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Der Super Krimi Koffer August 2016: 1000 Seiten Thriller Spannung
Der Super Krimi Koffer August 2016: 1000 Seiten Thriller Spannung
Der Super Krimi Koffer August 2016: 1000 Seiten Thriller Spannung
eBook1.410 Seiten15 Stunden

Der Super Krimi Koffer August 2016: 1000 Seiten Thriller Spannung

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Über dieses E-Book

Der Super Krimi Koffer August 2016

von Alfred Bekker, Uwe Erichsen & A.F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 1045 Taschenbuchseiten.

Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Dieses Buch enthält folgende acht Krimis:

Uwe Erichsen: Der Wolf von Cleveland

Alfred Bekker: Der Sniper von Berlin

Alfred Bekker: Mörder-Chip

A. F. Morland: Drei Tage bis zur Katastrophe

Alfred Bekker: Schweigen ist Silber, Rache ist Gold

A. F. Morland: Guten Rutsch ins Fiasko

Alfred Bekker: Road Killer

A. F. Morland: Heiße Takte für Belinda

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum28. Aug. 2018
ISBN9781533789501
Der Super Krimi Koffer August 2016: 1000 Seiten Thriller Spannung
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Der Super Krimi Koffer August 2016 - Alfred Bekker

    Der Super Krimi Koffer  August 2016

    von Alfred Bekker, Uwe Erichsen & A.F. Morland

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 1045 Taschenbuchseiten.

    Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

    Dieses Buch enthält folgende acht Krimis:

    Uwe Erichsen: Der Wolf von Cleveland

    Alfred Bekker: Der Sniper von Berlin

    Alfred Bekker: Mörder-Chip

    A. F. Morland: Drei Tage bis zur Katastrophe

    Alfred Bekker: Schweigen ist Silber, Rache ist Gold

    A. F. Morland: Guten Rutsch ins Fiasko

    Alfred Bekker: Road Killer

    A. F. Morland: Heiße Takte für Belinda

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Authors

    © dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Der Wolf von Cleveland

    VON UWE ERICHSEN

    Mafia-Jäger Roberto Tardelli übernimmt in Cleveland einen besonders haarigen Auftrag, der ihn tief in das Innere der „Familie" des Paten Sergio Tucci eindringen lässt. Es gilt, zwei unschuldige Liebende zu retten und sie aus den Klauen des Mobs zu befreien. Tardelli ist aufs Äußerste gefordert. Er arbeitet undercover und nutzt seine vielseitigen Fähigkeiten, um wertvolle Informationen zu erlangen, zum Beispiel von der Frau, die anscheinend die Witwe eines korrupten Polizisten ist ... Doch dann gerät Roberto in äußerste Gefahr, denn die Killer von Don Sergio sind ausgekocht und mit allen Wassern gewaschen.

    1

    Roberto Tardelli rangierte den gemieteten Plymouth Fury sorgsam zwischen einen Müllhaufen und einen schrottreifen Kleinlaster. Als er den Motor abstellte, erloschen auch die Scheinwerfer. Nur die kleinen Positionslichter erzeugten schwache Reflexe auf dem feuchten Asphalt und in der Ladentür des vergammelten Lasters.

    Roberto spähte über die Straße. Der zurückgezogene Platz vor einem flachen Ziegelbau wurde von ein paar altertümlichen Zapfsäulen eingenommen. Die Leuchtstoffröhre in dem Transparent mit dem Wort geöffnet1 flackerte unruhig. Das Schild war nicht dazu angetan, einen zufällig Vorbeifahrenden zum Anhalten und Tanken zu veranlassen.

    Das Tor in dem flachen Ziegelbau hinter der Tankstelle war geöffnet.

    In der Halle brannten Lampen. Roberto erkannte einige aufgebockte Wagen und einen Mann, der unter einem verbeulten Ford lag. Grellblau blitzte die Flamme eines Schweißbrenners.

    Der Mann hatte große Füße, einen dicken Bauch und graue Haare. Er hieß Pete Holland. Ihm gehörte die Tankstelle mit der angeschlossenen Werkstatt. Roberto wusste eine Menge über diesen Holland, auch, dass er allem Anschein nach nichts mit dem Mob von Cleveland zu tun hatte. Robertos Interesse galt jedoch weniger dem Boss dieser kleinen Garage, sondern mehr seinem einzigen Angestellten.

    Roberto hatte lange gebraucht, um den Burschen zu finden. Das heißt, gefunden hatte er ihn noch nicht. Nur den Ort, wo er sich die meiste Zeit aufhalten sollte. In Holland’s Garage, wo er arbeitete. Deshalb wunderte sich Roberto, weil er nur den behäbigen grauhaarigen Mann sehen konnte, der unter dem Ford lag und sich abmühte, um der Kiste einen neuen Auspufftopf zu verpassen.

    Roberto schaltete auch die Standlichter aus, als ein Wagen in die Hunthill Road einbog. Roberto duckte sich tiefer im Sitz zusammen, als die grellen Lichtfinger das Innere des Plymouth’ erhellten.

    Der fremde Wagen zog vorbei. Roberto verdrehte den Kopf. Er konnte das Kennzeichen nicht ganz erkennen, nur die ersten Zahlen. Bei dem Wagen handelte es sich um einen Chrysler.

    Roberto stieß die Tür auf. Feucht kalte Luft schlug ihm entgegen und ließ ihn frösteln. Rasch überquerte er die Straße. Sie lag in Euclid, Ohio, einer Industriestadt von gut zweihunderttausend Einwohnern, die dennoch nur ein Vorort von Cleveland war und von Don Sergio Tucci beherrscht wurde.

    Roberto ging um eine schillernde Ölpfütze herum und blieb dann auf der Schiene des Schiebetores stehen. Er sah die Beine und die großen Füße unter dem Wagen hervorschauen. Roberto wartete, bis der Mann den Schweißbrenner absetzte.

    „Hallo!", sagte er laut.

    Pete Holland kroch unter dem Ford hervor. Er schob die Schutzbrille auf seine schmutzige Stirn und betrachtete Roberto Tardelli, der schlank und hochaufgerichtet vor ihm stand.

    „Ja, Mister?", fragte er mürrisch. Irgendetwas signalisierte ihm, dass er in seinem Besucher keinen Kunden vor sich hatte.

    „Ich möchte mit Timmy sprechen", sagte Roberto.

    Holland hob die Brauen. Er wollte sich aufrichten. Roberto machte einen schnellen Schritt auf den Mann zu.

    Der Schritt hatte etwas Drohendes an sich, und Holland ließ sich zurücksinken. Roberto sah auf den Mann hinab. In seinem schmalen, dunklen Gesicht zuckte kein Muskel. Er hasste es, anderen Menschen Angst einzujagen, und manchmal verachtete er sich dafür.

    „Was wollen Sie von Timmy?", fragte Holland dennoch. Er ließ sich nicht so leicht einschüchtern. Er hielt immer noch den Schneidbrenner in der Hand.

    Die kleine Flamme zischte leise.

    „Das werde ich ihm sagen, wenn ich ihn sehe, Mr. Holland", antwortete der Mafia-Jäger kühl. Holland weiß Bescheid, schoss es durch seinen Kopf. Er weiß, wer Timmys Bruder ist ...

    Vom See strich ein kalter Wind herauf. Er trieb ein paar nasse Zeitungen vor sich her und klatschte sie irgendwo gegen eine Mauer. Im Haus nebenan wurde ein Fenster geöffnet. Laute Musik wehte heraus. Roberto entschloss sich, der Sache ein Ende zu machen.

    „Bob Eaton hat mir erzählt, dass Timmy bei Ihnen arbeitet", sagte er.

    Pete Holland glaubte ihm nicht. Wie ein großer, hilfloser Käfer lag er auf dem Rücken.

    „Der Junge ist krank, sagte Holland. „Kommen Sie morgen wieder.'

    Robertos Magen zog sich ganz leicht zusammen. Waren ihm Don Sergios Hitmen zuvorgekommen? Verdammt, dachte er mit einem Gefühl der Verzweiflung. Ich kann doch nicht überall zugleich sein! Aber das war sein Krieg. Der Ein-Mann-Krieg, der nur deshalb so erfolgreich war, weil er allein kämpfte.

    „Was ist passiert?"

    „Ihm ist ein Kofferraumdeckel auf die Hand gefallen. Das ist alles. Kommen Sie morgen wieder, Mister. Hollands Stimme klang flehend. „Timmy ist nicht hier. Sehen Sie sich um. Ich weiß nicht, wo er steckt. Er ist zum Arzt gegangen ... Roberto nickte. „Gut, ich komme wieder. Bevor er ging, sagte er noch: „Seien Sie vorsichtig, Mr. Holland. Er schob die Hände in die Taschen der Parka, die er über seinem Jackett trug. Er wandte sich sofort nach links, als er aus dem Lichtschein der Tankstelle heraus war. Dort presste er seinen Rücken sogleich gegen die schmutzig rote Ziegelmauer eines alten Mietshauses. Er zählte langsam bis dreißig, dann lief er lautlos zurück.

    Der Schweißbrenner lag dort, wo Holland eben am Boden gelegen hatte. Roberto sah zu der kleinen Glaskabine hinüber, wo er durch die schmutzige Scheibe hindurch das Wandtelefon erkennen konnte. Der Hörer lag auf der Gabel.

    Roberto schob sich in die Werkstatt hinein. Im Hintergrund war es dunkel. Dort standen die Regale mit den noch brauchbaren Teilen ausgeschlachteter Fahrzeuge. Es musste aber noch mehr Türen geben. Zu den Toiletten, zum Hof. Roberto konzentrierte sich auf den Hintergrund. Deshalb war er einigermaßen überrascht, als er auf der rechten Seite eine Tür erkannte.

