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Interkulturelles Management im deutsch-französischen Umfeld: Theoretische und empirische Beiträge

Interkulturelles Management im deutsch-französischen Umfeld: Theoretische und empirische Beiträge

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Interkulturelles Management im deutsch-französischen Umfeld: Theoretische und empirische Beiträge

Länge:
472 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 13, 2012
ISBN:
9783946119074
Format:
Buch

Beschreibung

Vorbemerkung:

Dieses Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt, und es geht vom Theoretischen ins Spezifische. Der erste Teil legt den wissenschaftlichen Hintergrund für die Relevanz der Kultur in Geschäftsbeziehungen dar, ohne sich ausschließlich auf den deutsch-französischen Kontext zu beziehen. Die Idee ist, das Ziel dieses Buches zu begründen, mit den Fragen, warum und wie Kultur relevant für die Praxis ist.
Der zweite Teil befasst sich mit verschiedenen Themen, etwa Führung, Ethik, Werbung, Hierarchien, etc. im deutsch-französischen Umfeld. Da jedes Kapitel unabhängig von den anderen verfasst wurde, kommt es zu Überschneidungen in der Darstellung der stützenden theoretischen Basis. Daher werden v.a. die Arbeiten von Hofstede und Trompenaars des öfteren aufgegriffen. Diese Theorien untermauern die Aussagen der Autoren für das jeweilige Thema und werden daher als einleitende theoretische Grundlage präsentiert. Diese Grundlage mag sich demnach teilweise wiederholen und sollte bei einer Beschäftigung mit dem ganzen Buch dementsprechend nicht in jeder Arbeit berücksichtigt werden. Wichtiger bleiben die Abschnitte, die mit dem Kernthema jedes Textes verbunden sind. Teil 2 geht auch vom Allgemeinen ins Spezifische. Die letzten Beiträge behandeln Analysen von spezifischen Situationen, etwa Effekte der Werbung, ein Ländervergleich mit Kamerun, und eine empirische Arbeit zum V.I.E Programm.
Der dritte Teil bereichert und komplementiert die ersten Abschnitte mit einem Beitrag aus der Praxis. Die Deutsch-Französische Beratung München GmbH bringt mehrere Aspekte über Kultur in den Geschäftsbeziehungen, aus der Sicht einer interkulturellen Unternehmensberatung, zusammen.
Diese Struktur folgt einer Kombination aus Theorie und Praxis, die für Unternehmen und Wissenschaftler aufklärende und praktische Inhalte darstellt. Die Wichtigkeit der Kultur in Gesschäftsbeziehungen hervorzuheben und zu begründen ist das Hauptziel dieser Papiere. Die Arbeiten sind in deutscher Sprache verfasst, jeweils mit einem Abstract auf Deutsch und Französisch.

Erick Behar Villegas
Herausgeber:
Freigegeben:
Nov 13, 2012
ISBN:
9783946119074
Format:
Buch

Über den Autor


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Interkulturelles Management im deutsch-französischen Umfeld - Benjamin Ammon

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Vorbemerkung

Dieses Buch ist in drei Abschnitte eingeteilt, und es geht vom Theoretischen ins Spezifische. Der erste Teil legt den wissenschaftlichen Hintergrund für die Relevanz der Kultur in Geschäftsbeziehungen dar, ohne sich ausschließlich auf den deutsch-französischen Kontext zu beziehen. Die Idee ist, das Ziel dieses Buches zu begründen, mit den Fragen,  warum und wie Kultur relevant für die Praxis ist.

Der zweite Teil befasst sich mit verschiedenen Themen, etwa Führung, Ethik, Werbung, Hierarchien, etc. im deutsch-französischen Umfeld. Da jedes Kapitel unabhängig von den anderen verfasst wurde, kommt es zu Überschneidungen in der Darstellung der stützenden theoretischen Basis. Daher werden v.a. die Arbeiten von Hofstede und Trompenaars des Öfteren aufgegriffen. Diese Theorien untermauern die Aussagen der Autoren für das jeweilige Thema und werden daher als einleitende theoretische Grundlage präsentiert. Diese Grundlage mag sich demnach teilweise wiederholen und sollte bei einer Beschäftigung mit dem ganzen Buch dementsprechend nicht in jeder Arbeit berücksichtigt werden. Wichtiger bleiben die Abschnitte, die mit dem Kernthema jedes Textes verbunden sind. Teil 2 geht auch vom Allgemeinen ins Spezifische. Die letzten Beiträge behandeln Analysen von spezifischen Situationen, etwa Effekte der Werbung, ein Ländervergleich mit Kamerun, und eine empirische Arbeit zum V.I.E Programm.

