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One more Chance: (Chance-Reihe)

One more Chance: (Chance-Reihe)

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One more Chance: (Chance-Reihe)

Länge:
275 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 18, 2016
ISBN:
9783946342694
Format:
Buch

Beschreibung

Während des alles entscheidenden Kampfes gegen Ryan erfährt Devon, dass sowohl von Elly als auch von seiner Schwester jede Spur fehlt. Um sie zurückzubringen, würde er alles tun.

Elly erwacht und weiß nicht, wo sie ist oder wer sie entführt hat. Doch schnell erkennt sie, dass ihr ein Kampf auf Leben und Tod bevorsteht. Als sich eine grausame Wahrheit auftut, weiß Elly, dass nichts mehr so sein wird, wie es einmal war. Unklar bleibt nur, was das für ihre Zukunft bedeuten wird …

Wie weit gehst du, um diejenigen zu retten, die du liebst? Und was passiert, wenn sie nie wieder dieselben sein werden?
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 18, 2016
ISBN:
9783946342694
Format:
Buch

Über den Autor

Emma Smith was born Elspeth Hallsmith in 1923 in Newquay, Cornwall, where until the age of twelve, she lived with her mother and father, an elder brother and sister, and a younger brother. Her first book, Maidens' Trip, was published in 1948 and won the John Llewellyn Rhys Memorial Prize. Her second, The Far Cry, was published the following year and was awarded the James Tait Black Memorial Prize. In 1951 Emma Smith married Richard Stewart-Jones. After her husband's death in 1957 she went to live with her two young children in Wales, where she proceeded to write and have published four successful children's books, one of which, No Way of Telling, was runner-up for the Carnegie Gold Medal. She also published a number of short stories and, in 1978, her novel The Opportunity of a Lifetime. In 2008 The Great Western Beach, her memoir of her Cornish childhood, was published to widespread critical acclaim. Since 1980 Emma Smith has lived in the London district of Putney.


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Buchvorschau

One more Chance - Emma Smith

978-3-946342-69-4

Prolog

Ich dachte, es wäre Max gewesen.

Ich dachte, ich wäre spät dran.

Weil er loswollte. Dabei hatte er mir zehn Minuten Zeit gegeben.

Doch er war es nicht.

Als ich die Tür öffnete und mir dieses fiese Grinsen entgegenlächelte, wusste ich bereits, dass hier etwas ganz und gar falsch lief. Dass ich in Gefahr war.

Bevor ich jedoch überhaupt reagieren konnte, spürte ich einen Schlag direkt auf den Kopf.

Grelle Blitze erschienen vor meinem geistigen Auge. Ich fiel zu Boden und spürte noch den bösen Schmerz, der dabei entstand.

Das war bereits das zweite Mal in kürzester Zeit, dass ich meinen Parkettboden von unten sah. Nur diesmal war es etwas anderes. Ich spürte die Angst und der Schmerz war viel größer.

Die Dunkelheit bestand nicht lang. Meine Augenlider flatterten mehrmals, während ich spürte, dass sich jemand über mich beugte.

Leider konnte ich nicht viel erkennen, der dumpfe Schlag auf meinen Kopf hatte ein Pulsieren verursacht. Ich hätte am liebsten aufgeschrien, aber ich stöhnte nur leise, zu nichts anderem war ich noch imstande.

Langsam berührte ich mit der Hand den Kopf, um die Stelle so wenigstens zu erkunden. Alles, was ich fühlen konnte, war etwas Feuchtes, Warmes … Blut. Das musste mein Blut sein! Natürlich. Der Schlag hatte keine Beule, sondern eine Platzwunde verursacht.

Autsch.

Als ich die Stelle mit mehr Druck berührte, zuckte ich vor Schmerz zusammen.

Die Sterne verschwanden langsam vor meinen Augen und ich konnte meinem Angreifer direkt ins Gesicht sehen.

Er sagte nichts, hob mich hoch und trug mich fort. Mein Körper gehorchte mir nicht mehr. Der Schmerz pulsierte wieder kräftiger, bis mein Körper mir gar nicht mehr gehörte und ich wieder in den Schlaf zurückfiel.

