Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Dantes Inferno I: Der Astroführer durch die Unterwelt, Frey nach Dantes "Göttlicher Komödie"

Dantes Inferno I: Der Astroführer durch die Unterwelt, Frey nach Dantes "Göttlicher Komödie"

Vorschau lesen

Dantes Inferno I: Der Astroführer durch die Unterwelt, Frey nach Dantes "Göttlicher Komödie"

Länge:
971 Seiten
11 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Jan. 2014
ISBN:
9783905372397
Format:
Buch

Beschreibung

Dantes Lebenswerk beschreibt über mehrere hundert Seiten eine Wanderung durch das Jenseits: Eintritt in die Hölle, Gang durchs Fegefeuer und Aufstieg ins Paradies. Im Laufe der Wanderung ergeben sich viele Begegnungen, die ein Bild der damaligen Zeit (13./14. Jahrhundert) reflektieren. Lokal- und Zeitgeschichte stehen neben Gedanken zur Mythologie, Philosophie, Theologie, Kultur oder Astrologie und zeigen eine packende, bisweilen erschütternde Welt. Akron folgt in seiner „Göttlichen Komödie“ dem gleichen Weg durch die „menschlichen Höllen“, wobei er sich des weitverbreiteten Modells der Astrologie bedient und dieses epische Schauspiel zu einem okkulten Sachbuch-Roman verdichtet. Akron selbst sieht diese Auseinandersetzung mit der „Divina Commedia“ als sein bislang wichtigstes und tiefgründigstes Werk an. Es bebildert den Aufbruch an den ältesten Bestimmungsort der Menschheit: zu Geburt und Tod, Liebe und Krieg, Hoffnung und Untergang des Lebens. Weil jeder Hölle eine astrologische Konstellation zugrunde liegt (Sonne in Löwe, Mond in Krebs, Merkur in Stier usw.), hält der Leser einerseits ein esoterisches Sachbuch in Händen, dem ein ausführliches Registerverzeichnis zugeordnet ist (Hölle, Sünder, Disposition, Schuld, Strafe, Lösung). Andererseits erschliesst sich ihm auf der erzählerischen Ebene eine wahre Fundgrube esoterischen Wissens, die den bezugsetzenden Verstand in die vielfältigen Welten seiner Seele hineinzieht und unerbittlich auf die verborgene Innenwelt aller Dinge hinweist.
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Jan. 2014
ISBN:
9783905372397
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Dantes Inferno I

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Buchvorschau

Dantes Inferno I - Thomas Voemel

Akron

Dantes Inferno

Der Astroführer durch die Unterwelt

Frey nach Dantes «Göttlicher Komödie»

Illustrationen von Voenix
Akron Edition GmbH
Akron

Dantes Inferno

In Dante Alighieris Werk vertieft, beschließt der «Leser», Dantes geistigen Spuren durch die Unterwelt zu folgen und ein eigenes Buch zu schreiben. Zutiefst in die inneren Betrachtungen versunken, nimmt er Kontakt zu Akron auf, einem zeitlos-ewigen Geistwesen, das sich ihm als sein eigenes Wissen aus der Zukunft zu erkennen gibt. Gemeinsam brechen sie in die seelische Innenwelt auf. Auf komplexe Weise wird der Leser dabei in die Vielzahl der Handlungsstränge mit einbezogen und schöpft somit unaufhörlich aus dem unergründlichen Fundus eines Psychopompos, der ihm auf dem Weg in die dunkle Innenwelt seiner Psyche mit seinem zeitlosen Wissen hilfreich zur Seite steht.

Dantes Lebenswerk beschreibt über mehrere hundert Seiten eine Wanderung durch das Jenseits: Eintritt in die Hölle, Gang durchs Fegefeuer und Aufstieg ins Paradies. Im Laufe der Wanderung ergeben sich viele Begegnungen, die ein Bild der damaligen Zeit (13./​14. Jahrhundert) reflektieren. Lokal- und Zeitgeschichte stehen neben Gedanken zur Mythologie, Philosophie, Theologie, Kultur oder Astrologie und zeigen eine packende, bisweilen erschütternde Welt.

Akron folgt in seiner «Göttlichen Komödie» dem gleichen Weg durch die «menschlichen Höllen», wobei er sich des weitverbreiteten Modells der Astrologie bedient und dieses epische Schauspiel zu einem okkulten Sachbuch-Roman verdichtet. Akron selbst sieht diese Auseinandersetzung mit der «Divina Commedia» als sein bislang wichtigstes und tiefgründigstes Werk an. Es bebildert den Aufbruch an den ältesten Bestimmungsort der Menschheit: zu Geburt und Tod, Liebe und Krieg, Hoffnung und Untergang des Lebens. Weil jeder Hölle eine astrologische Konstellation zugrunde liegt (Sonne in Löwe, Mond in Krebs, Merkur in Stier usw.), hält der Leser einerseits ein esoterisches Sachbuch in Händen, dem ein ausführliches Registerverzeichnis zugeordnet ist (Hölle, Sünder, Disposition, Schuld, Strafe, Lösung). Andererseits erschließt sich ihm auf der erzählerischen Ebene eine wahre Fundgrube esoterischen Wissens, die den bezugsetzenden Verstand in die vielfältigen Welten seiner Seele hineinzieht und unerbittlich auf die verborgene Innenwelt aller Dinge hinweist.

Auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris findet man ein Grab, darauf steht weder Name noch Jahreszahl, sondern nur ein Satz: «Sie waren verwundert über die Schönheit der Reise, die sie bis ans Ende des Lebens führte.»

Die Deutsche Bibliothek – CI

P-Einheitsaufnahme

Akron: Dantes Inferno:

Der Astroführer durch die Unterwelt/

Akron. – Engerda: Arun, 2000

Copyright Akron Edition GmbH

Layout und Bildbearbeitung der eBook-Ausgabe von 2013: ArsAstrologica

1. digitale Auflage: Zeilenwert GmbH 2013

ISBN 9783905372397

Layout und Bildbearbeitung der Printausgabe von 2000:

Creative Atelier Gianin Rageth, Schwellbrunn/​AR

Titelbild: Voenix, (e-mail: info@voenix.de; www.voenix.de)

Gesamtgestaltung: Akron

Alle Rechte der Verbreitung in deutscher Sprache und der Übersetzung, auch durch Film-, Funk und Fernsehen, fotomechanische Wiedergabe, Ton- und Datenträger jeder Art und auszugsweisen Nachdrucks sind vorbehalten.

Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Vorwort - Dantes Werk

Limbus

Prolog - Der Aufbruch des Helden

- Portal - Die Fische-Vorhölle

Sonne

Das Schlangenei

Mond

Schneewittchen und die Ungeborenen

Merkur

Wessen Augen sind die Sterne?

Venus

Undines Todeskuß

Mars

Die versunkene Libido

Jupiter

Die Suche nach dem Gral

Saturn

Die versteinerten Tränen

Inferno

Intermezzo - Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt

- Portal - Die Widder-Hölle

Sonne

Der Fleischwolf

Mond

Medea — die Stiefelherrin

Merkur

Die Stacheln im Hirn

Venus

Der Schatten der Aphrodite

Mars

Das gespaltene Ego

Jupiter

Das magische Theater

Saturn

Das zersprungene Herz

- Portal - Die Stier-Hölle

Sonne

Das geplatzte Gedärm

Mond

Die Nippel der Lilith

Merkur

Das Labyrinth der Erinnerung

Venus

Der Natursekt der Venus

Mars

Die Maske des Henkers

Jupiter

Das große Fressen

Saturn

Der Mörder Tod

- Portal - Die Zwillinge-Hölle

Sonne

Der Doppelgänger

Mond

Der Phallus auf der Stirn

Merkur

Der Trickster im Hirn

Venus

Das Porno-Comic-Heft

Mars

Die Cybersex-Masturbations-Kabine

Jupiter

Der digitale Gott

Saturn

Die Video-Reality-Schizophrenia-Show

- Portal - Die Krebs-Hölle

Sonne

Ödipus

Mond

Der Tempel der Ahnengeister

Merkur

Die Resonanz der verdrängten Erinnerung

Venus

Die Träumerinnen der Seele

Mars

Die Fäzes der Göttin

Jupiter

Das Schweigen der Mütter

Saturn

Die Antwort der Schlange

- Portal - Die Löwe-Hölle

Sonne

Das Ego Gott

Mond

Der embryonale Schleier

Merkur

Der sich selbst bespiegelnde Blick

Venus

Die Paradiesfalle

Mars

Der Kampf mit dem Drachen

Jupiter

Das Feuer des Adlers

Saturn

Der Ungott

- Portal - Die Jungfrau-Hölle

Sonne

Der Sündenengel

Mond

Der gespiegelte Dämon

Merkur

Das Buch der Schuld

Venus

Der gläserne Traum

Mars

Das perforierte Hologramm

Jupiter

Der philosophierende Kegel

Saturn

Der Schatten des Schattens

- Portal - Die Waage-Hölle

Sonne

Die Maske vor dem Gesicht des anderen

Mond

Der andersgeschlechtliche Teil

Merkur

Das Ich des anderen Selbst

Venus

Das Echo der Sehnsucht

Mars

Die libidinöse Projektion

Jupiter

Die Relativität des Betrachters

Saturn

Das Auge des Lesers

Akronos

Epilog - Der Traum des Magiers

Nachwort von Dr. Peter Orban

Vorwort

DANTES «DIVINA COMMEDIA» 

Dantes Werk im Spiegel der Zeit

Wenn sich heute jemand an Dante heranwagt, muß er sich zunächst einmal ganz klar darüber werden, was er sagen will. Um Himmel und Hölle kann es ja nicht mehr gehen. Der ewig Strebende, der die Schreckensgewölbe durchdringt und ins Paradies eingeht – ist das noch einsehbar? Zwar kennt die Weltliteratur kein vergleichbares Werk, das in seinen epochalen Ausmaßen Himmel und Hölle so ausschließlich miteinander verbindet und in dem sich das ganze Weltbild seiner Zeit in einem überragenden Kunstwerk von solch hoher Qualität zusammenballt. Dantes gewaltiges Gedicht mit seinen hundert Gesängen führt in einer geistigen Schau von der Darbietung des Jammers (Inferno) über die Schutthalden des Seeleninneren (Purgatorio) bis hin zu den Türmen der Erlösung (Paradiso). Doch obwohl die Kraft seiner inneren Visionen sich bis heute als unerreicht zeigt, stellt sich die Frage, ob der Geist, den der Christ Dante einem jeden Ereignis aus seiner christlich-moralischen Sicht unterlegte, in unserer Zeit noch greift; ob Dantes Universalität, Himmel und Hölle durch ein persönliches Erleben in seiner ganzen Tiefe zu durchleiden und gewissermaßen als persönliche Abrechnung zu einem monumentalen Kulturgemälde zu verarbeiten, über den Status einer Pflichtlektüre an höheren Schulen hinausreichen kann und noch andere Leserkreise als nur die der Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker zu interessieren vermag.

