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Kit Carson Sammelband #4

Kit Carson Sammelband #4

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Kit Carson Sammelband #4

Länge:
607 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
9. Dez. 2019
ISBN:
9781533763426
Format:
Buch

Beschreibung

Missouri 1830. Als der junge Kit Carson in einer Sattlerei mit einem Giganten namens Seth McClusky zusammenstößt, ahnt er noch nicht, dass dieser zu seinem Todfeind werden wird. Zwei Jahre später erhält er den Auftrag, einen Treck einzuholen, der von einem verräterischen Scout ins Verderben geführt werden soll. Sein Name: Seth McClusky!

Der Treck nach Kalifornien wird von Jim Bridger übernommen und verliert einige Teilnehmer: Ezra Carlisle und seine Nichte Linda sind im Besitz einer geheimnisvollen Schatzkarte, die nach Niederkalifornien weist, und Kit Carson will sie nicht allein und schutzlos dorthin ziehen lassen. Ganz uneigennützig ist sein Angebot indes nicht, denn er hat sich in Linda Carlisle verliebt.

In einer geheimnisvollen Gebirgsstadt scheint ein letzter Kampf auf Leben und Tod zwischen Kit Carson und dem Erzschurken Seth McClusky stattzufinden. Als Washakie eintrifft, ist die Entscheidung längst gefallen. Doch der Tote ist nicht Seth McClusky…

Dies ist der 4. Sammelband mit den weiteren Abenteuern Kit Carsons und enthält die Erzählungen:

Wagenzug nach Kalifornien

Der Schatz der Jesuiten

Bittere Rückkehr

Herausgeber:
Freigegeben:
9. Dez. 2019
ISBN:
9781533763426
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Kit Carson Sammelband #4

Buchvorschau

Kit Carson Sammelband #4 - Leslie West

Klappe

Missouri 1830. Als der junge Kit Carson in einer Sattlerei mit einem Giganten namens Seth McClusky zusammenstößt, ahnt er noch nicht, dass dieser zu seinem Todfeind werden wird. Zwei Jahre später erhält er den Auftrag, einen Treck einzuholen, der von einem verräterischen Scout ins Verderben geführt werden soll. Sein Name: Seth McClusky!

Der Treck nach Kalifornien wird von Jim Bridger übernommen und verliert einige Teilnehmer: Ezra Carlisle und seine Nichte Linda sind im Besitz einer geheimnisvollen Schatzkarte, die nach Niederkalifornien weist, und Kit Carson will sie nicht allein und schutzlos dorthin ziehen lassen. Ganz uneigennützig ist sein Angebot indes nicht, denn er hat sich in Linda Carlisle verliebt.

In einer geheimnisvollen Gebirgsstadt scheint ein letzter Kampf auf Leben und Tod zwischen Kit Carson und dem Erzschurken Seth McClusky stattzufinden. Als Washakie eintrifft, ist die Entscheidung längst gefallen. Doch der Tote ist nicht Seth McClusky...

Dies ist der 4. Sammelband mit den weiteren Abenteuern Kit Carsons und enthält die Erzählungen:

Wagenzug nach Kalifornien

Der Schatz der Jesuiten

Bittere Rückkehr

Wagenzug nach Kalifornien

AMERICAN FRONTIER KIT CARSON – der legendäre Scout

Band 6

by LESLIE WEST

Der Umfang dieses Buchs entspricht 173 Taschenbuchseiten.

Missouri 1830. Als der junge Kit Carson in einer Sattlerei mit einem Giganten namens Seth McClusky zusammenstößt, ahnt er noch nicht, dass dieser zu seinem Todfeind werden wird. Zwei Jahre später erhält er den Auftrag, einen Treck einzuholen, der von einem verräterischen Scout ins Verderben geführt werden soll. Sein Name: Seth McClusky! Ein Zusammenstoß mit Blackfeet-Indianern geht dank der Hilfe des Schoschonen Washakie gerade noch einmal gut aus. Kit Carson und Washakie werden dabei zu Freunden. Gemeinsam führen sie den Wagenzug weiter. Die Knappheit der Vorräte und ein Unwetter zwingen sie, in einem unheimlichen Fort Zuflucht zu suchen.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© Cover by Hugo Kastner, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

EIN UNVERHOFFTES WIEDERSEHEN

Franklin, Missouri.

Der hochgewachsene junge Mann, der die Sattlerei betrat, war ganz nach Trapperart gekleidet. Seine Jacke und seine Hose waren aus dem Leder jener Wapitis gefertigt, die man zwischen der Teton Range und dem Jackson Lake in Wyoming findet, und beide reich mit Fransen verziert. Wie viele Mountain Men trug auch er sein dichtes blondes Haar schulterlang wie die Indianer weit über den Kragen hinunter.

Er hatte ganz das Aussehen eines Jägers, den es nicht oft in die Zivilisation zurück zog. Seinesgleichen war in den Gebirgen, Prärien und Savannen des weiten Westens zu Hause. Für das gleichförmige Leben auf einer abgelegenen Farm, in einer dunklen Werkstatt oder Schreibstube schien er gänzlich ungeschaffen.

Etwas wehmütig, doch ohne Bedauern sah sich der Neuankömmling in der Sattlerei um. Der Inhaber war so sehr in seine Arbeit vertieft, dass er den Eintretenden gar nicht bemerkte.

In diesen Räumen hatte alles begonnen. Mit fünfzehn Jahren hatte Kit Carson hier seine Lehre als Sattler angetreten. Sechs Jahre zuvor war sein Vater getötet worden, und er hatte sich bereits früh um seine Geschwister und seine Mutter kümmern müssen.

David Workman, der damalige Besitzer, hatte den gelehrigen Jungen gerne aufgenommen. Kit, der bereits als Achtjähriger gelernt hatte, mit der Muskete seines Vaters umzugehen, wäre lieber in den Wäldern geblieben, sah jedoch die Notwendigkeit seines Unterkommens ein. Workman hatte ihm bald das Bügeln, Nähen und Glätten beigebracht, und Kit arbeitete vom ersten Tageslicht bis zum letzten Blaken der Öllampen auf seiner Bank.

Viele der Kunden waren Mountain Men, deren Leben zur Legende geworden war. Mit leuchtenden Augen hatte Kit ihren Erzählungen gelauscht, in denen die unendliche Wildnis der Berge und Seen beschrieben wurde, die nie zuvor eines Menschen Fuß betreten hatte und in der sie jagten und fischten. Sie berichteten von feindlichen Indianern und seltsamen Tieren, bis Kit der Kopf schwirrte. Wie gerne wäre er doch mit ihnen gezogen!

