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Heimatkinder 27 – Heimatroman: Ich hab den Papa heimgeholt

Heimatkinder 27 – Heimatroman: Ich hab den Papa heimgeholt

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Heimatkinder 27 – Heimatroman: Ich hab den Papa heimgeholt

Länge:
123 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 9, 2016
ISBN:
9783740906160
Format:
Buch

Beschreibung

Die Heimatkinder verkörpern einen neuen Romantypus, der seinesgleichen sucht. Zugleich Liebesroman, Heimatroman, Familienroman – geschildert auf eine bezaubernde, herzerfrischende Weise, wie wir alle sie schon immer ersehnt haben.

Unruhig ging Gustav Breithuber im Wartezimmer des großen Krankenhauses der Kreisstadt auf und ab. Immer wieder presste er die Hände gegeneinander, ballte sie zu Fäusten bis sie ihm schmerzten. Er hätte sich am liebsten eine Zigarette angezündet, doch das rote Schild an der Wand mahnte ihn, es nicht zu tun. Er wollte eben das Fenster öffnen, um frische Luft hereinzulassen, da kam die Krankenschwester. Gustav hörte die Schritte hinter sich. Er drehte sich zu ihr um und sah sie fragend an. "Herr Breithuber, Sie haben einen kleinen Sohn", sagte sie und reichte ihm die Hand. "Meinen Glückwunsch."
Herausgeber:
Freigegeben:
Aug 9, 2016
ISBN:
9783740906160
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Heimatkinder 27 – Heimatroman - Anja Baum

Heimatkinder –27–

Ich hab den Papa heimgeholt

Die kleine Maria wünscht sich eine richtige Familie

Roman von Anja Baum

Unruhig ging Gustav Breithuber im Wartezimmer des großen Krankenhauses der Kreisstadt auf und ab. Immer wieder presste er die Hände gegeneinander, ballte sie zu Fäusten bis sie ihm schmerzten. Er hätte sich am liebsten eine Zigarette angezündet, doch das rote Schild an der Wand mahnte ihn, es nicht zu tun.

Er wollte eben das Fenster öffnen, um frische Luft hereinzulassen, da kam die Krankenschwester. Gustav hörte die Schritte hinter sich. Er drehte sich zu ihr um und sah sie fragend an.

»Herr Breithuber, Sie haben einen kleinen Sohn«, sagte sie und reichte ihm die Hand. »Meinen Glückwunsch.«

»Wie geht’s meiner Frau?«, fragte er, und seine Stimme zitterte.

»Chefarzt Dr. Kröger bemüht sich noch um sie. Er wird anschließend selbst zu Ihnen kommen. Es wird schon werden«, versuchte sie ihn aufzumuntern, als sie sein sorgenvolles Gesicht sah.

Dann verließ sie das Wartezimmer.

Gustav Breithuber wusste, dass er sich keine unberechtigte Sorge machte. Linas Schwangerschaft war schon sehr bedenklich verlaufen, und trotzdem hatte der Arzt behauptet, heute sterbe keine Frau mehr an einer Geburt. Doch Gustav war skeptisch geblieben. Lina hatte seit ihrer Kindheit ein schwaches Herz, und wer konnte da schon vorhersagen, ob es gut ausgehen würde.

Sein Hemd klebte ihm am Rücken fest, als er sich wieder erhob und seine Wanderung erneut aufnahm. Das Haar hing ihm wirr in die Stirn. Er strich sich mit der Hand über die müden Augen. Warum blieb der Arzt nur so lange? Gustav heftete seinen Blick auf die Tür. Elastische Schritte näherten sich. Die Tür wurde aufgezogen und der Arzt stand vor ihm.

Noch ehe er etwas sagen konnte, erkannte Gustav Breithuber in dem Gesicht des anderen die Wahrheit.

»Herr Breithuber, es tut mir leid«, murmelte der Arzt. »Wir konnten Ihrer Frau nicht mehr helfen. Das Herz war zu schwach.«

Gustav Breithuber nickte stumm. Tränen füllten langsam seine Augen, doch unterdrückte er sie.

»Sie haben aber einen gesunden Sohn. Wollen Sie ihn noch sehen?«, fragte der Arzt.

