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Hotel Mallorca - 3 Romane, Band 1 – Liebesroman: Sehnsüchte im heißen Sand

Hotel Mallorca - 3 Romane, Band 1 – Liebesroman: Sehnsüchte im heißen Sand

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Hotel Mallorca - 3 Romane, Band 1 – Liebesroman: Sehnsüchte im heißen Sand

Länge:
301 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 17, 2016
ISBN:
9783740903442
Format:
Buch

Beschreibung

Eine große Serie von Urlaubsromanen, die ihresgleichen sucht! Jeder Band enthält drei zauberhafte Geschichten, die im mondänen Hotel Mallorca spielen. Hier geht es romantisch zu – und ungeheuer spannend: Um den Untergang des herrlichen alten Hotels auf Mallorca zu verhindern, lässt der Erbe, Christian Leon, sich mit dem dubiosen Pablo Gomez ein. Pablo entwickelt sich nicht nur zu einem Gegenspieler in geschäftlichen Dingen, sondern tritt auch um das Herz seiner Freundin Sabine in Konkurrenz zu Chris. Zwischen Chris und Pablo wächst eine erbitterte Feindschaft, die auch Sabine nicht ungeschoren lässt.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 17, 2016
ISBN:
9783740903442
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Hotel Mallorca - 3 Romane, Band 1 – Liebesroman - Manuela von Steinau

Hotel Mallorca Taschenheft –1–

Sehnsüchte im heißen Sand

Roman von Manuela von Steinau

Inhalt

Textbeginn

Spiel mir das Lied vom Leben

Reiz der Gegensätze

»Christian, siehst du die weißen Felsen? Dort hinten sind schon die Felsen!«

»Ja, noch ein paar Minuten, dann sind wir da. Wir haben es geschafft, Pablo. Wir sind da. Wir sind wieder zu Hause!«

Christian war in einem wahren Freudenrausch. In seinen Fingern, die das Steuerrad des roten Sportwagens umklammert hielten, prickelte es förmlich vor Glück.

Am Tag vorher waren er und Pablo noch in Deutschland gewesen. Und es war noch nicht einmal sechsunddreißig Stunden her, seit sie ihren Abschied vom Bodensee und von der Hotelfachschule gefeiert hatten. Der Champagner war in Strömen geflossen.

Aber jetzt waren sie angekommen. Auf Mallorca, auf dieser Insel, die für sie die schönste der Welt war. Hier waren sie geboren worden. Hier waren sie aufgewachsen. Hier gehörten sie hin.

Es war Christians Vorschlag gewesen, den tollkühnen Sprung von den Leon-Felsen zu wagen. Einzutauchen in das weite blaue Meer, um wie neu geboren wieder aufzusteigen. Pablo war sofort Feuer und Flamme gewesen.

Der Geruch von Benzin und Leder vermischte sich mit dem Salzgeruch des Meeres. Der Boden wurde felsiger. An die Stelle von Orangenbäumen traten Eichen. Zwischen zwei knorrigen Bäumen wurden ein runder breiter Turm und die Reste einer uralten Burganlage sichtbar.

Von hier aus hatte über sechs Jahrhunderte hindurch das mächtige Geschlecht der Leones große Teile Mallorcas und des Meeres beherrscht. Die Burg war verfallen, aber das Land war noch immer im Besitz der Familie. Ihr Wappentier war ein Löwe.

Christians verstorbener Vater war ein Leon gewesen. Bis ins dreizehnte Jahrhundert reichte die Reihe der Leones zurück. Das unverwechselbare Zeichen der männlichen Mitglieder der Familie war eine Kerbe im Kinn.

Auch Christians Kinn zeigte diese Kerbe.

Die helle Haut aber, das dunkelblonde gewellte Haar und die grauen, gerade blickenden Augen waren dagegen ein Erbe seiner deutschen Mutter.

Der Wagen hielt. »Wir sind da«, rief Christian und schwang sich vom Sitz und auf den steinigen Boden. Pablo machte es ihm nach.

Vor ihnen lag das endlose weite Meer. Rechts von ihnen ragten zwei wahrhaft grandiose Felsen schroff empor, um dann zwanzig oder dreißig Meter steil hinabzustürzen.

Das waren die berühmten Leon-Felsen.

Christian ging zu einer Stelle, wo eine Felsenplatte fast einen halben Meter über den Abgrund hinausragte. Er sah in die Tiefe.

