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Romantic Thriller Trio #7: Drei Romane
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eBook330 Seiten4 Stunden

Romantic Thriller Trio #7: Drei Romane

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Romantic Thriller Trio #7 - Drei Romane

von Jan Gardemann

Der Umfang dieses Buchs entspricht 304 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

Wenn die Hexe Harfe spielt – Das magische Amulett Band 20

Das Castle aus der anderen Welt – Das magische Amulett Band 21

Die Geistfrau will leben – Das magische Amulett Band 22

Was ist nur mit den Walen los? Weshalb verlieren sie die Orientierung und stranden? Um das herauszufinden, kreuzen Brenda Logan und Daniel Connors mit dem Schiff Silver Dolphin vor Schottlands Küste. Ihre Mission führt sie bis zu dem kleinen Ort Clain, der hauptsächlich von feindselig wirkenden Fischern bevölkert ist. Dort begegnen die Beiden dem geheimnisvollen Peter Dixon. Die Hinweise auf ein magisches, übersinnliches Geschehen verdichten sich langsam. Während Brenda und Daniel einem uralten Fluch auf die Spur kommen, läuft die Zeit für eine in der Nähe treibende, verwirrte Walherde unerbittlich ab …

SpracheDeutsch
HerausgeberBEKKERpublishing
Erscheinungsdatum6. Juli 2019
ISBN9781533744166
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    Romantic Thriller Trio #7 - Jan Gardemann

    Romantic Thriller Trio #7 - Drei Romane

    von Jan Gardemann

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 304 Taschenbuchseiten.

    Dieses Buch enthält folgende drei Romane:

    Wenn die Hexe Harfe spielt – Das magische Amulett Band 20

    Das Castle aus der anderen Welt – Das magische Amulett Band 21

    Die Geistfrau will leben – Das magische Amulett Band 22

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    ––––––––

    Wenn die Hexe Harfe spielt

    Das magische Amulett  Band 20

    Roman von Jan Gardemann

    Was ist nur mit den Walen los? Weshalb verlieren sie die Orientierung und stranden? Um das herauszufinden, kreuzen Brenda Logan und Daniel Connors mit dem Schiff Silver Dolphin vor Schottlands Küste. Ihre Mission führt sie bis zu dem kleinen Ort Clain, der hauptsächlich von feindselig wirkenden Fischern bevölkert ist. Dort begegnen die Beiden dem geheimnisvollen Peter Dixon. Die Hinweise auf ein magisches, übersinnliches Geschehen verdichten sich langsam.  Während Brenda und Daniel einem uralten Fluch auf die Spur kommen, läuft die Zeit für eine in der Nähe treibende, verwirrte Walherde unerbittlich ab ...

    1

    »Sir«, ließ sich der Steuermann wieder vernehmen, »wir treiben steuerlos. Bei dem Sturm und der Brandung werden wir unweigerlich zwischen den Riffen zerschellen!« Da schälte sich aus dem Nebel auch schon eine drohende Silhouette. Ich sah, dass die Silver Dolphin direkt auf einen schroffen, hoch aufragenden Felsen zusteuerte. Der Blick auf eine alte Burg, die oben auf dem karstigen Felsen thronte, wurde frei. Algen und Seetang hingen von den Zinnen herab, als hätte sich der Fels soeben erst aus dem Meer erhoben. Feucht und unheilvoll schimmerten die mächtigen Felsquadern. Fledermäuse flatterten hoch oben um die Türme. Da bemerkte ich plötzlich ein fahles Leuchten. Es drang aus dem bogenförmigen Fenster eines Turmes. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen, als ich sah, dass dort eine Frau saß. Ihr schmales Gesicht war marmorblass und wirkte durchsichtig. Das blonde lange Haar wehte im Wind, während die junge Frau voller Sehnsucht in die Ferne starrte. Sie hielt eine kleine Harfe in der Hand, auf der sie spielte. Aber es war kein Ton zu hören.

