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Die vergessene Zivilisation: Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft

Die vergessene Zivilisation: Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft

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Die vergessene Zivilisation: Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft

Länge:
563 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 27, 2016
ISBN:
9783956521737
Format:
Buch

Beschreibung

Das plötzliche Erscheinen von Zivilisation im Jahre 3.000 v. Chr. stellt nicht das erste Auftauchen einer Zivilisation dar. Eher ist es das erneute in Erscheinung treten einer Zivilisation nach ungefähr 5.000 oder mehr Jahren. Natürlich gibt es erwiesenermaßen eine Kultur in der Zeit von 10.000 v. Chr. bis 9.000 v. Chr., also tausend Jahre früher als die Ägyptische Dynastie und ihre Zeitgenossen in Mesopotamien und dem Industal.
Dieses früheste Erblühen einer Zivilisation wurde im Allgemeinen von der Menschheit vergessen, obwohl Hinweise darauf immer noch in Heiligen Inschriften, überlieferten Legenden und uralten Texten gefunden werden können. Der Garten Eden, Erzählungen über ein Goldenes Zeitalter und Platos Erzählungen über Atlantis könnten alle als Referenz für diese ursprüngliche Zivilisation dienen. Jetzt ist es an der Zeit, ihr Erbe anzutreten.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 27, 2016
ISBN:
9783956521737
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Die vergessene Zivilisation - Robert M Schoch

Robert M. Schoch, Ph. D.

Die vergessene Zivilisation

Die Bedeutung der Sonneneruptionen in Vergangenheit und Zukunft

Copyright © 2014 by Robert M. Schoch

Sofern nicht anders angegeben, liegen alle Bildrechte bei Robert Schoch (Fotografien von Ägypten und Nazca) oder bei Robert Schoch und Catherine Ulissey (Fotografien aus der Türkei und der Osterinsel).

Ursprünglich erschienen als: Robert M. Schoch, La Civiltà Perduta e le Catastrofi dal Sole: Il Passato e il Futuro dell’Umanità. Rome: XPublishing, June 2012.

Erste amerikanische Ausgabe: Robert M. Schoch, Forgotten Civilization: The Role of Solar Outbursts in Our Past and Future. Rochester, Vermont: Inner Traditionen, August 2012.

Die vorliegende deutsche Ausgabe wurde gegenüber der italienischen und amerikanischen Ausgabe leicht angepasst und aktualisiert.

(Übersetzung: Daniela Mattes und Frank Dörnenburg)

eBook

„Die vergessene Zivilisation"

Erste Auflage Juli 2014

Ancient Mail Verlag Werner Betz

Europaring 57, D-64521 Groß-Gerau

Tel.: 00 49 (0) 61 52/5 43 75, Fax: 00 49 (0) 61 52/94 91 82

www.ancientmail.de

Email: ancientmail@t-online.de

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung: Catherine Ulissey

ISBN 978-3-95652-172-0

eBook-Herstellung und Auslieferung:

readbox publishing, Dortmund

www.readbox.net

Hinweis für den Leser: Dieses Buch präsentiert Informationen, Wissenschaft, Theorien und Hypothesen so, wie der Autor sie versteht und interpretiert, aber sie unterliegen auch anderen Interpretationsmöglichkeiten und die erhaltenen Informationen und Fakten können sich ändern, wenn mehr entdeckt wird. Bevor man lebensverändernde Entscheidungen trifft, sollte man andere Quellen zurate ziehen oder vertrauenswürdige Berater konsultieren und letztendlich zu seinen eigenen Schlussfolgerungen gelangen. Der Autor, Verleger und andere an diesem Buch Beteiligte sind nicht für irgendwelche Entscheidungen verantwortlich, die der Leser aufgrund der hier vorgelegten Informationen, Inhalte und Ideen trifft.

„Schoch ist ein wahrer Forscher, der den Informationen folgt, wo immer sie ihn auch hinführen, ungeachtet des politischen Drucks oder irgendwelcher überholten Denkmuster. Vor zweiundzwanzig Jahren hat seine Neudatierung der Sphinx eine völlig neue Art der Archäologie gestartet. „Die vergessene Zivilisation fasst alles, was bisher geschah, in einer einfachen Schlussfolgerung zusammen: Die Sonnenaktivitäten beendeten den letzten Zyklus einer Hochkultur und zerstören die unsere möglicherweise als Nächstes. Schoch ist kein Panikmacher, keiner, der mit seiner Lieblingstheorie hausieren geht. Was wir mit seinem Wissen anfangen, ist unsere Sache, aber wenn man es erst einmal verdaut hat, ändert es alles.

Joscelyn Gottwin, Ph.D., Dozentin der Colgate University

Ich widme dieses Buch meiner geliebten Frau, Catherine (Katie) Ulissey. Sie war die eigentliche Inspiration und treibende Kraft dahinter. Wie auf den folgenden Seiten offensichtlich wird, hätte das Buch ohne sie gar nicht geschrieben werden können.

DANKSAGUNG

Ein ganz besonderes Dankeschön gebührt Grzegorz Popławski, der mich zu einer Konferenz in Warschau, Polen, am 29.05.2011 eingeladen hat, die er organisierte. Dieses Buch ist ein Auswuchs des Vortrags, den ich dort gehalten habe.

C. Alicia Schoch, meine Mutter, war sehr von meinem Manuskript berührt, das sie komplett gelesen hat, bevor sie plötzlich und unerwartet am 2. April 2012 von uns gegangen ist. Es wäre nachlässig von mir, ihr nicht für ein Leben voller Liebe und Unterstützung zu danken, genauso wie für die Liebe und Unterstützung, die ich noch immer von meinem wundervollen Vater, Milton R. Schoch, erfahren darf.

