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Der Spiegel des Ursprungs: Roman mit philosophischem Hintergrund

Der Spiegel des Ursprungs: Roman mit philosophischem Hintergrund

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Der Spiegel des Ursprungs: Roman mit philosophischem Hintergrund

Länge:
323 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 20, 2014
ISBN:
9783957160461
Format:
Buch

Beschreibung

Was passiert, wenn sich vier der bedeutendsten Denker der Menschheitsgeschichte – Giordano Bruno, Seneca, Sokrates und Augustinus – treffen und nach Herzenslust über das Sein philosophieren? Gabriele Reuter lädt den Leser auf eine philosophische Reise ein, die sie durch die Augen der jungen wissbegierigen Julia erlebt. Die vier Philosophen versuchen mithilfe der befreundeten Maria Magdalena, die junge und wissbegierige Christin in die Denkweisen der philosophischen Grundsätze einzuführen und in die Geheimnisse der Naturgesetze mit ihren Gesetzmäßigkeiten und logischen Abläufen einzuweihen.
Herausgeber:
Freigegeben:
Feb 20, 2014
ISBN:
9783957160461
Format:
Buch

Über den Autor


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Der Spiegel des Ursprungs - Gabriele Reuter

Gabriele Reuter

DER SPIEGEL DES URSPRUNGS

Roman mit philosophischem Hintergrund

Bibliografische Informationen der Deutschen Bibliothek:

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte Dateien sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Impressum:

© 2014 Verlag Kern

Autorin: Gabriele Reuter

© Inhaltliche Rechte beim Autor

Herstellung: Verlag Kern, Bayreuth

Umschlagdesign und Satz: www.winkler-layout.de

Titelfoto: © k.line - Fotolia.com

Lektorat: Sabine Greiner

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2014

ISBN 9783957160 - 034

ISBN

E-Book

: 9783957160461

www.verlag-kern.de

Ich widme dieses Buch

Lukas, Vanessa, Laura

und allen Kindern dieser Welt

INHALTSVERZEICHNIS

Cover

Titel

Impressum

Widmung

Prolog

Einleitung

TEIL I

Der Ursprung

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Der ewige Kreislauf

Kapitel 4

Kapitel 5

Die Unendlichkeit

Kapitel 6

Der Weg

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Faszination Erde

Kapitel 11

Kapitel 12

TEIL II

Das Weltbild

Kapitel 13

Das einheitliche Weltbild

Kapitel 14

Epilog

Literaturverzeichnis

Personen- und Sachregister

Prolog

Es ist nahezu siebenundzwanzig Jahre her, dass ich mich das erste Mal bewusst mit einem Gedanken über die Existenz, das Sein, auseinandersetzte. Ich erinnere mich noch genau an meine erste, damals mit meinem Mann geführte Diskussion darüber, wie die Natur zu verstehen sei, und in welchem Verhältnis sie wohl zu dem Begriff Gott stehe. Eine erschöpfende Antwort auf diese Fragen fanden wir damals nicht.

Auslöser für diese Diskussion war mein Sohn, dem ich schon sehr früh beigebracht hatte, dass man nicht nur andere Menschen, sondern die ganze Natur achten müsse, weil auch sie Empfindungen hätte. An diesem Tag erwischte ich meinen Sohn dabei, als er mit anderen Kindern einen wunderschönen Strauch in der Nachbarschaft regelrecht zerlegte. Aufgestachelt von der Idee, sich ihre eigene Macht in der Gemeinschaft beweisen zu müssen, ließen die Kinder ihren Gefühlen freien Lauf. Alleine wäre wohl keines dieser Kinder imstande gewesen, solch ein sinnloses Unterfangen zu vollbringen. Doch eine in der Gemeinschaft aufkeimende Idee trägt manchmal seltsame Früchte, auch wenn der Einzelne es in seinem innersten Empfinden besser weiß.