    Unheilvoll lastete das Gewitter auf dem dunklen, aufgewühlten Meer vor Schottlands Küste. Sturmböen peitschten die Wellen und feingeäderte Blitze zuckten vom rabenschwarzen Himmel herab, griffen wie mit Geisterfingern in die düsteren Fluten. Die schäumende Gischt fegte wie Sprühregen heran und klatschte in mein Gesicht. Ich krampfte meine klammen Hände noch fester um die glitschige Reling und rutschte dichter an Daniel heran, der neben mir stand. Unsere gelben Öljacken schimmerten vor Nässe. Wir standen am Bug der schneeweißen Jacht und starrten angestrengt über die nächtliche See.

    Irgendwo auf dem wogenden, blauschwarzen Meer tanzten die Positionslichter der anderen Boote, die sich an dieser Aktion beteiligten.

    Dumpf drangen die Stimmen der Seeleute zu mir herüber, die sich mit rauen, bellenden Stimmen Befehle zuriefen. Das Bug neigte sich plötzlich, als die Silver Dolphin in ein Wellental hinabschoss. Tosend brach sich die nächste heranrollende Welle am Rumpf der Luxusjacht. Daniel umfasste unwillkürlich meine Schultern und hielt mich fest. Da schwappte das schäumende Wasser auch schon über die Reling.

    Daniel und ich waren von einem Moment auf den anderen klatschnass. Aber das kümmerte uns in diesem Augenblick wenig. Unsere ganze Aufmerksamkeit galt dem Meer  und der Tragödie, die sich in den dunklen Fluten anbahnte.

    »Passt auf, ihr beiden!«, rief eine vertraute Stimme hinter mir. »Wenn ihr bei diesem Seegang über Bord geht, werden wir euch nur schwer wieder den Klauen der stürmischen See entreißen können!«

    Rasch blickte ich über meine Schulter und winkte Cliff Parker zu, der auf der Kommandobrücke stand und dem diese Jacht gehörte. Sein Gesicht war braungebrannt. Er trug eine weiße Öljacke und unter seiner Schiffermütze schaute blondes nasses Haar hervor. In seinen Händen hielt er ein Fernglas und um sein Handgelenk baumelte ein Funkgerät, mit dem er mit den anderen Schiffen kommunizieren konnte.

    Cliff und Daniel waren eng befreundet. Beide waren sie Ärzte und arbeiteten im Londoner St. Thomas Hospital. Cliff war obendrein ein großer Liebhaber des Ozeans. Seine knapp bemessene Freizeit verbrachte er zumeist auf seiner Luxusjacht, die er allerdings nicht nur für müßige Kreuzfahrten benutzte, sondern oft in den Dienst einer bekannten Umweltorganisation stellte.

    So wie auch in dieser stürmischen Nacht!

    Die Umweltorganisation hatte eine Herde Pottwale beobachtet, die von ihrem ursprünglichen Kurs abgekommen waren. Stattdessen steuerten die bis zu fünfzehn Meter großen Herde nun auf die Nordküste von Schottland zu. Die Experten der Umweltorganisation befürchteten, dass die Wale in dem flacher werdenden Wasser stranden und verenden könnten. Darum hatte sich eine kleine Flotte von Schiffen aufgemacht, die Herde vor diesem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Unter ihnen auch die Silver Dolphin von Cliff Parker.

    »Wurden die Pottwale inzwischen gesichtet?«, rief ich zu Cliff hinaus.

    Der Chirurg schüttelte finster den Kopf. »Es ist fast unmöglich, die Herde bei diesen Wetterbedingungen zu verfolgen«, meinte er. »Aber laut Sarahs Berechnungen müssten die Tiere hier bald auftauchen!«

    Cliff kniff die Lippen zusammen. Sein Gesicht nahm plötzlich einen harten, versteinerten Ausdruck an. Unwillkürlich riss er das Fernglas hoch und starrte wieder hinaus auf das aufgewühlte, nächtliche Meer.

