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Romantic Thriller Trio #8: Drei Romane
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Romantic Thriller Trio #8: Drei Romane
eBook336 Seiten4 Stunden

Romantic Thriller Trio #8: Drei Romane

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Romantic Thriller Trio #8 - Drei Romane

von Jan Gardemann

Der Umfang dieses Buchs entspricht 304 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Der gefallene Schutzengel – Das magische Amulett Band 23

Irrgarten des Grauens – Das magische Amulett Band 24

Der Bote der Hölle – Das magische Amulett Band 25

Als die Amulettforscherin Brenda Logan das Grab ihrer Großmutter besuchen will, eilt sie einer alten Frau zu Hilfe, die am offenen Grab ihres Mannes zusammenbricht. Als die gleiche Frau am nächsten Tag zu ihr kommt, um sie um Hilfe zu bitten, sieht Brenda überrascht, dass die Frau deutlich jünger ist, als am Tag zuvor. Um den Grund dafür zu erfahren, muss Brenda erst die Identität der Fremden heraus finden, denn seit die einen Unfall hatte, kann sie sich nicht mehr daran erinnern, wer sie wirklich ist.

SpracheDeutsch
HerausgeberBEKKERpublishing
Erscheinungsdatum6. Juli 2019
ISBN9781524209957
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    Romantic Thriller Trio #8 - Jan Gardemann

    Romantic Thriller Trio #8 - Drei Romane

    von Jan Gardemann

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 304 Taschenbuchseiten.

    Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

    Der gefallene Schutzengel – Das magische Amulett Band 23

    Irrgarten des Grauens – Das magische Amulett Band 24

    Der Bote der Hölle – Das magische Amulett Band 25

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Der gefallene Schutzengel

    Das magische Amulett  Band 23

    Roman von Jan Gardemann

    Als die Amulettforscherin Brenda Logan das Grab ihrer Großmutter besuchen will, eilt sie einer alten Frau zu Hilfe, die am offenen Grab ihres Mannes zusammenbricht. Als die gleiche Frau am nächsten Tag zu ihr kommt, um sie um Hilfe zu bitten, sieht Brenda überrascht, dass die Frau deutlich jünger ist, als am Tag zuvor. Um den Grund dafür zu erfahren, muss Brenda erst die Identität der Fremden heraus finden, denn seit die einen Unfall hatte, kann sie sich nicht mehr daran erinnern, wer sie wirklich ist.

    Prolog

    Im nächsten Moment vernahm ich ein meckerndes, diabolisches Gelächter. Erschrocken sah ich auf. Draußen vor dem Fenster stand eine düstere Gestalt, die sich schemenhaft gegen den nächtlichen, verregneten Himmel abhob. Der altmodische Umhang, den die Gestalt trug, flatterte gespenstisch im Wind, so dass es aussah, als seien dem Geisterhaften dunkle Flügel gewachsen. Am unheimlichsten aber war das Paar grün leuchtender Augen. »Aigolf«, flüsterte ich mit versagender Stimme. Wieder stieß der Unheimliche sein meckerndes Gelächter aus. Ein Blitz fuhr hinter ihm nieder, und der Widerschein flackerte über sein bleiches, hageres Gesicht. Donner grollten über die Dächer der Stadt. Im gleichen Moment ließ Aigolf sich nach hinten fallen und verschwand in der Tiefe. Wie unter fremdem Einfluss stehend, erhob ich mich und starrte durch das Fenster. Von der unheimlichen Gestalt war nichts mehr zu sehen.

    1

    Das Gewitter, das die ganze Nacht Unheil verkündend und drohend über der Stadt gehangen hatte, brach in den frühen Morgenstunden wie eine Naturkatastrophe über die englische Metropole herein. Es war ein wahrer Sturzbach, der da vom düsteren, wolkenverhangenen Himmel niederkam. Die dicken, schweren Regentropfen rauschten in den Blättern der Trauerweiden und der struppigen Büsche, die auf dem kleinen Friedhof vom Woodfield Park wuchsen. Er trommelte auf den großen, schwarzen Schirm, den Daniel über uns gebreitet hatte. Zärtlich legte er einen Arm um mich, während ich gedankenversunken an seiner Schulter lehnte und auf das Grab vor mir hinab starrte.

