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Romantic Thriller Trio #5: Drei Romane
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eBook316 Seiten3 Stunden

Romantic Thriller Trio #5: Drei Romane

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Über dieses E-Book

Romantic Thriller Trio #5 - Drei Romane

von Jan Gardemann

Der Umfang dieses Buchs entspricht 284 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Die tödliche Kristallkugel – Das magische Amulett Band 13

Der Schatten des Verdammten – Das magische Amulett Band 14

Verbündete des Teufels – Das magische Amulett Band 15

Ein seltsamer Mord im Arsenalhafen von Paris. Ein Buckliger, der durch die Stadt streift. Und zwei junge Künstler, die in einem verhängnisvollen Wettstreit stehen. Kann Brenda Logan es schaffen, diese seltsamen Vorkommnisse aufzuklären?

SpracheDeutsch
HerausgeberBEKKERpublishing
Erscheinungsdatum6. Juli 2019
ISBN9781524239800
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    Buchvorschau

    Romantic Thriller Trio #5 - Jan Gardemann

    Romantic Thriller Trio #5 - Drei Romane

    von Jan Gardemann

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 284 Taschenbuchseiten.

    Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

    Die tödliche Kristallkugel – Das magische Amulett Band 13

    Der Schatten des Verdammten – Das magische Amulett Band 14

    Verbündete des Teufels – Das magische Amulett Band 15

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author, Cover Firuz Askin

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Die tödliche Kristallkugel

    Das magische Amulett Band 13

    von Jan Gardemann

    Ein seltsamer Mord im Arsenalhafen von Paris. Ein Buckliger, der durch die Stadt streift. Und zwei junge Künstler, die in einem verhängnisvollen Wettstreit stehen. Kann Brenda Logan es schaffen, diese seltsamen Vorkommnisse aufzuklären?

    Prolog

    Ein fahler Abglanz von dem schwachen Widerschein, der von oben in den Schacht sickerte, fiel auf die Gestalt und beleuchtete ihr hässliches, entstelltes Gesicht. Fettige Haarsträhnen waren der unheimlichen Gestalt in das Antlitz gefallen. Unter den Haarsträhnen leuchtete ein Paar gelber Augen hervor, die mich unverwandt anstarrten. Der Mann hatte einen enormen Buckel, wie ich jetzt erkannte. Sein ganzes Erscheinungsbild war abstoßend und mitleiderregend zugleich. Das missgestaltete Aussehen des Mannes war aber der Grund, warum ich wie festgeschweißt auf der Leiter verharrte. Es waren vielmehr seine glühenden Augen, die mir wie schwefelgelbe Punkte unter dem fransigen Haar entgegenleuchteten.

    1

    Juliet Prevert umklammerte Giles Nacken mit ihren schlanken Armen. Wie eine Ertrinkende, die sich an einem Stück Treibgut festhielt, hing sie an Giles Hals und drängte sich voller Leidenschaft an seinen starken, muskulösen Körper. Sie genoss das prickelnde Gefühl, das entstand, als ihre Lippen sich fanden und scheinbar miteinander verschmolzen. Ein süßer Schmerz, der Juliets Körper bis in die letzte Faser durchdrang, verriet ihr, wie sehr sie sich danach sehnte, ganz und gar mit diesem aufregenden jungen Mann zu verschmelzen, der sie mit sanftem Nachdruck in seinen Armen hielt und küsste.

    Für Juliet gab es nichts Sinnlicheres und Erotischeres, als mit Giles Moulin, den sie erst einige wenige Tage kannte, durch die nächtlichen Straßen von Paris zu schlendern und ihn leidenschaftlich zu küssen. Und sie hatte nicht vor, diesen romantischen Moment so schnell verstreichen zu lassen.

    Wenn es nach ihr gegangen wäre, würde sie die ganze Nacht über am Ufer des Kanal Saint Martin stehen und sich Giles Zärtlichkeiten hingeben.

