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Kit Carson #9: Gefahren am Mississippi

Kit Carson #9: Gefahren am Mississippi

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Kit Carson #9: Gefahren am Mississippi

Länge:
607 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Dez. 2019
ISBN:
9781533701695
Format:
Buch

Beschreibung

In Florida rüsten die Seminolen zum Aufstand. Am Mississippi ziehen die Stämme der Sauk und Fox gegen die weißen Siedler ins Feld. Bei den Mormonen gärt es. Und auch auf dem New Mexico-Territorium droht Krieg.

Noch ahnen nur wenige Menschen, dass zwischen all diesen dramatischen Ereignissen ein Zusammenhang besteht. Die Fäden werden in Washington gezogen. Sollte diese groß angelegte Verschwörung von Erfolg gekrönt werden, so wird es kein geeintes Nordamerika mehr geben. Die politische Zukunft der noch jungen Nation steht auf dem Spiel.

Kit Carsons Mentor Charles Bent aber ahnt längst, was im Geheimen geplant ist. Er schickt Kit Carson und dessen Freund Washakie an den Mississippi, um dort Schlimmeres zu verhindern. Jim Bridger lässt er zu den Lemhi-Schoschonen reiten, um dort einzugreifen. Und er selbst begibt sich nach Florida, wo in einem abgelegenen und verlassenen, ehemals spanischem Fort die Seminolen gefährliche Pläne schmieden.

Herausgeber:
Freigegeben:
20. Dez. 2019
ISBN:
9781533701695
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Kit Carson #9 - Leslie West

Klappe

Missouri 1830. Als der junge Kit Carson in einer Sattlerei mit einem Giganten namens Seth McClusky zusammenstößt, ahnt er noch nicht, dass dieser zu seinem Todfeind werden wird. Zwei Jahre später erhält er den Auftrag, einen Treck einzuholen, der von einem verräterischen Scout ins Verderben geführt werden soll. Sein Name: Seth McClusky!

Der Treck nach Kalifornien wird von Jim Bridger übernommen und verliert einige Teilnehmer: Ezra Carlisle und seine Nichte Linda sind im Besitz einer geheimnisvollen Schatzkarte, die nach Niederkalifornien weist, und Kit Carson will sie nicht allein und schutzlos dorthin ziehen lassen. Ganz uneigennützig ist sein Angebot indes nicht, denn er hat sich in Linda Carlisle verliebt.

In einer geheimnisvollen Gebirgsstadt scheint ein letzter Kampf auf Leben und Tod zwischen Kit Carson und dem Erzschurken Seth McClusky stattzufinden. Als Washakie eintrifft, ist die Entscheidung längst gefallen. Doch der Tote ist nicht Seth McClusky...

Dies ist der 4. Sammelband mit den weiteren Abenteuern Kit Carsons und enthält die Erzählungen:

Wagenzug nach Kalifornien

Der Schatz der Jesuiten

Bittere Rückkehr

Der Schatz der Jesuiten

AMERICAN FRONTIER KIT CARSON – der legendäre Scout

Band 7

von LESLIE WEST

Der Umfang dieses Buchs entspricht 187 Taschenbuchseiten.

Der Treck nach Kalifornien wird von Jim Bridger übernommen und verliert einige Teilnehmer: Ezra Carlisle und seine Nichte Linda sind im Besitz einer geheimnisvollen Schatzkarte, die nach Niederkalifornien weist, und Kit Carson will sie nicht allein und schutzlos dorthin ziehen lassen. Ganz uneigennützig ist sein Angebot indes nicht, denn er hat sich in Linda Carlisle verliebt.

Doch auch Washakie kann nicht bei Merriweathers Wagenzug bleiben. Er muss so rasch wie möglich zu seinem Stamm zurück. Cameahwait, das greise Oberhaupt der Lemhi-Schoschonen, ist spurlos verschwunden und angeblich tot. Und der ruchlose Medizinmann Sacaja würde nur allzu gern seinen Sohn Ushopa als dessen Nachfolger sehen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover by Hugo Kastner, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

ABSCHIED

Vom höchstgelegenen Palisadengang des mächtigen Handelsforts am nördlichen Green River ließ Kit Carson seine Blicke über die Prärie schweifen, die die gewaltige Anlage umgab.

Durchziehende Trapper und einheimische Indianer nannten diese Befestigung Bonnevilles Besessenheit - sicher nicht ganz zu Unrecht.

Benjamin L. Bonneville war ihr Erbauer und Herr. Ein ehemaliger Captain der U.S.Army, der als erster einen Wagentreck - zwanzig Wagen mit Frachtgut - über die Rocky Mountains nach Oregon geführt hatte. Dann hatte er urplötzlich aus unerfindlichen Gründen seinen Dienst quittiert, um in diesem abgelegenen Niemandsland eine Handelsstation zu errichten, deren Rentabilität höchst zweifelhaft erscheinen musste. Die kriegerischen Blackfeet-Stämme der Umgebung waren nur ein Grund dafür.

Dieser widersinnige Entschluss und die gewaltige Palisadenwand, mit der der frühere Captain seinen Stützpunkt umgeben ließ, hatten den Namen Bonnevilles Besessenheit für das Fort geprägt.

Dass es sich allerdings in der Tat um ein Fort handelte, war eine Erkenntnis, die bisher nur Kit Carson zuteil geworden war, und die er seinem Scharfsinn zu verdanken hatte. Jüngst hatte er Bonneville unter vier Augen darauf angesprochen. Der vierschrötige und nicht sehr entgegenkommende Handelsherr war daraufhin mit einem Male ein ganz umgänglicher Mensch geworden.

Kit hatte ihm allerdings durch die Blume zu verstehen gegeben, dass dieses Geheimnis bei ihm gut aufgehoben war. Als Gegenleistung dafür hatte er freilich eine gewisse Bereitschaft für eine künftige Zusammenarbeit gefordert.

Bonneville war, wenn auch mit leisem Zähneknirschen, auf dieses Angebot eingegangen. Er hatte den Treck, den Kit Carson nach Westen führen sollte, gut versorgt und war inzwischen auch bereit, mit Charles Bent Geschäftsverbindungen aufzunehmen. Bent war Kits augenblicklicher Boss, mit dem ihn auch trotz seiner jungen Jahre eine alte Freundschaft verband. Zur Zeit residierte er in Santa Fé.

Etwas in der Ferne erregte Kits Aufmerksamkeit. Der hochgewachsene junge Trapper und Scout, dessen dichtes blondes Haar eine Handbreit über den Kragen seiner mit langen Fransen verzierten Wapitilederjacke hinab fiel, legte die linke Hand an die Stirn, um gegen die gleißende Sonne anzukommen.

