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Krimi Doppelband #1: Abserviert von zarter Hand/ Undercover Mission: Alfred Bekker präsentiert, #1

Krimi Doppelband #1: Abserviert von zarter Hand/ Undercover Mission: Alfred Bekker präsentiert, #1

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Krimi Doppelband #1: Abserviert von zarter Hand/ Undercover Mission: Alfred Bekker präsentiert, #1

Länge:
407 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 6, 2018
ISBN:
9781533789716
Format:
Buch

Beschreibung

Krimi Doppelband #1

von Henry Rohmer (Alfred Bekker) & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 279 Taschenbuchseiten.

Zwei Kriminalromane der Sonderklasse: hart, überraschend und actionreich.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

A. F. Morland: Abserviert von zarter Hand

Henry Rohmer (Alfred Bekker): Undercover-Mission

Henry Rohmer ist das Pseudonym des bekannten Fantasy- und Jugendbuchautors Alfred Bekker, der darüber hinaus an zahlreichen Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X mitschrieb.

Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 6, 2018
ISBN:
9781533789716
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Krimi Doppelband #1 - Alfred Bekker

Krimi Doppelband #1: Abserviert von zarter Hand/ Undercover Mission

Alfred Bekker präsentiert, Volume 1

Alfred Bekker and A. F. Morland

Published by BEKKERpublishing, 2018.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Krimi Doppelband #1

Copyright

Abserviert von zarter Hand

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About the Author

About the Publisher

Krimi Doppelband #1

von Alfred Bekker (Henry Rohmer) & A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 279 Taschenbuchseiten.

Zwei Kriminalromane der Sonderklasse: hart, überraschend und actionreich.

Dieses Buch enthält folgende Krimis:

A. F. Morland: Abserviert von zarter Hand

Alfred Bekker (Henry Rohmer): Undercover-Mission

––––––––

Henry Rohmer ist das Pseudonym des bekannten Fantasy- und Jugendbuchautors Alfred Bekker, der darüber hinaus an zahlreichen Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X mitschrieb.

Titelbild: Firuz Askin.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Abserviert von zarter Hand

von A. F. Morland

Erst liebte sie ihn – aber als sie endlich sein schmutziges Spiel durchschaute, verurteilte sie ihn zum Tode ...

1

Er war einer von denen, die wussten, wann eine Sache verloren war. Bount Reinigers Automatik wies auf seine breite Brust, und er wäre verrückt gewesen, zu denken, da wäre noch ein Blumentopf zu gewinnen. Mit einem überheblichen Grinsen, wie nur er es zustande brachte, ließ er die Beute fallen. Sie befand sich in einem schwarzen Stoffsack: zwanzigtausend Dollar und noch ein paar Zerquetschte aus dem Safe der gegenüberliegenden Bar, der Dandy Moreno einen nächtlichen Besuch abgestattet hatte.

Seit einem Monat war Bount Reiniger hinter diesem raffinierten Kriminellen her. Endlich war es ihm gelungen, Dandy Moreno auf frischer Tat zu ertappen.

Über ihnen rollte der spärliche Nachtverkehr über den Stelzen-Highway, der den Hudson River begleitete. Moreno hob langsam die Hände, als wollte auch er das Betonband dort oben stützen. Bount wies mit den Augen nach rechts.

„Mein Wagen steht dort drüben, Dandy."

Moreno bedachte ihn mit einem frostigen Blick. „Wohin fahren wir?"

„Centre Street. Nur ein paar Blocks."

„Okay. Gehen wir."

Reiniger winkte den gefährlichen Burschen mit dem Lauf seiner Kanone nach links. „Drei Schritte, Dandy. Der Gangster zählte sie grinsend ab: „Eins, zwei, drei. Recht so?

„Ich bin zufrieden", gab Bount zurück. Er hob den Sack mit den Dollars auf. Mit einem neuerlichen Wink veranlasste er Moreno zu gehen. Sie erreichten den Mercedes. Bevor der Verbrecher einstieg, schenkte er Bount Reiniger ein mitleidiges Lächeln. Seine Augen sagten: Du armes Würstchen, was hast du denn schon Großartiges erreicht?

Und sein Mund formte die Frage: „Meinen Sie, dass sich die Mühe wirklich gelohnt hat?"

Bount grinste breit. „Ich denke schon."

