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Geht's noch billiger?: Ein satirischer Wirtschafts-Kriminalroman über Diskont und Lebensmittelspekulation

Geht's noch billiger?: Ein satirischer Wirtschafts-Kriminalroman über Diskont und Lebensmittelspekulation

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Geht's noch billiger?: Ein satirischer Wirtschafts-Kriminalroman über Diskont und Lebensmittelspekulation

Länge:
168 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 17, 2017
ISBN:
9783740754808
Format:
Buch

Beschreibung

»Doch er und wir, wir alle sind Verlorene« meldete der Senior-Münz depressionsgebremst über seine Elektronen. »Aus Metall wurde Papier, und aus Papier wurde Luft. O treue Münzen, die wir einst waren, durch Gold und durch Silber gedeckt, man hat uns an die Luft gesetzt und jetzt sitzen wir hier fest, fixiert unter einer Sockelleiste in einem Diskontladen.« Unverblümt und pointiert erzählt Schönthaler in seinem Wirtschaftskriminalroman aus der Sicht einer Centmünze von der sinkenden Bedeutung des Bargelds, dem Lebensmitteldiskont, der Spekulation mit Agrarrohstoffen, dem Ausufern der Finanzwirtschaft und den Folgen für die Lebensmittelhersteller und Konsumenten. »Geht‘s noch billiger« ist eine erfrischende Satire über einige der Absurditäten in der Wirtschaft, geschrieben von jemandem, der jahrzehntelang an der Spitze bekannter Markenartikelunternehmen gearbeitet hat.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 17, 2017
ISBN:
9783740754808
Format:
Buch

Über den Autor

Walter Schönthaler was born in 1954 in Austria and grew up in a small, remote village named Oed [Engl.: Wasteland] in the alpine area of the Piesting-Valley. Walter was 14, when his father went bankrupt with the family-owned factory. In 1978, he graduated in business management at the University of Economics in Vienna and worked for more than 30 years as CEO and member of the executive boards of four well-known international food and beverage companies. Since 2014, he has been also writing essays and novels and worked as strategy consultant, academic researcher and adjunct professor for international and Austrian universities.


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Buchvorschau

Geht's noch billiger? - Walter Schönthaler

Epilog

1. Prolog

Unter der Scannerkasse eines Supermarkts im Wiener Stadtteil Erdberg in der Nähe des Fiakerplatzes liegen seit vielen Monaten zwei einsame Münzen: eine kleine Zwanzig-Cent Münze und ein winziges Ein-Cent-Stück.

Eine eingerauchte Publizistikstudentin im Gothic-Outfit, die an massivem Liebeskummer litt, hatte in der Diskontfiliale eine Flasche Obstschnaps gekauft, mit einem Zehn-Euro-Schein bezahlt und als Wechselgeld an der Kassa zwei Münzen bekommen: ein Zwanzigcentstück und ein kleines Eincentstück. In ihrem hektischen Bemühen, die Spirituose möglichst rasch in ihrem Backpack verschwinden zu lassen, verschusselte sie die beiden Münzen. Die beiden rutschten ihr nach dem Frustkauf aus den braungekifften Fingern, fielen auf den Boden, kullerten unter die Scannerkasse und blieben dort unten an einer Stelle liegen, wo sie weder von den Kunden noch von den Mitarbeiterinnen der Filiale gesehen und entdeckt werden konnten. Die Lage der verlorenen Münzen verschlechterte sich noch, als sie von einer Mitarbeiterin der Filiale beim Aufwischen des Bodens unabsichtlich unter die Bodenritze einer Sockelleiste geschoben wurden, wo die beiden Zerquetschten seither unverrückbar festsaßen.

Obwohl der Boden der Filiale mit schöner Regelmäßigkeit am Ende jedes Arbeitstages sauber aufgewischt wurde und sich die Wischmobs der Filialmitarbeiterinnen dabei den Münzen oft bis auf wenige Millimeter genähert hatten, schrumpften die Chancen für eine Bergung der Verschollenen von Tag zu Tag.

