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Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt
Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt
Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt
eBook150 Seiten1 Stunde

Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt

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Über dieses E-Book

Das Buch wagt den Ansatz einer Zeitlinie für die Folgen einer sexualisierten Gewalttat aus genderspezifischer Sicht des betroffenen Kindes bis in das hohe Alter hinein. Die beschriebenen Lebensepisoden orientieren sich an den sich physisch und sozial verändernden Anforderungen von einem kleinen bis zu einem alten Menschen. Die Situation von Jungen wird genauso betrachtet wie die von Mädchen.
Die geschilderten Erkenntnisse und Erfahrungen sollen einen Anstoß auf eine neue Sichtweise des Lebens mit sexualisierter Gewalt geben. Dieses aus dem Leben geschriebene Buch soll eine Hilfestellung, Erklärung sowie ein Gedankenanstoß für Sozialpädagogen, Therapeuten, Seelsorger, Ärzte, Naturwissenschaftler und all diejenigen sein, die sich eigene Situationen des Lebens erklären wollen.
SpracheDeutsch
HerausgeberTWENTYSIX
Erscheinungsdatum29. Juli 2016
ISBN9783740754754
Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt
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Autor

Daniella Reschke

Die fachliche Grundlage für dieses Buch ist das Studium der Biochemie von Frau Dr. Reschke an der Freien Universität Berlin. In den letzten acht Jahren arbeitete sie als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Davor war sie als Projektleiterin in interkulturellen Großprojekten eingesetzt und hat mit den unterschiedlichen Bildungsständen, Altersstrukturen und Kulturen in den Teams zusammengearbeitet. Alleine in der Zeit als Dozent konnte sie über 2.000 Teilnehmer kennenlernen. Die Erfahrungen und Gespräche mit diesen Menschen, die das gesamte Altersspektrum abbilden, hat sie neben ihren eigenen Therapieerfahrungen in dieses Buch einfließen lassen.

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    Buchvorschau

    Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt - Daniella Reschke

    Inhaltsverzeichnis

    Vorwort

    Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt

    Der Tarzan Effekt

    Die Zeit des Erstarrens

    Medizinisch-biochemische Überlegungen

    Familiäres und soziales Umfeld

    Todesangst und sich Todschämen

    Entstehung der narzisstischen Scham

    Grundlegende Gedanken zu der Therapie

    Wer ist Opfer, wer ist Täter?

    Symbiose Hemmung

    Identitätsklau

    Bewältigung der Alltagsanforderungen

    Kopf voll

    Für immer ein Opfer?!

    Narzisstische Scham als Sucht

    Reaktion der Opfer

    Das Klimakterium

    Overflow

    Die letzte Verwirrung

    Zusammenfassung

    Therapie Erfahrung und Empfehlung

    Über mich

    Literaturverzeichnis

    Einzelnachweis und Internetpräsenzen

    Im Juni 2015 las ich folgendes:

    Nach sexueller Gewalt in Mainzer Kita startet Polizei Befragungen

    Mainzer Kita wurde am 2. Juni geschlossen

    In einer katholischen Kita in Mainz soll es zu sexuellen Übergriffen und Gewalt gekommen sein - unter Kindern.

    Zu Vermutungen, Kinder könnten zu Hause Pornografie gesehen oder gar selbst missbraucht worden sein, erklärte der Oberstaatsanwalt, das seien bislang reine Spekulationen. Das Alltagswissen sagt aber, dass Drei- bis Vierjährige so etwas nicht im Bewusstsein haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen möglicher Verletzung der Fürsorge- und Erziehungs-pflichten. (Quelle: WAZ)

    Wie das Bistum Mainz unter Berufung auf Eltern berichtet hatte, soll es in der Kita schwere sexuelle Übergriffe, Erpressung und Gewalt unter Kindern gegeben haben. (Quelle: Hit Radio FFH)

    Konkret mussten sich Kinder vor anderen entblößen, ihre Geschlechtsteile zeigen und sich Schläge gefallen lassen, so der Träger der Kita, das Bistum Mainz, das sich schockiert zeigte; Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann nannte die Vorkommnisse „massive sexuelle Übergriffe" von Kindern gegen Kinder. (Quelle: FAZ)

    Mehrere Monate später wurde in einer Randnotiz mitgeteilt, dass alles nur ein Missverständnis war. Es hat gar keinen Missbrauch unter Schülern gegeben, so die offizielle kirchliche Darstellung.

    Anmerkung: Es werden nur die Erzieherinnen und ein Erzieher der Kita angeklagt. Die Eltern der misshandelnden Kinder sind gar nicht im Gespräch….