    Aber Giles Kuss wurde nun immer ungestümer und drängender. Seine Hände, die Juliet anfangs festgehalten und an Giles kraftstrotzenden Körper gedrückt hatten, fingen an, voller Begehren über Juliets Rücken zu streichen. Eine dieser Hände glitt plötzlich warm und fest um ihre Körpermitte herum und suchte ungeduldig einen Weg unter Juliets Bluse.

    Ein wohliger Schauer kroch unter ihre Haut, als sie Giles Handfläche plötzlich auf ihrer nackten Haut spürte. Kosend strich diese Hand erst über ihren Bauch und schob sich dann zu ihren Brüsten hinauf.

    Als Giles Juliets linke Brust mit seiner Hand leidenschaftlich umschloss, löste die junge Frau ihre Lippen von seinem Mund. Ein leises, sehnsüchtiges Stöhnen entschlüpfte ihrer Kehle, als sie den Kopf genießend in den Nacken legte und sich ganz den leidenschaftlichen Berührungen des jungen Mannes hingab. Ihre Augen waren dabei einen Spalt breit geöffnet, sodass Juliet die funkelnden Sterne sehen konnte, die das blauschwarze Firmament über ihr bedeckten.

    Giles neigte sich vor und bedeckte Juliets Hals mit heißen, leidenschaftlichen Küssen. »Ich liebe dich, Juliet«, keuchte er. »Ich liebe dich so sehr, dass ich bestimmt gleich wahnsinnig werde.«

    Da löste er sich plötzlich von ihr, zog seine Hand unter ihrer Bluse hervor und umfasste in einer nüchternen Geste ihre Schultern.

    Juliet gab einen protestierenden Schmolllaut von sich und richtete ihren Blick mit einem fragenden Ausdruck auf Giles markantes Gesicht, das von schwarzen Locken umrahmt war, die fast noch dunkler als die Nacht waren.

    »Willst du mich nicht in dein Hausboot bitten, Juliet?« Giles gepresster Atem verriet, wie erregt er war und wie sehr er sich danach sehnte, Juliet in dieser Nacht zu besitzen.

    Scheu blickte Juliet über ihre Schulter zu den Hausbooten hinüber, die am Ufer des Kanal Saint Martin verträumt vor sich hin dümpelten.

    Einige der prachtvollen und gepflegt aussehenden Hausboote waren festlich beleuchtet. Der Widerschein der bunten Lichter tanzte über die nachtschwarze, gekräuselte Oberfläche des Kanals.

    Das Hausboot aber, vor dem Juliet und Giles standen, war unbeleuchtet. Nur ein schwaches Notlicht hatte den Steg, der das Boot mit dem Kai des Hafens verband, in ein schummeriges Halbdunkel getaucht.

    »Ich weiß nicht«, setzte Juliet an, während sie sich wieder zu Giles umwandte. »Onkel Alan könnte jeden Moment vom Opernbesuch zurückkehren. Er wird einen Heidenaufstand machen, wenn er uns in seinem Hausboot erwischt.«

    Giles presste enttäuscht die Lippen zusammen. Doch das Leuchten in seinen Augen verriet Juliet, dass er nicht gewillt war, so schnell aufzugeben.

    »Dein Onkel wird nach der Opernaufführung mit seinen Freunden bestimmt noch irgendwo etwas trinken.« Er trat wieder einen Schritt auf Juliet zu, sodass ihr der betörende Duft seines After Shaves wieder in die Nase stieg. »Findest du nicht, dass die Aussicht auf ein berauschendes Liebeserlebnis das Risiko wert ist, von deinem Onkel überrascht zu werden?«, flüsterte er. »Schließlich war er ja auch mal jung...«

    Juliet legte Giles rasch einen Finger auf die Lippen und brachte ihn zum Schweigen.