Dann war der Tag gekommen  ... 

Mister Carson!

Colin Simpson, Workmans Nachfolger, hatte Kit nun endlich bemerkt. Workman hatte seine Sattlerei im Mai 1827 verkauft und war nach Santa Fé weitergezogen.

Mister Simpson, lächelte Kit. Ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich habe nur wieder einmal von vergangenen Tagen geträumt, als Jedediah Smith, Milton Sublette und Zebulon Pike sich an diesem Tisch die Hände geschüttelt haben. Freut mich, Sie wiederzusehen. Wie geht ‘s?

Nur das kurze Stocken seiner Worte hatte verraten, dass ihm gerade selbst ein gelinder Schrecken widerfahren war.

In einem der hinteren abgelegenen Winkel der Sattlerei, in den nur wenig Licht fiel, stand ein dritter Mann. Aber was für ein Mann!

Ein Riese! Er musste weit über sieben Fuß messen. Die völlige Lautlosigkeit, mit der er sich dort hinten aufhielt, schien geradezu in Widerspruch zu seiner gigantischen Größe zu stehen. Er hatte Schultern von einer Breite, die Kit noch an keinem anderen Mann gesehen hatte. Fahlblondes strähniges Haar umrahmte einen wuchtigen Schädel.

Bei Kits Worten drehte ihm der Hüne sein Gesicht zu. Die harten grauen Augen unterstrichen die Brutalität seiner Züge nur noch.

Jetzt fiel Kit auch Colin Simpsons Nervosität auf. Er schien aufzuatmen, dass er mit dieser unheimlichen Gestalt nun nicht mehr allein war.

Danke der Nachfrage, Mister Carson. Schauen Sie sich ruhig noch ein wenig um! Und Sie, Sir? Gefällt Ihnen der California-Missionssattel? Er ist noch in einem sehr guten Zustand. Sein Vorbesitzer hatte wenig Verwendung für ihn  ... 

Der Gigant schien wie absichtslos nach seiner Deringer-Rifle zu greifen, die erst kürzlich in den Handel gekommen war. Kit fühlte dennoch eine leichte Anspannung. Seine Rechte näherte sich so unauffällig wie nur möglich der Rappahannock-Holsterpistole.

Der Hüne lachte laut auf. Es war ein unangenehmes bellendes Lachen, das die Spannung, die in der Luft lag, keinesfalls minderte.

Wollen Sie mich vergackeiern, Sattler? In diesem Kindersattel hat doch kein ausgewachsener Mann Platz! Ich brauche etwas in meiner Größe, verdammt noch einmal.

Das dürfte nicht leicht zu finden sein, Sir, wagte Colin Simpson schüchtern einzuwenden. Jedoch könnte ich mich bei den vorhin eingetroffenen Trappern umschauen, ob sie etwas Passendes loswerden wollen.

Der Riese setzte gerade zu einer unbeherrschten Antwort an, als ein weiterer Besucher zur Tür hereinkam.

Kit Carson staunte ein wenig. Es kam selten vor, dass Indianer die Siedlungen der Weißen betraten.

Der Neuankömmling war ebenso hochgewachsen wie Kit und vielleicht ein wenig älter, also ebenfalls über zwanzig. Er war sehnig und kräftig gebaut, sein Gesicht verriet Würde und Anstand. Kit erkannte aufgrund seiner Kleidung sofort, dass es sich um einen Schoschonen handelte, während er das Gesicht und den edlen Körperbau nicht ohne Zögern dieser FamIilie zugeordnet hätte. Auch schien die Hautfarbe für einen reinrassigen Indianer ungewöhnlich hell.

Der Hüne im Hintergrund und der junge Schoschone sahen einander etwa gleichzeitig. Mit einem halb erstickten Wutschrei brachte der Riese seine Deringer-Rifle diesmal wirklich in Anschlag.

Hab‘ ich dich, verfluchte Rothaut!

Kit war schneller gesprungen als er gezogen hätte. Der Schuss fuhr dröhnend aus dem Lauf, aber die Kugel schlug in die Decke ein. Kit hatte das Gewehr mit voller Wucht nach oben gestoßen.

Der Gigant riss die Flinte so schnell und mit solcher Kraft nach links, dass der junge Trapper mit einer Heftigkeit zurückgeworfen wurde, die ihm den Atem raubte. Er flog zwischen zwei Sättel, rappelte sich aber so schnell hoch, wie er nur konnte.

Als sich der mächtige Mann auf ihn warf, war er bereit. Er riss einen der Sättel zwischen sich und die heran fliegende Faust, nahm dem Schlag dadurch die Kraft und stieß die angezogenen Beine zugleich nach vorn. Der Hüne fiel über eine Bank und krachte auf den Rücken, dass der Holzboden unter seinem Gewicht erzitterte.

Kit ahnte, dass er mit bloßer Körperkraft gegen diesen Berserker keine Chance hatte. Als er nach seiner Rappahannock greifen wollte, stellte er jedoch entsetzt fest, dass er sie in dem Kampfgetümmel verloren hatte.

Der Riese kam wieder auf die Beine. Sein teuflisches Grinsen und das Blitzen in seinen Augen verrieten Kit mehr als jedes gesprochene Wort.

Kurz bevor ihn der heranstürmende Gigant packen konnte, tauchte Kit unter ihm hinweg, griff sich eine Rosshaardecke, schleuderte sie ihm über den Kopf und packte eine der niedrigen Bänke. Bevor der andere wieder klare Sicht hatte, war Kit einige Schritte zurückgesprungen. In dem dadurch gewonnenen Anlauf lag Schwung genug, um den Gegner mit der Bank durch die Eingangstür ins Freie zu schieben.

Draußen dröhnte eine Hawken-Rifle auf, deren Klang Kit bekannt vorkam. Als er hinausstürmte, lag die Decke am Boden, aber der Fahlblonde war verschwunden. Hinter der zerfasernden Pulverwolke stand Jim Bridger und machte ein wütendes Gesicht. Es hellte sich ein wenig auf, als er Kit erkannte.

Jetzt ist mir dieser Misthund schon wieder entkommen! Aber wie soll ich wissen, dass er sich nun hier herumtreibt?

Wer war das?, wollte der junge Kit wissen. Er kam schnell wieder zu Atem.