Unweit des Trampelpfades, der schräg auf das Tor der Festung zuführte, lag eine kleinere Insel von Salbeipflanzen, von deren Knospen und Blättern sich die Wermuthühner vorwiegend ernährten. Den größten aller nordamerikanischen Hühner diente der dichte Wuchs dieses Krautes allerdings auch als geeigneter Unterschlupf, da ihr graues Gefieder beinahe mit der Farbe der Stängel und Blätter übereinstimmte.

Linda Carlisle und Rainbow waren am Vortag der Salbeiinsel zu Leibe gerückt, um sich einen größeren Vorrat dieser Heilpflanzen zu sichern. Linda Carlisle war eine Angehörige des Trecks, eine braunhaarige junge Frau von aparter Schönheit, auf die Kit ein Auge geworfen hatte.

Sein neuer Freund Washakie allerdings auch. Der fast gleichaltrige Kampfesgefährte, der seine letzten Jahre bei den Lemhi-Schoschonen verbracht hatte, hatte beschlossen, den Treck ein Stück zu begleiten. Auch er hatte an Linda Carlisle Gefallen gefunden.

Rainbow war ein schlaksiger junger Pawnee, und dazu stumm. Er war Doc Lothwood, dem im Handelsposten ansässigen Arzt, ein fleißiger und treuer Gehilfe.

Gestern waren sie es gewesen, die die Wermuthühner aufgeschreckt hatten. Heute flatterten die in ihrer Mittagsruhe gestörten Vögel in Richtung des Forts. Die Ursache musste diesmal folglich hinter der Salbeiinsel liegen.

Zwei Reiter, Weiße. Kit kniff die Augen noch stärker zusammen, musste sich aber dennoch eine Weile gedulden. Als er allerdings Gewissheit hatte, stieß er einen leisen Pfiff aus. Dieser Besuch kam gänzlich unerwartet, aber desto gelegener. Doch welchen Grund mochte er haben?

Das Fort bekommt Gäste!, rief er nach unten. Es sind Freunde! Ihr könnt sie unbesorgt hereinlassen. Ich kenne sie.

Benjamin Bonneville musste seinen Ruf ebenfalls vernommen haben. Der kräftig gebaute Handelsherr kam aus der Eingangstür des Haupthauses, sprang behände die Treppen hinab und näherte sich dem Palisadentor. Ein knapper Wink bestätigte Kits Aufforderung. Zwei jüngere Männer lösten die Verriegelung und zogen die Flügel auf.

Die beiden Neuankömmlinge stiegen noch draußen ab und führten ihre Pferde an den Zügeln herein. Der vordere Mann tippte grüßend an seinen Hut.

Der Boss persönlich. Vielen Dank, Mister Bonneville. Das wäre nicht nötig gewesen.

Der Besitzer des Handelspostens runzelte die Stirn.

Ich kenne Sie nicht, stellte er fest. Oder hatten wir bereits das Vergnügen?

Von den oberen Palisaden erklang ein kurzes Auflachen.

Es freut mich, dass Sie von Vergnügen sprechen, Mister Bonneville. Gestatten Sie, dass ich erneut die Vorstellung übernehme. Die Sommersprossenwiese unter dem roten Haargestrüpp gehört zum Besitztum von Rusty Forsythe. Das Birkenrindengesicht neben ihm hört auf den Namen Caggins. Beide arbeiten für Mister Bent.

Himmeldonnerwetter!, röhrte Forsythes Organ auf. Wenn das nicht unser alter Kit Carson ist, soll meine Flinte ab heute nur noch mit Mottenkugeln schießen!

Und meiner Schwiegermutter sollen sämtliche Haare ausfallen!, fügte Caggins hinzu. Die auf den Zähnen, versteht sich.

Kit war die Leiter herabgestiegen. Die letzten drei Yard sprang er. Die Freunde umarmten sich.

Ben Bonnevilles Gesicht zeigte einen weniger erfreuten Ausdruck. Er hatte sich jedoch schnell wieder in seiner Gewalt.

Ein Mittagessen zu viert, Gentlemen? Nach dem langen Weg haben Sie es sich wohl verdient. Folgen Sie mir.

Das ist ein Angebot nach meinem Geschmack, Sir!, musste Rusty Forsythe zugeben. Charles Bents langjähriges Faktotum war für seinen Hunger berüchtigt. Davon konnte Bonneville allerdings nichts ahnen.

Mit Verlaub, Boss, wandte sich Caggins auf dem Weg zum Hauptgebäude an Kit Carson. Wenn Sie an meiner Stelle wären, würde meine Schwiegermutter Sie nun fragen, wo zum Teufel  ... 

  ...  ich stecke, da ich doch längst mit meinem Treck nach Westen unterwegs sein sollte, vollendete Kit Carson den Satz. Nun, Caggins, wie du siehst, bin nicht nur ich, der ganze Treck ist noch hier. Wir hatten einige Schwierigkeiten. Davon jedoch später. Was macht ihr denn hier?

Nun ja. Caggins kratzte sich am Schädel. Wie Sie wissen, ist die letzte Saison verdammt gut gelaufen. Das haben wir Ihnen zu verdanken, Boss.

Kit akzeptierte diese Anrede, weil er wusste, dass er sie Caggins nie wieder austreiben konnte. In diesem Jahr war Kit erstmals als Truppführer einer Mannschaft von Pelzjägern in die Berge gezogen, was Charles Bent bestimmt hatte. Trotz seiner Jugend war er so erfolgreich gewesen, dass seine Mannschaft ihn bis heute in den höchsten Tönen lobte und wie ein Mann bereit stand, auch in der nächsten Saison wieder mit ihm loszuziehen. Doch mittendrin war er von Bent zu diesem Treck abberufen worden.

Und weiter?

Mister Bent hat viel über 'Bonnevilles Besessenheit' nachgedacht. Es muss einen Grund geben, in diesem hintersten Hinterland einen Handelsposten anzulegen. Aber Bonneville ist ein arglistiger Bursche. Mister Bent hat kaum Hoffnung, mit ihm ins Geschäft zu kommen. Dennoch will er es versuchen. Daher hat er seinen besten Mann geschickt. Rusty Forsythe. Doch selbst Rusty glaubt nicht an einen Erfolg.

Nein?, lächelte Kit. Dann hat er sich aber schwer getäuscht.

