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Der Überbringer
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eBook321 Seiten3 Stunden

Der Überbringer

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Über dieses E-Book

Der schwarze Graf fordert Leonardo da Vinci zu einem Schachspiel heraus. Leonardo geht darauf ein und verliert. Die Folge wäre der Tod über alles Leben. Ein mächtiger Lehrer ist in der Lage, diese Katastrophe aufzuhalten. Es kommt zu einem neuerlichen Spiel und Leonardo gewinnt. Und zwar gewinnt er durch den Einsatz eines Springers. Dieser Springer findet sich schließlich im Louvre wieder. Und wird gestohlen. Der Kommissar Louis Noir ist nun gefordert, das gestohlene Exponat zu finden.
SpracheDeutsch
HerausgeberTWENTYSIX
Erscheinungsdatum29. Apr. 2016
ISBN9783740711757
Der Überbringer
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Autor

Jörg Röske

Jörg Röske studierte, unterrichtet heute Kunst und kreatives Schreiben. Er schreibt Romane und Gedichte und Erzählungen.

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    Der Überbringer - Jörg Röske

    Inhaltsverzeichnis

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    Der Adler des Vergessens

    Impressum

    1

    Das Spiel der Schatten, das Spiel des Leuchtens. Anheim gestellt jedweder Natur. Mag maßgebend sein im Rund des Kosmos'. Unerreicht von Sterblichen und Quantenspringern. Todes gemäß der Fröhlichkeit von Orden. Zusammenschlüsse im Diesseits. Denn Diesseits behauptet sich dem Jenseits. Und Diesseits konfiguriert sich effizient und entelechiologisch gegenüber dem Jenseits.

    Dem Reich der Toten, gesäumt von Bäumen des Werdens und Vergehens. Malen Runen Schriftzeichen an die Wände der gebieterischen Existenz des täfelnden Ganges. Dem jedwede naturelle Gebräuchlichkeit entspricht von Schwarz und Weiß.

    „Nun, gut so die Pflege deines gebräuchlichen Geistes in deinem Wahn?"

    Die Konkubine massierte.

    „Gebräuchlicher Geist, wie unsanft."

    „Habe ich dich gezwickt?"

    „Gezwickt im Aussprechen meiner Vernunft."

    „Vernunft ist dir beschieden, du Unabänderlicher."

    „Sehr wohl. Bedeutet die Gabe meines Grafentums unerreichbare Glückseligkeit."

    „Grafschaft wohl eher deines Standes gemäß."

    „Schweige und gehe, du lästerliches Weib."

    „Nun, sehr wohl, Unnachgiebiger. Wirst du Meditation und Kontemplation taktiler Art vehement vermissen."

    „Bleib, Mädchen. Vergib. Tue deine Dienste gewollt."

    „Nun, sei es so. In den Zeiten der Medici und der Vergängnis. Des lichten Wahns des Hieronymus'."

    „Schweig!"

    „Nun, denn so soll es sein."

    „Nein, rede weiterhin."

    „Mag der Heuwagen dir Vernunft überbringen."

    „Der Heuwagen?! Du Schändliche!"

    „Rede ich weiter, mit Verlaub. Und finde ich zwischen der Grazilität meiner Finger deines Rückens Muskeln."

    „Tue gut daran."

    „Entspanne dich, du Herr der Gezeiten der Jahrhunderte."

    „Sind sie nur von kurzer Dauer..."

    „Und ewig sollen sie währen, oh du Göttlicher."

    „Göttlich? Nein, nimmer mehr. Soll es ein Diesseits sein mit Eisen, Stahl und Härte."

    „Oh, der Stahl. Welche Zweckentfremdung. Soll es Eisen sein, ursprünglicher und duftender in der alchimistischen Anordnung."

    „Bist du eine Hexe?"

    „Und wenn? Nimmer wirst du mich den Scheiten ausliefern."

    „Wohl wahr gesprochen. Massiere nun weiter."

    „Ja, mein schwarzer Graf."

    2

    „Sind meines Wissens nach die Jahrhunderte nur Gezeiten im Spiegel des kosmischen Meeres."

    „Setze dich, Hieronymus. Hatte ich dich gerufen."

    „Wohl an, sage mir dein Begehr."

    „Zu wissen Stränge der Einsamkeit, des Wächters von Raum und Zeit."