Der dritte Teil bereichert und komplementiert die ersten Abschnitte mit einem Beitrag aus der Praxis. Die Deutsch-Französische Beratung München GmbH bringt mehrere Aspekte über Kultur in den Geschäftsbeziehungen, aus der Sicht einer interkulturellen Unternehmensberatung, zusammen.

Diese Struktur folgt einer Kombination aus Theorie und Praxis, die für Unternehmen und Wissenschaftler aufklärende und praktische Inhalte darstellt. Die Wichtigkeit der Kultur in Geschäftsbeziehungen hervorzuheben und zu begründen ist das Hauptziel dieser Papiere. Die Arbeiten sind in deutscher Sprache verfasst, jeweils mit einem Abstract auf Deutsch und Französisch.

Erick Behar Villegas

Vorwort von Prof. Dr. Thomas Schwartz

Den Einfluss kultureller Besonderheiten auf die Praxis der Führung von Organisationen im Allgemeinen und von Unternehmen im Besonderen leugnen zu wollen hieße, den Blick vor der Wirklichkeit zu verschließen. Kein Unternehmen, das am globalen Markt bestehen will, kann sich solcherart soziokulturelle und organisationstheoretische Blindheit erlauben. Im Gegenteil: Gerade die Kenntnis von und der Respekt vor den Eigenheiten unterschiedlicher kultureller Räume und ihrer Relevanz für gesellschaftliche wie ökonomische Entwicklungen können mit Fug und Recht als Kernkompetenzen und Desiderate eines zeitgemäßen globalen Managements bezeichnet werden und sollten deshalb auch von denjenigen eingefordert werden können, die sich in diesem sozioökonomischen Umfeld in führender Rolle vorfinden.

Solcherart kulturelle Kompetenz beginnt dabei nicht erst im Blick auf Asien, Afrika oder den amerikanischen Doppelkontinent. Vielmehr zeichnen sich bereits im Miteinander unseres immer stärker zusammen wachsenden europäischen Marktes Unterschiede und Differenzierungen ab, die es wahr- und ernst zu nehmen gilt, will man nicht der Gefahr unterliegen, dort, wo im wirtschaftlichen Austauschgeschehen immer noch die größte Wertschöpfung erreicht wird, mithin im europäischen Binnenmarkt, betriebsblind zu werden. Man würde dann auf der Suche nach den ökonomisch relevanten kulturellen Unterschieden der Fernstehenden das Naheliegende unterschlagen bzw. übersehen. Wer aber seine Fähigkeit zur Differenzierung und zur Sensibilität für soziokulturelle Eigenarten der Nachbarn nicht entwickelt, wird schwerlich auf einem anderen Markt nachhaltig erfolgreich sein können, dessen Teilnehmer von wesentlich anderen anthropologischen, mitunter auch ethischen Konzepten geprägt sind als unseren westlich abendländischen.

Von daher war es folgerichtig, in einem wissenschaftlichen Seminar im Rahmen des Master-Studiengangs „Deutsch-Französisches Management", den die Universitäten Rennes (Frankreich) und Augsburg (Deutschland) gemeinsam verantworten, die Unterschiede der Führungskulturen und des Führungsverhaltens in deutschen und französischen Unternehmen genauer zu untersuchen. Die Teilnehmer dieses Seminars, das im Wintersemester 2010/11 in Augsburg abgehalten wurde, überraschte denn auch nicht das Faktum solcher Unterschiede. Diese waren erwartet worden und stellten schließlich den Anlass für dieses Seminar dar.  Wirklich neu war vielmehr die  Profundität der gewärtigten Unterschiede, die sich weder organisationstheoretisch noch soziokulturell zufriedenstellend erklären lassen, sondern Rekurs nehmen auf jahrhundertelang gewachsene kulturelle, philosophische und politische Eigenarten, die auch im Bildungssystem und der Ausbildungskultur der beiden Länder ihren Niederschlag finden.