    Vorwort

    Als ich begann, mich mit dem Ablauf des Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt auseinanderzusetzen, suchte ich nach einem Beispiel. Spontan fielen mir die Geschichten um Tarzan, den Wolfs- und Affenkindern aus unterschiedlichen Kulturen ein. Daher habe ich mich im ersten Kapitel mit dieser Form von kindlichem Trauma beschäftigt.

    Während des Schreibens wurde mir bewusst, wie unterschiedlich dieses Trauma zu dem eines sexuell traumatisierten Kindes ist. Es war für mich ein weiterer Ansporn, die einzelnen Lebensschritte eines Menschen mit sexualisierter Gewalterfahrung Gender spezifisch zu erläutern.

    Da ich zu den Kindern gehöre, die sich nach einer sexualisierten Gewalterfahrung für eine Amnesie entschieden haben, konnte mir über Jahrzehnte kein Psychologe oder Psychotherapeut helfen. Mein Geburtsjahr ist 1958 und wenn Sie sich die Geschichte der Therapie anschauen, so werde Sie verstehen, dass bis vor fünfzehn Jahren keine Möglichkeit einer Therapie für Menschen wie mich existierte. Es gab Psychiater und Psychologen, deren Heilungsansatz die Erinnerung ist.

    Leider wird nach wie vor an dem Täterargument festgehalten: der Mensch muss sich an (alles) erinnern, sonst hat er keine sexualisierte Gewalterfahrung gemacht und eine Therapie kann nicht stattfinden.

    Erst die Psychotherapie öffnete Wege, die es Menschen mit der frühkindlichen Amnesie laut Freud erlauben, sich ihren Themen zu stellen. Bisher wurde kein spezielles Angebot für Menschen mit Amnesie erarbeitet.

    In der Betrachtung der von Therapeuten bearbeiteten Themen fehlen drei große Bereiche und sie werden als eine Art Tabuthemen gehandhabt.

    Hierzu gehört die frühkindliche Amnesie, die sexualisierte Gewalt an Jungen sowohl durch Männer als auch durch Frauen und die sexualisierte Gewalt durch Mütter generell.

    Zusätzlich muss berücksichtigt werden, dass die sexualisierte Gewalt sowohl von Frauen als auch von Männern in allen Kulturen, Religionen und Rassen zu finden ist. Sie ist sozusagen ein Weltphänomen.

    Die Tabuthemen zwei und drei belasten auf jeden Fall unser Gesellschaftsdenken enorm und hätten weitreichende Folgen, in der ganzen Weltgemeinschaft, würde man sie öffentlich akzeptieren.

    Andererseits steht unsere Weltgesellschaft massiv auf dem Kopf. Die Taten und Aktionen von Boka Haram, Islamischer Staat und anderen zeigen das Aggressionspotential der heutigen Weltgesellschaft auf. Dies ist nicht nur durch Terrororganisationen erkennbar, sondern auch im Alltag, wo Menschen bei anderen Menschen, manchmal ohne ersichtlichen Grund, massive Gewalt anwenden.

    Aus meiner Sicht ist es an der Zeit und wichtig, diese Tabuthemen öffentlich mit all ihren Folgen für unsere Gesellschaft zu bearbeiten und generell aufzuklären sowie aufzuräumen. Wie soll sonst eine nachhaltige Änderung für die Kinder der Zukunft herbeigeführt werden?

    Bei meiner Recherche über das Wissen bezüglich der sexualisierten Gewalt musste ich mit Erstaunen feststellen, dass es ganz viele Formen der therapeutischen Bearbeitung gibt, jedoch keine konkreten psychischen Abläufe und Vorstellungen über die sexualisierte Gewalt und deren Auswirkungen auf das Leben des Opfers publiziert wurden.

    Die Angst einzugestehen, ich bin ein sexualisiertes Gewaltopfer, scheint bisher alles Wissen darüber in der Schublade zu lassen. Leider stellen sich auch die Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen nur selten in der Öffentlichkeit ihrer eigenen sexualisierten Gewalterfahrung, soweit eine vorliegt. Auch in diesem Fall ist das Täterdenken, wer eine sexualisierte Gewalterfahrung eingesteht, ist ein Verlierer, im Vordergrund.

    In meinen vielen beruflichen und privaten Gesprächen mit Menschen über sexualisierte Gewalt machte ich die Erfahrung, dass jeder wusste, er / sie ist nicht das einzige sexualisierte Gewaltopfer. Jedoch war das Denken bedingt durch die Einsamkeit während der sexualisierten Gewalt immer darauf ausgerichtet, ich bin allein.