„Was werde ich kriegen? Sieben Jahre. Wenn ich mich gut führe, bin ich in fünf Jahren wieder frei. Fünf Jahre, Reiniger. Was ist das schon? Die sitz‘ ich doch auf einer Backe ab."

Fünf Jahre. Es war eine Rechnung. Sie ging auf.

Nach genau fünf Jahren – und keinem Tag länger – öffneten sich für Dandy Moreno die Gefängnistore wieder. Er war jetzt siebenundzwanzig ... und voller neuer Pläne.

2

Bount Reiniger ließ seinen silbergrauen Mercedes 450 SEL vor der beeindruckenden Villa ausrollen. Es war ein Tag mit allem Drum und Dran: akzeptable Temperatur, blauer Himmel, lachende Sonne, Windstille. Ein Tag zum Angeln, zum Faulenzen, zum Menschsein. Aber wer nahm darauf schon Rücksicht. Es gab Klienten, die scherten sich nicht um die Schönheit eines Tages. Sie hatten andere Probleme. Probleme, die Bount für sie lösen sollte.

Reiniger stieg aus dem Wagen. „Da wären wir", sagte er zu seiner Sekretärin June March.

Das hübsche Mädchen klappte die Tür auf der anderen Seite zu. „Von so einer Villa träume ich manchmal, sagte sie bewundernd. „Muss herrlich sein, in so was zu wohnen.

Bount grinste. „Träumst du bei der Gelegenheit auch von der Miete, die dafür Monat für Monat hinzulegen ist?"

„Ich werde mich hüten. Es soll ja kein Albtraum sein."

Sie hörten Arbeitsgeräusche: das Ächzen einer Zugsäge, die schrillen Töne einer hochtourigen Bohrmaschine, Hämmern ...

Die herrschaftliche Villa ragte beeindruckend zwischen hohen Pappeln hervor. Es gab einen breiten Balkon, hohe Fenster, Säulen vor dem protzigen Eingang, auf den Reiniger gleich darauf mit seiner Assistentin zuschritt. Ein Mann mit Schnapsnase lief ihnen über den Weg. Er trug ein Brett. Wohl nur, um den Schein zu wahren.

Bount hielt ihn auf. Der Bursche setzte sofort das Brett ab. Bloß keine Kräfte vergeuden. „Was kann ich für Sie tun?", fragte er Bount, aber seine Augen waren auf June March gerichtet, denn die gefiel ihm scheinbar viel besser.

„Zu Mrs. Amanda Carr, sagte Reiniger. „Wo finden wir sie?

Der Schnapsmann schürzte die Unterlippe. „Mrs. Carr? Ich glaube, die ist im Augenblick im Obergeschoss."

„Diese Auskunft werde ich Ihnen nie vergessen", sagte Bount grinsend. Er schob seinen Arm unter den von June und strebte der Treppe zu, die nach oben führte. Widerwillig nahm der Handwerker sein Brett wieder auf. Er trottete durch die Räume des Erdgeschosses und rollte mit den Augen, als sich einer seiner Kollegen nach ihm umwandte.

„Da hab‘ ich jetzt ‘ne blonde Puppe gesehen ... Mann, war die klasse."

Im Obergeschoss wurden Trennwände in sämtlichen Räumen aufgestellt. Die saalähnlichen Zimmer wurden zu kleinen Labyrinthen umgebaut. Männer standen auf hohen Leitern und bohrten Löcher in die Decke. Andere tapezierten die Kunststoffwände. Der Parkettboden wurde mit Sisalläufern ausgelegt. June March zog überall bewundernde Blicke auf sich.

Amanda Carrs Stimme war schon von Weitem zu hören. Sie diskutierte mit dem Elektriker, weil sie an seiner Arbeit etwas auszusetzen hatte. Als sie den Mann mit einer unwilligen Handbewegung entließ, betraten June und Bount den Raum.

June stellte fest, dass Mrs. Carr eine unwahrscheinlich attraktive Frau war. Schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt, elegant, unglaublich gut aussehend. Ihr Teint war sauber, die Figur durch sorgfältige Diät bezaubernd, sylphidenhaft. Sie besaß jene Art von reizvoller Überschlankheit, die Fotomodellen ihren besonderen Charme verleiht. Ihre Züge waren von sanfter Weichheit. Und das mit fünfundvierzig. Mehr als beachtlich. Amanda Carr trug ein einfaches, kaum dekolletiertes Kleid, dem man eine gewisse Eleganz nicht absprechen konnte. Ihr kastanienbraunes Haar war locker und gut geschnitten.