*

Zwei Tage war es her, dass Kit Carson in diesem Saloon eine üble Schlägerei überstanden hatte. Er war allein gegen alle gestanden. Aber den Mann, der ihm vorgestern zu Hilfe gekommen war, hatte er heute morgen erschießen müssen, um ein anderes, unschuldiges Leben zu retten. Rainbows Leben.

Halbgesicht war an seiner Kugel gestorben.

Kit schüttelte sich. Nach dem erfolgreichen Mittagessen mit Bonneville hatte Rusty in seinem Überschwang darauf bestanden, sofort einen Saloon aufzusuchen. Alle anderen waren jedoch um diese Zeit noch geschlossen gewesen. So waren sie letztendlich dort eingekehrt, wo ein verhängnisvolles Abenteuer seinen Anfang genommen hatte.

Einst, vor vielen Jahren, habe ich einen unschuldigen Jungen in der Prärie aufgelesen, der nichts Eiligeres zu tun hatte, als meinem Boss, Mister Bent, seine halbfertigen Schießkünste vorzuführen. Heute aber, beklagte sich Rusty, bringt dieser Kunstschütze, der hinter den Ohren damals gerade so trocken war wie heute der ganze Atlantik, es fertig, ein Geschäft abzuschließen  ... 

  ...  mit dem du dich selbständig machen und Mister Bent den Rücken kehren könntest, schloss der junge Trapper.

Das wäre mein Untergang, lachte Rusty. Aber Bent wird es dir danken. Wie hast du das nur zustande gebracht?

Lass nur, winkte Kit ab. Eine zweite und letzte Runde, bevor wir aufbrechen! Das heißt, Washakie und ich. Ihr könnt ja noch bleiben, aber der Treck muss weiterziehen. Ich übernehme sie. Trinkst du noch ein Bier, Washakie?

Der hochgewachsene Halbschoschone schüttelte leicht den Kopf, und Kit verstand ihn. Auch er trank sein zweites Glas nur um der Geselligkeit willen.

Von den Lemhi-Schoschonen? Caggins' kurze Frage war direkt an Washakie gerichtet.

Das ist mein Stamm, gab dieser die kürzestmögliche Antwort, ohne seine persönliche ereignisvolle Geschichte wiedergeben zu müssen.

Wir sind ihnen in der Mesa des Roten Sandes begegnet, fuhr Caggins fort. Und wir hatten Glück, dass es einige von denen waren, die nicht erst angreifen und dann fragen. Der ganze Stamm ist in Aufruhr. Sie hatten einen weißen Gefangenen, der ihnen entkommen ist und dabei trotz seiner Verwundung einige Tote zurückgelassen hat. Er soll von gewaltigem Körperbau sein und über Kräfte verfügen, mit denen sich kein gewöhnlicher Sterblicher messen kann. Sie suchen ihn noch immer. Und sie fürchten seine Rache. Er soll mit den verfeindeten Blackfeet im Bunde sein, die den Lemhi-Schoschonen die erlittene Niederlage ebenfalls heimzahlen wollen.

Im Kreis der Freunde war es still geworden. Washakies Betroffenheit stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben, so sehr er sich auch bemühte, sie nicht allzu deutlich werden zu lassen.

Ich muss zurück, fasste er sich schließlich. Wie gern wäre ich noch mit dem Treck weitergezogen. Der Lauf der Ereignisse macht dies unmöglich. Mein Stamm braucht mich in dieser schweren Stunde.

Abrupt erhob er sich.

Lebt wohl. Vielleicht sehen wir uns in glücklicheren Zeiten wieder.

Er war kaum draußen, als Kit schon wieder an seiner Seite war.

Ich wollte, ich könnte dich begleiten, sagte der junge Trapper. Der ganze Treck schuldet dir seine Rettung.

Seth McClusky, den wir 'Skullcrasher' nennen, hat den Weißen Bison getötet. Die Blackfeet sind unerlaubt in unser Gebiet eingedrungen. Es ist unser Kampf, den wir ausfechten, Gelbhaar.

Trotzdem würde ich sofort mitkommen, wenn dieser Treck nicht wäre. Weder Rusty noch Caggins können ihn übernehmen.

Ich weiß. Aber du kannst mich noch ein kleines Stück begleiten. Erwarte mich vor dem Tor.

*

Doc Schutzbier wollte sich auch noch von seinem Kollegen im Fort verabschieden, von Doc Lothwood. Er suchte ihn an seiner Arbeitsstätte auf, deren Wände Regale waren, die mit allen möglichen Behältnissen bestanden waren. Sie enthielten allesamt Kräuter, Salben und Pastillen.

„Bestimmt haben Sie mehr Kundschaft als ich", stellte der Arzt von Lloyd Merriweathers Treck fest.

„Es stimmt, dass den Soldaten mehr und auch meist härtere Sachen zustoßen als den Siedlern, räumte Doc Lothwood ein. „Dennoch sind Sie, Herr Kollege, der größere Pionier. Ich weiß, wo ich bin, und Sie ziehen weiter ins Ungewisse.

„Gebraucht wird unser Berufsstand überall, stimmte Norman Schutzbier zu. „Aber das mit dem ‚größeren Pionier’ ist ja wohl nicht so zutreffend. Im übrigen bin ich überzeugt, dass auch Ihnen noch Wandel bevorstehen. Dieses Fort könnte einst zu einer Stadt anwachsen, es könnte aber auch aufgelöst werden. Was würden Sie dann machen?

Doc Lothwood überlegte eine Weile.

„Ich gestehe, dass es mir nicht viel anders gegangen ist als Ihnen, Herr Kollege. Mich haben das Unbekannte und die Wildnis ebenso gelockt wie Sie. Und Wildnis wird der Westen noch auf Jahrzehnte, wenn nicht länger bleiben. Mich lockt, offen gestanden, vor allem der Südwesten dieses grandiosen Landes. Eine der ganz alten Städte vielleicht – wie die Siedlung Taos, die seit Jahrhunderten bewohnt ist. Ein Schnittpunkt indianischer, mexikanischer und amerikanischer Kultur. Taos könnte mein nächstes Ziel sein, in der Tat. Sie werden diese Stadt bestimmt auch irgendwann einmal kennenlernen, Herr Kollege."

Taos würde auch mich faszinieren. Und ich würde mich freuen, Sie dann dort anzutreffen.

Ich mich nicht weniger. Wer weiß, was uns die Zukunft bringen wird.

In der Tat sollten die Wege des Schicksals beide Männer nach Taos führen. Den einen Jahre, den anderen Jahrzehnte später.