    Die Tür verband die Garage mit dem Nachbarhaus. Von außen war nicht zu erkennen gewesen, dass die beiden Gebäude zusammengehörten. Vielleicht besaß Pete Holland mehrere Häuser.

    Roberto drückte die Tür auf. Er blickte in einen schwach beleuchteten Flur. Am Ende erkannte er den Absatz einer Treppe, die in die oberen Stockwerke führte. Mit drei, vier langen Sätzen war er unter der Treppe, wo er sich zwischen stinkenden Mülleimern und den verbogenen Gerippen alter Fahrräder und Kinderwagen niederkauerte.

    Er hörte die unbestimmbaren Geräusche eines bewohnten Hauses. Kinder plärrten, Radios und Fernsehapparate dröhnten. Irgendwo weiter oben knallten Schritte über die hölzernen Stufen, eine Tür schlug ins Schloss. Eine Frauenstimme kreischte, ein Mann brüllte dazwischen.

    Wieder wurden Schritte laut. Roberto spitzte die Ohren. Es waren die Schritte eines schweren Mannes. Roberto zählte die Treppenabsätze, die der Mann zurücklegte. Dann spähte er vorsichtig um die Treppenwange herum.

    Richtig, es war Pete Holland, der von oben herabkam und der jetzt eilig in seine Werkstatt zurückkehrte.

    Roberto hetzte die Stufen hinauf. Im dritten Stock suchte er die Türen ab, die auf den Flur mündeten. Es waren insgesamt acht. An sechs Türen hingen Karten oder kleine Metallschilder mit den Namen der Mieter. Roberto fand keinen Hinweis auf Timmy. Was kein Wunder war.

    Denn Timmy versteckte sich, seit seinem Bruder aus der Stadt verschwunden war und Don Sergios Bluthunde Jagd auf ihn machten. Das hatte Bob Eaton Roberto erzählt. Eaton hatte Timmy den Job bei Pete Holland besorgt.

    Robertos Interesse konzentrierte sich auf die beiden Türen, die keine Namensschildchen trugen. Er probierte den Knauf der ersten Tür. Als er sie verschlossen fand, klopfte er und presste sein Ohr gegen das Türblatt.

    Als sich niemand sehen ließ und er kein Geräusch vernehmen konnte, wandte er sich der anderen Tür zu.

    Er klopfte, lauschte und wartete.

    Er hörte leichte Schritte. Und dann eine Stimme. „Mr. Holland?"

    „Ja", sagte Roberto mit gesenkter Stimme.

    Die Tür ging auf. Im Rahmen stand ein junger Bursche. Er hatte flammendrotes Haar und hellblaue Augen. Die Augen zuckten, als sie Roberto erblickten. Er wollte die Tür wieder ins Schloss schmettern.

    Roberto hatte seinen Fuß jedoch rechtzeitig in den Spalt geschoben. Das Holz knackte. Roberto drückte gegen die Tür. Der Junge stemmte auf der anderen Seite seine Schulter dagegen.

    „Sei vernünftig, Timmy!, raunte Roberto. „Ich will mit dir reden! Nur reden!

    „Gehen Sie! Ich will mit niemandem reden!"

    „Auch nicht über Alan?"

    Der Gegendruck ließ plötzlich nach, und Roberto schoss durch die Tür.

    Er stolperte über einen Fuß. Der rothaarige Bursche hielt einen Knüppel in der Hand, der neben der Tür gestanden haben musste. Das runde Holz fuhr durch die Luft. Roberto prallte gegen einen leichten Garderobenschrank, wirbelte herum.

    Er duckte sich. Mit dem aufgestellten linken Unterarm blockte er den Hieb ab. Das Handgelenk des Burschen knallte gegen Robertos Unterarm. Roberto stieß den Knüppel mit der anderen Hand zur Seite, dann rammte er dem Rothaarigen die Schulter gegen den Brustkorb und schleuderte ihn gegen die Wand. Timmy keuchte, seine Augen weiteten sich, und er riss den Mund auf zu einem Schrei.

    Blitzschnell presste Roberto seine Hand über den Mund. „Willst du die ganze Umgebung auf dich aufmerksam machen?, fauchte er. „Sei jetzt vernünftig! Vielleicht liegt es nur an dir, ob Alan mit dem Leben davonkommt, wenn er überhaupt eine Chance hat!

    2

    TIMMYS AUGEN WAREN blau wie die Gasflamme des Schweißbrenners unten in der Werkstatt. Erst jetzt sah Roberto den dicken weißen Verband, der Timmys linke Hand schmückte.

    Der Junge hatte sie in einer abwehrenden Geste gehoben. Als Roberto von Timmy abließ, presste sie der Junge gegen seine Brust. Er hatte Schmerzen.

    Roberto vergewisserte sich, dass die Tür fest geschlossen war. „Hast du Schmerzen?", fragte er.

    „Was interessiert Sie das?", schnappte der Rothaarige.

    „Es interessiert mich nur, falls die Verletzung nicht durch einen Unfall entstanden ist."

    „Es war ein Unfall. Timmy schnaufte. Er starrte Roberto hasserfüllt an. „Wenn Sie von mir wissen wollen, wo Alan ist, verschwenden Sie nur Ihre Zeit. Ich weiß es auch nicht, und es interessiert mich auch nicht. Weder, was er macht, noch wo er steckt. Ich habe ihm damals schon gesagt, er soll sich nicht mit ... euch einlassen.

    „Mit uns?"

    „Ja! Mit euch! Mit euch Mafia-Banditen! Timmy krümmte sich zusammen. „Wie konnte er nur auf dieses ... dieses Miststück hereinfallen, dieses Luder!

    „Er hat sich in sie verliebt, Timmy, sagte Roberto. „Das musst du doch verstehen. Warst du noch nie verliebt?

    „Doch ..."

    „Er hat nicht gewusst, mit wem er sich einließ." Vielleicht hat er’s auch nicht wissen wollen, dachte Roberto.

    „Mr. Eaton hat ihm gesagt, was das für Leute sind! He, wie reden Sie denn? Wer sind Sie überhaupt?"

    „Ich gehöre nicht zu denen, die du meinst, Timmy. Erwähne nie wieder den Namen Bob Eaton, hörst du? Du könntest ihn in Gefahr bringen. Roberto wartete einen Moment, ehe er fortfuhr: „Für ihn war nur ein Mädchen wichtig, Gina ...

    „Eine Italienerin!", stieß Timmy hervor.

    Roberto lächelte dünn. Er ging durch den spärlich möblierten Raum zum Fenster und spähte nach unten. Er konnte die Tankstelle erkennen und sein Plymouth auf der anderen Straßenseite. Er drehte sich wieder um und sah den Jungen an. Er hieß eigentlich George Timms, aber alle nannten ihn Timmy. Timmy war siebzehn Jahre alt, zwölf Jahre jünger als sein Bruder. Die Eltern der beiden Jungen waren seit langem tot, und Alan hatte sich stets um George gekümmert. Wie ein Vater. Alan hatte seinem kleinen Bruder den Job bei Bob Eaton besorgt, wo Alan es bereits bis zum Verkaufsleiter gebracht hatte. Die Welt für die beiden war in Ordnung gewesen, bis Angela Tucci sich in Alan verknallt und Alan die Tochter des mächtigsten Mafiabosses östlich von Chicago geheiratet hatte ...

    „Sie ist Amerikanerin wie du, Timmy, sagte Roberto. „Oder bist du immer noch Schotte?

    Der Junge warf den Kopf in den Nacken. „Natürlich bin ich Schotte! Ich bin Schotte und Amerikaner! Ich fresse keine Makkaroni, ich stehle und morde nicht ..."

    Roberto machte einen schnellen Schritt auf den Jungen zu. Sein längliches Gesicht war starr. Timmy hob schützend die Hände vor das Gesicht. Roberto atmete tief durch. Es war immer das gleiche. Es gab Millionen anständiger und fleißiger Menschen in diesem Land, die italienischer Abstammung waren und ihre Abstammung gar nicht verleugneten, es auch nicht wollten. Sie hatten dieses Land mitgeprägt. Wie die Engländer oder die Franzosen, wie die Deutschen oder Schotten. Und ein Dutzend anderer Volksstämme. Deshalb war dieses Land so großartig, seine Menschen so stark. Auch wenn eine Bande skrupelloser, geldgieriger Haie, die sich dazu noch die ‚Ehrenwerte Gesellschaft‘ nannte und vorgab, unsere Sache, die 'Cosa Nostra' zu vertreten, jeden diskriminierte, der schwarze Haare hatte und einen italienisch klingenden Namen führte.

    Roberto unterdrückte seinen Zorn. Timmy konnte es nicht besser wissen. Nicht einmal Alan hatte es wissen können. Woher auch? Roberto sagte: „Wenn du weißt, wo dein Bruder steckt ..."

    „Ich weiß es nicht!"

    „Lasse mich bitte ausreden, ja? Wenn du weißt, wo er steckt, oder wenn du ihn irgendwie erreichen kannst oder er sich bei dir meldet, sag ihm, er soll diese Nummer anrufen." Roberto schnippte eine weiße Karte auf den Tisch in der Mitte des Raumes.

    Auf der Karte stand eine Telefonnummer mit der Vorwahl Washington. Der Apparat, zu dem diese Nummer gehörte, stand im Büro eines Mitarbeiters von COUNTER CRIME, jener geheimen Regierungsstelle, deren einzige Aufgabe darin bestand, das organisierte Verbrechertum zu bekämpfen.

    Roberto wandte sich der Tür zu. Damit war sein Job hier erledigt. Hier, in diesem Haus in Euclid, und eigentlich sogar in Cleveland, Ohio.

