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Der Lügner

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Der Lügner

Länge:
147 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 30, 2014
ISBN:
9783944561196
Format:
Buch

Beschreibung

Carlo Goldonis "Der Lügner" ist eine rasante Komödie rund um den Schelm Lelio, der sich durchs Leben schwindelt. Mithilfe "geistreicher Erfindungen", wie er seine Lügen bezeichnet, verdreht er den Frauen reihenweise den Kopf – er selbst gerät in immer größere Schwierigkeiten …
„Der Lügner“ (für den Goldoni übrigens Corneilles gleichnamiges Stück verwertete) steht, wenn auch nicht ganz am Anfang, so doch noch im ersten Drittel von Goldonis epochaler Theaterreform und dem Bruch mit der Commedia dell'arte.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 30, 2014
ISBN:
9783944561196
Format:
Buch

Über den Autor

Carlo Goldoni was born in Venice in 1707. While studying Law in Pavia he was expelled from his College for having written a satirical tract about the people of Pavia. He continued his legal studies in Modena and finally graduated in Law in Padova. After practising this profession for a short while, he abandoned it in favour of the theatre. An extremely prolific theatrical career followed spanning over sixty years. Goldoni was a prolific playwright, widely regarded as the Italian Molière. He died in Paris in 1793.


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Der Lügner - Carlo Goldoni

Personen

Dottore Balanzoni, Bologneser, Arzt in Venedig

Rosaura und Beatrice, dessen Töchter

Colombina, deren Kammerzofe

Ottavio, ein Cavaliere aus Padua, Liebhaber von Beatrice

Florindo, Bologneser, der Medizin studiert und im Hause des Dottore wohnt;

schüchterner Liebhaber von Rosaura

Brighella, dessen Vertrauter

Pantalone, venezianischer Kaufmann, Vater von Lelio

Lelio, der Lügner

Arlecchino, dessen Diener

Ein Kutscher, Neapolitaner

Ein Laufbursche

Ein Briefträger

Eine Frau, die singt

Musikanten

Kahnfahrer

Gondolieri

Sprich: Balanzóni, Beatrítsche, Ottáwio, Kawaljére, Pantalóne, Arlekkíno.

Ort der Handlung: Venedig

ERSTER AKT, ERSTE SZENE

Nacht mit Mondschein. Eine breite Gasse mit Sicht auf den Canale Grande. Auf der einen Seite das Haus des Dottore mit Balkon. Auf der anderen Seite das Gasthaus mit einem Schild, das einen Adler trägt. Beim Aufgehen, des Vorhangs sieht man einen geräumigen, breiten Kahn, mit rotem Tuch überdacht, der für ein Ständchen illuminiert ist; darin die Musikanten und eine Frau, die singt.

FLORINDO und BRIGHELLA auf der einen Seite der Bühne. ROSAURA und BEATRICE treten auf den Balkon.

FLORINDO: Sieh nur, Brighella, sieh doch nur! Da ist meine liebe Rosaura auf den Balkon getreten, zusammen mit ihrer Schwester Beatrice. Sie hören sich das Ständchen an. Jetzt will ich aber mein Lied singen lassen, um Rosaura meine Liebe zu erklären.

BRIGHELLA: Eine so wunderliche Liebe wie die Eure hab ich mein Lebtag noch nicht gesehen. Euer Gnaden liebt die Signora Rosaura aufs Zärtlichste. Und Ihr wohnt im Hause des Signor Dottore, ihres Herrn Papa, und praktiziert bei ihm die Medizin. Und da hättet Ihr’s doch so bequem, sie anzusprechen, wenn Euch der Sinn danach steht. Aber anstatt den Mund aufzumachen, wollt Ihr Euch mit einem Ständchen erklären, wollt Eure Liebe durch ein Lied gestehen? Werft Eure Zeit doch nicht so nutzlos weg! Sprecht mit ihr, erklärt Euch, hört, wie es um des Mädchens Herz bestellt ist. Und wenn sie Eure Liebe erwidert, könnt Ihr ja immer noch Ständchen bringen lassen, dann werft Ihr Euer Geld wenigstens nicht zum Fenster raus.

FLORINDO: Mein lieber Brighella, ich hab dir’s oft genug gesagt: Mir fehlt der Mut. Ich habe Rosaura herzlich lieb, aber ich weiß nicht, wie ich’s ihr gestehen soll. Glaub mir, wenn ich ihr ins Angesicht hinein sagen müsste, dass ich sie liebe, würde ich vor Scham vergehen.

BRIGHELLA: Dann wollt Ihr also fortfahren in dieser Manier? Leiden und schweigen?

