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Drachenkunst - Griechenland

Drachenkunst - Griechenland

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Drachenkunst - Griechenland

Länge:
240 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 25, 2016
ISBN:
9783740736002
Format:
Buch

Beschreibung

Die bayerische Engländerin May und Aedan, der blaugrüne Drache mit den goldenen Augen, sind die Helden von 'Drachenkunst'.
Aedan - er ist ein Hüter des Wissens der Erde - lässt die Mythen des antiken Griechenlands, Götter und Menschen, die Macht der Liebe und das Elend der Kriege lebendig werden.
Der Vorhang hebt sich und vor der amüsierten May ziehen unter anderem Gaia und Zeus, Herakles und Pan, Orpheus und Eurydike und nicht zu vergessen die Eulen Athens vorbei.
Aber da gibt es auch noch im Bayerischen Wald eine Handvoll Freunde, die sich zu gern mit May gegen Kirche und Priester engagiert.... Alle für einen - alle 9 für ein altes Haus, für einen alten Garten!
Eben eine andere Kulturgeschichte - Geschichte mit Herz und Verstand und Drachenkunst.
Herausgeber:
Freigegeben:
Apr 25, 2016
ISBN:
9783740736002
Format:
Buch

Über den Autor

Die Autorin Sibylle Dorothea Wolf bietet als Pädagogin, psychologische Beraterin und Coach die Methode Seelene zur erfolgreichen Stressbewältigung an. Sie setzt sich mit Problemen von Erwachsenen wie von Kindern auseinander: Probleme, Konflikte sind Stress für Deine Psyche und Stress für Deinen Körper. Aber kein Problem ist so große wie Deine Seele. Probleme sind zum Lösen da, wenn Du es willst!


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Buchvorschau

Drachenkunst - Griechenland - Sibylle Dorothea Wolf

Will Durant:

Unsere Zivilisation existiert nur unter geologischer Einwilligung des Planeten.

Diese Konzession ist jederzeit widerrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Die Familie und das Dorf

May und der Drache

Leidenschaften und Götter

Die Erde und der Wald

I. Die Familie und das Dorf

Ich besinge Weiden, Fluren, Götter, Nymphen und Gebote ( Vergil )

1.

Ich bin May Anderson.

Mit meinem Mann Arthur wohne ich im Herzen Englands, in der Grafschaft Oxfordshire, in den wunderschönen Cotswolds, im ganzen Erdenkreis berühmt für die schnuckeligen, rundlich-gemütlichen Hobbitshäuser, ihre starken Wollkirchen und ihre uralten weißen Pferde.

Diese uralten weißen Pferde lockten mich einstmals nach Großbritannien, abgesehen natürlich von der Stonehenge-Kultstätte.

Diese in den Boden eingeschnittenen Umrisse von Pferden, die 3000 Jahre nahezu unverändert überdauert haben, vielleicht der keltischen Göttin Epona, einer Beschützerin der Pferde, geweiht waren, fand ich so faszinierend und ansprechend, dass ich sie an Ort und Stelle sehen und betrachten wollte.

Bei dieser Gelegenheit lernte ich meinen Arthur, damals noch Student der Archäologie, kennen und ich blieb bei ihm, in Old England, im Land der Teestunden und Pubidyllen, der roten Busse und so höflichen Bobbies und selbstverständlich im Land King Arthurs und Robin Hoods.

Aber nun sitze ich im Zug und reise in meine Heimat, nach Bayern. Ich reise durch die ruhige Landschaft Südenglands, durch den Tunnel im Meer, bis am Ende Bayern auftauchen wird, fast wie die Schaumgeborene, wie Aphrodite aus dem Meer.

In Bayern besingt man den „Stern der Südens, also König Fußball in Gestalt des Vereins Bayern München, und mit gleicher Gewichtung König Bier. Hier sagt man stolz: „Bayern, des samma mir!

Bayern ist aber auch das Land der Buchen, Birken und Eichen, der samtig-moosigen und steinig-krautigdüsteren Wälder, der Berge und weiten Felder, die den Geist durchatmen und wieder lebendig-froh sein lassen.

Ich freue mich so. Ich werde meine Schwester Lilli in ihrem kleinen Dorf-Kaff Liebenthal hinter den sieben Bergen besuchen und ihre sieben Freunde, das weiblich-männliche Siebengestirn.