    »Würde Onkel Alan mich dabei erwischen, wie ich mich in seinem Hausboot einem wildfremden jungen Mann hingebe, wird es das letzte Mal gewesen sein, dass er mich nach Paris eingeladen hat«, erklärte sie. »Außerdem wird er meinen Eltern von diesem Vorfall berichten und dann fängt der Ärger für mich erst richtig an.«

    Enttäuscht wich Giles von ihr zurück und ließ auch ihre Schultern los. Das abenteuerliche Glänzen war aus seinen dunklen Augen verschwunden.

    Aufmunternd ergriff Juliet seine Hände und drückte sie leidenschaftlich. »Sei bitte nicht enttäuscht«, flehte sie. »Du musst mich verstehen. Ein Mädchen wie ich, das in einem kleinen, verschlafenen Mittelmeerstädtchen lebte, kann es sich nicht erlauben, eine so exklusive Unterkunft in Paris für eine Liebesnacht aufs Spiel zu setzen.«

    Sie ließ Giles Hände los und beschrieb eine ausholende Bewegung mit den Armen, die den Arsenal Hafen mit seinen illuminierten Hausbooten, die angrenzenden Straßen mit ihren Häusern und den Opernpalast an der Bastille, mit einschloss.

    »Sieh dich doch nur mal um«, forderte sie den jungen Mann auf. »Mein Onkel lebt mitten in Paris auf dem Wasser. Er ist sehr großzügig zu mir, weil er selbst nie Kinder hatte. Wann immer ich will, darf ich ihn besuchen und auf seinem Hausboot wohnen. Du musst verstehen, dass ich all dies nicht für eine Nacht mit dir aufs Spiel setze.«

    »Zu mir willst du aber auch nicht«, warf Giles ein.

    Juliet verdrehte entnervt die Augen. »Du haust in einer engen Wohngemeinschaft, Giles. Wie soll da eine romantische Stimmung aufkommen, wenn um uns herum deine Mitbewohner herumlärmen?«

    »Und wenn wir uns in einem billigen Hotel ein Zimmer mieten?«, unternahm Giles einen letzten Versuch, die Nacht noch zu retten.

    »Ich bin doch kein Flittchen, das irgendwo in einem Stundenhotel absteigt, um eine Nummer zu schieben«, entrüstete sich Juliet. »Außerdem muss ich an Bord des Hausbootes sein, wenn mein Onkel aus der Oper zurückkehrt. Es ist undenkbar, dass ich die Nacht irgendwo anders verbringe.«

    Giles Bemerkung über das Stundenhotel hatte den Zauber des Momentes nach Juliets Dafürhalten endgültig zerstört. Enttäuschung machte sich in ihr breit und ließ ihr die Kehle eng werden. Demonstrativ schaute sie auf ihre Armbanduhr.

    »Wir müssen uns nun voneinander verabschieden«, meinte sie rau und versuchte die Tränen zu unterdrücken, die mit aller Macht in ihr aufzusteigen drohten. Ihr wurde wieder bewusst, dass sie Giles ja kaum kannte und deshalb auch seinen Charakter nicht eindeutig einschätzen konnte. Es sah nun ganz danach aus, dass sie in dieser lauschigen Nacht, die so vielversprechend begonnen hatte, nun eine herbe Enttäuschung erleben musste.

    »Werden wir uns denn morgen wieder sehen?«, fragte Giles lahm.

    Juliet lächelte verunglückt. »Ich würde das schon wollen«, meinte sie ausweichend. »Es sei denn, du ziehst es vor, dich nicht mehr mit mir abzugeben, weil wir nicht miteinander geschlafen haben.«

    Giles umfasste Juliets Kopf, zog sie zu sich heran und drückte ihr einen Kuss auf die Lippen.

