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Confronting Capitalism: Der Kapitalismus auf dem Prüfstand Seine 14 Mängel - und wie wir sie beheben können

Confronting Capitalism: Der Kapitalismus auf dem Prüfstand Seine 14 Mängel - und wie wir sie beheben können

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Confronting Capitalism: Der Kapitalismus auf dem Prüfstand Seine 14 Mängel - und wie wir sie beheben können

Länge:
345 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 15, 2016
ISBN:
9783864703775
Format:
Buch

Beschreibung

1989: Der Kommunismus ist tot, der Kapitalismus hat sich als das überlegene System erwiesen. 2008: Die Wall Street bringt die Weltwirtschaft an den Rand des Zusammenbruchs. 2015: Wir können nicht mehr die Augen vor gravierenden ökonomischen Problemen verschließen. Philip Kotler schaut ganz genau hin. In seinem neuen Buch legt er den Finger in die Wunden des Kapitalismus. Er identifiziert und analysiert insgesamt 14 strukturelle Mängel: zunehmende Armut, wachsende Ungleichheit, Jobverlust durch Automatisierung, Umweltzerstörung, Profi torientierung, …
Kotler zeigt, woran der Kapitalismus krankt – und welche Maßnahmen wir ergreifen müssen, um "das beste aller Wirtschaftssysteme" wieder zukunftsfähig zu machen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jun 15, 2016
ISBN:
9783864703775
Format:
Buch

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Confronting Capitalism - Philip Kotler

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1

Das Problem anhaltender Armut

Keine Gesellschaft kann wahrhaftig gedeihen und glücklich sein, wenn der weitaus größte Teil ihrer Mitglieder in Armut und Elend lebt.

– Adam Smith, »Der Wohlstand der Nationen«

Armut gehört zu den hartnäckigsten und beschämendsten Problemen der Menschheit. Heute sind fünf der sieben Milliarden Erdbewohner arm oder extrem arm. Sie leiden Hunger. Sie haben keine Kraft oder keine Zeit für eine Ausbildung. Sie sind anfällig für Krankheiten, da sie kaum oder gar keinen Zugang zu ärztlicher Versorgung haben. Sie haben häufig mehr Kinder, als sie ernähren können, was zur Bildung einer Klasse der Armen und einer Kultur der Armut führt. Ihre hoffnungslose Lage führt einige in die Kriminalität, zu harten Drogen und bewaffneten Auseinandersetzungen. Somit gehen die Kosten der Armut weit über die Kosten hinaus, die die Armen selbst tragen müssen. Die Armut gießt ihr Gift über die gesamte Menschheit aus.

Bis zum 19. Jahrhundert wurden die Armen kaum beachtet. Armut wurde als unvermeidlich angesehen. Regierungen und Weltverbesserer konnten wenig dagegen tun. Die industrielle Revolution verschärfte das Problem noch, da sie arme Landbewohner, die Arbeit suchten, in die Städte lockte, was zur Einrichtung von Barackensiedlungen und Armenhäusern führte. Die fünf schlimmsten Slums der Welt sind heute Dharavi in Mumbai, Orangi in Pakistan, Kibera in Nairobi und die Favelas in Rio de Janeiro.

Die Not der Armen drang im 19. Jahrhundert mit der Veröffentlichung von »Oliver Twist« stärker ins öffentliche Bewusstsein. In diesem Buch schilderte Charles Dickens sehr anschaulich die Lebensbedingungen und die Ausbeutung der Armen. Um die Jahrhundertwende begannen sorgfältige und wohlmeinende Forscher, in Großbritannien zum Beispiel Beatrice und Sidney Webb, die Zahl der Armen zu erfassen und über ihre Not zu berichten.

Die Idee zu staatlichen Programmen zur Bekämpfung der Armut kam im 19. Jahrhundert auf und ist auch in unserer heutigen Zeit noch aktuell, in der ein Sechstel der Weltbevölkerung weniger als einen Dollar pro Tag verdient. (Weitere zwei Milliarden der sieben Milliarden Menschen verdienen weniger als zwei Dollar pro Tag.) US-Präsident Lyndon Johnson erklärte der Armut Mitte der 1960er-Jahre den »bedingungslosen Krieg«. Er unterstützte eine aufgeklärte Gesetzgebung, um die Armut in den Vereinigten Staaten zu verringern. Dazu gehörten medizinische Versorgung für Bedürftige (Medicaid), die Arbeitslosenversicherung, das Bildungsprogramm Head Start und viele weitere Fördermaßnahmen. 1975 wurde der »Earned Income Tax Credit« (EITC) eingeführt, durch den bedürftige Erwerbstätige einen Teil ihrer Einkommens- und Lohnsteuer zurückerstattet bekommen. Für Familien mit einem Kind beträgt die EITC-Gutschrift im Durchschnitt 3.000 Dollar, für Familien mit drei oder mehr Kindern 6.000 Dollar.