Das war Seth McClusky, erwiderte Jim Bridger. Hast du noch nie von ihm gehört? Den Sublettes und mir hat er am Wind River ein Felldepot geplündert, deshalb hasse ich ihn. Ganz bestimmt hat er noch so manches auf dem Kerbholz. Die Schoschonen nennen ihn Skullcrasher, den Schädelbrecher. Er hat eine mächtig raue Art, andere vom Leben zum Tod zu befördern. Kein Wunder, bei der Kraft. Bisweilen schlägt er sich auf die Seite der Blackfeet, dann fallen sie über die Schoschonen, über andere Stämme und sogar über die Weißen her.

Weil du gerade Schoschone sagst, fiel es Kit ein. "Hast du keinen gesehen, der hier raus gestürmt lst?‘

JIm Bridger schüttelte den Kopf.

Das muss gewesen sein, bevor ich kam. Ich war gerade bei Claude, als ich erfuhr, dass du auch hier bist. Du steckst sicher bei Simpson, habe ich mir gedacht, natürlich aber nicht damit gerechnet, dass du gleich eine so reizende Bekanntschaft schließt.

Ein junger Krieger, erklärte Kit. Er sah nicht wie eine Memme aus, daher wundere ich mich, dass er einfach verschwunden ist. McClusky muss ihn von früher gekannt haben. Er wollte ihn abknallen.

Und du gingst wohl dazwischen?

Natürlich. Sollte Ich etwa tatenlos zusehen? Am liebsten würde ich diesem Burschen nachjagen. Du hast schließlich auch noch eine Rechnung mit ihm offen. Also, was ist?

Der fünf Jahre ältere Mountain Man musste lachen.

Das ist Kit Carson wie er leibt und lebt: ruhig und maßvoll, solange alles seinen geregelten Gang geht - aber sobald etwas geboten ist, schwillt ihm der Kamm! Trotzdem, das ist eine prächtige Idee. Wir kommen ohnehin viel zu selten zusammen, um über die alten Zelten zu plaudern.

Diese alten Zelten, wie um Jim Bridger sich ausdrückte, lagen allerdings noch gar nicht so lange zurück. Damals war er Kits Lehrmeister gewesen, hatte den Jungen erstmals für eine längere Zeit In die Wildnis mitgenommen. Zehn Monate hatten sie zusammen in Green-River-Gebiet Biber und anderes Wild gejagt. Dieses Lehrer-Schüler-Verhältnis hatte sich bald in eine echte Freundschaft verwandelt, da Kit sich als ebenso tapfer wie gelehrig erwiesen hatte. Ihre Wege hatten sich später getrennt, aber sie freuten sich jedes Mal, wenn sie einander wiedersahen.

Jim Bridger war in Richmond, Virginia, auf die Welt gekommen. Wie Kit hatte auch er eine Lehre hinter sich gebracht, allerdings in St. Louis als Schmied, weil er sehr kräftig war. Bereits 1822 aber war er mit der legendären Ashley-Truppe in den Westen gezogen.

Er lud seine berühmte Hawken-RifIe nach, während Kit in die Sattlerei zurückging, um seine alte Rappahannock-Holsterpistole zu suchen und sich von Simpson zu verabschieden.

Die Pistole lag unter einem Hocker - und neben ihr Colin Simpson. Seine gebrochenen Augen starrten an die Decke. Er musste völlig lautlos gestorben sein.

McCluskys Kaltblütigkeit war unglaublich. Statt auf der Stelle zu fliehen, war er zurückgekommen und hatte in Windeseile den Sattler umgebracht. Kit wusste, warum.

Die Deringer-Rifle war verschwunden.

Wie zum Hohn knarrte die offene Hintertür. Von hinten hörte Kit Jim hereinkommen. Die Freunde sahen einander bestürzt an.

Well, knurrte Jlm. Jetzt Ist das Maß voll, McClusky.

Eine halbe Stunde später hatten sie sich verproviantiert und die Spur aufgenommen.

*

Der gräserne Ozean, dessen endlose Weite noch kein Menschenauge überflogen hatte - im Urglauben der Indianer war dies allein den Wind- und Feuergeistern vorbehalten - nahm in der Abenddämmerung einen sanfteren und dunkleren Grünton an. Die Sonne verlor rasch an Kraft, das Schimmern des klaren blauen Himmels wurde fahler. Oberhalb der sinkenden Sonne zogen Braun- und Grautöne in das Firmament ein, doch ihre erlöschende Kraft ging ein faszinierendes Lichtspiel mit der Ebene ein. Als noch ein leichter Abendwind aufkam, geriet der grenzenlos samtene Teppich in Bewegung, als wurde ein Meer seine goldgrünen Wogen einer unbekannten Küste entgegen tragen. Dann flossen am Horizont die Farben immer tiefer ineinander, und die Nacht warf ihre schwarzen Schleier aus. Der berauschende Sommergeruch der blühenden Prärie wich einem klaren, erdigen Duft, als langsam der Tau in die Gräser stieg.

Jim Bridger zügelte als erster sein Pferd.

Es hat keinen Sinn mehr, stellte Old Gabe fest. So nannten ihm seine alten Freunde, denn sein zweiter Vorname war Gabriel.

Dann wollen wir hier unser Nachtlager aufschlagen, stimmte ihm Kit Carson zu.

Das Abendessen der beiden Gefährten hielt keinen großen Ansprüchen stand. Es gab getrocknete Streifen aus Büffelfleisch, Beerenpemmikan und klares Wasser aus einem der zahllosen Bäche, die das flache Land durchzogen.

Ich mag nicht daran denken, wie Workman die schlimme Nachricht aufnehmen wird, gestand Kit. Er hat große Stücke auf Simpson gehalten, und das zu Recht.

David Workman hat schon Schlimmeres erlebt, wandte Old Gabe ein. Du machst dir Sorgen um einen Mann, der früher immerhin einen Cent Kopfgeld als Belohnung für deine Ergreifung ausgesetzt hat.

Bei diesen Worten wirkte er sehr ernst, doch in seinen Augenwinkeln blitzte der Schalk auf.

Seit vielen Stunden lächelte Kit nun zum ersten Mal wieder.