Wie gesagt, diese Begebenheit ließ mich das erste Mal bewusst über unser Verhältnis zur Umwelt nachdenken. Im gleichen Atemzug bekam ich eine Ahnung davon, dass wir es mit unserem Denken, mit unserem Handeln in der Hand hatten, wie sich in Zukunft unser Leben gestalten würde.

Damals überblickte ich noch gar nicht die sich daraus ergebenden Konsequenzen. Zwei Jahre später, nach einem für uns alles verändernden Erlebnis, fing ich langsam an zu begreifen, worauf ich mich eingelassen hatte. Ich hatte mich für ein spannendes, ausgefülltes Leben entschieden, in dem ich sowohl Erfolge als auch Rückschläge verzeichnen konnte. Meine Suche nach Antworten manifestierte sich in Bergen von gelesenen Büchern, deren Spektrum sich von den Ansichten der antiken Philosophen bis hin zu den Philosophien der Renaissance, bewegte. Um einen abschließenden Überblick über das Denken der verschiedenen Kulturen zu bekommen, befasste ich mich auch mit der europäischen, südamerikanischen, nahöstlichen und fernöstlichen Mythologie. Das Resümee aus all diesen Werken zeigte mir eine Gleichheit der Aussagen, die ich so nicht erwartet hatte.

Doch das war noch nicht alles. Gleichzeitig suchte ich nach einem Weg, der es mir erlaubte, eine Verbindung zwischen den alten Weisheiten und unserer heutigen Situation zu ziehen. Dazu gehörten selbstverständlich auch die aktuellen Erkenntnisse in der Physik. Meine anfängliche Scheu, mich eingehender mit transzendenten Ansichten zu befassen, gründete auf meinem naturphilosophischen Verständnis, das eine Selbstverständlichkeit dort sah, wo andere ein Geheimnis machten. Diese Ansicht ist mir bis heute geblieben, mit dem Unterschied zu damals, dass mir nun vieles, auch aus der Logik heraus, erklärbar erscheint.

Die größten Erkenntnisse zog ich aus den Erfahrungen mit dem gelebten Leben, sowohl meines wie auch das anderer Menschen. Ganz zu schweigen von den vielen nächtlichen Stunden der Schlaflosigkeit, in denen ich mich mit den aufgeworfenen Fragen auseinandersetzte. Bereut habe ich es, weiß Gott, nie!

Mit der Zeit lernte ich, bewusst auf die Stimme in mir zu hören, wie es Sokrates vor fast zweieinhalb Jahrtausenden ausgedrückt hatte. Ich erkannte die Bedeutungen der Antworten hierauf, die sich mit unseren Gedanken und Taten sichtbar für alle anderen in diese Welt einbringen. Die Erkenntnis, dass jeder einzelne Mensch diesem und keinem anderen Prinzip folgt, dass wir Menschen hiermit eine immense Verantwortung haben, gab schließlich den Anstoß dafür, der Idee nachzugeben, meine Erfahrungen mit meinen Erkenntnissen niederzuschreiben.

Aus all diesen jahrelang gesammelten und aufgezeichneten Erkenntnissen entstand dann schließlich dieses Buch. Nichts ist so, wie es in der Flüchtigkeit eines Augenblickes wahrgenommen wird. Alles und jedes unterliegt einem tieferen Sinn, den man nur versteht, wenn man den Ursprung erkennt, indem man sich den Spiegel vor Augen hält, um in ihm die Ursache wahrzunehmen.

Gabriele Reuter

Einleitung

„Der Spiegel des Ursprungs"!

Manch einer wird sich fragen, wie ich auf diesen Titel kam? Ich werde es erzählen.

Bis zum 24. Mai 1988 verlief mein Leben wie jedes Leben, mit Höhen und Tiefen, die bewältigt werden wollten. Besonders die Tiefen in meinem Leben gaben mir immer das Gefühl einer gewissen Ohnmacht, aus der herauszukommen es sehr schwierig war. Besonders, weil ich immer das Gefühl hatte, dass ich die Dinge, die verkehrt liefen, nicht kontrollieren konnte und ich sie zudem anders als andere sah. Mit anderen Worten, es schien für mich fast unmöglich, der gefühlten Ohnmacht mit meinem Tatendrang zu begegnen.