Leider ist der Zeitpunkt gekommen, jetzt Abschied zu nehmen, ergriff Norman Schutzbier erneut das Wort. Ich muss mich unverzüglich beim Treckführer einfinden. Leben Sie wohl, Herr Kollege. Ich habe Sie als Mensch sehr schätzen gelernt und werde Sie in bester Erinnerung behalten.

*

Lloyd Merriweather, der Anführer des Trecks, erschien zusammen mit Doc Norman Schutzbier vor dem Wagen der Carlisles.

Die Treckältesten wollen noch einiges kurz durchsprechen, Ezra, erklärte er Linda Carlisles Onkel. Es wäre nett, wenn du mitkommen könntest.

Selbstverständlich. Du bleibst solange beim Wagen, Linda. Lass dir im letzten Moment nichts mehr von den hiesigen Händlern aufschwatzen.

Keine Sorge, Onkel Ezra.

Das zurückhaltende Wesen und die stille Schönheit Lindas, die einem flüchtigen Betrachter nicht gleich ins Auge fiel, hatten schon manchem jungen Mann des Wagenzuges schlaflose Nächte beschert.

Als die drei Männer verschwunden waren, stand unvermittelt Washakie neben ihr. Sie schrak leicht zusammen.

Dies ist für Sie, Miss Linda, sagte er, während er ihr eine zierliche, aus Cottonwood geschnitzte Figur überreichte, die sorgfältig bemalt war und etwa die Länge seiner Hand hatte. Ein Geschenk meiner Mutter, die als Umatilla geboren ist. Es handelt sich um ein Hon- oder Bären-Katchina aus dem Süden. Es gilt als sehr mächtig und heilt Krankheiten. Auch Sie, Miss Linda, bemühen sich mit Ihren Kräutern um kranke Menschen. Möge das Katchina Ihnen dabei helfen.

Ich  ...  ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, stammelte Linda. Warum das, Washakie?

Ich muss den Treck verlassen, weil der Stamm, zu dem ich gehöre, in Not ist. Aber ich möchte, dass Sie mich nicht ganz vergessen. Sie sind eine tapfere Squaw. Ich wollte, ich könnte  ...  aber es gibt Worte, die besser ungesagt bleiben.

Linda ergriff seine Hand. Ihre Wangen glühten. Und doch hatten beide Angst, weiterzusprechen. In Lindas Augen stand ein Leuchten, das Washakie nie vorher gesehen hatte.

Seine Vernunft hatte ihn daran erinnert, dass er bereits in seinem Volk als Mischling galt. Zwischen wie vielen Welten wollte er eigentlich leben? Welch langer Weg zur Selbstfindung stand ihm noch bevor? Konnte er da schon vorher sein Herz sprechen lassen?

Ich werde immer an Sie denken, Miss Linda. Doch nun leben Sie wohl.

Danke, Washakie. Für alles. Und  ...  auf Wiedersehen.

Die letzten Worte klangen ihm noch in den Ohren, als er bereits zum Tor hinaus gesprengt war.

*

Kit erwartete ihn zwei Meilen entfernt. Er wusste sehr wohl, was in seinem Gefährten vorging, aber er wusste auch, dass es seine Freundespflicht war, diese Angelegenheit nicht anzusprechen. Doch was ging in ihm selbst vor? Gab es ab jetzt  ...  nur noch einen Bewerber um Linda?

Lange ritten sie schweigend zusammen. Schließlich ergriff Washakie als erster das Wort.

Pass gut auf sie auf, Gelbhaar. Wenn du es nicht tust, komme ich zurück.

Ich wünsche mir, dass du zurückkommst, Washakie, erwiderte Kit ernst. Noch nie habe ich in so kurzer Zeit einen Menschen dermaßen schätzen gelernt. Ich wollte, wir könnten zusammenbleiben. Aber das habe ich dir schon gesagt. Du wirst uns fehlen. Mir, um ehrlich zu sein.

Wir sind noch jung, Gelbhaar. Wenn der Große Chingichnish es will, wird er uns wieder zusammenführen. Vielleicht bald. Das wäre schön. Aber du und ich, wir würden uns beide verachten, wenn wir nicht zu unseren Aufgaben und unserer Verantwortung stünden. Möge sein Segen dich immer begleiten. Doch nun  ...  alles Gute.

Kit spürte einen Kloß in der Kehle. Sie reichten sich die Hände, dann schieden sie mit dem indianischen Gruß. Washakie winkte noch einmal zurück, bevor er in der endlosen Weite der Prärie verschwand.

DIE KLEINE MADGE

Dieses Mal bildeten Ezra und Linda Carlisle den Schluss des Wagenzuges; eine Abwechslung, die den beiden sehr gelegen kam. Zu lange waren Onkel und Nichte nicht mehr unter sich gewesen.

Erst vor wenigen Minuten hatten sie das Handelsfort verlassen. Linda hatte seither kein Wort gesprochen.

Warum so nachdenklich?, erkundigte sich Ezra vorsichtig. Wegen Washakies Geschenk?

Linda senkte den Kopf.

Ganz bestimmt auch. Aber es ist so vieles. Seth McCluskys Verrat, der Überfall der Blackfeet, das vergiftete Fleisch, meine Entführung  ...  es scheint mir unglaublich, was alles in so kurzer Zeit passieren kann! Und dabei steht uns das Schwierigste erst noch bevor. Langsam beginne ich Zweifel zu hegen, ob wir das zu zweit überhaupt zustande bringen können. Dieser Treck schützt uns. Sobald wir auf uns allein gestellt sein werden, wird alles ganz anders aussehen.

Vielleicht stellst du dir das alles schlimmer vor als es sein wird, versuchte Ezra seine Nichte zu beruhigen. Erst müssen wir den Mann aufsuchen, der nach uns ein weiteres Drittel dieser geheimnisvollen Karte besitzt. Dann sind wir drei und können eine Mannschaft anwerben.

Eine Mannschaft, die bestimmt nicht nur aus Engeln bestehen wird, wandte Linda ein. Selbst wenn wir sie nicht einweihen, werden sie neugierig genug sein, um uns und sich gegenseitig ständig zu belauern.

Das lass nur später unsere Sorge sein. Vielleicht fällt uns oder unserem künftigen Partner etwas Besseres ein. Ezra war dieses Thema auf einmal nicht mehr angenehm. Wo hat eigentlich Rainbow gesteckt? Konntest du dich von deinem dritten heimlichen Verehrer wenigstens noch verabschieden?

Du bist unmöglich, Onkel!, musste Linda lachen. Leider nicht. Er war weder bei Doc Lothwood noch anderswo aufzutreiben. Vor lauter Schüchternheit hat er sich wohl lieber in eine stille Ecke  ... 