    »Du schätzt mich völlig falsch ein, wenn du so etwas von mir denkst«, meinte er und sah Juliet verliebt an. »Du bedeutest mir etwas...« Giles grinste verwegen. »Außerdem bin ich mir sicher, dass wir in den nächsten Tagen einen Weg finden werden, uns doch noch ungestört unserer Liebe hingeben zu können.«

    Juliet atmete erleichtert auf. Giles war offenbar doch kein so übler Bursche, wie seine letzte Bemerkung sie hatte befürchten lassen. Sie hatte sich in ihm also wohl doch nicht getäuscht.

    »Dann bis morgen.«, sagte sie und hauchte verführerisch: »Onkel Alan muss morgen frühzeitig zur Arbeit. Wir könnten also in einem Bistro zusammen frühstücken.«

    »Gerne«, erwiderte Giles und lächelte gezwungen. »Bis morgen dann also. Ich werde dich abholen.«

    Er hob den Arm und winkte Juliet lax zu. Dann wandte er sich ab und schlenderte davon.

    Schmachtend blickte Juliet dem jungen Mann hinterher, der nun auf die Einmündung einer Seitenstraße zusteuerte. Juliet war bereit, Giles eine Kusshand zuzuwerfen, wenn er sich noch einmal zu ihr umdrehte.

    Aber das tat er nicht. Mit hochgezogenen Schultern und den Blick zu Boden gerichtet betrat er die Seitenstraße und entschwand Juliets Blicken.

    Enttäuscht seufzte Juliet auf. Doch dann wandte sie sich ab und betrat den schummerig beleuchteten Steg, der zu dem Hausboot ihres Onkels führte.

    2

    Juliet seufzte schwermütig. Noch immer war ihr Körper erfüllt von dem Nachhall des kribbelnden Gefühls, das Giles in ihr hervorgerufen hatte. Sie fand es selbst sehr bedauerlich, das dieses Gefühl in dieser Nacht nicht in einem Höhepunkt in Giles Armen enden würde, sondern nur langsam abklingen musste und diese schmerzhafte Leere in ihr zurücklassen würde, die sie schon oft hatte erfahren müssen.

    Fast wünschte sie sich in diesem Moment, Giles würde doch noch zu ihr zurückkehren, sie auf seine starken Arme nehmen und kurzerhand in das Hausboot ihres Onkels tragen, um die Nacht doch noch zu einem leidenschaftlichen Abschluss zu bringen.

    Verärgert wischte sie diesen Gedanken beiseite. Es half alles nichts. Sie hatte sich nun einmal entschlossen, die Möglichkeit, bei ihrem Onkel stets willkommen zu sein, nicht durch eine einzige Liebesnacht aufs Spiel zu setzen. Und von diesem Entschluss wollte sie auch nicht abrücken.

    Ihre Schritte verursachten auf den Bohlen des Stegs ein hartes, hallendes Hämmern, das in ein dumpfes Pochen überging, als sie das Hausboot endlich erreichte.

    Juliet holte den Schlüssel, den ihr Onkel ihr ausgehändigt hatte, aus ihrer Hosentasche und sperrte die Eingangstür auf. Es war eine verglaste Schiebetür, die mit einer kunstvoll gearbeiteten Gardine verhängt war, um die neugierigen Blicke der Passanten abzuhalten.

    Das Licht in dem Raum, der sich hinter der Schiebetür auftat, flammte automatisch auf. Juliets Onkel war ein reicher, wohlhabender Mann. Er hatte sein Hausboot mit der neuesten Technik ausgestattet und auch bei der Möblierung nicht gespart.

    Die gesamte Einrichtung des Hausbootes bestand aus kostbaren Antiquitäten, die Alan Bervian auf verschiedenen Auktionen in Paris erstanden hatte. Eine aufwendige Alarmanlage schützte sein Hab und Gut vor Einbrechern und Dieben.

    Juliet ließ die Tür hinter sich einrasten und schlenderte versonnen durch das Wohnzimmer. Eine wuchtige Ledercouch und die dazugehörigen Sessel nahmen einen Großteil des Platzes ein. Die Sitzelemente waren um einen Kamin gruppiert, der einst den Salon eines Pariser Herrenhauses geziert hatte.