    „Ein Wächter bin ich mitnichten. Bin ich ein Maler."

    „Malst du Unsichtbarkeiten."

    „Wiederhole ich meine Frage an den scheinbar Unsterblichen. Was ist dein Begehr?"

    „Sollst du der Erste sein."

    „Der Erste von was?"

    „Von Zeitenwogen, von befremdlicher Materie. Von Geheimnissen."

    „Ein Geheimnis verschweigst du mir."

    „Sage ich es nicht."

    „Soll ich ein Mittäter deines Ordens sein?"

    „Woher....?"

    „Male ich das Unsichtbare, spüre ich das Unsichtbare."

    „Was sagst du?"

    „Sage ich nein. Lasse dich weiter massieren von deiner Konkubine."

    „Überlege es dir."

    „Greife ich weiterhin nach meinem Gerät, Farben und Pinsel."

    „Wes werde ich werden?"

    „Sei dir der Morgendämmerung bewusst."

    „Nein, bin ich mir bewusst des schwarzen Amethyst auf schwarzem Samt."

    „Gehe hin in Frieden und beschwichtige den Zorn deines Gemütes."

    „Es ist kein Zorn."

    „Welcherlei dann?"

    „Es ist ein Spiel."

    „Dann spiele es. Aber lasse mich heraus mit meinen Pinseln und dem Duft der Farben des Öls."

    „Will ich es spielen mit ihm."

    „Mit Gott?"

    „Nein, sein Name wird getragen von den aufgehenden Flüchen der Sonne."

    „Leonardo?"

    „Du sagst es."

    „Dieses Spiel kannst du nicht gewinnen, Graf."

    „Doch, mit deiner Hilfe."

    „Meine Hilfe bleibt dir versagt."

    „Nun gut. Greife ich zu anderen Mitteln."

    „Andere Mittel sind dir nicht verwehrt. Aber verlieren wirst du."

    „Nun ja. Wie heißt es so unnachahmlich? Konkubinen sind der Massage mächtig."

    „Darf ich mich entfernen?"

    „Es sei dir erlaubt, Meister."

    3

    Waren es zwölf Dekaden von Arkadien. Wohnten Nymphen und Faune in dem Bereich. Klang der Äther nach Liebkosung, und schmerzten Utopien in eines jeden Sand. Wurden geprescht der Windpferde, zwölf an der Zahl. Nach dem neuen Land jenseits der großen Meeresfläche und in das Innere des Ostens. Wollte der schwarze Graf Magie aufbieten und solcherlei rekrutieren, die seines würdig waren. Jedoch waren diese Magier in ihrem Geiste weit dem Grafen voraus.

    „Man nennt mich Rabe.", sagte der indianische Schamane.

    „Rabe? Nun ja, bist du der Vorerbe des Mr. Edgar Allan Poe."

    „Wir sind noch nicht so ganz zivilisiert, wie es eure Bücher mahnen. Jedoch ist mir der Geist des Mr. Poe geläufig."

    „Woher, Schamane?"

    „Der Geist der Krähe durchdringt die Nacht, der Geist der Krähe durchdringt das Schattenreich. Der Geist ist jenseits des Steins und des Berges und des Grases der Steppe. Und doch ist er in diesen Dingen."

    „Du sprichst in Rätseln, Schamane."

    „Wenn wir eingehen in den Ritus unserer Trommeln, sehen wir. Wir sehen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft."

    „Magst du dich beteiligen an einem Spiel, Krähe?"

    „Spiele nur du es. Ich trommele für dich."

    „Wirst du mir deine Visionen sagen?"

    „Ich werde."

    Der schwarze Graf war gewahr der inneren Andacht und der inneren Stärke des indianischen Schamanen. So ließ er Respekt walten, war er überbracht und überantwortet und fröhlich gewaltet von der Macht von Rabe.

    „Ziehe ein mit mir in die Erde."

    „Die Erde birgt alles. Gutes und Böses."

    „Es wird dir an nichts fehlen."

    „Doch. Jagdgründe gibt es nicht im Schattenreich."

    „Lege deinen Pfeil und deinen Bogen beiseite. Und, bitte, folge mir."

    „In die Katakomben von Dunkel und Zweifel?"

    „In die Katakomben des Spiels."