    Aimi Statson, lautete der Name, der in den grauen, regennassen Grabstein gemeißelt war. Die bunten Blumen, die auf dem Grab wuchsen, bogen sich unter dem prasselnden Regen und neigten ihre Köpfe, als wären auch sie in tiefsinnige Gedanken verfallen.

    »Schade, dass ich deine Großmutter nicht mehr kennengelernt habe, Brenda«, merkte Daniel leise an. Seine Worte übertönten kaum das Prasseln des Regens und das Rauschen der Großstadt, das durch die dichte Hecke, die den Friedhof wie eine hohe Mauer umgab, zu uns drang. Am Ende des Friedhofs zeichneten sich die Umrisse der alten St. Mathias Kirche ab, in die meine Großmutter zu ihren Lebzeiten immer so gerne gegangen war.

    »Aimi muss eine wundervolle Frau gewesen sein«, fügte Daniel noch hinzu.

    Ich nickte traurig. »Das war sie auch«, sagte ich mit schwankender Stimme. »Und es hätte sie sicher sehr gefreut, dass ich einen so charmanten und liebevollen Mann geheiratet habe.«

    Ich schmiegte mich noch dichter in Daniels Arme. Er lächelte geschmeichelt.

    »Ebenso stolz hätte sie es aber auch gemacht, zu sehen, dass aus ihrer Enkeltochter eine bekannte Archäologin geworden ist, die in dem angesehenen Britisch Museum arbeitet und eine renommierte Amulettforscherin geworden ist. Ich glaube, nicht zuletzt deiner Großmutter hast du es zu verdanken, was aus dir geworden ist.«

    Ich seufzte. Daniel hatte recht. Nach dem Tod meiner Eltern Jack und Elisa hatte Granny mich bei sich aufgenommen. Meine geliebten Eltern starben bei einem Busunglück in Irland. Ich war damals erst sechzehn Jahre alt. Für mich stürzte eine Welt in sich zusammen, als ich von dem tödlichen Unfall erfuhr. Von einem Tag auf den anderen veränderte sich mein Leben von Grund auf, und ich hatte das Gefühl, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggerissen. Ich wusste damals nicht, was ich tun sollte. Mein Leben erschien mir plötzlich sinnlos und wertlos.

    Doch dann tauchte plötzlich meine Großmutter Aimi Statson im Haus meiner Eltern auf, das mir nun verwaist und ein wenig unheimlich vorkam. Sie war die einzige Verwandte, die mir geblieben war. Aber Aimi lebte ein einsames, zurückgezogenes Leben, seit ihr Mann verstorben war. Irgendwie war sie nicht über den Tod ihres geliebten Chuck hinweggekommen.

    Doch als sie mir an jenem Tag einen Besuch abstattete, war sie wie ausgewechselt. Ihr Gang war nicht länger gebeugt. Und die Spuren ewiger Trauer, die sich tief in ihr altes Gesicht gegraben hatten, waren nahezu verschwunden.

    Granny trat auf mich zu und schloss mich ganz fest in ihre Arme.

    »Es ist schrecklich, was mit deinen Eltern passiert ist«, sagte sie mit ungewohnt fester Stimme. »Ich weiß, wie du dich jetzt fühlst, mir erging es genauso, als dein Grandpa plötzlich entschlummerte. Das Leben hatte plötzlich keinen Sinn mehr für mich.«

    Sie straffte sich, fasste mich am Kinn und sah mir entschlossen in die Augen.

    »Aber das hat sich nun geändert«, sagte sie und lächelte milde. »Ich habe eine neue Aufgabe gefunden. Du wirst bei mir wohnen, und ich werde alles tun, um dir deine Eltern zu ersetzen.«

    Zweifelnd sah ich meine Großmutter an. Ich erkannte sie gar nicht wieder, so selbstsicher und stark wirkte sie plötzlich auf mich.