    Bei der Internetrecherche nach Selbsthilfegruppen wurde es auch hier für mich sprachlich deutlich, dass der Schutz der Tätersphäre im Vordergrund steht. Die Portale hatten die Worte Misshandlung und nicht Missbrauch oder sexualisierte Gewalt in der Überschrift. Es wird also von einer falschen Handlung und nicht von einem falschen (Ge-) Brauch ausgegangen.

    Der Mut der Selbsthilfegruppen, sich bei dem richtigen Namen zu nennen, fehlt. Es wird aus meiner Sicht den Opfern verweigert, dazu zu stehen, dass sie falsch gebraucht wurden.

    Diese Zaghaftigkeit den Tätern gegenüber gipfelte bei mir mal in einem Therapiegespräch darin, dass mir unterstellt wurde, dass ich ja auch mal Täter gewesen sei. Denn jeder Mensch sei Opfer und Täter. Auf Nachfrage wurde mir von der Therapeutin bestätigt, dass sie davon ausgehe, dass ich bewusst aus Konkurrenzdenken, Hass oder anderen Gründen einem Menschen geschadet hätte. Als ich dies nach einigem Nachdenken verneinte, wusste sie mir nicht mehr zu helfen.

    Dieses Buch ist für ein besseres Verständnis der sexualisierten Gewaltopfer geschrieben, damit die mittlerweile vielfältigen Formen der hilfreichen Unterstützung bei der Bewältigung von Traumata durch ein verbessertes Basisdenken über die Auswirkungen der sexualisierten Gewalt ergänzt werden und weitere Hilfestellungen für eine erfolgreiche Behandlung bieten.

    Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt

    Mein Wissen und meine Informationen über die Folgen der sexualisierten Gewalt betreffen durch den Kontakt zu vielen Menschen alle Lebensabschnitte. Daher habe ich mit Hilfe dieses Wissens eine Skizze erstellt, auf die ich im Laufe des Buches für ein besseres Verständnis der Themen pro Lebensabschnitt immer wieder verweise. Sie hat mir auch geholfen, meine Gedanken, Erfahrungen und Informationen zu strukturieren. Dem Leser soll sie als eine Art Inhaltsangabe dienen, sich bei meinen Erläuterungen zu orientieren.

    Diese Grafik veranschaulicht den Lebenszyklus der sexualisierten Gewalt, wie ich ihn persönlich erlebt und in beruflichen sowie privaten Gesprächen zusammengetragen habe. Die nachfolgenden Kapitel erläutern ausführlich meine Gedanken und Erfahrungen zu dieser Darstellung.

    Der Tarzan Effekt

    Es gibt in den Geschichten aller Völker Erzählungen, dass Kinder ohne Eltern in der Natur durch Tiere großgezogen wurden. Die Figuren sind Tarzan, Mogli, Wolfskinder und Affenkinder.

    Mädchen kommen nur bei Wölfen und Affen vor. In allen anderen Fällen wird von Jungen erzählt. Da Jungen in allen Kulturen der Welt angesehener sind als Mädchen, stellt sich die Frage, warum gehen Jungen verloren? In vielen Ländern werden Kinder oft wegen Armut ausgesetzt, in der Hoffnung, ein Muttertier bringt sie durch und sie können dann für sich selber sorgen und überleben. Mädchen werden eher umgebracht. Die meisten Kinderfiguren dieser Erzählungen gehen in der Pubertät zurück in die Menschengemeinschaft.

    Eine Ausnahme machen hier die Wolfskinder. Sie bleiben im Wald oft über das Erwachsenwerden hinaus. Wie kann man diese Effekte, so will ich sie hier nennen, auf das Schema von traumatisierten Menschen übertragen? In jedem Fall liegt ein Trauma, der Verlust der menschlichen Bezugspersonen, vor.

    In der Gemeinschaft der Tiere bleiben sie friedlich und wachsen verspielt ohne die Emotion Verantwortung im Sinne der Menschen auf. Dafür ist ihr Sozialverhalten entsprechend der jeweiligen Tiergemeinschaft stark ausgeprägt. Ein sogenanntes Trauma Verhalten, wie es sonst bei Trauma Patienten zu beobachten ist, wird nicht geschildert.

    In der Menschengemeinschaft ist das Erlernen und die Übernahme von Verantwortung ein wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens. Wie lernen Kinder Verantwortung?

    Es gibt verschiedene Definitionen für Verantwortung. Der Mediziner und Psychotherapeut Dr. med. Michael Depner hat sich mit dem italienischen bzw. lateinischen Ursprung des Wortes beschäftigt:

    „Italienisch heißt Verantwortung responsabilità. Darin enthalten sind die

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