Kapitel 1

Devon

Zwei Wochen zuvor

Ich musste mich auspowern. Mein Körper verlangte es. Nachdem ich bei Elly war und sie mir klar gesagt hatte, dass ich verschwinden sollte, war ich trainieren gegangen.

»Hundert«, zählte ich laut mit, während Max mich nachdenklich musterte.

Ich lag auf der Matte und zog einen Sit-up nach dem anderen durch.

»Damit ich das richtig verstehe, du hast ihr die ganze Wahrheit gesagt. Und nicht nur die Hälfte, nein, du hast ihr die ganze fucking Story erzählt?« Max sah mich ungläubig an, während ich das Programm weiter durchzog. Ich war bereits schweißnass. Fuck. Tat das gut.

»Du wolltest, dass ich reinen Tisch mache«, atmete ich aus.

»Ja, vorher. Du hattest verdammt viele Möglichkeiten, ihr zu erzählen, dass der Kampf zwischen dir und Ryan alles andere als ein Zuckerschlecken wird. Wieso verdammt noch mal sagst du es ihr jetzt, nachdem sie fast ihre kleine Schwester verloren hat? Das geht nicht in meinen Schädel.« Max kniff sich beunruhigt auf den Nasenrücken. Das mit Andie machte ihm immer noch zu schaffen. »Wundert es dich wirklich, wie sie reagiert hat? Am Ende heißt es: er oder du!«

»Er«, brummte ich und zog die letzten Sit-ups durch.

»Du weißt, dass ich an dich glaube, Alter. Aber das wird nicht nur einfach ein Kampf. Da geht es um alles.«

Ich setzte mich auf.

»Meinst du, ich weiß das nicht?«, antwortete ich angepisst.

Er hatte doch keine Ahnung. Gut, eigentlich wusste er alles. Er kannte Ryan und ihm war klar, dass ich keine Wahl hatte. Wieso also musste er jetzt wieder die Moralkeule schwingen?

Beschwichtigend hielt Max die Hände hoch.

»Sorry. Ich wollte ja nur …«

»Fuck, ich weiß, was du mir sagen willst. Aber was hätte ich denn tun sollen? Sie wäre in zwei Wochen unwissend da aufgetaucht. Elly hatte von nichts eine Ahnung. Sie hat sich mir aber geöffnet, Max. Es musste gesagt werden. Das war ich ihr schuldig. Sie gehört zu mir …«

Dann stand ich auf, um nach dem Handtuch zu greifen und mir über mein schweißnasses Gesicht zu wischen. Ich war schon zu durcheinander, um vernünftige Sätze zu sprechen.

»Sie soll am Ring stehen und ich will sie ansehen, wenn ich …«

Ich schloss kurz die Augen, um mich zu sammeln. Verdammte Scheiße. Ich schaff den ganzen Scheiß nicht ohne sie. Ich dachte, ich könnte es. Aber das war einfach pures Wunschdenken gewesen.

»Du willst sie dabeihaben«, stellte Max fest und brachte es damit auf den Punkt.

Unsere Blicke trafen sich in den vielen Spiegeln vor uns. Max mochte manchmal echt daneben sein, aber in letzter Zeit fand er immer wieder die passenden Worte. Das machte mir schon ein bisschen Angst.

»Elly hat mir klargemacht, dass sie das nicht kann. Ich verstehe das. Sie hat alle verloren, die ihr etwas bedeuteten. Wie soll ich das dann wirklich von ihr verlangen können?«

»Wie könntest du nicht?«, stellte er plötzlich die Frage in den Raum.

Ich hielt in meiner Bewegung inne.

»Wie lange kennen wir uns jetzt? Vier Jahre?«

Beiläufig nickte ich, während ich mir mit dem Handtuch durch meine schweißnassen Haare fuhr.

»In den vier Jahren war dir kein Mädchen wichtig genug. Bis Elly kam. Du hast dir plötzlich den Arsch aufgerissen und ich hab dir angesehen, dass du genau auf so ein Mädel gewartet hast. Klar, dass du sie am Ring stehen haben willst. Wäre ich du …«

»Hör auf mit dem Scheiß, du bist aber nicht ich!«

Max’ Grinsen überschattete gerade wieder mal alles.