    Dabei hatte Roberto gehofft, Sergio Tucci jetzt endlich erledigen zu können. Mit Alan Timms’ Hilfe. Zum Teufel mit Don Sergio, dachte Roberto. Wenn Alan es schaffte, endgültig unterzutauchen, oder wenn Don Sergios Killer ihn erwischten, kam der Don noch einmal davon.

    Aber würde Alan einfach so untertauchen? Würde er Gina vergessen, sie aus seinem Gedächtnis streichen können? Gina war keine Frau, die ein Mann einfach aufgab, nachdem er nur sechs Monate das Bett mit ihr geteilt hatte.

    Alan müsste schon ein Roboter sein, dachte Roberto.

    Roberto wollte in Cleveland bleiben und auf seine Weise weitermachen, das schwor er sich. Er würde hierbleiben, bis Alan von der Sehnsucht nach seiner jungen Frau übermannt wurde und sich mit ihr in Verbindung setzte.

    Oder bis er Alans Leiche in irgendeinem Schauhaus sah.

    3

    ROBERTO VERLIEß DAS Haus durch die Vordertür. Obwohl es wärmer geworden zu sein schien, zog er fröstelnd die Schultern hoch. Die Luft war schwer und feucht von den Nebelschwaden, die vom See heraufzogen und tief auf der Straße lagen, wo sie die Konturen verschwimmen ließen.

    Roberto ging auf seinen Wagen zu. Wie es zu seiner Gewohnheit geworden war, sah er sich um. Er konnte nichts Verdächtiges ausmachen. Die Lichter in Pete Hollands Garage funzelten diffus durch den Dunst. Der Ford stand immer noch aufgebockt, und Roberto konnte Hollands große Füße erkennen, die unter dem Wagen hervorragten.

    Er schloss den Wagen auf und setzte sich hinter das Steuer. Außer Bob Eaton wusste niemand, wo Timmy untergetaucht war. Wenn Don Sergios Leute, allen voran sein Caporegime Salvatore, Sally Varchetta, den Jungen in die Finger bekamen, würden sie Hackfleisch aus ihm machen. Einfach so, aus Spaß. Um Alan in Wut zu versetzen. Damit Alan, wie ein tobsüchtiger Stier, blind vor Wut, in die Arme der Killer rannte.

    Roberto zog den Wagenschlag zu. Dabei zuckte er leicht zusammen. In das satte Knallen hatte sich ein anderer Laut gemischt. Reglos saß der Mafia-Jäger da. Langsam kurbelte er die Scheibe herunter, streckte den Kopf hinaus, spähte aus engen Augen über die Straße, tastete die Gebäude auf der anderen Straßenseite ab.

    Die hellen Rechtecke der Fenster schwebten wie Leuchtfeuer im Dunst. Robertos Augen wanderten zum dritten Stock hinauf. Dort waren nur drei Fenster erleuchtet. Das mittlere war in die Höhe geschoben worden. Roberto runzelte die Stirn. Gehörte das Fenster zu Timmys kleinem Apartment? Eben, als Roberto bei dem Jungen gewesen war, war das Fenster geschlossen gewesen.

    Roberto glaubte, einen Schrei gehört zu haben. Er war seiner Sache jedoch nicht sehr sicher. Die zuschlagende Wagentür hatte den Laut übertönt.

    Roberto sah eine Bewegung am mittleren Fenster des dritten Stocks, dann huschte ein Schatten über die Zimmerdecke.

    Roberto glitt aus dem Wagen. Leise drückte er die Tür zu, dann lief er über die Fahrbahn und den rissigen Beton der Tankstelle in die Garage.

    „Mr. Holland!", schrie er.

    Der Schweißbrenner lag neben dem Wagen. Die Flamme war erloschen. Und doch roch es brandig nach angesengtem Stoff, nach verbranntem Öl und noch etwas, was Roberto nicht sogleich identifizieren konnte, was ihm aber dennoch einen Schauer über den Rücken jagte. Darüber lag der süßliche Geruch von Acetylen Gas. Roberto bückte sich. Er zog den Brenner am Doppelschlauch zu sich heran und drehte die beiden Ventile fest zu.

    Das Kribbeln zwischen seinen Schulterblättern verwandelte sich in einen Krampf, als sich die großen Füße nicht bewegten. „Mr. Holland!", rief Roberto noch einmal, doch ohne eine Reaktion abzuwarten, packte er zu. An den Füßen zog er den schweren Körper des Garagenbesitzers unter dem Ford hervor.

    Robertos Magen rebellierte. Entsetzt ließ er die Füße los, als er das verbrannte Gesicht sah. Die Haut hatte Blasen geworfen, die an mehreren Stellen aufgeplatzt war, und die grauen Haare waren restlos verbrannt, bildeten eine Kruste mit der Haut.

    Roberto drehte sich um. Ächzend lehnte er am Wagen, und er kämpfte gegen das heftige Zittern der Knie an. Pete Holland war tot. Er war auf bestialische Weise ermordet worden. Die Gangster hatten keine Sekunde mit überflüssigem Geschwafel verloren. Sie hatten ihm einmal die Flamme des Schweißbrenners ins Gesicht gehalten und dann gefragt: „Wo ist Timms?"

    Es gibt nur wenige Menschen, die dieser Tortur widerstanden hätten. Pete Holland musste herausgebrüllt haben, was er wusste, und doch hatte er sterben müssen. Sie hatten ihm die Flamme noch einmal zu schmecken gegeben, bevor ihm einer die barmherzige Kugel in die Schläfe gejagt hatte.

    Sie mussten Holland getötet haben, als er, Roberto Tardelli, gerade wieder die Treppe herabkam. Sie hatten einander nur um Sekunden verfehlt.

    Timmy, großer Gott, dachte Roberto entsetzt. Er holte saugend Luft, schüttelte das lähmende Entsetzen ab. Er starrte auf die dunkle Seite der Werkstatt, wo er den Umriss der Tür erkennen konnte. Dann rannte er los. Im Laufen zog er die Pistole.

    4

    MIT LANGEN SÄTZEN JAGTE er die Stufen hinauf. Sie kamen ihm bereits entgegen. Er hörte ihre geschmeidigen Sprünge über sich.

    Zwischen dem ersten und dem zweiten Stock prallten sie aufeinander.

    Die Gangster waren zu dritt. Der erste bog gerade um den Treppenabsatz. Er schien es besonders eilig zu haben. Roberto sah ein fleischiges blasses Gesicht mit einer Narbe am linken Auge. Flackernde Augen richteten sich auf Roberto, und irgendetwas im Blick des Mafia-Jägers ließ ihn erschrecken. Die Hand mit der Waffe kam hoch. Roberto sah den kantigen Schalldämpfer und das große Loch darin, in dem es gleich aufleuchten musste.

    Roberto war schneller. Die Luger in seiner sehnigen Faust ruckte und brüllte auf. Im engen Treppenhaus dröhnten die Explosionen wie Kanonenschläge.

    Roberto presste sich an die Wand. Der Getroffene krümmte sich zusammen und kippte dann nach vorn, auf Roberto zu.

    Roberto Tardelli hatte bereits den zweiten Killer aufs Korn genommen. Der Kerl war stehengeblieben. Jetzt spreizte er die Beine, die Hand fuhr unter den Aufschlag der Lederjacke. Mit dem rechten Fuß versetzte er dem Sterbenden einen Tritt. Der Getroffene prallte gegen Roberto und riss ihn zu Boden. Das gab dem anderen genug Zeit, um die Hand mit der Kanone herauszubringen. Er jagte mehrere Schüsse aus dem Lauf der flachen Pistole.

    Roberto, der den Körper des zuerst getroffenen Gangsters umklammerte, spürte, wie die Kugeln des anderen Schützen in den schlaffen Leib drangen.

    Roberto stieß den Toten von sich. Im Liegen zielte er auf den Schützen.

    Der Kerl flog zurück und prallte gegen den dritten Mann, der sich kurz am Geländer festklammerte. Während der andere in sich zusammenfiel, sah Roberto kurz das Gesicht des dritten Mannes, bevor der geschickt wie ein Artist über das Geländer flankte und einen halben Stock tiefer federnd auf seinen Füßen landete. Roberto warf sich gegen das Geländer. Er sah den Schatten des Killers gerade noch um die nächste Biegung verschwinden.

    Roberto atmete heftig. Er hatte den dritten Mann erkannt. Er hatte das Bild gesehen. Colonel Myer von COUNTER CRIME hatte ihm ein Dossier über den Cleveland-Mob zukommen lassen. Der Mann hieß Joseph Fresco. Fresco war der Starkiller aus Don Sergios Familie1. Er hatte Piero Masinis Nachfolge angetreten, nachdem es Roberto vor einigen Monaten gelungen war, Masini zu treffen und zu töten.

    Fresco war ein Profi wie Masini. Vielleicht noch gefährlicher. Weil Fresco durch eine harte Schule gegangen war – er hatte in Vietnam gekämpft, bevor er einer Nachschubabteilung zugeteilt wurde, wo er dann mit den richtigen Leuten zusammenkam. Mit Gangstern in Uniform, die militärische Güter verschoben und sich auf diese Weise an dem ausgebluteten Land bereicherten. Fresco sollte einen BOSS-Mann, einen Geheimagenten der Armee, und einen Master Sergeant der Ledernacken getötet haben. Allerdings gab es keine Beweise, und so wurde Joseph Fresco noch auf ehrenvolle Weise aus der Army entlassen, mit einem Packen Dollars als Abfindung.

    Roberto sprang über den zusammengebrochenen zweiten Schützen. Im Haus wurde es lebendig, und vielleicht kam er nicht mehr heraus. Darauf musste er es ankommen lassen, auch wenn er wusste, dass er zu spät kommen würde.