Als sie die Schritte hörte, drehte sie sich halb um. Ihre ärgerliche Miene verflog. Ein freundliches Lächeln hieß Bount Reiniger und seine Assistentin herzlich willkommen.

Mit ausgestreckten Händen ging sie auf Reiniger zu. „Bount! Freut mich, Sie wiederzusehen."

„Die Freude ist auf meiner Seite, Amanda, erwiderte Reiniger höflich. Er deutete eine kleine Verneigung an. „Darf ich Ihnen meine Sekretärin vorstellen? Miss June March. June, das ist Mrs. Amanda Carr. Eine der reichsten Frauen von Boston.

Amanda winkte lachend ab. „Nun übertreiben Sie nicht, Bount. Ich bin nicht reich. Mein Mann ist es."

„Kommt das nicht auf dasselbe heraus?", fragte Reiniger.

„Nur, solange die Ehe gutgeht."

„Das tut sie bei euch doch, oder?"

„Ich kann nicht klagen."

„Das freut mich", sagte Bount. Die beiden Frauen musterten einander mit jenem undefinierbaren Blick, den sie immer für eine Konkurrentin parat haben. Ein paar Teilchen Neugier, ein wenig harte Kritik, eine Prise Missgunst, ein Schuss Neid und vielleicht auch noch etwas Misstrauen. Von Bewunderung konnte Bount weder bei June noch bei Amanda etwas entdecken. Er grinste. Das alte Spiel. Jede Frau spielt es. Jede beherrscht es. June und Amanda waren in dieser Disziplin sogar Meisterinnen. Etwas unterkühlt reichten sie sich die Hände.

„Sie sind also die gute Fee von Bount Reiniger", stellte Amanda lächelnd fest.

„Und Sie sind diejenige, die Bount in einem Atemzug nennt, wenn er von Boston spricht. Sie scheinen großen Eindruck auf ihn gemacht zu haben, Mrs. Carr."

Mrs. Carr lachte hell auf. „Das hoffe ich, hoffe ich wirklich." Sie schickte einen dankbaren Blick an Bounts Adresse. Es freute sie, dass er sie noch nicht vergessen hatte.

Mrs. Carr war sie. Die Frau von Lui C. Carr, dem vermögendste Mann von Boston. Es gab kaum ein gewinnträchtiges Unternehmen, in dem er seine Goldfinger nicht drinnen hatte. Lui C. Carr, gewiss ein Mann, zu dem man aufblicken konnte. Und es gab viele Frauen, die Amanda um den Platz an seiner Seite beneideten. Er war ein netter Bursche, hatte kaum Allüren, überhäufte seine Frau mit Geschenken, las ihr jeden Wunsch von den Augen ab. Lui war fünfundfünfzig.

Das Hämmern und Bohren riss Amanda aus ihren Erinnerungen.

Die Umbauarbeiten, die an der Villa vorgenommen wurden, gehörten zu den umfangreichen Vorbereitungen, die die bevorstehende Wanderausstellung erforderlich machte.

„Sie haben sich in den drei Jahren, die wir uns nicht gesehen haben, nicht verändert, Bount", sagte Amanda lächelnd.

„Das Kompliment kann ich reinen Gewissens zurückgeben. Auch an Ihnen sind die letzten drei Jahre spurlos vorübergegangen", erwiderte Bount.

June seufzte leise. Liebe Güte, wie charmant er sein kann, dachte sie. Bei mir hält er sich in der Beziehung weitgehend zurück. June kannte die Geschichte, wie Bount das Ehepaar Carr kennengelernt hatte. Die beiden waren in Florida in eine üble Rauschgiftaffäre verwickelt worden. Bount hatte damals gerade in dieser Gegend zu tun gehabt. Lui C. Carr engagierte ihn vom Fleck weg. Bount erledigte seine Arbeit mit Auszeichnung. Und von da an war er in unregelmäßigen Abständen gern gesehener Gast bei den Carrs in Boston.

„Wir sind mit den Umbauten ein wenig in Verzug, erklärte Amanda Carr. Sie nahm Bount und June mit auf den Balkon. Vor ihnen dehnte sich die endlose Weite eines gepflegten Parks aus. „Aber wir werden es schaffen, die Wanderausstellung zum festgesetzten Termin zu eröffnen.

Bount wies auf die Villa. „Sie haben sich dafür den prachtvollsten Rahmen ausgesucht."

Amanda atmete schwer aus. „Hat viel Zeit gekostet, das richtige Haus zu finden."

„Der Aufwand hat sich gelohnt", meinte Bount.

Amanda blickte ihm so fest in die Augen, dass sich June March beinahe überflüssig vorkam. Sie grollte innerlich.

„Ich danke Ihnen, dass Sie sofort hierhergekommen sind, Bount."

Reiniger grinste. „Sag‘ ich nicht immer: ,Anruf genügt, komme ins Haus!‘?"

„Mein Mann hat eine halbe Million Dollar in sein neues Hobby gesteckt", erzählte Amanda.

Bount ließ einen anerkennenden Pfiff hören. „Kleinlich kann man ihn wirklich nicht nennen."

„Er hat innerhalb eines Jahres die besten Bilder zeitgenössischer Maler aufgekauft. Ein namhafter Kunstexperte war ihm dabei behilflich. Lui versteht nicht allzu viel von diesen Dingen, aber er bemüht sich, laufend dazuzulernen."

Bount lächelte. „Lui C. Carr, der Philanthrop. Es sieht ihm ähnlich, dass er nicht bloß Bilder kauft und sie dann in seinem Haus versteckt ..."

Amanda nickte. „Lui findet, es ist nicht richtig, dass schöne Gemälde einem Menschen allein gehören. Sie sollen viele Menschen erfreuen. Deshalb hat er diese Wanderausstellung ins Leben gerufen. Er will die Kunstwerke einer breiten Publikumsschicht zugänglich machen."

„Eine vernünftige Ansicht", sagte Bount.

„Wir haben uns mit einer bekannten Bostoner Werbeagentur zusammengetan, die in jeder Stadt, die wir besuchen, für uns die Reklametrommel rührt."

Bount nickte. „Ich hab‘ die Plakate schon gesehen."

„Wie gefallen sie Ihnen?"

„Grafische Kunstwerke. Geschmackvoll gestaltet, trotzdem nicht zu übersehen", erwiderte Bount.

„Lui will am Eröffnungstag eine Pressekonferenz geben. Rundfunk und Fernsehen werden über unsere Ausstellung berichten. Wir rechnen mit einer hohen Besucherzahl."

,,Die Leute werden bestimmt kommen", meinte Reiniger.

June March hatte es langsam satt, das fünfte Rad am Wagen zu sein. Amanda hatte kaum einen Blick für sie.

Es war Zeit, dass sie sich in die Unterhaltung einschaltete, damit die beiden wieder auf sie aufmerksam wurden. Sie fragte: „Wann treffen die Gemälde in New York ein, Mrs. Carr?"

„Ach, bitte, nennen Sie mich doch Amanda, ja?"

„Okay ... Amanda."

„Und ich darf June zu Ihnen sagen?"

„Warum nicht?"

„Sie sind süß, June."

„Sie auch", sagte June, aber wenn sie ganz ehrlich zu sich war, meinte sie es nicht so, wie sie es gesagt hatte. Sie hatte nichts gegen Amanda. Es war nur diese dumme Eifersucht, die es eigentlich nicht geben durfte, weil sie kein Recht auf Bount Reiniger hatte. Aber wer kann schon raus aus seiner Haut, die manchmal so eng ist wie eine Zwangsjacke. Wäre Amanda alt und hässlich gewesen, hätte sich June garantiert besser in ihrer Nähe gefühlt. So aber ...

„Die Gemälde treffen in einer Woche hier ein, sagte Amanda. „Bis dahin muss in der Villa alles getan sein. „Kommen die Bilder aus Boston?", wollte June wissen.

Amanda schüttelte den Kopf. „Wir waren damit schon in zehn Städten: San Francisco, Los Angeles, Phoenix, Houston, Dallas, Memphis, Washington, Baltimore, Philadelphia, Chicago."

„Die Gemälde reisen von Chicago hierher?", fragte June.

„Ja."

„Warum ist New York erst die Nummer elf?", erkundigte sich June.

Amanda lächelte nervös. „Das ist eine gute Frage, June. Ich will versuchen, Ihnen darauf eine gute Antwort zu geben. Mein Mann fürchtet den Moloch New York. Es muss eine Art Komplex sein. Für ihn ist diese Stadt der Wohnsitz des Lasters und des Verbrechens. Er nennt New York einen Hexenkessel, und er kommt nicht gern hierher, weil er Angst vor diesem Schmelztiegel der Nationen hat. Seiner Meinung nach ist der Boden für das Verbrechen nirgendwo so fruchtbar wie in dieser Stadt. Lui hängt an seinen Bildern. Man könnte fast sagen, sie sind ihm so wichtig wie für jemand anders seine Kinder. Unsere Ehe blieb kinderlos. Mit diesen Gemälden hat Lui sich einen Ersatz geschaffen. Zu jedem einzelnen Kunstwerk hat er eine ganz besondere Beziehung, und er könnte es nicht verwinden, wenn ihm eines von diesen wertvollen Bildern gestohlen würde."

„Sind die Gemälde versichert?", fragte June.

„Selbstverständlich. Aber alles Geld dieser Welt kann keinen ideellen Wert ersetzen, June."

„Das leuchtet mir ein."

„Aus diesem Grund hat mich Lui gebeten, Bount zu engagieren. Amanda wandte sich nun wieder an Reiniger. „Ich soll Sie beauftragen, für unsere Wanderausstellung die nötigen Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Sie kennen so ziemlich alle Tricks, mit denen die Gangster in dieser Stadt arbeiten. Nur wenn Sie sich persönlich um die Gemälde kümmern, will Lui das Wagnis auf sich nehmen, nach New York zu kommen. Im anderen Fall muss ich die Umbauarbeiten hier unverzüglich abbrechen und so bald wie möglich nach Boston zurückkehren.

Amandas wache Augen musterten Bount eingehend.

Bount rieb sich nachdenklich mit Daumen und Zeigefinger das Kinn. „Eine verdammt heikle Sache ..."

„Sie hätten selbstverständlich völlig freie Hand", sagte Amanda schnell.

„Wenn was schiefgeht ... Ich möchte Lui nicht enttäuschen."

„Ich bin genauso sicher wie er, dass die Sache bei Ihnen in den allerbesten Händen liegt, Bount. Lui traut niemandem so sehr wie Ihnen."

Bount grinste. „Eine Menge Vorschusslorbeeren ..." Was Amanda ihm da anbot, war bestimmt kein leichter Job. Eine schwierige Aufgabe, Bilder im stolzen Wert von einer halben Million so zu sichern, dass es nicht einmal dem gerissensten Dieb in dieser Stadt möglich war, sich an ihnen zu vergreifen.

New York war vollgeklebt mit netten Plakaten, die überall verkündeten, dass hier demnächst ein fantastischer Schatz zu holen sein würde.

Eine schwierige Aufgabe. Sie reizte Bount Reiniger. Deshalb nahm er den interessanten Auftrag an. Und natürlich auch aus Freundschaft zu Amanda und Lui C. Carr. Er nickte und sagte grinsend: „Okay, Amanda. Dann werde ich also dafür sorgen, dass Luis Babys nicht in die falschen Hände kommen."

„Ich danke Ihnen, Bount. Ich wusste, dass Sie sich uns zur Verfügung stellen würden."

3

Das Motorrad war ein japanisches Fabrikat. Ein heißer Ofen. Chromblitzend und entsetzlich laut, weil der Auspuff völlig entrümpelt war, damit der Apparat ein paar PS mehr lieferte. Brüllend bog die Suzuki in die schmale, schattige Sackgasse ein. Zehn Meter noch. Dann verstummte das lärmende Eisen, das so gar nicht zu dem hübschen Mädchen passte, das nun vom Sattel sprang. Sie trug hautenge Jeans und eine weiche braune Nappalederjacke, die sich beachtlich über ihrem üppigen Busen wölbte. Ihr Name war Laura Pant. Sie nahm den Sturzhelm ab, der sie wie ein Wesen von einem anderen Stern aussehen ließ. Jetzt schüttelte sie die weiche, wallende Fülle ihrer blonden Mähne. Das Haar reichte bis zu den Schulterblättern. Ächzend riss Laura die Maschine auf den Ständer. Der Zündschlüssel verschwand in der Lederjacke.

Plötzlich legte sich eine Hand auf Lauras Schulter. Hart und schwer.

Das Mädchen fuhr erschrocken herum. Der Sturzhelm polterte auf die Straße und eierte der Gosse entgegen. Laura schlug aus der Drehung heraus sofort zu. Ihre Handkante traf den Oberarm eines etwa siebenundzwanzigjährigen Mannes. Er war blond, hatte eine unleugbare Ähnlichkeit mit Robert Redford und war kräftig. Das bewies er in diesem Moment. Blitzschnell fing er den Arm des Mädchens ab.

Eine rasante Drehung. Laura stieß einen heiseren Schmerzensschrei aus und fasste sich an die Schulter. „Au!, krächzte sie. „Au! Du kugelst mir den Arm aus! Der Mann ließ sie grinsend los. „Nächstens schaust du dir die Leute zuerst genauer an, ehe du versuchst, sie zu erschlagen!"

Sie holte das jetzt nach, während sie die immer noch schmerzende Schulter massierte. Ihre Augen weiteten sich. „Dandy. Dandy Moreno!"

Der Bursche grinste. „In voller Lebensgröße. Er wies auf die Suzuki. „Schickes Ding hast du dir da zugelegt.

„War nicht billig."

„Das glaube ich. Allein bezahlt?"

„Ganz allein", nickte Laura. Kein Junge hatte da auch nur einen müden Dollar hinzugelegt. Sie hasste es, einem Kerl verpflichtet zu sein. Das gab ja doch nur Streit und Ärger.

Moreno starrte ungeniert auf Lauras Busen. „Bist verdammt sexy geworden, Baby."

Laura hob gleichmütig die Schultern. Sie wusste, dass sie prima aussah. „Man tut, was man kann."

„Lange nicht gesehen", sagte Moreno.

„Vier Jahre?"

„Fünf", sagte Moreno.

„Eine verdammt lange Zeit. Vieles ändert sich. Alles wird anders in fünf Jahren."

Moreno nickte mit finsterer Miene. Er hatte Reiniger damals gesagt, die fünf lächerlichen Jährchen würde er auf einer Backe absitzen, aber er hatte beide dazu gebraucht, um es durchzustehen. Nun, wo er wieder draußen war, hatte er den Eindruck, er könne sich in dieser Stadt, in der er geboren und aufgewachsen war, nicht mehr zurechtfinden. Laura hatte recht. Vieles ändert sich in fünf Jahren.

„Ich hab‘ auf dich gewartet", sagte Moreno.

Laura blickte ihn erstaunt an. Der Schmerz in der Schulter ebbte allmählich ab. Gott, hatte dieser Junge Bärenkräfte. Man sah sie ihm eigentlich gar nicht an. „Auf mich? Was kann ich denn für dich tun?"

„Du wenig."

„Versteh‘ ich nicht."

Moreno hob Lauras Sturzhelm auf und reichte ihn ihr. Dabei schaute er ihr fest in die Augen. In seinem Blick entdeckte sie all das, was man ihm nachsagte: Bosheit, Gemeinheit, Aggressivität, Grausamkeit und Intelligenz.

„Ich suche Bug Kadess", sagte er ernst.

Laura schüttelte grimmig den Kopf. Unwillig stieß sie hervor: „Den gibt es nicht mehr."

„Willst du damit sagen, dass er tot ist?"

„Ja. Er ist tot. Gestorben. Jedenfalls für mich ist er gestorben!"

„Was war los mit euch beiden?, fragte Moreno neugierig. Er konnte sich an die Zeit erinnern, wo sich die beiden kennengelernt hatten. Turteltauben waren sie gewesen. Das „Pärchen des Jahres wurden sie von ihren Freunden genannt. Und man war der Meinung gewesen, falls es in naher Zukunft eine Hochzeit geben würde, dann bestimmt mit Laura und Bug.

Lauras Miene wurde hart. „Heroin, sagte sie verbittert. „Das war los mit ihm. Bug macht heute noch Selbstmord mit der Nadel. Ich denke, er wird es jetzt bald geschafft haben.

„Wie geht es ihm?"

„Dreckig, hab‘ ich gehört. Ich kümmere mich nicht mehr darum. Bug Kadess, das ist ein Kapitel in meinem Leben, das ich restlos gestrichen habe. Das Schwein wollte auch mich süchtig machen. Glücklicherweise bin ich ihm auf sein Geschwafel nicht hereingefallen, sonst wäre ich heute genauso am Ende wie er."

„Kannst du mir sagen, wo er wohnt?"

„Geh da lieber nicht hin. Er ist es nicht mehr wert, dass man sich um ihn schert. Besser, er krepiert. Er hat uns allen schon genug Kummer gemacht."

„Gib mir seine Adresse, Baby."

„Mann, ich hätte dich für klüger gehalten ..."

„Die Adresse!, verlangte Dandy Moreno scharf. Laura zuckte zusammen, als hätte sie eine Ohrfeige bekommen. Wut blitzte in ihren Augen auf. Was nahm dieser Zuchthausbruder sich ihr gegenüber eigentlich heraus? In was für einem Ton redete er mit ihr? Wer war er denn, dieser dahergelaufene Straßenköter? „Nun?, drängte Moreno.

„Baychester. Arnow Avenue 1546."

„Vielen Dank", sagte Moreno.

Fahr zur Hölle, dachte Laura. Und nimm Bug Kadess gleich mit!

4

Kadess war Maler.

Früher, bevor er mit dem Tanz auf der Nadel angefangen hatte, brachte er ganz passable Bilder zustande. Sogar drei Vernissagen waren ihm gegönnt gewesen, und zwei Kritiker – unmaßgebliche Leute von unmaßgeblichen Zeitungen – hatten seine Werke sogar über Gebühr gelobt. Die Zeitungsausschnitte bewahrte er heute noch in seinem Schrank auf. Ja, früher hatte er wenigstens noch Talent gehabt. Wo war das heute? Abhanden gekommen wie ein treuloser Kater, der ausgezogen war, um die Katzen der Stadt glücklich zu machen. Er hatte gedacht, in seiner beruflichen Entwicklung schneller vorwärtszukommen, wenn er seine Bilder unter dem Einfluss von Drogen malte. Viele seiner Kollegen arbeiteten so. Auch Musiker griffen zum Rauschgift, wenn sie was Besonderes leisten wollten. Zuerst hatte er es mit Haschisch versucht. Dann hatte er Marihuana geraucht. Und die Bilder waren tatsächlich besser geworden. Wie die warmen Semmeln konnte er sie verkaufen. Man riss ihm seine Werke aus der Hand. Aber eines Tages stagnierte die Entwicklung. Kadess hatte sich an Hasch und Marihuana zu sehr gewöhnt. Sie konnten ihn nicht mehr beflügeln. Also ging er einen Schritt weiter: Heroin. Von diesem Tag an führte der Teufel den Pinsel. Wieder durchlebte Bug Kadess eine erfolgreiche Phase. Er konnte mit Geld um sich werfen. Und er redete sich ein, vom Heroin jederzeit wieder loskommen zu können. Er brauchte nur zu wollen. Aber er wollte nicht. Wollte nicht, weil er nicht konnte. Das Rauschgift bekam ihn immer fester in den Griff. Es ließ ihn nicht mehr los. Es unterhöhlte seine Gesundheit. Er magerte ab. Er brauchte seinen Schuss immer häufiger. Trotzdem – oder gerade deswegen – wurde die Qualität seiner Bilder immer schlechter. Bald wollte sie keiner mehr haben. Lieber einen leeren Rahmen an die Wand hängen, als eines von Bug Kadess‘ infantilen, lächerlichen Bildern, hieß es.

Der Abstieg war nicht mehr aufzuhalten. Kadess verdiente mit seinen Gemälden kaum noch Geld. Er versuchte verzweifelt, den Dämon Rauschgift loszuwerden, aber es war zu spät dazu.

Bibbernd lag er in seiner hellen Atelierwohnung auf dem Boden. Ihm war erbärmlich kalt. Er klapperte mit den Zähnen, stöhnte, hatte wahnsinnigen Durst. Das waren wieder einmal diese verdammten Entzugserscheinungen, die ihn quälten. Er hätte ganz dringend was in die Vene gebraucht, aber sein Dealer weigerte sich, ihm noch einmal Kredit zu geben.

„Erst bezahl deine Schulden, hatte er eiskalt gesagt. „Dann kannst du wieder was von mir haben. Eher nicht.

Kadess hätte ihm am liebsten den Schädel eingeschlagen. „Hör zu, Mort, ich verkaufe in den nächsten Tagen wieder ein Bild. Ich hab‘ ‘nen Mäzen gefunden. Er gibt mir tausend Dollar

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