»Du hast Glück, dass sie dich gewählt hat, mein Freund.«

Ich ließ es unkommentiert. Das war auch ein Thema, das zwischen uns einfach nicht mehr aufkam. Mir war nicht von Anfang an klar, wieso Max so ein offensichtliches Interesse an Elly zeigte. Nicht falsch verstehen. Mangel an schönen Frauen hatten wir zwei nie. Wir nahmen uns, was wir wollten, ohne darüber nachzudenken, was wir vielleicht wirklich brauchten.

Als ich Elly damals im Flur traf, wusste ich, dass sie anders war. Dass etwas in ihr steckte, das sie so in ihrem Wesen verändert hatte, dass es mich wie magisch anzog.

Erst war da nur das Interesse sie zu knacken. Ihren Code, die harte Schale wirklich zum Einreißen zu bewegen. Aber dann veränderte sich mein Bedürfnis. Ich wollte derjenige sein, der sie und ihre Schale beschützte.

Susan und die Sache mit Ryan standen mir dazwischen. Ich entledigte mich Susans, stellte klar, dass unser Deal hinfällig war und wollte nur noch eines: Elly.

Max hatte es sofort kapiert. Vermutlich noch vor mir selbst. Seine Anmachsprüche, die Blicke und zuletzt der Kuss brachten das Fass zum Überlaufen. Mir wurde klar, dass nicht mal mein bester Freund sie anfassen durfte. Und auch Max wusste das. Deswegen zog er diese ganze »Sieh-genau-hin-denn-sonst-ist-Elly-bald-bei-einem-anderen-Mann-glücklich«-Show ab.

Doch jetzt war alles anders. Ich wollte, dass sie die ganze Wahrheit kannte. Elly hatte sich mir geöffnet. Sie hatte mir gezeigt, dass sie fähig war, neu anzufangen, mit mir.

»Lass ihr einfach Zeit, Mann. Es war viel los in den letzten Tagen.«

Max schlug mir unterstützend auf die Schulter.

»Am liebsten will ich zu ihr und …« Ich schloss meine Augen, um noch einmal tief durchzuatmen.

»Sie hat dir aber auch den Kopf vernebelt.« Max schüttelte schmunzelnd den Kopf. »Du lässt sie in Ruhe. Lass sie darüber nachdenken.«

»Seit wann bist du hier der Vernünftigere von uns beiden?«

Ich musste das einfach fragen. Max sah mich an und da war er wieder: Mein alter Freund. Ich hatte schon gedacht, er wäre ausgewandert.

»Pass auf, wir machen das so. Die nächsten zwei Wochen konzentrierst du dich nur aufs Training. Keine Elly, kein Drama. Und ich verspreche dir, sie wird dabei sein.« Max sah mich herausfordernd an. Mir war klar, dass er darauf wartete, dass ich Zweifel über seine Worte äußerte. Aber das wollte ich nicht tun.

»Hol den Coach her«, war meine Antwort darauf.

Max nickte mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Wenn ich jemandem vertraute, dann war es Max. Wenn er sagte, dass er mein Mädchen zurückbrachte, dann glaubte ich ihm das auch. Ich hoffte nur, er würde nichts Unbedachtes tun. Und das war bei Max fast schon wieder unmöglich.

Die Tage vergingen. Ich stürzte mich schon frühmorgens ins Studio, um mit dem Coach Extraeinheiten zu absolvieren. Der Frust motivierte mich. Oft auch zu viel.

Ich verließ meine Wohnung schon gegen vier Uhr morgens. Ich wusste, Elly würde zu der Zeit noch seelenruhig schlafen. Obwohl ich nicht nur einmal gehofft hatte, dass sie genauso unruhig schlief wie ich.

Sie fehlte mir. Wir hatten nur ein paar Tage zusammen verbracht und doch kam es mir so vor, als wären es Jahre gewesen. Ihre Nähe fehlte mir und es wurde von Tag zu Tag schwerer. Das Training war die einzige Möglichkeit, sich abzulenken.

Am liebsten würde ich abends, wenn ich total im Arsch war, rübergehen und mit ihr reden. Ihr sagen, wie ich fühlte, dass ich ohne sie einfach nicht sein konnte. Aber Max laberte mich jeden Tag zu. Er versuchte es zumindest. Ich sollte ihr den Abstand lassen und abwarten.