    Das Schloss in der Tür zu Timmys kleinem Apartment war unter einem wüsten Fußtritt aus dem zersplitternden Holz gebrochen. Timmy musste zum Fenster gerannt sein und den Schrei ausgestoßen haben, den Roberto dann gehört hatte. Das Fenster stand tatsächlich offen. Roberto sprang zum Fenster, als er auf der Straße einen Anlasser mahlen hörte.

    Er blickte nach unten, wo die Umrisse im Dunst verschwammen. Ein Stück die Straße hinunter glitt ein unbeleuchteter Wagen vom Straßenrand. Wie ein Schatten schoss er davon. Die Bremslichter flammten kurz auf, dann wischte das Fahrzeug um die Ecke. Roberto glaubte, einen Chrysler erkannt zu haben.

    Er drehte sich um. Timmy lag mit seltsam abgespreizten Gliedern am Boden. Er war tot.

    Roberto presste seine Finger tief in die Halsgrube. Er spürte keinen Herzschlag mehr. Einen Moment verschwamm das Bild vor Robertos Augen, und er wischte mit dem Handrücken darüber.

    „Es tut mir so leid, Timmy, murmelte er. „So leid ...

    Die Kerle waren nicht hergekommen, um den Jungen auszuquetschen. Sie wussten, dass Timmy und Alan nicht mehr in Verbindung standen, seit Alan Gina Tucci geheiratet hatte. Sie gingen davon aus, dass Alan während seines Gastspiels in Don Sergios Familie genug gelernt hatte, um niemanden mehr ins Vertrauen zu ziehen – nicht einmal den eigenen Bruder, den er abgöttisch liebte.

    Sie hatten Timmy erschlagen wie eine Ratte und ihm anschließend die Arme und Beine gebrochen. Womit sie Alan treffen wollten.

    Roberto stand auf. Er hörte vorsichtige Schritte im Flur. Noch traute sich niemand, hereinzusehen. Roberto versetzte der Tür einen Tritt. Sie krachte in den Rahmen. Das Schloss brach jetzt vollends heraus.

    Roberto fühlte sich benommen. Er wischte die Flächen ab, die er berührt hatte. Die Karte mit der Washingtoner Telefonnummer lag unberührt auf dem Tisch. Roberto steckte sie wieder ein, dann trat er erneut ans Fenster.

    Die Feuerleiter lief zu weit rechts vor dem Fenster der Nebenwohnung her. Roberto blickte an der feuchtglänzenden Fassade entlang. Er schob seine Beine über die Fensterkante. In der Ferne hörte er das schrille Auf und Ab der Polizeisirenen. Er sah noch einmal nach unten.

    Durch den Zickzack Verlauf der Feuertreppe befand sich ein Abschnitt etwa ein Stockwerk tiefer unter ihm. Er stieß sich ab und sprang.

    Er landete hart auf einer eisernen Stufe, sein Fuß knickte um, und er flog gegen das Geländer, wo er sich festklammerte. Eilig hinkte er abwärts.

    Er verzichtete darauf, das untere Stück der Feuertreppe herunterzuklappen. Wahrscheinlich waren die Gelenke so verrostet, dass ihr lautes Quietschen die ganze Nachbarschaft alarmiert hätte.

    Er stieg über das Geländer, versuchte, nicht an den umgeschlagenen Fuß zu denken, und sprang.

    Er spürte den Aufprall in seinem Hirn. Das Gellen der Bullhörner trieb ihn vorwärts. Er rannte über die Straße und warf sich in dem Plymouth, während die Scheinwerfer des ersten Streifenwagens bereits durch den Nebel stachen.

    Der Wagen schoss auf die Einfahrt der Tankstelle zu und blieb dort zwischen den Zapfsäulen stehen. Zwei Cops sprangen aus dem Wagen und rannten in Pete Hollands Garage.

    Roberto drehte den Zündschlüssel herum. Der Motor kam sofort. Er sah die Schatten der Cops, in die plötzlich Bewegung kam. Roberto trat das Gas durch. Mit heulender Maschine und wimmernden Reifen schlitterte er rechts in die unbeleuchtete South Street. Dort erst schaltete er die Scheinwerfer an. Wenig später hatte er die verkehrsreichere Cleveland Avenue erreicht und fuhr nach Westen.

    Seine Hände begannen heftig zu zittern, und seine Zähne schlugen aufeinander. Er würde sich nie an die ständige Gegenwart des Todes gewöhnen, an die Schatten, die ihn verfolgten, wo er auch war.

    Er steuerte den Parkplatz eines Supermarktes an, wo er neben dem Eingang anhielt. Als er den Laden betrat, sah er sein Gesicht in einem Spiegel. Rasch wandte er den Blick ab.

    Er warf achtlos ein paar Dosen Tomaten, etwas Brot und Schinken in den Einkaufswagen. Dann blieb er vor dem Regal mit den Weinflaschen stehen. Lieber hätte er jetzt eine Flasche Whisky gekauft und den scharfen Geschmack des Alkohols in seinem Mund und schließlich das Brennen in seinem Magen gespürt. Aber er wusste, dass so starker Alkohol ihm gefährlich werden konnte, wenn er mitten in einem Job steckte.

    Er nahm eine große Flasche kalifornischen Rotweins und legte sie in den Wagen. Er schob sich zur Kasse durch, packte alles in eine Tüte und legte die Flasche oben drauf.

    Im Wagen schraubte er den Verschluss ab und setzte die Flasche an seine Lippen. Gierig trank er, bis das Zittern seiner Hände nachließ und der Wein seinen Magen füllte wie Blut, und die Krämpfe auflöste.

    Und endlich begann sein Verstand wieder mit der gewohnten Schärfe zu arbeiten.

    Nur ein Mann konnte den Gangstern verraten haben, wo sie Timmy finden konnten. Roberto startete und trat das Gas voll durch.

    5

    ER TRIEB DEN WAGEN über die breite Avenue nach Richmond Heights hinauf. Er schoss durch den Straßentunnel, der unter dem Kanal herführte, dann lag der flache Hügel mit den hell erleuchteten Prachtbauten, den schmalen, baumbestandenen Straßen und hübschen, gepflasterten Plätzen vor ihm.

    Abwechselnd blau und rot raste die Leuchtschrift einen turmhohen Mast hinauf und wieder herunter.

    Bob Eaton’s Sportland Flaggen mit den Markenzeichen der Sportwagen, die Bob Eaton in seinem Glaspalast anbot, wehten über dem Platz vor dem achteckigen Glaspalast.

    Roberto jagte den Wagen auf die Einfahrt zu. Er spürte einen Druck hinter den Augen, dessen Ursache er zu gut kannte. Es war der sinnlose Zorn, der ihn jedes Mal packte, wenn er dem Verrat begegnete.

    Bob Eaton hatte geredet. Nur er wusste, wo Timmy untergekrochen war. Hatte er es für Geld getan?

    Ein Girl in hellblauer Uniform, Bob Eatons Firmenzeichen auf der strammen Brust, eilte herbei, um Roberto einen Parkplatz zuzuweisen. Das Girl hatte einen süßen Hintern und ein schnuckeliges Lächeln auf den Lippen.

    Roberto kurbelte die Scheibe herunter. „Ist der Boss im Gelände?", fragte er nicht besonders freundlich.

    Das Girl lächelte unentwegt. „Ich habe ihn nicht gesehen, Sir. Versuchen Sie es doch im Sektor F, Sir. Fahren Sie links herum. Sie können neben der Tür mit dem großen F darauf parken. Fragen Sie bei Mr. Eatons Sekretärin."

    Roberto fuhr weiter. Durch die mit goldfarbenen Metallschichten bedampften Scheiben erkannte er die Umrisse der Sportflitzer aus aller Welt, die in der gewaltigen Halle ausgestellt waren.

    Er stoppte neben der angegebenen Tür. Auf dem Parkplatz stand ein silbern schimmernder Mercedes. Der Wagen, das wusste Roberto, gehörte Bob Eaton.

    Roberto stieß die Tür auf. Er betrat einen intim in Rot und Gold eingerichteten Vorraum. Hinter einer Glasscheibe arbeitete ein langbeiniges, aufregendes Etwas, das aufsah und Roberto mit einem Blick bedachte, der sein Inneres erwärmt hätte, wenn dort nicht sein eingefrorenes Blut gewesen wäre. Das Lächeln wirkte etwas starr, als die Blondine näherkam und Robertos gefrorene Miene von nahem betrachtete. Sie öffnete die Glastür.

    „Hallo, Mr. Laury", sagte sie, wobei sie sich bemühte, ihr Erstaunen darüber zu verbergen, dass er schon wieder hier aufkreuzte, wo er doch erst am Nachmittag ein langes Palaver mit dem Boss abgehalten hatte.

    Roberto, der sich für den Cleveland Job den Namen Abe Laury zugelegt hatte, verzog die Lippen. „Ich möchte Bob nochmal sprechen, sagte er. „Er ist doch da? Er schob sich einfach an dem blonden Girl vorbei in das Vorzimmer von Bob Eatons Privatbüro.

    „Ja, Mr. Laury, aber er wollte gleich weg. Er trifft sich mit jemandem im Rondo-Club. Warten Sie, ich sage ihm Bescheid."

    Roberto wedelte mit der Hand. „Lassen Sie nur, Süße. Bob liebt Überraschungen." Roberto ging auf die dick gepolsterte Doppeltür zu. Das Girl blickte ihm besorgt nach.

    Roberto öffnete die Tür und glitt durch den Spalt.

    In Bob Eatons Büro brannte nur eine Schreibtischlampe, die einen kleinen, scharfumrissenen Kreis auf die Platte aus Mahagoni warf und die Wandregale mit den Pokalen und Automodellen im Dunkeln ließ.

    Bob Eaton saß in sich zusammengesunken in dem lederbezogenen Sessel. Er hob den Kopf und drehte sich im Stuhl ein wenig herum.