So stand ich eines Abends wieder einmal am Fenster. Verzweifelt nach Lösungen suchend, fiel mir nichts anderes ein, als ein Stoßgebet gen Himmel zu senden:

„Lieber Gott, wenn es dich gibt, dann hilf mir!"

Natürlich erwartete ich (postwendend) eine Antwort. Die Antwort kam nicht, zumindest nicht so, wie ich es mir vorstellte. Das einzige, was ich in mir spürte, war ein Nachlassen dieser furchtbaren Verzweiflung. Ich wurde ein wenig ruhiger.

Einige Tage später, lauschten wir, mein Mann und ich, den im Radio gesendeten Tönen der einzelnen Planeten unseres Sonnensystems.

Während die Töne unserer Erde erklangen, hatte ich das Gefühl, die Erde von oben zu sehen, zu sehen, was auf ihr geschah. Ich konnte keine einzelnen Sequenzen ausmachen, jedoch sah ich Zerstörung. Bevor ich überhaupt begriff, was ich da wahrnahm, formte sich das nächste Bild, wesentlich klarer und detaillierter. Ich sah ein kleines Rehkitz aus einem Wald kommend, an einem Bach mit wunderschönem, klarem Wasser vorbeilaufen. Mein Blick fiel auf die Erde und in dieser Erde keimte und wuchs ein zartes Pflänzchen.

So schnell wie mich diese Vision überfallen hatte, war sie wieder vorbei. Beeindruckt von dem soeben Erlebten, erzählte ich meinem Mann davon. Zu meinem Erstaunen hatte er eine ähnliche Vision erlebt.

Während wir uns noch voller Verwunderung darüber austauschten, kam plötzlich Bewegung in den rechten Arm meines Mannes. Nichts dagegen unternehmen könnend, schaute mein Mann auf seinen Arm, stand auf und holte sich einen Bleistift und ein Blatt Papier und fing an, etwas zu „kritzeln".

Gespannt auf alles starrend, was da vor sich ging, versuchte ich, mir einen logischen Reim auf das Geschehen zu machen. Es gelang mir nicht.

Es war nicht viel, was mein Mann an diesem Abend auf das Papier „kritzelte, jedoch war es zumindest dazu angetan, meine Neugier zu wecken. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das „Gekritzelte ohne Sinn und Zweck dort stehen sollte. Also setzte ich mich noch am gleichen Abend daran, irgendetwas Sinnvolles zu erkennen.

Als ich nachts um zwei Uhr, völlig fertig, in mein Bett fiel, hatte ich das Rätsel gelöst.

Die Aussage am 24. 05. 1988 lautete:

Heinz, alle Menschen werden verstehen.

Zufriedenheit mit euch.

Wir sind bei euch.

PAUSE

Gehet euren Weg, denn er ist der Weg zum Sein.

Tuet Recht und gehet ihn,

Trost zu suchen. Findet zu euch selbst. Ende

In den darauf folgenden Tagen vermieden wir es beide, uns großartig über das Geschehen am Abend des 24.05. auszulassen. Einerseits, weil wir spürten, dass etwas mit uns geschehen war, was wir erst einmal akzeptieren mussten; andererseits hätten wir uns niemals vorstellen können, auf diese Art und Weise mit irgendwem zu kommunizieren. Schlicht gesagt, es war uns fremd. Während ich immer neugieriger wurde, merkte ich immer deutlicher die Ablehnung meines Mannes.

Am 29. 05. 1988 nahm mein Mann plötzlich wieder seinen Bleistift in die Hand und fing an zu schreiben:

Ich werde euch leiten, zu erkennen, was da kommt.

Wenn dir danach ist, schreibe!

Erkenntnis braucht seine Zeit.

Hast du begriffen, werde ich mich zu erkennen geben.

Seid immer wahr.

PAUSE

Unsere Wege werden eure Wege sein,

zu erkennen den Sinn des Lebens.

Habet Vertrauen, euch (er)widerfährt

PAUSE

Liebe.