Seit wann warte ich einfach ab? Das ist nicht mein Stil. Das war er nie. Aber eine feste Beziehung war es auch nie. Ich hatte nie die richtige Frau getroffen. Jede war austauschbar in meinen Augen, bis auf eine …

»Devon? Bist du noch da?«

Julias Frage riss mich aus meinen Gedanken. Sie und Henry besuchten mich im Studio, wollten mit mir mittagessen. Obwohl die beiden nichts für meine beschissene Laune konnten, hatte ich mich auch von ihnen zurückgezogen. Das war falsch.

»Ja, alles klar«, antwortete ich ihr, drehte mich um und schaute nach Alaric, der wie immer mehrere Meter hinter uns stand und genau darauf achtete, dass niemand Julia oder meinem Neffen folgte.

»Sicher? Du bist noch muskulöser geworden«, stellte meine Schwester fest und sprach es aus, als wäre das etwas Schlimmes.

»Das ist bei dem Pensum, das ich momentan an Training habe, normal.«

»Es sind nur noch wenige Tage.« Julia sah mich nicht an, sondern blickte lieber zu Henry rüber, der ein paar Meter vor uns vergnügt hin und her sprang.

Wir waren auf dem Weg zu meinem Apartment. Julia war der Meinung, sie würde in meinem Kühlschrank Lebensmittel finden, mit denen sie ein Mittagessen zaubern könnte. Ich war mehr als gespannt. Immerhin kannte ich den Inhalt meines Kühlschrankes.

Als wir um die Ecke bogen, war es, als wüsste ich sofort, wen ich dort erblicken würde. Mein Körper reagierte, denn mein Blick schoss sofort auf die gegenüberliegende Straßenseite. Da war sie. Elly!

Das war das erste Mal, dass ich sie wiedersah. Ich konnte nur ihre Rückenansicht betrachten. Sie trug diese engen Jeans, die ihrem Po so toll schmeichelten. Darüber hatte sie einen dicken Mantel an. Leider konnte ich nicht sehen, welches Oberteil sie trug, um ihren schönen Vorbau zu verdecken. Verdammt, ich würde sie so gerne wärmen. Sie festhalten, ihr sagen, dass ich alles geben wollte und dass nach dem Kampf alles wieder gut werden würde. Meine Brust zog sich zusammen, als sie im Laden verschwand. Am liebsten wäre ich ihr hinterher.

»Ich hab mit ihr gesprochen.«

Julia hatte meinen Blick bemerkt. Wir standen mitten auf dem Bürgersteig, also war das kein Wunder. Ich hatte nicht mal bemerkt, dass wir einfach stehen geblieben waren.

»Mit Elly?«

»Natürlich. Sie … wollte wissen, was ich von dem Kampf halte.«

Wieso verdammt noch mal spricht hier jeder mit meinem Weibsstück, aber mit mir will sie kein einziges Wort mehr wechseln?

Weil sie dich liebt und es nicht erträgt, was du vorhast!

»Erspar mir das«, war alles, was ich zu dem Thema zu sagen hatte.

»Ach, komm schon. Du musst sie doch verstehen, Devon. Ich habe nicht anders reagiert, als ich von eurem Fight erfahren habe.«

»Ich habe Hunger«, rief Henry dazwischen, als wir an meinem Wohnblock angekommen waren.

»Sie muss es nicht akzeptieren. Sie soll es einfach verstehen«, antwortete ich ihr und schloss die Haustür auf. Ich sah zu Alaric rüber, der wissentlich nickte. Wenn die beiden in meinem Apartment waren, wartete er draußen auf sie und checkte die Lage ab.

»Und wie lange soll das jetzt bitte gehen? Elly hat gesagt, dass es vorbei ist mit euch. Es hat doch noch gar nicht richtig angefangen.«

Ich wollte mir nichts anmerken lassen, aber allein der Gedanke, nie wieder mit Elly zusammen sein zu können, bescherte mir ein wahnsinnig beschissenes Gefühl.

»Lass das mal meine Sorge sein.«

Ich hatte keine Lust, über das Thema zu reden. Fuck, Mann, ich wollte nicht mal drüber nachdenken!