    Die Ledergarnitur stammte aus einem alten englischen Clubhaus, in dem Arthur Conan Doyle, der Autor der Sherlock Holmes Romane, angeblich verkehrt haben sollte.

    Juliet streifte ihre Schuhe ab und warf ihre Jacke über die Lehne eines antiken Stuhls, der vor einem Sekretär aus Nussbaumholz stand.

    Dabei fiel ihr Blick auf einen Bogen Papier, der auf der Tischplatte des Sekretärs lag. Das Portrait einer jungen Frau war mit Kohlestift auf den Bogen gemalt worden.

    Versonnen griff Juliet nach der Zeichnung und betrachtete sie gedankenversunken.

    Es war ihr Gesicht, das da mit Kohlestift auf das Papier gebannt worden war. Giles hatte dieses Portrait angefertigt, als sie ihn vor drei Tagen beim Eiffelturm kennengelernt hatte, wo er vor einer Staffelei gesessen und den Touristen seine Dienste als Portraitzeichner angeboten hatte.

    Während Juliet still und unbeweglich auf dem kleinen Klappschemel gesessen und sich von Giles hatte zeichnen lassen, hatte sie sofort gespürt, dass sie soeben die Bekanntschaft mit einem ganz besonderen jungen Mann gemacht hatte. Sie genoss die Blicke, mit denen Giles ihr Gesicht aufmerksam taxierte. Und während er ihr Konterfei dann mit geübten, schnellen Strichen auf das Papier bannte, fing er an, sie in ein ungezwungenes, aber sehr interessantes Gespräch zu verwickeln.

    Als Giles mit seiner Zeichnung schließlich fertig war und sie ihm das Geld für seine Arbeit aushändigen wollte, lehnte er lächelnd ab und erklärte, dass er stattdessen lieber mit ihr essen gehen würde.

    Zu ihrem eigenen Erstaunen willigte sie in diesen Vorschlag ein.

    Seitdem hatten sie sich jeden Tag gesehen und gemeinsam etwas unternommen. Sie waren sich nähergekommen und Juliet hatte sich schließlich eingestehen müssen, dass sie sich in diesen jungen, etwas verrückt erscheinenden Künstler verliebt hatte.

    Giles schien sie ebenfalls zu lieben, jedenfalls hatte er dies vorhin behauptet.

    Doch kurz darauf war es zu der kleinen Unstimmigkeit gekommen. Nun war Juliet sich gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich Liebe war, was Giles für sie empfand und nicht viel mehr nur Leidenschaft und das Verlangen, mit ihr zu schlafen.

    Seufzend ließ Juliet den Papierbogen wieder auf die Arbeitsplatte des Sekretärs gleiten. Dann verließ sie das Wohnzimmer und betrat den kleinen Flur, von dem die anderen Räumlichkeiten des Hausbootes abgingen. Dazu zählte auch Juliets Gästezimmer, das Alan Bervian extra für seine Nichte hatte herrichten lassen.

    Juliet hatte vor, sich zuerst einmal unter die Dusche zu begeben und sich dort abzukühlen. Sie musste unbedingt wieder einen klaren Kopf bekommen, bevor Onkel Alan in sein Hausboot zurückkehrte.

    Gerade wollte sie nach dem Türknauf des Badezimmers greifen, da vernahm sie draußen auf dem Bootssteg plötzlich ein seltsames Geräusch.

    Erschrocken hielt Juliet in der Bewegung inne und lauschte.

    Es bestand kein Zweifel: Was sie da hörte, war der Klang von Schritten. Jemand hatte den Bootssteg betreten und näherte sich nun dem Hausboot!