Verliert die Scheu vor (dem) Selbst,

denn ihr seid das wahre Ich.

Zu denken es gegeben, betrachte es als

Erleuchtung für alle Zeit.

Während mein Mann schrieb, saß ich ihm gegenüber und beobachtete genau, was und wie er schrieb. Seine verkrampfte Haltung, während er den Stift in der nach innen zeigenden Hand hielt, hatte etwas Unnatürliches an sich. Trotz meiner Neugier tat er mir leid, denn ich sah seine Anstrengung, diese paar Zeilen auf das Papier zu bringen.

Schon immer konnte ich sehr gut irgendwelche Texte „von oben" lesen. Wie sich herausstellen sollte, war es genau dieses Talent, das ich brauchte, um eine reibungslose Kommunikation führen zu können. Ich stellte meine Fragen und mein Mann schrieb die Antworten.

Während am Anfang die Schrift immer noch etwas „krakelig" war, wurde sie von Tag zu Tag leserlicher, sodass auch ich keine Mühe mehr hatte, das Geschriebene zu lesen und es in meine Schrift zu übertragen.

Nach einer für mich gefühlten Ewigkeit gab sich derjenige zu erkennen, der durch meinen Mann kommunizierte. Er schrieb: „Nennt mich Bruno!"

Bruno? Wer war das?

Mein Mann klärte mich auf. Gemeint war Giordano Bruno.

In den darauffolgenden Monaten übermittelte „Bruno" ein Bild von dem Zustand unserer Erde und unserer Gesellschaft, immer meine Unwissenheit einkalkulierend, sodass ich, wollte ich verstehen, mich gezwungen sah, mit den Texten zu arbeiten. Aus dieser Arbeit ergaben sich dann meine Fragen und seine Antworten.

In einem „Gespräch klärte uns „Bruno darüber auf, dass er, solange wir es brauchen würden, diese Form der Kommunikation aufrechterhalten würde.

Im Januar 1989 wurde mir immer klarer, dass es für mich nichts bringen würde, mich weiterhin auf diese Art zu „unterhalten". Ich wollte alleine meinen weiteren Weg gehen. Das sagte ich auch.

Am 17. Februar 1989 verabschiedete „Bruno" sich mit den Worten:

Zusammenhänge sind wie reife Früchte die, wenn sie erkannt werden, einem zufallen.

So ist es mit allen Dingen, sie liegen in der Erkenntnis.

So wird ein wundersames Ding zur Reife getragen, sodass sich die Augen öffnen. Kleinigkeiten sind es meist nur, die zu einer riesengroßen Erkenntnis führen.

So wird es immer Dinge geben, die einer Erforschung bedürfen. Ob sie sich nun erforschen lassen, sei dahingestellt. So hilft denn da der Glaube weiter, Dinge zu sehen und ihre Zusammenhänge zu ermitteln, um so in einer Welt zu sein, die sich nicht mehr verschließt, ist die Welt des Wissenden.

Somit erfüllt sich dem Menschen mit dem Drang zu lernen sein Wissen und es wird unerschöpflich sein.

Aber mit dem Wissen hört man nie auf zu lernen, es geht immer weiter auf dem Weg der Erkenntnis.

PAUSE

Es wird immer Menschen geben, die zweifeln und somit einen Pol bilden, der in der Verfahrensweise des Denkens nur von Nutzen sein kann. Denn aus ihnen bildet sich eine Schicht, die auch in ihrem Erkenntnisgehalt für die Lernenden sehr wertvoll ist. Aber die, die nicht lernen wollen, diejenigen, die auf einer Kugel herumlaufen und nie zu einem Ziel finden werden, ruhelos werden sie sein, weil sie nie einen Anhaltspunkt erkennen, hier fängt das Sehen an, auch Dinge zu sehen, die sich im ersten Augenblick nicht anbieten.

Das sind dann halt diejenigen, die später zur Erkenntnis gelangen.