Der moderne Leser, der allenfalls an Gott, kaum noch an Jesus, am allerwenigsten jedoch an Himmel und Hölle glaubt, könnte ein Werk als befremdlich empfinden, das sich mit einzigartiger dichterischer Kraft ausschließlich der Wanderung durch Himmel und Hölle widmet, um so mehr da aus der heutigen Sichtweise klar wird, daß die Hölle zu Dantes Zeit weniger ein Gleichnis für die inneren Ängste war, sondern vor allem ein zum eigenen Machtgewinn benutztes Instrument der Einschüchterung seitens der Priesterkaste. Im Licht dieser Erkenntnis muß dem Leser Dantes geistige Achse seines Riesenepos trotz der hymnischen Kraft seiner Gesänge etwas schief erscheinen. Da die Vorstellungen vom Jenseits natürlich immer auch die geistige Entwicklung einer Gesellschaft innerhalb ihrer Zeit repräsentieren, war es daher unabdingbar, Dantes «Höllentrichter», der entstand, als Luzifer bei seinem Abfall von Gott aus dem Kristallhimmel in den Mittelpunkt der Erde geschleudert wurde, mit den heutigen Erkenntnissen über die Abgründe im Menschen in Verbindung zu bringen.

Dantes alttestamentarische Ausrichtung

Wenn wir Dantes Lebenslauf betrachten, so erkennen wir, daß dem frühen Erfolg, der ihn bereits in jungen Jahren in hohe politische Ämter aufsteigen ließ, schon bald die Verstrickungen in politische Intrigen mit anschließender Flucht und lebenslangem Exil folgten. Bemühte er sich vorerst, die Wiederherstellung seines Rufes und Ranges vor allem durch schriftstellerische Leistungen zu erkämpfen, so brach er dieses sinnlose Bemühen später ab. Aber schon hier wird Dantes zwiespältige Haltung zwischen geistiger Erneuerung und gesellschaftlicher Anpassung sichtbar, die ihn und sein Werk in das sengende Fegefeuer zwischen Revolution und Resignation schickte. Denn von ihrer architektonischen Form her wurde die Hölle von ihm nicht revolutioniert. Er hat seine Visionen im Stil der älteren, populären Überlieferungen der jüdischen Apokalyptik entwickelt, wie sie sich etwa im Henochbuch (3./​2. Jh.v. Chr.) finden. Die jüdisch-apokalyptische Vorstellung einer von Würmern belagerten Jenseitslandschaft, in der ein großes Feuer wütet und Strafengel die Folterung der Sünder vorbereiten, muß als direkter Vorfahre von Dantes «Inferno» gelten, wo die Sünder bei lebendigem Leibe im Schlamm begraben, in Sümpfe verbannt, in Felskammern gesperrt, an Steine gekettet und zwischen Baumstämme geklemmt geschildert werden. Sein inhaltlicher Beitrag war dementsprechend auch kein grundlegend-verändernder, sondern nur ein formal-umkehrender: statt der üblichen Sünder und primitiven Gesellen ließ er historische Persönlichkeiten, Fürsten, Kirchenobrigkeiten und andere «Schreibtischtäter» im Feuer schmoren. Diese ketzerischen Spitzen verleihen seinem Werk aus heutiger Sicht durchaus einen Anstrich revolutionären Umbruchs, doch im inhaltlichen Sinn ist er über Denker wie beispielsweise Origenes nicht hinausgekommen, der schon im 3. Jahrhundert die Meinung vertrat, daß Gott reiner Geist sei und das Höllenfeuer metaphorisch, und der das schreckliche Höllengericht durch die universale Versöhnung mit Gott ersetzte, wodurch letztlich alle Sünder erlöst würden. Auch der logische Scharfsinn, mit dem Thomas von Aquin über den Sinn der Höllenstrafen nachdenkt und sich mit der Frage beschäftigt, ob das Mitleid der Seligen die Strafen der Gottlosen nicht mildere und ob das Strafmaß der Ewigkeit die Richter nicht selbst zu Tätern mache, wird von Dante nur stellenweise gestreift, etwa, wenn sich die Verdammten vor Dante ob ihrer Taten schämen, aber nicht, um das unerbittliche Strafmaß der Höllen aufzuweichen, sondern um ihre Greueltaten zu zementieren und die Lauterkeit seiner Visionen, die die politisch Ungerechten und die machtgeile Kirchenmafia in der Hölle beeinflußt, seinerseits wieder abzusichern.

Dantes kultureller Einfluß

Aus dieser Perspektive ist Dantes genialer Ansatz unter geistig-erneuerndem Aspekt gar ein rückwärtsgerichteter oder konservativer, weil die persönliche Abrechnung, die Dante in seine höllischen Gesänge mit hineingepackt hat, ohne die dunkle Kraft ihrer Poesie die Jahrhunderte wohl kaum überdauert hätte. Und dieser visionären Schau eines über sich selbst hinausweisenden Epos ging es natürlich zuallerletzt darum, den Mißbrauch der Hölle zur Einschüchterung der Menschen abzubauen. Damit arbeitete Dante in seinem Werk ironischerweise der von ihm bekämpften Kirche in die Hände, die natürlich sehr daran interessiert war, daß die Hölle ihren negativen Nimbus behielt. Indem sie jeder Sünde eine bestimmte Höllenstrafe zuordnete und mit Fürbitten oder Totenmessen die Einflußnahme auf das jenseitige Geschehen regelte, steigerte sie natürlich auch ihre eigene Autorität. Man könnte sogar behaupten, daß sich das bis weit über die Romantik hinaus so fruchtbar entwickelnde Höllenszenarium, wo in unzähligen Hausbüchern über Größe, Zahl der Insassen sowie Eigenart der Folterkammern in der Hölle Klarheit herrschte, neben der durch die kirchlichen Drohungen gesteuerten Volksfrömmigkeit gerade auch Dantes Einfluß zuzuschreiben ist. Zeugnisse für die kirchlich tolerierte Unterstützung makabrer Phantasien finden sich bis ins 20. Jahrhundert, und die Nachwirkungen können bis zur aktuellen Gegenwart in Schülerbefragungen nachvollzogen werden. Selbst in der Neuzeit kämpfen reaktionäre Theologen gegen ein bloß metaphorisches Höllenverständnis. Und in den Dunstkreisen der Esoterik feiern die längst totgeglaubten und zu Grabe getragenen Engelwesen und Dämonen fröhlich Wiederauferstehung. Deshalb stellt sich hier die Frage: «Was ist die Hölle wirklich?» Und zwar hinter dem von der Kirche seit Jahrtausenden propagierten Bild eines glühenden Feuerofens. Für den rückwärts orientierten Menschen klingt die Wahrheit zynisch: «Sie ist der Himmel selbst!»

DAS LICHT DES INFERNOS

Die Finsternis und das Licht

Wenn wir die Hölle jenseits der apokalyptischen Vorstellung einer ewig brennenden Feuerlandschaft suchen, dann stellen wir fest, daß es sich bei den Sündern um Menschen handelt, die sich den von der Kirche aufgestellten christlichen Geboten widersetzt haben. Verboten aber wurde alles, was den kirchlichen Interessen widersprach. Und wenn wir aus heutiger Sicht weiter erkennen, daß die Gebote weniger dazu dienten, die Menschen in den Himmel zu führen, als sie politisch und kulturell zu kontrollieren und damit zu steuern, dann können wir auch sehen, daß die Hölle weniger ein Instrument der Sühne als vielmehr ein Instrument der Machtentfaltung war, die im Zuge der politischen Ausweitung von der Kirche zur Einschüchterung der Menschen und damit zum eigenen Machtmißbrauch mißbraucht worden ist. Damit hat die Kirche im Teufel ihren verdrängten Schatten nur deshalb heraufbeschworen, um ihren Kampf gegen das Böse zu legitimieren und damit das verdrängte Böse selbst auszuleben, indem sie durch die Verhinderung des scheinbar Bösen vermeintlich Gutes tat. Ergo wird auch klar, daß die Hölle die andere Seite des Himmels ist, also jener Teil, der im Schatten existieren muß, damit der andere sich weiter im Licht sonnen kann. Beide sind gleichermaßen dual und unvollständig und gehören dergestalt zu jenen Stufen menschlicher Entwicklung, die durch Erkenntnis und Bewußtseinserweiterung zu überwinden sind und erst durch Synthese zu einem die Triebnatur einbeziehenden sozialen Bewußtsein führen können. Wenn wir das wissen, erkennen wir plötzlich, daß Himmel und Hölle das Ego erhöhen und für die innere Sehnsucht nach Überwindung der gesellschaftlichen Enge und Beschränkung stehen. Der Unterschied liegt darin, ob sich diese Sinnsuche innerhalb der gesellschaftlichen Normen bewegt oder nicht, denn sowohl hinter der kontrollierten (Himmel) als auch der unkontrollierten Gier (Hölle) nach Sex, Besitz und Macht verbirgt sich nur die zu kompensierende Leere im Leben, denn beide Wege dienen dem Ego letztlich dazu, zu überleben und über die anderen hinauszuwachsen, um seinem Leben einen Sinn abzuringen. Der Unterschied ist wirklich nur der Standpunkt, von dem wir dieses Ziel betrachten, und die Suche nach Sinn der Weg in die Hölle oder ins Paradies. Ein Denker wie Meister Eckhart würde das heute so ausdrücken: «Der Weg in die Hölle ist mit Sinnsuche gepflastert.»

