daran klammernd. Als der Zug unter ihr hindurchdonnert, verliert sie das Gleichgewicht und fällt schwankend, sich in den Drähten verfangend. Vom elektrischen Schlag getötet; wahrscheinlich hat sie der elektrische Schlag getötet …

Vor Schreck gelähmt wacht er auf. Tot, denkt er. Träume sind schrecklich. »Die Schlafenden sind mitschaffend und mitwirkend an dem, was in der Welt geschieht.« Wer hat das gesagt? Er weicht den Menschen aus, die an ihm vorbeigehen, doch sie treten ihn bereits. Überall sind plötzlich Beine. Schnell steht er auf und wird sogleich inmitten von ihnen mitgerissen. Zwischen ihren Körpern eingeklemmt, von ihrem Geschrei umgeben, muss er mitlaufen, ob er will oder nicht. Vielleicht will er ja doch? Rufen sie etwas auf Deutsch? Die Straße ist eng, aber noch nie war das Wetter so herrlich. Am schönsten ist es, wenn Kriege ausbrechen. In der Ferne ist der Wald. »Auf! Auf!«, brüllt jemand. »Los geht’s zum Walde!« ² Noch nie waren

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