Gustav Breithuber nickte wieder. Zögernd folgte er dem Arzt. Mit gemischten Gefühlen betrachtete er das kleine Etwas, das ihm hinter einer Scheibe gezeigt wurde. Der Säugling lächelte zufrieden im Schlaf.

*

Wenig später fuhr Gustav mit seinem Auto ziellos durch die kleine Kreisstadt. Niemand erwartete ihn. Nach Hause wollte er nicht. Er fürchtete sich vor der Kälte, die ihn dort empfangen würde.

Er parkte den Wagen am Straßenrand, ohne zu wissen wo er war. Er zog sich eine Zigarette aus seinem Etui und zündete sie sich an.

Die Straßenlaternen sprangen an und Gustav stieg aus dem Auto. Er wollte sich die Beine vertreten.

Teilnahmslos blickte er an der grauen Fassade eines zweistöckigen Wohnhauses empor. Im obersten Stock brannte noch Licht. Als er sich abwenden wollte, fiel sein Blick auf das Straßenschild. Mehrmals murmelte er den Namen vor sich hin, ehe ihm bewusst wurde, warum er ihm so bekannt vorkam.

Hier wohnte doch die Edith vom Nachbargut, Linas beste Freundin. Gustav Breithuber ging auf die Haustür zu und drückte ohne lange zu überlegen auf den Klingelknopf.

Schon ertönte der Türsummer. Gustav trat ein. Er nahm gleich zwei Stufen auf einmal.

Edith beugte sich übers Treppengeländer, als sie die eiligen Schritte hörte.

»Gustav, wo kommst du denn her?«, begrüßte sie ihn erstaunt.

»Aus dem Krankenhaus.« Gustav reichte Edith die Hand. In diesem Moment bereute er hierhergekommen zu sein, denn er verstand sich plötzlich selbst nicht mehr. Warum ging er zu Edith?

»Hat Lina das Baby?«, fragte Edith leise.

Dabei versuchte sie in Gustavs Gesicht zu lesen, denn er war wortlos in den Flur getreten und stand ihr unruhig von einem Bein auf das andere tretend gegenüber.

»Leg doch bitte ab, und komm ins Wohnzimmer«, bat sie.

»Ich weiß net. Ich störe dich bestimmt«, murmelte er verlegen.

»Aber nein, ich bin alleine. Komm nur herein. Du siehst erschöpft aus. Ruh dich halt ein bisserl aus«, lud Edith ihn ein.

Sie öffnete die Wohnzimmertür. Gustav folgte ihr langsam, immer noch unsicher, was ihn hergetrieben haben mochte.

»Lina geht es nicht gut, nicht wahr?«, begann Edith vorsichtig, während Gustav sich aufs Sofa setzte. Sie hatte an seinem Gesicht erkannt, dass mit Lina etwas nicht stimmen musste. Überdies wusste sie von Lina welch große Angst die Freundin vor der Geburt des Kindes hatte.

»Nein, sie ist …, sie hat …, der Arzt wollte alles tun, aber …« Gustav vergrub sein Gesicht in beiden Händen. Er wollte Edith nicht zeigen wie er gegen die Tränen ankämpfen musste.

Edith trat neben ihn und legte ihm sanft ihre Hand auf die Schulter. »Ist denn das Kind gesund?«, fragte sie leise. Dabei beherrschte sie nur mühsam ihre Stimme und unterdrückte tapfer ihre Tränen. Gustav brauchte Trost. Wenn sie jetzt in Tränen ausbrach, so hätte ihn das nur noch mehr aus der Fassung gebracht. Für einen kurzen Moment lehnte Gustav sich an Ediths Schulter an. Diese leichte Berührung empfand er als sehr wohltuend. »Jetzt steh ich alleine da mit dem Kindl. Ich weiß nicht wie …« Gustav brach ab. Er löste sich von ihr und richtete sich auf. Seine Hilflosigkeit wollte er vor Edith verbergen. Deshalb fragte er rasch: »Hast du was zu trinken?«

Edith ging wortlos zum Wohnzimmerschrank hinüber und schenkte ihm einen Schnaps ein.