Das tust du die ganze Zeit. Also, wem machst du hier was vor?

»Devon!«, mahnte meine Schwester mich, als wir in meine Wohnung gingen. Henry lief direkt in seine Spielecke, die ich ihm extra eingerichtet hatte. Also war er beschäftigt, während Julia so richtig in Fahrt kam. Klasse.

Ich ging in die Küche und öffnete den Kühlschrank. »Ich hab dir gesagt, mein Kühlschrank ist fast leer. Daraus kannst du sicher nichts mehr zaubern.«

»Dann bestell eine Pizza. Können wir jetzt bitte darüber reden?«

Sie stellte sich an die kleine Kücheninsel, setzte sich auf einen der großen Hocker und wartete wie immer ab. Es war nervig, eine kleine neugierige Schwester zu haben. Hatte ich das schon mal erwähnt?

»Großer Scheiß. Was willst du denn hören? Elly hat klargestellt, dass sie nicht mitansehen kann, wie Ryan und ich in den Ring steigen. Gut. Dann will sie es nicht. Worüber willst du da noch reden?« Ich schmiss die Kühlschranktür zu und fixierte sie mit meinem einschüchternden Blick. Aber bei Julia hatte das noch nie gezogen. Wieso also sollte es jetzt wirken?

»Devon Joseph Riley.«

Ich verdrehte die Augen. Wunderbar. Jetzt nannte sie mich auch noch bei vollem Namen.

Ich drehte mich um, um sie anzusehen. »Dein Ernst jetzt? Mit meinem Zweitnamen und diesem Unterton in der Stimme versuchst du mich aus der Reserve zu locken?«

Sie musste schmunzeln und zuckte dann beiläufig mit den Schultern.

»War einen Versuch wert.«

»Ich bin schon groß und weiß, was ich tue. Hey, Henry. Lust auf Pizza?«

Und damit war das Thema vorerst erledigt, denn Henry stürmte auf uns zu und lachte so unbeschwert, wie es ein vierjähriges Kind nun mal tun sollte.

Fünf Stunden und eine Flasche Whiskey später hatte ich es satt, zu warten.

Ich wollte sie sehen. Wollte mit ihr reden. Ihr erklären, wie wichtig das alles für mich war. Und ihr sagen, dass ich es ohne sie einfach nicht schaffte. Mann, am Ende hätte sie mir auch wieder die Tür vor der Nase zuschlagen können, Hauptsache, ich sah sie. Ihre grünen Augen, ihr Grinsen oder ihre roten Wangen, wenn ich …

»Mach dir Tür auf! Ich weiß, dass du da bist!«, lallte ich schon eine Ewigkeit rauf und runter. Ich schlug wie ein liebeskranker Idiot viel zu lange auf ihre Wohnungstür ein. Sie wurde einfach nicht geöffnet. Wieso? Wo ist sie?

Seufzend lehnte ich die Stirn an die Tür. Ich konnte meinen eigenen Atem riechen.

Viel zu viel hast du von dem Zeug gehabt, mein Freund!

»Elly!«, rief ich wieder und wieder.

»Sie ist nicht zu Hause, Devon.« Max stand plötzlich neben mir und musterte mich wie einen Bekloppten. »Wie viel hast du getrunken?«

Mir war ja klar, wieso er so einen genervten Unterton draufhatte, aber verflucht, es war mir scheißegal.

»Was heißt das, sie ist nicht zu Hause? Was weißt du? Wo ist sie?«

Drohend ging ich auf ihn zu, Max riss die Augen auf und hob seine Arme abwehrend hoch.

»Hey, mal langsam, Großer.«

»Wo ist sie?«

Sämtliche Bilder tauchten wieder vor meinem geistigen Auge auf.

Elly im Nachtclub, Elly bei irgendeinem Typen. Elly lacht und ist über mich hinweg.

Ich hätte ihr auch einen zweiten Alaric aufbrummen sollen.

»Sie ist drüben im Laden.«

»Sicher?«

Langsam lockerten sich sämtliche Muskeln in meinem Körper wieder.

»Drüben brennt noch Licht. Du weißt doch, wie sie ist.«

Das wusste ich sehr wohl. Elly war ein Workaholic. Was an sich nicht schlimm war. Nur jetzt sollte sie es nicht sein. Weil ich auch einen leisen Verdacht hatte, wieso sie noch immer arbeitete.