Einen Cent Kopfgeld für einen entlaufenen Sattlerlehrling, griff er die letzte Bemerkung seines Freundes auf. Ein wahrhaft stolzer Preis. Workman wusste genau, dass er damit nicht einmal einen alten Hund hinter dem Ofen hervorlocken würde. Er war gesetzlich gezwungen, eine solche Anzeige im gesamten Howard County zu veröffentlichen. Nur: Erstens pfiff jeder auf diesen lausigen Cent, zweitens ließ er sich bis zu dieser Anzeige vier Wochen Zelt, und drittens behauptete er darin wider besseres Wissen, ich sei nach Norden geflohen. Er wusste genau, dass ich mich dem Treck von Andrew Broadus nach Santa Fé angeschlossen hatte. Mit meinem unstillbaren Fernweh, mit meiner Sehnsucht, in neues unbekanntes Land zu ziehen, hatte er sich längst stillschweigend abgefunden, aber ich Grünschnabel hatte Angst vor ihm. Dabei war und ist er ein guter Mann.

Jim spürte, dass es ihm gelungen war, Kit ein wenig von seinen trüben Gedanken abzulenken. Damit hatte er erreicht, was er wollte, und war zufrieden.

Bald schliefen sie ein.

*

Das Leben in der Wildnis hatte sie ebenso geprägt wie die lange Zeit, die sie zusammen in den Bergen verbracht hatten. So war es auch kein Wunder, dass sie nahezu gleichzeitig wach wurden.

Noch war es dunkel. Doch im Osten zog ein rötlicher Lichtschimmer auf. Kit stutzte und runzelte die Stirn.

Das Ist seltsam, stellte er fest. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es noch viel zu früh ist.

Du hast recht, stimme ihm sein ehemaliger Lehrmeister zu. Er kniff die Augen zusammen und starrte angestrengt in die Nacht. Das ist nicht der Sonnenaufgang.

Alarmiert fuhren sie hoch. In kürzester Zeit waren sie aufbruchsbereit und schwangen sich auf ihre ausgeruhten Pferde.

Der leichte Ostwind trug in der Tat einen äußerst beunruhigenden Geruch herüber. Je weiter sie dem geheimnisvollen Leuchten entgegen sprengten, desto stärker wurde aus ihrer vagen Ahnung eine furchtbare Gewissheit.

Es war ein Anblick, der in seiner Erhabenheit noch schrecklicher wirkte. Die Schwärze des Himmels wurde durch die lodernden Flammen erhöht. Sie verliehen den Rauchwolken, die sich in trägen Massen dahin wälzten, eine rotglühende Beleuchtung, die fortwährend wechselte, je nachdem das Feuer von stärkeren Windstößen gejagt oder von sehr üppiger bis zu äußerst spärlicher Vegetation genährt wurde.

Ein unheimliches Getöse begleitete den wilden Brand; es war kein Donnern, kein Rauschen oder Sausen, es glich dem fernen dumpfen Beben der Erde, wenn tausend Hufe den Boden stampften, und wurde immer drohender, je weiter sich die beiden Freunde vorwagten.

Das Toben dieser Naturgewalten war schrecklich genug, aber eines war vollständig unfassbar:

Seth McCluskys Spur führte in gerader Linie auf dieses Inferno zu!

Lange können wir ihr nicht mehr folgen, musste Jim Brldger zugeben. Der Ostwind treibt die Flammen immer schneller auf uns zu, weil der Brand sich in alle drei Richtungen vergrößert und dadurch Immer stärker wütet.

Das ist richtig, erwiderte Kit. Aber durch die vielen Bäche wird es nie schneller als unsere Pferde. Lass uns in zwei entgegengesetzten Schleifen zurückreiten. Irgendwann muss der Skullcrasher abgedreht haben."

Old Gabe gab ihm ein Zeichen, dass er verstanden hatte. Sie jagten in beide Richtungen davon und waren dabei vorsichtig genug, den Abstand zur Feuerfront nie geringer werden zu lassen.

Bisweilen schien sich ein Flammenschild zu erheben, der der Feuersbrunst wie ein spottender Bote der Vernichtung voraus flog. Es waren die lodernden Reste eines Busches, den die Feuergewalt und die Hitze nach oben gespien hatten und nun wie ein Windspiel vor sich her jagten.

Die Gefährten gingen kein unnötiges Risiko ein. Ihren Pferden das Letzte abzuverlangen hätte sie selbst das Leben kosten können.

Eine Dreiviertelstunde später trafen sie sich wieder. Ihre Gesichter waren gerötet und glänzten vor Schweiß.

Nichts, ließ Jim Bridger verlauten. Allein der Tonfall entsprach einem Fluch.

Das gibt es nicht, murmelte Kit Carson ungläubig. Bei mir auch nicht. Das heißt, dieser Teufel ist tatsächlich mitten hinein geritten.

Beklommen starrten sie in die Richtung, aus der sie gekommen waren.

Irgendwann würde auch dieser Brand sein Ende finden. Das rußgeschwärzte Brachland würde nur für kurze Zelt Mahnmal für das Wüten des ältesten Elements sein. Aus den abgesengten Schädeln des unglücklichen Wildes, das der Feuerbrunst nicht entkommen war und die dann eine Zeitlang mit hohlen Augen zwischen versengten Stoppeln hervor sahen, würden bald wieder frische Grashalme emporwachsen. Ein neugeborener, frischgrüner Ozean würde still und emsig wuchern, einem hellen Teppich gleich.

Jim Bridger war sehr nachdenklich geworden.

Yeah, sagte er. Ein wahres Wort, das du da gefunden hast, Kit. Nur ein Teufel würde geradewegs in die brennende Hölle hinein springen, und nur ein Teufel käme auch wieder lebend heraus.

Hart riss er sein Pferd herum, um nach Franklin zurückzureiten.

Kit starrte noch eine Zeitlang zu den Flammen hinüber, dann folgte er seinem Freund.

Schade jedenfalls um das Pferd, dachte er. Den Hufabdrücken nach war es ein ebensolcher Gigant wie sein Herr  ... 

KAMPF IM LAGER

Am gleichen Tag erreichte auch der junge Krieger, der Franklin so überstürzt verlassen hatte, dm Lager der Lemhi-Schoschonen. Es befand sich in einer malerischen, gut geschützten Flussbucht. Sumpfkiefern und Eichen, die mit Spanischem Moos bewachsen waren, ragten vereinzelt zwischen den weit auseinanderliegenden Zelten empor. Häuptling Cameahwait hatte diesen Standort mit großer Umsicht erwählt.

Das Herz des Heimkehrenden war schwer. dass sein schnelles Verschwinden aus der Stadt der Weißen nichts mit Feigheit zu tun gehabt hatte, wusste allein er selbst. Aber wie war dieser Grund zu erklären? Warum verlief sein Leben nie gerade, sondern stets In absonderlichen Bahnen? Andere hatten es stets leichter.