    Aber es waren nicht die festen, selbstsicheren Schritte ihres heimkehrenden Onkels, die sie da hörte. Die Schritte, die dumpf zu ihr in das Hausboot drangen, waren unregelmäßig und wurden von einem seltsam schleifenden Geräusch begleitet.

    Eine Gänsehaut rieselte Juliet über den Rücken, als ihr plötzlich bewusst wurde, dass sie auf dem Hausboot ganz allein war.

    Während Juliet den seltsamen, beängstigenden Schritte draußen auf dem Bootssteg lauschte, versuchte sie sich einzureden, dass ihr hier auf dem Hausboot nichts passieren konnte. Das Schloss der Schiebetür war automatisch eingerastet, als sie die Tür vorhin hinter sich geschlossen hatte. Derjenige, der sich dem Hausboot in diesem Moment näherte, konnte folglich nicht ins Innere des Bootes gelangen, es sei denn, er hatte vor, die Tür gewaltsam zu öffnen, was augenblicklich die Alarmanlage aktivieren würde.

    Inzwischen schien der Fremde das Hausboot erreicht zu haben, denn seine Schritte waren plötzlich verklungen.

    Mit einem beklommenen Gefühl im Bauch schickte Juliet sich an, in das Wohnzimmer zurückzukehren. Ihr war in den Sinn gekommen, dass es Giles sein könnte, der das Hausboot betreten hatte.

    Anscheinend wollte er sie erschrecken und hatte seine Schritte deshalb verstellt, sodass sie klangen, als würde ein hinkender Unhold über den Bootssteg kommen.

    Wenn Giles tatsächlich vorgehabt haben sollte, sie zu ängstigen, hatte er sein Ziel erreicht, das musste Juliet sich eingestehen. Wenn er aber geglaubt hatte, sie auf diese Weise doch noch dazu bewegen zu können, ihn in das Hausboot zu lassen, hatte er sich getäuscht. Denn der Schreck hatte auch die letzten Wogen der Lust aus Juliets Körper vertrieben und einer beklemmenden Furcht Platz gemacht.

    »Na warte«, flüsterte sie erbost und entschlossen, Giles den Schrecken heimzuzahlen.

    Doch als sie nun das Wohnzimmer betrat und sich der Schiebetür zuwandte, blieb sie wie angewurzelt stehen.

    Das Licht in dem Zimmer war erloschen, obwohl Juliet es nicht ausgeschaltet hatte. Dafür drang der schwache Widerschein der Straßenlaternen durch die niedrigen Fenster, sickerte durch das Glas der Schiebetür.

    Der dunkle, klobige Schemen eines Mannes zeichnete sich verschwommen hinter der Gardine der Schiebetür ab. Der Kerl hatte breite, vorgeschobene Schultern und wiegte seinen bulligen, irgendwie unförmig erscheinenden Oberkörper auf groteske Weise hin und her wie ein Schimpanse, der unschlüssig war, was er mit der Tür anstellen sollte, vor der er da stand.

    Für einen Schimpansen war die Gestalt jedoch viel zu groß, wie Juliet fand. Und doch drängte sich ihr der Vergleich mit einem Affen unweigerlich auf, denn die Arme des Mannes baumelten an den Seiten seines massigen Körpers schlaff herab und schienen zu lang für seine gedrungene Statur zu sein. Dass es nicht Giles war, der da vor der Schiebetür stand, darin bestand für Juliet nun kein Zweifel mehr. Es war ein Fremder, ein Verrückter vielleicht!

    In diesem Moment hob der unheimliche Fremde die Arme. Der Bewegung haftete etwas Linkisches, Unbeholfenes an. Er packte den Griff und rüttelte an der verschlossenen Schiebetür.

    Unwillkürlich wich Juliet einen Schritt zurück und stieß mit dem Rücken gegen eine Vitrine. Die kostbaren Zinnfiguren, die ihr Onkel darin aufbewahrte, wankten. Einige der Figuren fielen klirrend um.