    „Sie?", fragte er. Sein Blick kehrte von weither zurück. Bob Eaton war ein gut aussehender Bursche in den Dreißigern, mit glattem Gesicht und lockigem dunklen Haar. Er hielt sich mit Schwimmen und Tennis fit für seine verschiedenen Leidenschaften, von denen Autos und Frauen ihn am meisten beanspruchten. Roberto hatte sich erkundigt und den Mann lange genug beobachtet.

    Roberto schritt auf den Schreibtisch zu. Sein Gang hatte etwas Unerbittliches an sich. Eaton hob beunruhigt den Kopf. Dann beugte er sich vor.

    „Mr. Laury! Was ist geschehen?" Roberto hatte den Schreibtisch erreicht. Das Möbelstück stand wie eine Barriere zwischen den beiden Männern. Roberto stützte seine Hände auf die glatte Tischplatte. Er tastete das Gesicht ab – die braunen Augen, die schmale Nase mit dem geraden Rücken, den leicht geschwungenen Mund, der Genussfreudigkeit verriet. Das linke untere Augenlid zuckte leicht.

    „Warum, zum Teufel, sagte Roberto, und seine Stimme klang dunkel vor Zorn und etwas schwer von dem Rotwein, den er durch seine Kehle gejagt hatte, „warum, zum Teufel, haben Sie noch jemandem gesagt, wo Timmy jetzt arbeitet?

    „Sie sind verrückt, Laury! Ich habe niemandem etwas gesagt!"

    „Bob, belügen Sie mich jetzt nicht! Ich habe Ihnen zugesetzt, und Sie haben beschlossen, mir zu vertrauen. Wenn es etwas zu sagen gibt, sagen Sie es jetzt!" Roberto keuchte. Es war wichtig, dass er alles erfuhr, was Eaton den verdammten Mafiosi gesteckt hatte. Wenn Eaton den Gangstern von einem Burschen namens Abe Laury erzählt hatte, der sich ebenfalls für Timmy und Alan interessierte, konnte er seine Zelte hier gleich abbrechen.

    „Ich habe Ihnen nichts zu sagen, Mr. Laury, sagte Eaton förmlich. „Bitte, lassen Sie mich jetzt allein, oder ... Er verstummte.

    „Oder?, hakte Roberto nach, und als Eaton die Lippen zusammenpresste, deutete er auf das Telefon. „Oder wollen Sie Sergio Tuccis Schläger auf mich hetzen? Ich dachte, Sie arbeiten nicht mit den Gangstern zusammen?

    „Sie wissen nicht, was Sie reden, Laury! Verdammt, gehen Sie!"

    „Ich gehe nicht, bevor Sie mir alles erzählt haben."

    „Ich habe nichts zu erz..."

    Roberto warf sich vor. Seine Finger gruben sich in die Aufschläge von Bob Eatons Jackett. Mit einem wilden Ruck zerrte Roberto den schwereren Autohändler über die breite Tischplatte. Eatons Beine wischten das Telefon und einen Stapel Akten zu Boden.

    Eaton versuchte, Roberto eine Faust in die Seite zu rammen. Roberto drehte den Mann halb herum, und der Schlag ging ins Leere. Eatons Beine lagen noch auf dem Tisch, sein Oberkörper schwebte in der Luft, nur von Robertos Fäusten gehalten.

    „Spucken Sie’s aus, Eaton, oder ich ziehe Ihnen die Haut in Streifen vom Rücken! Bei Gott, ich tu’s, nach dem, was ich gesehen habe!" Roberto presste den Stoff zusammen. Eatons Gesicht verfärbte sich. Er zog die Beine an und versuchte, sie auf den Boden zu bekommen. Roberto trat einen Schritt zurück, und Eatons Füße polterten herab. Doch bevor der Mann festen Halt finden konnte, stieß Roberto ihn zurück. Er warf ihn über den Tisch, schob das Gesicht in den Lichtkreis der Lampe, starrte in die braunen Augen, in denen keine Angst zu lesen war. Nur so etwas wie Hoffnungslosigkeit.

    „Eaton!, schrie Roberto. „Holland ist tot! Und Timmy ebenfalls!

    Eatons Gesicht erschlaffte, der Unterkiefer sackte herab, alles Blut wich aus den Lippen. Roberto löste seine verkrampften Finger aus dem Stoff, und richtete sich schwer atmend auf.

    „Nein ... sagen Sie, dass es nicht wahr ist!"

    „Es ist wahr, Eaton, und Sie wissen es. Als Sie den Kerlen sagten, wo Timmy steckt, wussten Sie, dass die den Jungen nicht mit zum Bowling nehmen wollten."

    Bob Eaton richtete sich mühsam auf, dann schlug er die Hände vors Gesicht und presste die Finger auf die Augen. Torkelnd, wie ein Betrunkener, ging er um den Schreibtisch herum und ließ sich in seinen Sessel fallen.

    „Reden Sie, Eaton!"

    „Ich kann nicht, verstehen Sie das doch!", sagte der Autohändler dumpf.

    „Eaton, Pete Holland war mal Ihr Lehrmeister, nehme ich an?"

    „Ja."

    „Die Kerle haben ihm solange die Flamme eines Schweißbrenners vors Gesicht gehalten, bis von dem Gesicht nichts mehr übrig war!"

    „Hören Sie auf!, brüllte Eaton. „Dann haben sie sich Timmy vorgenommen. Sie haben ihm sämtliche Glieder gebrochen und ihm dann mit einem Knüppel den Schädel eingeschlagen. Oder auch anders herum. Er ist jedenfalls tot. Sagen Sie was, Eaton!

    „Scheren Sie sich zum Teufel!"

    „Sie werden mit dieser Sache leben müssen, Eaton. Aber es hängen noch andere drin. Alan. Gina. Und ich. Was haben Sie den Kerlen gesagt? Ich muss es wissen, Eaton, und ich werde es aus Ihnen herausprügeln, wenn es sein muss."

    Bob Eatons Schultern zuckten. Er sackte nach vorn, sein Kopf knallte auf den Schreibtisch. Roberto wartete. Er spürte, dass er dem Mann jetzt etwas Zeit geben musste. Er selbst fühlte sich leer und ausgebrannt.

    Er hatte nicht gehört, dass die Tür geöffnet worden war. Beim Klang ihrer Stimme zuckte er leicht zusammen.

    „Aber Mr. Eaton! Die Blondine sah auf den Telefonapparat, der am Boden lag. „Da ist ein Gespräch für Sie, und weil Sie nicht rangingen, dachte ich ...

    „Schon gut", sagte Eaton. Er bückte sich und hob den Apparat auf.

    „Ist auch alles in Ordnung?" Sie warf Roberto einen skeptischen Blick zu.

    „Ja! Gehen Sie endlich und stellen Sie das Gespräch durch!"

    „Ja, Mr. Eaton, ganz wie Sie meinen." Die Biene summte hinaus, die Tür schloss sich mit einem leisen Geräusch, dann schnarrte der Apparat, der durch den Sturz vom Tisch offenbar keinen Schaden genommen hatte. Eaton legte einen kleinen Schalter um, der den Verstärker in Betrieb setzte.

    „Ja? Eaton hier." Die Augen fixierten Roberto.

    Ein unterdrücktes Schluchzen drang aus dem Lautsprecher des Verstärkers.

    „Marjie, bist du es?", fragte Eaton weich.

    Bob Eatons Frau hieß Marjorie. Sie war eine zierliche Person mit ausdrucksvollen Augen und lebhaften Bewegungen. Roberto hatte sie ein paarmal gesehen während der Zeit, in der er Eaton überwacht hatte. Trotz seiner weitverzweigten Interessen hinsichtlich weiblicher Personen schien er seine Frau und seine beiden Töchter zu lieben.

    „Bob ..." Der Name klang wie ein Schrei.

    „Marjie, wo bist du?" Eatons Faust schloss sich wie in einem Krampf.

    „Oh Bob ... Ich weiß nicht, wo ich bin ..."

    „Bist du allein?"

    „Ja. Ich bin ... in einer Telefonzelle. Es ... jemand hat mir einen Dime geliehen ..."

    Tränen quollen aus Bob Eatons Augen. „Marjie, ich hole dich ab, ja? Aber du musst mir jetzt helfen. Du schaffst es, Marjie. Denk an Dorothy und Wilma."

    „Ja, Bob, ja ... oh, es war schrecklich."

    „Marjie, da steht doch sicher irgendetwas auf dem Apparat. Eine Nummer, eine Bezeichnung. Oder kannst du in deiner Umgebung etwas erkennen, damit ich dich finden kann?"

    „An der Biegung ist eine Tankstelle ..."

    „Kannst du den Namen erkennen?"

    „Es ist eine American ... Ich sehe das Dodge-Zeichen, ja, und einen Namen – Emerson."

    „Marjie, ich weiß, wo das ist! Geh zu der Tankstelle. Sag Emerson, wer du bist. Ich hole dich ab. Ich bin in zwanzig Minuten da. Schaffst du das?"

    „Ja, ja ... natürlich!"

    „Sag Emerson, du hättest eine Panne gehabt, aber ich würde mich persönlich darum kümmern. Hast du mich verstanden? Du darfst nichts sagen!"

    „Nein, nein. Sonst holen sie sich Dorothy. Oder Wilma ..."

    Eaton legte auf. Er stemmte sich in die Höhe, sah Roberto stumm an.

    Roberto sagte: „Entschuldigung ... Sie ..."

    „Es gibt nichts zu entschuldigen. Ich hätte nichts sagen dürfen."

    „Sie konnten nicht anders handeln."

    „Ich habe entschieden, wer sterben sollte. Das war unrecht. Hohläugig sah der Autohändler Roberto an. „Oh verflucht, Laury! Ich habe es nicht wissen können! Glauben Sie mir das?

