Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Herbst: Abgerissene Blätter
Herbst: Abgerissene Blätter
Herbst: Abgerissene Blätter
eBook154 Seiten46 Minuten

Herbst: Abgerissene Blätter

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Über dieses E-Book

Altmodische Gedichte, nicht selten sogar gereimt. Und nicht minder altmodische Zeichnungen alter Leute.
SpracheDeutsch
HerausgeberBooks on Demand
Erscheinungsdatum11. Apr. 2016
ISBN9783741218750
Herbst: Abgerissene Blätter
Vorschau lesen
Autor

Knut Stang

Ein literarisches Kaleidoskop. Ein biografischer Irrgarten. Historiker, Informatiker, Lyriker, Bildhauer, Romancier, Publizist. Vielleicht der erste Autor der Neo-Renaissance.

Mehr lesen von Knut Stang

Ähnlich wie Herbst

Verwandte Kategorien

Rezensionen für Herbst

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

    Buchvorschau

    Herbst - Knut Stang

    Bildskizzen

    Vor/rede

    Ich bin ein blatt

    Ich bin ausgerissen

    Ich bin ein ausgerissenes blatt

    Ich bin – der herbst

    abgerissner bettler

    zigeuner, zigeuner, fahr zu

    Ich bin ein blatt

    ich bin ausgerissen

    bin vor mir selber ausgerissen

    ich bin – die scham

    abgerissnes zirkusplakat

    fahr zu, zigeuner, fahr, fahr

    Ich bin ein blatt

    ich bin ausgerissen

    die letzte seite im buch

    ich bin – das schweigen

    Leere

    Oldenburg, Pfingsten 2012

    Sie ging noch mal den kurzen Weg zurück

    zum Rand der Straße, und zum Haus,

    Erinnerung neben ihr ein kleines Stück,

    aus dem linken Fenster sah ein Schatten raus,

    doch kannte sie sich nicht mehr gänzlich aus.

    Weil sie noch immer alles offen meinte

    und war doch längst schon eingerichtet.

    Dies Fenster, wo sie manchmal abends weinte

    und dass man gibt und man verzichtet,

    und was man baut, in sich vernichtet.

    Sie redete von jenen frühen Jahren

    und sah uns an, ob wir verstehen.

    Dann sind wir ins Café gefahren.

    Von West begann es leicht zu wehen.

    Sie war bei uns. Und beinah schon am Gehen.

    Lange saßen wir am Stadtparkweiher,

    wir sahen still den Enten zu

    und planten die Geburtstagsfeier,

    dann sagte sie nur leise: „Du."

    Und sie war traurig, jung und voller Ruh.

    Als wäre alles ganz in jenem Augenblick gewesen,

    und an dem Fenster sitzt ein neues Kind.

    Die besten Tage sind wohl meistens handverlesen,

    und wenn uns alles durch die Finger rinnt,

    dann weil die Tage vor den Sternen endlos sind.

    Mag sein, dass eine besser nie zum Anfang fände,

    wo immer sie sich je beginnen spürte.

    Beginnen liegt im Warm verkrümmter Hände,

    in allem, was je deinen Schmerz berührte,

    und in dem Traum, der endlich dich nach Hause führte.

    baum in meiner welt

    wurzeln, stamm, krone verzweigt,

    vom blitz nicht gefällt

    noch von regen geneigt.

    aber fort.

    himmel, erde füllen nicht,

    was loch er gelassen.

    seh ins abendlicht,

    kann es nicht fassen.

    kein ort.

    man weiß natürlich längst, dass das nicht ewig geht

    und dass man irgendwann vor scherben steht

    oder einem tiefen schwarzen schacht,

    und das liebste, was man hat, wird drin begraben.

    man möchte einen wunschring, eine zeitmaschine haben

    oder dass ein gott das alles ungeschehen macht.

    man weiß auch, dass die eignen kräfte schwinden,

    vielleicht wird man in jahresfrist erblinden.

    die ohren scheinen fest entschlossen wegzuhören,

    und was heut morgen war, ist mittags schon vergessen.

    eh man sichs versieht, beginnt man einzunässen

    und sich an kinderlärm und an musik zu stören.

    man weiß sogar, und das ist schlimmer als der rest,

    dass sich das rad nicht rückwärts drehen lässt,

    das rad der zeit, darauf sind wir gebunden,

    zu einem gang ins endlich endlos wie verflucht.

    man hat vielleicht doch immer nur sich selbst gesucht

    und hat sich nie gefunden.

    ich bin ein nest von klagen,

    ich gäb mein herz für stein,

    wenn nur nach sieben tagen

    mein kindlein wollt nicht fragen,

    wieso ich nicht mehr wein.

    wo schwimmt mein boot von zweigen?

    viel ruder ging entzwei.

    ich sah die krähen steigen,

    und rings ward alles schweigen.

    ein hund war auch dabei.

    dann plötzlich sprühten funken,

    und einer schrie im schlaf.

    die sonne schien versunken,

    mein glas ist ausgetrunken,

    ein schneeflock, das mich traf.

    die welt wird nicht gelingen,

    uns ist kein anderort.

    fern klingt ein altes singen,

    mir wollt das herz zerspringen,

    doch immer ziehts mich fort.

    Ich könnte mein Leben damit verbringen,

    den Wellen zuzusehen, wie sie über Kilkees Felsen gischten

    und jede birgt die unmissverständliche Ankündigung,

    die nächste, übernächste, irgendeine werde noch höher,

    noch wilder, noch diamantener ausfallen, warte,

    warte nur noch auf diese eine, besondere Welle,

    eh du gehst.

    Irgendwann dreh ich mich dann doch um, irgendwann

    geh ich dann trotzdem den Strandweg zurück, ins Haus,

    da seh ich aus dem Fenster nach dem Meer hinaus.

    Nach zwei Wochen dann per Flugzeug zurück in

    eine Stadt ohne

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1