INHALTSVERZEICHNIS

VORWORT

1  EINE STÜRMISCHE REISE

2  DIE GROSSE SPHINX

3  GÖBEKLI TEPE UND DIE URSPRÜNGE DER ZIVILISATION

4  DEFINITION DER ZIVILISATION

5  TE PITO TE HENUA (DER NABEL DER WELT), OSTERINSEL

6  DAS ENDE DER LETZTEN EISZEIT

7  UNSERE NICHT-SO-EWIGE-SONNE

8  KOSMOKLIMATOLOGIE

9  GALAKTISCHE SUPERWELLEN UND INTERSTELLARE STAUBWOLKEN

10  EZECHIELS (HESEKIELS) VISION

11  GLASBURGEN, FEUER VOM HIMMEL UND DIE STÖRANGRIFFE DER GÖTTER

12  DER „CARRINGTON EVENT"

13  DAS 2012-ER DATUM DER MAYA

14  URALTE WEISHEIT, NEUE ENTDECKUNGEN UND NEUE WISSENSCHAFT

ANHANG

1  WAR DIE GROSSE SPHINX VON EINEM WASSERGRABEN UMGEBEN?

2  POLITIK, GELD UND WISSENSCHAFT

3  EINE ANMERKUNG ZUR NAMENSGEBUNG UND DATIERUNG DES ENDES DER LETZTEN EISZEIT

4  DAS BEWEGEN DER MOAI: OSTERINSEL UND PSYCHOKINESE

5  IST ZU BEGINN DER JÜNGEREN DRYASZEIT EIN KOMET AUF DER ERDE EINGESCHLAGEN?

BILDTEIL

QUELLENNACHWEIS

ÜBER DEN AUTOR

VORWORT

Die vergessene Zivilisation. Vorab einige Anmerkungen zu dem Titel, der eine Idee meiner Frau Katie war.

Aber der Reihe nach: Als ich noch ein junger Bursche war, hat der britische Kunsthistoriker Kenneth Clark (1903-1983) eine einflussreiche 13-teilige Fernsehserie geschrieben und produziert (erstmals 1969 von der BBC) und publizierte ein Begleitbuch dazu – beide unter dem Titel: „Civilisation: A Personal View."

Wir waren verzaubert von der Fernsehserie und verschlangen jedes Wort des Buches, wir verfielen dem Zauber seiner ungewöhnlichen Schlichtheit in Stil und Treffsicherheit und akzeptierten seine Behauptungen, ohne sie infrage zu stellen. Clark bestimmte für eine ganze Generation das allgemeine Konzept dessen, was Kultur ist, und seine Ansichten haben heutzutage immer noch Bestand für den größten Teil des Publikums (oder zumindest in Westeuropa und Amerika). Für seine Beiträge erhielt Clark den Titel „Lord Clark of Saltwood" (Saltwood ist ein Schloss in Kent, welches Clark 1955 kaufte).

Fakt ist, dass Clark eine ziemlich begrenzte Vorstellung davon hatte, was genau die Zivilisation begründet hat. Sein Buch und seine Serie konzentrierten sich auf die christliche, westeuropäische Zivilisation des Zeitraums ab 1100 n. Chr. bis ins 19. Jahrhundert und seine Ansicht hatte einen deutlichen englischen Einschlag. Über das Konzept der Kultur im Allgemeinen bis hin zum angeblichen Höhepunkt der Zivilisation, wie er sie sah, schrieb Clark:

„Es hat Zeiten in der Geschichte der Menschheit gegeben, als die Erde plötzlich wärmer oder radioaktiver geworden zu sein schien … Ich schiebe das nicht als wissenschaftliche Aussage in den Vordergrund, aber die Tatsache bleibt bestehen, dass es drei oder vier Zeitpunkte in der Geschichte gegeben hat, in der die Menschheit einen Sprung nach vorne gemacht hat, der unter normalen Evolutionsbedingungen undenkbar gewesen wäre. Einer dieser Zeitpunkte war im Jahr 3.000 v. Chr., als plötzlich Zivilisationen auftauchten, nicht nur in Ägypten und Mesopotamien, sondern auch im Industal; ein anderer war im späten 6. Jahrhundert v. Chr. als es nicht nur das Wunder von Ionien und Griechenland gegeben hat – Philosophie, Wissenschaft, Kunst, Poesie, die alle einen Punkt erreichten, den es 2.000 Jahre lang nicht gegeben hatte – sondern auch in Indien eine beispiellose, möglicherweise vorher nicht da gewesene spirituelle Entwicklung stattfand. Ein anderer Zeitpunkt war ungefähr um das Jahr 1100 herum. Er schien die gesamte Welt betroffen zu haben, aber seinen stärksten und dramatischsten Einfluss hatte er auf Westeuropa – wo er auch am meisten gebraucht wurde. Es war wie der russische Frühling. In jedem Bereich des Lebens – Handlungen, Philosophie, Organisation, Technologie – überall ergoss sich eine überströmende Energie, eine Intensivierung der Existenz." (Clark 1969, 33; Auslassungszeichen im Original)

Meine Behauptung, die ich in diesem Buch herausarbeiten werde, ist, dass das plötzliche Erscheinen von Zivilisation im Jahre 3.000 v. Chr., über die Clark spricht, nicht das erste Auftauchen einer Zivilisation darstellt. Eher ist es das erneute in Erscheinung treten einer Zivilisation nach ungefähr 5.000 oder mehr Jahren. Natürlich gibt es erwiesenermaßen eine Kultur in der Zeit von 10.000 v. Chr. bis 9.000 v. Chr., also tausend Jahre früher als die Ägyptische Dynastie und ihre Zeitgenossen in Mesopotamien und dem Industal.

Dieses früheste Erblühen einer Zivilisation wurde im Allgemeinen von der Menschheit vergessen, obwohl Hinweise darauf immer noch in Heiligen Inschriften, überlieferten Legenden und uralten Texten gefunden werden können. Der Garten Eden, Erzählungen über ein Goldenes Zeitalter und Platos Erzählungen über Atlantis könnten alle als Referenz für diese ursprüngliche Zivilisation dienen. Jetzt ist es an der Zeit, ihr Erbe anzutreten.

Robert M. Schoch, Ph.D., März 2013

Boston, Massachusetts, USA

der Tag des HERRN wird kommen wie ein Dieb in der Nacht. Denn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen, gleichwie der Schmerz ein schwangeres Weib, und werden nicht entfliehen.

Jerusalemer Bibel

1 Thessalonicher, 5:2-3

Und der vierte Engel goss aus seiner Schale in die Sonne, und ihm ward gegeben, den Menschen zu verbrennen mit Feuer.