Sie schlug sich an die Stirn.

Das ist es! Sein Geheimversteck! Der Fluchtweg, den der wahnsinnige Alte bei meiner Entführung benutzt hat. Die kleine Bauminsel dort drüben! Lass mich schnell hinüber laufen, Onkel, damit ich ihm mein Geschenk doch noch überreichen kann, denn ich wollte es ihm nur persönlich in die Hand drücken. Wir verlieren nicht viel Zeit.

Ohne die Antwort ihres Onkels erst abzuwarten, sprang Linda vom Wagen. Mit leichtfüßigen Schritten durcheilte sie das hohe Präriegras, bis sie den von Büschen umgebenen Baumbestand erreicht hatte.

Ich weiß, dass du dich da drin versteckt hältst, Rainbow!, rief sie ungeduldig in das Dickicht hinein. Warum hast du auf einmal wieder Angst vor mir? Wir haben uns doch schon so gut verstanden!

Ihre Worte verklangen, aber nichts rührte sich. Unwillig stampfte sie mit dem Fuß auf.

Komm endlich heraus! Sonst marschiere ich rein und wasche dir ordentlich den Kopf!

Erst diese Drohung zeigte Erfolg. Der schlaksige Pawnee kam aus dem Gebüsch hervor. Sein Gesicht drückte das höchste Maß an Verlegenheit aus.

Dass du dich nicht schämst, mich sang- und klanglos verschwinden zu lassen! Außerdem hättest du Lümmel mir sagen können, dass Doc Lothwood dir das Lesen beigebracht hat! Dann hätte ich mich mit deinem Geschenk nicht so schwer getan. Schließlich hast du Kit Carson und Washakie zu der Höhle geführt, in der ich gefangen gehalten wurde. Hier!

Sie überreichte ihm einen schweren Folianten.

Ein Kräuterkundebuch aus dem alten England. Damit kannst du noch mehr über Heilpflanzen lernen als du ohnehin schon weißt. Wie geht es denn deiner Schusswunde?

Behutsam hob sie den Verband hoch, der Rainbows Stirn umgab. Der stumme Pawnee ließ es geschehen, ohne zurück zu zucken.

Das wird schnell geheilt sein. Doch nun lebe wohl. Aber versprich mir, dass du mehr Selbstvertrauen zeigst, wenn wir uns das nächste Mal sehen. Nochmals danke für alles, Rainbow, und alles Gute für die Zukunft.

Der stumme Pawnee kniete nieder und umfasste ihre rechte Hand, als wolle er sie nie wieder loslassen. Kein Laut kam über seine Lippen, doch in seinen Augen standen Tränen, die mehr ausdrückten, als Worte es vermocht hätten.

Linda musste sich zusammenreißen, um nicht ebenfalls loszuheulen. Dieser unglückliche Indianer, dessen Eltern in seiner Kindheit von einem Blitz erschlagen worden waren, hatte bisher von keinem Menschen außer Doc Lothwood und ihr Zuneigung erfahren. Gerade deshalb war er so schüchtern und verschlossen.

Aber auch er musste seinen Weg finden. Sein Interesse für die Heilkräfte der Natur und der emsige, selbstlose Eifer, mit dem er Doc Lothwood behilflich war, schienen bereits ein erfolgversprechender Anfang. Er musste nur noch mehr Selbstvertrauen gewinnen.

Mit einem warmen Blick und einem ermunternden Lächeln löste sie schließlich ihre Hand aus der seinen. Rainbow winkte ihr nach, bis sie wieder neben ihrem Onkel auf dem Conestoga-Wagen saß.

Linda war froh, dass dieser letzte ersehnte Abschied doch noch stattgefunden hatte. Ihr war nun leichter ums Herz.

Die Gutmütigkeit deiner Mutter, lächelte Ezra. Und wieder lassen wir einen vorgerückten Stützpunkt der Zivilisation hinter uns. Aber nach den dumpfen Palisadenmauern von 'Bonnevilles Besessenheit' tut es gut, wieder freie Prärieluft zu atmen.

Er trieb die Tiere zu einer schnelleren Gangart an, um wieder Anschluss an den Treck zu finden. Eine Viertelstunde später sahen sie in etwa hundert Yard Entfernung den ersten Conestoga.

Das ist doch der Wagen der Gehrensons, wunderte sich Linda. Sie waren heute als Vierte losgezogen. Es muss etwas passiert sein.

Der Wagen steht, bestätigte Ezra ihren Eindruck. Da, Sigurd Gehrenson hat einen Blasebalg und springt vom Wagen. Seine Frau schichtet Holz auf. Sie müssen es sich im Fort besorgt haben.

Als die beiden Carlisles näherkamen, erkannten sie die Bescherung selbst. Das rechte Vorderrad war gebrochen.

Ausgerechnet mir muss das passieren!, rief ihnen der stämmige Gehrenson schon von weitem zu. Eine Schande, wie sie im Buche steht!

Wollten die anderen nicht warten?, erkundigte sich Linda vorsichtig. Sie kannte Gehrensons aufbrausendes Temperament nur zu gut.

Warten, pah! Ich habe sie davon gejagt! Wenn jemand ein kaputtes Rad wieder schnell hinbringt, dann bin ich es, und zwar allein.

Falls aber Indianer  ... 

Papperlapapp! So nahe am Fort? Das kann man höchstens kleinen Kindern einschwätzen, damit sie ihren Teller leer löffeln!

Ezra wusste, wie wenig Sinn es hatte, mit Sigurd Gehrenson zu argumentieren.

Ich sehe ein, dass wir dich gar nicht erst zu fragen brauchen, ob wir helfen können.

Ganz richtig, erwiderte Sigurd. Dutzende Male habe ich diese Dinger schon wieder hingekriegt. Nur passiert es mir zum ersten Mal mit dem eigenen Wagen, verdammt.

Ein Radbruch war in der Tat nichts Ungewöhnliches in der Prärie. In der trockenen Luft der Wüsten und Savannen schrumpften die hölzernen Speichen und Felgen der Räder, bis die Eisenreifen sich lösten. Brach ein dermaßen zusammengeschrumpftes Radgestell, dann bat man am besten einen Schmied um Hilfe. Sigurd Gehrenson war selbst Schmied. Er würde den instandgesetzten Reifen wieder festigen, indem er den Eisenreif bis zur Rotglut erhitzte, um ihn danach erneut auf die Felge aufzubringen. Beim Abkühlen schrumpfte er dann wieder zur richtigen Passform zusammen.

Wie geht es der kleinen Madge?, wandte sich Linda an Greta Gehrenson, die Frau des Schmieds. Hat sie sich wieder einigermaßen von der schlimmen Fleischvergiftung erholt?

Das ja, Gottseidank, antwortete die Mutter, deren Erleichterung darüber ihr anzusehen war. Heute haben wir sie zum ersten Mal wieder ein wenig laufen lassen, damit sie wieder etwas Farbe ins Gesicht bekommt.

Dann wollen wir hoffen, dass sie nicht gleich einen Sonnenbrand bekommt, meinte Linda. Also gut, wir ziehen weiter. Kommt bald nach!

Als sie außer Hörweite waren, schüttelte Ezra Carlisle lächelnd den Kopf.

Einen solchen Dickschädel wie Sigurd Gehrenson findet man so leicht kein zweites Mal. Aber Lloyd Merriweather kennt ihn ja zur Genüge. Er wird gewiss bald das Tempo verlangsamen, damit die Familie des Schmieds uns möglichst rasch wieder einholen kann. Hüh!

*

Nach den endlosen Stunden, die sie in einer der düsteren Hütten von Bonnevilles Besessenheit im Bett hatte verbringen müssen, genoss die kleine Madge den milden Sonnenschein in vollen Zügen. Die Tochter des Schmieds, die vor kurzem ihren fünften Geburtstag gefeiert hatte, tollte ausgelassen durch das üppige Gras, aus dem nur ihr kleiner Kopf hervorragte. Mit Wonne ließ sie sich das hellblonde Haar, das sie im Pagenschnitt trug, vom Wind zerzausen.

Ihre Mutter hatte Madge eingeschärft, sich auf keinen Fall zu weit von ihrem Wagen zu entfernen. Da Madge das Präriegras überschauen konnte, war die Kleine sicher, dass sie den Conestoga niemals aus den Augen verlieren würde. Sorglos schritt das genesene Mädchen aus. Es fühlte sich noch ein wenig schwach, aber das würde bestimmt bald vorüber sein.

Wie herrlich doch die Wildblumen dufteten! Und in  welch wunderbaren Farben sie blühten! Madge wollte ihrer Mutter einen ganz besonders großen Strauß schöner Blumen pflücken, weil sie sich in den letzten Tagen gar so aufopfernd um sie gekümmert hatte. Immer wieder bückte sie sich zum Pflücken, und sie tippelte immer weiter in das Grasland hinein, ohne sich dessen bewusst zu werden.

So eben die Prärie auch erscheint, so häufig ist sie dennoch von fast unmerklichen Senken und Erhebungen durchzogen, die durch den unterschiedlich hohen Wuchs des Grases umso weniger auffallen. Als sich Madge wieder einmal aufrichtete, um nach dem Conestoga-Wagen Ausschau zu halten, war er verschwunden!

Fast augenblicklich schien sich eine kalte Hand um ihr kleines Herz zu legen. Mit einem Schlag sank die gewaltige Weite der Prärie in ihre Gedankenwelt. Gras, Gras, Gras, soweit das Auge reichte! Und hier stand sie, mutterseelenallein, ohne zu wissen, in welche Richtung sie eilen sollte, um die Eltern wiederzufinden!

In seiner großen Panik kam das zierliche Mädchen nicht gleich auf den nächstliegenden Gedanken, seiner Spur zurück zu folgen. Es rannte vielmehr auf eine Stelle zu, die ihm höher gelegen erschien. Vielleicht konnte es von dort etwas erkennen!

Madge schluchzte verzweifelt auf, als sie sich in ihrer Hoffnung getäuscht sah. Von dem Wagen ihrer Eltern war keine Spur zu sehen!

Das Schreckliche ihrer Lage wurde ihr nun voll bewusst. Sie setzte zu einem Hilfeschrei an, der ihr dann aber vor Schreck im Hals steckenblieb.

Vor ihr stand ein alter Coyote, dessen aufblitzende Augen sich in sie hinein zu bohren schienen.

Sie wusste von ihrem Vater, dass diese Tiere normalerweise den Menschen mieden. Nagender, schmerzhafter Hunger musste dieses altersschwache Tier in die Nähe der Menschen geführt haben, wo es in seiner Verzweiflung vielleicht hoffte, von deren Abfällen leben zu können.Diesem Kind aber würde der Coyote auch in seinem geschwächten Zustand leicht gewachsen sein.

Aber noch zögerte er.

Der Bann fiel von Madge ab. Nun begann sie doch zu schreien.

*

Wie von Sinnen jagte Tomeahkaikt auf seinem Pferd über die Prärie.

Wenn es nur nicht längst zu spät war!

Sie hatten aber auch bis zuletzt gewartet. Längst hatte er gespürt, dass nicht alles so problemlos verlief, wie sie gehofft und eigentlich auch erwartet hatten. Aber selbst der Medizinmann hatte keinen rechten Rat gewusst. Er war noch jung, daran mochte es auch liegen. Doch hatten die Alten Frauen Tomeahkaikt ebenso wenig Trost zusprechen oder gar helfen können.

In seiner Not hatte der junge Blackfoot-Krieger nur noch einen Ausweg gesehen: Er musste das große Fort der Weißen aufsuchen! Die Heimstatt der verhassten Feinde! Dort gab es einen Mann, der vielleicht noch helfen konnte.

Tomeahkaikts Medizinmann hatte vom Tag der Bereitung gesprochen. Doch wie konnte dieser vollzogen werden, wo sich doch keine einzige Verwandte seiner Frau in der Nähe befand? Sie war von ihrem Volk isoliert, wohnte weit von ihrem Ursprüngen entfernt.

Der junge Schwarzfußindianer war völlig in seine dumpfen Gedanken vertieft. Er zuckte erschrocken zusammen, als er plötzlich Angstschreie vernahm. Die helle Stimme, mit der sie ausgestoßen wurden, musste einem Kind gehören.

Dann sah er es bereits.

Ein hellblondes weißes Mädchen wurde von einem alten Coyoten bedrängt, dem der Greifer bereits von den Fängen troff. Wie mochte es überhaupt hierher gekommen sein?

Ein weißes Mädchen! Ein Zeichen des Großen Geistes! Nur er konnte es ihm ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt geschickt haben!

Jetzt galt es keine Zeit zu verlieren. Schon lagen Pfeil und Bogen in Tomeahkaikts Händen  ... 

*

Und nun noch einmal mit Schwung! So, das hätten wir! Was sagst du dazu, Greta? Dieses Rad hält garantiert bis zum Ende der Reise.