Angesichts dessen entstand bei den Studierenden das Bedürfnis, weitere Untersuchungen hinsichtlich des Verhältnisses von Kultur und Unternehmenspraxis zu adaptieren und gegebenenfalls diese mit den Ergebnissen ihrer eigenen Studien zu vergleichen. Sodann erschien es sinnvoll, diese grundlegend theoretisch geprägten Untersuchungen noch einmal mit dem Brennglas der konkreten Unternehmenspraxis zu konfrontieren. Wer sich so viel Mühe macht, will seine Resultate nicht für sich behalten. Deswegen war es nicht verwunderlich, dass die Studenten die Idee entwickelten, die Ergebnisse dieses Erkenntnisprozesses schließlich in einem nächsten Schritt im Rahmen einer Veröffentlichung einem größeren Publikum zugänglich machen zu wollen.

Von allem Anfang an hatte der Verein „FAARE e.V."  (Franco-Allemand, Augsburg-Rennes, Economie) die organisatorische Federführung inne. Seinem Vorstands-vorsitzenden, Herrn Erick Behar Villegas, gilt deshalb vor allem meine Wertschätzung und mein Dank. Er hat nicht nur die Mühe auf sich genommen, die Publikation zu koordinieren, sondern jenseits aller ebenso wichtigen wie notwendigen Korrekturarbeiten auch noch einen eigenständigen wissenschaftlichen Beitrag zu verfassen, in dem er aus kulturwissenschaftlicher Sicht die Thematik des Seminars grundzulegen versucht. Ebenso herzlich danken möchte ich aber an dieser Stelle als Herausgeber allen Teilnehmern, die mit Fleiß und Schweiß ihre Seminararbeiten noch einmal überarbeitet haben und sie zur Veröffentlichung in diesem Band freigaben.

Was nun hier vorliegt, ist das Ergebnis studentischer Initiative. Möge sie dem geneigten Leser Nutzen bringen und auch anderen Kommilitonen Mut machen, akademisch mehr leisten zu wollen als das akademisch Notwendige.

Augsburg, im August 2011

Thomas Schwartz

Préface de l’éditeur

Il est impossible de nier, sans obtenir une vue erronée de la réalité, l’influence des particularités culturelles sur l’exercice du pouvoir dans les organisations en général, et dans les entreprises en particulier. Or, aucune entreprise voulant exister sur le marché international ne peut se permettre une telle étroitesse de vue à la fois socioculturelle et organisationnelle. Au contraire, la connaissance et le respect des différentes particularités culturelles de chacun, ainsi que leur pertinence en matière de développement économique et social peuvent, à juste titre, être qualifiés de compétences clefs et de desiderata du management international ; et devraient, pour cette raison, pouvoir être exigés de ceux ayant un rôle de premier plan dans cet environnement socio-économique.

Ce type de compétences culturelles ne commence pas avec l’Asie, l’Afrique ou avec le continent américain. Il s’annonce déjà avec les différences présentes à l’intérieur même de notre marché européen, qui se renforce de jour en jour. Ces différences doivent être prises en compte afin d’éviter le risque de se mettre des œillères au sein même du marché intérieur européen, là où, les échanges commerciaux représentent encore la plus grande partie de la valeur ajoutée. Cela amènerait à ne pas considérer ou à ne pas voir, au cours de l’étude des différences économiques et culturelles  pertinentes, la distance avec ses voisins. Celui qui n’a pas développé ses compétences, ni ne s’est sensibilisé aux spécificités socioculturelles de ses partenaires, aura des difficultés à avoir du succès de façon durable sur un autre marché, dont les intervenants sont empreints d’autres concepts anthropologiques, voire parfois d’autres concepts éthiques que ceux de notre monde occidental.