    Als ich das erkannte, konnte ich endlich all meiner Trauer und Verzweiflung freien Lauf Tassen. Ich weinte und schluchzte mich an Grannys Schulter aus. Und als ich mich wieder ein wenig beruhigt hatte, erhob Aimi sich und strich mir eine Strähne aus meinem tränenfeuchten Gesicht.

    »Schau nach vorn, Brenda«, sagte sie mit zuversichtlicher Stimme. »Deine ganze Zukunft liegt noch vor dir. Du wirst über den schmerzlichen Verlust, den der Tod deiner Eltern bedeutet, hinweg kommen. Denn die Zeit heilt alle Wunden. Jack und Elisa werden in deinen Erinnerungen weiterleben. Komm zu mir in meine alte Villa. Nimm alles mit, was dir aus deinem alten Leben erhaltenswert erscheint. Dann werden wir das Haus deiner Eltern verkaufen, denn für dich beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt...«

    Und genauso machten wir es auch. Ich zog zu Aimi in ihre Villa in der Lynton Avenue, nicht weit vom Woodfield Park entfernt.

    Granny blühte sichtlich wieder auf, und sie steckte mich mit ihrer neu erwachten Lebensfreude an, so dass ich schließlich über den Tod meiner Eltern hinwegkam.

    Früh erkannte Granny mein Interesse für Archäologie. Sie unterstützte meine Neigungen und besuchte mit mir zusammen Museen und Archäologie Vorträge. Schließlich ermöglichte sie mir sogar das Studium.

    Doch dann kam der Tag, wo auch Aimi von mir gehen musste. Sie starb im Winter und ich steckte mitten in den Diplomarbeiten; Es war eine hektische, sorgenvolle Zeit. Und um rasch über meine Trauer hinwegzukommen, verfuhr ich genauso, wie Granny mir es damals nach dem Tod meiner Eltern empfohlen hatte. Ich kaufte mir ein kleines Apartment in der City und nahm nur sehr wenige Sachen mit, die mich an meine Vergangenheit erinnerten. Aimis alte Villa und den ganzen Krempel, der sich all die Jahre darin angesammelt hatte, verkaufte ich.

    Heute, da ich mit Daniel zusammen in einer großen Atelierwohnung in der Lime Street im Zentrum von London wohnte, bereute ich den voreiligen Verkauf der Villa manchmal. Ich besaß kaum noch Dinge, die mich an Jack, Elisa oder Granny erinnerten. Nur tief in meinem Herzen bewahrte ich Erinnerungen auf, die mir niemand mehr nehmen konnte.

    So war das Grab auf diesem kleinen Friedhof beim Woodfield Park der einzige Ort, an dem ich meiner lieben Großmutter gedenken konnte. Heute wäre ihr neunzigster Geburtstag gewesen.

    Ich legte den üppigen Strauß, den ich mitgebracht hatte, vor den Grabstein nieder und warf noch einen kurzen Blick zum Grabstein daneben, wo Chuck, Aimis Mann, begraben war. Dann kehrte ich rasch zu Daniel unter den Schirm zurück.

    Der Platzregen hatte die Luft merklich abgekühlt. Von den frühsommerlichen Temperaturen, die bis jetzt geherrscht hatten, war nichts mehr zu spüren. Fröstelnd rieb ich mit den Händen über meine Schultern.

    »Lass uns gehen, Daniel«, sagte ich unbehaglich. »Mich friert und ich bekomme langsam nasse Füße.«

    2

    Wir hakten uns unter und wandten uns vom Grab meiner Großeltern ab.

    Da fiel mein Blick auf eine kleine Trauergemeinde, die nur wenige Meter von uns entfernt an einem offenen Grab stand. Die Gesichter der in schwarz gekleideten Gestalten waren unter den Regenschirmen kaum zu erkennen. Eine alte Frau, mit einem dezenten Gesichtsschleier, stand direkt vor dem finsteren, rechteckigen Loch im Boden und warf eine Handvoll nasser Erde auf den Sarg herab. Regentropfen rannen an ihr hinunter, aber das schien die Frau nicht im geringsten zu stören, so sehr war sie in ihrer Trauer gefangen.

    Der kleine Weg, der in gerader Linie zwischen den Gräbern verlief, führte Daniel und mich direkt auf die Trauergemeinde zu.

