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Langfristige KMU-Finanzierung in Brasilien: Chancen, Risiken und die Rolle öffentlicher Institutionen

Langfristige KMU-Finanzierung in Brasilien: Chancen, Risiken und die Rolle öffentlicher Institutionen

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Langfristige KMU-Finanzierung in Brasilien: Chancen, Risiken und die Rolle öffentlicher Institutionen

Länge:
146 Seiten
1 Stunde
Freigegeben:
Aug 15, 2016
ISBN:
9783828865242
Format:
Buch

Beschreibung

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) sind für das Wachstum einer Wirtschaft und die soziale Gleichheit innerhalb jeder Gesellschaft von überragender Bedeutung. Sie sind Innovationsträger, schaffen Arbeitsplätze und generieren Einkommen. Ungeachtet ihrer gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Relevanz gilt die KMU-Finanzierung bei Investoren jedoch als risikoreiches Geschäft. In Schwellenländern verschärft sich dieses Problem zusätzlich durch schlecht entwickelte Finanzmärkte. In der Konsequenz verstehen zunehmend öffentliche Institutionen und Entwicklungsbanken die KMU-Finanzierung in Schwellenländern als Teil ihres Auftrags. Ob die Institutionen der öffentlichen Hand dabei lediglich nach dem Subsidiaritätsprinzip handeln, so dass sie auffangen, was private Akteure nicht zu leisten in der Lage sind, oder ob sie durch ihr Handeln private Anbieter vom Markt verdrängen, analysiert Christina Keppel am Beispiel des brasilianischen KMU-Sektors und zeigt dabei zugleich weitere Faktoren auf, die das Wachstum kleiner und mittlerer Unternehmen hemmen können.
Freigegeben:
Aug 15, 2016
ISBN:
9783828865242
Format:
Buch

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Langfristige KMU-Finanzierung in Brasilien - Christina Keppel

1Einleitung

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ist beachtlich. […] Über alle Ländergrenzen hinweg stellen KMU die deutliche Mehrheit aller Unternehmen. […] Zudem tragen KMU in den meisten Ländern mehr als die Hälfte zur Wertschöpfung und zur Beschäftigung bei.¹

Die Mehrzahl aller Unternehmen weltweit gilt als KMU. Zu der Unternehmensgruppe zählen sowohl Straßen- und Marktverkäufer als auch kleinere Dienstleister sowie industriell arbeitende mittelständische Betriebe. Die Definition ist nicht von der Branche, sondern von der Unternehmensgröße abhängig.

Die Bedeutung von KMU als Motor für Beschäftigung und Wachstum ist zwar umstritten, Einigkeit besteht jedoch weitestgehend darüber, dass eine gezielte KMU-Förderung volkswirtschaftlich und gesellschaftlich sinnvoll und erwünscht ist.² KMU sind etwa bezüglich ihres Beitrags zu Wachstum, Beschäftigung und ihrer Lebensdauer in solchen Ländern leistungsfähiger, in denen wirtschaftspolitische, finanzielle und legislative Maßnahmen zur Förderung der Unternehmen konsequent geplant und umgesetzt werden.

Jedoch muss die KMU-Förderung kontextspezifisch erarbeitet und implementiert werden, um wirkungsvoll zu sein:

Kategorische Aussagen […] zu kleinen und mittleren Unternehmen sind kaum möglich, weil sie sich stark […] unterscheiden. Auch die Rahmenbedingungen in Bezug auf Regulierung, Rekrutierung von Fachkräften oder Zugang zu Finanzierung wirken unterschiedlich auf KMU verschiedener Größen und Sektoren.³

Ein eigenes Unternehmen aufbauen und finanzieren zu können ist für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern zudem oft eine der wenigen Möglichkeiten, Einkommen zu erzielen und somit für die individuelle als auch für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, ihre Dynamik und Innovationskraft und nicht zuletzt eine gerechtere Einkommensverteilung maßgeblich.