    Nachdenklich sah ich Daniels Freund an. Jedes mal wenn die Sprache auf Sarah Steel kam, ging eine seltsame Verwandlung mit Cliff vor sich. Sarah war eine aufregend schöne und intelligente Frau. Als Mitarbeiterin der Umweltorganisation lag ihr der Schutz der Meere besonders am Herzen. Sie war eine ausgezeichnete Wissenschaftlerin und verfügte über eine gehörige Portion Phantasie und Enthusiasmus. Cliff und Sarah waren sehr verliebt ineinander. Aber ein Schatten hatte sich über ihre Liebesbeziehung gesenkt, als Cliff in den Zauberbann einer schönen, geisterhaften Frau geraten war. Diese Liaison lag schon einige Monate zurück. Trotzdem konnte Sarah ihrem ehemaligen Geliebten diesen Fehltritt nicht verzeihen – eine Tatsache, die Cliff mehr mitnahm, als er sich eingestehen wollte.

    In diesem Moment trat Sarah aufs Deck. Ein Blitz, der in der Nähe ins Wasser einschlug, erhellte für den Bruchteil einer Sekunde ihr Gesicht und spiegelte sich in ihren braunen Augen wider. Sarahs brünettes Haar wurde von einer Sturmbö erfasst.

    Rasch strich sie sich das Haar aus dem Gesicht und sah sich um. Als sie mich und Daniel an der Bugreling bemerkte, kam sie auf uns zu. Der heftige Seegang schien ihr dabei nichts auszumachen.

    Cliff, der die junge Frau verstohlen von der Kommandobrücke aus beobachtete, würdigte sie keines Blickes.

    »Hallo Brenda, hallo Daniel«, begrüßte Sarah uns. »Ich finde es sehr nett von euch, dass ihr euch uns angeschlossen habt und euer freies Wochenende geopfert habt, um den Pottwalen zu helfen.«

    »So eine einmalige Einladung konnten wir einfach nicht ablehnen«, erwiderte ich lächelnd. »Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, Wale aus der Nähe zu betrachten. Ich hoffe nur, dass wir ihnen auch helfen können und dass wir sie in dieser brodelnden Suppe, in die das Meer sich verwandelt hat, auch tatsächlich aufspüren.«

    »Die Wale müssen jeden Moment hier aufkreuzen«, sagte Sarah überzeugt und starrte in die Nacht hinaus.

    »Hast du dich deswegen hinter deinen Apparaten hervorgewagt?«, fragte Daniel. Wir hatten Sarah nur kurz zu Gesicht bekommen, als wir heute früh an Bord der Silver Dolphin gekommen waren. Seitdem war sie nicht aus dem kleinen Labor herausgekommen, das Cliff im Rumpf seiner Jacht für viel Geld hatte einrichten lassen.

    »Ich musste noch eine Menge Berechnungen anstellen und das Sonargerät überprüfen, das ich für die Wale entwickelt habe«, erklärte Sarah ausweichend.

    Ich vermutete aber, dass sie sich aus einem ganz anderen Grund nicht hatte an Deck blicken lassen. Sie ging Cliff aus dem Weg, wo sie nur konnte. In dem Labor war sie vor einem Zusammentreffen mit ihm sicher gewesen.

    »Wie kommt es eigentlich, dass die Walherde von ihrem ursprünglichen Kurs abgekommen ist?«, fragte ich die junge Frau.

    »Die Pottwale orientieren sich mit Hilfe eines Biosonars«, erklärte sie in sachlichem Tonfall. »Den Wissenschaftlern ist die Funktionsweise dieser natürlichen Echo-Ortung noch ein Rätsel. Aber man nimmt an, dass die Pottwale ähnlich wie die Fledermäuse Töne im Ultraschallbereich von sich geben können. Nur nehmen sie die Laute nicht mit den Ohren wahr, die bei Walen ziemlich unausgeprägt sind, sondern mit dem Kiefer und dem Schädel. Mit diesen Ultraschalltönen können die Pottwale, die übrigens zu den Zahnwalen gehören, zum Beispiel ihre Beute aufspüren. Auch auf Hindernisse wie Felsen und Korallenriffe werden sie auf diese Weise aufmerksam. Und sie können mit ihrem Biosonar sogar die Wassertiefe bestimmen.«

    »Das hört sich ja sehr geheimnisvoll an«, bemerkte Daniel.

    »Ist es auch«, erwiderte Sarah.

    »Die Funktionsweise der Echo-Ortung der Pottwale ist eines der wenigen ungelösten Rätsel, die es auf unserem Planeten noch gibt.