Pour cette raison, il était logique, d’analyser, au cours d’un séminaire scientifique dans le cadre du master « Management franco-allemand » des universités de Rennes 1 (France) et d’Augsbourg (Allemagne), les différences dans le style de direction entre les entreprises françaises et les entreprises allemandes. Les participants de ce séminaire, qui eut lieu au semestre d’hiver 2010/2011 à Augsbourg ne furent surpris par l’existence de ces différences. Celles-ci étaient attendues et constituaient la raison d’être de ce séminaire.

Ce qui était par contre vraiment nouveau, c’était l’importance des différences actuelles. Or, celles-ci ne peuvent s’expliquer ni de façon organisationnelle, ni de façon socioculturelle, mais nécessitent le recours aux spécificités philosophiques, politiques et culturelles, qui se sont développées depuis des centaines d’années, et qui se répercutent notamment sur les systèmes d’éducation et de formation des deux pays.

Ceci étant établi, apparut chez les étudiants le besoin d’adapter des études existantes en matière de relations entre culture et pratiques d’entreprises, et éventuellement de les comparer avec les résultats de leurs propres études. Ensuite, il apparut utile de confronter une nouvelle fois ces études théoriques aux pratiques concrètes des entreprises. Or, celui qui se donne tant de mal, ne veut garder son résultat pour soi. C’est  pourquoi, il n’est pas surprenant, que se développa chez les étudiants l’idée de vouloir, au travers d’une publication, rendre accessible à un plus grand public le résultat de leurs recherches.

Depuis le début, l’association « Faare e.V » (Franco-Allemand, Augsbourg-Rennes, Economie) est responsable du projet. Pour cette raison, j’adresse à son président, Erick Behar Villegas, mon estime et mes remerciements. Il a assumé non seulement la coordination éditoriale, mais également de tous les aspects importants pour la réussite du projet, tels le travail de correction nécessaire ou la rédaction d’un article scientifique, dans lequel il cherche à fonder la thématique du sujet du point de vue des sciences de la culture. Je voudrais, en tant qu’éditeur, remercier de façon tout aussi chaleureuse tous les participants qui ont consciencieusement retravaillé leur travail et ont autorisé la publication de cet ouvrage.

Celui-ci est ainsi le résultat d’une initiative d’étudiants. Qu’il permette aux lecteurs d’en tirer bénéfice, et encourage d’autres étudiants à vouloir accomplir plus que le simple nécessaire au déroulement de leurs études.

Augsbourg, Août 2011

Thomas Schwartz

Teil 1:

Die Relevanz der Kultur für Geschäftsbeziehungen:

Ein kulturwissenschaftlicher Hintergrund

Zur Relevanz von kulturellen Zusammenhängen in internationalen Geschäftsbeziehungen: Das Zusammenspiel von Philosophie, Soziologie und Business

De la relevance des rapports culturels dans les relations internationales d’entreprise : l’interaction entre la philosophie, la sociologie et les affaires

Von Erick BEHAR VILLEGAS

Abstract

Stärkere sozioökonomische Verflechtungen im Rahmen der Globalisierung bilden einen Kontext in dem die Interkulturalität immer wichtiger wird. Das Verständnis von Kultur in mehreren Dimensionen, anhand von impliziten Inhalten aus der Philosophie, Soziologie und anderen Disziplinen, rückt als Voraussetzung für den Erfolg eines im Ausland tätigen Unternehmen. Denn einie erfolgreiche Kommunikation hängt von dem Umgang mit Zeichensystemen, Bräuchen, Menschen und Situationen ab. Die Inernationales-Management Forschung bestätigt, im Hinblick auf Tochtergesellschaften, Verhanldungen und Vertrauen, dass Kultur ein ausschlaggebendes Element in der heutigen Praxis ist. Eine Reihe von Fallbeispielen (WALMART, Nike, Hallmark, Coca-Cola, Kelloggs) verdeutlichen, dass es nicht ausreicht, eine Kultur zu kennen, sondern sie zu verstehen, um einen Markt zu sichern und eine preiswertere Expansion voranzubringen.