Jerusalemer Bibel

Offenbarung 16:8

1  EINE STÜRMISCHE REISE

Wie hätte ich dazu Nein sagen können? Der chilenische Botschafter (Jean-Paul Tarud-Kuborn) der Vereinigten Arabischen Emirate, der sich mit uns anfreundete, als ich am 29/30. November 2008 auf der International Conference on Ancient Studies in Dubai (UAE) einen Vortrag hielt, hatte Katie (Catherine E. Ulissey, meine damalige Verlobte) und mich eingeladen, ihn nicht nur bei seiner Familie in Santiago zu besuchen, sondern ihn sogar auf eine kurze Reise auf die Osterinsel zu begleiten (die seit 1888 chilenisches Territorium ist).

Ehrlich gesagt war ich anfangs jedoch ein wenig besorgt, als ich über diese Reise nachdachte. Einerseits steht diese kleine Insel als Synonym für uralte Geheimnisse, denen ich die letzten 20 Jahre meines Lebens hingebungsvoll durch Forschungsreisen rund um den Globus gewidmet hatte – von Ägypten über Peru nach Japan. Die Osterinsel war definitiv auf meiner Liste der Ziele, die ich unbedingt besuchen wollte. Auf der anderen Seite jedoch war es eine ziemlich lange Strecke für so eine kleine Exkursion; der Plan sah vor, nur 37 Stunden auf der Insel zu verbringen. Was könnte ich schon in einer solch kurzen Zeit erreichen? Aber Katie überzeugte mich, dass wir einen Vorteil aus dieser Gelegenheit ziehen sollten. Das war der Startschuss. Im Nachhinein betrachtet haben diese 37 Stunden auf der Osterinsel mein Leben auf mehr als eine Art verändert!

Etwas, was mich persönlich an der Osterinsel anzog, war ihre Abgeschiedenheit, da hier, wie ich vermutete, althergebrachte Traditionen noch lebendig waren, die anderswo bereits verloren oder durch Kontakte und Eroberungen verändert worden waren. Offenbar seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden isoliert vom Rest der Welt liegt die Insel im Südpazifik über 2.000 km von der nächsten bewohnten Insel entfernt. Dieses winzige, dreieckige Stück Land (nur 24,6 km lang und 12,3 km an der breitesten Seite), war den Abendländern unbekannt, bis der holländische Forscher Jacob Roggeveen es am Ostersonntag 1722 ausfindig machte. Die Osterinsel ist die Heimat von Hunderten von gigantischen Steinköpfen und Torsos, genannt „Moai", die die Insel schmücken.

Sie ist außerdem der Ursprung von mysteriösen unentzifferten Bildzeichen, die auf einem Stück Holz geschrieben stehen – bekannt geworden ist es unter dem Namen „rongorongo Schrift". Nur etwa zwei Dutzend Originaltafeln und Objekte (wie z. B. Holzstöcke mit Inschriften) sind erhalten geblieben und in verschiedenen Museen auf der ganzen Welt verteilt worden.

Bisher noch immer nicht entschlüsselt, auch wenn – wie ich später in diesem Buch noch besprechen werde – verschiedene tapfere Versuche in dieser Richtung unternommen worden sind, sind sie eines der größten Rätsel der Linguistik. Ich frage mich, ob die Moai und die Rongorongo-Texte möglicherweise ein Vermächtnis bewahren, eine Art Nachricht aus der fernen Vorzeit?

Am Abend des 28.12.2009 buchten Katie und ich einen Flug nach Miami und von Miami flogen wir nach Santiago, Chile. Gleich bei unserer Ankunft in Santiago am nächsten Morgen trafen wir uns mit dem Botschafter und seiner Frau (Valentina Troni) am Flughafen. Ursprünglich hätten wir bei ihnen und ihren Familien bleiben sollen und tatsächlich haben wir sie ausgiebig besucht, aber da auch andere Familienmitglieder in der Stadt waren, wurden wir großzügigerweise im Haus eines Freundes untergebracht, und sie entschuldigten sich vielmals für die Unannehmlichkeiten, die sie uns damit bereiteten. Dies stellte sich jedoch als höchst glückliche Unannehmlichkeit heraus, da der Freund (der sehr schnell auch unser Freund wurde) ein Künstler und eingeborener Osterinsulaner (Rapanui) war, der jetzt in Santiago lebte. Darüber hinaus war dessen Vater (der ihn zufällig zu der Zeit ebenfalls gerade besuchte und der, was wir damals nicht wussten, mit uns zur Osterinsel reisen würde), ein ehemaliger Gouverneur der Insel.

Mehrere Tage lang teilten wir uns die Zeit auf zwischen dem Wandern in den Anden am Ortsrand von Santiago und dem Studium von Überlieferungen der Osterinsel. Katie und ich hatten uns bereits in den vergangenen Monaten darauf vorbereitet, indem wir Bücher und jegliche Literatur über die Insel, derer wir habhaft werden konnten, gewälzt und ihren Inhalt quasi aufgesaugt hatten. Denn wir hatten beschlossen, unser Wissen möglichst umfassend aufzustocken. Ganz besonders spannend war für mich die Sammlung hunderter alter Fotos, die unser Gastgeber uns zeigte und von denen viele die Moai und andere antike Steinstrukturen der Insel vor ihrer Restauration zeigten. Darunter waren auch viele Vignetten, die das Leben auf der Insel in früheren Zeiten zeigte. Aus wissenschaftlicher Sicht ist eine solche Dokumentation unbezahlbar.

Am Silvesterabend nahmen Katie und ich an einem fantastischen Kostümball teil, den die Mutter des Botschafters ausrichtete (die zusammen mit einigen anderen Freunden und Familienmitglieder an der Expedition zur Osterinsel teilnahm). Am Neujahrstag hatten wir Zeit, uns zu entspannen und uns für die kommenden Tage zu stärken. Am frühen Sonntagmorgen, den 2. Januar, machten wir uns auf den Weg zum Flughafen nach Santiago, um unseren Flug zu erwischen. Nach über fünf Stunden Flugzeit über den majestätischen Pazifik, landeten wir ungefähr um 13 Uhr Ortszeit auf der Osterinsel.

Die nächsten drei Tage waren wild, verrückt und wunderbar. Ein Flug auf dem fliegenden Teppich, wie Katie gerne sagt. Wenn ich es in Gedanken Revue passieren lasse oder mir die Tausende Fotos anschaue, die wir geschossen haben, kann ich mir nicht erklären, wie wir so viel geschafft haben. Wir haben die Insel von einem Ende ans andere bereist, mit einem kleinen Privatbus unter Leitung eines anderen ehemaligen Gouverneurs der Insel, der zufällig ein sehr berühmter Rapanui-Archäologe ist.

Die Moai und die Ahus (Plattformen auf denen einige der Moai aufgerichtet worden sind), sind noch beeindruckender und Ehrfurcht gebietender, als ich es mir vorgestellt hätte, wenn man nur davon liest oder sich die Fotos anschaut. Ich habe mit den Jahren gelernt, dass es niemals einen Ersatz dafür gibt, etwas „in echt" zu sehen – eine Lektion, die sich mit jedem Trip bestätigt, den ich unternehme, egal ob in ein neues Gebiet (was die Osterinsel damals für mich war) oder eine vertraute Gegend (wie sich Teile Ägyptens nach so vielen Reisen mittlerweile für mich anfühlen).

Aber es waren nicht nur die Moai, deren Anblick mich wie ein Blitz traf, denn die Moais sind nur ein Teil der Landschaft, der scheinbar urzeitlichen Anlage der Osterinsel. Aber es gibt auch noch die Steinbrüche, aus denen die Moais herausgeschnitten wurden, die unzähligen Felszeichnungen (etliche zeigen einen seltsamen „Vogelmann), die niedrigen, dicken Steingebäude („Häuser, die man im Steindorf und dem Zeremonialzentrum von Orongo an der südwestlichen Spitze der Insel gefunden hat), die sphärischen Steine, die man als „Nabel der Welt" bezeichnet, die natürlichen Höhlen, die man überall auf der Vulkaninsel findet, die antiken Vulkankrater selbst und natürlich die unerklärliche Rongorongo-Schrift. In vielerlei Hinsicht war es zu viel, um es in drei Tagen zu verarbeiten und daher saugte ich einfach alles in mich auf. Ich würde später mein Bestes versuchen, um mir darauf einen Reim zu machen.

In der Tat ist es der Versuch, mir die Welt zusammenzureimen, was mich antreibt. Ich versuche, einfache Antworten nicht ohne kritische Rückfragen zu akzeptieren. Bei der Suche nach den sogenannten Alten Rätseln habe ich herausgefunden, dass sie manchmal gar nicht so mysteriös sind, da einfach die Fakten falsch interpretiert wurden (und, um es ganz offen zu sagen, weil manchmal Betrug im Spiel ist), während in anderen Fällen konventionelle und gängige Erklärungen dazu führen, echte Mysterien zu verdecken oder schön zu färben.

Tatsächlich, so scheint mir, ist Letzteres viel zu oft der Fall, gerade wenn diejenigen mit begründetem Interesse denken, sie müssten den Status quo aufrechterhalten (wir werden dieses Thema auf den nächsten Seiten näher untersuchen). Im Falle der Osterinsel war mir schnell klar, dass die standardisierten archäologischen Erklärungen – dass die Insel erstmals von den Polynesiern ca. 1.500 Jahre zuvor kolonisiert wurde, die auch die Moais aufstellten, die Felszeichnungen einritzten, die Steinhäuser bauten und in der Folge den wirtschaftlichen Zusammenbruch über ihre Insel brachten, sodass das Volk arm und verhungert war, als die Europäer ihnen erstmal 1722 begegneten – grundlegend fehlerhaft waren.

Ich bin studierter Geologe (Ph.D. in Geologie und Geophysik, Yale University, 1983) und bei der Untersuchung der unterschiedlichen Witterungs- und Erosionsgrade der Ablagerungsschichten um die Moai herum (einige, die ausgegraben worden sind, wurden in bis zu 6 Meter tiefer Erde vergraben) war ich schnell überzeugt davon, dass die gängige Erklärung unwahrscheinlich war, um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Der hohe Grad der Sedimentbildung um einige Moais herum ließ ein viel höheres Alter vermuten, als nur 1.500 Jahre. Und was war der Zweck der niedrigen, dicken Steinhäuser, die seltsame Ähnlichkeit mit modernen Schutzräumen oder Atombunkern besitzen?

Warum bewohnten die Einheimischen manchmal die natürlichen Höhlen der Insel? Und was ist mit den Geschichten über Riesen, die in der Vergangenheit auf der Insel wohnten? Und, das vielleicht Rätselhafteste von allem, was war die Bedeutung der Rongorongo-Texte?

Das waren Fragen, über die Katie und ich nachgrübelten, während wir die Insel erforschten, aber wir hatten keine fertigen Antworten (ich werde auf diese Themen später im Buch noch eingehen). Eine Sache ist jedoch sicher, nämlich, dass keine der konventionellen Erklärungen überzeugend war. Zum Beispiel war die Erstellung der Moai vielleicht nur Teil eines Ahnenkults, nur eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, die sich der Häuptling und Anführer ausgedacht hat, um die Massen beschäftigt und glücklich zu halten und um die Gesellschaftsschichten zusammenzuhalten und soziale Unruhen zu vermeiden?

War das Rongorongo einfach nur eine Imitation der europäischen Schrift durch die Eingeborenen des 18. Jahrhunderts? Wäre das tatsächlich der Fall, dann wären die Rongorongo-Texte keinesfalls antik sondern höchstens einige Jahrhunderte alt und von geringer Bedeutung – ein kaum mehr als kindischer Versuch der primitiven Osterinsulaner die überlegenen Abendländer nachzuahmen. Aber was wäre, wenn die Osterinsulaner stattdessen die Wächter und Hüter uralter Schätze wären? Konventionelle westliche Archäologen und ihre westlich beeinflussten Rapanui-Kollegen lehnen eine solche Idee (die meiner Meinung nach den Status der Rapanui anheben würde) schnell als reine Fantasie ab.

Neben der Erforschung der archäologischen Wunder der Osterinsel lernten wir auch so viel wie möglich über die modernen und überlieferten Traditionen und Lebensweisen der Rapanui – soviel wie eben in drei Tagen möglich ist. Ich hatte die Ehre, den amtierenden Gouverneur kennenzulernen. Wir nahmen an einer „traditionellen" Tanzveranstaltung teil (ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, wie traditionell sie war, da ein Großteil der einheimischen Kultur der Osterinsel durch die europäischen Kontakte ausgerottet und danach hauptsächlich durch importierte polynesische Vorstellungen wieder rekonstruiert worden war).

Wir versuchten die lokale Küche. Wir mieteten ein kleines Motorboot und fuhren damit an der Küste der Insel entlang. Ich schaffte es sogar, nachdem ich beim Aussteigen aus dem Boot in den Pazifik gefallen war, kurz zu einem winzigen Eiland vor der Küste der Hauptinsel. Ich wollte eigenhändig die unberührten Vulkanfelsen und eine alte Höhle erforschen, die auf dem Eiland erhalten geblieben waren.

Und noch eine ganz persönliche Anmerkung: Katie und ich haben auf der Osterinsel geheiratet – zweimal! Am Nachmittag des 4. Januar 2010 - einem Montag – wurden wir in der Anwesenheit eines Botschafters, zweier ehemaliger Gouverneure und einem Insel-Ältesten im Rahmen einer zivilen Zeremonie im zuständigen Büro der chilenischen Regierung auf der Osterinsel getraut. Dann ging es weiter mit dem Besuch weiterer Moais und archäologischer Stätten. An jenem Abend wurden wir erneut getraut, diesesmal in einer traditionellen Rapanui-Zeremonie, abgehalten von dem Ältesten, der auch an unserer standesamtlichen Trauung teilgenommen hatte.

Man lieh uns traditionelle Kostüme, die mit Federn verziert waren. Unsere Haut und Gesichter wurden mit Farbe bemalt, die aus dem Schlamm und den Mineralien der Insel hergestellt worden war, und wir wurden mit federbesetztem Kopfschmuck gekrönt. Mir wurde gestattet, mir zu diesem Anlass einen antiken Umhang auszuleihen, der über fünf Generationen weitervererbt worden war. Wir wurden barfuß vermählt, so wie wir es uns immer gewünscht hatten, in Kontakt mit der Erde, unserer Erde, und unter freiem Himmel, verbunden mit dem Kosmos. Da wir die Rapanui Sprache nicht kannten, konnten wir kein Wort von der Zeremonie verstehen, aber irgendwie wurde die Bedeutung dennoch klar. Der Zeremonie folgte ein Bankett zu unseren Ehren. Es war ein magisches Erlebnis. Wir werden ewig dankbar sein für die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit, die uns entgegen gebracht worden sind. Es war eine ganz besondere Ehre, das erste Paar zu sein, das im Jahr 2010 auf Rapanui getraut worden war.

Am Dienstagmorgen, unserem letzten Tag auf der Insel, besuchten wir das Museum „El Museo Antropológico Padre Sebastián Englert", wo viele fantastische, und ich möchte hinzufügen irgendwie unerklärliche, Artefakte der Insel untergebracht sind – inklusive einer seltsamen, alienähnlichen, kleinen Moai-Basaltfigur. Dann, wir hatten die Koffer bereits gepackt, ging es zum Flughafen, um den 2:00 Uhr – Flug nach Santiago zu erreichen. In Santiago stiegen wir um in einen Flug nach New York City und von da aus nach Boston, Massachusetts, wo wir am Nachmittag des 6. Januar 2010 wieder zu Hause ankamen.

Es war ein über die Maßen aufregender Trip gewesen, wir waren glücklich, aber erschöpft. Während wir in die Staaten zurückflogen, war ich mir sicher, dass es die Reise wert gewesen war. Katie hatte recht damit gehabt, dass wir die Reise unbedingt machen sollten. Aber erst als wir wieder zurück waren, erkannte ich, wie wichtig die Reise wirklich gewesen war. Nicht nur weil wir an einem der exotischsten Plätze der Welt geheiratet hatten, und zwar in einer echten einheimischen Zeremonie, und nicht nur weil wir archäologische Rätsel eigenhändig erforschen konnten, sondern mir half der 37-stündige Trip auf die Osterinsel, meine Leidenschaft für den Untergang alter Kulturen wieder zu entzünden, die ich seit zwei Jahrzehnten hegte. Das alles kam mir wieder ins Bewusstsein, als wir schon ungefähr zwei Wochen wieder von der Osterinsel zurück waren, und zwar durch eine einfache, aber wichtige Beobachtung, die Katie gemacht hatte.

Eines Abends, als mein Gehirn immer noch in Aufruhr war von all den Dingen, die wir auf der Osterinsel gesehen hatten – und überrascht von den echten Rätslen und enttäuscht von den konventionellen Erklärungen (oder sollte ich sagen: Nicht-Erklärungen) – schlug Katie vor, dass wir ein Video noch mal anschauen sollten mit dem Titel „Symbols of an Alien Sky" (Talbott 2009; s.a. Talbott und Thornhill 2005). Ein Abschnitt des Videos bespricht die Arbeit von Anthony L. Perratt, einem Plasma-Physiker, der für das Los Alamos National Laboratory in New Mexico arbeitet und der sich für alte Felszeichnungen interessierte (Peratt 2003). Ich kannte Perrats Arbeit bereits und hatte ihn viele Jahre zuvor schon einmal bei einer Konferenz getroffen.

Auf den Punkt gebracht (wir werden uns seiner Arbeit in diesem Buch später noch detaillierter widmen), stellte Peratt fest, dass viele Felszeichnungen, die auf der ganzen Welt gefunden wurden, anscheinend die Form wiedergaben, die man bei einer gewaltigen Sonneneruption am Himmel sehen konnte – eine Plasmaentladung (ionisierte Partikel und damit verbundene elektrische und magnetische Phänomene) – und zwar in längst vergangenen Zeiten.

Wenn unsere Sonne uns einen großen Plasmaball entgegenschleudern würde, hätte das direkte Auswirkungen auf die Erde, inklusive allen Lebens darauf, also inklusive der Menschheit, da die Oberfläche des Planeten buchstäblich von der hereinfallenden Elektrizität gebraten werden würde. Heutzutage hat man noch nichts Vergleichbares gesehen, obwohl kleine Plasmaentladungen, auch „Coronal Mass Ejections" (CME) genannt, eine regelmäßige Erscheinung der modernen Sonne sind. Als Geologe war ich jedoch gewahr, dass die Sonne, wenn man in der Zeit zurückgeht, Zeitabschnitte weitaus höherer Aktivitäten besaß, inklusive in der Zeit um das Ende der letzten Eiszeit herum (ca. 9.700 v. Chr.). Peratt und seine Kollegen vermuteten eine riesige Sonneneruption in vergangenen Zeiten, aber gaben dafür kein spezifisches Datum oder präzise Daten an. Sie hatten außerdem eine andere, sehr wichtige Sache nicht beachtet.

Katie’s einfache aber tiefsinnige Beobachtung, während wir die Dokumentation anschauten, war, dass die Rongorongo-Schriftzeichen den Felszeichnungen von Perrat verblüffend ähnlich sahen, von denen er dachte, dass sie Plasmaentladungen und – Gestalten darstellten aufgrund einer gewaltigen Sonneneruption, die man im uralten Himmel gesehen hatte. Könnte das Rongorongo ein Text sein, ein wissenschaftlicher Text, wenn man so will, der die akribischen Details dessen aufzeichnete, was sich vor sehr langer Zeit am Himmel abgespielt hatte? Waren die Osterinsulaner tatsächlich die Bewahrer eines uralten, längst vergessenen Wissens?

Ich wurde fast vom Schlag getroffen, beinahe wie vom Plasma selbst. Viele unabhängige Denkansätze, Themen, die ich jahrelang und jahrzehntelang verfolgt hatte, fügten sich langsam zu einem Gesamtbild zusammen. Meine Arbeit an der Neudatierung der berühmten Sphinx von Ägypten (wird noch in Kapitel 2 diskutiert werden), zeigt, dass Zivilisation und fortschrittliche Kultur sich auf Tausende von Jahren früher datieren lassen, als die konventionellen Archäologen gemeinhin akzeptiert hatten.

Dieselbe Geschichte scheint auch auf die ältesten Moai der Osterinsel zuzutreffen, die möglicherweise Tausende von Jahren älter sind, als allgemein geglaubt wird. Und innerhalb von wenigen Monaten nach dem Besuch auf der Osterinsel befanden sich Katie und ich in der Türkei und besichtigten die unglaublich fortschrittliche und außerdem unglaublich alte (ca. 12.000 Jahre zurückdatierte) Stätte von Göbekli Tepe, die meine Arbeit der Rückdatierung der frühesten Zivilisationen bestätigte und neu anheizte. Aber die Frage war immer noch: Was war einer so alten, untergegangenen Zivilisation passiert? Warum gibt es solch einen Mangel an Beweisen dafür? Innerhalb von Wochen nach unserer Rückkehr und in Gang gesetzt durch Katies Entdeckung, rückte alles, was ich seit so langer Zeit studiert hatte, wieder in den Brennpunkt, jetzt, da sich die Teile langsam zusammenfügten und sich eine neue Geschichte einer sehr alten und längst vergessenen Zivilisation abzeichnete.

Dies ist nicht noch ein Märchen über einen verlorenen Kontinent und technologisch fortgeschrittene Science-Fiction-Wesen, das lose auf einer Überinterpretation einiger wenigen Mythen und Legenden beruht. Dies ist eine Geschichte, die die Beweise der modernen Geologie, Geophysik, Klimatologie, Astrophysik, Archäologie, vergleichenden Mythologie und vielen anderen Wissenschaften verbindet. Wie wir noch sehen werden, drohen die Katastrophen, die sich vor über 10.000 Jahren abgespielt und diese frühe, vergessene Zivilisation ausgerottet haben, sich erneut zu ereignen. Darüber hinaus scheinen diese uralten Völker etwas über die Welt und den Kosmos gewusst zu haben, das seither verloren gegangen ist. Aber wenn wir uns von den Fußfesseln und Scheuklappen der konventionellen Paradigmen und Weltsichten lösen können, wäre es uns vielleicht möglich, dieses essenzielle Wissen erneut zu erlangen.

In diesem Buch werden wir diese und damit zusammenhängende Themen untersuchen. Unsere Geschichte reicht zurück bis zur weit entfernten Vergangenheit und erstreckt sich bis in die Zukunft. Wir müssen die verschiedenen Stränge der Beweise verstehen, die miteinander verwoben eine neue Sicht auf die Ursprünge der Zivilisation, uralter Geschichte, unserer Zukunft und den Kräften des Planeten, auf dem wir leben, ergeben. Dies ist wahrhaft ein riesiges Puzzle mit vielen Teilen. Wir werden mit dem Schlüsselstück beginnen, der geheimnisvollen Sphinx.

2  DIE GROSSE SPHINX

Ich muss gestehen, dass das „Mena House" (benannt zu Ehren des Menes, dem legendären Pharao der Ersten Dynastie eines vereinten Ägyptens), mein bevorzugtes Hotel in der näheren Umgebung von Kairo ist. Ich liebe das Ambiente des 19. Jahrhunderts und seine Geschichte. In einem Land, in dem man von der Geschichte überwältigt wird, ist dies ein Hotel, das selbst eine Menge Geschichte in sich trägt; es ist ein Platz, in dem Könige, Prinzen, Präsidenten, Hollywoodberühmtheiten und Prominente aus allen Bereichen schon abgestiegen sind. Aber mehr als alles andere am Mena House liebe ich die Aussicht von dort. Wenn man das richtige Zimmer bucht und einen eigenen Balkon bekommen kann, hat man einen Ausblick auf die Großen Pyramiden, das einzig überlebende Wunder der Alten Welt.

Das „Mena House" steht in Gizeh (einer eigenen Stadt, die einen Teil des modernen Kairo bildet), nur etwa einen halben Kilometer von den Großen Pyramiden entfernt. Wenn man durch den Toreingang hinausgeht, kann man die stets belebten Straßen bis zu den Pyramiden entlang schlendern. Aber seien Sie vorbereitet auf die Armee der Verkäufer, die sich Ihnen rasch nähern und ihr uraltes Handelsspiel mit Tand und gefälschten Antiquitäten spielen. Wenn Ihnen nicht nach Laufen zumute ist, dann gibt es viele Taxis (Droschken), Kamele oder Pferde zu mieten.

Einst fernab von jeder Siedlung, wurden die Pyramiden von Gizeh am Ende der Sahara erbaut, der scheinbar endlosen Weite einer schönen und unwirtlichen dünenbedeckten Wüste, die sich der Länge nach durch Nordafrika zieht. Ursprünglich war das Mena House eine königliche Unterkunft, die Isma’il Pasha (1830-1895) benutzte, der als ottomanischer Eroberer von Ägypten und dem Sudan von 1863 bis 1879 regierte. Hier rasteten der Herrscher und seine Gäste und ruhten sich aus, wenn sie von einem Jagdausflug in der Wüste zurückkehrten oder die Pyramiden besuchten. Selbstverständlich liegen die Pyramiden heute immer noch am Rande der Sahara (die Wüste hat sich nicht bewegt), aber Straßen kreuzen und umrunden die Pyramiden, die sehr schnell eingemauert und umgeben waren von ihrer stets expandierenden modernen Nachbarschaft, was aber die anwachsende Bevölkerung von Groß-Kairo notwendig machte.

Die Pyramiden, und die Große Pyramide im Besonderen, haben völlig zu Recht ihren Ruf als eines der faszinierendsten Wunder der Alten Welt erhalten. Perfekt ausgerichtet nach den vier Himmelsrichtungen (die Große Pyramide orientiert sich am geografischen Norden mit einer Abweichung, die bis zum späten 19. bzw. frühen 20. Jahrhundert nicht wieder erreicht werden konnte) und gebaut aus mehreren Tonnen schweren Steinblöcken, die mit einer Präzision ausgerichtet sind, die sich jeder einfachen Erklärung widersetzt, bleiben die Pyramiden in mehr als einer Hinsicht ein Rätsel. Moderne Ingenieure und das einfache Volk fragen sich gleichermaßen, wie sie wohl gebaut wurden. Ich selbst interessiere mich sehr stark für die Pyramiden und habe sogar zwei Bücher darüber geschrieben (Schoch und McNally 2003; Schoch und McNally 2005). Aber meine erste große Liebe auf dem Gizeh Plateau ist etwas anderes, etwas ganz in der Nähe: die Große Sphinx.

Die Sphinx und ich

Die Große Sphinx von Ägypten, wahrscheinlich die berühmteste Statue der Welt, hat eine ganz persönliche Bedeutung für mich. Die Sphinx und ich haben eine lange, gemeinsame Geschichte. Mehr als zwanzig Jahre lang hat die Sphinx mich beeinflusst und mein Leben geformt, mich verfolgt und zu mir gesprochen. Ich wurde an das Problem des Alters der Sphinx Ende 1989 vom „unabhängigen Ägyptologen" John Anthony West herangeführt. Er ist möglicherweise am bekanntesten geworden durch seine Studien und Popularisierung der ägyptologischen Arbeit des Philosophen und Mathematikers R. A. Schwaller de Lubicz (1887-1961) und für seinen Reiseführer mit dem Titel The Traveler’s Key to Ancient Egypt (1985).

Schwaller de Lubicz hat praktisch aus dem Stegreif vorgeschlagen, dass die Große Sphinx durch Wasser und nicht durch Wind und Sand erodierte (siehe West 1993). Und West hatte erkannt, dass dies – wenn es wirklich wahr wäre – weitreichende Auswirkungen hätte. Aber wer könnte den Grund für die Verwitterung und Erosion an der Sphinx bestätigen? Natürlich ein Geologe! Also machte sich West auf die Suche nach einem unvoreingenommenen Geologen, der einen kritischen und objektiven Blick auf die Sphinx werfen könnte.

Ein Kollege von mir, ein Englischprofessor, der zufällig in den späten 1980-er Jahren am selben College unterrichtete wie ich, hatte West getroffen, als er in Kairo unterrichtet hatte. Er wusste, dass West auf der Suche nach einem Geologen war, und arrangierte daher einen Vortrag, den West an der Universität halten sollte, und lud mich im Anschluss daran zu einem gemeinsamen Dinner mit West ein. Es bedurfte nur einer einzigen Unterhaltung und er hatte mich am Haken.

Im Sommer darauf reisten West und ich nach Ägypten. Ich begegnete der Sphinx zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht am 17. Juni 1990. Seither bin ich viele Male dorthin zurückgereist, öfter, als ich zählen kann, aber nicht nur, um die Sphinx zu untersuchen, sondern auch um andere uralte Rätsel im Land der Pharaonen zu erforschen.

Es stellte sich heraus, dass das Problem der Verwitterung und Erosion an der Sphinx aus geologischer Sicht recht einfach und unkompliziert war. Nach einigen wenigen Reisen nach Ägypten und intensiven Untersuchungen der Statue und ihrer Umgebung sowie der Sammlung von unterirdischen seismischen Daten mit Geophysiker Thomas Dobecki, war ich überzeugt davon, dass ich meine Ergebnisse der Wissenschaftsgemeinde präsentieren konnte – und auch der gesamten Welt. (erörtert in diesem Kapitel in „Neudatierung der Großen Sphinx" und s.a. Dobecki und Schoch 1992).

Beim jährlichen Treffen der Geological Society of America (GSA) im Oktober 1991, präsentierte ich die Beweise dafür, dass die Ursprünge der Großen Sphinx bis mindestens in das Jahr 7.000 v. Chr. – 5.000 v. Chr. zurückdatiert werden mussten, oder möglicherweise sogar weiter (das war nur zulässig, nachdem eine formelle Kurzdarstellung, die West vorlegte, durch Experten begutachtet und akzeptiert worden war; s.a. Schoch und West 1991).

Ich stellte meine These auf, indem ich wissenschaftliche Analysen benutzte und Erosions- und Wasserabtragungsprofile um die Sphinx herum mit der alten Klimahistorie von Ägypten verglich. Ich wurde sofort von den Medien angegriffen und von institutionellen Archäologen und Ägyptologen scharf kritisiert. Mein Leben war nicht mehr dasselbe nach dieser schicksalhaften Konferenz. Die NBC-Dokumentation „The Mystery of the Sphinx" mit dem verstorbenen Charlton Heston als Moderator, an der ich 1993 teilnahm, beschrieb meine Vor-Ort-Recherche in Ägypten und wurde von Millionen Zuschauern gesehen – sie gewann sogar den Emmy Award. „Sphinx Project 1993", die DVD-Version, die momentan erhältlich ist, wurde neu herausgegeben und enthält ergänzendes/fremdes Material).

Viele Menschen kennen mich, oder glauben, sie kennen mich (oder noch genauer: haben von mir gehört), aufgrund der Kontroverse wegen dem Alter der Sphinx, das meine Nachforschungen ergeben haben. Mir wurde sogar von einer Autorin und Filmemacherin erzählt, dass sie meine Arbeit besser kennt, als ich mich selbst kenne! Sei es, wie es wolle, hier werde ich meine Geschichte über die Sphinx und meine Arbeit mit ihr (für mich ist die Sphinx immer weiblich gewesen), wie ich sie kenne, erzählen. Zuerst jedoch, ein wenig Hintergrundwissen über diese Ikone der Vergangenheit (bezüglich weiterer Informationen über die Sphinx verweise ich auf meine verschiedenen Arbeiten und Bücher, die in den Quellverweisen aufgeführt sind).

Geschichte eines Mysteriums

Bevor wir fortfahren, ist es wichtig, die größeren Zusammenhänge bezüglich der Sphinx zu verstehen, da sich die konventionellen Archäologen schwer darauf stützen, wenn sie die Sphinx datieren. Ihre Beweisführung läuft im Grunde genommen auf Folgendes hinaus: Die Sphinx wird von Anlagen umgeben, die sich auf ca. 2.500 v. Chr. datieren lassen, deshalb muss sie ebenfalls in diesen Zeitraum gehören. Natürlich ist das, wenn man kurz darüber nachdenkt, nicht notwendigerweise wahr. Denken Sie an Rom. Da haben wir eine Stadt, deren Spuren sich in der Geschichte bis in das Jahr 753 v. Chr. zurückverfolgen lassen. Sie beinhaltet prächtige, architektonische Wunder, Statuen und Monumente, die sich über mehr als 2.000 Jahre erstrecken. Stellen Sie sich einmal vor, dass Archäologen in Tausenden von Jahren sowohl das Kolosseum (aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.) als auch die Überreste des Nationaldenkmals von Victor Emmanuel II (aus dem frühen 20. Jahrhundert) finden. Würden Sie daraus wirklich unbekümmert herleiten, dass diese Bauwerke, da sie relativ nahe beieinanderliegen, zusammengehören und daher gleich alt sind?

Zurück nach Ägypten. Die Große Sphinx liegt am östlichen Ende des Gizeh-Plateaus, auch bekannt als das Pyramiden Plateau, an der Westseite des Nils, gegenüber von Kairo. Die Sphinx sitzt südöstlich der Großen Pyramide, die dem Pharao Khufu (Cheops, ca. 2.550 v. Chr.) aus der Vierten Dynastie zugeschrieben wird. Und da diese östlich der zweiten Pyramide liegt, wird diese im Allgemeinen dem Pharao Chafre (Khafra, Chephren, Khephren) zugeschrieben, möglicherweise der Sohn oder Bruder des Khufu. Diese zweite Pyramide ist nur ein wenig kleiner als die Große Pyramide. Eine dritte Hauptpyramide, beträchtlich kleiner ist als die beiden anderen, steht ebenfalls auf dem Gizeh Plateau. Sie wird dem Pharao Menkaura (Mekaure, Mycerinus) zugeschrieben, möglicherweise dem Enkel oder Sohn des Khufu. Daher, gemäß dem Standarddenken der Ägyptologen, gehören alle drei Pyramiden von Gizeh in die Zeit um 2.550 v. Chr. Und laut denselben Ägyptologen gehört die Sphinx auch ganz klar zu den Pyramiden und muss daher gleich alt sein.

Sie berücksichtigen gar nicht die Möglichkeit, dass die Sphinx auch viel älter als die Pyramiden sein könnte – dass diese Stelle genutzt und neu genutzt worden ist, neue Anlagen in der Nähe von viel älteren Bauwerken hinzugefügt worden sind. Oder, sogar noch ketzerischer, könnten die Pyramiden nicht selbst auch falsch datiert worden sein? An dieser Stelle ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass die drei Pyramiden von Gizeh von verschiedenen Forschern, vor allem Robert Bauval (Bauval und Gilbert 1994; s. a. Bauval und Brophy 2011) in Zusammenhang mit dem Gürtel des Orion gebracht worden sind (Orion ist eine Erscheinungsform des ägyptischen Gottes Osiris).

Darüber hinaus betraf der präzise Zusammenhang mit Orion nicht das Ägypten von 2.500 v. Chr., sondern eine viel frühere Zeit – möglicherweise um 10.000 – 12.000 v. Chr. (Bauval und Brophy 2011). Das heißt nicht, dass die Pyramiden selbst physisch so alt sind, sondern dass sie eine sehr alte Zeit kennzeichnen oder ihr ein Denkmal setzen. Dieser unabhängige Beweis extremen Alters auf dem Gizeh Plateau kann meine Schlussfolgerung, dass die Sphinx unglaublich alt ist, nur noch weiter stützen.

Die Große Sphinx ist von wahrlich großer Statur, ungefähr 20 Meter hoch und über siebzig Meter lang (die ursprüngliche Länge der Statue ist schwer feststellbar wegen der vielen Ausbesserungen). Sie ist aus solidem Kalksteinfels herausgearbeitet und schaut nach Osten. Zur Frühjahrs-Tagundnachtgleiche

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