    Bei der Herde, die wir verfolgen, scheint der Biosonar allerdings durcheinander gekommen zu sein, so dass sie ihren Kurs geändert haben. Dies kommt von Zeit zu Zeit immer wieder vor. Manchmal verenden die massigen Tiere dann im seichten Küstenwasser, wo sie von ihrem eigenen Körpergewicht quasi erdrückt werden. Wenn die Herde, die wir verfolgen, an der Küste strandet, steht ihr ein ähnliches schreckliches Schicksal bevor, fürchte ich.«

    Ich starrte unbehaglich in die ungemütliche See. »Hoffentlich können wir die Pottwale retten«, sagte ich traurig.

    »Das hoffe ich auch«, erwiderte Sarah. »Ich setze große Erwartungen in das Sonargerät, das ich entwickelt habe. Der kleine Apparat wird mit einem Seil ins Wasser gelassen und sendet Töne im Ultraschallbereich aus. Ich habe eine sehr hohe Frequenz gewählt, die den Tieren unangenehm sein müsste. Vielleicht kann ich sie auf diese Weise dazu bewegen umzukehren und sich von der gefährlichen Küste fern zu halten. Alle Schiffe, die sich an dieser Aktion beteiligen, sind mit solch einem Gerät ausgerüstet.«

    Plötzlich gewahrte ich in einiger Entfernung einen mächtigen nachtschwarzen Schatten unter der Wasseroberfläche. Er kam genau auf die Silver Dolphin zugeschossen.

    Im nächsten Moment teilte sich das aufgewühlte Wasser und ein grauer, schrundiger Rumpf schob sich gespenstisch empor.

    »Dort ist einer von den Walfischen!«, rief ich mit bebender Stimme und deutete nach vorn.

    Im selben Moment stieß der Wal eine Wasserfontäne durch sein Blasloch aus. Der mehrere Meter hohe Wasserstrahl wurde vom Sturm ergriffen und auseinandergetrieben.

    »Der Wal kommt der Silver Dolphin aber verdammt nahe«, bemerkte Daniel besorgt.

    Sarah wirbelte herum. »Lasst das Sonar zu Wasser!«, schrie sie Cliff zu. »Und gib den anderen Schiffen Bescheid, dass sie es uns gleichtun sollen!«

    Es war das erste Mal, dass Sarah den jungen Chirurgen während unserer Anwesenheit an Bord ansprach. Aber ihre Worte klangen nicht gerade freundlich.

    Cliff gab der Besatzung mürrisch ein Zeichen und sprach dann hektisch ins Funkgerät.

    Gebannt starrte ich den Pottwal an, der mit seinem riesigen, bugförmigen Schädel eine schäumende Welle vor sich hin trieb. Je näher er uns kam, desto mächtiger ragte sein grauer Schädel vor uns auf. Tiefe Narben und Furchen waren in die dicke glatte Haut gegraben. Seepocken und Algen hatten sich auf dem mächtigen Schädel angesiedelt.

    Unwillkürlich schmiegte ich mich in Daniels starke Arme und klammerte mich an ihm fest. Es würde unser Untergang sein, wenn der Pottwal mit der Jacht zusammenstieß! Schon früher waren diese Meeresriesen den Walfängerbooten oft zum Verhängnis geworden. Ein einziger Schlag mit der Schwanzflosse reichte aus, um ein Boot zu zertrümmern. Ein Stoß mit dem mächtigen Schädel konnte ein großes Schiff zum Kentern bringen oder es leck schlagen. Am eindrucksvollsten wurden solche tödlichen Begegnungen in Herman Melvilles Roman Moby Dick geschildert, an den ich jetzt unwillkürlich denken musste.

    Stand uns jetzt ein ähnliches Schicksal bevor?

    ––––––––

    2

    Sarah ballte ihre Hände zu Fäusten. »Die Herde ist zu früh hier aufgetaucht!«, rief sie mit zitternder Stimme. »Meinen Berechnungen nach sollten sie erst in ein paar Minuten eintreffen ...«

    Der Rest ihrer Worte ging im Tosen unter, das entstand, als der mächtige Pottwal kurz vor der Silver Dolphin wieder abtauchte. Seine mächtige, kraftvolle Flosse hob sich ein letztes Mal majestätisch aus dem düsteren Wasser, ehe der Wal ganz verschwand.

    Wie ein Spielball wurde die Jacht von der Welle, die der Wal verursacht hatte, emporgehoben. Mir krampfte es den Magen zusammen. Fast hätte es mich von den Beinen gerissen. Aber Daniel hielt mich mit eisernem Griff umklammert.

    Da stieß Sarah einen schrillen Schrei aus. Der Boden wurde ihr förmlich unter den Füßen weggerissen, als sich die Silver Dolphin schief legte und eine Welle dunkles Meerwasser über die Reling brandete.

    Unwillkürlich stieß meine Hand vor. Aber ich bekam Sarah nicht mehr zu fassen. Das Wasser spülte sie über die Planken. Haltlos ruderte sie mit den Armen und wurde direkt auf eine Wasserpforte zugetrieben.

    Da war plötzlich Cliff bei ihr. Mit einem kühlen Sprung war er von der Brücke aufs Deck hinabgesprungen und warf sich schützend auf Sarah. Er umschlang ihren schlanken Körper und klammerte sich mit der anderen Hand an einem Lüftungsschacht fest.

    Dann war die Welle fort. Sarah und Cliff lagen klatschnass und eng umschlungen auf den Planken.

    Unwirsch machte Sarah sich von dem jungen Mann frei und richtete sich auf. Dann eilte sie zur Reling und starrte in die Richtung, in die der Pottwal verschwunden war.

    Cliff rappelte sich benommen hoch und starrte Sarah missmutig an. Mit keinem Wort hatte sie sich für ihre Rettung bedankt!

    Da ertönte aus Cliffs Funkgerät eine schnarrende Stimme. Cliff führte das Gerät an sein Ohr und wechselte ein paar hektische Worte mit dem Mann am anderen Ende der Funkverbindung.

    »Deine Sonargeräte haben funktioniert!«, rief er Sarah zu, und ein erleichterter Ausdruck machte sich auf seinem Gesicht breit. »Die anderen Schiffe konnten mit Hilfe deiner Geräte den Rest der Herde stoppen. Die Tiere verhalten sich ruhig ...«

    Sarah schlug mit der Faust auf die Reling.

    »Meine Berechnungen waren falsch!«, rief sie aufgebracht. Der Erfolg ihrer Sonargeräte schien sie nicht sehr zu erfreuen. Sie schüttelte finster den Kopf. »Ich verstehe das nicht. Die Herde muss viel schneller geschwommen sein, als sie es gewöhnlich tun. Irgendetwas muss die Tiere magisch anziehen. Und jetzt ist uns einer der Pottwale entwischt. Er schwimmt direkt auf die Küste von Schottland zu!«

    »Wir können versuchen den Wal einzuholen und ihn mit deinem Sonargerät zur Herde zurückzutreiben«, schlug Cliff vor.

    »Warum stehst du dann hier noch untätig herum und glotzt mich an?«, schrie Sarah. »Sag deiner Mannschaft, dass sie den Wal verfolgen sollen!«

    Cliff sah Sarah einen Moment lang grimmig an. Doch dann zuckte er die Schultern und wandte sich ab. Mürrisch gab er seiner Besatzung Anweisung.

    Ich löste mich aus Daniels Armen und trat auf Sarah zu. Sanft legte ich ihr eine Hand auf die Schulter.

    »Findest du nicht, dass du ein wenig zu hart mit Cliff umgehst?«, fragte ich. »Er tut sein Möglichstes um die Wale zu retten und stellt dir für deine Forschung sogar seine Jacht zur Verfügung ...«

    Die Silver Dolphin kränkte ein wenig zur Seite, als Cliff die Jacht in einer engen Kurve wendete, um den Wal zu verfolgen.