Die Hölle aus esoterischer Sicht

Die Suche nach Sinn ist der Weg in die Hölle, und das Finden des Un-Sinns die Rückkehr ins Paradies. Das Erkennen der Sinnlosigkeit der Sinnfrage wäre dann das «Fegefeuer», und die Erkenntnis, daß es keinen Sinn zu finden gibt und daß die Suche das sinnlose Ziel in sich selbst ist, entweder der «Himmel», wenn wir die Sinnlosigkeit der Sinnsuche erkennen (den Dämon der Sinnfrage), oder die «Hölle», wenn wir den Anlaß unserer Suche verdrängen. Wir ersehnen uns, was wir nicht haben, aber wir wollen es nur, weil es uns fehlt. Hätten wir es, würden wir gar nicht merken, daß wir es wollen, und suchten nach anderem, von dem wir glaubten, daß es uns fehlte. Wir suchen das Suchen, um das Finden zu verdrängen, denn würden wir finden, dann wären wir am Ziel. Doch ähnlich dem Alkoholiker, der zum Arzt geht und vorgibt, mit dem Trinken aufhören zu wollen, aber aus der Therapie aussteigt, sobald ihn der Arzt zum Alkoholentzug in die Klinik schicken will, sehen wir, daß beim Suchenden der Frust gerade dann ausbricht, wenn er zu finden beginnt. Und da wird uns klar: Es geht weder ums Finden noch um die Wahrheit. Sondern ums Suchen. Und solange wir die Hintergründe nicht sehen, warum wir suchen, was wir suchen, sind wir nicht viel klüger als der sprichwörtliche Narr, der den verlorenen Schlüssel unter einer Laterne sucht, weil es ihm dort, wo er ihn tatsächlich verloren hat, zu dunkel ist. Wir suchen im Reich der Ideale, wo man etwas sieht, weil alles hell und klar ist – doch wie sollten wir da finden, was in der Dunkelheit verborgen ist?

Solange wir uns scheuen, im Dickicht der Gefühle und in den Tiefen unserer seelischen Niederungen zu suchen, dort, wo wir ihn verloren haben, solange finden wir den Schlüssel kaum. Möglicherweise finden wir unter der Laterne dafür das Paradies, das uns suggeriert, solange wir immer nur im Licht suchten, solange bräuchten wir auch den Schlüssel nicht. Tatsache ist: Nur aus der Position des Suchens kann ich das Finden manipulieren, nur dort kann ich es mit all meinen Sehnsüchten vollstopfen, die mir meine Masken einreden, und damit schon am Anfang die Wahrheit verdrängen, die für die Masken den Tod bedeuteten: daß nämlich diese Form der Suche schon wieder eine Lüge ist, hinter der sich keine Wahrheiten, sondern nur die Gaukelbilder dämonischer Sehnsüchte verbergen, die mich niemals mehr aus den Netzen ihrer Verstrickungen entlassen. Das aber ist gerade die Hölle, die uns bedroht, weil sie uns den Abstieg zu unseren eigenen Ängsten verwehrt. Denn die erlittenen Wunden und Verletzungen heilen nur durch das Erkennen der seelischen Zusammenhänge, und erst die geistige Einsicht katapultiert unseren Geist ins Licht. Denn, wie sagte ein alter Suchender, nachdem er Gott zeit seines Lebens vergeblich im Himmel suchte und ihn endlich am Ende seiner Tage an der Eingangspforte zur Hölle fand: «Ein ganzes Leben lang war ich auf der Suche nach Gott, und als ich ihn am Ende meiner Tage fand und ihm in die Augen blickte, entdeckte ich, daß er es war, der mich suchte.» (Bajezid Bastami)

DANTES WERK AUS MEINER PERSÖNLICHEN SICHT

Dantes Vorlage als apokryphes Modell

Kehren wir zu Dante zurück. Kaum einer hat wie er das gesamte Weltbild seiner Zeit in sich aufgenommen und es zu einem monumentalen Gebäude unvergänglicher Lettern vor der Geschichte aufgetürmt, keiner hat wie er das geschichtliche Geschehen seiner Zeit aktiv und passiv miterlebt, in seiner ganzen Tiefe durchlitten und es in ein glühendes Versmaß gestellt, das jahrhundertelang die Vorstellungen der Menschen bis an die Schwelle der Neuzeit prägte. An seiner Dichtung mißt sich die sprachliche Gestaltungskraft von Himmel und Hölle. Verglichen mit seinem Werk kann mein Bemühen natürlich nur der schwache Abglanz eines kreativen Zusammenmischens alten Weins in neuen Schläuchen sein. Um diesem Bemühen aber trotzdem einen kollektiven Sinn zu sichern, mußte ich mich dort, wo Dante in vierzehntausend Versen die ganze Schöpfung durchmaß, nach einem System umsehen, das mir Dantes komplettes Weltbild durch eine innere Struktur ersetzte, die es mir erlaubte, die verschiedenen Episoden wie die Perlen auf einer Gebetsschnur nebeneinander aufreihen zu können. Dafür erkor ich mir das astrologische Modell. Der Preis ist klar. Statt der großen Menschheitsbühne, der menschlichen Entwicklungsgalerie, auf der Dante sein monströses, sinnvolles und sinngebendes Opus vom Leben des «Homo sapiens» vollzieht, kann ich nur ein abstraktes Modell anbieten, das über die systemartigen Verknüpfungen in Zusammenhang mit meinen astrologischen Kenntnissen und Erfahrungen im besten Fall auf den Ansatz seelischer Vertiefungen in einem psychologischen Umfeld hinweist.

Trotzdem gab es keine bessere Lösung, weil ein Buch in Dantes epochalen Dimensionen einfach nicht anders möglich war. Deshalb war für mich das Ausweichen auf ein strukturierendes Modell ein letztlich doch befriedigender, weil unausweichlicher Kompromiß, und die Hinwendung an die Astrologie innerhalb ähnlicher Modelle für mich aufgrund meines Erfahrungspotentials interessant. Außerdem schien mir dieses System besonders geeignet zu sein, da es mir erlaubt, jede der Höllen mit einem astrologischen Inventar auszukleiden und mit den astrologischen Konfigurationen meiner LeserInnen in Verbindung zu bringen, die sich in der einen oder anderen Geschichte wiederfinden können.

Manche mögen es auch als eine Anmaßung empfinden, das vorliegende Buch Dante als eine esoterische Paraphrase zu unterstellen und es mit seinem Werk in Beziehung zu bringen. Ich kann sie verstehen. Wenn ich es nach reiflichem Überlegen trotzdem wage, meine Schilderungen im weitesten Sinne an Dantes «Inferno» anzulehnen, dann weniger in kulturpolitischer als mehr in persönlicher Weise. So wie der Dichter sich dem Höchsten in voller Selbsthingabe näherte, um sich im nächsten Augenblick mit den Widersprüchen christlicher Dogmen auseinanderzusetzen, oder wie er seiner großen Liebe Beatrice in der Jenseitswelt genauso wie im Leben verfiel, wobei er sie aber statt als erlösenden Engel bei ihrer Begegnung als unnahbare Madonna mit den moralischen Schuldzuweisungen theologischer Lehren im Mund charakterisierte, erkennen wir in ihm auch eine gebrochene, rückwärtsorientierte Gestalt. Diese kehrt nicht als Handelnde, sondern als Gehandelt-Werdende an den Schauplatz ihrer Erinnerungen zurück, um aus der psychotherapeutischen Sicht des Schauens die eigene Seelenlandschaft aufzuräumen. An diese nicht unwidersprüchliche, aber menschlich-ringende und letztlich sich selbst überwindende Seite von Dantes Wirken wollte ich mein persönliches «Inferno» herantragen: an das rückwärtsgerichtete Hinabsteigen in den dunklen Schacht, diesen abgespaltenen Teil der Seele, dessen schlummernde Erinnerungen erwachen und in visionären Träumen ins Bewußtsein eindringen, um es um diesen unerkannten Teil erweitern zu können.

Dantes Wurzeln

Wir können Dante Alighieri aber nicht verstehen, ohne uns nicht auch seinen Vorbildern zuzuwenden, den Grundlagen, auf denen er sein Werk aufbaut. Vor ihm ist in ähnlichem Sinne Vergils «Aeneis» entstanden, ein Werk, das sich an Homers «Ilias» anlehnt und seinen Schöpfer ebenfalls in die Unterwelt führt. Doch wo der antike Dichter als Person bescheiden im Hintergrund verbleibt und im Epos selbst nicht erscheint, manifestiert sich Dante selbst als der eigentliche Held seiner Geschichte, und damit bekommt die Kulturwelt ihren ersten menschlichen Sänger, der die ungeheuer gehäuften Handlungen der Menschen und ihre verstrickenden Beziehungen untereinander in sich hineinnimmt, in einem gewaltigen Epos zusammenrafft und wieder aus sich herauswirft. Diese selbstbezogene Dramatisierung ist Dantes spontane Fortsetzung griechischer Dichtung: die antike Vorlage aus persönlicher Sicht. Denn Dante ist «Wanderer» und «Weg». Er ist sein eigener Hauptdarsteller, und unter seiner Regie löst er sich aus der dramaturgischen Vorlage und gewinnt durch seine visionäre Präsenz die poetische Kraft, die selbst monströsestes Leiden virtuos und differenziert in Sprache packt. Die ganze menschliche Schöpfungsflamme steigt aus ihm empor, und im unerschöpflichen Ringen zwischen bewußtem Formulieren und unbewußtem Dahingetragenwerden entsteht hier allmählich ein Bewußtsein von Erkenntnis und göttlicher Besinnung, das sich durch die Höllen der Einsicht zu immer tieferem Erkennen vortastet. Es ist dies das Vermögen, in den menschlichen Abgründen die gesellschaftlichen Zusammenhänge zu sehen und sich damit über die kollektiven Muster und Verhaltensweisen hinwegzuheben. Es ist, als habe der unbewußte Dante hier Regie geführt, wenn er von seiner riesigen Gedankenfülle nicht erschlagen, sondern unter der kundigen Obhut seines Seelenbegleiters Vergil zur inneren Offenbarung und schließlich zu seinem eigentlichen Höheren Selbst getragen wird.

Dantes anderes Selbst

«Seelenbegleiter? Höheres Selbst?! Was für abgehobene Sichtweisen …», mögen sich die LeserInnen denken. Doch erinnern wir uns: Es ist dieses Ringen um das Höchste aus der Perspektive des kleinen, eigensinnigen Ich, dieses Vermischen von Persönlichem und Universalem, Emotionalem und Klerikalem, das Dantes Sicht diese epochale Bedeutung zuteil werden ließ, das den Künstler und Gelehrten neben seinem monumentalen Werk auch emotional und dadurch menschlich erscheinen läßt. Doch wie sollte Dantes kleines Ich die Unvergänglichkeit seines Werkes mit Atem füllen? Wie sollte das Numinose nicht das begrenzte Vorstellungsvermögen des Dichters sprengen? Dazu bedurfte es eines Größeren, denn Visionen dieses Ausmaßes stellen sich nicht ganz ohne unbewußten Beistand ein. Dante brauchte noch ein höheres Wesen, ein Medium, einen Brückenpfeiler zwischen den Welten, denn nicht nur die Reise scheint ein tiefer Abstieg in seelische Abgründe, sondern die Hölle selbst erscheint als eine im Vorgriff aufgerissene Seele. Wir können davon ausgehen, daß Dante genau spürte, daß die visionäre Verdichtung seiner Imaginationen auch aus Teilen seines Unbewußten strömte und er sich in seinen Gesichtern verstrickt hätte, wenn er sie in der Seele nicht hätte ausbrüten können. Deshalb bemühte er sich um einen mentalen Beschützer: Vergil, den er geistig ins Bild brachte und den er als seine eigene Schöpfung in visionärer Leibhaftigkeit durch die Jenseitswelt imaginierte. Die Wahl von Vergil lag – wie gesehen – auf der Hand: Vergil war wie Dante Dichter und begegnete in seinem Werk den Geistern der Abgeschiedenen in einer seelischen Rückschau. Außerdem ist er erdennah: Ähnlich wie Dante mit seiner Fiktion eines Gottesreiches auf Erden strebte er nach der aktiven Gestaltung des materiellen Bereichs durch die politische und visionäre Schöpfung des Römerreichs.

Der magische Pakt mit dem Seelenführer

Damit hatte Dante, wahrscheinlich ohne es zu wissen, den entscheidenden magischen Griff getan. Durch die Einbeziehung Vergils als seelischen Begleiter hatte er sich unbemerkt den Geist der Antike zum Verbündeten gemacht, als deren Vollender er sich sah, genauso wie ich mir durch die Einbeziehung von Akron den Geist des Unbewußten zu verpflichten suchte. Genauso, wie nur Dantes überbewußtem inneren Dialog zwischen Schüler und Lehrer ein so tiefes Eindringen in die seelischen Abgründe gelingen konnte, vermag nur ein widersprüchlicher, in sich gespaltener, seine eigenen Spaltungen reflektierender und die Reflexionen gleichzeitig wieder verarbeitender Geist wie Akron mich durch die Sümpfe unverarbeiteter Seelenschlacken und Geröllhalden unbewußter Gedankenmuster hindurchzuschleusen. Nur ein Geist, der seinem Scheitern ins Auge blicken kann und erst dadurch zu seiner wahren inneren Größe findet, indem er sich in seinen Banalitäten, in seiner Unwichtigkeit und der Relativität seines Erkennens überhaupt erkennt, hat wohl die Kühnheit, mich an ein Werk heranzuführen, das die Hölle nicht einfach nur beschreiben möchte, sondern gewissermaßen dantesk in den Geist der Unterwelt eindringen will. Deshalb fühle ich mich dem «Magier» Dante noch mehr als dem kulturhistorischen Gipfel seines Werks verpflichtet, auch wenn ich die Hölle im Gegensatz zu Dante nicht in der äußeren Welt erblicke, sondern als seelischen Raum empfinde, den ich durch meine inneren Bilder bereisen kann. Ich habe mir deshalb auch als Führer keine historische Figur, sondern ein Energiefeld in meinem Kopf erkürt, mit dem ich korrespondieren kann und das mich durch meine inneren Abgründe führt. Warum?

Das Denken ist dual, und die Dualität trennt, weil das ihre Natur ist. Wenn ich also irrational denke, dann erscheint mein Verstandeszensor und pfeift mich zurück. Die Wahrheit jedoch ist mehrdimensional und hat viele Gesichter. Denken und Sprache umschreiben zwar einzelne Teile, doch Wahrheit umfaßt alle Teile eines Ganzen und ist daher der Ratio nicht einsichtig. Deshalb bedarf ich zur Erfahrung des Unbewußten einer imaginierten Gestalt, die meine Seele begleitet und mir die irrationalen Erlebnisse filtert und reflektiert, und mein inneres Bild von Akron entspricht genau dieser Vorgabe. Er ist eine seelische Vertiefung, ein unfaßbarer Abgrund, der Unvorstellbares auf der Ebene des Verstehens in Bildern ausdrücken kann, ohne der Verstandeszensur verpflichtet zu sein. Wenn es mir emotional gelingt, mich ihm anzuvertrauen, also ein persönliches Vertrauen zu einer Kraft zu entwickeln, die jenseits meiner Verstandeskontrolle liegt, dann kann ich durch sie wie mit einer Tiefseeglocke in die seelischen Abgründe jenseits von Raum und Zeit eintauchen und mich im gelassenen Vertrauen auf meine künftige Auferstehung angstfrei dort unten bewegen. Denn ich weiß: Weder ich noch mein Seelenführer sind das Ganze: Er stützt mich, und ich manifestiere ihn. Die Realität, die ich im Bewußtsein zurücklasse, verschwindet, und die Zeit bleibt in dieser Subjektivität der Seele stehen – bis ich wieder in den Körper und den Intellekt zurückkehre und das erlebte Unfaßbare auf dieser Seite des Erlebens aus mir herausschaufeln kann.

Akron – der andere Seelenspiegel

«Wer aber ist Akron?» wird sich mancher wohl am Ende dieses Vorworts fragen. Um die Wahrheit zu sagen: Ich weiß es nicht. Oder genauer gesagt: Ich bin mir nicht sicher. Ich habe mir über diese Frage aber auch schon Gedanken gemacht. Deshalb habe ich hier zwei mögliche Antworten vorbereitet, die aus ihren polaren Sichtweisen in einem übergeordneten Sinn wahrscheinlich das gleiche ausdrücken. Zuerst die esoterische:

Vor mehr als fünfzehn Jahren hatte ich nicht nur das Glück, meinem inneren Seelenführer und Geisteslehrer Akron zu begegnen, sondern ich hatte auch die Chance, in den Prozeß der Übermittlung seiner inneren Botschaften einbezogen zu werden und mich auf der inneren und äußeren Ebene gleichzeitig zu reflektieren. D.h., mir blieben nicht nur die Teile meines Bewußtseins offen, auf der mir seine inneren Botschaften zuflossen, sondern mir erschloß sich auch die Perspektive, aus der ich den Mechanismus dieser Übermittlungen beobachten konnte, und so konnte ich erkennen, wie diese Übermittlungen dank ihrer raffinierten symbolischen Verschlüsselungen meine «kritische Vernunft» umschifften. Dadurch, daß ich mir das Denken zum Verbündeten gewann, das sich mir in der Verkörperung von Akron bis zu den Grundlagen seiner eigenen Relativität offenbarte, konnte ich den Strukturen des Denkens außerhalb meiner eigenen Denkmuster begegnen und damit die «Botschaften aus dem Universum» relativieren, ohne ihnen aber ihr inneres Geheimnis zu stehlen.

Und nun die pragmatische Antwort:

Das, was ich hier im Buch als meinen Geistesführer bezeichne, ist ein Energieimpuls in meinem Hirn. Es ist die Zusammenfassung der Muster, wie sich das kollektive Wissen in meinem persönlichen Erleben reflektiert. Dieser Teil kann genauso eine höhere Wesenheit sein wie ein abgespaltener Teil in mir, vielleicht mein eigener geistiger Machtanspruch, der mir in dieser ausgelagerten Form viel besser behagt, weil ich mich mit ihm in dieser personifizierten Gestalt nicht restlos zu identifizieren brauche. Im Grunde interessieren mich aber alle Fragen nach Akron auch nur insofern, als daß der innere Dialog funktioniert und daraus etwas Kreatives entsteht.