Aufgrund ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung sind die Fragen nach den effizienten Methoden zur Förderung und damit auch zur Finanzierung von KMU – von der Gründungs- über die Mikro- bis hin zu einer mittel- und langfristigen Investitionsfinanzierung – Gegenstand der wirtschaftspolitischen und der entwicklungsökonomischen Forschung.

In Brasilien gibt es insgesamt etwa 5,4 Millionen registrierte Unternehmen, von denen 99,6% (5.371.181 Unternehmen) der Gruppe der Mikro-, kleinen und mittleren Unternehmen zuzuordnen sind.⁴ Laut Studien des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) sind 99,3% aller deutschen Unternehmen KMU (3.616.554 Betriebe).⁵ Diese hohen KMU-Anteile entsprechen dem internationalen Durchschnitt: Eine Verteilung nationaler Unternehmen auf eine große Anzahl KMU und eine deutlich geringere Anzahl von Großunternehmen ist im Vergleich sowohl in industriell strukturierten wie auch in landwirtschaftlich geprägten Ländern die Regel.

Jedoch leisten brasilianische Unternehmen einen im internationalen Vergleich unterdurchschnittlichen Beitrag zur nationalen Produktion und Beschäftigung im Land, gemessen am Beitrag, den die wenigen großen Unternehmen leisten.

Während beispielsweise deutsche und französische mittlere Unternehmen annährend die Produktivität der jeweiligen nationalen großen Unternehmen erreichen (83% respektive 82%) und mexikanischen und argentinische mittlere Unternehmen jeweils noch 60% beziehungsweise 47% relative Produktivität im Vergleich zu großen Unternehmen erreichen, beträgt die relative Produktivität mittlerer Unternehmen in Brasilien lediglich 40%. Noch deutlicher zeigt sich der Unterschied im Vergleich der relativen Produktivität zu großen Unternehmen von Mikro- und Kleinunternehmern: Während in Deutschland sowohl Mikro- als auch Kleinunternehmer noch knapp 70% relativer Produktivität erreichen, argentinische Unternehmer 25% beziehungsweise 36% erreichen, schaffen brasilianische Mikrounternehmer nur 10%, Kleinunternehmer nur 27% relativer Produktivität. Die OECD stellte in einer KMU-Studie zu Lateinamerika fest, dass „The productivity of small firms relative to large firms in Latin America ranges from 16% to 36%, compared with relative productivities of 63% to 75% in Europe"⁶, es also grundsätzlich eine Lücke zwischen der Produktivität europäischer und lateinamerikanischer KMU gibt. Ähnliche Unterschiede ließen sich bei der Analyse relativer Lohnunterschiede von KMU im Vergleich zu großen Unternehmen in den nationalen Kontexten Europas und Lateinamerikas feststellen, allerdings stehen die Angestellten brasilianischer KMU relativ besser da als ihre argentinischen, mexikanischen und chilenischen Kollegen.⁷ Jedoch stellen brasilianische KMU insgesamt nur 53% aller Arbeitsplätze des Landes, während in Deutschland 70,6% aller regulären Arbeitsplätze (ohne Ausbildungsplätze) in KMU entstehen.⁸

Im brasilianischen Kontext fallen also vor allem die ausbleibende Produktivität und das geringe Beschäftigungspotential von KMU auf. Die Geschäftsfelder- und Formen der Unternehmen unterscheiden sich jedoch, etwa im Vergleich zwischen Brasilien und Deutschland, grundsätzlich gar nicht so stark – die meisten Unternehmen sind in beiden Ländern Kleinst-, also Mikrounternehmen, die in dem Handwerk, den Dienstleistungen, einem anderen produzierenden Kleingewerbe oder als Selbstständige tätig sind.⁹ Da sowohl der relative Anteil an allen Unternehmen, als auch die Verteilung der Unternehmen auf die wirtschaftlichen Sektoren ähnlich sind und Brasilien in vielen Bereichen kaum noch als sich entwickelndes Land bezeichnet werden kann (Wirtschaftswachstum, Qualität der Hochschulbildung, Ausbau der Infrastruktur), bleibt zu fragen, warum die Beiträge zu Wachstum und Beschäftigung brasilianischer Unternehmen nicht vergleichbar oder zumindest zu den Spitzenwerten in Lateinamerika gehören. Zudem investieren brasilianische Institutionen – im lateinamerikanischen Vergleich – überdurchschnittlich viel Geld in KMU-Förderung.¹⁰