    »Ich hätte auch ebenso gut auf einem anderen Schiff meiner Organisation arbeiten können«, erwiderte Sarah knapp und wich dabei meinem Blick aus. »Aber Cliff bestand darauf, dass ich an Bord der Silver Dolphin ging.«

    »Warum kannst du Cliff nicht verzeihen? Ihr liebt euch doch beide immer noch, trotzdem ihr euch alle Mühe gebt so zu tun, als wäre dies nicht der Fall.«

    Sarah tat so, als hätte sie meine Frage gar nicht gehört. Sie stieß plötzlich einen freudigen Schrei aus und wies nach vorne. »Dort ist der Wal!«, rief sie aufgeregt. »Wenn wir uns beeilen, können wir ihn noch einholen!«

    Ich blickte in die angegebene Richtung. Das Wasser dort sah dunkel und bedrohlich aus. Die fahlen Schaumkronen, die auf den Wellen tanzten, waren bleich wie Gespenster. Der unheimliche Anblick wurde noch unterstrichen durch eine dichte Nebelbank, die sich nicht weit entfernt über dem Wasser abzeichnete. Sie verhüllte die Küste, die sich dort irgendwo befinden musste.

    Der Pottwal stieß in diesem Moment eine Atemwolke aus. Erst jetzt sah ich seinen mächtigen Leib in der Dunkelheit. Er ragte ein Stück aus dem düsteren Wasser empor und bewegte sich sehr rasch. Aber die Silver Dolphin kämpfte tapfer gegen Wind und Wellen an und schob sich Stück für Stück an das gefährdete Tier.

    »Wenn der Wal vor uns die Nebelbank erreicht, werden wir ihn nicht mehr retten können«, bemerkte Daniel, der neben mich getreten war.

    Sarah machte ein verbittertes Gesicht.

    »Dann muss Cliff eben noch schneller fahren«, stieß sie ungehalten aus. »Wir dürfen es nicht zulassen, dass der Wal stirbt!«

    »Der Wal ist sehr schnell!«, rief Cliff von der Brücke herunter, auf die er nun zurückgekehrt war. »Aber wir werden ihn trotzdem einholen!« Er musste Sarahs ungestüme Worte vernommen haben. Finster blickte er nach vorn.

    Daniel schüttelte den Kopf und sah besorgt zu Cliff hinauf. »Er ist entschlossen, Sarahs Liebe um jeden Preis zurückzugewinnen«, raunte er mir zu. »Wir sollten auf die beiden achtgeben, sonst geschieht noch ein Unglück!«

    Wie um Daniels Befürchtung zu bestätigen, lehnte sich der Steuermann plötzlich aus dem Steuerhaus hinaus.

    »Sir, wir werden gleich die Nebelbank erreichen!«, rief er gegen den Wind an, so dass auch ich seine Worte verstehen konnte. »Es ist gefährlich, in voller Fahrt in den Nebel hineinzufahren. Die Küste ist nicht mehr weit. Wir könnten gegen ein Riff prallen oder auf Grund laufen!«

    Cliff warf Sarah einen raschen Seitenblick zu. Die aber schaute entschlossen nach vorn und ließ den Pottwal nicht aus den Augen. Der urtümliche Ozeanbewohner befand sich jetzt fast auf Höhe der Silver Dolphin. Aber auch die Nebelbank war nun nur noch wenige Meter von uns entfernt.

    »Gehen Sie zurück ans Ruder!«, fuhr Cliff den Steuermann an. »Wir werden den Wal einholen ...«

    »Aber, Sir«, protestierte der Mann. »Wir könnten alle dabei draufgehen.«

    Cliff trat rasch auf den Steuermann zu, stieß ihn unwirsch beiseite und seilte sich selbst hinter das Ruder.

    In diesem Moment hatten wir den Wal überholt. Die Silver Dolphin tauchte in die Nebelbank ein. Von einem Moment auf den anderen waren wir von fahlem Dunst umgeben. Der Nebel war so dicht, dass ich kaum drei Meter weit sehen konnte. Unheimlich waberten die dicken Schwaden über die Planken.

    Cliff kurbelte wie verrückt an dem Ruder. Die Silver Dolphin beschrieb eine Kurve und stand nun quer zu dem Kurs, den der Wal eingeschlagen hatte. Jeden Moment würde seine massige Silhouette vor uns aus dem Nebel auftauchen.

    »Cliff, bist du verrückt geworden?«, rief Daniel aufgebracht.

