Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Ich bin Christ - aus gutem Grund: Zur Anziehungskraft des Christseins heute

Ich bin Christ - aus gutem Grund: Zur Anziehungskraft des Christseins heute

Vorschau lesen

Ich bin Christ - aus gutem Grund: Zur Anziehungskraft des Christseins heute

Länge:
204 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 21, 2016
ISBN:
9783880818064
Format:
Buch

Beschreibung

Vor 1.700 Jahren hat Kaiser Konstantin den christlichen Glauben zur Staatsreligion gemacht. Was bringt moderne Menschen heute dazu, Christ zu sein? Was heißt das eigentlich genau, Christ zu sein und als Christ zu leben? Die Beiträge zu diesem ökumenischen Schreibprojekt stammen von Autoren und Autorinnen aus Deutschland und Luxemburg. Sie spiegeln eine große Bandbreite dessen wider, warum sich Menschen - unabhängig von Geschlecht und Alter - als Christen bezeichnen. Zum einen sind es die eigenen Erfahrungen, zum anderen aber auch die kritischen Auseinandersetzungen mit dem Thema, die die Sammlung so abwechslungsreich und spannend machen.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 21, 2016
ISBN:
9783880818064
Format:
Buch

Ähnlich wie Ich bin Christ - aus gutem Grund

Ähnliche Bücher

Buchvorschau

Ich bin Christ - aus gutem Grund - éditions trèves

Schreibprojekt

Zum Geleit

Was heißt das: Ich bin Christ? Ist die christliche Religion zukunftsfähig? Was hat das Christentum zu bieten? Was macht Christsein für mich lebenswert?

Solche und ähnliche Fragen stellen Menschen heute genauso wie zur Zeit Kaiser Konstantins im 4. Jahrhundert. Damals und heute versuchen sie zu verstehen, was es mit dem Christentum auf sich hat.

Damals wie heute gilt: Menschen leben in einer pluralen Gesellschaft und entscheiden sich für das Christsein.

Wie kommt es in der heutigen Zeit zu einer solchen Entscheidung? Welche Schwierigkeiten und Hindernisse stehen im Wege? Was hat das Christentum zu bieten, was macht das Christsein heute anziehend?

Auf diese Fragen haben Christinnen und Christen in einem ökumenischen Schreibprojekt versucht, eine Antwort zu geben. Sie haben über die eigene Motivation und Entwicklung zu ihrem Christsein nachgedacht und einen Beitrag zu dieser Schreibwerkstatt verfasst. Dabei ist ein vielfältiges Bild entstanden, das die konfessionellen Grenzen in den Hintergrund treten lässt. Gerade weil das Bekenntnis zum Christentum kein Allerweltsthema ist, erscheinen uns die vielfältigen Texte als eine gute Anregung, einmal selbst darüber nachzudenken, warum ich überhaupt Christ bin, was mein Christsein eigentlich ausmacht?

Viele Menschen haben sich durch das Projekt ansprechen lassen und eigene Texte verfasst. Dafür danken wir herzlich!

Eine besondere Note hatte dieses Schreibprojekt durch seine grenz­überschreitende und ökumenische Perspektive zwischen Deutschland und Luxemburg. Zum Christsein gehört grundsätzlich, in diesem weltumspannenden »Haus« zu leben.

Wir hoffen, dass die Leserinnen und Leser in dem vorliegenden Buch Anregungen finden, ihrem eigenen christlichen Glauben nachzuspüren oder angestoßen werden, im gemeinsamen Gespräch im Familien- und Freundeskreis, in Gemeinden oder Schulen über die Frage nachzudenken, was es heißt, heute Christ zu sein.

Trier, im September 2007

Generalvikar Dr. Georg Holkenbrink

Bistum Trier

Superintendent Christoph Pistorius

Evangelische Kirche im Rheinland

Generalvikar Mathias Schiltz

Erzbistum Luxemburg

Vorwort

Vielleicht ist es schwerer geworden, heute als Christ zu leben. In unserer Gesellschaft finden sich eine Vielzahl sehr verschiedener Wege für ein sinnvolles und erfülltes Leben. Daher ist es wichtig, darüber nachzudenken und ins Gespräch zu bringen, was es heißt, Christ zu sein und als Christ zu leben. Wie schwer uns Menschen manchmal die Nachfolge Jesu fällt, aber auch wie erfüllend und beglückend sie sein kann, bezeugen die Autorinnen und Autoren in ihren Beiträgen zum ökumenischen Schreibprojekt »Ich bin Christ – aus gutem Grund. Zur Anziehungskraft des Christseins heute«, zu dem die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Trier, die Evangelische Erwachsenenbildung Rheinland-Süd, die Katholische Akademie Trier, die christliche Erwachsenenbildung des Erzbistums Luxemburg, der Fachbereich Religionspädagogik der Theologischen Fakultät Trier, Paulinus — die Wochenzeitung im Bistum Trier, das Luxemburger Wort und Chrismon plus rheinland anlässlich der kulturhistorischen Ausstellung »Konstantin der Große« eingeladen haben.

Leider konnten nicht alle Zusendungen bei dieser Veröffentlichung berücksichtigt werden. Das hat mit dem besonderen Akzent zu tun, der uns bei der Auswahl geleitet hat: Unser Lesebuch hat ein ökumenisches Anliegen, es soll die Bandbreite der Einsendungen widerspiegeln und zeitgenössisch erscheinen. Darum mischt diese Sammlung »helle und dunkle« Töne.

Möge die Lektüre dieses Buches dazu beitragen, sich mit dem eigenen Christsein in heutiger Zeit auseinanderzusetzen.

Allen, die zum Zustandekommen des Buches beigetragen haben, sei ausdrücklich gedankt: den Autorinnen und Autoren, der Luxemburger Künstlerin Sylvie Collignon-Mathieu für das zur Verfügung gestellte Umschlagbild, Frau Susanne Becker und Frau Stefanie Eimer für die redaktionelle Unterstützung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Verlags éditions trèves e. V. Dem Evangelischen Kirchenkreis Trier, dem Erzbistum Luxemburg, dem Bistum Trier, der PAX-Bank Trier und der Stadt Trier danken wir für die finanzielle Unterstützung des Schreibprojekts.

Trier, im September 2007

Die Herausgeber

1

Raimund Ackermann

Umdenken und Erkennen

Die Tränen sollten mir über’s Gesicht laufen, ja, ich wollte weinen, und alle Welt sollte es sehen. Im Stadion und vor den Bildschirmen, hemmungslos, vor Freude. Denn ich wollte es ja schaffen, mit aller Gewalt und erbarmungslosem täglichen Training, den Olympia-Sieg über 1.500 Meter.

Die deutsche Nationalhymne, nur für mich ganz alleine sollte sie gespielt werden, und alle Freunde und Bekannte wären stolz auf mich gewesen: ein Olympia-Sieger von der Mosel.

Jahrelanges Quälen nur für diesen kurzen Augenblick. Die schwarz-rot-goldene Fahne weht im Wind, es sollte der größte Moment in meinem noch jungen Leben werden, doch zu wenig Talent und eine schwere Verletzung machten alles zunichte.

Mein Ziel, mein Traum – einfach vorbei. Und keinen interessierte es. Das Leben ging weiter und andere wurden Sieger.

*****

Ich saß wie jeden Sonntag in der Kirche und hörte leicht gelangweilt der Predigt zu. Doch was da unser Pastor plötzlich sagte, ließ mich aufhorchen wie nie zuvor, denn meine angestrebte Sportlerkarriere war erst seit einem Jahr zu Ende und die Trauer immer noch groß.

»Trachtet nach dem, was nicht verwelkt wie ein Lorbeerkranz und was nicht verrostet wie eine Siegermedaille. Macht euch auf, das zu tun, was euch niemand mehr wegnehmen kann und was für immer Bestand hat. Gewinner und Ruhm sind schnell vergessen, doch was ihr Gutes in diesem Leben anderen tut, wird euch keiner mehr nehmen können, auch nicht im Tod.

Also verändert euer DENKEN und ERKENNT was auf dieser Welt wirklich wichtig ist, denn Gott wird euch nicht fragen was ihr angehäuft habt, sondern was ihr eurem Nächsten getan habt.

Lebt und handelt nach dem Evangelium, fürchtet euch nicht, Gott wird immer bei euch sein. Alles, was ihr auf Erden verschenkt, wird euch in den Himmel begleiten. Damit ist auch die Liebe gemeint.«

*****

Das war es für mich. Der Rest ist Geschichte. Meinen Job bei der Stadtverwaltung habe ich nach 15 Jahren gekündigt, um als bekennender Christ das Evangelium zu leben. Jeden Tag. Um die Worte von Dr. Fey zu benutzen: Helfen bis es wehtut.

2

Rudolf Ammann

Ich bin Christ – aus gutem Grund

Es war zwischen meinem 17. und 18. Geburtstag. Da drängten sich mir diese Fragen so existenziell auf, dass mein Arzt erhöhten Blutdruck gemessen hat: Warum glaube ich das, was ich glaube? Warum bin ich katholisch? Warum habe ich mich auf den Weg gemacht, Priester werden zu wollen? Wäre ich auch dann auf diesem Weg und Mitglied der katholischen Kirche, wenn meine Eltern anders gelebt und mir eine andere Weltanschauung vermittelt hätten?

Bisher hatte ich mich schlicht und ohne viel zu denken von ihnen bestimmen lassen. In herzlicher Zuneigung war ich an sie gebunden. Ich habe wie sie und mit ihnen am Morgen und am Abend gebetet, auch vor und nach den Mahlzeiten. Ich habe mit ihnen geglaubt, dass Jesus von Nazareth gelebt hat, dass er in Betlehem geboren und in Jerusalem für uns am Kreuz gestorben ist, dass er nach drei Tagen von den Toten auferstanden und dann in den Himmel aufgefahren ist, um seinen Jüngern und uns bis heute den Heiligen Geist zu senden und uns den Weg zur Auferstehung zu führen. Mit meinen Eltern habe ich regelmäßig die Gottesdienste in unserer Pfarrkirche besucht. Zu Hause haben wir mit großem Engagement Weihnachten gefeiert. Immer wieder habe ich mich intensiv auf den Empfang von Sakramenten vorbereitet. Ich war wie meine Eltern und mit ihnen praktizierender Katholik und habe geglaubt und getan, was andere Katholiken taten und weil und wie sie es taten.

Nun sollte es aber anders werden. Ich wollte meinen eigenen Weg suchen und gehen, ich ganz allein und für mich selbst verantwortlich, nicht in Abhängigkeit von anderen, auch nicht in Anlehnung an meine Eltern, gerade von ihnen abgelöst.

Unsicherheit an allen Ecken und Enden

Da habe ich mich auf den Standpunkt gestellt, dass das, was andere mir sagen, sich schon deswegen einer kritischen Prüfung unterziehen muss und wohl kaum stimmen kann, weil sie als die Anderen es mir sagen. Ich merkte aber schnell: Dieser Standpunkt betrifft nicht nur religiöse Themen, die Fragen nach Gott, Bibel, Kirche, die Fragen nach (halbwegs) christlich vertretbarem Leben. Das kritische Fragezeichen gehört konsequenterweise hinter alle Erkenntnisse, die ich hatte und mit denen ich – bislang unreflektiert – gelebt habe.

Zunächst musste ich etwas ganz Simples zugeben: Dass 2 x 2 = 4 ist, habe nicht ich erfunden. Das haben andere mir beigebracht, und ich habe ihnen kritiklos geglaubt. Mit diesem Axiom und mit noch vielen anderen rechne ich tagtäglich. Ebenso naiv habe ich bisher glaubend akzeptiert, dass die Erde rund ist und die Atome existent und spaltbar, dass Napoleon nicht vor, sondern nach Christus gelebt hat und dass der Kammerton A 440 Schwingungen hat. Das alles und noch viel mehr glaube ich, ohne es überprüft zu haben, ohne es überprüfen zu können. Wie sollte ich auch?

Was ich selber wahrnehmen und überprüfen konnte – so wurde mir klar –, erkannte ich über das Medium meiner Sinne. Und diese können trügen. Ich kam zu dieser Feststellung durch einen ganz einfachen Versuch im Physik-Unterricht des Gymnasiums: Drei Gefäße mit Wasser stehen nebeneinander, das linke mit heißem Wasser gefüllt, das rechte mit kaltem und das mittlere mit lauwarmem Wasser. Wenn ich meine beiden Hände zuerst in die äußeren Gefäße und nach einer gewissen Zeit beide ins mittlere tauche, dann ist das Wasser im mittleren Gefäß für die linke Hand kühl und das gleiche Wasser für die rechte Hand warm. Was ist es nun, warm oder kalt? Täuschen mich meine Sinne? Natürlich könnte ein Thermometer die Frage beantworten. Aber den Stand der Quecksilbersäule nehme ich wahr, indem ich sie sehe. Jedoch: Kann ich der Wahrnehmung meiner Augen mehr trauen als der meines Wärme- und Kältegefühls? Täuschen mich meine Augen nicht auch, wenn sie »Sternchen«, also Licht sehen bei einem Schlag auf das Auge, auch wenn in diesem Moment kein besonderes Licht existiert? Wiederum Sinnestäuschung! Ähnlich unzuverlässig sind meine Ohren. Die Töne mit extrem hohen Schwingungen, die eine Fledermaus hört, höre ich mit bestem Willen nicht. Und doch existieren sie. Sinnesschwächen und -grenzen! Und kein Chirurg hat bei einer Operation Gefühle, Gedanken oder gar eine Seele gefunden. Und doch empfinde ich Gefühle, denke Gedanken, kann ich – seelisch – verletzt und erfreut werden. Wiederum Sinnestäuschungen oder -schwächen, die das Eigentliche verbergen oder verfremden? Jedenfalls war mir klar geworden: Auf meine Sinne kann ich mich nicht mehr verlassen als auf Aussagen anderer Menschen.

Der Philosoph Descartes kam mir zu Hilfe: »Cogito, ergo sum – ich denke, also bin ich.« Ich könnte auch sagen: Ich fühle, also bin ich. Ich freue mich, also bin ich. Ich leide, also bin ich. Aber bald kam neue Unsicherheit über mich: Wie kann ich sicher sein, dass mein Denken, Fühlen, meine Freude und mein Leiden nicht ähnliche Sinnestäuschungen sind wie viele andere, die mich schon genarrt haben und immer wieder narren?

Immer klarer wurde mir: Nichts von dem, was ich und alle anderen Menschen wahrnehmen und für wahr halten, womit sie selbstverständlich umgehen und was ihr Leben in dieser Welt ausmacht, ist über alle Zweifel erhaben. Totaler Skeptizismus ist angebracht, fand ich.

Aber wenn nichts sicher ist, keine »jenseitige« und keine »diesseitige« Wirklichkeit, nichts von meiner Umgebung und auch ich selber nicht, ist auch der Sinn von alldem nicht formulierbar. Ich konnte immer weniger die Möglichkeit ausschließen, dass alles, was ich wahrzunehmen meine, die eigene Existenz eingeschlossen, hinausläuft auf totale Sinnlosigkeit. Soll aber dies das Ziel, der »Erfolg« meines Denkens und Seins sein, meine Sinnlosigkeit zu entdecken? Nur dafür leben zu sollen, wurde für mich zu einem unerträglichen Gedanken. So konnte und wollte ich nicht weiter leben.

Lebenshunger als Grundimpuls

Plötzlich empfand ich Angst, es könnte vielleicht zur Konsequenz meines Lebens gehören, meinem Leben ein Ende zu bereiten. Aber ich wollte doch leben! Vital leben wollte ich. Dieser Lebenshunger, den ich als Lebenswillen spürte, wurde für mich zur Einladung, alle bisherigen Überlegungen unter einem neuen Vorzeichen zu wiederholen:

Das war also sicher, dass ich leben wollte. Dem – eigenen – Leben Raum zu schaffen, empfand ich als sinnvoll. Um leben zu können, wollte und musste ich dann auch zugeben und ertragen: Die Wahrheit all dessen, was mein Leben umgibt und seelisch-kulturell reich macht, kann ich nicht sicher belegen, allerdings auch nicht sicher widerlegen. Die Wahrheiten meiner Sinneswahrnehmungen, alle von anderen Menschen übernommenen Wahrheiten, bleiben in einem Helldunkel nur relativer Sicherheit. Auch den von meinen Eltern übernommenen christlichen Glaubenswahrheiten und katholischen Lebensentwürfen kann ich nicht gesichert widersprechen, wenn ich sie auch nicht als gesichert bestätigen kann.

Dann fasste ich den Entschluss: Ich will die religiösen und alle übrigen Wahrheiten, die ich von meinen

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Ich bin Christ - aus gutem Grund denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen