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Schweinetango: Kriminalroman
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eBook256 Seiten3 Stunden

Schweinetango: Kriminalroman

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Über dieses E-Book

Beim Dorftanz im 'Wilden Jäger' lassen die Junggesellen gerne mal die Sau raus. So auch Cord Kröger, ein lediger Schweinezüchter in den besten Jahren, der beim 'Schweinetango' die hübsche Jelena kennenlernt. Doch der gemeinsame Weg zu ihm wird vom Feuerteufel, der seit Wochen sein Unwesen treibt, jäh unterbrochen. Eine Scheune brennt. Cord Kröger greift beherzt ein. Erst rettet er die Bullen aus den Flammen – dann erobert er Jelenas Herz. Die Liebe zu der Deutsch-Russin trübt sich jedoch ein, als deren Brüder auf seinem Hof mit gestohlenen Luxusautos zu handeln beginnen. Und als sei das nicht schon genug, keimt in Kröger auch noch der Verdacht auf, dass der sechzehnjährige Björn, der bei ihm arbeitet und für den er väterliche Gefühle hegt, der Feuerteufel ist. Eines Nachts brennt Krögers eigene Scheune. In den ver kohlten Trümmern findet man die Leiche der schönen Jelena. Für Cord Kröger bricht eine Welt zusammen. Da läuft ihm sein Ziehsohn Björn über den Weg …
SpracheDeutsch
Erscheinungsdatum1. Okt. 2012
ISBN9783866740822
Schweinetango: Kriminalroman
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Autor

Heinrich Thies

Jahrgang 1953, studierte Germanistik, Politik, Philosophie und Journalistik. Er war Reporter bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und ist Autor zahlreicher Bücher, so auch der Studie »Ronny Rieken. Portrait eines Kindermörders« (2005) sowie der Romanbiographie »Die verbannte Prinzessin. Das Leben der Sophie Dorothea« (2007). Des Weiteren bei zu Klampen erschienen: »Schweinetango« (2009), »Das Mädchen im Moor« (2010), »Hilferuf aus dem Folterkeller« (2014) und »Mein Herz gib wieder her« (2016).

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    Buchvorschau

    Schweinetango - Heinrich Thies

    www.zuklampen.de

    Informationen zum Buch

    Der Maskentanz in der Dorfkneipe ist derb. Und doch lassen sich beim »Schweinetango« zarte Bande knüpfen. Cord Krögers neue Geliebte aber hat nicht mehr lange zu leben...

    Beim Dorftanz im »Wilden Jäger« lassen die Junggesellen gerne mal die Sau raus. So auch Cord Kröger, ein lediger Schweinezüchter in den besten Jahren, der beim »Schweinetango« die hübsche Jelena kennenlernt. Doch der gemeinsame Weg zu ihm wird vom Feuerteufel, der seit Wochen sein Unwesen treibt, jäh unterbrochen. Eine Scheune brennt. Cord Kröger greift beherzt ein. Erst rettet er die Bullen aus den Flammen – dann erobert er Jelenas Herz. Die Liebe zu der Deutsch-Russin trübt sich jedoch ein, als deren Brüder auf seinem Hof mit gestohlenen Luxusautos zu handeln beginnen. Und als sei das nicht schon genug, keimt in Kröger auch noch der Verdacht auf, dass der sechzehnjährige Björn, der bei ihm arbeitet und für den er väterliche Gefühle hegt, der Feuerteufel ist. Eines Nachts brennt Krögers eigene Scheune. In den ver kohlten Trümmern findet man die Leiche der schönen Jelena. Für Cord Kröger bricht eine Welt zusammen. Da läuft ihm sein Ziehsohn Björn über den Weg …

    Informationen zum Autor

    Heinrich Thies, Jahrgang 1953, studierte Germanistik, Politik, Philosophie und Journalistik. Er ist Reporter bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und Autor der Bücher Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Das Leben der Bäuerin Hanna sowie Wenn Hitler tot ist, tanzen wir. Das Leben der Hilde Heart.

    Heinrich Thies

    Schweinetango

    Kriminalroman

    Impressum

    ©2010 zu Klampen Verlag · Röse 21 · D-31832 Springe

    info@zuklampen.de · www.zuklampen.de

    Herausgegeben von Susanne Mischke

    Titelgestaltung: Angelika Konietzny (www.izwd.de), Hannover

    Konvertierung: Konvertierung Koch, Neff & Volckmar GmbH,

    KN digital – die digitale Verlagsauslieferung, Stuttgart

    ISBN 978-3-86674-082-2

    Das Werk ist in allen seinen Teilen urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig.

    Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung in und Verarbeitung durch elektronische Systeme.

    Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek

    Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über ‹http://dnb.ddb.de› abrufbar.

    |5|

    1.

    Düfte ganz unterschiedlicher Art waberten durch den Tanzsaal. Parfüm und Rasierwasser, Moschus und Lavendel mischten sich mit Rauch, Schweiß und Schnapsfahnen, während ein Schlager nach dem andern die zaghaften Gespräche übertönte: »Wenn es dich noch gibt, hüll’ dich nicht in Schweigen, ich lieb’ dich immer noch, willst du mir nicht verzeih’n …«

    Single-Tanz im »Wilden Jäger«. Im Halbdunkel des gelblichen Kronleuchterlichts schlurften Paare über das Parkett, die eigentlich gar keine Paare waren – einsame Herzen, die in das Tanzlokal in Verden an der Aller geströmt waren, um gesellige Stunden zu erleben, vielleicht sogar ein kleines Abenteuer.

    Rentner mit knallbunten Krawatten und Glitzerwesten krallten ihre Fingernägel in die nackten Oberarme aufgedonnerter Buchhalterinnen und führten in exakter Schrittfolge vor, dass alte Schule nicht gleichbedeutend mit Alteisen ist. Gute-Laune-Damen in Blümchenkleidern mit tiefen Ausschnitten ließen sich von gut situierten Herren in dunklen, engen Anzügen auf ihre Stöckelschuhe trampeln und kicherten dabei. Eine Dicke in weitem Abendkleid schob einen schmächtigen, deutlich kleineren Herrn im Klammergriff durch den Saal, und zwei verblühte Sekretärinnen mit akkurat frisierten Dauerwellen und weißen Rüschenblusen stellten tanzend unter Beweis, dass es auch ohne Männer geht.

    Cord Kröger wischte sich den Schweiß von der Stirn, das Hemd klebte ihm am Rücken. Sein Herz tuckerte wie ein

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    Treckermotor. Der letzte Tanz hatte ihn mächtig erhitzt. So schenkte er es sich, seine Partnerin zu einem Glas Sekt einzuladen. Spazierte gleich zurück an seinen Platz, wo seine Kumpel hockten und Ausschau nach Damen hielten, Frischfleisch, wie sie sagten. Alles Berufskollegen – Bauern und Junggesellen wie er, zwischen 36 und 55, und seit ewigen Zeiten auf Brautschau: die »Gummistiefel-Gang«. Wegen ihrer berufsbedingten Frauenprobleme wurden sie im »Wilden Jäger« belächelt. Nicht-Landwirte spöttelten, dass sie nach Kuh- oder schlimmer noch Schweinestall rochen, und manche Frauen rümpften kokett die Nase und wandten sich geruchsärmeren Heiratskandidaten zu.

    Dabei hatte Kröger schon seine vierzehn Milchkühe abgeschafft und die Viehhaltung auf computergesteuerte Schweinemast beschränkt, um mehr Zeit für »die schönen Seiten des Lebens« zu gewinnen, wie er zu sagen pflegte. Immer wieder mal hatte er sich auch eine Tanzpartnerin einen Abend lang warm gehalten, manchmal sogar zu sich nach Hause eingeladen. Aber nie war etwas Festes daraus geworden. Schon beim Frühstück war das Feuer meist erloschen. Dabei hatte er Abitur. Und für seine achtundvierzig Jahre hatte er sich gut gehalten: mittelgroß, mittelblond, kräftig gebaut, gut im Gebiss, nicht auf den Mund gefallen und von auffälligen Falten bisher verschont. Nur seine Stirnglatze zeugte vom Nahen des körperlichen Verfalls.

    »Ich bin so schön, ich bin so toll, ich bin der Anton von Tirol …« Diskjockey Käpt’n Kuss schob nicht einfach nur CDs ein. Der Bärtige mit dem Bierbauch trällerte mit, feuerte an. »Wer nimmt es mit Anton auf?«, röhrte er wie ein Jahrmarktschreier in den laufenden Schlager hinein. »Na, na, man nicht so drängeln, die Herren. Sind genügend Damen da, aber ohne Fleiß kein Preis, hahaha.«

    Tatsächlich saßen an den langen Tischen reihenweise Frauen, die ihre lidschattenschweren Blicke sehnsüchtig durch

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    den Saal schweifen ließen. Immer wieder mal trafen sich auch wirklich zwei Augenpaare, um sich wortlos zum Tanz zu verabreden.

    Doch Kröger zog es vor, seine Augen auf das Tanzgetümmel zu richten. Zerstreut nahm er einen Schluck Bier.

    »Siehst ja ganz schön ausgelu-lutscht aus, Chef«, stichelte Walter, genannt »Kneifzange«, ein drahtiger Mittvierziger mit einem Hang zum Stottern und einer entstellenden Narbe unterm linken Auge. Bei der Arbeit mit der Kreissäge war ihm ein Holzstück an den Kopf geknallt. Ebenfalls an der Kreissäge waren ihm Daumen und Zeigefinger der rechten Hand abhanden gekommen.

    »Von nichts kommt nichts«, sagte Kröger. »Oder denkste, dir steigt die Frau fürs Leben aus’m Bierglas wie ’ne Seejungfrau?«

    »Ach hör doch auf, F-frau fürs Le-le-leben.«

    Walter ließ sein Feuerzeug aufflammen und zündete sich eine Zigarette an. Er nahm einen tiefen Zug. Man spürte, wie er sich aufblies, um den starken Max zu spielen. Denn im Grunde seines Herzens war er sehr schüchtern. Vor allem, wenn es um Frauen ging. Da es schon öfter vorgekommen war, dass sie wegen seines Sprachfehlers gegrinst hatten, traute er sich gar nicht mehr, eine anzusprechen. Heimlich hoffte er auf die Damenwahl.

    »Du willst mir doch wohl nicht weismachen, dass Ro-rosi deine Frau fürs Leben ist, Kollege«, fuhr er keck fort. »Da muss man sich ja wohl nich so für a-abstrampeln. Die haben doch schon ganz a-andere getestet.«

    »Du musst es ja wissen, du Walzerkönig. Dein Schwengel is doch längst eingerostet.«

    »Sehr w-witzig. Spiel dich man b-bloß nich so auf, du Sch-schweineb-b-baron.«

    »Fangt doch nich schon wieder an zu zanken, ihr Zombies«, fuhr Olaf dazwischen, der mit Ende dreißig der Jüngste in der

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    Runde war, wegen seines Übergewichts aber älter wirkte. Trotz Brille schielte er außerdem heftig. »Lasst uns lieber noch mal ’ne Lage Moorhexe bestellen.«

    Beleidigt sog Walter mit zusammengekniffenen Augen an seiner Kippe, ließ den Rauch durch die Lungenflügel ziehen und in dünnen Schwaden durch die Nase entweichen.

    Ein Handy klingelte. Mechanisch griffen die Landwirte in ihre Jackentaschen, um zu prüfen, ob der Anruf für sie war. Er war für Olaf.

    »Hallo Mama. Is’n los?«

    Walter zog die Augenbrauen hoch und blickte kopfschüttelnd zu Cord herüber.

    »Was? Die Milchkühlung dröhnt?«

    (…)

    »Das ist normal, Mama, wirklich. Deswegen brauchst du doch hier nich …«

    (…)

    »Nein, Mama, ich hab noch nicht zu viel getrunken, ich …«

    Verschämt wendete sich der dicke Olaf von seinen Berufskollegen ab, die das Gespräch aber trotz der lauten Musik weiter mit anhören konnten.

    »Nein, verdammt. Ich pass schon auf, ich lass mir kein Kind andrehen.«

    »Je-jetzt geht’s wieder zur Sache«, kommentierte Walter und fiel in den Refrain des gerade laufenden Schlagers ein: »Anita, Anita.«

    »Was ist los? Was? Also, ich finde jetzt reicht’s. Also, Mama, Mama …«

    (…)

    Olaf schrie immer lauter gegen die Musik und seine Mutter an. Doch vergebens. Schließlich legte er das Handy entnervt auf den Tisch. Als es mit dem Geschnatter am anderen Ende der Leitung vorbei war, holte er sich das Telefon zurück.

    »Also tschüss denn, bis morgen früh, tschü-hüss.«

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    Mit dem Ausdruck der Erschöpfung stellte er das Handy ab und wandte sich wieder den Kumpels zu.

    »O Mann ey, die Frau nervt.«

    »D-das würd ich n-nicht so sehen«, entgegnete Walter. »D-deine M-mutter m-macht sich nur Sorgen um ihren Olaf.«

    »Verarschen kann ich mich auch allein«, wehrte Olaf ab. Und dann lenkte er den Blick zurück auf die Tanzfläche.

    »Guckt euch mal die beiden an. Die treiben es im Stehen.«

    In der Tat hatte sich ein Paar derart ineinander verkeilt, dass von Tanzen nicht mehr die Rede sein konnte.

    »Die müssen ja mächtig D-druck d-drauf haben, boh ey«, stotterte Walter Kneifzange und entlockte den Berufskollegen ein verbindendes glucksendes Lachen. Es schloss auch den »treuen Heinrich« ein, einen 55-jährigen Landwirt im grauen Anzug, der es im Allgemeinen vorzog zu schweigen und abzuwarten, was ihm die Damenwahl bescherte. Doch trotz des Frauenüberschusses ging er immer öfter leer aus. Sein Ruf als Schlaftablette hatte sich allmählich verfestigt.

    »Wenn du mich noch liebst, hüll’ dich nicht in Schweigen, ich lieb’ dich immer noch, willst du mir nicht verzeih’n« Die Tanzfläche war plötzlich merkwürdig leer. Nur zwei Paare wirbelten durch den Saal. Eine dicke Frau in weitem Kleid tanzte allein, drehte sich um sich selbst.

    Eine Parfümwolke streifte Cord Kröger. Der Duft von Vanille und Sandelholz ging von einer Frau aus, die in ihrem hochgeschlossenen dunkelgrünen Seidenkleid merkwürdig bieder wirkte, andererseits aber stark geschminkt war und einen auffallend prallen Busen spazieren führte. Ihr schulterlanges Haar war weißblond – wahrscheinlich gefärbt, ebenso unecht wie das Rouge auf ihren Wangen. Trotzdem: Kröger war wie gebannt. Er behielt die Dame im Blick.

    »Die ha-hat es dir wohl angetan, Chef?«, sagte Walter, dem nicht entgangen war, welchen Eindruck die Blonde auf Cord

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    gemacht hatte. »Da-das ist die schöne Russin, ni-nimm dich ja in Acht vor der.«

    »Ach, lass mich doch in Ruhe. Du kennst sie ja gar nicht.«

    »Und ob ich die ke-kenne, Chef. Das ist Je-Je-lena. Wir haben schon so ma-manches Tä-tänzchen zusammen gemacht. Scharf wie Nachbars Fiffi.«

    »Und warum hat sie dich dann abblitzen lassen?«

    »Wer erzählt denn so-so-so ’n Scheiß?« Walter mimte Entrüstung. »Ich hab die No-notbremse gezogen, sonst hätt ich gleich die g-ganze Sippschaft auf’m Hof gehabt, mit diesen Ru-russlanddeutschen is nich zu spaßen.«

    »Quatschkopp.«

    Die drei Bauern setzten ihre Scheingefechte noch eine Weile fort. Danach gingen sie dazu über, die hohe Politik und die niedrigen Schweinepreise zu debattieren. Um sich gegen die Stimmungsmusik zu behaupten, schrien sie sich an. Schließlich bereitete die Damenwahl dem Palaver ein Ende. Cord Kröger war der Erste, der aufgefordert wurde. Die Briefträgerin aus seinem Nachbardorf war es, die ihn per Augenaufschlag zum Tanz bat – eine Frau in seinen Jahren, die immer wieder mal durchblicken ließ, dass ihr keine Arbeit zu schwer sei. Doch bei aller Sympathie war »Jutta von der Post« einfach nicht der Typ Frau, der Cords Fantasie beflügelte.

    Während er mit der Briefträgerin tanzte, war er in Gedanken bei einer anderen, bei Jelena. Dummerweise hatte die sich bereits einen Tanzpartner geangelt.

    Schon kurze Zeit später, Mitternacht war gerade vorüber, sollte es aber doch noch zu einer unverhofften Begegnung kommen. Es war beim »Schweinetango«, dem Höhepunkt im Single-Programm von Käpt’n Kuss. Schon die Ankündigung wurde mit dem üblichen Gejohle aufgenommen. Alles erhob sich von den Plätzen, scharte sich um die Tanzfläche. Käpt’n

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    Kuss stieg für das Vorspiel in Gummistiefel und verwandelte sich in einen Bauern mit speckigem Lederkäppi. Seine Lebensgefährtin mimte die vornehme Dame:

    »Was für ein widerlicher Gestank«, mokierte sich die Lady. »Das riecht ja hier wie im Schweinestall. Ekelhaft.«

    Daraufhin der Bauer theatralisch derb: »Verehrte Dame, Sie haben vollkommen recht. Das riecht hier nicht nur wie im Schweinestall, dies hier ist ein Schweinestall, eine einzige Sauerei, wenn Sie verstehen, was ich meine, hö, hö, hö.«

    Obwohl der Sketch nicht neu war, sprang das Lachen gleich über. Die Männer schüttelten sich, die Frauen kicherten und kreischten.

    Die vornehme Dame geziert: »Das ist ja schröcklich, wo bin ich hier nur hineingeraten.«

    Der Bauer: »Ach, ich glaube, Sie passen hier ganz gut rein, Verehrteste.«

    Die vornehme Dame entrüstet: »Wie soll ich das verstehen!?«

    Der Bauer: »Na, das werden Sie gleich sehen. In unserm Schweinestall geht nämlich die Post ab. Hier tanzt der Eber mit der Sau.« Und zum Publikum gewandt stellte Käpt’n Kuss die Frage, die alle schon erwarteten: »Wollen wir es der Gnädigsten mal zeigen?«

    Sofort erhob sich zustimmendes Gejohle, versetzt mit Zurufen wie »Ja, zeig’s ihr« oder »Besorg es der Lady«. Und während Grunzen und Quieken vom Band im Saal widerhallte, trippelte ein Dutzend Frauen mit Schweinemasken auf die Tanzfläche – wieder begrüßt von großem Gejohle. Wie gewohnt, hatten sich die »Freiwilligen« schon Stunden vorher für den Spaß gemeldet.

    Der Bauer: »Herzlich willkommen, meine Lieben. Hallo Berta, hallo Paula, hallo Knuffi. Lasst sehen, wie viel Speck ihr in der letzten Woche angesetzt habt, und vor allem: Sucht euch einen starken Eberhard aus, hahaha.«

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    Applaus und »Yeaah«-Rufe.

    »Seid furchtbar und mehret euch.«

    Im nächsten Moment stürzten sich die Schweinefrauen mit frivolem Grunzen auch schon auf die bereitstehenden Männer und zerrten sie auf die Tanzfläche. Auch Cord ereilte das Schicksal. Fast wäre er lang hingeschlagen, so eilig hatte es seine Schweinedame. Der legendäre Schweinetango nahm seinen Lauf:

    »Der Eber sprach zu seiner Frau, komm her, du süße kleine Sau, wir machen heut ’ne Schweinerei und spielen wieder Nackedei. Ja Nackedei, Nackedei …«

    Das war zwar streng genommen kein Tango, aber der Spaß war groß. Die Umstehenden grölten den Text mit und zeigten feixend auf die Tänzer. Da die Masken die Sicht behinderten, geriet manches Paar ins Schlingern und Stolpern. Besonders Cord Kröger hatte Probleme mit seiner Partnerin. Da er es versäumt hatte, die Führung zu übernehmen, zwang sie ihm ein Tempo auf, dem er nicht gewachsen war.

    Er war froh, als der Tanz vorbei war. Doch es ging ja weiter. Die Schweinedamen nahmen ihre Masken ab und stülpten sie ihren Partnern über.