Ihr habt das alles hinter Euch, und vor Euch liegt ein Weg der Erkenntnis. Ihr habet gelernt, diese Dinge alle zu sehen, mit ihnen umzugehen und aus ihnen zu lernen, mit ihnen zu arbeiten, damit sich der Stand erhob.

Ihr habet Dinge erfahren, die sonst keiner erfährt und die für immer zum Geheimnis werden.

So bilden sich zwei Menschen heran, die zu einem Weg bereit waren zu lernen, der ihnen nur Gutes bringt. Somit erfand die Erfüllung ihren nahrhaften Grund, der nie und nimmer an Fruchtbarkeit versieget.

Wir sind an einem Ziele angelangt, um die gesagten Dinge, die es wert waren zu erwähnen, zu erarbeiten und zu erläutern.

Vieles wurde nicht gesagt, es wird aber im Laufe der Gezeiten von Euch erlangt werden; aber das Wichtigste wurde erhört und erarbeitet …

… die Gesetzmäßigkeit der Dinge.

Nun macht, bevor ich mich bei jedem einzelnen verabschiede eine Pause.

So grüßet mir alle, die von mir wussten!

Erkenntnis, du Schein der Sonne,

der Dinge klar im Lichte zeigt.

Zu fruchtbar bist du, dass ich dich nicht

verlieren werde.

Traurigkeit soll nicht gezeigt werden, Freude immer wahr, denn Ihr seid nicht alleine.

Es war nur ein kleiner Kreis, der davon wusste. Mein Mann und ich waren von Anfang an einig darüber, aus dieser Angelegenheit keine große Sache zu machen. Was hätte es auch genutzt? Hätten wir über das Geschriebene Auskunft geben können? Nein! Alles, was wir zu diesem Zeitpunkt wussten, war, dass wir, um wirklich zu verstehen, noch viel zu lernen hatten.

Und, dass ich eines Tages, wenn ich mich selber stark genug fühlen würde, all meine Erkenntnisse niederschreiben wollte.

Dieser Gedanke kam mir während der neun Monate dauernden Begegnung mit „Bruno". Er sprach es an und ermunterte mich, seine Aussagen in dieses Buch einfließen zu lassen, was letztlich zu dem speziellen Aufbau dieses Buches beitrug.

Eines Abends schoss mir ein Gedanke durch den Kopf.

„Der Spiegel des Ursprungs"

Ich wusste gleich, so sollte das Buch, würde ich es je schreiben, heißen. Am nächsten Tag stand ich auf unserem Dachboden und hing die gewaschene Wäsche zum Trocknen auf. Eine wunderbare Tätigkeit, bei der man großartig über alles nachdenken konnte; und bei der ich zu meinem allergrößten Erstaunen bemerkte, dass ich dichten konnte:

Der Strahl der Sonne sich brechend im Kristall

Den Spiegel des Ursprungs zeugend überall

Schleier der Finsternis sich herniedersenkend

Den Spiegel trübend, sein Leuchten verschenkend

Erahnend das Licht, sich im Dunkel windend

Erinnernd des Glanzes, das Leben verkündend

Im Kristall sich brechend der Strahl der Sonne

Zeugend vom Licht, der alten Wonne!

TEIL I

Der Ursprung

Kapitel 1

Eine junge, zierliche Frau lief den Weg zum Haus hinauf.

„Sokrates! Sokrates! rief sie, „Sokratchen, Sokratchen, wo bist du?, tönte es ungeduldig durch das Atrium.

„Hier Julia, hier! Was ist denn los mein Kind? Du bist ja ganz aufgeregt!"

„Ich habe eben mit Seneca gesprochen und er fragte mich, ob ich die drei Kardinalfragen der Philosophie kenne."

„Und, Julia, was hast du ihm geantwortet?"

„Nun, dass sie

Woher komme ich?

Wer bin ich?

Wohin gehe ich?

heißen! Dann fragte er mich, ob ich mir schon einmal Gedanken über die Evolution gemacht hätte!"

„Und?"

„Natürlich nicht! Zumindest nicht in der Art und Weise wie es Seneca von einem erwartet. Du weißt ja, wie er ist!"