    Rabe lachte auf, denn er wusste, das Spiel war das der Kinder. So folgte Rabe dem schwarzen Grafen in das unterirdische Areal.

    4

    Zeiten vergingen, Zeiten zerstoben. Wärmten sich der Graf und Rabe an dem Feuer in der Höhle der Tiefe. Ostleute traten an, gingen sie über dem Feuer.

    „Welch Glanz!, strahlte der Graf, „Seid gegrüßt. Jedem ein Fleisch gewiss.

    Teilte man das Gejagte von der oberen Schicht der Existenz. Sagte man Adieu dem einen, hälftete man sich der Genauigkeit. Gab es Raben in dem unterirdischen Gewölbe, waren es Fledermäuse.

    Partikel des Geistes des Indianers.

    „Nach Ansprache meiner selbst, gründen wir den Orden des Antagonismus'. Zu Schanden soll er werden, der Große!, rief der Graf in die Höhle, „Soll er leiden und Wehe jammern, der genialistische Zweck in Fleisch und Blut. Sollen seine Errungenschaften in Bild und Materie irritieren die Söhne der Erde!

    Wusste man das Moment des Redners. Wusste man seine Neigung zum bestechlichen Untergang.

    „Eröffne ich mit dem ersten Zug! Ein Bauer für zwei Schritte vor! Wird ihm meine Warnung deuchten!"

    Trat der Bauer zwei Schritte vor. Und Leonardo erwachte.

    5

    „Welch Spiel der Kräfte."

    Leonardo saß aufrecht in seinem Bett.

    „Kommen die Geister zu mir? Verlangen Sie nach beruhigendem Wein?"

    Leonarda da Vinci sinnierte. Nur 25 Annalen zählten seine Ägiden in Zeit und Raum.

    „Erinnere ich mich, gestern Raben über dem Feld gesehen zu haben. Sprechen die Götter zu mir, oder ist es nur ein Brauch der Trunkenheit, dem ich gestern gefrönt hatte?"

    Die Gedanken des Genialen rannen staubweise durch das Konvolut seines Zerebrums. Und benannte er seine Schlafherberge als vergessen und drang in den Raum seiner Stube. Und sah er ein Schachspiel. Ein wenig zu groß angelegt, aber er sah es.

    „Nun gut, ein Bauer kam vor. Eröffne ich meine Strategie mit einem Springer."

    Und ein solcher betrat das Offizium des Heiligen.

    „Sage an, bist du der Antagonist, der mir dieses Spiel bereitet?"

    „Mitnichten. Sage an, Genialer, magst du angehören der Gilde des schwarzen Grafen?"

    „Schwarzer Graf? Welch' Unterschiede in Zeit und Raum."

    „Und ist es die Zeit, die ich zu durchdringen vermag."

    „Bist du der Schiffer des Styx oder gar der der Weltmeere?"

    „Nein, zu springen ist einfaches Geschäft. Nur der Sold ist hoch."

    „Ach, so hoch, wie ich gemeint hatte zu sehen und es verworfen hatte?"

    „Zu sehen, was du gesehen, diese Aufgabe ist mir abhold. Nun, sage an."

    „Schwarz zu sehen und dann noch geadelt, solcherlei ist mir nicht zustehend."

    „Nun denn, möge die Partie beginnen."

    „Reift es schon, das Spiel."

    „Natürlich. Werde ich mich nun meiner Zeitsprünge vergewissern."

    „Rekrutiere, wen du willst, aber lasse mich außen vor."

    „Nein, so ist es nicht. Du bist der heilige Eid, die Nachkommenschaft aller Zivilisation."

    „Ah, rekrutieren willst du mich doch. Für die Dunkelheit, für das Binsengewächs der Zukunft, für den Sieg des Spiels."

    „Nun, muss ich meiner Aufgabe gewahr sein."

    „Was macht die Reisefähigkeit in deiner Zeit?"

    „Das zu orten, wirst du niemals können, Leonardo."

    „Ach, du meinst, meine Werke sind eingeschlossen in das Kabinett des Jetzt?"

    „Ach, nimm Pinsel und Farbe und erlöse mich."

    „Habe ich dich, Zeitspringer."

    „Oh nein, wehe, der Graf wird mir mit seinem Schwarz vergelten."

    „Sei gefangen, Zeitspringer. Wessen Name darf ich dir hoch Not peinlich anheim stellen?"