Unter ihm wogte das Meer. Jede ankommende Welle bedeckte für ein paar Sekunden die Felsbrocken, die dort lagerten, um sie gleich darauf wieder freizugeben. Feine weiße Gischt spritzte wie Sprühregen auf.

»Was ist, Christian? Warum bist du auf einmal so still? Du bekommst es doch hoffentlich nicht plötzlich mit der Angst zu tun«, spottete Pablo.

Christian schien auf einmal zu sich gekommen zu sein.

»Pablo, wer hier runterspringt, der kommt nicht lebend unten an«, sagte er.

»Der Sprung von den Leon-Felsen war dein Vorschlag. Du willst doch jetzt nicht etwa kneifen?«

»Das hat nichts mit kneifen zu tun.«

»Es ist eine Mutprobe, Chris.«

»In meinen Augen hat es nichts mit Mut zu tun, sein Leben aufs Spiel zu setzen.«

»Was ist es dann in deinen Augen?«

»Die reinste Dummheit.«

»Vorhin hast du anders gesprochen.«

»Da wußte ich es nicht besser. Ich war jahrelang nicht mehr hier und hatte vergessen, wie hoch die Felsen sind und wie gefährlich solch ein Sprung ist.«

Christian deutete mit ausgestrecktem Arm in die Tiefe. »Guck dir das doch an, Pablo. Überall ragen Felsen aus dem Meer. Wer da aufkommt, ist verloren.«

Pablo kniff die Augen ein wenig zusammen. »Wie kommst du darauf, daß ich vorhabe, auf die Felsen zu springen? Da müßte ich ja verrückt sein.«

»Von der Höhe aus kannst du den Sprung gar nicht steuern, Pablo.«

Niemand hatte Christian jemals Mangel an Mut nachsagen können. Im Gegenteil. Er hatte den Ruf, tollkühn zu sein. Liebte er es doch geradezu, Gefahren die Stirn zu bieten. Keiner wußte das so gut wie Pablo.

»Laß uns umkehren und nach Palma fahren, Pablo. Dort warten sie sicherlich schon auf uns«, schlug Christian vor.

Statt einer Antwort streifte Pablo sich das schwar­ze Polohemd über den Kopf und warf es neben sich zu Boden. »Du willst also wirklich nicht?«

»Nein, Pablo. Ich bin nicht heroisch genug, um mein Leben für eine dumme Mutprobe aufs Spiel zu setzen. Dafür lebe ich viel zu gern.«

»Du machst deinem Namen nicht gerade Ehre, Chris. Einen Löwen kann man dich wirklich nicht nennen.«

»Versuch ruhig, mich zu provozieren, Pablo. Du änderst damit nichts.«

»Wenn du springst, erlaß ich dir die Spielschulden, die du bei mir hast.«

Christian biß die Zähne zusammen. Nach dem Abschlußfest von der Hotelfachschule war er mit Pablo und einigen anderen jungen Männern aus seinem Jahrgang zu einer Spielbank gegangen. Er hatte schon mehr Champagner getrunken, als er vertrug.

Zuerst hatte er gewonnen. Aber dann hatte sich das Blatt gewendet. Pablo hatte ihm Geld geliehen. Immer mehr und mehr. Bis auch das verspielt war.

»Ich werde meine Schulden so bald wie möglich bezahlen«, versicherte Christian.

»Du bist also fest entschlossen, nicht zu springen. Also gut, Chris. Wie du willst. Aber denk daran, was wir ausgemacht haben. Wer kneift, der muß die erstbeste Frau heiraten, die ihm begegnet.«

»Hören wir endlich auf mit dem Unfug, Pablo.«

Pablo tat, als hörte er nicht. Unbeweglich, den Blick auf den Horizont gerichtet, stand er am Rande der vorspringenden Felsplatte.

Sein kräftiger Körper war gedrungen. Das Gesicht sah aus, als sei es mit einer Axt aus einem Eichenstamm gehauen. Über der Stirn, wo er einen Wirbel hatte, stand ihm ein Büschel der schwarzen Haare zu Berge.

Langsam, sehr langsam breitete er die Arme auseinander. Und dann sprang er.

Christian warf sich zu Boden. Er fühlte sein Herz gegen die harte Erde schlagen. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Er wagte kaum zu atmen. Mit weitaufgerissenen Augen starrte er in die Tiefe, in ein Stück wilde Natur.

Mehrere kleine und einige größere Felsen ragten hoffnungslos schroff und spitz aus dem Wasser. Ein einzelner gelbblühender Ginsterbusch, der aus der Felswand herauswuchs, konnte dem Anblick nichts Tröstliches geben.

Pablo schien einen Augenblick lang in der klaren Luft des frühen Morgens zu schweben, so als halte eine unsichtbare Hand ihn empor.

Christian hatte das Gefühl, als würde die Zeit stillstehen. Nie, das wußte er, würde er diesen Augenblick vergessen. Bis an sein Lebensende würde er sich daran erinnern.

Weit hinten am östlichen Horizont stieg die Sonne auf. Ihre schrägen Strahlen ließen das Meer auffunkeln. Es war, als würde Pablo in blutrote Strahlen eintauchen.

Nach wenigen Sekunden kam er wieder hoch. Seine enormen Oberarme und Schultern zerteilten mit kräftigen Schlägen das Wasser. Er schwamm um einen Felsen herum zu einer anmutigen Bucht, die wie eine schöne weiße Muschel in die Felsen eingebettet lag.

Christian sprang auf die Beine. Sein Herz hämmerte, als wollte es ihm die Brust zersprengen. Er rannte am Steilufer entlang und den Abhang zur Bucht hinunter.

Pablo stand bis zu den Knien im Wasser. Er strich sich das nasse Haar aus der Stirn.

»Feigling, Feigling«, rief er Christian mit triumphierender Stimme zu und lachte dröhnend.

Christian blieb stehen. Er empfand auf einmal unglaublichen Zorn. Pablo kam auf ihn zu. Bei jedem Schritt, den er machte, wuchs Christians Zorn.

Es war der alte Zorn der Leones, der sich seit jeher gegen diejenigen gerichtet hatte, die ihren Stolz verletzen.

»Feigling«, sagte Pablo noch einmal mit leiser Stimme, als er vor Christian stand. Seine tiefschwarzen Augen blitzten in spöttischer Verachtung.

»Sag das Wort nie wieder. Hörst du, Pablo. Sage nie wieder Feigling zu mir«, stieß Christian hervor.

»Feigling.«

Christians erster Impuls war, sich auf Pablo zu stürzen. Seine Vorfahren hätten es nach dieser Beleidigung auf einen Kampf um Leben und Tod ankommen lassen. Bei Christian zeigte jedoch in diesem Moment eine Erziehung zur Selbstbeherrschung ihre Früchte. Er hielt sich zurück.

Seine Stimme war aber wie kalter blanker Stahl, als er sagte: »Das war einmal zuviel, Pablo. Komm mir in Zukunft nie mehr unter die Augen.«

Pablo wurde unsicher. »Wir sind doch Freunde, Chris. Da darf man doch wohl mal einen Spaß machen.«

»Freunde?« fragte Christian.

Er und Pablo kannten sich seit ihrer frühen Kindheit. In der deutschen Schule von Palma hatten sie die gleiche Schulbank gedrückt. Auch die Militärzeit hatten sie am selben Ort und zur selben Zeit absolviert. Auf der Hotelfachschule am Bodensee hatten sie sogar ein Zimmer geteilt.

Immer wieder, fast ihr ganzes Leben lang, also fünfundzwanzig Jahre lang, hatten sich ihre Wege auf irgendeine Weise gekreuzt.

Freunde, wirkliche Freunde, waren sie trotzdem nicht gewesen. Dafür waren sie vom Charakter her zu verschieden.

Christian besaß Leichtigkeit und einen angeborenen Charme. Er bezauberte die Menschen, wo immer er auftauchte. Man liebte ihn um seiner selbst willen.

Pablo dagegen ging man lieber aus dem Wege. Er konnte, wenn es um seinen Vorteil ging, rücksichtslos sein. Es schien ihm manchmal geradezu Spaß zu machen, andere zu verletzen.

Christian warf einen Blick auf den roten Sportwagen, der vor den Felsen parkte. Wenn es Pablos Auto gewesen wäre, so hätte er ihn gebeten, ohne ihn nach Palma zu fahren. In dem Fall hätte er es vorgezogen, zu Fuß zu gehen.

Da der Sportwagen aber ihm gehörte, forderte er Pablo auf:

»Steig ein, damit wir endlich nach Hause kommen.«

*

»Guten Tag.« Sabine Hansen, seit einigen Wochen Empfangs-Sekretärin im renommierten Luxus-Hotel »Mallorca«, lächelte Christian freundlich zu.

Christian konnte nicht anders als zurücklächeln. »Buenos dias«, antwortete er.

»Oh, Sie sprechen spanisch. Ich habe Sie für einen Deutschen oder für einen Engländer gehalten.«

»Für einen Engländer? Sehe ich wirklich wie ein Engländer aus?«

Normalerweise erkannte Sabine sofort, aus welchem Land ein Gast kam. Aber dieses Mal hatte sie sich offensichtlich geirrt.

»Sie könnten auch Skandinavier sein«, meinte sie.

»Ich bin Spanier.«

»Spanier? Tatsächlich? Darauf wäre ich nun wirklich nicht gekommen.«

»Meine Mutter war Deutsche. Sie stammte aus Hamburg.«

»Aus Hamburg. Ich bin auch aus Hamburg.«

»Das ist ja aufregend. Ich war als Kind öfter da und habe meine Großeltern besucht. Hamburg ist eine herrliche Stadt. Das gibt es nirgendwo sonst auf der Welt, daß eine Stadt um einen großen See herum gebaut ist.«

»Sie meinen die Außenalster.«

»Ja, die Alster. Und dann ist da noch der Hafen. Und die Elbe und der Michel mit der grünen Kuppel. Hamburg und Palma, das sind für mich die schönsten Städte der Welt.«

»Ganz Mallorca ist wunderbar.«

»Leben Sie schon lange hier?«

»Heute sind es genau drei Wochen.«

»Und es gefällt Ihnen bei uns?«

»Ich liebe die Insel über alles. Ich könnte mir sogar gut vorstellen, für immer hier zu bleiben. Das heißt, wenn es sich ergeben würde.«

»Sie meinen, wenn Sie einen Mallorquiner heiraten würden?«

»Daran habe ich noch nicht gedacht.«

»Würden Sie mich heiraten?«

Die Frage war Christian herausgerutscht. Übermut hatte ihn dazu getrieben. Außerdem hatte die Wette, die er mit Pablo abgeschlossen und verloren hatte, noch in seinem Hinterkopf herumgespukt.

Danach war er verpflichtet, die erste Frau zu heiraten, die ihm nach der Rückkehr begegnete. Das war nun einmal dieses bezaubernde Mädchen hinter dem Empfangs-Desk des »Mallorca«.

Sabine starrte Christian an, als hätte sie nicht richtig gehört. Ihre Nasenflügel zuckten. Ihr Lächeln erstarb. Ihr Gesicht bekam einen höflich-distanzierten Ausdruck.

»Sie möchten wahrscheinlich ein Zimmer mieten. Ich kann Ihnen eines im zweiten Stock geben. Zimmer 101. Von dort aus haben Sie einen wunderbaren Blick auf das Meer und auf Palma. Seien Sie bitte so freundlich und füllen Sie das Anmeldeformular aus. Würden Sie mir bitte Ihren Namen sagen?« bat sie.

»Leon. Christian Leon.«

Sie konnte ihre Verwunderung kaum verbergen. »Sie sind Christian Leon?«

»Ja.«

»Der Neffe von Señor Leon, dem Inhaber unseres Hotels?«

»Ja, der bin ich.«

»Oh.« Sabine wollte es noch immer nicht recht glauben. Man hatte ihr erzählt, daß Christian Leon seine Eltern in sehr jungen Jahren verloren hatte. Aus dem Grunde hatte Sabine ihn sich als armen hilflosen Waisenjungen vorgestellt. Er hatte ihr im voraus leid getan.

Als im »Mallorca« bekannt geworden war, daß Christian aus Deutschland zurückkommen würde, hatte sie sich vorgenommen, besonders freundlich zu ihm zu sein.

Der junge Mann, der jetzt vor ihr stand, wirkte jedoch alles anders als arm und hilflos. Es gab bestimmt auch keinen Grund, Mitleid mit ihm zu haben, denn er sah aus wie jemand, der das Leben in vollen Zügen genoß.

Sabine nahm das Anmeldeformular wieder an sich.

»Das brauchen Sie dann ja jetzt nicht mehr. Soviel ich weiß, ist die Suite im vierten Stock des Hotels für Sie hergerichtet worden, Herr Leon.«

Christian wollte gerade antworten, als er hinter sich seinen Namen rufen hörte.

Er drehte sich um und sah den Chef-Portier des »Mallorca« auf sich zukommen.

»Manolo!«

»Christian! Laß dich umarmen.« Manolo drückte Christian an sich wie ein glücklicher Vater seinen heimgekehrten Sohn. »Wie geht es dir, Christian? Alles in Ordnung?«

»Bestens, Manolo. Und wie ist es mit dir?«

»Ich kann nicht klagen. Die Kinder gedeihen, die Frau ist gesund, die Arbeit macht mir nach wie vor Spaß – was will ich mehr.«

»Manolo, ich kann dir nicht sagen, wie froh ich bin, endlich wieder zu Hause zu sein. Jetzt gehe ich nie mehr weg.«

»Bis dich wieder einmal das Fernweh packt, Christian. Aber du wirst immer wiederkommen. Weil du hierher gehörst. Wer auf Mallorca geboren wurde, der ist wie eine Pflanze, die mit starken Wurzeln an das Erdreich gebunden ist, in das sie gesetzt wurde. Der läßt sich nicht versetzen. Warst du schon bei deinem Onkel?«

»Nein, noch nicht. Ich bin gerade erst vor ein paar Minuten im Hotel angekommen.«

»Señor Leon wird sich freuen, dich zu sehen, Christian. Er braucht jemanden, der ihm zur Seite steht. Du verstehst schon, was ich damit sagen will.«

»Das heißt doch hoffentlich nicht, daß es meinem Onkel schlecht geht, Manolo.«

Der Chef-Portier wiegte den Kopf leicht hin und her. »Nein, Señor Leon ist wohlauf. Aber wir werden alle älter. Wie auch immer, Christian – jetzt bist du da, und du wirst Señor Leon eine Stütze sein.«

»Das habe ich fest vor, Manolo.«

»Was mich angeht und meine Kollegen, so kannst du auf unsere Hilfe zählen.«

»Ich weiß, Manolo.«

»Dann werde ich mich jetzt mal um meine Arbeit kümmern. Zum Glück habe ich seit drei Wochen eine charmante junge Dame zur Unterstützung bekommen.«

Christian wandte sich dem Empfangs-Chef zu. »Manolo, eben war sie doch noch da.«

»Wahrscheinlich ist Sabine in den Park gegangen, um frische Luft zu schöpfen. Sie hatte Frühdienst und ist schon seit sechs Uhr auf den Beinen. Kann ich ihr etwas von dir ausrichten, Christian?«

»Nein, vielen Dank, Manolo. Ich muß sie selbst sprechen. Das heißt, ich muß mich bei ihr entschuldigen.«

»Wieso entschuldigen?«

»Das erkläre ich dir später, Manolo.«

Christian lief über einen Innenhof in den großen Park, der das »Mallorca« umgab. Sabine heißt sie also, dachte er. Ein schöner norddeutscher Name. Sabine Hansen. Er paßt zu ihr.

Zwischen hohen Bäumen wuchsen Azaleen, Oleandersträuche, Rosen und viele andere Blumen so dicht und üppig, daß es ein einziges großes Blütenmeer war. Dazu kamen Bougainvillea, weiße, blaue und purpurfarbene, die in üppiger Pracht über weiße Mauern rankten.

Auf den sorgfältig geharkten Wegen begegnete Christian einer Reihe von Hotelgästen. Darunter waren junge Mädchen in hellen Sommerkleidern sowie ältere Damen mit Perlenketten und Männer mit Strohhüten.

Nur von Sabine war nichts zu sehen. Als Christian schon zur Hotelhalle zurückgehen wollte, sah er sie auf dem Rand eines marmornen Springbrunnens sitzen.

Er lief zu ihr.

»Darf ich mich neben Sie setzen?« fragte er.

»Warum fragen Sie, Herr Leon? Sie sind schließlich hier zu Hause.«

»Sagen Sie bitte nicht ›Herr Leon‹ zu mir.«

»So heißen Sie doch.«

»So nennt mich hier niemand, und Sie sollten es auch nicht tun. Mein Vorname ist Christian.«

Sie schwieg und senkte die Augenlider. Für einen Moment war nur das leise Plätschern des Brunnens zu hören.