Sigurd Gehrenson nahm kurz den Hut ab und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Zufrieden betrachtete er sein eben vollendetes Werk.

Eine gute Arbeit, wurde er von seiner Frau gelobt. Und keiner hätte das so schnell wie du zustande gebracht.

Sehr schön, dass es dir auch gefällt. Jetzt räumen wir noch alles zusammen, dann geht es weiter. Wo steckt eigentlich Madge?

Sie riefen nach ihr. Als keine Antwort kam, sahen sie sich betroffen an.

Teufel auch!, schimpfte der Schmied. Dabei hatten wir ihr strengstens verboten, sich zu weit von unserem Wagen zu entfernen! Warum ist dieses Kind nur so ungehorsam?

Sie ist es sonst nicht, und das weißt du auch, versuchte Greta ihren Mann zu beschwichtigen, weil sie sogleich erkannt hatte, dass seine harten Worte nur auf die plötzliche Sorge zurückzuführen waren.

Lass uns einfach ihrer Spur folgen. Die Schneise, die sie getreten hat, ist noch deutlich zu sehen, weil sich die langen Halme nicht so schnell wieder aufrichten können.

Ein unvermittelter Entschluss ließ Sigurd Gehrenson noch einmal kurz zum Wagen zurückkehren. Er griff nach seiner Flinte, lud und schulterte sie.

Was soll das, Sigurd?, fragte seine Frau erschrocken. Glaubst du vielleicht, dass wir von  ... 

Ich glaube gar nichts, versetzte ihr Mann. Ich weiß nur, dass sie auf unsere Rufe nicht geantwortet hat. Es kann etwas passiert sein. Am besten, wir rüsten uns für alle Fälle.

Greta schwieg betroffen. Ihr Gatte ging voran.

Sie waren noch keine zehn Minuten unterwegs, als sie die Schreie vernahmen.

Allmächtiger Gott!, keuchte Greta Gehrenson. Das ist Madges Stimme!

Sie bekam keine Antwort, weil ihr Mann bereits ein Stück entfernt war. Trotz seines stämmigen Körperbaus konnte der Schmied sehr schnell laufen. Seine Frau hatte Mühe, ihm auf den Fersen zu bleiben.

Madges Schreie brachen plötzlich ab. Gleich darauf erklangen Hufschläge, die trotz des weichen Bodens an die Ohren des Ehepaares drangen.

Als sie eine leichte Senke hinab stürmten, sahen sie zunächst nur den Indianer, der auf einem Pferd das Weite suchte, von hinten. Dann aber ragte vor ihm das rechte Bein eines Kindes seitlich heraus.

Madge!, schrie Greta Gehrenson mit hysterischer Stimme. Gütiger Himmel! Er entführt Madge!

Der Indianer war beim Klang ihrer Worte herumgefahren. Während seine Linke weiterhin das Kind umfasste, winkte er mit dem rechten Arm nach hinten, als wolle er sich mit dem heran eilenden Ehepaar verständigen.

Ich werde ihm zeigen, wozu meine Flinte gut ist, knurrte Gehrenson, dessen Gesicht vor Wut und Schrecken verzerrt war. Meiner Kugel wird er nicht entkommen!

Nicht!, gellte Gretas Stimme auf. Du könntest unsere Madge treffen!

Es war zu spät. Der Schuss fiel, richtete aber keinen Schaden an. Er fuhr einen halben Yard an dem Indianer vorbei, der daraufhin seinem Tier die Fersen in die Flanken drückte und es dadurch noch schneller galoppieren ließ. Bis der Schmied seine Waffe nachgeladen.hatte, war der Krieger längst außer Reichweite.

In seiner Wut schleuderte der Schmied das Gewehr zu Boden. Mit all seiner Kraft war er in dieser Situation ein hilfloser Mann.

Greta Gehrenson brach in Tränen aus.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein weißes Kind von Indianern entführt wird, schluchzte sie. Und wie viele davon hat man niemals wiedergefunden. Oh Sigurd! Ich wünschte, ich wäre tot!

Noch ist nicht alles verloren, Frau. Die Stimme des Schmieds klang seltsam weich und brüchig, als er ihr nun seine starke Hand auf die Schulter legte und sie an sich zog. Wir dürfen nur nicht aufgeben. Je schneller wir dem Entführer hinterherjagen, desto eher können wir ihn erwischen. Und ich bin bereit, ihm bis ans Ende der Welt zu folgen.

Du darfst aber nicht allein reiten!, beschwor sie ihn. Der Heimtücke der Indianer bist du nicht gewachsen, das wirst du wohl selbst einsehen, oder?

Ich bin durchaus imstande  ... 

Nein! Es ist schlimm genug, dass Madge weg ist! Ich werde nicht dulden, dass du dich in Gefahren begibst, die du nicht kennen kannst. Ich will nicht auch noch dich verlieren.

Wieder wurde sie von einem Weinkrampf geschüttelt. Sigurd Gehrenson wusste nicht, welche Worte er zu ihrer Beruhigung noch sprechen sollte. Er nahm sie ganz in seine Arme und zog sie erneut an sich.

Dann wurde sein Blick starr.

Einen Moment, Greta, raunte er. Sieh dir das an.

*

Es waren weit über zwei Stunden vergangen, bis Kit Carson an der Stelle stand, wo das Unglück geschehen war.

Wer es sich nicht hatte nehmen lassen mitzukommen, war Doc Norman Schutzbier, der deutschstämmige Arzt des Trecks. Obwohl ein überzeugter Mann des Friedens, hatte er diesmal aus Umsicht nicht nur seine Arzttasche, sondern auch sein aus Deutschland stammendes Dreyse-Gewehr mitgenommen, das mit Zündnadelpatronen schoss. Kit hatte den wackeren Mann nicht von seiner Begleitung abbringen können. Falls man Madge wiederfände, hatte Doc Schutzbier argumentiert, musste sich vielleicht sofort ein Doktor um sie kümmern.

Der sympathische Arzt war dem hochgewachsenen jungen Trapper aber wenigstens noch lieber als Gehrenson selbst, der ihnen die Stelle immerhin so gut beschrieben hatte, dass sie sie gleich gefunden hatten. Lloyd Merriweather hatte den verstörten Mann mit energischen Worten überzeugt, dass er in seinem Zustand zur Teilnahme an einer Verfolgung in keiner Weise geeignet sei. Murrend hatte sich der Schmied in das Unvermeidliche gefügt.