„Ja, ich weiß wie er ist. Und was sagte Seneca noch?"

„Er fragte mich: Wie erkennst du die Evolution?"

Sokrates schaute Julia mit einem wissenden Lächeln an und sagte: „Sie ist ein Ablauf logischer Dinge, eine Reihenfolge!"

„So ähnlich drückte sich Seneca auch aus!"

Sokrates konnte nur mit Mühe ein Lächeln verbergen. Hatte er doch vor ein paar Tagen mit Seneca vereinbart, Julia ein bisschen mehr in die Philosophie einzuweihen. Sokrates meinte, Julia sei reif dafür. Denn schließlich sei Julia das Kind einer Zeit, die mit Riesenschritten weiter fortschreitet; in der es dringend notwendig sei, ein gewisses Verständnis für Dinge zu erhalten, die vielleicht einmal sehr von Nutzen sein könnten. Nicht nur für Julia, sondern auch für alles andere.

„Übrigens, Seneca war nicht allein. Er stellte mir einen Freund vor. Giordano, oder so ähnlich, heißt er."

„Giordano Bruno? Mein alter Freund Jordano ist da? Welch eine Freude! Weißt du, Julia, wie lange ich ihn nicht mehr gesehen habe? Es kommt mir vor wie Jahrhunderte! Gleich morgen muss ich nach ihm schauen und hören, wie lange er gedenkt zu bleiben. Vielleicht hat er ja Zeit, und wir können wieder einmal zusammen philosophieren."

Nun war es Sokrates, dessen Stimme sich vor lauter Aufregung fast überschlug. Doch Julia ließ Sokrates keine Zeit, sich Träumereien hinzugeben. Wenn es darum ging, ihre Neugierde zu befriedigen, stand sie Sokrates in keiner Weise etwas nach.

„Ist dieser Giordano auch Philosoph?"

„Ja, Julia, aber kein Stoiker wie Seneca. Jordanos Schwerpunkt ist die Naturphilosophie, doch auch er hat über Ethik philosophiert. Du siehst, Julia, einen Philosophen, der sich nicht mit allen Dingen des Seins beschäftigt, gibt es nicht. Und wenn es so ist, dann ist er auch kein richtiger Philosoph, sondern nur einer, der es sein möchte. Doch solch einen Menschen kenne ich nicht! Habt ihr, Jordano und du, außer der üblichen Konversation noch über etwas anderes gesprochen?"

„Ja! Er führte Senecas Antwort noch weiter aus:

Die Reihenfolge entsteht aus der Substanz! Von dem Prinzip des Tatsächlichen! Die Logik ist doch ein Aneinanderreihen fortlaufender Gedanken in der richtigen Folge. Sie entspringen aus der Substanz des Gehirns.

Die Ursache, das Was, Wie, Woher!

Es ist das Prinzip, das was da ist von dem Einen!’

Und dann stellte er mir noch eine Aufgabe, die ich lösen solle:

Was sucht der Mensch?

Er sucht nach seiner Existenz!

Das Woher, aus was, warum?

Was hat die Ursache für einen Sinn?

Worin steckt er?

Wohin geht er?’"

In Sokrates Augen blitzte es auf. Seine ganze Listigkeit, mit der er gewohnt war, Situationen für sich einzunehmen, legte sich einen Augenblick lang über seine Miene. Er dachte: ‚Daher weht der Wind! Der Seneca ist doch ein Teufelskerl. Ich wusste, dass ich mich auf ihn hundertprozentig verlassen kann!‘

Doch dann hatte er sich wieder gefangen. Sein grobschlächtiges Gesicht bekam plötzlich, als er Julias ratlosen Blick sah, einen sanften Ausdruck.

„Ich weiß, meine Liebe, dass es gar nicht so einfach ist, jetzt darauf eine Antwort zu geben. Aber glaube mir, so schwer, wie du meinst, ist es auch nicht. Aber bevor du dir nun deine Gedanken machst, möchte ich dir noch eine kleine Hilfestellung in Form eines Gedichtes mit auf den Weg geben.