Im Laufe der Tage, Wochen und Monate war es den Elektronen der aus den Metallen Kupfer, Aluminium, Zink und Zinn bestehenden Legierung, aus der die kleinen Münzen bestanden, zur Gewissheit geworden, dass sie keine Chance hatten, in absehbarer Zeit aus ihrer Fixierung befreit zu werden. Die beiden Zwutschgerln würden nie mehr ihren geliebten Beruf als Wechselgeldbegleiter der Menschen ausüben können und der heiß ersehnte Wiedereintritt in den aufregenden und abwechslungsreichen Geldkreislauf würde ihnen verwehrt bleiben.

Hinzu fügte sich noch ein weiterer unglücklicher Umstand: die Filiale in Wien-Erdberg war noch ganz neu. Erst ein paar Tage vor der Münztragödie war sie feierlich unter Anwesenheit des Vorstandsvorsitzenden der Diskontkette eröffnet worden. Im schlimmsten Fall würde es bis zum Abriss der ganzen Filiale dauern, bis man die unbedeutenden Scheidemünzen entdecken und befreien würde. Aber dann wäre es zu spät, denn in zehn oder fünfzehn Jahren würden die Centmünzen, die schon zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr viel Wert waren, als Zahlungsmittel überhaupt nicht mehr zu gebrauchen sein. Dann würden sie ihre Entdecker in den Müll werfen oder sie würden in einem Gurkenglas einer Filialangestellten vergammeln, was auf einen Wechsel des Gefängnisses hinausliefe, auf nichts weiter. Verzweiflung und Depression waren die Konsequenz für die beiden Loser.

Nach und nach, über Wochen und Monate, bildete sich zwischen den beiden Münzen – durch den Mangel an Zukunftsperspektiven in Kombination mit bedrückender Langeweile – ein Phänomen, für das weder das Heisenberg-Modell lokalisierter magnetischer Momente noch die Stoner-Theorie des Bandelektronen-Magnetismus eine wissenschaftlich fundierte Erklärung liefern konnte: Die beiden Metalle begannen, miteinander zu kommunizieren, indem sie ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit austauschten.

Und so begann unsere Geschichte, die der Senior-Münz, wie die Zwanzigcentmünze sich nannte, dem kleinen Junior-Münz an den langen Tagen und Nächten in der Gefangenschaft des Diskontmarkts des EGT-Konzerns unter der Scannerkasse erzählte…

2. Rapota

Ihr richtiger Name war Walpurga Weinbergbauer. Sie stammte aus dem idyllischen Ort Rappottenstein im nordwestlichen Waldviertel. Zur Ortschaft Rappottenstein gehört die imposante Burg, benannt nach ihrem Erbauer Rapoto. Die Burg, heißt es, wurde nie erobert, vermutlich, weil eventuelle Belagerer nach wenigen Tagen erfroren wären. Das Waldviertel ist eine der kältesten Regionen Österreichs, und Rappottenstein liegt mit einigen Orten im hinteren Lappland im virtuellen Wettstreit darüber, wo das europäische Zentrum für Doppelkonsonanten und klappernde Zähne zu finden ist.

Walpurga Weinbergbauer arbeitete als Journalistin für die renommierte Wirtschaftszeitung Vienna Economy Express. Ihren Spitznamen Rapota verdankte sie dem legendären Raubritter Rapoto von Kuenring, der die besagte Burg vor acht Jahrhunderten auf einem steilen Felsen mitten im Wald errichtet hatte. Der Mann lebte davon, die wenigen wetterfesten Reisenden, die es ins Waldviertel verschlagen hatte, in mäßiger Weise zu berauben.

Rapotas Berufsethos und ihr weltanschauliches und moralisches Gerüst war im Gegensatz zu jenem ihres Namensvetters auf Ehrlichkeit und Wahrheit gegründet: tradierte Werte in der urwüchsigen und faszinierenden niederösterreichischen Region, in der sie aufgewachsen war. Seit jeher war sie eine für diesen Landstrich typische Persönlichkeit: geradlinig, erdig, fallweise schroff und unkorrumpierbar. Daran hatte auch ihre mehrjährige Tätigkeit in der Redaktion des Vienna Economy Express nichts geändert, wo es ja manchmal die natürlichste Sache der Welt war, korrumpiert zu werden.

Wer Rapota sprechen hörte, war irritiert. Ihre Worte hatten offenbar große Entfernungen zurückzulegen, bis sie mittels Zunge und Stimmbildungsorgane ausgeformt und endlich in den öffentlichen Raum hinaus entlassen wurden.