Schließlich haben die Vereinten Nationen im Jahr 2000 einen multilateralen Plan zur Verringerung der weltweiten Armut erstellt. In den Millennium Development Goals (MDG) haben sie acht Ziele und dazu 18 Sollvorgaben formuliert, um die Armut bis 2015 erheblich zu verringern. Vorgabe 1 verlangte, die Anzahl der Menschen, die weniger als einen Dollar pro Tag verdienen, von 1990 bis 2015 um die Hälfte zu reduzieren. Andere Ziele bestanden darin, weltweit für eine grundlegende Schulbildung zu sorgen, die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern, die Kindersterblichkeit zu verringern, die Gesundheit von Müttern zu verbessern, AIDS, Malaria und andere Seuchen zu bekämpfen, den Umweltschutz zu fördern und globale Partnerschaften für die Entwicklung aufzubauen. Die Ziele waren hoch gesteckt, und angesichts der 2008 einsetzenden großen Rezession, der steigenden Nahrungs- und Energiekosten und der fortgesetzten bewaffneten Konflikte in aller Welt ist es nicht wahrscheinlich, dass alle erreicht werden. Weltpolitiker fordern von den Vereinten Nationen jetzt, ehrgeizigere Maßnahmen gegen extreme Armut, Hunger und Seuchen zu ergreifen und im Jahr 2015 die nächsten Ziele zur Bekämpfung der Armut zu verabschieden.

Ursachen der Armut

Fachleute haben verschiedene Theorien über die Ursachen der Armut aufgestellt und unterschiedliche Maßnahmen zur Lösung des Problems verfochten. Hierbei sehen einige Experten eine einzige Hauptursache für die Armut, während für andere viele Faktoren eine Rolle spielen.

Die simpelste Theorie besagt, dass die Armen ihre Situation selbst verschuldet haben. Viele Arme haben sich in der Schule nicht angestrengt, etwas zu lernen, sind früh von der Schule abgegangen, haben sich als ungelernte Arbeiter durchgeschlagen, einen Teil ihres Einkommens für Alkohol, Drogen und Glücksspiele verschwendet, zu früh geheiratet und mehr Kinder in die Welt gesetzt, als sie ernähren konnten. Diese Kinder wiederum haben dieselbe gleichgültige Haltung gegenüber Schule und Ausbildung. Oft brechen ihre Ehen auseinander. Einige von denen, die ihre Arbeit verlieren, leben lieber von Hilfeleistungen wie Medicaid, Wohngeld, Lebensmittelkarten und Berufsunfähigkeitsrenten, als Arbeiten im Niedriglohnbereich anzunehmen. Die Lösung bestünde demnach darin, entweder eine Möglichkeit zu finden, die Haltung und das Verhalten dieser Menschen zu ändern, oder sie in ihrem ärmlichen Zustand zu belassen. Es gibt jedoch deutliche Belege dafür, dass die meisten Armen willens und bereit sind, ihren kärglichen Bedingungen zu entfliehen, wenn sie Arbeit und ein menschenwürdiges Obdach finden können.

Nach einer anderen Theorie resultiert Armut daraus, dass die Armen zu viele Kinder haben. Jedes neue Kind macht eine arme Familie ärmer. Verfechter dieser Theorie gehen noch weiter und erklären, die Erde habe nur eine begrenzte »Bevölkerungskapazität« und die vorhandenen Ressourcen und Nahrungsmittel würden keinen angemessenen Lebensstandard für sieben Milliarden Menschen erlauben, geschweige denn für die neun Milliarden, die für 2050 erwartet werden.¹ Die Bodenerosion hat in den letzten 40 Jahren 30 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche weltweit unfruchtbar gemacht. Die Landwirtschaft verbraucht heute 70 Prozent des Süßwassers der Welt. Durch den Klimawandel und die dadurch verursachte Hitze und Trockenheit verringern sich die Ernteerträge alle zehn Jahre um zwei Prozent. Die Frage ist also, wie man auf weniger Ackerland mit weniger Wasser mehr Nahrung anbauen kann.