    „Wir, die Zeitspringer, sind jenseits des Gebrauchs eines Namens."

    „Dann befinde dich als gefangen, du Namenloser."

    „Oh, du Genialer. Hätte ich doch dich gewählt."

    6

    Wurde geboren ein Knabe im August des Jahres 1895, war es der 25. Tag im benannten August. War sein Vater ein Dorfschullehrer mit alchemistischem Wissen und die Mutter die Fahrerin einer Kutsche über die Weiden und Dörfer, entlang der Gestade der Provence. War der Knabe gereift, unterwies ihn der Vater in Zukunftsdeutungen und Alchemie, und nahm ihn die Mutter mit auf ihren Kutschfahrten hin bis ins heilige Rom. Und sagte der Knabe schon frühkindlich Weises. Weises im Namen der Schatten und Weises entlang des windigen Weges am Feld. Und wurde er hinein geworfen in die Kräfte der Mächte und in die des Windes. Und der Vater war mehr als ein Dorfschullehrer.

    „Nun beäuge die Stadt.", sagte die Mutter bei einer Kutschfahrt durch Rom.

    War der Vater nicht dabei, sammelte er Muscheln am mittleren Meer. Zu hören deren Klang in seinem Ohr, in dem es noch weit mehr zu hören gab. Schwingungen des Kosmos und der Geschmacksliebe und der Geschichten von Orient und Okzident. Waren es Wallfahrer, die unsichtbar und unsterblich seine Hütte aufsuchten, denn der Vater war ein Wissender. Ein zentrales Techtelmechtel von Sein, von unwiederbringbaren Gefühlen, von stehenden Sternen am Firmament.

    Man sagte, der Vater war ein tot geschwiegener Druide. Ein letzter und erleuchteter Weise, gestrandet auf dem Sand des mittleren Meeres. Enthauptet in vergangener Zeit und wieder gekommen durch des Schicksals Wille. Und das Schwarz der Nacht begann sich zu legen auf die Menschheit, und die Menschheit wusste nicht, dass das Schwarz der Nacht ein Geschenk war. Aber in der waren die Zeitspringer am wirksamsten, und sie besudelten mit ihrem Geflecke das Firmament der Diesseitigkeit dringend und unabänderlich.

    7

    „Magst du eingehen in die Unsterblichkeit des Firmaments, geehrter Salvador?"

    „Nun denn, geadelt bin ich schon und erwarte meinen Tod."

    „Soll dir die Unsterblichkeit genesen sein."

    „Unsterblich bin ich schon in meinem Schloss in Púbol."

    „Nein, ich meine wirkliche Unsterblichkeit."

    „Das ist nicht gemäß der Wahrheit."

    „Und wenn ich verlauten lasse, dass es eine wirkliche Unsterblichkeit gibt?"

    „Mitnichten, mein Leib ist müde, das Ende erwartet mich."

    „Nun denn, der schwarze Graf erwartet dich."

    „Mich und meine Genialität?"

    „Nicht mehr und nicht weniger."

    „Zu welchem Zweck?"

    „Zu erobern die Welt des Irrationalen."

    „Das habe ich schon getan. Sage mir etwas an."

    „Zu erobern das Spiel."

    „Das Spiel ist verloren."

    „Mitnichten."

    „Was soll noch der Existenz anheim fallen?"

    „Das Willkürliche, das Unwillkürliche. Die Zepter der Rahmenbedingungen, molekulare Instabilitäten, zeitliche Antagonismen."

    „Hatte ich alles durch gerechnet und existenziell kalkuliert."

    „Was sagst du?"

    „Hast du mir nicht mehr zu bieten kurz vor meinem Tod?"

    „Habe ich dir zu bieten den Nicht-Tod."

    „Oh, welch unwägbares Ereignis, nimmermehr werde ich es sehen, begreifen und fühlen."

    „Deine Aufrichtigkeit schmeichelt dir, aber habe ich ein Angebot."

    „Der Nicht-Tod? Lasse ab, dem selbst meine Ölfarben nichts entgegen zu wirken haben."

    „Aber dein Geist."

    „Sage an, was bist du für ein Kalkül in dem Sein, versprochenerweise der Nicht-Tod?"

    „Bin ich ein Geläuterter in Raum und Zeit, ein willkommener Part der Vernunft. Zu retten alles Sterbliche."