FLORINDO: Geh jetzt zum Kahn hinüber: Man soll mein neues Lied anstimmen.

BRIGHELLA: Verzeiht. In Bologna hab ich Eurem Herrn Vater gedient. Euer Gnaden kenne ich von Geburt an und bin Euch herzlich zugetan. Jetzt diene ich hier in der Stadt freilich einem andern, aber als ich Euch wiedersah, war mir’s, als begegnete ich meinem alten Herrn, und die Zeit, die ich mir für Euch abstehlen kann, verwende ich gern…

FLORINDO: Brighella, wenn du mir wirklich zugetan bist, dann tue, was ich dich heiße: Geh zum Kahn hinüber und sage, dass man singen soll.

BRIGHELLA: Zu Diensten, ganz wie Ihr befehlt.

FLORINDO: Ich ziehe mich hinter das Haus zurück.

BRIGHELLA: Warum in aller Welt wollt Ihr Euch denn zurückziehen?

FLORINDO: Um nicht bemerkt zu werden.

Brighella für sich: Sonderbare Art zu lieben! Was für ein altmodischer junger Mann! Solche Dummköpfe kann man suchen heutzutage! Ab zum Kahn.

FLORINDO: Liebste Rosaura, du mein alles! Du meine einzige Hoffnung! Oh, wüsstest du, wie ich dich liebe! Zieht sich zurück.

Auf dem Kahn wird der Refrain gespielt, und die Frau, ebenfalls auf dem Kahn, singt folgendes venezianische Lied:

Meines Herzens Wonne,

Not und Seligkeit,

Schöner als die Sonne,

Ihr mein Glück und Leid.

Möcht’, o Liebste, ja erklären

All mein Leiden, mein Begehren;

Doch ein ungewisses Zagen,

Weiß nicht, wie ich‘s Euch soll sagen,

Schließt den Mund mir zu.

Bin dann in der Kammer

Ich allein, Ihr weit,

Künd’ ich meinen Jammer

Laut und ungescheut.

Bin ich doch in Eurer Nähe,

End ich wieder nicht mein Wehe.

Denn ein ungewisses Zagen,

Weiß nicht, wie ich’s Euch soll sagen,

Lässt mir keine Ruh’.

Seufzer nur und Tränen,

Wehe, wehe mir,

Ungestilltes Sehnen

Ich im Herzen spür.

Gerne würd’ ich mich verstecken,

Meines Herzens Not zu decken,

Dieses ungewisse Zagen,

Weiß nicht, wie ich’s Euch soll sagen,

Liebe ist‘s allein.

Möchte in Euch dringen,

Bitt um Eure Hand.

Möge doch umschlingen

Uns der Ehe Band!

Wohlan, Schönste, lasst Euch sehen,

Will Euch alles jetzt gestehen;

Doch ein ungewisses Zagen,

Weiß nicht, wie ich’s Euch soll sagen,

Heißt mich stille sein.

Tag und Nächte schmachtend,

Denk ich nur an Euch,

Aller Welt nicht achtend,

Alles ist mir gleich.

Drum, um dieser Not zu wehren,

Liebste, müsst’ ich mich erklären.

Doch ein ungewisses Zagen,

Weiß nicht, wie ich‘s Euch soll sagen,

Macht mich blöd und stumm.

Amor, deine Pfeile

Senk ins Herz ihr ein!

Länger nicht verweile:

Ende meine Pein!

Wieder will von Lieb’ ich künden,

Kann doch keine Worte finden,

Und das ungewisse Zagen,

Weiß nicht, wie ich’s Euch soll sagen,

Macht mich wirr und dumm.

Während des Gesangs treten LELIO und ARLECCHINO aus dem Gasthaus und hören dem Ständchen zu. Nach Beendigung des Liedes spielt die Musik weiter, während der Kahn abfährt.

BRIGHELLA leise zu Florindo: Seid Ihr zufrieden?

FLORINDO: Überaus zufrieden.

BRIGHELLA: War’s gut?

FLORINDO: Es hätte nicht besser sein können.

BRIGHELLA: Aber die Siora1 Rosaura hat keine Ahnung, wer ihr das Ständchen hat bringen lassen.

FLORINDO: Das tut nichts: wenn sie sich nur gefreut hat darüber.

BRIGHELLA: Geht ins Haus, lasst Euch sehen, macht wenigstens eine Andeutung, dass die Aufmerksamkeit von Euer Gnaden kommt.

FLORINDO: Das verhüte der Himmel! Und um ja keinen Verdacht zu erwecken, gehe ich jetzt hier herum, mache einen Bogen und betrete das Haus durch die andere Tür. Komm mit.