Sollte mich also heute jemand fragen, ob ich ein «Kanal» für höhere Intelligenzen sei, dann würde ich das aus meiner Sichtweise wahrscheinlich eher verneinen, denn die transpersönliche Erscheinung von Akron scheint mir doch mehr der Odem zu sein, um den von meinem eigenen Selbstbild unterdrückten geistigen Teilen Leben einzuhauchen. Andererseits möchte ich auch nichts ausschließen, da meine persönlichen Ansichten meiner «kritischen Vernunft» genauso unterliegen wie meine überpersönlichen Botschaften meiner «unterdrückten kreativen Irrationalität», und manchmal scheint mir, daß das eine das andere bedinge und erst im gelassenen Zusammenspiel dieser beiden verschiedenen Bewußtseinsebenen sich etwas manifestieren könne, das sich mit den Worten Akrons als «erkennendes Erkennen in meinem Kopf» dann so ausdrückt: «Ich bin der Träumer und der Traum, das Bewußte und das Unbewußte. Ich bin der Zauberer, dessen Zauber die Sphäre des Bewußtseins schafft: Ich bin in allem – alles ist in mir!»

St. Gallen im Februar 2000

Charles F. Frey

(erste Fassung im Mai 1997)

Der Aufbruch des Helden

Ich saß an meinem Schreibtisch und grübelte darüber nach, wie es in meinem Leben weitergehen sollte. Ich war traurig, deprimiert, zerstört. Nichts wollte mir gelingen, ich war überall blockiert. Meine Gedanken gingen ins Leere, ich ging ohne mich zu bewegen, denn es war das Schicksalsrad, das sich für mich drehte, eine Fahrt in den Abgrund, in dem die Zeit stillstand. Eigentlich wollte ich ein Buch über das Ringen um die Sinnfrage schreiben, die den Menschen oft in seiner Lebensmitte befällt, doch plötzlich fühlte ich mich selbst in die Abgründe hineingerissen, die ich nur beschreiben wollte, und auf einmal kam mir mein Leben grau und sinnlos vor. Mit dem virtuosen Blick der Selbstzerfleischung hatte ich den dunklen Fleck in mir entdeckt, der mein Selbstverständnis von der Welt und alles, wofür ich kämpfte, allein schon dadurch bedrohte, daß es ihn gab, und deshalb mußte es wohl auch einen Weg geben, ihn aus meinem Leben wieder zu entfernen. «Der Fleck muß verschwinden!» dachte ich laut.

«Doch die Exekution des Fleckes willst du nicht selbst übernehmen, damit dein Weltbild auch weiterhin in Ordnung bleibt, du möchtest vielmehr, daß ich diese Aufgabe für dich übernehme», hörte ich eine näselnde Stimme in mir, die ich für mein abgespaltenes psychologisches Verständnis hielt, «und weil du dich nicht ändern willst, versuchst du, das Leben für dein Scheitern verantwortlich zu machen, statt dir vor Augen zu führen, wo das Übel sitzt und wie schwer es ist, Bestehendes dort zu verändern, wo du selbst Sachverwalter des Bestehenden bist, nämlich in deinem eigenen Kopf.»

«Ich weiß manchmal auch nicht, wie ich das alles in mir zusammenreime», erwiderte ich dem Geist dieser Stimme, die in mir sprach und die ich als inneren Dialog wahrnahm, als sie die Beweggründe meiner Denkmuster kritisierte: «Immer versuchst du dich deinen inneren Ängsten zu entziehen, um dich den Voraussetzungen deiner eigenen Handlungen zu verschließen. Auch jetzt versuchst du über deine Krise intellektuell zu debattieren, aber nicht, um deine Lage zu verändern, sondern nur, um deiner Situation einen vernünftigen Grund zu unterlegen. Wie solltest du da je zur Einsicht gelangen, es sei denn …», sagte sie, einen Augenblick lang innehaltend, um mir die Gelegenheit zu geben, ihr beizustimmen und mich nach einem möglichen Ausweg zu erkunden, was ich auch sofort mit der Frage tat: «… es sei denn was?»

«Es sei denn, du ließest dich bedingungslos in dein unbewußtes schwarzes inneres Loch hineinfallen, in das Zentrum des Flecks», erwiderte die Stimme und machte wieder eine kleine Pause, um diese abschließende Botschaft gewissermaßen in mich einsinken zu lassen: «In deinen Ängsten drückt sich eigentlich nur die Tatsache aus, daß du das moralische Weltbild, die Werte gesellschaftlicher Prägungen, noch immer soweit verinnerlicht hältst, daß du die Erkenntnisse deiner Sinnlosigkeit nicht als Befreiung von diesen anerzogenen Wertvorstellungen, sondern als unzulässige Abweichung von ihnen und damit als Schuld erfährst. Deshalb ist deine Depression auch nicht da draußen, sondern in dir selbst. Sie beruht auf einem Modell, das dir seit Kindesbeinen eingefüttert wurde. Und eine willentliche Veränderung dieser Perspektive bedeutet nicht darüber zu lamentieren, warum das Leben für dich keinen Sinn mehr hat, sondern zu merken, daß im Gegenteil alle dir eingetrichterten Modelle außerhalb ihrer gesellschaftlichen Zielrichtung sinnlos sind. Der Wille zur Genesung kann also nicht bedeuten, den Lebenssinn zurückzuholen, sondern ihn für immer zu verlassen.»

«Wie?» entschlüpfte mir die Frage, denn irgendwie ahnte ich schon, daß diese Verhinderungen nur dazu da waren, erkannt zu werden, denn das innere Erkennen aller Zusammenhänge schien mir die einzige Möglichkeit, die Bedingungen der Leiden kennenzulernen und damit die Voraussetzungen zu ihrer Beseitigung zu schaffen. Die Frage war nur: Wie? Wie sollte das geschehen?

«Zum Beispiel, indem du aus dem Fenster springst!» orgelte es in meinem Inneren.

Meine innere Stimme wollte mich wohl veralbern: «Hast du keinen originelleren Ratschlag für mich?» fragte ich.

«Der Sturz ist die Auflösung des Ich, von dem aus es sich verlierend durch Selbstbetrachtung wieder zurückgewinnen kann. Erst wenn dein Verstand an den Grundlagen des rationalen Weltbilds zerschellt», erwiderte die Stimme, «werden alle deine unterdrückten Persönlichkeitsanteile aus den Umklammerungen des unterdrückenden Denkens wieder frei und du kannst alles sein, was du sein möchtest. Vieles ist in dir, du brauchst es nur zu wollen. Geh jetzt zum Fenster!»

«Ich bin nicht so verrückt, wie du mich darstellst», gab ich zu bedenken, während ich mich erhob und zögernd zum Fenster ging. Der ganze Himmel war von rotem Abendglanz durchglüht. Es hatte am Vormittag und am Nachmittag die meiste Zeit geregnet, erst gegen Abend teilten sich die Wolken, und die Sonne schien ins Zimmer. «Wahrscheinlich habe ich nur einen Sinnfindungs-Komplex. Im Grunde bin ich ein schüchterner kleiner Junge, der nie richtig erwachsen geworden ist», erklärte ich, «und darum beständig naseweis über seine eigenen Bilder hinauswachsen möchte, die er pausenlos produziert und sie im gleichen Atemzug wieder in Frage stellt, um sich vor seinen eigenen Zweifeln zu schützen …»

Plötzlich züngelte vor meinen Augen ein Blitz, und was dann geschah, erlebte ich wie einen «Trip». Hätte mir jemand eine LS

D-Droge

verabreicht, so hätte die Erfahrung nicht phantastischer sein können. Ich starrte durch das Fenster in die Sonne, und von einer Sekunde zur anderen entzündete sich mit ungeheurer Kraft ein Feuerwerk von Visionen in meinem Kopf. Es war, als ob die mir bekannte Realität plötzlich dünn wie Seidenpapier geworden wäre, denn inmitten der Flammen sah ich ein seltsames Gesicht aufleuchten, als hätten sich sämtliche Poren seiner Haut in Licht verwandelt. Es strahlte eine weiße Licht-Aura aus und zog mich an. Ich spürte, wie meine Wirbelsäule in rasende Schwingungen geriet. Irgendwie fühlte ich mich plötzlich in zwei Teile gespalten, denn ich spürte, wie ich an meinem Arbeitsplatz saß und die Ideen in die Tasten hämmerte, die mir durch den Kopf blitzten, und gleichzeitig hatte ich das Gefühl, als ob ich es selbst war, der die Geschichte erlebte und aus dem Fenster fiel. Ich erkannte deutlich die luziden Wände meiner Geschichte als Spiegelrahmen einer mir unsichtbaren Welt, in der ich einem Engel begegnete, irgendwo zwischen Himmel und Erde. Sanft faßte er mich an der Hand und sprach: «Was weißt du von der Wirklichkeit, die dich umgibt?» Eine himmlische Gestalt in einem dunkelblauen Mantel stand vor mir und blickte mich unter ihrer Kapuze freundlich an. Die funkelnden Augen leuchteten in ihrem rötlichen Glanz aus der Tiefe der Finsternis hervor und ließen mich am ganzen Körper erzittern.

«Genug, um in der Welt überleben zu können», stammelte ich sichtlich aufgeregt.

«Das ist nicht genug, denn du bist hier nicht in der Zeit, die sich durch den Raum bewegt, sondern du bist der Raum, der durch sich selbst stürzt, weil er sich vor sich selbst verschließt. Ich bin der Schlüssel, der dich öffnet und der dir Zugang zur Wahrnehmung ungeahnter Perspektiven verschafft. Denn du bist die Tür, die dir als Eingang dient, die aber nicht nur an einem einzigen Punkt im Universum existiert, sondern die in verschiedene Bewußtseinsebenen hineingekrümmt ist … Gemeinsam können wir alle Ebenen durchwachsen. Schau hin!»