    „Ja", sagte Roberto. Don Sergios Leute hatten sich Eatons Frau geschnappt. Was hätte Eaton tun können? Die Polizei rufen? Lächerlich.

    „Der Kerl am Telefon hat gesagt, er wolle nur mit Timmy reden. Ich hätte ihm nicht glauben dürfen ..."

    Bob Eaton würde mit der Sache leben müssen. Roberto konnte dem Mann nicht helfen. Er verließ das Büro, stieg draußen in dem Plymouth und raste davon. Er wollte sich verkriechen und nichts mehr sehen und hören.

    Wie so oft hasste er seinen Krieg.

    6

    DAS APARTMENTHAUS LAG im Ortsteil Lindale, in einer ruhigen Straße, die rechts von der Lorain Avenue abzweigte.

    Mit seinem Schlüssel öffnete Roberto die Schranke zur Tiefgarage, dann fuhr er den Plymouth quer durch das Betongetto auf seine Parktasche zu.

    Im Vorbeifahren sah er, dass Ginas knallroter Porsche auf dem Platz stand, der zu ihrer luxuriösen Wohnung im siebenundzwanzigsten Stock gehörte. Den Porsche hatte Alan Timms ihr verkauft. Dabei hatten die beiden sich kennengelernt. Jetzt stand der Wagen hier unten. Gina verließ ihre Wohnung nur selten. Roberto kannte den Grund. Sie wartete darauf, dass Alan sich meldete.

    Roberto fuhr mit dem Lift in die zweiundzwanzigste Etage hinauf. Dort hatte er sich eingemietet. Für das möblierte Zwei-Zimmer-Apartment mit überdachter Loggia und freiem Blick über die grünen Hügel des Hinterlandes zahlte er einen sündhaften Preis. Aber COUNTER CRIME bezahlte gut.

    Roberto schloss die Tür auf, nachdem er sich vergewissert hatte, dass sie während seiner Abwesenheit niemand geöffnet hatte – das feine Haar, das er über den Winkel zwischen der Tür und dem Rahmen geklebt hatte, war unversehrt. Bis heute wusste Don Sergio nicht, dass er, der Mafia-Jäger, nach Cleveland zurückgekehrt war.

    Er brachte die prall gefüllte Einkaufstüte gleich in die Kochnische, wo er ein Wasserglas mit Rotwein füllte und ein großes Stück von dem frischen italienischen Brot abbrach. Den Wein und das Brot deponierte er auf dem runden Glastisch im Wohnraum. Er zog alle Vorhänge vor die breite Glasfront, dann erst schaltete er die hellen Deckenlampen an und setzte sich in den Sessel, der zwischen dem Glastisch und dem Radio Rack stand.

    Das Radio war ziemlich groß und besaß eine etwas seltsam anmutende Form. Es gehörte nicht, wie die meisten Gegenstände, zum Inventar dieser möblierten Wohnung. Serienmäßig hätte man den Apparat nirgendwo kaufen können.

    Roberto drehte das Radio herum. Mit wenigen Handgriffen löste er die Rückwand. Er zog ein flaches Hochleistungstonbandgerät heraus. Die rechte Spule war zu einem guten Drittel vollgelaufen, was bedeutete, dass Gina am Nachmittag eine Menge telefoniert hatte.

    Roberto ließ das Band zurücklaufen. Um keinen Anruf aus dem Apartment im siebenundzwanzigsten Stock zu verpassen, drückte er einen kleinen Hörer in sein linkes Ohr und stöpselte den Anschluss in die Buchse am Empfängerteil des Gerätes. Dann drückte er die Wiedergabetaste am Aufnahmeapparat.

    Er aß von dem Brot und spülte es mit kleinen Schlucken Rotwein hinunter, während er Gina Timms’ samtiger Stimme lauschte, die selbst in der Übertragung noch aufregend klang.

    Gina sprach mit ihrer Schneiderin, mit der Kosmetikerin, mit einem brummigen Knilch, der seinen Namen nicht nannte und behauptete, Ginas Vater sei nicht zu sprechen. Der Don ließ sich verleugnen. Jedes Mal, wenn Gina ihren Vater anrief, war der Don entweder nicht da oder in einer wichtigen Besprechung. Das ging seit Tagen so. Es riefen gute oder weniger gute Bekannte an, die sich heuchlerisch nach Ginas Befinden oder Alans Verbleib erkundigten.

    Nur der eine, auf den es ankam, rief nicht an – Alan Timms, der Sergio Tuccis Tochter geheiratet hatte.

    Roberto entspannte sich, während die Stimme in seinem Ohr Schwingungen erzeugte. Um das Überwachungsgerät anzubringen, hatte Roberto Ginas Apartment nicht zu betreten brauchen. Er hatte das drahtlose induktive Überwachungsgerät im Verteilerkasten unten im Keller angebracht. Für einen Mann wie Roberto Tardelli, der ein begeisterter Elektroniker war und der deshalb genug von elektrischen Messverfahren verstand, war es nicht schwierig gewesen, den richtigen Kabelsatz ausfindig zu machen. Der Rest war ein Kinderspiel.

    Ein Hochleistungsempfänger und ein Tonbandgerät mit Sprachsteuerung vervollständigten die Anlage. Die Sprachsteuerung schaltete das Aufnahmegerät bei Geräuschen ein und mit einer Verzögerung von etwa fünf Sekunden wieder aus.

    Roberto hörte kaum noch hin. Gina langweilte sich. Deshalb telefonierte sie offenbar planlos in der Gegend herum. Sie verließ ihr Apartment kaum, das wusste Roberto. Sie wartete. Auf einen Anruf von Alan.

    Plötzlich rasteten Robertos Sinne wieder ein. Gina hatte eine Nummer im Stadtbereich gewählt. Nach dem ersten Aufläuten meldete sich eine jugendfrische Stimme, die Begeisterung und Optimismus ausstrahlte. Wie eine ganzseitige Farbanzeige im PLAYBOY.

    „Hier ist Bob Eaton’s Sportland, Ihr Partner, dem Sie vertrauen können! Ich bin Kate und möchte Ihnen gern weiterhelfen!"

    Roberto setzte sich steil auf. Einen Gedanken hatte er ganz aus seinem Hirn verbannt. Die Frage, wie Don Sergios Killer auf Pete Holland gekommen waren. Sollte er hier die Antwort bekommen?

    „Geben Sie mir Mr. Eaton", sagte Gina. Sie musste erst mit Bob Eatons honigblonder Sekretärin herumkaspern, dann drang Bob Eatons sonore Stimme aus dem Hörer.

    „Ja, Gina! Was kann ich für Sie tun?"

    „Bob, Sie müssen mir helfen! Bob ..."

    „Gina, natürlich, wenn ich kann." Der erste Elan war aus der Stimme des Autohändlers verschwunden.

    „Sagen Sie mir, wo Alan ist ..."

    „Gina ..."

    „Bob, bitte, wenn Sie mir nicht sagen wollen, wo er ist, sagen Sie ihm, dass ich ihn liebe und auf ihn warte. Er soll sich mit mir in Verbindung setzen. Bald. Er hat es doch versprochen!"

    „Gina, um Gottes willen! Sie dürfen mich nicht mehr anrufen!"

    „Sie sind doch sein Freund, Bob! Sie müssen wissen, wo er ist!"

    „Nein, Gina, ich weiß es nicht. Ehrenwort."

    „Aber sein Bruder weiß es! Er arbeitet doch bei Ihnen!"

    „Nein, Gina, er arbeitet nicht mehr bei mir. Außerdem hat Alan schon lange keine Verbindung mehr mit George. Das wissen Sie doch. Gina, glauben Sie mir, ich kann Ihnen nicht helfen. Es tut mir leid. Wirklich."

    Bob Eaton legte auf.

    Roberto hörte nichts mehr. Dafür sah er jetzt klar. Er wusste, wie Don Sergios grausame Schläger auf Bob Eaton gekommen waren.

    Sie hatten Ginas Wohnung mit Wanzen gespickt. Oder unten im Verteilerkasten ein induktives Abhörgerät angebracht wie er, Roberto, auch.

    Dass er daran nicht früher gedacht hatte ...

    Doch was hätte es geändert? Hätte er verhindern können, was geschehen war? Hätte er das Gerät aufspüren und stören oder gar ausbauen sollen?

    Damit hätte er Don Sergio nur zu verstehen gegeben, dass da jemand war, der gegen ihn arbeitete. Er hätte seinen Auftrag gefährdet. Und nichts wäre anders verlaufen.

    Denn er hätte Gina Timms ja nicht warnen können. Er kannte Gina nicht, hatte sie nur aus der Ferne gesehen, und war einmal im Aufzug mit ihr zusammengefahren.

    Sie hätte ihm nicht getraut, wenn er sich an sie herangemacht hätte. Sie hätte höchstens angenommen, er sei von ihrem Vater oder von Sally Varchetta auf sie angesetzt worden.

    Nein, es war unmöglich. Er befand sich im Inneren eines Teufelskreises.

    Doch jedes Mal, wenn er sich gegen die Tanzenden warf, um den Kreis aufzureißen, prallte er ab und wurde in die Mitte zurückgeschleudert.

    Er trank von dem Wein, der seine Zähne stumpf anlaufen ließ, aber sein Gehirn wie Watte umhüllte und die grässlichen Bilder verschwimmen ließ, die seine Augen heute gesehen hatten.

    Die Gangster hatten so verdammt schnell geschaltet. Gleich nach Ginas Anruf bei Bob Eaton musste Varchetta oder wer immer die Aktion geleitet hatte ein Hitkommando in Marsch gesetzt haben, dass Eatons Frau Marjorie gekidnappt hatte. Jemand hatte dann den Autohändler unter Druck gesetzt.