    Aber sein Freund schien ihn nicht zu hören. Er trat auf die Brücke zurück und rief seinen Leuten am Bug zu, dass sie Sarahs Sonar wieder zu Wasser lassen sollten.

    »Ich habe nun meinen Teil der Aufgabe erledigt«, sagte er an Sarah gewandt.

    »Jetzt wird sich herausstellen, ob du deinen Teil auch erfüllen kannst!«

    Sarah verschränkte trotzig die Arme vor der Brust und schaute demonstrativ zur Seite.

    An Bord herrschte plötzlich angespannte Stille. Alle schienen in den Nebel hinaus zu lauschen und zu warten, wie der Wal sich verhalten würde. Nur das Tosen der Brandung und das Glucksen des Wassers, das gegen die Bordwand leckte, waren zu hören. Dumpf dröhnte der Jachtmotor im Bauch des Schiffes.

    Da, plötzlich senkte sich ein Schatten auf die Jacht. Daniel griff unwillkürlich nach meiner Hand. Der Nebel teilte sich. Vor uns tauchte die Silhouette eines bugförmigen, mächtigen Schädels aus dem wabernden Dunst. Algen und Seetang hingen daran herab.

    »Er ... er ist direkt vor uns«, flüsterte Sarah mit rauer Stimme. »Aber das Sonar hat ihn gestoppt. Er bewegt sich fast nicht mehr.«

    In diesem Moment stieß der Wal sachte gegen die Silver Dolphin. In der hohen grauen Wand, die nun direkt neben der Reling aufragte, zeichnete sich ein kleines rundes Auge ab, das auf die verschreckten Menschen an Deck herabzustarren schien.

    Ein kalter Schauer rieselte mir den Rücken hinunter. Eine unbedachte Bewegung des Kolosses könnte unserem Leben ein rasches Ende bereiten.

    Aber der Wal verhielt sich völlig ruhig und abwartend, so als wüsste er, dass schon ein müder Schlag seiner Flosse reichen würde, um die Jacht zu zerstören.

    Ohne recht zu überlegen was ich tat, löste ich mich von Daniel und trat auf die Reling zu. Dann neigte ich mich vor, bis meine ausgestreckte Hand den Pottwal berührte. Sanft legte ich meine Finger auf die kalte glatte Haut des Säugetiers.

    Plötzlich war auch Sarah an meiner Seite. Ein verklärtes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie den Wal zärtlich tätschelte.

    »Kehr um!«, rief sie dem grauen Meeresriesen zu. »Schwimm zu deiner Herde zurück! Hier wartet nur der Tod auf dich!«

    »Glaubt sie, dass der Wal sie versteht?«, raunte einer der Besatzungsmitglieder einem Kollegen zu.

    Er verstummte abrupt, als die graue Wand plötzlich von der Reling wegdriftete.

    Langsam, behutsam fast, glitt der Koloss durch den Nebel fort, bis seine dunkle Silhouette schließlich vom Nebel verschluckt wurde.

    Das laute Platschen, das kurz darauf zu uns herüberdrang, verriet, dass der Wal abgetaucht war.

    Die Wellen schaukelten die Silver Dolphin hin und her. In Sarahs braunen Augen lag ein seltsamer Glanz, und Tränen rollten ihr über die Wangen.

    »Ich ... ich habe noch nie so etwas Ergreifendes und Schönes erlebt«, sagte sie mit tränenerstickter, glücklicher Stimme.

    »Dein Sonargerät scheint ja wahre Wunder zu wirken«, bemerkte Cliff anerkennend, der unbemerkt hinter Sarah getreten war. »Es hat den Wal tatsächlich aufgehalten und verhindert, dass er mit uns kollidierte. Und ich dachte schon, unser letztes Stündchen hätte geschlagen.«

    Sarah wandte sich zu Cliff um und schaute ihn mit tränen feuchten Augen an. »Ich bin selbst von der Wirkung der Geräte überrascht«, gestand sie. »Doch ohne deinen Einsatz wäre unser Pottwal dem sicheren Tod entgegen geschwommen ...«

    Plötzlich fiel sie Cliff um den Hals. »Oh, Cliff!«, schluchzte sie. »Erst jetzt begreife ich, wie kleinlich es

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