Vielleicht lag es daran, dass er nur ein halber Schoschone war, denn sein Vater war ein Flathead-Indianer gewesen, die in den Bitterroot Mountains in Montana zu Hause waren. Als dieser bei einem Überfall der Blackfeet ums Leben gekommen war, kehrte seine Mutter zu ihren Stamm zurück, und dort fiel er durch seine relativ helle Hautfarbe auf. Bei den Bannock-Stämmen im Idaho-Gebiet war es kaum angenehmer gewesen. Jetzt, da er geglaubt hatte, sich einen Platz bei den Lemhi-Schoschonen erstritten zu haben, war dies passiert  ... 

Am Ufer des Flusses stieg er ab, um sein Pferd das letzte Stück zu führen.

Einige junge Krieger hielten sich in der Nähe auf und erkannten ihn. Sie kamen auf ihn zu. Dem Neuankömmling schwante Übles, denn ihr Anführer war Ushopa, der Sohn Sacajas, des Medizinmannes. Ushopa führte gern das Wort. Er hatte vom Tag seiner Ankunft an versucht, ihn als Außenseiter abzustempeln, der unerwünscht war und blieb, obwohl er längst das Vertrauen des alten Häuptlings gewonnen hatte. Der große Chingichnish mochte wissen, warum der greise Anführer an diesem Stammesfremden einen Narren gefressen hatte.

Was bringst du uns, Pinaquana?, fragte Ushopa nun mit einem hämischen Unterton. Oder hast du nur deine Seele an den weißen Mann verkauft und bist gleich wieder umgekehrt?

Einen ausgewachsenen Krieger mit seinem Geburtsnamen zu bezeichnen stand bestenfalls dessen Mutter zu. Von jedem anderen war es eine Beleidigung.

Der Angesprochene blieb äußerlich ruhig, doch in seinen Augen blitzte es kurz auf.

Allein diese Beschimpfung wäre Grund genug, dich zum Kampf zu fordern, erwiderte er.

Ushopa lachte auf.

Ach? Und warum sollte sich der Sohn des Schamanen mit einem dahergelaufenen Feigling herumprügeln?

Sie waren beide gleich groß. Nun versetzte der Beleidigte Ushopa eine Ohrfeige, die den frechen Herausforderer augenblicklich von den Beinen riss.

‘Vielleicht ist  d i e s  Grund genug."

Das sollst du mir büßen!

Mit einem Wutschrei sprang Ushopa wieder auf die Beine. Aus dem Ufersand hatte er eine scharfkantige Muschelhälfte emporgerissen, die er sofort als Waffe einzusetzen versuchte.

Der Halbschoschone wich mehrere Male geschickt aus. Bei einer Finte bekam er einen Schnitt in den linken Unterarm, konnte aber den bewaffneten Arm des Gegners fassen: ein Dreh, ein Hieb mit der Linken, und Ushopa landete kopfüber im schlammigen Uferboden.

Was steht ihr tatenlos herum, ihr Nichtsnutze!, fuhr der Sohn des Medizinmannes seine Kumpane an, als er den körnigen Schmutz ausgespien hatte. Fasst ihn, damit er seine Abrechnung bekommt!

Sein Besieger wehrte sich mit der Kraft und der Wildheit eines Berglöwen, aber gegen ein halbes Dutzend Angreifer und nach dem ersten heftigen Kampf hatte er gegen sie keine Chance mehr. Sie warfen ihn rücklings auf den Boden und hielten ihn an allen vier Gliedern fest.

Ushopa hatte sich wieder hochgerappelt und kam mit der scharfen Muschelhälfte näher. Mit wutverzerrtem Gesicht blieb er über dem Liegenden stehen.

Wenn ich mit dir fertig bin, keuchte er, dann wird dein neuer Kriegername ‘Mann ohne Gesicht‘ sein!

Was geht hier vor?

Von allen unbemerkt war der greise Cameahwait herangekommen. Natürlich hatte er den letzten Teil des Kampfes mitangesehen. Seine Frage sollte Ushopa nur erschrecken, und sie erfüllte Ihren Zweck.

Lasst ihn los, befahl der alte Häuptling. Und du, Washakie, folge mir zu meinem Zelt.

*

Washakie berichtete alles, was in Franklin vorgefallen war. Er ließ nichts aus und beschönigte ebenso nichts. Als er geendet hatte, herrschte Schwelgen im Zelt. Der junge Krieger harrte geduldig der Antwort seines greisen Gönners.

Cameahwait ließ sich Zelt. Er wusste, dass sein Schützling nie unüberlegt, doch erst recht nie feige zu handeln pflegte. Washakie war ebenso tapfer wie besonnen, und im Moment fand der erfahrene Stammesführer noch keine Erklärung für das sonderbare Verhalten seines Schülers. Es musste einen Grund gehabt haben, der noch nicht zur Sprache gekommen war.

Damals, als Washakie zum Stamm gestoßen war, hatte Cameahwait ihn sofort in sein Herz geschlossen. Er hatte gespürt, dass für den jungen Krieger das Leben schwieriger war als für die anderen. Seine gemischte Herkunft und das ständige Ziehen von einem Stamm zum anderen, weil er sich keinem wirklich zugehörig fühlte, hatten in Washakie ein Gefühl der Wurzellosigkeit hervorgerufen, an dem er litt. Dabei wies er die besten Anlagen auf. Aufgrund seiner lebenslangen Erfahrung war Cameahwait überzeugt, dass Washakie der geborene Anführer war. Man musste ihm nur eine Chance geben, ihn fordern. Und ihm vor allem das Gefühl vermitteln, nun doch endlich eine Heimat gefunden zu haben.

Ushopas Voreingenommenheit gegen Washakie wurde spätestens von dem Zeitpunkt an von seinem Vater, dem Medizinmann Sacaja geteilt, als dieser erkannte, dass der Neuankömmling zum Favoriten des alten Häuptlings wurde, was Sacajas Pläne, seinen Sohn Ushopa als künftigen Häuptling aufzubauen, empfindlich störte. Die alte Rivalität zwischen Stammesführer und Medizinmann, die in sehr vielen Schoschonenstämmen vorherrschte, wurde dadurch neu entfacht. Zudem waren Sacaja und seine Anhänger den Weißen von jeher feindlich gesonnen, während Cameahwait sich seit Jahrzehnten unermüdlich um eine Annäherung bemühte, genauer gesagt seit 1805. Seine verlorene Schwester, die einst von Hidatsakriegern geraubt worden war, war damals als Gattin des Trappers Toussaint Charbonneau zurückgekehrt - mit einem kleinen Sohn, seinem Neffen.