    Das Band blieb stumm. Nachdem Gina mit Bob Eaton gesprochen hatte, hatte sie niemanden mehr angerufen. Roberto ließ das Band zurücklaufen und setzte den Apparat wieder in das Radio ein. Dann schaltete er den kleinen Fernsehapparat an und stellte ihn auf den Kanal des örtlichen Senders. Ohne etwas wahrzunehmen starrte er auf die Mattscheibe.

    Roberto fragte sich, wann Alan vom Tod seines Bruders erfahren würde.

    Wenn Alan sich noch in Cleveland aufhielt, würde er innerhalb der nächsten Stunde in irgendeiner Nachrichtensendung von dem Gemetzel in Euclid hören. Wenn Alan nicht mehr in der Stadt war, würde er wahrscheinlich erst im Laufe des morgigen Tages in der Zeitung darüber lesen.

    Roberto machte den Empfänger und das automatische Aufnahmegerät wieder empfangsbereit. Wenn Alan von Timmys Tod erfuhr, würde er etwas unternehmen. Er würde vielleicht zuerst bei Gina anrufen und versuchen, sie in Sicherheit zu bringen. Wie so viele Menschen in den Staaten hatte er die Mafia unterschätzt, bis er mit ihr in Berührung kam und in ihren Kreis einbrach aus dem es kein Zurück mehr für ihn gab, weil er hoffnungslos in ihre Machenschaften verstrickt war.

    Würde Alan die Falle erkennen?

    Roberto beschloss, sehr, sehr wachsam zu sein und am Gerät zu bleiben, bis etwas geschah. Seine Gedanken wanderten zu der jungen Frau im 27. Stock hinauf, die ebenso einsam war wie er, und die, ohne es zu wollen, eine blutige Fehde ausgelöst hatte.

    Da gab es noch etwas, was Gina nicht wusste, nicht wissen konnte.

    Dass sie den Köder spielte für den Mann, den sie liebte. Wenn er zu ihr kam, musste er sterben.

    Dabei hatte alles so alltäglich begonnen.

    Sie hatte Alan kennengelernt, als sie bei Bob Eaton einen neuen Wagen kaufte. Die beiden hatten sich ineinander verliebt und ihre Hochzeit gegen den Willen von Sergio Tucci durchgesetzt. Don Sergio musste halb wahnsinnig geworden sein, als seine Tochter einen Schotten heiratete.

    Alan und Gina wollten sich durchbeißen. Auf ihre Weise. Ohne Don Sergio, der auch ohne seine illegalen Verbindungen ein reicher Mann war und seinem Schwiegersohn mit Leichtigkeit hätte unter die Arme greifen können.

    Natürlich verfolgte er den Weg seines Schwiegersohnes aus der Ferne, vielleicht hielt er ihn sogar an der langen Leine. Er kam jedenfalls innerhalb kurzer Zeit dahinter, dass Alan Timms ein außerordentlich tüchtiger und auch cleverer Bursche war, und eines Tages bekam dieser ein Angebot, dem er nicht widerstehen konnte.

    Das Angebot kam von einem Finanzmakler aus Cleveland, dessen Ruf untadelig war. Eine Exportfirma, die Autos nach Kanada und in den mittelamerikanischen Raum ausführte, suchte einen neuen Geschäftsführer. Der alte war kurz zuvor bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht ums Leben gekommen. Alan nahm das Angebot an. Eine glänzende Zukunft schien vor ihm zu liegen. Das dachte er, und davon war auch seine junge Frau überzeugt. Sie glaubten, den Aufstieg Alans gutem Ruf zu verdanken, den er sich in Bob Eatons Firma erworben hatte.

    Alan kam natürlich schnell dahinter, was das für Wagen waren, die da nach Kanada und Mittelamerika exportiert wurden.

    Unversehens befand er sich im Kreis. Unter seiner Regie waren innerhalb weniger Wochen an die dreihundert Fahrzeuge, alle neu, alle auf Bestellung gestohlen, ins Ausland verschoben worden.

    Die Anteilseigner der Firma ließen sich nicht fassen. Es schien sie nicht zu geben. Die Anteile lagen bei mehreren Holdings. Der Verwaltungsrat trat nur in unregelmäßigen Abständen zusammen. Die letzte Versammlung lag schon acht Monate zurück, und wann die nächste stattfand, war nicht festzustellen. Der Verwaltungsrat bestand, wie Alan aus den Protokollen entnehmen konnte, aus scheinbar seriösen Bankiers und Maklern, von denen die meisten italienisch klingende Namen hatten. Alan war es gelungen, mit dem einen oder anderen zu sprechen. Die Männer wussten von nichts. Sie bestanden lediglich darauf, dass an der Firmenpolitik nichts geändert werden sollte. Dass die Wagen, die regelmäßig anrollten, übernommen, überholt, wie es hieß, und versandfertig gemacht wurden.

    Da entsann sich Alan der Warnungen, die Bob Eaton ausgesprochen hatte, als er Gina Tucci heiraten wollte. Jemand gab ihm zu verstehen, dass er ein sorgenfreies Leben führen könne, wenn er das System nicht störte. Andernfalls, wurde ihm erklärt, ergehe es ihm wie seinem Vorgänger.

    Von da an bemerkte Alan manchmal, dass er beobachtet wurde. Mal war es ein unauffälliger Chevy, der ein paar Stunden an seiner Stoßstange klebte, mal ein auffälliger roter Honda. Dann lungerten zwei Kerle mit fettigen Haaren, breiten Schultern und nichtssagenden Gesichtern in der Nähe der Firma herum, oder ein Typ mit Sonnenbrille beobachtete Gina, seine Frau.

    Immer noch unterschätzte Alan die Gefahr, in der er sich befand. Er arbeitete wie besessen, um den legalen Teil der von ihm gemanagten Firma auszubauen.

    Alan war dabei, sich anzupassen.

    Alans Verhalten führte schließlich dazu, dass Don Sergio seinen jungen Schwiegersohn mit anderen Augen sah. Er bewunderte die Cleverness des Jungen, seine Anpassungsfähigkeit und das, was er für Loyalität gegenüber den Geldgebern hielt. Und Don Sergio versuchte, Alan tiefer in seine dunklen Machenschaften zu verstricken.

    Don Sergio hatte beschlossen, Alan Timms, den Schotten, in seine Familie aufzunehmen.

    Die Ereignisse, die schließlich dazu führten, dass COUNTER CRIME aufmerksam wurde und Roberto Tardelli auf der Bildfläche erschien, kulminierten an einem freundlichen Herbsttag vor sechs Wochen.

    Sergio Tucci hatte seine Tochter und seinen Schwiegersohn zum Abendessen eingeladen. Es war die erste Einladung seit der Hochzeit, und Gina war glücklich.

    Fünf Monate früher wäre auch Alan glücklich gewesen.

    7

    DAS LAUB IM RIESIGEN Park am Ufer des Sees leuchtete golden im letzten Licht der Herbstsonne. Auf dem kurzgeschnittenen Rasen tobte ein Rudel Dalmatinerhunde. Das Wasser des Sees glitzerte. Unten am Steg dümpelte ein schnittiges weißes Schnellboot.

    Das Haus lag auf einem flachen Hügel, umgeben von hohen Eichen und Buchen, die es wie Wächter beschirmten. Der schwarze Lincoln mit den getönten Scheiben glitt die gewundene Anfahrt zum Haus hinauf.

    Ginas grüne Augen leuchteten. Sie war glücklich, während Alan versuchte, das Gefühl der Beklommenheit abzuschütteln, das ihm das Atmen erschwerte. Gina berührte kurz seine Hand.

    Alan sah den Stiernacken des Fahrers vor sich. Neben dem Fahrer saß noch ein Typ, ein kaltschnäuziger magerer Kerl mit blassen Augen und fahler Gesichtsfarbe.

    Der Wagen stoppte unter dem von weißen Säulen getragenen Vordach. Der Magere stieg aus und öffnete die Tür für Gina. Alan stieg ebenfalls auf der rechten Seite aus.

    In der wuchtigen Haustür stand ein breitschultriger Knabe, der sich als Butler verkleidet hatte. Der Magere verbeugte sich vor Gina, der Tochter des Don. Gina lächelte, dann ging sie auf die Tür zu. Alan kam sich vor wie der Prinzgemahl. Alle erwiesen seiner Frau durch ihre Haltung ihren Respekt. Ihn, Alan Timms, schien es nicht zu geben. Sein borstiges rotblondes Haar begann, sich zu sträuben.

    In der Halle herrschte ein graues Zwielicht, und auch die Geräusche schienen gedämpft zu klingen. Der Magere drängte Alan in die Nische neben der Tür. Mit flinken Fingern versuchte er, den Besucher abzutasten.

    Alan Timms prallte zurück.

    Gina wurde blass. „Nino!", sagte sie scharf.

    Der Bursche, der Nino hieß, drehte sich langsam um. „Miss Gina?", sagte er. Er zog die Augenbrauen erstaunt in die Höhe.

    „Nicht, Nino. Er ist mein Mann."

    Nino zögerte, dann sagte er: „Ja, Miss Gina."

    „Mrs. Timms, sagte Alan laut. „Sie ist Mrs. Alan Timms. Oder Madam. Er fixierte den Gangster mit starrem Blick.

    Nino verzog die Lippen zu einem spöttischen Grinsen. „Yes, Sir", sagte er schließlich. Ninos ließ Alan und Gina an sich vorbeigehen in einen großen sehr hellen Raum. Durch die breiten Fenster konnte man über den sanft abfallenden Rasen zum See blicken. Alan hatte noch nie ein solches Haus gesehen.

    Die Türen wurden leise geschlossen. Gina stieß einen leisen Freudenschrei aus, dann rannte sie auf einen kleinen Mann zu, der sich hinter einem gewaltigen, mit Leder bespannten Schreibtisch in die Höhe stemmte.