Und aus der Sonne brach ein glänzender Lichtstrom hervor und fiel über mein Pult auf Baphomets «The Light of Hell», eine alte apokryphe Schrift, die in meinem Bücherregal neben anderen kostbaren, gebundenen Manuskripten stand, die ich aber noch nie eines persönlichen Augenscheines gewürdigt hatte. Als ich gebannt hinsah, hatte ich das merkwürdige Gefühl, daß sich plötzlich ein kleines Auge auf dem mächtigen Rücken des magischen Wälzers abzeichnete und mir einladend zublinzelte. Blitzschnell erhob ich mich, mehr von der Aussicht beflügelt, etwas verpassen zu können, das bis jetzt nur in meiner Phantasie bestand, als vom Wunsch angetrieben, mich in neue Abenteuer zu stürzen. Ich zog das Buch aus dem Regal und schlug es auf, und da verfing sich mein Blick auch sofort in der flammenden Widmung, die über dem inneren Buchdeckel prangte: «Das Licht der Erkenntnis leuchtet aus dem Vorhof der Hölle.» Dann schlug ich die erste Seite auf, auf der in tiefschwarzen Lettern geschrieben stand: «Es stehen viele Geschichten in den geheimnisvollen Zauberbüchern, den schwarzen, unergründlichen Apokryphen der Hölle. Sie berichten von Dingen und Geschehnissen, die sich in der Tiefe der Erde ereignen, in der Finsternis der Nacht, aber nirgends, o Wanderer, findet sich die Geschichte der Seelen, die den Seufzern der Leere lauschen, dem Räuspern des Nichts, und die in der Einsamkeit schaudern und vergeblich einen Ausweg aus dem Schreckensgewölbe ihrer Träume suchen. Sie sühnen in den Verstrickungen ihrer Bilder, den Gefängnissen der Sehnsüchte und sind sich dabei ihrer Strafe bewußt, obwohl sie versuchen, sie aus ihrem Gedächtnis zu tilgen: Aber sie müssen durch die Hölle hindurch, auch wenn sie nicht wissen, was am anderen Ende ist. Aber, so wahr ich hier stehe, mein Freund, es ist Licht!»

Ich ließ das Buch sinken. Durch das einfallende Licht der Sonne wurde mein Blick von einer seltsamen Einrichtung auf der Rückseite des Regals angezogen, und plötzlich wurde ich eines Porträts gewahr, das in einer Nische eingelassen war, und zwar so, daß man nur einen Einblick bekam, wenn man einen der schwarzen Riesenbände aus dem Regal herausnahm. Es mußte sich um ein Ahnenporträt handeln, auch wenn es mir seltsam vorkam, daß es so versteckt hinter den geheimnisvollen Büchern und nicht wie die anderen Bilder im Familienalbum eingeklebt war. Der Glanz der Abendsonne brachte das Bild dabei wunderbar zum Ausdruck. Es stellte einen Mann unter einer mächtigen Kapuze dar, dessen Gesicht verdeckt im Schatten lag, nur die roten Augen funkelten hervor. Das Gesicht war mir sehr vertraut, und irgendwie schienen mir auch seine Augen zu antworten, denn einen Moment hatte ich das seltsame Gefühl, als blinzelten sie mich an: «Erst wenn dein Verstand an den Grundlagen des rationalen Weltbilds zerschellt», vernahm ich meine innere Stimme, «werden all deine unterdrückten Persönlichkeitsanteile aus den Umklammerungen des unterdrückenden Denkens wieder frei und du kannst alles sein, was du wirklich bist. Weshalb nicht auch ‹ich selbst›?»

Immer, wenn ich mich mit meinen inneren Gedanken zu beschäftigen begann, fand ich mich in den tiefsten Depressionen wieder. Ich verstand dann oft nicht mehr, wie es überhaupt möglich war, nicht deprimiert zu sein. Auch diesmal saß ich mit gequälter Miene am Tisch und versuchte, meine Situation selbst in den Blick zu nehmen und meine Gedanken aufzuschreiben, die mir durch den Kopf wirbelten, und damit die Geschichte eines Menschen in seiner Lebensmitte aufzuarbeiten, der seinen Lebenssinn verloren hatte. Doch diesmal eröffnete sich mir eine Vielzahl verschiedener Sichtweisen, meine Situation zu betrachten, und diese relativierten meine Unzufriedenheit mit mir selbst, aus der meine Depression sich speiste, weil ich plötzlich die Möglichkeit erkannte, wenn schon nicht frei handeln, so doch wenigstens innerhalb der schmalen Bandbreite meiner kreativen Phantasie frei entscheiden zu können, und plötzlich war mir die Sache klar: Ich mußte den Verstand aus mir hinausschmeißen, denn die Tendenz zur Hinterfragung meines Denkens und meiner Gefühle gehörte zur Struktur meiner selbst, die sich zu vernichten drohte. Denn wenn ich schon vor mir selbst nicht davonlaufen konnte, dann mußte ich wenigstens das, was mich an meiner Selbstannahme hinderte, aus mir auslagern, damit ich mich nicht weiter von ihm bedrohen lassen mußte. Meiner selbst zwar immer noch unsicher glaubte ich jetzt wenigstens zu wissen, was ich zu tun hatte: Ich packte den Verstand an seinem Schopf und schleuderte ihn gezielt aus mir heraus.

Ein peitschender Strom sich überschlagender Bilder zuckte durch mein Hirn, der sich bis zu den Innenräumen meiner Seele verlängerte, dann spürte ich zwischen den Ohren einen Knall, und gleichzeitig sah ich meinen Verstand mit bleichem Gesicht im Sonnenlicht stehen, der nun den Himmel für seine Lebensdepressionen und sein Scheitern verantwortlich machte, bevor er sich in einem plötzlichen Akt der Verzweiflung aus dem Fenster stürzte. Die Sonne explodierte, und mein Blick fiel auf das Fensterglas, das aus Hunderten von Scherben mein Bild zurückwarf. Ein neues Besinnen war zu meinem Empfinden gekommen und trieb mich über die Schwelle hinaus, als ich den Boden auf mich zurasen sah. Doch zu meinem Erstaunen erwartete mich da unten nicht das Ende mit seinem entsetzlichen Aufprall, sondern eine leuchtende Gestalt mit weit ausgebreiteten Armen. Sie fing mich auf und flüsterte mir ins Ohr, sie habe schon lange mit mir Kontakt aufnehmen wollen, aber meine intellektuellen Abwehrmechanismen hätten bisher eine mögliche Verbindung verhindert. Zwar hätte ich stets geahnt, daß es noch eine andere Seite gäbe, aber sobald ich versuchte hätte, die andere Seite zu erfassen, habe mich mein Verstand zurückgehalten, und dieser sei ein deprimierter Tyrann, der an den Polaritäten seines Denkens klebe und mich zwinge, jede Gewißheit an eine Welt jenseits des Verstandes aufzugeben. Deshalb habe er ihn aus dem Fenster gestoßen, denn der Weg meines Denkens wäre sonst dorthin gegangen, wo ich die Wirklichkeit verdrängte, statt die Voraussetzungen meines Denkens zu überwinden; die Polarität des Denkens sei die Voraussetzung für alle meine Probleme. Der Sturz aus dem Fenster sei gewissermaßen die Brücke ins Erkennen, denn erst dann, wenn der Verstand gezwungen sei, seine Position aufzugeben, würde so etwas wie Einsicht in andere Dimensionen bei mir frei.

Schon fühlte ich mich von einem Mantel roter Flammen eingehüllt, und einen Augenblick lang dachte ich an Feuer, aber mein inneres Auge zeigte mir, daß es die Hölle in mir selbst war, die ausbrach. Die Sonne glühte, und ich erkannte ihre strahlende, leuchtende Gestalt, aber ebenso deutlich erblickte ich darin auch mein Gesicht: mitten im Zimmer, in dem ich mich befand, und das Fenster war mein Augenlicht! Das also war der Blick, der sich ins eigene Auge sah, und in meinem eigenen Auge sah ich die Sonne aufgehen und mitten darin den Namen «Akron» leuchten, dann materialisierte sich vor mir eine Schwingungsenergie, die ich plötzlich sehen konnte; sie bildete eine leuchtende Gestalt mit roten Augen, die mich einhüllte und zu mir sprach: «Hör auf, mich anzustarren, denn was du siehst, sind die Flammen deines eigenen Erkennens, und sie können dich verbrennen, weil sie sich aus deiner Sehnsucht nähren, aus deiner Sehnsucht nach einer anderen Welt. Es sind die Kräfte, die noch zu stark für dich sind, auch wenn es deine eigenen sind. Du kannst mein Fluidum aber erkennen, wenn du dich abwendest und die Flammen aus den Augenwinkeln ansiehst!»