Key Words: Kultur, Interkulturalität, Philosophie, Soziologie, Internationalisierung von Unternehmen

Dans le cadre de la globalisation, une interdépendance socioéconomique toujours plus forte engendre un contexte dans lequel l’inter-culturalité gagne en importance. La compréhension multidimensionnelle de la culture, à travers des contenus implicites provenant du domaine de la philosophie, de la sociologie ou d’autres disciplines, apparaît comme une condition indispensable pour le succès d’une entreprise à l’échelle internationale. Ainsi une communication prospère dépend entre autres de l'usage de systèmes symboliques, des traditions, de l’interaction entre les personnes et des situations données. Les recherches en management international ont montré, au vu des filiales, des négociations et de la confiance dans les affaires, que la connaissance de la culture est une condition sine qua non pour le succès d’une entreprise. Quelques exemples (WALMART, Nike, Hallmark, Coca-Cola, Kelloggs) illustrent qu’il ne suffit pas de connaître une culture mais qu'il faut surtout la comprendre. La clef de voute des affaires se situe donc dans la compréhension de l'autre et peut assurer un marché solide et la réussite d'une expansion à l'internationale. 

Key Words: Culture, Inter-culturalité, Philosophie, Sociologie, Internationalisation d’entreprises

1         Einleitung

Hidden harmony is better than that which is obvious

Heraklit[1]

Gegen Ende der 1970er Jahre stellten zwei Wissenschaftler fest, dass „internationale Konzerne praktisch keine nicht-ökonomischen Daten über Länder und Kulturen berücksichtigten, in welcher sie tätig [waren]" (Münscher, 2010, S.29). Die Kultur sei aber keine bloße begleitende Dimension, die im Geschäftsleben - in Worten von Oscar Wilde - nur als Oberfläche und Symbol gesehen werden kann. Gehlen, Cassirer und andere sahen den Menschen jeweils als Kulturwesen und animal symbolicum (Rehberg, 2001, S.68, und Cassirer, 2009b, S.31). Seine Interaktion, ebenso im Geschäftsleben, sei also durchgehend von kulturellen Aspekten geprägt. Denn Traditionen, Erwartungen und Wertvorstellungen bestimmen den Ablauf von Business-Verhandlungen sowie deren Erfolg oft (Graham und Lam, 2003). Aber wie gelangt man zu einem reichen und zugleich praktischen Verständnis von Kultur für das Geschäftsleben? Welche genaue Relevanz hat Kultur für die Praxis und wie kommt sie zustande?

Bevor diese Fragen beantwortet werden können, muss der akademische Kontext von Kultur in Sicht kommen. Ist sie eine Wissenschaft, ein Konstrukt oder ein bloßes Instrument? Während Cicero in Römischer Zeit sie als Pflege des Geistes verstand (Rehberg, 2001, S.66), erweiterte sich das Verständnisspektrum von Kultur im Laufe der Neuzeit. Freud sah sie als die Grenze zwischen Tieren und Menschen, später wurde sie als Zivilisation verstanden (Huntington, 1993) und heute erscheint sie als eine multidimensionale Realität, die sogar Organisationen prägt (Hofstede, 2011). Das Verständnis von Kultur entwickelte sich im Rahmen einer Multidiszi-plinarität, die heute als Kulturwissenschaften betrachtet werden kann. „Wir betrachten Kulturwissenschaft nicht als eine einheitliche und neue Disziplin, die verbindlich definiert werden könnte, sondern als eine offene Verflechtung von Wissenschaften, die sich zusammengetan haben, um neue Phänomene der Kultur zu untersuchen" (Kittsteiner, 2004, S.9). Getreu dieser Logik setzt diese Arbeit auf die Verflechtung von Philosophie, Soziologie, Management und Politikwissenschaft, um auf die Relevanz von Kultur im Geschäftsleben einzugehen.