    „Glaube ich dir nicht. Ziehe mich über den Tisch, aber ohne Salvador Dalí."

    „Dann wirst du niemals erfahren."

    „Mit Verlaub, allem Wissen ich schon geschmeidigte. Nicht allem, aber allem, welcherlei von Nöten."

    „Zu spielen Schach."

    „Schach? Das Spiel der Könige?"

    „So ist es."

    „Willst du mir den Teufel an meine Seite kaufen?"

    „Der Teufel ist nicht im Spiel."

    „Der Teufel ist immer immer Spiel. Nun denn, 20000 Dublonen, das ist mir meine Seele wert."

    „Nein, nicht der Teufel. Der andere."

    „Es gibt einen anderen?"

    „Es ist der schwarze Graf."

    „Welcherlei mehr soll er sein, als des Teufels?"

    „Ein Spielintrigant von erleuchtetem Wahn."

    „Spielt er mit wem?"

    „Mit Leonardo."

    „Dann wird der schwarze Graf verlieren."

    „Nein, hat er noch ein Ass im Ärmel."

    „Und welches?"

    „Auskunft ist verschwiegen und unmaßgeblich."

    „Alles ist verschwiegen und nicht statthaft."

    „Hängt das Skelett am seidenen Baum."

    „Sehe ich zu, zu gewinnen die Ruhe."

    „Niemals wird es Ruhe geben."

    „Doch, am Einsamkeitstag des Druiden in nächtlichem Glanz."

    8

    War der Raum der Toscana. Ein Bauer durchstreifte mit seinem Karren selbiges. In verwahrloster Zeit. Im Damals, als noch Ägiden regierten. Und Utopia schmachvoll an die Tür aus bescheidenem Holz klopfte. Und war es Arkadien, das mit seinen Torbögen leuchtete. War es Sommer und warm und Äcker waren und Wiesen und mancherlei Duft. Und der Bauer ob seiner Gewohnheit des Stalles Vieh fuhr. Und in der Geisterstadt der warmen Luftströme der kleine Sohn sah das Auge in Florenz. Und war es nicht Florenz, war es das Auge des Florentiners, das sah. Und das Auge überschattete alles. War es ein gehöriges Auge, ein Auge, das sah. Denn nicht alle Augen sahen.

    Denn Augen konnten sehen. In allen Zeiten und in den übrigen. Man sah und stach in der Nacht des Bartholomäus'. Und der Junge atmete den Duft der Wiesen und Sträucher und war berauscht vom Antlitz der Erde. Nur so, wie es sensible Jungen tun konnten. Unweit des Meeres. Unweit von Utopia, unweit des Ganges. Unweit von Phantasie und Wirklichkeit. Im damaligen Arkadien, das man sich wünschte, und war es doch da. Abgebildet durch die Hand Claude Lorrains. Bildeten immer welche ein Paradies ab, dem man strebte. Aber waren die Paradiese da, nur zu sehen von Göttern. Und legten die Götter die Segmente des Lichtes nieder, zu ruhen in der Nacht. Am heiligen Berg, der heilig war in jedweder Nacht. Auch Bartholomäus empfing solcherlei Segen. Im Blut des Angesichts und der Hingemordeten. Und sprach der Junge zu dem Vater.

    „Gib mir von dem Wein."

    Und der Vater gab von dem Wein dem Jungen. Und der Junge trank. Und sah er noch mehr das Auge der Toskana. Und zu sehen war nicht jedem gewiss. Und bemerkte der Junge, er trank Blut.

    Blut von den Gemordeten aus Zeit und Raum. Wurde der Junge ein Zeitspringer. Auf dem Karren seines Vaters.

    Niemals sollten sich Goethe und Joyce unverständigen. Waren es immer die Augen eines kleinen Jungen, der später schrieb. Der schon hellsichtig sah, was andere in Äonen später mitnichten sehen konnten. War Weisheit ein Reflux aus dem Inneren der Erde, das vulkanisch als Erbrochenes in Schubladen gestapelt wurde. Im seichten Gewässer der Zivilisation. Man dankte Freud, Adler und Jung. Wurden ihre Schriften verbrannt im alteingesessenen Habitus. Sagte man dem Teufel ab und beschwor ihn zugleich.

    9

    Sind Zeitspringer am Rande der Existenz eines Genialen. Bedingen sie

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