Als ich den Blick abwandte und das flammende Gebilde vor mir aus den Augenwinkeln ansah, erkannte ich seine festen Umrisse, obwohl ich ahnte, daß das, was ich sah, nicht die mir bekannte Realität sein konnte. Die Vision dieses Bildes konnte nichts Wirkliches sein, nichts, was dem materiellen Anspruch des Alltags standhalten konnte, aber ich ahnte auch, wie großartig das Wesen dieser Illusion sein mußte, die alles andere als Täuschung oder Irrtum war, sondern die Wirklichkeit einer irrealen inneren Sehnsucht, deren Verwirklichung uns die eigene Schöpfernatur lockend vor Augen zauberte, denn als ich meinen Blick direkt auf das Wesen richtete, lächelte es sanft unter seiner Kapuze und sprach: «Alle Sehnsucht ist Sehnsucht nach Liebe und Tod, denn das wahre Ziel von Eros und Thanatos ist die Überwindung des Ich, und der Weg führt über sich hinausstrebend zur Ewigkeit. Siehe, ich bin Akron, dein anderes Selbst, und führe dich ins Paradies, doch das Paradies ist eine Welt, die in viele Dimensionen hineingestellt ist, und die erste Schicht, die wir durchqueren, ist die Unterwelt. Genauso, wie das Universum in viele verschiedene Perspektiven aufgeteilt ist, ist auch die Persönlichkeit ein Konglomerat von verschiedenen Selbst, die zahllose Ebenen durchwächst, und dort, wo sie sich mit anderen Dimensionen schneidet, entsteht eine Tür, durch die du in andere Welten hineintreten kannst. Es ist zwar gar keine Tür, sondern ein Spiegel, oder genauer, ein gespiegeltes Fenster, in dem man durch sein gespiegeltes Bild hindurchsehen kann, aber das kann der Verstand nicht verstehen. Denn der Verstand ist ein despotischer alter Furz im grauen Gewand, der sich immerzu selbst wiederholt, weil er nie etwas anderes zu tun beabsichtigt als beständig die Regeln aufzustellen, nach denen er die Welt begreift. Nun ist er aber gerade durch sich selbst hindurchgefallen, durch das Fenster, das er für seine Wahrnehmung hielt, und ist vor die Pforte der Erkenntnis geknallt. Dieser Schock hat ihn verändert, denn er ist aus den Grenzen seiner Wahrnehmung gestürzt, und das hat ihn verwundbar gemacht. Horch! Jetzt steht er vor der Tür und klopft. Vielleicht bringt er dir den Schlüssel, der dich vervollständigt: Willst du ihn nicht hereinlassen?»

«Gewiß!» erwiderte ich rasch und rannte an die Tür. Ich öffnete sie, und da stand er vor mir. Da war er also wieder, mein Verstand, den ich noch eben aus mir hinausgestoßen hatte, der aber schnell wieder zu mir zurückgefunden hatte und mir nun hier auf der Schwelle gegenübertrat. Wie interessant! «Bist du nicht abgestürzt?» fragte ich ihn.

«Ganz recht», erwiderte er sanft, «ich bin aus meiner Alltagsvernunft herausgefallen und diene jetzt jener wirklichen Welt, denn ich bin das Licht deines eigenen Erkennens, das dir die Botschaften deiner Schattenwelt überbringt.»

«Und was willst du von mir?» entgegnete ich unbeirrt.

«Dies läßt sich nicht so einfach erklären», sagte er, «denn ich bin ein Teil von dem, das du aus dir entfernt und in die Unterwelt geschickt hast, damit es deinen verdrängten Schatten für dich sucht. Nun bin ich wieder zurückgekommen, um dir das zu bringen, wonach du mich geschickt hast – in deinem künftigen Erkennen …»

«Geh zum Teufel!» erwiderte ich ungerührt.

«Gewiß, mein Herr – zu dir!» höhnte er zurück, «denn du benutzt dich selbst in mir, um das zu finden, was du suchst. Gleichzeitig versuchst du, die Erkenntnis dessen zu verhindern, wonach du mich ausgeschickt hast. Unter materiellen Gesichtspunkten gesehen bin ich nur ein Gedanke, aber mich durchströmen die Erfahrungen von zehn Millionen Jahren menschlicher Entwicklung, denn in mir sind die Muster, anhand derer du gelernt hast, die Welt zu erschaffen, sowie die Muster der Veränderung, die das verändern, was du aus diesen Mustern geschaffen hast. Vielleicht erscheine ich dir unpersönlich? Doch weil es meine Energien sind, mit denen du die Muster deiner Vorstellung tränkst, bin ich da nicht dein Freund?»

Ich spürte eine unsichtbare zentrifugale, mich langsam aus dem Gleichgewicht bringende Kraft, die mich aufwirbelte und durcheinanderschüttelte. Auf einmal wurde ich mir bewußt, daß ich nicht mehr in der Zeit stand, die sich durch den Raum bewegte, sondern irgendwie auf der Schwelle, wo sich Raum und Zeit verbanden: «Und wie bin ich hierhergekommen?»

«Du bist durch dich hindurchgekommen!»

«Was bedeutet ‹durch mich hindurchgekommen›?»

«Das heißt, daß du durch die Tür gekommen bist!»

«Wenn ich aber durch die Tür gekommen bin, wie kann ich dann durch mich selbst gekommen sein?»

«Weil du die Türe selbst bist!»

«Dann zeig mir diese Tür!» schrie ich erbost.

Er schmetterte die Tür ins Schloß, und die Bilder versickerten in meinem Hirn. Ganz langsam lösten sie sich auf, und genauso langsam öffnete sich eine Glaskuppel, die aussah wie eine Hirnschale. Ich schwebte auf meinen Körper zu, glitt durch meinen Kopf in ihn hinein und fühlte, wie sich in meinem Gehirn eine Vorstellung formte, die sich in der räumlichen Sphäre manifestierte. Plötzlich fühlte ich eine Hand auf meiner Schulter. Jemand war durchs Zimmer auf mich zugekommen: «Komm mit!» sagte er. Ich öffnete die Augen.

«Ich führe dich zur Tür!» Da stand er vor mir, sein Blick traf mich direkt ins Auge, und plötzlich war mir klar, als ich mich durch die Augen von ihm sah, wie großartig das Wesen dieser Illusion sein mußte, die alles andere als Täuschung oder Irrtum war, sondern die Wirklichkeit einer irrealen Sehnsucht, die mich mit ihm verband. Ja, es war mir klar, daß er ein anderer Teil von mir war und daß ich nicht aus ihm herauskommen konnte, ohne mich nicht selbst zu verlieren. Und trotzdem war er mir vertraut, denn zwischen uns war eine Verbindung wie zwischen Zeit und Ewigkeit, und unsere Blicke bildeten die Brücke: «Hör auf, mich anzustarren!» hörte ich ihn sagen, aber meine Gedanken kreisten immer stärker um seine seltsam leuchtenden Augen, denn jetzt wußte ich, sie hatten mich erkannt.

Die Fische-Vorhölle

Als Akron mich ansah, wußte ich, wo ich war. Niemals vergesse ich seinen ersten Blick, als er neben mir stand und beiläufig sagte: «Ich bin der Geist, der die Polaritäten überwunden hat, indem er Gott ins Auge blickte und darin die Wahrheit fand. Und du bist der Sünder, der nach einem langen Irrweg wieder zurückgekehrt ist, um vom Ganzen, von dem er sich abgespalten hat, wieder aufgenommen zu werden, damit er das einstmals aus sich selbst Entfernte wieder in sich zurücknehmen kann als das, was es ist, nämlich als einen Teil von sich selbst. Bist du bereit?»

Als ich freudig bejahte, warf er mir die nächste Frage an den Kopf: «Dann sage mir, wer du bist?!»

«Wieso? Ist das hier wichtig?» wollte ich wissen.

«Ich führe dich zu den unergründlichen Tiefen der Seele, deren Ziel es ist, die gefestigte Ordnung aufzuweichen und die Materie in ihre Urbestandteile aufzulösen», psalmodierte er mit glänzenden Augen, «deshalb muß jeder Sünder an dieser Schwelle darüber nachdenken, wer er ist, damit er weiß, was er verliert. Denn hier verlierst du alles, was du bist, und gewinnst alles, was du verlierst. Deshalb möchte ich dich nochmals auffordern, mir hier laut und deutlich zu sagen, wer du bist!»

«Ich bin ich!» brüllte ich. Langsam wurde ich nervös.

«Und woher weißt du, daß du existierst?»

«Es ist eine intuitive Erkenntnis.»

«Das ist kein Beweis: Was für konkrete Beweise hast du dafür, daß du existierst?»

«Nun, ich denke, mein sensorisches Empfinden übermittelt es mir.»

«Gut», er lächelte zufrieden. «Nun denk über die nächste Frage nach: Was ist der Sinn deiner Existenz?»

«Zu sein!» stieß ich mißmutig heraus.

«Du lügst! Wenn das der Sinn deiner Existenz wäre, was wäre dann der Sinn dieser Reise? Ich frage dich also: Bist du bereit zu akzeptieren, daß es keinen fixen Ich-Kern gibt, daß das Selbstbild, das du dir aufgebaut hast, eine Illusion ist, die sich nur dadurch nicht auflöst, weil sich dein Bewußtsein um sich selbst drehend in einer fließenden Bewegung dauernd neu manifestiert?»

«Warum willst du das hören?» fragte ich stöhnend.

«Der Limbus stellt die große Sehnsucht dar», erwiderte er und holte tief Luft, «in der sich unsere kleine Sehnsucht spiegelt, deren Schatten das persönliche Ego ist. Hier begegnest du nicht nur dem Anfang, der werden will, sondern auch dem Ende, das vergehen muß, damit es wieder werden kann, um aufs neue zu vergehen, denn diese Hölle versinnbildlicht die Drehscheibe im göttlichen Schöpfungsplan, weil sie dem schöpferischen Willen entspricht, der keine Absicht hat und ohne die Strukturen des göttlichen Schöpfungsplanes einfach die Potenz des sich selbst aus sich heraus gebärenden Urnichts darstellt. Nur wer um die Unverrückbarkeit dieser absoluten Wahrheit weiß, ist für die Höllischste aller Reisen bereit!»