Sie sprach so, als müsste sie jeden einzelnen Satz erst aus dem urigen Waldviertler Dialekt in etwas wie Hochsprache übersetzen. Vielleicht lag es ja auch am Gewicht der unablässigen Übersetzungsarbeit, dass sie nach und nach zu einer wahren Virtuosin des geschriebenen Wortes geworden war.

Für den Zuschauer war ihre Sprechweise hingegen höchst interessant. Die einprägsame Prosodie ihrer Rede verlieh ihrer Ausstrahlung etwas Exotisches und Paradoxes. Es schien, als hätte Rapota die Begabung, der Ambivalenz mancher Gefühle und Gedanken einen besonderen Ausdruck zu verleihen.

Durch die Spannung zwischen der Art, wie sie etwas ausdrückte und dem Inhalt ihrer Aussagen entstand manchmal beim Zuhörer der Eindruck, dass Rapota in ein und demselben Augenblick hoch konzentriert und tief entspannt wirken konnte.

Für ihre Gesprächspartner bedeutete das eine große Herausforderung. Wie immer sie es anstellten, es gelang ihnen nicht, Rapota in eine Schublade zu pressen. Je nach Charakter und Stimmungslage des Betrachters löste ihr Auftreten amüsiertes Schmunzeln oder misstrauisches Stirnrunzeln aus. Männer und Frauen schienen gleichermaßen fasziniert von ihrer moiréartig changierenden Ausstrahlung.

Trotz ihrer schillernden Eigenartigkeit schien nichts an Rapota künstlich oder aufgesetzt. Sie trug kein Make-Up, sondern wirkte allein durch den Effekt ihres extravaganten, unsymmetrischen Gesichts, ihrer angeborenen Uneindeutigkeit und ihrer gepowerten Körperlichkeit. Rapota von Kuenring vulgo Walpurga Weinbergbauer repräsentierte in der Redaktion des Vienna Economy Express eine Manifestation konzentrierter weiblicher Kraft, welche das sichtbare Äquivalent eines überlegenen Immunsystems materialisierte, das sich aus jenen millionenfachen frühkindlichen Kontakten mit Waldviertler Viren und Bakterien aller Art herausgebildet hatte, die in den warmen Ställen und zugigen Stuben des bäuerlichen Elternhauses in Rappottenstein gedeihten.

Rapota holte den morgendlichen Tab-Kaffee aus dem Espresso-Automaten in der Küche und ging in ihr kleines Büro zurück, um ihren Laptop einzuschalten. Auf dem Schreibtisch lag wie immer ihre Glücksmünze, ein 20-Cent Stück und die aktuelle Ausgabe des Vienna Economy Express. Heute war ein besonderer Tag, denn die aktuelle Titelseite gehörte ganz ihr.

„EGT-Gruppe bleibt unerbittlich – Wilhelmus in Konkurs!" prangte die Schlagzeile in großen Lettern am Cover. Der in penibler Kleinarbeit recherchierte Bericht über den Konkurs der Schokoladenfirma Wilhelmus war in maximaler Prominenz platziert. Das große Foto zeigte die Werkseinfahrt der Wilhelmus-Schokoladenfabrik mit heruntergelassenem Schranken, auf dem ein Bild des Vorstandsvorsitzenden des EGT-Konzerns, Engelbert Ludius, montiert war. Bildunterschrift: „EGT-Chef Ludius: Verträge müssen eingehalten werden."

Der Aufmacher wurde assistiert durch ein Interview mit besagtem Herrn auf Seite →, wo er unverfälscht vom Stapel lassen konnte mit: „Ein Dutzend Fragen an EGT-CEO Engelbert Ludius (befragt von Walpurga)."

RAPOTA: Herr Doktor Ludius, Sie sind Vorstandsvorsitzender eines der größten Unternehmen der Welt, des EGT-Konzerns. Sie propagieren eine neue Wirtschaftsideologie, eine neue Moral für die Ökonomie, die Sie die neue, innovative Ideologie des Virtualismus nennen?

LUDIUS: Ja. Es ist höchste Zeit, dass das populärste Wirtschaftsmodell des 21. Jahrhunderts – das Business mit derivativen Finanzprodukten – einen tragfähigen ideologischen Unterbau bekommt. Zumal es sich mit Abstand um den größten Wirtschaftszweig handelt: An einem Tag werden beispielsweise 20 Milliarden Euro an Waren umgesetzt und 900 Milliarden Euro an irgendwelchen Krediten, Swaps und Optionen gehandelt. Noch vor 20 Jahren haben sich die Finanzströme und die Warenströme ungefähr gedeckt. Der Markt der Finanzprodukte steigt ständig, denn es gibt jede Menge billiges Geld, das profitabel arbeiten muss.

RAPOTA: Was sind die Bestandteile Ihrer Virtualismus-Ideologie?

LUDIUS: Die drei wichtigsten Grundsätze des Virtualismus sind:

Erstens: Nur eine geschäftliche Transaktion ohne realwirtschaftliche Grundlage ist ein höherwertiges Geschäft, das den intellektuellen Idealen des Virtualismus entspricht.

Zweitens: Nur ein freier Mensch, der sich vom psychologischen Druck gänzlich emanzipiert hat, eine reale Arbeitsleistung erbringen zu müssen, erfüllt die Voraussetzungen dazu, ein tüchtiger Player im Derivat-Business zu werden.

Drittens: Das virtuelle Glasperlenspiel mit hochkomplexen derivativen Finanzprodukten kann nicht jeder x-Beliebige spielen, es erfordert intellektuelle Brillanz.

RAPOTA: Wie soll ich das verstehen?

LUDIUS: Habe ich mich nicht klar ausgedrückt? Es ist doch klar wie Kloßbrühe: Stellen Sie sich einfach vor, Produktion und Derivat-Business seien Kartenspiele. Um es für Sie begrifflich zu machen: Dann entspricht die reale Produktion dem Bauernschnapsen [einem simplen Kartenspiel, das vor allem in Österreich verbreitet ist], das derivative Finanzprodukt dem Bridge-Spiel.

RAPOTA: Was Sie nicht sagen! Oft wird behauptet, dass sich Kapitalismus und Marktwirtschaft in einer Krise befinden. Was sagen Sie dazu?

LUDIUS: Wer behauptet denn, dass wir uns noch im Zeitalter des Kapitalismus befinden? Seit einigen Jahren sind wir im Zeitalter des Virtualismus. Der Kapitalismus ist tot, es lebe der Virtualismus! (lacht). Nein, im Ernst, Madame, während der letzten Dekade hat die Spekulation mit Finanzderivaten das Match gegen den Realo-Kapitalismus haushoch gewonnen. Nicht zuletzt auch durch den Einstieg vieler Sparkassen und Geschäftsbanken in strukturierte Finanzprodukte, insbesondere das CDS-Geschäft.

RAPOTA: Was ist CDS?

LUDIUS: Nanu, ich dachte das hier ist eine Wirtschaftszeitung und kein Hausfrauenmagazin? (lacht) Also gut ... CDS ist die Abkürzung für Credit Default Swaps. Sie sind komplexe Finanzprodukte. Aber, um es vereinfacht auszudrücken: CDS sind Wetten auf das Unglück anderer. Andere, die hoffentlich Pech haben, damit wir profitieren; so sieht’s aus.

RAPOTA: Wie funktioniert das?

LUDIUS: Also, ich kann es Ihnen – niveauadaptiert – wie folgt erklären: Wenn Sie Ihr Haus gegen Feuer versichern und es brennt ab, bekommen Sie die Versicherungssumme. Wenn ich Ihr Haus mit CDS gegen Feuer versichere und es brennt ab, bekomme ich die Versicherungssumme.

RAPOTA: Und was bekomme ich dann als Hausbesitzerin, die den Schaden hat?

LUDIUS: Sie machen mir Spaß! (lacht) Nichts! Das ist ja das Zauberhafte an CDS: Sie haben den Schaden – und ich bekomme ihn ersetzt. Von den CDS sind Hunderte Milliarden im Umlauf. Aber keiner weiß, wer CDS hat. Es ist wie beim Schwarze-Peter-Spiel. Kein Wunder, dass manche Banken einander kein Geld mehr borgen.

RAPOTA: Ist unser amerikanischer Traum – vom Tellerwäscher zum Milliardär – noch am Leben?

LUDIUS: Selbstverständlich. Aber die Idole der Absolventen der Wirtschaftsuniversitäten sind heute nicht mehr die Unternehmer der

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