    Wir waren nur noch wenige Schritte von den Leuten entfernt, da trat hinter einem wuchtigen Grabstein, auf dem eine barocke Engelsgestalt aus Marmor thronte, plötzlich eine finstere Gestalt hervor.

    Ich verharrte unwillkürlich im Schritt. Die Gestalt war halb im Schatten der Engelsstatue verborgen. Sie trug einen dunklen grünen Umhang, und die Füße, die unter dem sonderbaren, altertümlichen Gewand hervorschauten, steckten in hohen Stulpenstiefeln. Das Wesen hatte langes blondes Haar, das strohig und unordentlich wirkte. Es stand in alle Richtungen vom Kopf ab und beschattete das hagere Gesicht, von dem nur die gespenstischen, grünlich leuchtenden Augen zu sehen waren.

    Die unheimliche Person starrte die alte, in Schwarz gekleidete Frau vor dem Grab unverhohlen an.

    »Was hast du, Brenda?«, erkundigte sich Daniel besorgt, der neben mir stehengeblieben war.

    »Die Gestalt dort hinter der Engelsstatue...«, flüsterte ich mit rauer Stimme.

    Daniel wollte der Richtung folgen, in die ich mit einem Kopfnicken gedeutet hatte. Doch in diesem Moment stieß die alte Frau, die am offenen Grab stand, einen durchdringenden Schrei aus. Sie brach zusammen und stürzte schwer auf den Hügel aufgeworfener, schwarzer Erde.

    Sofort drückte Daniel mir den Regenschirm in die Hand und rannte auf die am Boden liegende Frau zu, die er noch vor den Leuten aus der Trauergemeinde erreichte.

    Unbehaglich schaute ich zu dem Grabstein mit dem Engel hinüber. Aber die gespenstische Gestalt war verschwunden.

    Rasch trat ich an Daniels Seite. Er kniete auf dem regennassen Boden und untersuchte die Frau mit routinierten, ruhigen Griffen.

    »Was... was ist mit Mrs. Nilson geschehen?«, erkundigte sich der Vikar. Er presste die Bibel ängstlich an seine schmächtige Brust. In der anderen Hand hielt er einen Schirm, der unruhig hin und her wankte. »Mrs. Nilson hat ihren Mann sehr geliebt«, fuhr er mit besorgter Stimme fort. »Sein Tod ist ihr sehr nahe gegangen. Ist sie etwa jetzt auch...« Er wagte nicht, den Satz zu vollenden.

    »Sie lebt«, erklärte Daniel rasch, um die Befürchtung der Umstehenden zu zerstreuen. Der Regen hatte sein hellbraunes lockiges Haar in kurzer Zeit vollkommen durchnässt. Behutsam schlug er den Schleier der Frau zurück. Der Ansatz des dichten silbergrauen Haares zeichnete sich an der Stirn deutlich ab.

    Daniel tätschelte vorsichtig die bleichen, eingefallenen Wangen der Frau. Ihre faltigen Lider zitterten und hoben sich schließlich zögernd. Mrs. Nilson hatte hellblaue Augen, die überraschend klar wirkten. Gehetzt schaute sie sich um, ohne jedoch etwas von ihrer Umgebung wahrzunehmen.

    »Aigolf«, stöhnte sie mit hohler Grabesstimme. »Was... was will er von mir? Haben die finsteren Mächte mich nun doch noch gefunden?«

    Sie richtete sich halb auf und starrte zu dem Grabstein mit der Engelsstatue hinüber. Suchte sie etwa nach der unheimlichen Gestalt mit den grün schimmernden Augen?

    Die Frau schüttelte den Kopf. »Ich muss mich getäuscht haben«, murmelte sie. Dann erst schien sie zu gegenwärtigen, wo sie sich befand. Verwirrt schaute sie zu Daniel auf, der immer noch neben ihr auf der nassen schwarzen Erde kauerte. Ihre Augen hatten plötzlich einen stumpfen, glanzlosen Ausdruck angenommen und waren sichtlich vom Alter gezeichnet.

    »Wer... wer sind Sie?«, fragte Mrs. Nilson verwirrt und mit zitternder Stimme.

    »Mein Name ist Daniel Connors. Ich bin Arzt. Sie können mir vertrauen. Vor wenigen Augenblicken sind Sie bewusstlos zusammengebrochen. Können Sie sich daran erinnern?«

    Die Frau blickte sich verwirrt um. Als sie dann aber die kleine Trauergemeinde, den Vikar und das offene Grab bemerkte, grub sich der Ausdruck von Schmerz und Leid in ihr altes Gesicht.

    »George...«, murmelte sie mit versagender Stimme. Tränen traten in ihre Augen. »Mein geliebter Mann. Er ist von mir gegangen. Was fange ich nun ohne ihn an?«

    Eine Welle des Mitgefühls ergriff mich. Unwillkürlich musste ich an meine Großmutter Aimi denken. Als ihr Mann starb, musste sie Ähnliches empfunden haben, wie Mrs. Nilson in diesem Augenblick.

    Und doch schien etwas anders zu sein. Der Ausdruck tiefster Verzweiflung, der sich nun auf dem Gesicht der alten Frau spiegelte, war so intensiv und eindringlich, dass es mir unwillkürlich kalt den Rücken hinunterlief. Nie zuvor hatte ich ein Antlitz gesehen, in dem sich die Erkenntnis über die bevorstehende Einsamkeit so deutlich widerspiegelte. Ich spürte instinktiv, dass niemand in der Lage sein würde, die seelischen Schmerzen der armen Frau zu lindem.

    Auch Daniel und die Umstehenden schienen Ähnliches zu empfinden, denn ein betretenes Schweigen machte sich breit. Nur das dumpfe Prasseln des Regens, der auf den Sarg im offenen Grab fiel, war zu hören.

    Entschlossen schüttelte ich meine Beklommenheit ab und half Mrs. Nilson wieder auf die Beine.

    »Danke, mein Kind«, sagte sie und lächelte mich freundlich an. Doch dann kniff sie plötzlich die Lider zusammen und musterte mich eindringlich, wobei es in ihren hellblauen Augen wieder so seltsam aufblitzte.

    »Sie sind eine bemerkenswerte Frau«, murmelte sie, als spräche sie zu sich selbst. »Sie haben Ihr Leben der Aufgabe gewidmet, die böse Magie in dieser Welt zu bekämpfen. In dieser Hinsicht sind wir uns sehr ähnlich...«

    »Was wollen Sie damit sagen?«, fragte ich verwirrt.

    Mrs. Nilson hatte recht. Als Amulettforscherin hatte ich es mir tatsächlich zur Aufgabe gemacht, die bösen, magischen Amulette, die es überall auf der Welt gab, zu bekämpfen und den unheilvollen Einfluss, den sie auf Menschen ausübten, zurück zu drängen.

    Aber das konnte Mrs. Nilson unmöglich wissen!

    Mrs. Nilson schüttelte benommen den Kopf, als würde sie den Sinn ihrer eigenen Worte nun selbst nicht mehr verstehen. Statt dessen wandte sie sich an den Vikar.

    »Fahren Sie mit der Zeremonie fort«, forderte sie den Geistlichen mit brüchiger Stimme auf.

    Der Vikar sah die alte Frau zweifelnd an. »Sie sind ja ganz durchnässt, und ihr Kleid ist schmutzig«, wandte er ein. »Vielleicht sollten Sie sich lieber nach Hause fahren lassen und sich etwas hinlegen.«

    Mrs. Nilson schüttelte entschieden den Kopf. »Auf keinen Fall werde ich George den letzten Dienst verwehren, den ich ihm in meinem Leben noch erweisen kann.« Sie klopfte sich unbeeindruckt die feuchte Erde von ihrem schwarzen Kleid und stellte sich dann wieder neben das offene Grab.

    Demonstrativ schlug sie den Schleier wieder vors Gesicht und faltete die Hände zum Gebet.

    Der Vikar warf Daniel einen hilfesuchenden Blick zu. Aber der zuckte nur mit den Schultern und nickte kaum merklich, als Zeichen dafür, dass er als Arzt keine Bedenken hatte, wenn derVikar die Beerdigungszeremonie fortsetzte.