Plötzlich tat sich der Boden vor mir auf und bildete eine steile Teppe, die tief hinab ins Dunkle führte. Die ganze Sehnsucht meiner inneren Hölle schoß hervor, und unendliche Dimensionen taten sich wie ein riesiger Schlund vor mir auf, denn offenbar hatte ich die Grenze erreicht, an der diese Fähigkeit hervortreten konnte. Ich hatte sozusagen den Punkt erreicht, an dem ich in mich selbst hineintreten konnte. Mein ganzes Hirnpotential war auf Empfang ausgerichtet, und ich sog begierig auf, was mir das Unbewußte zuspielte. Irgendwie war ich mir sicher, daß diese Ausstülpung meiner Innenwelt etwas ganz Natürliches war, ein Spiegel gewissermaßen, in dem man seinem unbewußten Schatten bewußt begegnen konnte, und Akron die Ausstülpung eines anderen Teils meiner Persönlichkeit, der durch mein Bewußtsein hindurch die Brücke bildete, die mich mit den irrealen Mysterien meines Unbewußten verband. Er war sozusagen ein Attribut meiner Hingabe an das Höhere in mir selbst, und mir schien, daß alle kreativen Fähigkeiten die Möglichkeit besassen, mich mit den höherdimensionierten Realitäten in Verbindung zu bringen. Ich sollte wegschauen, ihn nicht anstarren, hatte Akron mit blitzenden Augen noch gesagt, bevor er über die Brücke verschwand, als er nämlich sah, daß ich ihm folgen würde, denn jetzt wußte er, daß ich ihn erkannt hatte.

«Schau nicht hin, während du die Stelle überquerst», hatte er mich gewarnt, als er den Spalt zur Unterwelt am anderen Ende der Brücke öffnete und sich das Nichts drohend vor mir auftürmte, «sonst wird es dein letzter Blick auf den inneren Sternenhimmel gewesen sein, im letzten Moment vor dem Einschlafen, wenn du den Hüter der Schwelle passierst, denn es handelt sich hier um die Sehnsucht deiner Seele nach einem Einblick in ihr eigenes Uhrwerk, der vom rational-logischen Gesichtspunkt aus als unmöglich erscheinen muß. Keiner hält die zersetzenden Dimensionen der Fische mit seinem rational-kausalen Denken aus. Er würde wahnsinnig.»

Meine Augen waren offen; alle meine Sinne waren wach. Ich strengte mich an, nach vorne zu sehen. Aber da gab es nichts. Oder, falls es doch etwas gab, konnte ich es nicht erfassen. Meine Sinne gehorchten nicht mehr jener Arbeitsteilung, die ich als sinnvoll zu betrachten gelernt hatte. Alles stürzte gleichzeitig auf mich ein, oder besser gesagt, das Nichts stürzte auf mich ein, wie ich es niemals vorher oder nachher erlebt hatte. Ich hatte das Gefühl, als würde mein Körper entzweigerissen. Eine Kraft aus meinem Inneren drängte hinaus. Ich zerbarst, und das nicht nur bildlich gesprochen. Das Ego zerfiel, und vor meinen inneren Augen stiegen pulsierende Wirbel auf, in denen ich meine äußeren Blicke erkannte, aus denen unendliche Spiralfäden schwebten. Es war das letzte, woran ich mich erinnern konnte. Einen Wimpernschlag lang sah ich mein Gesicht im Dunkeln glühen. Mein Bewußtsein erlosch, als ich die strahlende Wand durchdrang und die Druckwelle mich aus dem Körper katapultierte. Schlagartig gingen die Lichter aus, und das gedämpfte Wimmern der Erde ballte sich zu einem schmerzhaften Schrei zusammen und brach dann ab. Der Raum löste sich auf, und in höchster Not spürte ich plötzlich den rettenden Griff, die vertraute Hand, die mich fortriß, bevor ich mich auflöste.

Akron stand neben mir und hielt mich an der Hand: «Gerade bist du durch den Spalt geschlüpft, durch den wir in die Wirklichkeit hineingehen, in die Vorstellung des Unbekannten, die wiederum ein Bestandteil unserer Weltvorstellung ist.»

«Und wohin führst du mich?» Ich glaubte genau zu wissen, was er sagen wollte, obwohl ich mir nicht sicher war, ob er überhaupt etwas gesagt hatte, denn mir schien, als ob sich seine Worte direkt in meinem Kopf bildeten.

«Ich führe dich zu dir selbst hin, zu deinen inneren Ebenen, die außerhalb von Raum und Zeit liegen oder zumindest außerhalb der beschränkten Sichtweisen, die wir mit Raum und Zeit umschreiben», erwiderte er und schaute mir in die Augen, «sie stellen die große Sehnsucht dar, in der sich unsere kleine Sehnsucht spiegelt und deren Schatten die Hölle ist.»

«In die Unterwelt?» wollte ich wissen.

«Himmel oder Hölle, das bleibt sich gleich», sagte er lächelnd und hob die Arme in die Luft, «ich fliege mit dir zu den Pforten der Wahrnehmung, zu den Gipfeln göttlicher Erkenntnis, um deren Spitzen die Visionen der Engel schweben und wo die Realität zur bloßen Fiktion zerschmilzt.»

«Was ist Realität?» wandte ich ein.

«Die Realität ist nur das Bild, wie sich die Welt unserer Vorstellung durch die Kapazität der Sinnesorgane darstellt», erwiderte er und tippte sich mit der Linken an die Stirn, «jede Realität kreiert in deinem Gehirn Welten von anderen Realitäten und ruft dabei das täuschend echte Gefühl hervor, als seiest du in ihr, denn dein Geist ist in die Datennetze des ganzen Universums eingebunden und auf sublime Weise mit jeder Realität verbunden. Weißt du überhaupt, wer du bist jenseits der Form, mit der du dich identifizierst?»

Auf einmal verschob sich meine Perspektive. Ich sah nicht mehr ihn, sondern mich, denn ohne mich zu bewegen sah ich mich plötzlich vor mir stehen, und ich fragte mich, war ich der Träumer, der träumte, oder ein anderer, der träumte, der Träumer zu sein. Einen Augenblick lang sah ich mein Gesicht im Dunkeln glühen. Als wollte es Himmel und Hölle verschlingen, schwebte es heran und blickte mich mit leuchtenden Augen geheimnisvoll an. Daraus brach ein wellenförmiges Flimmern hervor, wälzte sich über mich und drang durch jede Öffnung in mich ein. Lichtkaskaden brachen in eruptiven Schüben hervor, und ein glänzender Lichtstrom fegte über mich hinweg. Es war ein hypnotisierendes Leuchten, das von diesem glühenden Objekt ausging, und als ich es genauer musterte, begann es seinen Glanz zu verlieren, und mir schien, als wäre es das Auge eines alten Mannes, der mich im eigenen Blick ansah, ein gespiegeltes Bild in einem Spiegel und zugleich Spiegel selbst, und der zu mir sprach: «Diese Schwelle verkörpert sowohl das Nichts am Übergang zum Werden wie auch die grenzenlose Leere des Alls, die am Ende jeder Entwicklung das Sein wieder in sich aufnimmt. Sie zeigt ein Sehnen nach Verschmelzung mit der Seele an und die Auflösung aller Einschränkungen. Ihr tiefes Streben, durchwoben von den Mustern des Ewigen, mit denen du dich in frommer Übereinstimmung wähnst, führt dich zu den Pforten mystischer Wahrnehmung, zu den Gipfeln göttlicher Erkenntnis, wo die Visionen ihre Perspektiven träumen. Ihre Entsprechungen sind die ätherischen Schleier der Seelenbilder, die die inneren Bilder lebendig werden lassen, die Zaubergärten der Delirien und Drogenräusche, die den Gespenstern als Zwischenwelt dienen, oder die Ahnungen und Botschaften aus dem Reich der Tiefe, die zu den Quellen der Träume und den Schwellen des Unbewußten hinabführen. Sie sind das versunkene Atlantis für das aus den Tiefen leuchtende Licht, der über dem Wasser schwebende Geist Gottes als himmlische Wahrheit oder der Sternenhimmel für die Einstrahlung des Kosmos in den erahnenden menschlichen Geist. Bist du bereit?»

Unendliche Dimensionen gähnten wie ein hungriger Schlund vor mir auf, und unter mir klaffte ein riesiger Abgrund. Meine Schritte wankten ins Leere, denn ich spürte meine Beine nicht mehr. Es war wie ein Gang in den Abgrund, in dem die Zeit stillstand.

«Wo sind wir?» fragte ich meinen Begleiter.

«Wir sind durch eine Lücke deines Bewußtseins hindurchgetreten und befinden uns an der Pforte zur Vorhölle, die das Licht der sich aus sich selbst heraus gebärenden Erkenntnis darstellt. Schau geradeaus», hörte ich Akron sagen.

In diesem Moment vermochte ich im schemenhaften Glanz der Sterne tatsächlich Gott und die Engel zu erkennen. Vor mir öffnete sich der Spalt, aus dem ferne Erinnerungen wie farbige Traumblasen aufstiegen, ein Panoptikum sehnsüchtigster Entrückung, das in eine andere Raum-Zeitlichkeit enteilte. Ich verwandelte mich in eine Eizelle, die in den Tempel des Lebens hineinschoß, und gleichzeitig entdeckte ich, daß das, was ich für mein Lebenswasser hielt, nur ein Bild meiner inneren Vorstellung war. Darin nahm ich meine eigene Wahrnehmung wahr, glaubte sie aber als Schöpferquelle zu erkennen. Ich erkannte in der als Schöpfung erkannten Wahrnehmung die göttliche Formel der Seele, die Gott in allem, was sie sieht, nach ihrem eigenen Bild wahrnimmt. Von der Realität des Alltags befreit, begann ich die Polaritäten zu überwinden und in die zeitlosen Räume einzudringen, in denen Wellen des Geistes alte Erinnerungen heranspülten. Direkt vor mir schäumten die Wellen der Ewigkeit, und sie klatschten mit

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Dantes Inferno I denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen