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Das Repetiersyndrom

Das Repetiersyndrom

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Das Repetiersyndrom

Länge:
124 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 20, 2009
ISBN:
9783944198460
Format:
Buch

Beschreibung

Nach einer heiteren Live-Fernsehshow schmunzeln manche über einen skurrilen Swami. Doch dann bricht eine mysteriöse Epidemie aus, die die Erde in ein Tollhaus zu verwandeln droht. Immer mehr Menschen finden sich in ihrer ganz persönlichen Hölle. Sie sind in der ewigen Wiederholung eines kurzen Moments ihres Lebens gefangen. Beschaulicher Alltag verwandelt sich in realen Wahnsinn, dem sich niemand zu entziehen vermag. Schlimmer als ein schreckliches Ende.. der reale Schrecken ohne Ende! Als endlich die Ursache für den zermürbenden Effekt gefunden wird, scheint jede Hilfe zu spät zu kommen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 20, 2009
ISBN:
9783944198460
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Das Repetiersyndrom - Walter-Jörg Langbein

Erhard

Die Fernsehsendung

Schwungvoll betritt Hans Joachim Kulenkampff die farbenprächtig mit einem Meer von Blumen geschmückte „Frühjahrshalle des Zweiten Deutschen Fernsehens in Lindau am Bodensee. Applaus braust auf, „Kuli macht eine flotte Handbewegung - und schon herrscht atemlose Stille. Hans Joachim Kuhlenkampff ist zufrieden: den plötzlichen Abbruch des tosenden Beifallklatschens hat er kurz zuvor intensiv mit dem Saalpublikum geübt.

„Heute will ich wirklich mal gleich mit dem Anfang beginnen, damit wir nicht wieder überziehen…" Mit einer graziös-forschen Bewegung zückt er aus der Innentasche des wie immer tadellos sitzenden Jacketts eine Zeitung.

„Auf die Minute werden wir heute enden. Pünktlich wie die Maurermeister. Auch wenn die größte Tageszeitung der Bundesrepublik... hier steht es schwarz auf weiß...schreibt..."leider überzog Kuli wieder erheblich". Wie können die das wissen? Kritisieren eine Sendung, die noch gar nicht stattgefunden hat. Denn EWG fängt ja jetzt an, pünktlich, und wird ebenso pünktlich enden."

Kunstpause.

„Ja, diese Zeitungsreporter. Offenbar haben die einen Wahrsager oder sonst jemanden, der nicht viel taugt. Sonst hätte der nicht so einen Blödsinn über unsere heutige Sendung gequasselt."

Kunstpause.

„Wir aber haben den Besten engagiert. Keinen Zauberer, keinen Fakir, keinen Feuerschlucker und keinen Riesen... Damit spielte Hans Joachim Kuhlenkampff zweifelsohne auf die von „Radio Luxemburg täglich bundesweit ausgestrahlte Fernsehsendung von Rainer Holbe „Unerhörtes sichtbar gemacht", die sich ständig wachsender Beliebtheit erfreute, was sich in konstant ansteigenden Zuschauerzahlen äußerte, an.

„Wir haben am heutigen ersten März nicht irgendwen geladen, sondern Swami Mayananda! Trommelwirbel braust auf, geschickt unterstrichen durch das plötzliche Verlöschen der gleißenden Bühnenscheinwerfer - und Sekunden später erstrahlen sie wieder in voller Pracht, der Trommelwirbel verstummt. „Swami Mayananda, sagt Kuli nur, und es ist schwer auszumachen, ob belustigte Hochnäsigkeit, Ironie oder dezente Bewunderung in Kulis Stimme mitschwingt.

Swami Mayananda stand neben Hans Joachim Kuhlenkampff, den schmächtigen Körper in ein orangenes Gewand gehüllt. Die Füße des Swami steckten in derben „Jesuslatschen", sein kahler Kopf glänzte im Scheinwerferlicht. Das Haupt des Swami wirkte irgendwie unpassend im Vergleich zum dünnen Körper. Die Fernsehkameras rückten wieder Kuli ins Zentrum der Bildschirme.

„Swami Mayananda wird uns nichts erzählen, auch keine Kunststücke vorführen, bei uns", Kuli betonte das „uns" sehr stark, „gibt es keinen faulen Zauber! Er lächelte. „Heute, am 1. März 1986, wird Unglaubliches geschehen. Swami Mayananda wird seine Gedankenstrahlen zu Ihnen nach Hause schicken. Wieder erschien Swami Mayananda im Bild. „So ähnlich", sagte er mit wohltönender, irgendwie exotisch klingender Stimme - er sprach gut Deutsch.

Wie die Leser der auflagestärksten TV-Zeitung „TV-Super - damit Ihnen nie Hören und Sehen vergeht wussten, hatte er als junger Mann zwei Jahre in Erlangen und Heidelberg Medizin studiert. „So ähnlich. Ich sende Ihnen beruhigende Swami-Kraft. Gegen die Hektik vom Alltag heute.

„Weiß Gott, das haben wir bitter nötig!, kommentierte Kuli aus dem Hintergrund. „Und achten Sie auf seine blauen Augen. Das gilt besonders für die Damen unter meinen Zuschauern! Die Kamera fuhr dicht an das Gesicht des Swami Mayananda heran. Seltsam rosa hob sich sein runder Kopf am Bildschirm von dem in schreienden Farben gehaltenen Bühnenhintergrund ab, der freilich nun zu einem verschwommenen Farbenmischmasch wurde.

Das dezente Lächeln des Swami Mayananda erstarb, und um die Kinnpartie kräuselten sich kleine Fältchen. Diese am Bildschirm deutlich sichtbare Bewegung setzte sich über die Wangen fort bis hin zur Stirnpartie. Eben war die Stirn noch glatt, und nun verwandelte sie sich in ein Meer aus sich kräuselnden Falten. Ganz zu schweigen von den Augen.

Die Pupillen weiteten sich seltsam. Millionen von TV-Zuschauern waren absolut davon überzeugt, gesehen zu haben, wie sich beide Pupillen mit wachsender Geschwindigkeit drehten. Das war aber ohne Zweifel eine Sinnestäuschung.

Plötzlich tauchte vor dem Gesicht des Swami Mayananda etwas Rosafarbenes auf. Für Sekunden war es nicht zu erkennen, dann veränderte der Hauptkameramann die Tiefenschärfeneinstellung - Swami Mayananda hielt sich eine Hand vors Gesicht, die Finger seltsam weit auseinandergespreizt. Die Finger bildeten eine Art Gitter, hinter dem die dunkelblauen Augen des Swami Mayananda den Fernsehzuschauer fixierten. Der Swami bewegte langsam die Hand hin und her, bewegte die einzelnen Finger dabei nur um wenige Millimeter, ohne auch nur ein einziges Mal mit den Wimpern zu zucken.

Die andere Hand des Swami kam ins Bild - und Kulis Lachen ertönte, nicht sehr laut, aber auch nicht leise und merklich ironisch-belustigt. „Das mag für die Beruhigung unserer Zuschauer genügen. Danke, Swami. Der Swami wollte etwas sagen, was Kuli aber geschickt unterband. „Sonst schlafen die uns noch vor dem Bildschirm ein, die Leute. Während Kulis überaus attraktive Assistentin Claudia Goldschat (von den TV-Zeitschriften anhimmelnd Goldschatz genannt) den Swami von der Bühne geleitete, schnippte Kuli mit den Fingern. Die neue EWG-Melodie erklang, und eine Bühnenwand fuhr zur Seite.

„Und hier hätten wir unsere Kandidatinnen und Kandidaten aus acht Ländern!", stellte Kuli die leicht verschüchtert wirkenden Menschen vor. Dann geriet die Bildregie etwas aus dem Gleichgewicht, das heißt die Hauptkamera Eins rutschte ab, und vierzehn Millionen Zuschauer sahen plötzlich klar und deutlich den sauber geputzten Parkettboden der Frühjahrshalle des ZDF in Lindau. Kameramann Karlson war irgendwie geistig weggetreten, stand hinter seiner Kamera, beide Hände vors frühzeitig verlebte Gesicht gepresst.

Ein Ersatzmann stand sofort parat, und unter dem Murren von Millionen TV-Zuschauern tauchte rasch wieder ein klares Bild am Bildschirm auf. Kamermann Karlson taumelte. War es der Alkohol? Immerhin hatte er die letzten drei Nächte so gut wie nicht geschlafen, Unmengen Alkohol getrunken (Veuve Cliqut 81), mit seiner Freundin gefeiert. Ein Zuschauer war hilfsbereit aufgesprungen und hatte den Kameramann Karlson ein Stück geführt und teilnahmsvoll auf den eigenen Platz gesetzt.

Der bekam das aber alles nicht mit. Ihm war, als betrachte er einen kurzen Film. Er sah Kuli, hörte ihn etwas hochnäsig „Swami Mayananda sagen, dann fuhr die Kamera, seine Kamera, auf den Swami, kurze Totale, dann immer näher, bald war nur das Gesicht zu sehen, das eindrucksvolle Minenspiel, die sich kräuselnden Falten - und wieder tauchte Kuli auf, wieder sagte er „Swami Mayananda, wieder erschien der Swami in der Totalen, wieder machte sich die Kamera, Karlsons Kamera, an das Gesicht des Swami heran, wieder das Kräuseln der Falten im Gesicht. Es war, als wiederhole sich ein sehr kurzer Film. Immer wieder, unaufhörlich hintereinander.

Kuli hatte natürlich die kleine Panne mitbekommen. „Kurze Information für unsere Zuschauer. Unser beliebter Kameramann Karlson von der Eins musste ausgetauscht werden. Kleine Panne. Ersatz ist ja schon da. Der Karlson wird dem Swami doch nicht zu tief in die Pupille geblickt haben? Lachen kam auf, doch das bekam Kameramann Karlson nicht mit. Immer wieder erlebte er diese Szene: Kulis „Swami Mayananda, Totale, Swami, Gesicht, Falten. Es war, als wiederhole sich die Zeit, immer wieder.

Das Syndrom

Kurt Kowalski seufzte, nein, er stöhnte auf. „So ein ausgemachter Schmarren! Er beugte sich vor und klatschte merklich ärgerlich mit den Handflächen auf seine Schenkel. „So ein ausgemachter Schmarren! Seine Frau würdigte ihn keines Blickes. Sie war eine treue Anhängerin Kulis, und heute faszinierte sie die Sendung ganz besonders.

Als ihr Mann sich zum dritten Mal, und diesmal noch lauter als zuvor, über den „ausgemachten Schmarren beschwerte, drehte sie den Kopf leicht und sagte schnippisch: „Du musst es dir ja nicht ansehen! Kurt Kowalski erhob sich aus seinem bequemen Fernsehsessel. „Stimmt! sagte er mürrisch. „Ich geh' dann ein paar Runden um den Block. Seine Frau reagierte nicht.

Na gut, dachte er, sie ist selbst dran schuld, sie treibt einen Mann ja förmlich aus dem Haus. Zumindest aus der Wohnung. Kurt Kowalski stand auf, verließ stapfend das Fernsehzimmer und griff nach seiner Lederjacke. Absichtlich laut ließ er die Tür ins Schloss fallen. Er hastete auf den Lift zu, der sich eben schloss, drückte auf die „Vier in der Tastatur und fühlte schon das unangenehme Gefühl im Magen, das er immer hatte, wenn der Lift von seinem 32. Stock in den „Vierten sauste.

Die Tür öffnete sich, und Kurt Kowalski ging zielstrebig rechts um die Ecke. Dreimal kurz dreimal lang

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