Schon der Name des Hauses, in dem Lilli herrscht, ist ein Gedicht: 'Engelshof' hat das Anwesen vor ein paar Jahrhunderten der erste Besitzer getauft.

Mit meiner Ankunft werde ich meine Schwester schön überraschen, sie hat keine Ahnung von meinem drohenden Besuch.

Ich hatte solche Sehnsucht nach ihrer Unbeschwertheit, Fröhlichkeit, nach ihrem 'Haus der offenen Tür', nach ihren herzlichen, auch ein wenig wunderlichen Freunden und nach meinen geliebten, vertrauten Bäumen und Wiesen und Bergen.

Arthur ist mit ein paar Studenten nach Frankreich gefahren und erforscht in der Bretagne Hinkelsteine, oder korrekt ausgedrückt, „Menhire", also lange Steine, vor Jahrtausenden zur Zierde der Erde von wackeren Männern aufgestellt. Nicht so ganz auffällige Kultgegenstände waren damals wohl gerade nicht zur Hand oder eben unmodern. Und was ein echter Mann ist, der tummelt sich nur mit richtig Großem.

Arthur hat jedenfalls sein neolithisches Spielzeug, und ich vergrößere reisetechnisch den Abstand zwischen uns, der, von Arthur unbemerkt, wie ein Meer seit Ewigkeiten zwischen uns beiden steht und höchstens für wenige Augenblicke verschwindet.

Arthur kann Lilli nicht besonders leiden, sie ist ihm zu spontan und zu 'korpulent', wie er sich feinsinnig auszudrücken pflegt. Aber als liebevoller Ehemann, für den er sich hält, gönnt er mir die Ferien bei meiner Schwester, in „meinen" Wäldern.

Bei meiner Schwester fühle ich mich wie eine Baschuscha, wie eine Frau, die immer lächelt, weil ihr nach Lachen zumute ist.

Bei Arthur werde ich immer mehr zu einer Marmura, zu einer Frau, die immer betrübt ist.

Dabei würde ich lieber die Lebenskunst der Dichterin Sappho erstreben, die junge Frauen Poesie, Musik, Gesang und Tanz lehrte, bei Festen zu Ehren der Götter auftrat und einfach die Muse der Liebe war.

Leider findet man ihre Götterhymnen, ihre Hochzeits- und Liebeslieder nur noch als Zitate bei anderen Autoren, oder, ein wenig gruselig, auf Mumien zusammenhaltenden Papyrusfetzen. Na ja, die Pharaonen und ihre Mumien galten in Old Egypt als unsterblich, und diese Liebesgedichte der Sappho sind es gewiss.

Eine Kostprobe der famosen Sappho:

Untergegangen ist zwar der Mond und die Plejaden. Nachtmitte schon und vorbei geht die Stunde. Ich aber schlafe alleine.

2.

Meine Schwester Lilli ist ein Pfundskerl, eine Frau, mit der man die berühmten Pferde – abgesehen von den englischen Urzeitpferden - stehlen kann.

Sie ist lustig, rundlich, liebt die Malerei, malt selbst und hält von Zeit zu Zeit Zwiesprache mit Wesen, die unter dem Namen Engel bekannt sind. Daher ist ihr „Engelshof" der einzig richtige Ort für sie.

Der Engelshof ist vor langer Zeit, im Mittelalter, von einem Ministerialen, einem niedrigen Adligen, errichtet worden. Der Hauslegende nach beabsichtigte er, seiner geliebten Frau und seinen drei Töchtern, seinen Engeln, ein schützendes Heim zu schaffen. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich der stattliche Hof zu einer Art Trutzburg:

Seitenflügel kamen hinzu, hier ein Erker, dort ein kleiner Turm, kurzum, der Engelshof mit seinen efeu- und geißblattüberwucherten Mauern erscheint heute stark und lieblich zugleich.

Und die wuchtige, uralte Haustüre aus uralter Eiche hält alle bösen Geister fern. Über dem eisernen, rundgeschmiedeten Türgriff, der die alte Aufgabe des Türklopfers erfüllt, ist ein Apotropaion angebracht, eine Unheil abwehrende Figur.

Diese Figur stellt den Kopf der Medusa dar, die sogar noch im Tod, als Tote, Sterbliche durch ihren bloßen Anblick zu Stein erstarren ließ. Medusa, die leidgeprüfte Königin, war die Tochter der Meeresungeheuergottheit Keto, diese wiederum die Tochter der Erdmutter Gaia. Also befinden wir uns wahrlich in steinalten Zeiten, im alten Griechenland.

Medusa, zunächst wunderschön, ließ sich in ein Techtelmechtel mit dem absoluten Meeresgott Poseidon ein, was wiederum Pallas Athene, der späteren Schutzgottheit Athens, missfiel: Athene hatte Medusa mit Poseidon überrascht und verwandelte die Schöne flugs in eine geflügelte Schreckgestalt mit Schlangenhaaren, in eine Gorgone, eine Schreckliche.

Medusas Anblick sollte hinfort jedem Neugierigen sofortige Versteinerung einbringen.

Dem Helden Perseus, einem Zeussohn (und Zeus zeugte viele Kinder), gelang es mit List und Tücke und göttlichem Beistand, Medusa das Haupt abzuschlagen.

Dieser abgetrennte schreckliche Kopf – dem das geflügelte Pferd Pegasus entsprang - verhalf Perseus im weiteren, spannenden Verlauf der Geschichte zur Königstochter Andromeda, indem die tote Medusa ihre eigene Mutter Keto tötete, die es auf Andromeda abgesehen hatte.

Schließlich ließ die tote Medusa den Titanen Atlas, der gerade ein wenig cholerisch reagieren wollte, zum Gebirge, zum Atlas-Gebirge, erstarren.

Des weiteren schmückte sich gerne Athene mit diesem Gorgonenhaupt, das ihr der dankbare Perseus zum Geschenk machte, nachdem er noch einige andere, ihm missgünstige Herren aus dem Weg geräumt hatte.

Nun, diese Tür-Medusa schützt Lillis Burg seit ihrer 'Geburt', denn auch Engel können martialischen Begleitschutz vertragen.

Die lebensrettende Antwort des Besuchers auf die (gedachte) Einlassfrage unserer Medusa („Leben noch die Engel?), lautet: „Die Engel leben und herrschen als Königinnen! Nun denn...

3.

Lilli herrscht nun als derzeitige Engelkönigin auf ihrem Hof, ihrer Burg.

Sie hat sich im Erdgeschoss, im ehemaligen Wohnzimmer, das nach Osten ausgerichtet ist, ihr Atelier eingerichtet. Dieser Raum gleicht bestimmt nicht dem Wohnraum eines dieser wie Pilze aus dem Boden schiessenden zeitgenössischen Reihenhäuser, die so schmal-schlicht-neutral-kühl-quaderförmig dicht an dicht nebeneinander klotzen, dass man geneigt ist, diese eher für überfüllte Nagerbehausungen als für Menschenheime zu halten.

Lillis Atelier ist großzügig, besitzt bis zum Boden reichende Fenster, die sich zum Garten weit öffnen lassen. Luft und Licht wohnen hier, aber auch der Charme und der Zauber alter Zeiten, ungezählter Erlebnisse so vieler Familien, die sich in den schwarzbraunen, gefurcht-rissigen Deckenbalken eingenistet haben. Ich meine natürlich den Charme und Zauber von Erlebnissen, nicht die Familien. Aber wer weiß? Der Geist, die Geister der Familien...

Hier malt Lilli mit Hingabe den ganzen Vormittag über. Sie beginnt, wenn das Sonnenlicht die Stube durchflutet, und hört auf, wenn die altertümliche Glocke der kleinen, alternativen Dorfschule kräftig die Mittagsstunde einläutet. Bei diesem Signal schließt Lilli die Fenster, nicht ohne den beiden Pferden, die vor ihrem Haus, auf der weiten Wiese weiden, zuzurufen, sie würde ihnen gleich etwas Leckeres bringen, Äpfel, Karotten oder dergleichen.

Die Pferde gehören meiner Schwester, sie hat sie einem ekligen Bauern abgekauft, der beabsichtigte, diese, nachdem seine Enkelkinder den ins Alter gekommenen Tieren kein Interesse mehr entgegenbrachten, an einen Pferdemetzger zu verhökern. Grob war dieser Bauer sowieso zu den beiden Pferden gewesen. Lilli war zufällig des Wegs gekommen, als die Pferde auf einen Viehtransporter verladen werden sollten, und da sie die Pferde schon länger kannte und bemitleidete, kaufte sie die beiden Süßen auf der Stelle los. Das ist jetzt, glaube ich, bereits vier Jahre her.