Unabhängig davon, ob KMU – wie in der Literatur diskutiert – grundsätzlich die „Leistungsträger einer Volkswirtschaft oder „Motor von Wachstum und Beschäftigung sind, legt der Vergleich zwischen Deutschland, Brasilien und vergleichbaren Ländern Lateinamerikas nahe, dass brasilianische KMU ein bisher ungenutztes Produktions- und Beschäftigungspotential bergen. Die Ursachen dafür müssen jedoch nicht ausschließlich in der Gruppe der Unternehmen, sondern vor allem in dem Umfeld und den Rahmenbedingungen, unter denen sie agieren, gesucht werden, denn wie die OECD (2013) feststellt, können KMU „catalysts for structural change and productivity growth" sein. Zur Verbesserung der unternehmerischen Performance misst die OECD jedoch in erster Linie der gezielten Ausgestaltung der wirtschafts-, steuer-, und finanzpolitischen Rahmenbedingungen, unter denen KMU in ihrem jeweiligen nationalen Kontext agieren, eine zentrale Bedeutung bei.¹¹

Ein weiteres Argument für eine kritische Reflexion der Bedingungen, unter denen brasilianische Unternehmer gründen und geschäftlich agieren, formuliert Kimakowitz in seiner Studie aus dem Jahr 2010: Brasilianische KMU würden demnach kaum Innovationen hervorbringen; und sogar im lateinamerikanischen Vergleich würden die Unternehmen hinsichtlich ihres innovativen Outputs den letzten Platz belegen. Die Erklärung liegt einerseits darin, dass die Unternehmer in der Regel aus der Notwendigkeit, das eigene Einkommen zu sichern, gründen und es dabei eher selten um unternehmerischen Opportunismus geht.¹² Aber auch der dynamische Unternehmer mit Potential zu Innovation und Wachstum ist auf Möglichkeiten der Investitionsfinanzierung angewiesen, die entweder aus internen Rücklagen kommt oder mit langer Laufzeit rückzahlbar ist, damit die Investitionen nach mehreren Jahren die Rentabilitätsschwelle erreichen können.¹³

Dass Brasilien ein Land mit hoher Ungleichheit bei der Verteilung der Einkommen und des Kapitals ist¹⁴, ist sowohl Ursache als auch Folge der mangelnden unternehmerischen Dynamik und innovativen Kreativität: Wer kein Kapital hat und Einkommen erzielen muss, konzentriert sich auf Überlebensstrategien. Wer dennoch kreativ und dynamisch agieren möchte, ist also auf den Zugang zu externer Finanzierung angewiesen. Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass der mangelnde Zugang zu Formen der Unternehmensfinanzierung, sowohl aus Rücklagen als auch extern, die größte Hürde für die Durchführung von Investitionsprojekten und für das Unternehmenswachstum darstellt.¹⁵

KMU sind weltweit stärker vom Mangel an adäquater Finanzierung betroffen als große Unternehmen, so dass sie besonders benachteiligt und in ihrer Entwicklung gehemmt sein dürften. In Entwicklungs- und Schwellenländern kommt erschwerend hinzu, dass Unternehmer meist weniger Rücklagen aus privaten Ersparnissen oder überschüssigem Gewinn haben und somit stärker auf den Kapitalmarkt angewiesen sind. Die Kapitalmärkte sind für diese Belange in der Regel jedoch nicht ausreichend entwickelt, so dass eine

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