    Daniel und ich sprachen Mrs. Nilson noch unser Beileid aus. Daniel wandte sich der alten Frau noch einmal zu.

    »Sie sollten Ihren Ohnmachtsanfall nicht auf die leichte Schulter nehmen! Es würde mich freuen, wenn ich Ihnen helfen könnte. Besuchen Sie mich doch einmal im St. Thomas Hospital, forderte mein Mann sie auf.

    Aber Mrs. Nilson antwortete nicht. Täuschte ich mich, oder ruckte ihr Kopf wirklich kurz in die Richtung, wo der Grabstein mit dem Marmorengel stand?

    3

    »Eine seltsame Frau«, murmelte ich und hakte mich fröstelnd bei Daniel unter.

    »Sie ist alt und der Tod ihres Mannes hat sie stark mitgenommen«, erklärte Daniel. »Da ist es nicht verwunderlich, wenn jemand wirres Zeug redet. Trotzdem könnte es nicht schaden, Mrs. Nilson auf ihren Gesundheitszustand hin durchzuchecken.«

    Ich musste unwillkürlich über Daniels Worte lächeln. Er war mit Leib und Seele Arzt. Und obwohl wir gemeinsam schon so manches mysteriöse Abenteuer zu bestehen gehabt hatten, hatte er seinen Pragmatisinus und seinen Sinn für die Realität nicht verloren. Wenn ihm etwas seltsam vorkam, versuchte er zuerst, eine vernünftige und logische Erklärung dafür zu finden.

    Bei mir verhielt es sich ein wenig anders. Die vielen übersinnlichen und okkulten Phänomene, die ich in den letzten Jahren erlebt hatte, hatten meine Sinne empfänglicher für Dinge gemacht, die magischen Ursprungs waren. Ich war mir daher auch gar nicht so sicher, ob der Ohnmachtsanfall von Mrs. Nilsen auf ihr Alter oder den Umstand zurückzuführen war, dass ihr Mann gestorben war.

    Statt dessen ging mir die mysteriöse Gestalt mit dem langen Umhang, den Stulpenstiefeln und den unheimlichen, grünlich leuchtenden Augen nicht mehr aus dem Sinn. War sie gemeint, als Mrs. Nilson von Aigolf und den bösen Mächten sprach?

    4

    Am anderen Tag nahm mich die Arbeit im British Museum so sehr in Anspruch, dass ich die seltsamen Vorkommnisse auf dem kleinen Friedhof beim Woodfield Park rasch wieder vergaß.

    Professor Salomon Sloane, der Direktor des Museums, hatte mich und einige andere Archäologen mit der Aufgabe betraut, uns um mehrere Kisten mit Keramikscherben zu kümmern.

    Die Tonscherben waren während Bauarbeiten in der Londoner City entdeckt worden. Die Arbeiter hatten die Scherben anfangs achtlos in einen Container geworfen.

    Erst später, als der Container entsorgt werden sollte, kam jemand auf die Idee, sich die Scherben genauer anzusehen. Die seltsamen Formen, die Überreste von Malereien und Modellierarbeiten, veranlassten den Vorarbeiter schließlich dazu, das British Museum zu informieren. Der herbeigeeilte Archäologe stellte kurz darauf fest, dass es sich um Scherben antiker Gefäße handelte.

    Die Keramikscherben wurden daraufhin vorsichtig in Kisten verpackt und ins Museum gebracht. Nun stapelten sie sich in einer großen Halle und ein halbes Dutzend junger Archäologen war damit beschäftigt, die Scherben zu sortieren, zu katalogisieren und zu analysieren.

    Am zeitaufwendigsten aber war es, die Fundstücke vom getrockneten Schlamm zu befreieen und die passenden Teile wieder zusammenzufügen.

    Diese Art von »Archäologenarbeit« zählte nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich war daher froh, als Raymond Ghanadi, der Hausmeister des Museums, in dem großen Arbeitsraum auftauchte und nach mir rief.

    »Was gibt es denn, Raymond?«, fragte ich und trat auf den jungen Mann zu.