Damit soll Kultur definiert werden als „Gesamtheit der erlernten Normen und Werte, des Wissens, der Artefakte, der Sprache und Symbole, die ständig zwischen Menschen einer gemeinsamen Lebensweise ausgetauscht werden" (Rehberg, 2001, S.68). Kultur existiert in diesem Sinne aber auch als Organisationskultur, denn Unternehmen agieren ebenfalls nach Werten, Normen, Wissen und Symbolen. Daher ist Kultur ein multidimensionales Phänomen, das für die Praxis auch so verstanden werden muss. Die Organisationskultur besitzt verschiedene Elemente, die die Handlungen von Mitarbeitern beeinflussen. Johnson (1992), Handy (1993), Miles und Snow (1978) erarbeiteten Modelle und Typologien, um verschiedene Facetten von Organisationskulturen zu erforschen (vgl. Tiwari, 2009. S.49-53). Demnach haben Organisationen ihre eigene Persönlichkeit, die eine Nationalkultur auch beeinflussen kann. Dieser Aspekt wird im Kapitel 3 näher betrachtet.

Für die vorliegende Arbeit sind die Begriffe Interkulturalität, Kulturverständnis und impliziter Inhalt von Bedeutung.

Interkulturalität bezeichnet hier die zwischen Menschen verschiedener Herkunft in verschiedenen kulturellen Dimensionen (Firma, Familie, Staat) stattfindende Interaktion, bei der es zu einer konfliktiven oder konstruktiven Überlappung oder Kombination von Werten, Normen und Erwartungen kommt.

Kulturverständnis ist diejenige Fähigkeit, Kultur als ein multidimensionales, von Zeichensystemen und geschichtlichen Bedingungen geprägtes Gefüge von Handlungen und Vorstellungen, zu begreifen und praktisch um zu setzen. Anders ausgedrückt, ist Kulturverständnis die Fähigkeit, hinter der Oberfläche einer Kultur auch das „nicht-Anschauliche" sehen zu können und daraus eine erfolgreiche Kommunikation zu bewerkstelligen.

Ein impliziter Inhalt wird als eine stillschweigende Erkenntnis verstanden, die im Geschäftsleben für Wirtschaftszwecke benutzt werden kann. Die nächste Abbildung verdeutlicht die Multidimensionalität von Kultur, die Interkulturalität, das Kulturverständnis und die impliziten Inhalte, wie sie in dieser Arbeit behandelt werden.

Abbildung 1 : Das Zusammenspiel von Philosophie, Soziologie... und Business

1.1      Ziel und Aufbau der Arbeit

Um ein tieferes Kulturverständnis zu schaffen, kombiniert diese Arbeit Ansätze der Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie und Management, welche die Relevanz von kulturbezogenen Aspekten im internationalen Geschäftsleben hervorheben. Die Idee ist, implizite Inhalte aus diesen Ansätzen zu ziehen, die für Unternehmen praktisch sein können. Man soll damit beantworten können, welche Relevanz die Kultur für die internationale Geschäftspraxis besitzt und wie davon profitiert werden kann.

Diese Arbeit stützt sich auf die Hypothese, dass es keine weltweit gültigen Prinzipien gibt, welche auf jede Kultur übertragen werden können (Ablehnung der culture-free-Hypothese). Jede Kultur stelle eine andere Welt dar und das Verständnis hiervon sei ein Schlüssel zum Erfolg[2].

Zunächst wird im Kapitel 2 auf die steigende Relevanz von interkulturellen Aspekten im ökonomischen Kontext eingegangen. Im Kapitel 3 werden einige ausgewählte Ansätze der o.g. Disziplinen analysiert, aus denen implizite Inhalte für die Praxis gezogen werden. Im Kapitel 4 werden diese impliziten Inhalte anhand von Forschungsbeiträgen aus dem internationalen Management und Fallbeispielen aus der Praxis komplementiert und verdeutlicht. Diese Beispiele sollen zeigen, ob das Kulturverständnis wirklich stattgefunden hat.

Diese Arbeit kann auf zwei verschiedene Arten gelesen werden: Für den schnellen Leser, der dem Philosophiejargon gegenüber ungeduldig ist, empfiehlt es sich, die Zusammenfas-sungstabellen zu lesen und den vierten Teil komplett zu berücksichtigen.  Für den minutiösen Leser empfehlen sich nicht nur der gesamte Text mit den darin vorgestellten Theorien, sondern auch weitere Lektüren der Originaltexte, die das Kulturverständnis erweitern. Für einen Philosophen oder Soziologen kann beispielsweise die Darstellungsart der Kantischen Philosophie etwas zu vereinfacht und instrumentalisiert erscheinen. Dennoch ist gerade diese Instrumentalisierung das Ziel dieser Arbeit: Der vorliegende Text ist eine hermeneutische (interpretative) Arbeit, welche die Ansätze als Instrumente für die Unternehmenspraxis sieht. Daher sei an dieser Stelle bereits darauf hingewiesen, dass dieser Text die Philosophie und Soziologie ad hoc benutzt, ohne eine philosophische Abhandlung anstreben zu wollen.

2        Der ökonomische Kontext: Warum Interkulturalität immer wichtiger wird.

Globalisierung, Welthandel, wachsende Investitionen, Migration, Internationalisierung, sind unter anderem alles Elemente eines dynamischen länderübergreifenden sozioökonomischen Kontextes der in jedem halbwegs internationalisierten Unternehmen sichtbar wird. Ob Globalisierung negativ ist (Stiglitz, 2003), ob sie einer konkreten ökonomischen Logik folgt (Baldwin und Winters, 2004) oder ob es ein Produkt der Neuzeit ist, wird heutzutage oft diskutiert. Die Tendenzen der ökonomischen Globalisierung sind Millionen Menschen mehr oder minder sichtbar. Globalisierung ist Realität und bringt mit sich einen komplexeren Austausch zwischen diversen Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. „Noch nie in der bisherigen Menschheitsgeschichte waren so viele Menschen bewusst, dass sie wechselseitig und global aufeinander angewiesen sind" (Pries, 2008, S.23). In diesem Kontext wachsender ökonomischen Transaktionen wird die Interkulturalität zu einer latenten Basis jeder Kommunikation, sei es für Geschäfte, politische Beziehungen oder akademische Austausche. Ein Geschäft schließt menschliche Differenzen mit ein und erheischt, was Trompenaars und Woolliams (2003) als „recognize, respect, and reconcile" vorschlagen. Die kulturelle Kommunikation rückt damit als eine Voraussetzung der erfolgreichen Geschäftspraxis in den Vordergrund.

2.1. Ökonomische Tendenzen: Die Basis des kulturellen Austausches

Ein Weltexportwachstum von 14,5% (WTO, 2011), eine Weltmigrantenzahl, die 214 Mio. Menschen übersteigt und 414 Mrd. US $ in Geldsendungen  in die Heimatländer in 2009 (IOM, 2011) - dies sind nur direkte bzw. indirekte Beispiele für das ökonomische Wachstum der letzten Jahrzehnte. Dabei geht es aber auch um steigende Auslandsanteile multinationaler Konzerne (UNCTAD, 2008) und einen steilen Anstieg von länderübergreifenden Fusionen (Coeurdacier et al, 2009). Die folgende Abbildung verdeutlicht dieses rasante Wachstum der Geschäftsbeziehungen durch Direktinvestitionen ins Ausland.

Abbildung 2: Direktinvestitionen in Empfängerland in Mio.US$ (UNCTAD, 2011)[3]

Diese Tendenzen sprechen für einen steigenden kulturellen Austausch in mehreren Dimensionen. Internationale Unternehmensbeziehungen, Studiengänge, Konferenzen, politische Kooperationen und multikulturelle Familien sind, unter anderem, Ausprägungen eines Zyklus, der Kultur und Wirtschaft in einer fortschrittlichen Synergie verbindet. Der UNCTAD-Bericht von 2008 schätzt bereits den Anteil des Umsatzes ausländischen Tochtergesellschaften am Welt-BIP auf 11% (S.20). In diesen relativ sichtbaren Entwicklungen gibt es aber, entsprechend Freud’s Eisbergmodell, eine beachtliche Masse an relativ versteckten Änderungen:

Von den 214 Millionen Migranten sind mehr als die Hälfte Arbeitsmigranten, und gerade diese Wanderung erfolgt im Rahmen von Netzwerken (Pries, 2008, S. 25, 54). Diese Netzwerke können aus Diasporas stammen und damit auch Marktmöglichkeiten schaffen. Die Internationalisierung von Unternehmen erfolgt dazu in sich verändernden Strukturen,

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