    „Vater!" Sie flog in seine Arme. Alan hatte Gelegenheit, den Mann zu betrachten, von dem er nur das kleine Bild kannte, dass Gina auf ihrem Nachttisch stehen hatte.

    Er hatte ein dunkles, olivfarbenes Gesicht mit eingefallenen Wangen und tiefliegenden Augen, die grün schimmerten, ja, die sogar von innen zu leuchten schienen. Das Haar, es war grau, klebte glatt an dem breiten Schädel. Alan sah die knochigen Hände seines Schwiegervaters, die über Ginas schlanken Rücken strichen.

    Unvermittelt hob der ältere Mann den Kopf, und ein jäher Blick der grünen Augen traf Alan. Sergio Tucci schob seine Tochter behutsam von sich. Dann kam er um den Schreibtisch herum und watete durch die tiefen Teppiche auf Alan zu, wobei er die Arme ausbreitete und eine Grimasse auf sein Gesicht zauberte, die er wahrscheinlich für ein freundliches Lächeln hielt.

    „Das ist also der gottverdammte Schotte!, rief er. „Alan! Kannst du einem alten Mann verzeihen? Er stürzte sich förmlich auf seinen Schwiegersohn, umklammerte ihn und hielt ihm die straffen Wangen hin, auf denen sich blauschwarze Bartschatten abzeichneten. Über Don Sergios Schultern hinweg begegnete Alan Ginas flehenden Blicken. Er überwand sich und drückte seine Lippen einmal auf Sergios linke und einmal auf dessen rechte Wange.

    Don Sergio seufzte. Er packte Alans Schultern und hielt ihn auf Armeslänge von sich. In den grünen Augen glitzerte es verdächtig.

    „Ich bin ein alter, starrsinniger Mann, der es nicht überwinden konnte, seine Tochter an einen verdammten Schotten zu verlieren. Kannst du mir verzeihen?"

    Du bist ein verdammter Lügner und Heuchler, dachte Alan. Er lächelte und nickte. „Natürlich, Sir."

    „Sir! Gina, wie nennt er mich? Sir? Hast du ihm nicht erzählt, wie man bei uns seinen Schwiegervater nennt?"

    „Pa, ich glaube, du solltest ihm erlauben, dich Sergio zu nennen. Bitte." Don Sergio sah seine Tochter an. Mit dem Instinkt eines Mannes, dessen großes Talent darin bestand, die Schwächen – und natürlich auch die Stärken – anderer Menschen sicher erkennen und einschätzen zu können, nickte er.

    „Ich bin Sergio! Sei willkommen in meinem Haus. Wir wollen vergessen, was geschehen ist und einen neuen Anfang versuchen. Willst du das auch?"

    Wieder warf ihm Gina einen flehenden Blick zu, und weil Alan mittlerweile wusste, welche Bedeutung ein intaktes Familienleben für eine Italienerin besaß, nahm er die ausgestreckte Hand des Gangsters und schüttelte sie.

    Sergio zog an einer altmodischen Klingelschnur, und während sie auf das Erscheinen des Butlers warteten, sagte der Don zu seiner Tochter: „Das Diner wird in zwei Stunden serviert, bambina. Vielleicht schaust du dich solange im Haus um? Ich habe im Obergeschoss einige Veränderungen vornehmen lassen."

    „Ja, Pa", sagte Gina respektvoll. Sie ging an dem Butler vorbei, der in diesem Moment die Tür öffnete.

    „Was trinkst du, Alan? Einen Aperitif? Oder bevorzugst du Scotch?"

    „Ich nehme einen Campari, wenn es recht ist." Alan hatte das Gefühl, seinen klaren Kopf bewahren zu müssen.

    Don Sergio gab den Wunsch weiter. Er selbst trank keinen Alkohol, außer zum Essen. Dann deutete er auf die ungemein bequem aussehenden tiefen Sessel, und Alan versank in den Polstern. Don Sergio setzte sich ihm gegenüber. Obwohl Alan von Gina wusste, dass Don Sergio nicht rauchte und Zigarettenrauch sogar verabscheute, steckte sich Alan eine Zigarette an. Sergios Augen zogen sich zu kleinen Pünktchen zusammen, doch er sagte nichts zu Alan, sondern befahl dem erstaunten Butler, seinem Schwiegersohn einen Aschenbecher zu bringen.

    „Und wenn Sally kommt, schick ihn gleich rein", schloss er.

    Eine Weile sagte niemand ein Wort, bis Don Sergio erneut mit seinem Alter und seiner italienischen Abstammung zu kokettieren begann und man doch jetzt vernünftig sein solle.

    „An mir soll es nicht liegen", sagte Alan, der an Gina dachte und daran, wie sehr sie in den letzten Wochen gelitten hatte. Sie liebte ihn, und an dieser Liebe gab es keinen Zweifel. Aber Alan spürte auch, dass er ihre Liebe nicht zu sehr strapazieren durfte, indem er jetzt, wo der Alte gekrochen kam, den Sieger herausstellte oder sogar den starken Mann markierte.

    Alan war kein grüner Junge mehr. Und doch vermochte er immer noch nicht zu glauben, dass er in dem kleinen Mann mit den grauen Haaren einen der gemeinsten Verbrecher zwischen New York und Chicago vor sich hatte. Bob Eaton hatte ihm erklärt, wer Don Sergio war, und danach hatte Alan auch da und dort etwas aufgeschnappt.

    Ein paarmal waren Journalisten bei ihm gewesen. Journalisten von außerhalb, nicht aus Cleveland. Sogar einer der Topleute der CBS, ein Mann, der sich furchtlos mit den Machenschaften der Mafia auseinandersetzte, hatte sich an Alan heranmachen wollen um herauszufinden, wo er, Alan Timms, stand, nachdem er Don Sergios Tochter geheiratet hatte.

    Alan hatte sie alle weggeschickt.

    Auch den Polizisten, der auf eine unaufdringliche Weise mehrmals seinen Weg kreuzte und beharrlich das Gespräch suchte. Detektive Lieutenant Michele Calvaruso von der Cleveland City Police schien genau zu wissen, was in dem von Alan gemanagten Laden vorging, aber es schien ihn nicht sonderlich zu interessieren. Calvaruso wollte etwas Anderes. Er wollte Don Sergio aus dem Verkehr ziehen. Nicht mehr und nicht weniger.

    Aber Calvaruso hatte zweifellos recht, wenn er das Kind beim Namen nannte. Sergio Tucci war ein Verbrecher.

    Alan konnte es nicht glauben, wenn die verdammten Augen nicht gewesen wären, die so intensiv grün leuchteten und wie Röntgenstrahlen in seinen Körper zu dringen schienen und dort ein feines Beben auslösten.

    Don Sergio lächelte, und zum ersten Mal hatte dieses Lächeln menschliche, sogar herzliche Wärme. Mehrere Goldzähne funkelten zwischen den straffen Wulstlippen. „Alan, ich sehe, wir können gute Freunde werden. Ich habe einiges mit dir vor, mein Junge. Du kannst es in der Familie weit bringen. Gina ist mein einziges Kind. Sie hat dir sicher von Danilo erzählt, ihrem Bruder. Er kam vor sieben Jahren ums Leben. Der Junge war sechzehn. Die Augen schimmerten feucht. „Jetzt habe ich einen neuen Sohn. Alan, du kannst es weit bringen. Ich habe dich beobachtet. Du bist ein loyaler Mann ...

    „Sergio, darüber möchte ich mit dir sprechen. Alan ließ das Eisstück in seinem Drink kreisen, und er zündete sich eine neue Zigarette an. „Ich möchte die Firma nicht weiterführen. Ich habe den Job gemacht, aber ich will da raus.

    Don Sergio lachte. „Ich habe einiges mit dir vor, wiederholte er. „Ich möchte dich in die Zentrale holen. Du sollst das ganze Geschäft kennenlernen. Alles. Dann kannst du entscheiden, ob du mein Nachfolger werden willst. Wie gefällt dir dieser Vorschlag? Don Sergios Gesicht strahlte. Nur die Augen lagen wie Eisstücke in dem dunklen Gesicht.

    Ein Frösteln kroch Alans Rücken hinunter, und sein Hirn fühlte sich seltsam blutleer an. Doch bevor er etwas sagen konnte, wurde an die Tür geklopft, und der Don rief: „Herein!"

    Der Mann, der groß und schwer über die Schwelle stampfte, hatte ein grobgezeichnetes Gesicht mit breitem, scharf ausrasiertem Kinn und feuchten Kuhaugen. Seine schaufelförmigen Hände waren dicht mit schwarzen Haaren bewachsen. Er trug einen maßgeschneiderten dunkelgrauen Seidenanzug und ein Rüschenhemd mit dünner Schnurkrawatte. Seine Lippen waren feucht und rot, die Zähne schimmerten wie Perlen. Das schwarze Haar klebte glatt an dem breiten Schädel.

    Don Sergio war aufgestanden, um den Neuankömmling zu begrüßen. Die beiden ungleichen Männer umarmten einander und tauschten Wangenküsse aus. Alan hatte sich ebenfalls erhoben.

    „Alan, sagte der Don, „das ist Sally Varchetta, Sally, das ist Alan, mein Schwiegersohn. Ich erwarte, dass ihr euch vertragt. Sergio lachte sorglos. „Ihr beide werdet in der nächsten Zeit viel zusammen sein."

    Sally Varchettas Kuhaugen verrieten nicht, was hinter ihnen vorging, als er Alan seine rechte Pranke überließ.

    Alan spürte instinktiv, dass dieser Mann sein Feind war und dass er noch nie in seinem Leben einen Mann von einem vergleichbaren Kaliber

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