    »Und jetzt wollen wir doch mal sehen, ob unsere Eber schon ihr Pulver verschossen haben oder noch genügend Power haben, um eine zweite Sau zu beglücken«, rief Käpt’n Kuss. »Auf zur zweiten Runde. Wer sich nicht sofort ein Schweinchen geangelt hat, schmeißt eine Lokalrunde.«

    Jetzt war keine Zeit mehr, sich länger nach einer Wunschpartnerin umzusehen. Wahllos streckte Kröger einfach nur die Arme in Richtung einer Frauengruppe aus, die vor ihm stand. Doch sein Herz hüpfte vor Freude und Aufregung, als er unversehens diesen Duft erschnupperte, der ihn schon einmal gefangengenommen hatte. So ähnlich musste es wohl in einem tropischen Gewächshaus riechen, so süß und schwer.

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    Er hatte sich nicht getäuscht: Es war der Duft der Russin mit den weißblonden Haaren.

    »Na, dann, äh, wollen wir mal«, stammelte er, und ehe er es sich versah, hatte Jelena schon ihre Hände auf seine Schulter und Hüfte gelegt. Wie selbstverständlich übernahm sie die Führung, passte sich ihm aber geschmeidig an. Federleicht bewegte sie sich in seinen Armen. Warm und zart fühlte sie sich unter dem grünen Seidenkleid an. Kröger schwitzte unter seiner Schweinemaske.

    »Legt der Eber mit der Sau einen Tango aufs Parkett, dauert es nicht lange mehr, bis der süße Bauch wird fett …« Schon lange hatte er einen Tanz nicht mehr so genossen. Am liebsten hätte er mitgesungen: »… mit der Sau ins Kuschelbett, bis der süße Bauch wird fett«.

    Obwohl ihm wieder mächtig warm wurde, wünschte er sich, dass dieser Schweinetango nie zu Ende ginge. Aber dann kam der Schlussakkord, und ihm blieb nichts anderes übrig, als die Schweinemaske an seine Partnerin weiterzureichen.

    »Hoffentlich wird dir nicht so warm darunter wie mir. Ich schwitze echt wie Sau«, sagte er, indem er Jelena die schweißfeuchte Kunststoffhaube in die Hand drückte. Es war beim »Single-Tanz« ungeschriebenes Gesetz, dass man sich duzte.

    »Ich werde es schon überleben«, erwiderte Jelena. Und nachdem sie sich die Maske bereits übergezogen hatte, murmelte sie etwas, das Cord Kröger das Blut gefrieren ließ: »War schön.«

    Wie erstarrt beobachtete er dann jedoch, dass Jelena sich einen anderen angelte.

    Nachdem Bauer und vornehme Dame den »Schweinetango« mit ihrem üblichen Schlussgeplänkel ausklingen lassen hatten, setzte Kröger sich wieder zu seinen Berufskollegen.

    »Na, d-d-da ha-haste ja genau die Sau erwischt, in d-d-die du dich verguckt hast«, sagte Walter.

    |14|

    »Spinner.«

    Cord war nun noch weniger in der Laune, sich auf das derbe Sprücheklopfen einzulassen. Er griff verstimmt nach seinem Bier.

    »Was is denn los?«, setzte der dicke Olaf nach. »Is dir ’ne Laus über die Leber gelaufen? Als Schweinebaron musst du doch gerade in deinem Element gewesen sein.«

    Der Dicke und Kneifzange schüttelten sich vor Lachen.

    Doch Cord Kröger blieb ernst. Das Gefrotzel lief ins Leere, die beiden Berufskollegen wandten sich wieder paffend der Tanzfläche zu.

    Kurze Zeit später forderte Käpt’n Kuss erneut zur Damenwahl auf. Kröger sah sich im Saal um. Plötzlich entdeckte er Jelena. Einige Tische entfernt saß sie zusammen mit mehreren Frauen. Er glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als sie ihm ermutigend zunickte. Sofort folgte er dem stummen Lockruf.

    »Jetzt müssen wir nicht mehr so schwitzen«, begrüßte sie ihn.

    »Ja, ganz schön

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