Nach dieser Theorie besteht das Problem der Armut aufgrund der Überbevölkerung fort. Dies ist eine Variante der Behauptung, die Thomas Malthus im 18. Jahrhundert aufstellte und nach der das Bevölkerungswachstum früher oder später die Wachstumsrate der Nahrungsmittelversorgung überschreitet, woraus Hungersnöte, Kriege und fortgesetzte Armut folgen.² Die moderne Version dieser Ansicht wurde 1972 in dem Buch »Die Grenzen des Wachstums« von Donella H. Meadows und Dennis L. Meadows (mit Jørgen Randers und William W. Behrens III.) veröffentlicht.³ Aus dieser Theorie folgt die Lösung, dass die Armut abflauen würde, wenn arme Familien die Anzahl ihrer Kinder freiwillig oder aufgrund gesetzlicher Vorschriften beschränken würden. China hat den letzteren Weg eingeschlagen und verbietet Familien grundsätzlich, mehr als ein Kind zu haben. Es gibt zwar Ausnahmen von dieser Richtlinie, aber es wird geschätzt, dass in China von 1979 bis 2009 ungefähr 200 Millionen Geburten verhindert wurden. Dies war sicherlich ein wichtiger Faktor dafür, dass China die Anzahl armer Familien erheblich verringern konnte.

Eine dritte Theorie besagt, dass die Armut fortbesteht, weil die Armen kein nennenswertes Eigentum oder Kapital haben, gegen das sie Geld leihen könnten. Es mangelt ihnen an handelbaren Gütern. Diese Theorie wurde von dem sehr angesehenen, aber umstrittenen peruanischen Wirtschaftswissenschaftler Hernando de Soto in seinem Buch »Freiheit für das Kapital! Warum der Kapitalismus nicht weltweit funktioniert« (Rowohlt, 2002) vorgestellt. De Soto sagt, dass Immobilien zusammen mit klaren und gesellschaftlich anerkannten Eigentumsregeln die wahre Quelle des Wohlstands sind. Grundbesitz kann eingesetzt werden, um ein Darlehen oder eine Hypothek aufzunehmen, eine Versicherung abzuschließen oder Wertpapiere und andere Dinge zu erwerben, die im Kapitalismus so erfolgreich wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand produzieren. Allerdings, so argumentiert de Soto, funktioniert der Kapitalismus in armen Gemeinschaften und Ländern nicht, weil die Finanzinstitute die Güter der Armen nicht anerkennen.

Die Armen haben zwar viele Güter (Land, Häuser, Unternehmen), die aber rechtlich nicht gesichert und ihnen eher informell zugeordnet sind. Das Rechtssystem berücksichtigt diese Umstände noch nicht. Solche Güter legal zu machen (die Menschen ordnungsgemäß zu Besitzern der Häuser zu machen, die Unternehmen zu registrieren und so weiter), ist unerschwinglich und zeitaufwendig, sodass diese Liegenschaften als »totes Kapital« enden. Die Armen können ihre Güter nicht nutzen, um Kredite aufzunehmen und damit die normalen Finanzinstrumente des Kapitalismus zu erwerben, die ihnen einen Aufstieg ermöglichen würden. Da die Güter nicht anerkannt werden, führen sie zu einer außergesetzlichen Lebensweise innerhalb der informellen gesellschaftlichen Kreise. Für Hernando de Soto besteht die einzige Lösung darin, das Rechtssystem zu zwingen, die Monetisierung solcher Güter zuzulassen, damit das tote Kapital zum Leben erwacht.

Nach einer weiteren Theorie liegt die Schuld an der Armut bei der Gier der herrschenden Elite. Ausgangspunkt dieser Theorie ist die Unterscheidung zwischen Wirtschaftswachstum und wirtschaftlicher Entwicklung: Es kann Wirtschaftswachstum ohne wirtschaftliche Entwicklung geben. Wirtschaftswachstum ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für wirtschaftliche Entwicklung. Es bedeutet lediglich, dass der Kuchen (das Bruttoinlandsprodukt) größer geworden ist, aber es sagt nichts darüber aus, wie er verteilt wird.

Die wirtschaftliche Entwicklung unterscheidet sich vom Wachstum, da es hierbei darum geht, ob sich der Lebensstandard eines Durchschnittsbürgers verbessert und ob er eine größere Wahlfreiheit hat. Gemessen werden kann die wirtschaftliche Entwicklung mit dem Index des menschlichen Entwicklungsstands (Human Development Index, HDI). Der HDI berücksichtigt die Lese- und Schreibfähigkeit, die Gleichstellung der Geschlechter und die Lebenserwartung, die alle einen Einfluss auf die Produktivität haben und zu einer Steigerung des Wirtschaftswachstums führen können. Wirtschaftliche Entwicklung impliziert ein gesteigertes Realeinkommen für die meisten Familien. Sie hebt den Lebensstandard und versorgt die Bürger mit Arbeit und Obdach; sie verbessert das Leben, ohne dafür die Bedürfnisse der nächsten Generationen zu opfern. Beim Wirtschaftswachstum dagegen bleiben die Fragen der Erschöpfung natürlicher Ressourcen, der Umweltverschmutzung und der globalen Erwärmung

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