Seine Schwester und Charbonneau aber waren zu jenem Zeitpunkt lediglich die Vorboten der berühmten Forschungsreisenden Meriwether Lewis und William Clark gewesen, die alsbald nachfolgten. Diese erste Begegnung zwischen Schoschonen und Weißen im Quellgebiet des Missouri war der Anfang jahrzehntelanger friedlicher Beziehung gewesen.

Washakies Entsendung nach Franklin war ein Versuch gewesen, die Handelsbeziehungen zu den Weißen auszubauen. Die Schoschonen waren nicht nur ausgezeichnete Korbflechter, sondern auch bereit und imstande, für die Weißen hervorragende Satteldecken herzustellen. Washakie war die wichtige Mission anvertraut worden, mit Colin Simpson darüber zu verhandeln. Cameahwaits Hintergedanken war dabei gewesen, dass Washakie mit der Welt der Weißen enger vertraut werden würde.

Was war wirklich geschehen?

Der greise Häuptling fand, dass er nun genug geschwiegen hatte.

Was hältst du von den Blackfeet, Washakie?

Der junge Krieger, der Cameahwait längst wie einen zweiten Vater schätzte und liebte, war von dieser unerwarteten Frage überrascht. Sie stand in keinem Zusammenhang zu dem vorher Gesprochenen.

Sie sind unsere Feinde.

Und warum?

Sie sind die Feinde der Lemhi-Schoschonen, weil sie die Vorherrschaft über unsere Weidegründe erringen wollen.

Und, fügte er auf den erwartungsvollen Blick seines Gönners hinzu, sie sind meine persönlichen Feinde, weil sie meinen Vater umgebracht haben, der ein Umatilla war.

Der alte Häuptling nickte beifällig.

Wie stehen die Blackfeet zu den Weißen?

Washakie wusste zwar noch immer nicht, worauf der Stammesführer hinauswollte, aber eine angemessene Antwort würde ihn sicher weiterbringen.

Sie sind die Feinde der Weißen.

Ich erinnere mich, gab der greise Stammesführer nun seine Gedanken preis. "Im gleichen Jahr, in dem die weißen Kundschafter meine verschollene Schwester zurück brachten, stießen sie mit Blackfeet zusammen und töteten einige. Seitdem hassen die Blackfeet alle Weißen und umgekehrt. Vielleicht war es Chingichnishs guter Wille, dass es uns nicht ebenso ergangen ist. Wir sollten dieses Zeichen zu schätzen wissen.

Die Blackfeet sind die Feinde der Schoschonen, die Weißen sind Feinde der Blackfeet, und die Weißen sind sehr mächtig."

Washakie nickte beifällig. Doch schufen gemeinsame Feinde wirklich Freundschaft?

Die Weißen sind mächtig, wiederholte Cameahwait bedächtig, und zahlreich. Ihr oberster Häuptling heißt Andrew Jackson. Erst vor kurzem hat er Gesetze verkündet, die dem roten Volk zum Verhängnis werden könnten, wenn es nicht lernt, klug mit ihnen umzugehen. Du fragst dich, woher ich dies alles weiß, mein Sohn. Nun, ich habe viele Freunde unter den Weißen, und eines Tages werden wir sie brauchen.

Sein Kopf sank in tiefem Nachdenken. Als er ihn wieder hob, traf sein Blick den seines Schützlings.

Aber warum bist du geflohen?

Ich kam in friedlicher Absicht, nahm sich Washakie ein Herz, obwohl es ihm nicht leicht fiel. Daher hatte ich auch keine Waffe bei mir. Er hätte mich erschießen und nachher behaupten können, ich hätte ihm sein Pferd oder sonst etwas gestohlen. In einer Stadt der Weißen glaubt man nur den Weißen. Ich hätte auch nichts gewonnen, wenn ich ihn vor weißen Zeugen bekämpft oder gar besiegt hätte, im Gegenteil. Damit hätte ich nur Unheil über den Stamm der Lemhi-Schoschonen gebracht. Sie hätten sich an euch gerächt.

Der alte Häuptling nickte zustimmend. Washakies Beweggründe waren verständlich, sein Motiv aber musste Ursachen haben.

Was verschweigst du mir, Sohn? Warum hat dich dieser Mann bedroht? Kannte er dich?

Sein Zögling gab sich einen Ruck.

Ja, er kannte mich. Ich stieß auf ihn, als er in den Bergen einen Mann umbrachte.

Cameahwaits Gesicht blieb unbewegt, doch seine Augen verrieten, was in ihm vorging.

Berichte.

"Es geschah einige Stunden, nachdem du mich weggeschickt hattest. Aus den Felsen hallte ein Schuss. Als ich hinzueilte, stand dieser Mann über den weißen Händler gebeugt, den alle Pedlar nennen. Er bedrohte ihn mit dem Messer. Ich ging mit gespanntem Bogen auf ihn zu und forderte ihn auf, von seinem Opfer abzulassen. Daraufhin verschwand er zwischen den Felsblöcken. Ich folgte ihm, gab aber bald auf, da ich mich um den alten Mann kümmern musste.

Der Pedlar lag bereits im Sterben. Er hieß mich seine Jacke an einer verborgenen Stelle auftrennen, und ich zog ein zusammengefaltetes Stück Leder daraus hervor. Mit den Worten ‘Das wollte er‘ verschied der alte Mann."

Zeig es mir.

Washakie wühlte in seiner Brusttasche, dann reichte er Cameahwait ein mehrfach zusammengefaltetes und versiegeltes kleines Stück Leder.

Der Anführer der Lemhi-Schoschonen erbrach das Siegel und schlug das Leder auseinander. Er betrachtete es lange und eingehend.

Es ergibt keinen Sinn, obwohl ein Mensch dafür sterben musste, stellte er schließlich fest. Und es ist unvollständig. Zwei weitere Teile scheinen zu fehlen.

Es ist sehr alt, meinte Washakie, der ebenso wenig daraus klug wurde, aber auch etwas dazu bemerken wollte.

Viel älter als du und ich, gab ihm der alte Häuptling recht. Es könnte sogar noch aus der Zeit der Eisernen Männer stammen.

FELLRÄUBER

Seit den geschilderten Ereignissen waren beinahe zwei Jahre vergangen.