    Raymonds Vater war indischer Abstammung. Diesem Umstand hatte der junge Hausmeister seinen dunklen Teint, das dichte schwarze Haar und die dunklen, ein wenig geheimnisvoll wirkenden Augen zu verdanken.

    »Du hast Besuch bekommen«, klärte Raymond Ghanadi mich auf. Unverhohlen schaute er mich von oben bis unten an. »In deinem schmuddeligen Arbeitskittel siehst du bezaubernd aus«, bemerkte er und grinste süffisant. »Wenn du dich in diesem Aufzug auf einen Laufsteg verirrst, wird bald die ganze Oberschicht von London und Paris in staubigen blauen Kitteln herumlaufen.«

    Ich drohte Raymond schelmisch mit dem Zeigefinger.

    Der junge Hausmeister war in mich verliebt, und er gab sich keine Mühe, dies vor mir zu verheimlichen. Aber er wusste auch, dass mein Herz und meine Liebe uneingeschränkt Daniel Connors gehörten. Trotzdem ließ Raymond es sich nicht nehmen, mir dann und wann mit scherzhaften Anspielungen in Erinnerung zu rufen, was er für mich empfand.

    »Wer ist denn mein Besucher?«, wollte ich wissen und wischte meine Hände mit einem Lappen sauber.

    »Eine ziemlich elegante, ältere Dame«, sagte er. »Sie heißt Gabriela Nilson.«

    In diesem Moment erinnerte ich mich wieder an den Vorfall auf dem Friedhof. Was mochte die Frau von mir wollen?

    Raymond führte mich zur Bibliothek des Museums, die wegen ihrem umfangreichen Bestand an seltenen und kostbaren Büchern in der ganzen Welt bekannt war. In einem abgestellten Bereich stand eine schlanke, in Schwarz gekleidete Frau. Sie lehnte am vergitterten Fenster und hatte uns den Rücken zugekehrt.

    »Das ist sie«, flüsterte Raymond mir zu und deutete mit einem Kopfnicken auf die Frau.

    Ich bedankte mich bei ihm und trat dann zögernd auf die Schwarzgekleidete zu. Als Raymond mir sagte, wer mein Besucher war, hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass es sich um Mrs. Nilson handelte, die beim Grab ihres Mannes ohnmächtig zusammengebrochen war. Aber die Frau, die dort beim Fenster stand, schien mir jünger zu sein.

    »Gabriela Nilson?«, machte ich mich bemerkbar, als ich hinter der Frau stand. »Sie wollten mich sprechen?«

    Die Frau drehte sich langsam um. Ihr Gesicht war verschleiert, so dass ich es nicht erkennen konnte.

    »Ich bin froh, dass Sie sich für mich Zeit genommen haben«, drang die Stimme von Gabriela Nilson hinter dem Schleier hervor. »Ich wusste nicht, an wen ich mich sonst wenden sollte.«

    »Ist etwas mit Mrs. Nilson geschehen?«, erkundigte ich mich besorgt. Plötzlich argwöhnte ich, dass Gabriela deswegen in Trauerflor gekleidet war, weil Mrs. Nilson nun auch verstorben war.

    »So könnte man es vielleicht auch ausdrücken«, sagte mein Gegenüber geheimnisvoll und schlug den Schleier zurück.

    Ich stutzte. Die Ähnlichkeit, die diese Frau mit der Mrs. Nilson vom Friedhof hatte, war frappierend. Fast hätte ich annehmen können, es handelte sich um ein und dieselbe Frau. Nur dass Gabriela einige Jahre jünger war.

    »Ja«, sagte sie in diesem Moment seufzend. »Schauen Sie mich nur ganz genau an. Ich habe es selbst nicht glauben können, als ich heute morgen in den Spiegel blickte.«

    Ich lächelte verlegen, weil ich nichts mit ihren Worten anzufangen wusste. Ich nahm aber an, dass mein unverhohlener Blick sie gekränkt hatte. »Entschuldigen Sie, dass ich Sie so anstarre«, beeilte ich mich daher zu sagen und wechselte rasch das Thema:

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