Blume und Mohrenfels, so heißen die Pferde seit ihrem Einzug auf dem Engelshof, hatten noch nie so ein schönes Fell, so gut geht es ihnen.

Meist halten sich die Pferde auf der „Atelierswiese auf, eben auf der Wiese vor Lillis Atelier. Feine Kräuter gibt es hier zuhauf, von Beifuß, Knoblauchsrauke und Minze über Schafgarbenkraut und Salbei bis zu Thymian. Lilli nennt diese Wiese auch „Kappadokien, Land der schönen Pferde.

Kappadokien hieß einstmals und auch heute noch eine Landschaft im heutigen Anatolien, eine Landschaft, die so viele Völker und Stämme hat kommen und gehen sehen, wie die Hethiter, Phryger, Lyder, Meder, Perser, und heute eben die Türken. Aber, vor langer Zeit, war dieser Landstrich für seine schönen Pferde berühmt, so wie die französische Camargue heute noch für ihre weißen Pferde weltbekannt ist.

Wie Lilli mir geschrieben hat, vergnügt sie sich seit Wochen mit dem Malen von Arabesken. Sie versucht, ineinander verschlungene Pflanzenranken so zu stilisieren, wie sie archäologische Forschungen für das alte Assyrien beschreiben. Arabesken sind Ornamente aus der islamischen Kunst, die diese von der hellenistischen Kultur geerbt hat und diese wiederum vom orientalischen Altertum.

Außerdem setzt sie sich leidenschaftlich mit dem Künstler William Morris auseinander, der schon immer wie der französische impressionistische Maler Claude Monet als ihre geistigen Mitbrüder und Inspirationen wirkten und wirken.

Morris gestaltete für Teppiche und Wandbehänge wunderbare Ornamente, die der Natur, Blumen und Früchten, nachempfunden und beispielhaft für seine Suche nach dem irdischen Paradies waren.

Ja, William Morris, auch ich schätze diesen Mann sehr. Ein Mann, der sich Zeit seines Lebens danach gesehnt hat, Schönheit in die Welt, in die Alltagswelt, in Alltagsdinge, in das Haus eines Menschen zu tragen.

Morris war Künstler, Dichter, Maler, Kunsthandwerker; er webte mit Hingabe, färbte Stoffe mit Leidenschaft, dichtete wunderbare, beseelt-warme Verse, machte sich um isländische Sagas verdient, gründete eine eigene Druckerei, kämpfte wildentschlossen um schöne, alte Gebäude, um Bäume, um Natur, ging in die Politik und trachtete danach, die Kluft zwischen Handwerkern und Kunstschaffenden zu überbrücken.

Ein Handwerker diene nicht als Werkzeug, sondern mit eigenen Ideen wie ein Künstler, und ein Künstler übe unbedingt auch ein Handwerk aus, so lautete sein Credo.

Morris hasste und verachtete die spießige Gesellschaft seiner Zeit, das Viktorianische Zeitalter, in der die Gier der Upper Class und der Middle Class nach immer mehr Besitz die Erde und die arbeitenden Menschen ausbeutete und ausblutete und verhässlichte. Oder wie es ein Morris-Kenner ausdrückte: Morris war ein „unnachgiebiger Widerstandskämpfer gegen ästhetische und ethische ´Hässlichkeiten`, … gegen die Verkommenheit der Produkte und für eine vernünftige Balance zwischen Menschenwerk und Natur".

Ja, Morris war großartig.

4.

So rattert der Zug mit mir und vielen anderen durch die Lande, erst durch England, dann durch Frankreich, Belgien und jetzt durch Deutschland.

Es ist natürlich nicht der gleiche Zug, in den ich in London eingestiegen bin. Die Reise gleicht viel mehr einem Staffellauf, die Züge lösen sich in etwa reibungslos ab, und die Reisenden mimen die Staffelstäbe, die weiter und weiter gereicht werden.