Gustav leerte das Glas in einem Zug. Hart setzte er es auf den braunen Glastisch zurück.

Edith sah ihn abwartend an. Sie hielt ihre Hände verkrampft im Schoß. Gern hätte sie ihm tröstend einen Arm um die Schulter gelegt, doch er war nicht ansprechbar in seinem Schmerz.

»Gib mir bitte noch einen«, bat Gustav unvermittelt.

Edith schenkte ihm immer wieder ein. Sie saßen den ganzen Abend schweigend beisammen. Edith sah ihn fortwährend an, doch das schien Gustav nicht zu merken. Er trank einen Pflaumenschnaps nach dem anderen. Als die Flasche leer war, sagte er mit schwerer Zunge zu Edith:

»Danke, das hat geholfen, ich bring dir morgen ein neues Flascherl vorbei.« Dann erhob er sich, kam aber nur bis zur Tür. Er musste sich am Türrahmen festhalten.

Edith sprang entsetzt auf. »Wo willst du denn jetzt noch hin?«

»Nach Hause. Mein Wagen steht unten.«

»Das lasse ich nicht zu! Du darfst nicht mehr mit dem Auto fahren. Bleib hier! Kannst auf der Couch schlafen«, bot Edith ihm an.

»Danke, aber ich möcht lieber …«

»Nein. Du hast einen kleinen Sohn. Willst ihn zum Vollwaisen machen?«, fragte Edith schärfer als sie wollte.

Gustav starrte sie an. Er musterte sie erstaunt. »Ich …, du hast recht«, murmelte er verlegen. Er kam sich schlecht vor. Keine Minute hatte er mehr an das Kindl gedacht, nur an sich, obwohl er spürte, dass er nicht mehr gerade stehen konnte, hatte er sich noch in sein Auto setzen wollen. Es war besser, Ediths Angebot anzunehmen. Gustav drehte sich um und wankte auf den nächsten Stuhl zu.

Edith schob den kleinen Tisch beiseite und machte ihm die Couch zurecht. Sie half ihm beim Ausziehen. Gustav drückte ihr die Hand, als er schließlich im Bett lag.

»Danke. Was hätte ich nur ohne dich gemacht?«

»Aber, Gustav, das war doch selbstverständlich«, wehrte Edith ab.

»Nein, sag das nicht. Am liebsten möchte ich dich heiraten. Deine Wärme heilt meine Wunden schneller, und mein Junge wächst dann nicht in einem Heim auf. Willst du?«, lallte er mit schwerer Zunge.

»Darüber sprechen wir lieber morgen«, erwiderte Edith vorsichtig.

Sie glaubte Gustav habe ihr das Angebot nur gemacht, weil er sich in seinem Schmerz verstanden fühlte. Doch schon morgen, wenn er wieder nüchtern war, konnte er das anders sehen.

Er sah sie verwundert an, war jedoch zu müde, um weiter darüber zu sprechen, deshalb nickte er nur noch und rollte sich auf die Seite. Er murmelte noch etwas Unverständliches und schlief augenblicklich ein.

Edith beugte sich über ihn und betrachtete ihn eine Weile. Sie konnte Gustav gut leiden, hatte ihn ebenso gern wie ihre Freundin. Aber liebte er sie auch?

Edith war auf dem Wartbergerhof, dem Nachbarhof der Breithubers aufgewachsen. Sie kannte Gustav seit ihrer Kindheit. Als Kinder hatten sie viel miteinander gespielt, waren später zu dritt tanzen gegangen und dann hatte Gustav sich eines Tages für Lina entschieden. Edith erinnerte sich genau an den Tag, als Lina zu ihr gekommen war und ihr stolz erzählt hatte, dass Gustav sie heiraten wolle.

Mit einem dicken Kloß im Hals, hatte sie der Freundin alles Gute gewünscht. Und jetzt kam er zu ihr in die Stadt, wo sie seither als Schreibkraft in einer kleineren Firma arbeitete.

Ihr älterer Bruder bewirtschaftete den Hof der Eltern. Zwar hätte sie bleiben können, aber sie konnte damals nicht mehr ertragen, Gustav und der Freundin Arm in Arm zu begegnen. Hier hatte sie das alles vergessen.

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