    Doch das nahm Juliet nur am Rande wahr, denn der Fremde hinter der Schiebetür stieß nun ein enttäuschtes Knurren aus und fing an, immer heftiger an der verschlossenen Tür zu rütteln.

    Der Laut, den der Mann ausgestoßen hatte, hatte in Juliets Ohren wie das Grollen eines enttäuschten, wütenden Tieres geklungen.

    Eines Tieres, das um jeden Preis zu ihr vordringen und ihr etwas antun wollte!

    Und dann geschah etwas Ungeheuerliches. Der Kerl hinter der Tür musste über übermenschliche Kräfte verfügen, denn er schaffte es, die Schiebetür mit roher Gewalt aufzubrechen. Der Metallrahmen knirschte und ächzte, während das Schloss mit einem lauten Krachen zerbarst.

    Voller Ungestüm riss der Unhold die Tür nun vollends auf. Die Gardine zerriss mit einem vernehmlichen Ratschen und wallte wie ein hilfloses Gespenst vor der Öffnung auf und ab. Doch der Fremde packte den Fetzen mit seinen Pranken und riss ihn beiseite.

    Dann betrat er das Wohnzimmer, seine gelb leuchtenden Augen unverrückbar auf die verängstigte junge Frau gerichtet, die sich neben die Glasvitrine geschoben hatte und mit dem Rücken zur Wand stand.

    Juliet hatte die geballten Fäuste vor den Mund gepresst und starrte den unheimlichen Eindringling mit weit aufgerissenen Augen an. Sie verstand nicht, warum die Alarmanlage nicht losschrillte und die Bewohner der umliegenden Hausboote aufschreckte.

    Noch viel weniger aber verstand sie, was diese missgestaltete Figur dazu veranlasst hatte, in das Hausboot ihres Onkels einzubrechen. An den Antiquitäten schien er jedenfalls kein Interesse zu haben. Er streifte die teuren Möbel nicht einmal mit seinem Blick. Stattdessen kam er hinkend und ziemlich zielstrebig auf Juliet zu.

    Während er sich fortbewegte, schleifte der Unhold seinen rechten Fuß hinter sich her. Dabei entstand ein schleifendes Geräusch, das Juliet eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Der Mann besaß einen Buckel, der seine Schultern unförmig und klobig erscheinen ließ und der den spärlich behaarten Schädel fast überragte. Die schäbige Jacke, die der Mann trug, drohte förmlich aus den Nähten zu platzen, so sehr spannte der ominöse Buckel den Stoff.

    »Was... was wollen Sie von mir?«, schrie Juliet mit schriller Stimme. Sie wunderte sich, überhaupt ein Wort über ihre Lippen bringen zu können, denn eigentlich war ihr viel mehr danach, laut und hysterisch zu schreien.

    Doch irgendetwas an diesem missgestalteten Mann erregte ihr Mitleid. Ein Mitleid, das in Anbetracht der gelben, mordlüstern funkelnden Augen jedoch rasch dahinschmolz und Juliet die Gewissheit einflößten, dass ihre letzte Stunde geschlagen hatte.

    Der Eindringling antwortete nicht auf Juliets mühsam hervorgepresste Frage. Er war nun vor ihr angelangt und starrte sie mit seinen schrecklichen, gelben Augen durchdringend an. Dünne Haarsträhnen waren ihm in sein entstelltes, fratzenhaftes Gesicht gefallen, das Juliet erst jetzt, da der Mann direkt vor ihr stand, deutlich erkennen konnte.

    Plötzlich riss der Mann seine baumelnden Arme empor und schloss seine unförmigen Pranken um Juliets schlanken Hals. Ohne eine Miene zu verziehen, drückte er erbarmungslos zu und schnürte der jungen Frau die Luft ab.

    Nun, endlich, begann Juliet sich zu wehren. Mit geballten Fäusten und nach Luft schnappend schlug sie auf die breite Brust des Unholds

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