Ein toter Wolf, in dem nur ein Pfeil steckt, der ihm folglich sofort ans Leben gegangen ist, stellte Doc Schutzbier fest. 'Was schließen Sie daraus, junger Mann?

Nachdenklich strich Kit sein dichtes blondes Haar in den Nacken.

Zunächst darf ich Ihnen versichern, Doc, dass dies kein Wolf ist, sondern ein Coyote.

Und die Blumen neben ihm? Als wollte sie ihm jemand aufs Grab legen.

"Auch das dürfte schwerlich die eigentliche Absicht gewesen sein. Am besten erzähle ich Ihnen, was aus den Spuren hervorgeht.

Die kleine Madge will ihrer Mutter Blumen pflücken. Plötzlich stellt sie fest, dass sie sich verlaufen hat. Dort drüben. Von dieser Stelle an beginnt sie in Panik zu rennen. Bis hierher. Der Coyote taucht vor ihr auf. Vor lauter Schreck lässt sie ihren Blumenstrauß fallen. Doch bevor er sie anspringen kann, erwischt ihn der Pfeil eines ebenso sicheren wie beherzten Schützen."

Also hat ihr der Indianer das Leben gerettet, staunte Doc Schutzbier. Das ist ja merkwürdig.

Es wird noch merkwürdiger, fuhr Kit Carson fort. Er nimmt sie also zu sich in den Sattel, um offensichtlich mit ihr weg zu reiten. Als er jedoch das weiße Ehepaar aus der Ferne heran eilen sieht, versucht er gar noch, sich durch Gesten mit ihm zu verständigen. Dann aber fällt Gehrensons Schuss, und er gibt endgültig Fersengeld.

Trotz ihrer Angst konnte sich Mrs. Gehrenson noch ziemlich genau an diese Gesten erinnern, wandte der Doc ein. Sie erweckten in ihr erstaunlicherweise den Eindruck, als wolle er sie sogar  ...  beschwichtigen!

Seltsam, nicht wahr? Kit zog das tödliche Geschoss aus dem Coyoten. Ein Pfeil der Blackfeet.

Als hätten wir mit den Schwarzfußindianern nicht schon genug Ärger gehabt, stöhnte Doc Schutzbier.

Das hier waren wieder andere. Genauer gesagt, einer. Und als Einzelaktion wird die Sache noch außergewöhnlicher. Um ehrlich zu sein: Im Moment weiß ich nicht, was ich davon halten soll.

Wenn Sie das nicht wissen, Kit - wer soll uns denn dann noch helfen?

Es ist schade, dass Washakie zurück musste, gestand der junge Scout. Er kennt sein Volk besser als ich. Aber gegen eine gewöhnliche Entführung sprechen hier einfach zu viele Einzelheiten.

Was schlagen Sie jetzt vor?

dass wir sofort die Verfolgung aufnehmen. Vom Herumstehen werden wir nicht klüger.

VERÄNDERUNGEN

Washakie war bis spät in die Nacht geritten. Inzwischen hatte er längst wieder die südlichen Ausläufer der Wasatch Range erreicht. Sie gehörten bereits zum Einflussbereich seines Stammes, der Lemhi-Schoschonen. Sein Pferd war inzwischen jedoch so erschöpft, dass er ihm die Felsenregion in der Dunkelheit nicht mehr zumuten konnte.

Kit Carson würde mit den Händlern und Siedlern erneut zum Old Spanish Trail aufschließen, das wusste Washakie. Doch angesichts der bevorstehenden Probleme erschien es dem jungen Krieger unwahrscheinlich, dass sie sich dabei noch einmal über den Weg laufen würden.

Für Washakie waren die Angelegenheiten seines Stammes jetzt dringlicher. Cameahwait, der greise Häuptling, war ein Freund des Friedens seit den Tagen der Lewis-und-Clark-Expedition und hätte Washakie, der ebenfalls gemäßigte Gedanken vertrat, gerne als seinen Nachfolger gesehen. Dass die Weißen immer zahlreicher in das Land der Indianer vordringen würden, musste jeder Weitsichtige erkannt haben. Es blieben zwei Wege offen: Krieg oder Verständigung.

Cameahwaits Bestreben, gut mit den Weißen auszukommen, war keineswegs naiver Blauäugigkeit entsprungen. Auf diese Weise hielt man nicht nur den eigenen Schaden geringer, sondern gewann möglicherweise sogar wertvolle Verbündete im Kampf gegen feindliche Stämme, wie zum Beispiel die Blackfeet.

Die Mesa des Roten Sandes hatte vor Tagen dafür das beste Exempel geboten: Den weißen Händlern war es Seite an Seite mit den Lemhi-Schoschonen gelungen, die Schwarzfußindianer vernichtend zu schlagen.

Nur ein glücklicher Zufall?

Washakie hatte dieser Vorfall jedenfalls in seiner Ansicht bestärkt, die er mit Cameahwait teilte. Die Gefangennahme McCluskys, des Skullcrasher, hätte den Höhepunkt dieses Triumphes darstellen können. Stattdessen hatte dieser Verbrecher auf seiner Flucht einige Tote auf seiner Fährte zurückgelassen. Washakie nahm nicht an, dass ihn die Lemhi-Schoschonen inzwischen wieder erwischt hatten.

Dies aber war Wasser auf die Mühlen Sacajas und Ushopas. Der Medizinmann und sein Sohn waren kompromisslose Verfechter der harten Linie. Mit den Blackfeet stritt man sich in der Regel nur um Pferde und Weidegründe. Die verhassten weißen Eindringlinge sollten jedoch, soweit noch möglich, mit allen Mitteln bekämpft werden, die zur Verfügung standen. Auch Sacaja und Ushopa hatten ihre Anhänger unter den Lemhi-Schoschonen. Sacaja, der seinen Sohn gern als Nachfolger des alten Häuptlings gesehen hätte, beschimpfte Washakie als Eindringling, weil er erst vor wenigen Jahren in ihren Stamm aufgenommen worden war.

So also standen die Dinge. Höchste Zeit, nach dem Rechten zu sehen.

Washakie führte sein abgekämpftes Pferd an eine Schleife des Panguiteh River, der die südliche Wasatch Range durchfloss. Er rieb es trocken, versorgte es und ließ es zunächst nur in kleinen Schlucken aus dem ruhigen Fluss trinken. Er selbst nahm Pemmikan zu sich, kaute langsam und ging erst mit dieser Unterlage an das Ufer, um mit zusammengelegten Händen aus dem klaren Wasser zu schöpfen. Ein aufspringender Fisch ließ ihn jedoch zur Seite zucken.

Diese Bewegung rettete ihm das

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