BRIGHELLA: Ich folge Euch, wohin Ihr wollt.

FLORINDO: Das ist wahre Liebe. Lieben und schweigen.

Beide ab.

1. In einem Teil seiner Komödien verwendet Goldoni den venezianischen Dialekt. Daher wurden auch in der Übersetzung einige Anredeformen, wie Siór, Sióra, Parón und andere, nicht italienisiert, sondern in der venezianischen Form beibehalten.

ERSTER AKT, ZWEITE SZENE

LELIO, ARLECCHINO, ROSAURA und BEATRICE auf dem Balkon.

LELIO: Was sagst du nun, Arlecchino? Ist es nicht schön hier in Venedig? Zu jeder Jahreszeit hat man sein Vergnügen. Jetzt, wo man nach des Tages Hitze des Nachts Erfrischung sucht, kann man so hübsche Ständchen hören.

ARLECCHINO: Kein Soldo2 ist mir dieses Ständchen wert.

LELIO: Nein? Warum nicht?

ARLECCHINO: Weil ich mir nur die Ständchen lobe, wo gesungen und auch gegessen wird.

LELIO: Arlecchino, sieh dir die beiden Damen an, dort auf dem Balkon. Ich habe sie schon von meinem Zimmerfenster aus beobachtet, und trotz der Abenddämmerung glaubte ich zu bemerken, dass sie hübsch sind.

ARLECCHINO: Für Euer Gnaden sind alle Frauen immer gleich hübsch. Auch die Siora Cleonice3 in Rom hieltet Ihr für ein Juwel, und jetzt habt Ihr sie doch im Stich gelassen.

LELIO: An die kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Aber da diese Damen so lange auf dem Balkon verweilen, scheint mir fast, als seien sie nicht allzu sittenstreng. Ich will mein Glück bei ihnen versuchen.

ARLECCHINO: Wobei sich von selbst versteht, dass Ihr auf vier Worte zehn Lügen sprecht.

LELIO: Unverschämter Flegel!

ARLECCHINO: Ihr tätet besser dran, nach Haus zu gehen, zum Sior Pantalone, Euerm Vater.

LELIO: Er ist auf dem Lande. Wenn er nach Venedig zurückkommt, werde ich zu ihm ziehen.

ARLECCHINO: Und unterdessen wollt Ihr im Gasthaus logieren?

LELIO: Ja, um meine Freiheit zu genießen. Es ist Jahrmarktszeit, lustige Zeit: Zwanzig lange Jahre war ich jetzt fern von meiner lieben Heimatstadt. Sieh doch, wie strahlend schon die beiden Damen im Mondenschein aussehen. Ehe ich mich ihnen nähere, um sie anzusprechen, muss ich erfahren, wer sie sind. Lauf ins Gasthaus, Arlecchino, und erkundige dich bei den Bediensteten, wer sie sind, ob sie schön sind und wie sie heißen.

ARLECCHINO: Um das alles herauszufinden, brauch ich einen Monat.

LELIO: Los, spute dich. Ich warte hier.

ARLECCHINO: Ewig dieses Schnüffeln in anderer Leute Angelegenheiten …

LELIO: Bring mich nicht in Rage, sonst setzt es Prügel.

ARLECCHINO: Ich geh ja schon, um Euch die Mühe zu ersparen. Ab ins Gasthaus.

LELIO: Ich will doch sehen, ob ich mir heute Abend nicht ein neues Abenteuer leisten kann. Geht auf und ab.

ROSAURA: Ihr habt recht, Schwester, das Ständchen hätte gar nicht hübscher sein können.

BEATRICE: Ich meine, hier im Umkreis ist niemand, der eine solche Aufmerksamkeit verdiente, also schmeichle ich mir, dass es wohl uns gegolten haben muss.

ROSAURA: Wenn man bloß wüsste, wem von uns beiden, und wer es bestellt haben mag.

BEATRICE: Irgendein unbekannter Verehrer Eurer Schönheit.

ROSAURA: Oder gar ein heimlicher Bewunderer Eurer Verdienste.

BEATRICE: Ich wüsste wirklich nicht, wem ich das Ständchen zu danken hätte. Signor Ottavio scheint zwar in mich verliebt, aber wenn er es bestellt haben sollte, hätte er sich doch nicht verborgen gehalten.

ROSAURA: Auch ich habe keine Ahnung, wer es gewesen sein könnte. Florindo gewiss nicht. Wie viele Male schon habe ich versucht, ihm ein freundliches Wort zu sagen, er aber hat sich stets als der Liebe abhold gezeigt.

BEATRICE:

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