Christian setzte sich neben sie. Er legte eine Hand auf die eiserne Kurbel, die über dem Brunnen angebracht war. »Sie sind böse auf mich, nicht wahr?«

Sie sah ihn an. In ihren Augen lag ein Ausdruck von Abwehr und Trotz. »Warum sollte ich Ihnen böse sein?«

»Wegen dieser Geschichte mit dem Heiratsantrag.«

»Es war sehr dumm, so etwas zu sagen.«

»Dumm und ungehörig.«

»Stellen Sie öfter solche Fragen?«

»Ich habe noch nie ein Mädchen oder eine Frau gebeten, mich zu heiraten. Ehrlich gesagt, ich habe bis heute morgen noch nie ernsthaft ans Heiraten gedacht.«

»Und wie kommen Sie dann plötzlich darauf?«

»Es tut mir leid. Ich bin Ihnen nachgegangen, um mich bei Ihnen zu entschuldigen.«

Sabine wurde unschlüssig. Die Stimme des jungen Mannes hatte auf einmal einen ernsthaften Klang. Das war nicht mehr die flapsige Art eines verwöhnten Yuppies. Sie fragte sich, ob sie zu streng war. Vielleicht lag es an der preußischen Erziehung, die sie genossen hatte.

»Also gut«, meinte sie, »lassen Sie uns dann jetzt nicht mehr über die Sache sprechen.«

»Würden Sie als Zeichen, daß Sie mir verziehen haben, heute abend mit mir essen gehen?«

Sie schüttelte den Kopf. »Heute abend geht das nicht.«

»Sind Sie verabredet?«

»Ich habe Dienst.«

Sie stützte sich mit den Händen auf dem Brunnenrand ab und lehnte den Kopf etwas zurück. Die Sonne, die zwischen den Zweigen einer Zypresse hindurchschien, ließ ihr Haar wie Gold aufleuchten. Es war jener zarte Goldton, der fast ins Weiße geht.

Auf ihrem feinen Gesicht lag ein seltsam geheimnisvolles Lächeln. Ihre Haut war nur ganz leicht gebräunt. Unter ihrem weißen Leinenkleid zeichneten sich im hellen Licht die Konturen ihres grazilen Körpers ab.

Christian konnte keinen Blick von ihr wenden. Hinter dem Empfangs-Desk der Hotelhalle war es ihm nicht aufgefallen. Aber hier im Park bei dem alten Brunnen, im Spiel von Licht und Schatten, da erkannte er es.

Sabine war seine Genoveva, die Heldin der Ritterromane, die er als Junge verschlungen hatte. Genoveva mit dem langen blonden Haar, das ihr bis auf den Rücken reichte. Mit der Haut von der Farbe von Milchkaffee – er erinnerte sich plötzlich, das in einem Roman gelesen zu haben – und den Augen wie helle Sterne.

Die glänzendsten Ritter Europas hatten Genoveva zu Füßen gelegen. Er, Christian, war ihr glühendster Verehrer gewesen. Sie hatte ihn jahrelang begleitet wie ein unsichtbarer guter Engel oder ein schöner Traum. Aus Angst, man könnte ihn auslachen, hatte Christian mit keinem Menschen über sie zu sprechen gewagt.

Manchmal war er durch das Hotel oder die Straßen gegangen und hatte nach ihr Ausschau gehalten. Aber sie war ihm nie begegnet. Schließlich hatte er sich damit abgefunden, daß sie ein Traum bleiben würde.

Als er Sabine jetzt vor sich sitzen sah, wußte er, daß es sie doch gab. Nicht nur im Traum, sondern in der Wirklichkeit. Sie sah ihn mit großen blauen Augen an, mit Augen wie Sterne. Und das Haar war wie Gold, die Haut wie Milchkaffee.

»Würden Sie mir einen Gefallen tun?« fragte er.

»Das weiß ich noch nicht.«

»Würden Sie die Spange lösen?«

»Meine Haarspange?«

»Ja. Sie sollten Ihr Haar offen tragen.«

»Jetzt versuchen Sie schon wieder, mich verlegen zu machen.«

»Das ist wirklich nicht meine Absicht.«

Sabine sprang vom Brunnenrand.

»Dann sagen Sie auch nicht immer so etwas Dummes.«

»Gehen Sie noch nicht weg. Ich bitte Sie sehr, bleiben Sie noch ein wenig hier bei mir sitzen und unterhalten Sie sich mit mir.«

Sie sah ihn kühl an. »Sie vergessen, daß ich die Angestellte Ihres Onkels bin. Das heißt, ich habe einen Arbeitsvertrag unterschrieben, der mich verpflichtet, daß ich mich um die Hotelgäste kümmere.«

»Einen Arbeitsvertrag. Welch ein scheußliches Wort.«

»Lieber Herr Leon, erlauben Sie mir jetzt auch einmal eine Frage?«

»Jede. Aber nennen Sie mich bitte nicht mehr Herr Leon. Auch nicht lieber Herr Leon. Was wollten Sie mich fragen?«

»Ob Sie

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