Die Zeit war für keinen stehengeblieben. Jim Bridger war zwar immer noch mit den Sublette-Brüdern unterwegs, doch inzwischen ging das Gerücht um, sie wollten an einem geeigneten Ort eine Handelsstation errichten und sich sesshaft machen, um den Nachschub für ihre bisherigen Trapperkameraden zu organisieren.

Kit Carson war weit von solchen Gedanken entfernt. Sesshaft zu werden wäre ihm nie in den Sinn gekommen. Er hatte es allein seiner Persönlichkeit und seiner Erfahrung zu verdanken, dass er dieses Jahr erstmals als Truppführer am South Platte River jagte. Seine Crew bestand aus vierzehn Bergläufern und einem Koch. Einige davon waren erheblich älter als er, hatten sich jedoch gern seiner umsichtigen Führung anvertraut. Keiner von ihnen hatte Grund gehabt, dies zu bereuen. Im Gegenteil, mit Kit Carson als Führer hatten sie mehr Biber-, Eichhörnchen-, Wolfs-, Bären- und Antilopenfelle erbeutet als jemals zuvor. Sogar einige stattliche Bisonroben ruhten im Depot.

Kein Wunder, dass er von Tag zu Tag in der Achtung seiner Männer stieg. Kit hielt sich jedoch nichts Besonderes darauf zugute. Er hatte sich sehr schnell mit seiner neuen Aufgabe zurechtgefunden. Das einzige, was für ihn zählte, war sein Vorsatz, dass diese Saison so reibungslos und erfolgreich wie nur möglich zu Ende gebracht wurde. Je schneller sie zum Rendezvous eintreffen würden, desto bessere Preise würden sie erzielen können.

Laut tönte der Klang der alten Bratpfanne, auf die Smiley schlug, der alte Koch. So lockte er die müden Jäger zu den Töpfen und dem Essen, das sie nach diesem langen Tag erwartete.

Holt es euch, sonst schütte ich es weg!, rief er zu dem blechernen Geräusch, das durch das Lager hallte.

Das wäre manches Mal sogar besser, stöhnte Caggins, einer der Jäger, und erhob sich seufzend.

In einigen Tagen würden sie die Jagdsaison beendet haben. Kit sah sich um. Zufrieden glitt sein Blick über die Reihen der Männer. Plötzlich stutzte er.

Wo sind Barcooney und Bleak?

Einer der Trapper sah den anderen an. Zum Schluss stellten sie fest, dass keiner eine Antwort wusste.

Etwas in Kit schlug Alarm. Die ganzen letzten Tage hatte er schon den Eindruck gehabt, dass sich die beiden Bergläufer, die als letzte zu seiner Mannschaft gestoßen waren, ein wenig anders verhalten hatten als zuvor. Ihre Blicke hatten Unruhe verraten, und manchmal hatte Kit sie dabei ertappt, dass sie etwas abseits von den anderen standen und heimlich miteinander flüsterten.

Kenny, du gehst sofort zu den Pferden. Zähl nach, ob alle da sind.

Nun zeigte sich auch in den Gesichtern seiner Crew Bestürzung. Caggins war der erste, der sie in Worte kleidete.

He, Boss  ...  Moment mal. Heute morgen sind wir doch noch alle gemeinsam losgezogen. Kann es nicht sein, dass die beiden hinter der Furt  ... 

Kann sein, kann auch nicht sein, unterbrach ihn Kit. Wir brauchen Gewissheit. Es gibt ‘ne Menge Sprichwörter, Caggins. Eines davon handelt von einem Mann, der seine Felle davon schwimmen sieht. Rate mal, wo das herkommt.

Caggins riss Mund und Augen auf. Minuten später kam Kenny aus der verborgenen Schlucht zurück. Hektische Flecken leuchteten aus seinem Gesicht.

Verflucht noch mal, Boss, Sie hatten recht! Fünf von unseren Tieren sind verschwunden!

Die Schlucht war ein vorzügliches Versteck gewesen. Anstatt ständig eine Wache zurückzulassen, die bei den Arbeiten gefehlt hätte oder durch geschickt anschleichende Indianer ohnehin überwältigt worden wäre, hatte Kit es vorgezogen, sie dort zu verbergen. Als einzigen Wachtposten konnte man Smiley betrachten, der ja immer im Lager war. Doch auch er hatte nichts bemerkt und meinte nur brummend, dass er seine Augen ja nicht überall haben könnte. In unregelmäßigen Abständen hatte er weitläufig die Gegend erkundet, um auch wirklich gegen unerwartete Angriffe gefeit zu sein. Gegen Verräter aus den eigenen Reihen half jedoch das beste Versteck nichts.

Kit Carsons Männer begannen wüst durcheinander zu schimpfen. Einige griffen schon nach ihren Flinten und waren entschlossen, den flüchtenden Pelzdieben sofort hinterher zu eilen.

Jetzt mal halblang, Leute!, rief ihr hochgewachsener Anführer über ihre Köpfe hinweg. Die Kerle haben über sieben Stunden Vorsprung, und da unser Fellversteck flussabwärts liegt, kommt ihr nicht schneller voran als sie. Außerdem müssen sie bis in die Ebene dem Flusslauf folgen, und das bedeutet, die Nacht abgerechnet, einen ganzen Tag.

Himmeldonnerwetter!, rief Caggins aus. Die Ausbeute einer ganzen Saison! Das kostet uns Kopf und Kragen! Meine Schwiegermutter wird mich lynchen! Wie sollen wir sie überhaupt einholen? Zu Pferd sind sie und wir gleich schnell.

Kit nickte.

Wir wissen schließlich noch nicht hundertprozentig, ob unsere Vermutung auch zutrifft. Es wird genügen, wenn ich die beiden Halunken verfolge. Ihr bleibt hier und arbeitet unter verschärften Vorsichtsmaßnahmen weiter. Du, Moss, wirst mir zwei von den Bisonroben herbeischaffen; aber die größten.

Was haben Sie vor, Boss?

Die Verfolgung zu beschleunigen: flussabwärts. Du, Wesley, hast die beste Axt. Leihe sie mir. Mal sehen, wie schnell aus dieser kleinen Eiche da drüben ein Paddel wird.

Seine Männer gingen mit Feuereifer an die Arbeit. Zuviel stand auf dem Spiel.

Als erstes wurde das Paddel fertig, dann das Rahmengestell aus Weidenästen. Innen wurde es zusätzlich mit einem Geflecht aus Weidenruten bespannt. Mit der Haarseite nach außen wurden danach die Bisonhäute über das Rahmengestell gezogen und die Nahtstellen mit Lederstreifen abgedichtet.