Max kam einen Schritt auf mich zu, nur um dann angewidert den Kopf zu schütteln. »Du stinkst wie eine Brennerei. Was hast du getrunken? Nein, falscher Ansatz. Komm erst mal mit rein.«

»Ich will nicht reingehen, ich will sie sehen. Ich muss mit ihr reden.«

Max wusste, er hätte keine Chance, trotzdem stellte er sich zwischen mich und die Treppe. Wütend funkelte ich ihn an, hatte aber nicht mal mehr die Kraft, richtig zu stehen. Seufzend lehnte ich mich an die Wand zurück.

»Sieh dich mal an. Du bist total betrunken. So willst du ihr gegenüberstehen? Und wie bescheuert bist du eigentlich? Du bist momentan in der Masse-Phase. Alkohol haut dich wieder zurück.« Max schüttelte seufzend den Kopf. »Du kannst nicht mal richtig stehen, Alter. Lass ihr Zeit.«

»Jetzt kommst du mir wieder mit dem Scheiß. Wie lange soll ich denn noch warten? Sie spricht mit Julia, sie spricht bestimmt auch mit Andie, aber mit mir will sie nicht reden! Verflucht, ich brauche sie am Ring.«

Ich klang verzweifelt und schluchzte, glaubte ich, auch wie ein Kleinkind, das keinen Nachtisch bekommen hatte. Fuck. Das würde mir Max noch lange vorhalten. Ach, scheiß auf Max. Ich will zu Elly.

Max drückte seinen Nasenrücken und holte tief Luft. Das tat er in letzter Zeit öfters.

»Ich habe dir versprochen, dass sie kommen wird. Aber dazu muss man ihr erst mal Zeit geben, über diese ganze Sache nachzudenken. Klar? Es bringt dich nicht weiter, wenn du wieder säufst. Diese ganze Scheiße hatten wir doch schon mal!«

Ich nickte. Was sollte ich dazu jetzt auch sagen? Wenn ich zu viel nachdachte, soff ich, bis ich nicht mehr stehen konnte. Selbst Elly durfte mich in dem Zustand schon kennenlernen. Kurz nachdem ich hier eingezogen war, rief mein Vater an. Ich stand kurz vor meinem Kampf … und der Kerl machte mir nur wieder Vorwürfe. Vorwürfe, wie nutzlos ich doch immer noch war. Da kam mir der gute alte Mr. Jack Daniels nur recht, als wir auf der Aftershow-Party waren.

Dann erinnerte ich mich nur daran, wie mir so ein beschissener Blumentopf fast meinen Zeh gebrochen hatte. Max musste mir am Morgen danach erst mal erklären, was ich alles zu Elly gesagt hatte. Ich wollte nie, dass sie mich so sah. So kaputt.

Irgendwie bekam Max mich wirklich auf meine Couch und setzte sich mir gegenüber.

»Hör zu. Du schläfst dich aus, ziehst dein Trainingsprogramm ganz normal durch und kümmerst dich um nichts mehr, ist das klar? Das heißt auch, dass du dich nicht wieder mit Alk zuschüttest. Du verträgst doch eh kaum was, während du trainierst.«

»Sie hat gesagt, dass sie mich liebt.« Ich rieb mir den Nacken und lehnte meinen Schädel zurück an die Couch.

»O-okay … und du willst jetzt was von mir hören? Dass ich dich auch liebe? Das kannst du vergessen.«

»Verstehst du das nicht? Sie liebt mich. Elly war kaputt. Sie wollte das nicht mehr, den ganzen Scheiß mit ’ner festen Beziehung und all dem Kram … aber dennoch hat sie sich in mich verliebt und … ich …«

Als würde sie vor mir sitzen, blickte ich in ihr süßes Lächeln. Ihre kleinen grünen Augen strahlten mich an und ihr Duft, der mich immer an den Sommer erinnerte, stieg mir wie verrückt in die Nase.

»Sie wusste es nicht, aber wir sind uns ähnlicher, als sie denkt. Sie hat mich auch gerettet.«

Eine ganze Weile starrte ich vor

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