Bald kommt der Staffellauf für mich zum Ende. Bald werde ich in Regensburg anlangen und von dort aus das letzte Stück im Bus zurücklegen.

Hoffentlich wird mir dieses Mal nicht übel, Busfahren ist für mich eine echte körperliche Herausforderung.

Ich frage mich, während ich die vielen, so reglos ausgebreiteten, so ehrbar, gleichzeitig so dumpf wirkenden Dörfer vorbeiziehen sehe, die vielen Bauernhöfe, die landwirtschaftlichen 'Erzeuger', wie viele Kühe, Schweine, Kälber, Ferkel unter erbärmlichen Lebensbedingungen gehalten werden, in dunklen, miefigen, engen Ställen. Niemals werden diese Tiere frische Luft und Sonnenlicht auf ihrer Haut spüren, auf einer Wiese herumstrolchen, frisches Futter genießen können.

Der Mensch zeigt eine Tendenz zum Rassistischen, er teilt gnadenlos ein. Der Mensch weiß, was ein normaler Mensch, was ein behinderter, was ein kranker, was ein alter, was ein tüchtiger, was ein fauler Mensch ist, was ein europäischer, was ein semitischer, was ein indianischer, was ein asiatischer, was ein schwarzer Mensch ist, was in der Politik ein Schwarzer oder ein Roter ist, was ein Haustier sein kann und was ein Nutztier ist.

Nutzen heißt wirtschaftlicher Output, Geld. Und bestimmte Tierarten hat der Mensch für sich als Nutztierarten reklamiert, etikettiert, besetzt, was für die betroffenen Tiere bedeutet, als absolut rechtlose Masse dem Menschen ausgeliefert zu sein.

Der Mensch erweist sich als rechnende, profitorientierte Größe, ohne Gefühle des Mitleids, des Respekts, er kennt nur sich als Größe, Tiere und Pflanzen besitzen für ihn keine Größe.

Wie sollte er dann diesen, als Nutztieren eingestuften Lebewesen Gefühle zusprechen? Das Kälbchen wird sofort nach der Geburt von seiner Mutter getrennt, der Bauer ist schließlich der Erzeuger, der Gott, an den er sonntags glaubt. Das Kälbchen, das kleine Schweinchen, das Spanferkel, werden ohne Besinnung geschlachtet und gelten dem Menschen, dem Konsumenten, als natürliche, normale Speise. Und es ist doch Kindermord!

Da gab es doch diese Kuh namens Yvonne, die selbst die Freiheit gesucht hatte.

Über Tage, wenn nicht gar Wochen, berichteten Zeitungen aufgeregt über die Suche der „Guten" nach Yvonne, die bewies, wie schlau eine Kuh sein kann, wenn man sie nur lässt.

Die Zeitungen ließen jedoch fast keine Gelegenheit aus, mit erhobenem Zeigefinger, wieder gottgleich, auf den, nach ihrer Meinung, offensichtlichen Unsinn dieser Suche hinzuweisen: Man investiere viel zu viel Geld und Nerven für die Rettung eines Tieres, an dem schließlich die Plakette „Nutztier" hafte. Nein, es wurde nicht von einem Lebewesen geschrieben, das das Glück einer friedlichen zweiten Lebenschance auf einem Gnadenhof haben sollte, nein, die Kommentatoren ereiferten sich in der Betonung des klaren, kausalen Zusammenhanges zwischen der doch verrückten Mildtätigkeit von Tieraktivisten gegenüber Nutztieren und den mangelhaften Zuständen in Kindertagesstätten und Altersheimen, der Hungersnot in Afrika und der Eurokrise!

Hier zählt ausschließlich der Abakus: Welchen materiellen Wert besitzt eine Kuh? Wieviel Geld kostet im Gegenzug die Rettung einer Kuh? Und dann die abstruse Schlussfolgerung: Tierschützer müssten im Grunde verpflichtet werden, ihr anscheinend vorhandenes Kapital staatlichen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen, damit Gnadenhöfe, Kühe wie Yvonne, die aus merkwürdiger Weltfriedenssehnsucht resultierende Begeisterung für Tiere den allseits zubereiteten, vernünftigen Einheitsbrei des Geldkochens nicht mehr weiter störten.

Wenn Bürger sich von der Prämisse unserer Wirtschaftsordnung entfernen, die da ist: Goldenes Kalb

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