Caggins kratzte sich mit bedenklicher Miene den Hinterschädel.

Ich weiß nicht, Boss, brummte er. Eine Spazierfahrt wird das bestimmt nicht. Der South Platte hat mehr Tücken als meine Schwiegermutter Haare auf den Zähnen.

Das ist mir schon klar, erwiderte Kit. Ich kenne den South Platte jedoch ein wenig besser als deine Schwiegermutter.

Ihr Glück, Boss, Ihr Glück. Wenn sie ihre schlechten Tage hat, schäumt sie übler als der South Platte bei Hochwasser. Es dürfte leichter sein, gegen den Fluss anzukommen als gegen sie. Viel Glück, Boss, und gute Fahrt.

Vier von euch sollen mir auf ihren Pferden folgen, so schnell sie können. Falls ich die beiden erwische, brauche ich Hilfe für den Rücktransport der Felle. Kit klopfte Caggins auf die Schulter und stieg in das schwankende Kanu.

Seine gesamte Ausrüstung bestand aus seinem Messer, seiner Rappahannock-Holsterpistole, seiner Büchse, dem Kugelbeutel mit Munition, Feuersteinen, Pulver und einem Säckchen Pemmikan. Kühn stieß er vom Ufer ab.

Das ohrenbetäubende Donnern tobender Wildwasser war von nun an sein einziger Begleiter.

*

Der Geruch der durchnässten Büffelhäute war alles andere als angenehm, aber Kit Carson hatte auf wichtigere Dinge zu achten. Die tosende Flut hatte sein leichtes Boot oft genug auf kantige Klippen zu getrieben, und nur sein schnelles Reaktionsvermögen hatte das Schlimmste verhindert. Dafür schmerzten ihn nun die Schultern und Arme, mit denen er jeden harten Aufprall abgefangen hatte.

Wieder trieb er auf einen der zahlreichen Strudel zu. Die heftigen Drehbewegungen versuchte er so gut wie nur möglich mit dem Paddel auszugleichen, und endlich hatte er den reißenden Sog hinter sich gelassen. Das überkommende Spritzwasser hatte ihn längst vollständig durchnässt, und trotz der ständigen Bewegung begann Kit allmählich zu frieren. Er hätte am Stand der Sonne ablesen können, wie viele Stunden er schon auf dem South Platte River unterwegs war, doch er ließ es lieber bleiben.

Eine weitere Stromschnelle schob ihn zwischen die Felsen. Die volle Wucht der Wildwasserströmung drückte so schwer gegen das Heck, dass das Boot minutenlang wie eingeklemmt still lag. Kit nutzte diese Zeit, um wieder etwas Atem zu schöpfen. Als die Strömung kurz ein wenig nachließ, stieß er sich kräftig nach vorne, und das Boot schoss sofort wieder flussabwärts weiter.

Endlich begann die Gischt an den Klippen schwächer zu schäumen - ein Zeichen dafür, dass das Gefälle leicht nachgelassen hatte und die Wasser ein wenig stiller laufen würden. Das hieß allerdings auch, dass Kit dem Versteck der Felle schon recht nahe gekommen war. Ab jetzt war erhöhte Vorsicht geboten. Es gab nur diesen einen Weg, den die Diebe einschlagen konnten, um hinunter in die Ebene zu gelangen. Er führte genau am Flussufer entlang.

Als er die Höhle erreichte, die etliche Yard über dem Flussbett lag, paddelte Kit mit kräftigen Schlägen ans Ufer. Er erkannte die Bescherung sofort.

Der gesamte Hohlraum war leer. Allerdings lagen noch genügend Fellhaare auf den Steinen, um festzustellen, dass ein Irrtum ausgeschlossen war.

Hier hatte die Ausbeute vieler Monate geruht.

Kit zerbiss einen grimmigen Fluch. Immerhin musste es Stunden gedauert haben, bis alles aufgepackt und verschnürt war. Er hatte noch eine Chance, wenn er nicht länger wertvolle Zeit verlor.

Erneut stieß er sein Boot vom Ufer ab.

Die Pferde kamen auf dem schweren Kies nicht besonders schnell voran, noch dazu, wenn sie so schwer beladen waren. Die Stellen, an denen sie ihre Hufe aufgesetzt hatten, waren noch leicht zu erkennen.

Im ruhigeren Wasser und im Licht der noch immer starken Sonne begann jetzt wenigstens seine Kleidung ein wenig zu trocknen. Flinte und Pistole waren gut in Leder und Decken verschnürt gewesen, die jedoch eine Menge Wasser aufgesaugt hatten. Kit legte die Waffen frei und ließ sie trocknen. Allerdings paddelte er nun stärker, um so schnell wie möglich Zeit aufzuholen.

Er hatte das Fellversteck noch keine Stunde zurückgelassen, als seine scharfen Augen am linken Uferrand eine Bewegung wahrnahmen. Bald erkannte er, dass es tatsächlich Pferde und Reiter waren.

Fataler Weise nahm das Gefälle wieder zu! Kit erfuhr dies dadurch, dass es ihm nicht schnell genug gelang, das Ufer zu erreichen. Die Klippen zu seiner Rechten schlossen ein Anlegen dort aus, links aber trug ihn die Strömung zu schnell dahin.

Inzwischen aber war er den beiden Reitern mit den drei Packpferden schon gefährlich nahe gekommen. Ohne weitere unnütze Gedanken über seine leichte Unvorsichtigkeit zu verlieren, presste sich Kit flach auf den Boden des Bootes. Erneut drang Nässe in seine Kleidung.

Barcooney sah das Kanu vom Ufer aus als erster, als es gerade an ihnen vorbeitrieb.

Sieh mal, Cain!, rief er seinem Kumpan nach vorne zu. Ein leeres Boot! Seltsam, dass es noch nicht ans Ufer getrieben wurde.

Cain Bleak runzelte die Stirn.

Für ein leeres Boot liegt es verdammt tief im Wasser! Da soll doch gleich  ... 

Mitten im Satz riss er seine Flinte hoch und feuerte auf das treibende Kanu. Der Schuss durchschlug die vordere Büffelhaut, aber glücklicherweise noch oberhalb der Wasserlinie. Barcooneys folgender Schuss ging fehl.

Kit wusste, dass er ihnen keine Gelegenheit zum Nachladen geben durfte. Er rappelte sich hoch, griff zum Paddel und hielt mit

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