Die Idee verlässt ihr Heim,

trifft den Gedanken und die Logik!

Die Vielfalt schleicht sich in dieses Trio ein

und begleitet sie von nun an mit jedem Schritt!

Die Wirkung, das Resultat nicht lang

auf sich wartend.

Ist’s doch die Logik, die sie dazu bringt!

Die Vielfalt immer noch beharrend,

der Möglichkeiten keine Grenzen sind!

Doch die Erinnerung sie immer begleitet,

wohin ihr Weg sie auch bringt!

Ihr Antlitz wird niemals verbergen,

wo ihr zu Hause sich befind!"

Kapitel 2

Am nächsten Morgen machte Sokrates sich schon früh auf den Weg zu Senecas Haus. Die Sonne war noch ein bisschen durch den Hochnebel verhangen. Doch es schien heute trotzdem ein schöner Tag zu werden.

Sokrates wusste so etwas. Denn erstens verspürte er keinerlei Reißen in seinen alten Gliedern – das war immer so, wenn das Wetter sich änderte – und zweitens roch das Meer nicht so penetrant nach Meer. Eine Erinnerung an das alte Griechenland, die aus Sokrates‘ Gehirn nicht mehr auszulöschen war und dessen Geruch er nicht beschreiben konnte, wie sehr er sich auch darum bemühte. Aber ganz von diesen untrüglichen Zeichen abgesehen, war es ein wirklich schöner Morgen. Nicht zu warm und nicht zu kalt; Frühling eben! Ganz nach dem Geschmack von Sokrates. Die Vögel sangen um die Wette; einer schöner als der andere. Der auf den Blüten liegende Tau funkelte durch die immer intensiver werdenden Sonnenstrahlen wie Diamanten. Ein herrliches Bild.

Sokrates dachte an Julia, und daran, wie glücklich sie gewesen war, als sie an einem wunderschönen Frühlingstag endlich ihren Philologus heiraten konnte. Es war in der Tat ein Tag gewesen, ähnlich wie der heutige. Seneca hatte damals seinem alten Freund Petronius gut zureden müssen, damit dieser überhaupt die Einwilligung zur Heirat gab. Denn schließlich war Julia ein neapolitanisches Nichts. Ein Etwas, wie Petronius es einmal ausdrückte, ohne aristokratischen Stammbaum, und dazu auch noch eine bis ins Mark eingefleischte Christin! Doch Seneca, clever genug, um zu wissen, womit man einen mit allen Wassern gewaschenen Petronius fangen konnte, hielt ihm seine vertuschten Sympathiegebärden mit den Christen vor Augen; und, was wesentlich mehr zog, seine eigene Verbindung mit der Sklavin, der Mutter von Philologus. Da half auch nicht der mehr als lahme Einwand, Phils Mutter sei ja schließlich von königlichem Geblüt. Kurzum, Petronius musste klein beigeben, was ihm zwar zwei Tage satirischen Leerlauf einbrachte. Doch nach diesen zwei Tagen hatte er sich mit dem Unvermeidlichen abgefunden. Und heute war er nicht unglücklich über den Glücksgriff, den sein Sohn tat, als er sich in Julia Santoni verliebte.

Sokrates hätte fast laut los gelacht, als er sich noch einmal die süß-säuerliche Mine in Erinnerung rief, die Petronius bei der Bekanntgabe der Vermählung von Phil und Julia machte. Doch in Anbetracht dessen, dass er nur noch wenige Meter von Senecas Domizil entfernt war, und vor dem Haus ein reges Treiben bemerkte, das ihn neugierig machte, weil er nicht erkennen konnte, wer da mit wem sprach und über was man sprach, verkniff er sich einen derartigen Heiterkeitsausbruch. Vielmehr beeilte er sich, das letzte Hindernis zu überwinden, das ihm die Sicht auf alles nahm. Ein üppig weiß blühender Strauch.

In dem Augenblick, als Sokrates hinter dem Strauch hervortrat, verstummte die

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